HANDBOUND AT THE UNIVIiRSITY OF TORONTO PRESS FINNISCH-UGRISCHE FORSCHUNGEN ZEITSCHRIFT FÜR FINNISCH-UGRISCHE SPRACH- UND VOLKSKUNDE UNTER MITWIRKUNG YON FACHGENOSSEN HERAUSGEGEBEN VON E. N. SETÄLÄ UM) KAARLE KROHN V- ^ ERSTER BAND 1901 "R?" HELSINGFORS LEIPZIG KED. DER ZEITSCHRIFT OTTO HARRASSOWITZ 994ß4« PH ) Fi' HELSIXCIFORS DRUCKEREI DER FINNISCHEN EITTERATIR-GESELLSCHAF 1902. Inhalt des I. bandes. Seite Donner O. Die uralaltaischen sprachen ..... 12S — 146 Ekm.vn E. A. siehe Tunkelo E. A. Kroh.v Ka.-\rle. Wo und wann entstanden die finni- schen zauberlieder? 52 — 72, 147 — 181 I. Finnisch-ugrische zeit 52 — 57 II. Finnisch-mordwinische zeit 57 — 67 III. Urfinnische zeit 67 — 72 1\'. Finnisch-estnische parallelen 147 — iSi — — siehe auch Setälä E. N. MiKKOLA Joos. J. Das Verhältnis des slavischen Wor- tes ktnjiga zum ungarischen könjrv 'buch' und dem mordwinischen konöv 'papief' 112 — 115 — » — Ein altes slavisches lehnwort im finnischen . 115 — 117 — >' — Fremde namen für körperliche gebrechen . iSl — 182 Setäl.\ E. N. Dem andenken Matthias Alexander Ca- stren's i — 5 — » — Kurze notiz über das opferholz bei den Som- piolappen (aus d. j. 1670J 187 — 189 — » — Über die transskription der finnisch-ugrischen sprachen .. 15 — 5^ I. Historik . 16—32 II. \'orschläge 32 — 52 — ; — • und Krohn Kaarle. Plan der Zeitschrift . 6 — 14 SiMONVi Siegmund. Mongolisches im ungarischen. . 126 — 128 SziNNVEi J. Über den Ursprung des personalsuffixes -n im ungarischen 73 — ^^ Tunkelo E. A. Finnische und estnische konjunktionen nordischen Ursprungs 117 — 126 1. Fi. eli etc 117 — 121 2. Est. enge 121 3. Fi. entä, estS. ent 121 — 126 — ;> — Nordische lehnwörter im finnischen und \a\)- pischen 183 — 187 Wichmann Yrjö. Die syrjänische bildung auf -ob, -öp und der komparativ im finnisch-ugrischen . . . 189 — 193 — • » — Etymologisches aus den permischen sprachen 99 — iii 1. Wotj. lu'ves, urbets 99 — 104 2. Wotj. Kuzon 104 — loS 3. Syrj. nebög, nebög 109 — iii WiKLUND K. B. Zur geschichte des urlappischen ä und ü in unbetonter silbe. I 81 — 99 Abkürzungen. aderb = aderbedschaiiisch. AkE = Akademiai Ertesitü. Eed. v. Iv. SziLY. alt. = altaisch. anthr. — anthropoloaio. anthropolo- jrisch. arch. = archiv. ArcliE = Arcliseolo o-iai Ertesitü (Bibl. YIII 300). ÄH = Setälä, Yhteissnomalainen äännohistoria. BlpL = QviGSTAD u. AViKLUND, Biblio- graphie der lappischen litteratur. dschag. — dschagataisch. EKSA = Eesti Kirjarneeste Sejtsi Aastaraamat. EPhilK = Egyetemes Philologiai Küzlöny. Ethn. = E"thnographia (Bibl. I 6). ethnogr. = ethnographie. ethnol. — ethnologie. Etn. Obozr. = 3Tnorpa(|iiiex, Beröringer mellem de finske og de baltiske (litauisk- lettiske) sprog. fi. (f.) = finnisch (suomi) fingr. ~ finnisch-ugTisch. FLG = Finnische Litteraturgesell- schaft. FM = Finskt Museum (Bibl. II 3). FUF — Finnisch-ugrische Forschun- gen. FUG = Finnisch-ugrische Gesell- schaft. Gel. Estn. Ges. = Gelehrte Estnische Gesellschaft. GSI — Thomsen. Den gotiske sprog- klasses indflydelse pä den finske. H. — J. Hurt's folkloristische Samm- lung. lALE = \YiEDE-MANN, Aus dem inne- ren und äiisseren Leben der Ehsten. Irod. Közl. — Irodalomtörti'noti Küz- lenu^nyek (Bibl. VIII 2). jak. = jakutisch. JSFOu. = .Journal de la Societe Fin- no-Ougrienne — Snomalais-ugi-ilai- sen Seuran aikakauskirja (Bibl. I 1-2). kas. = Kasan-tatarisch. kir. = kirgisisch. KSz. - Keleti Szemle (Bibl. I 3'. magy. = magyar, magj^arisch. MKSz. = Magyar Könvvszemle (Bibl. YIII 3). "^ MML = Kreltzw ALD u. Xels, Mythi- sche u. magische Lieder der Ehsten. MSFOu. == Memoires de la Socie- ti- Finno-ougrienne = Suomalais- ugrilaisen Seui-an toimituksia. MTSz. = Szixxyei, Magyar Täjszötär. MUSz. ^; Bidenz, Magyar-ugor Ösz- szehasonlitö Szötär. Xt^prE = A Magyar Nemzeti Müzeum Neprajzi Osztälvänak Ertesitöje (Bibl. I 109). XyK -- Xvelvtiadomänyi Kozleme- nyek (Bibl. 14). Xyr = Magyar Nyelvör * Bibl. VIII 1 ). 'SySz. = SzARVAs u. SimoaYi, Magyar Xyelvtörteneti Szötär. RY = Kunokokous Väinämöisestä. SM =-- Suomen Museo (Bibl. II 2). SMY'Aik. = Suomen Muinaismuisto- yhdistyksen Aikakauskirja. TuM =- Setalä, Zur geschichte der tempus- und modusstammbildung in den finnisch-ugrischen sprachen. TörtT =- Tortenelmi Tär. Eed. von A. KOMÄROMY. UAW = Ungarische Akademie der Wissenschaften, iirgesch. = Urgeschichte. Yalv. = Yalvoia (finn. Zeitschrift). Vir. = Yirittäjä (Bibh II 1). YK = Kalevala 1835. Ziv. Star. = /Knuaii CTapniia. Über die benennungen der finnisch-ugrischen Völker und die ab- kürzungen derselben siehe Anz. 179 — 181. Die übrigen abkürzungen sind die gewöhnlichen und dürften ohne erklärung verständlich sein. DEM ANDENKEN Matthias Alexander Castr^n's, Ein halbes Jahrhundert ist heute seit dem tage (14 märz 1851) verflossen, wo die finnisch-ugrische sprach- und Volks- kunde einen festen platz an der finnischen Universität erhielt, wo Matthias Alexander Castren zum professor der finni- schen spräche ernannt wurde. Damit schwang sich über- haupt zum ersten mal die vergleichende finnisch-ugrische for- schung zu einem festen akademischen lehrstuhl empor, denn die Universitätslehrer für einzelne finnisch-ugrische sprachen, die vQtfher existiert, hatten sich bloss auf das Studium ein- zelner sprachen oder auf den praktischen Unterricht in den- selben beschränkt. Wenn wir nun ein unternehmen beginnen, welches der finnisch-ugrischen sprach- und Volkskunde gewid- met ist, so haben wir das erste wort an dieser stelle dem andenken dieses denkwürdigen tages und dieses denkwürdigen mannes weihen wollen. Matthias Alexander Castren hatte erst sein einundzwan- zigstes lebensjahr vollendet, als 1835 das von Elias Lönnrot redigierte finnische nationaiepos Kalevala erschien. Dieses 2 • E. N. Setälä. ereignis bewirkte, dass Castren den entschluss fasste, wie er selbst sagt, „die Wirksamkeit seines lebens der Untersuchung der spraciie, religion, sitten, lebensweise und der übrigen ethno- graphischen Verhältnisse der finnischen und anderer mit ihm verwandter volksstämme zu weihen". Und als er sah, dass er diese Studien nicht erfolgreich an der band schriftlicher quellen würde treiben können, da war er bereit sich auf lange mü- hevolle reisen zu begeben um reichlicheres und zuverlässigeres material zusammen zu bringen. Sein arbeitstag ist nicht lang geworden — im ganzen konnte er ungefähr fünfzehn jähre der wissenchaftlichen for- schung widmen und kaum mehr als ein jähr seiner professur an der Universität obliegen — aber ganz erstaunlich ist die fülle der ergebnisse, zu denen er während seiner arbeitszeit gelangte. Er begann mit der vergleichung des finnischen, estnischen und lappischen und hörte auf mit der vergleichung aller „altaischen" sprachen. Er untersuchte die verschiedensten sprachen, sowohl finnisch-ugrische wie besonders die samojedischen sprachen, deren Studium er als eine der hauptaufgaben seines lebens gesetzt hatte. Er erweiterte die finnische mythologie zu einer finnisch- ugrischen und schuf von derselben ein für die Zeitverhältnisse wunderbar klares bild. Er erforschte mit offenem und ver- ständnisvollem blick die ethnologischen Verhältnisse der Völ- ker, die er besuchte; sogar der archäologie hatte ai' sein Interesse zugewendet. Und während seiner kurzen lehrthätig- keit an der Universität behandelte er in seinen Universitäts- vorlesungen weite gebiete der Sprachwissenschaft, ethnologie, volkslitteratur und mythologie und erweckte in der Jugend Interesse für diese gegenstände, die die Objekte seines eigenen wärmsten Interesses waren. Und in allem, was von seiner arbeit auf die nachlebenden gekommen ist, offenbart sich seine intelligente auffassung, sein weitschauender blick und seine liebe zu dem gegenständ seiner forschung. Dem andenken M. A. Castren's. Matthias Alexander Castren fiel allzufrüh der Wissen- schaft zum opfer. Die unsäglichen Schwierigkeiten auf den mühevollen reisen untergruben seine gesundheit, aber trotz- alledem arbeitete er weiter, arbeitete sogar noch mit der feder in der hand auf dem krankenbette, von dem er nie mehr auf- gestanden ist. Was für kräfte waren es, die den jungen forscher dazu vermochten seine gesundheit und sein leben einzusetzen, mühen und gefahren auf den samojedischen tundren oder in den jurten Sibiriens zu erdulden, krank und ermattet noch für die errei- chung des einmal gesteckten hauptzieles seines lebens zu arbeiten? Dass eine von ihnen jener in der menschenbrust wohnende drang nach Wahrheit gewesen ist, darf nicht bezweifelt werden. Aber das war es nicht allein. Er hat selbst beim aufbruch zu einer grossen reise in seinen vom universitäts- katheder an die zuhörer gerichteten abschiedsworten auf die frage, „w^as die macht ist, welche den menschen antreibt mit hintansetzung seiner eigenen vorteile für einen allgemeinen zweck zu wirken", mit den Worten geantwortet: „Es ist das gefühl für das Vaterland. Wäre dieses nicht, so würde es in der that kein gemeinwesen geben, und ohne gemeinwesen wäre keine bildung, keine menschlichkeit.'' Und indem er die hoff- nung ausspricht, dass auch in seinen zuhörern dasselbe vater- landsgefühl durch das leben hindurch wohnen möchte, fährt er fort: .,Es ist freudiger zu kämpfen, wenn man für einen zweck kämpft, in dem auch andere ihr behagen, ihr Interesse rinden. Man kämpft dann mit der Überzeugung, dass man nicht das glück und die genüsse eines ganzen lebens für leere grillen nur aufgeopfert hat, dass man nicht ein fruchtlos verrinnender bach, sondern ein tropfen in dem fluss ist, welcher ein armes, aber herrliches land — unser finnisches Vaterland befruchtet. Mit dieser Überzeugung . . . verlasse ich bald mein Vaterland, bereit zu leben, bereit zu sterben für dessen Zukunft." E. N. Setälä. Castren's anschauung ging also dahin, dass er, wenn er seinem volke durch seine wissenschaftliche arbeit ehre machte, wenn er durch seine forschungen über die Vergangenheit seines eigenen Volkes und dessen stammesverwandten der internatio- nellen Wissenschaft beitrage darbot, beitrage, die er am leichtesten erreichen und die er am besten fruchtbar machen konnte, dass er damit an der arbeit für die allgemeine bildung, für die menschheit, teilnehmen könne. Demnächst bewirkte sein na- tionaler ausgangspunkt, dass er — wie ein fremder beurteiler seiner forschung (A. N. Pypin) treffend bemerkt hat — „ein warmes mitgefühl diesen Völkern gegenüber hegte, die er für stammverwandte seines eignen Volkes ansah, ein mitgefühl, welches nicht so sehr von einem Stammesinstinkt, als viel- mehr von einem breiten allgemeinmenschlichen gefühl ein- gegeben wurde, und dieses trieb ihn an, den historischen und menschlichen wert dieser Völker zu würdigen". Die wissenschaftlichen und vaterländischen, die allgemein- menschlichen und nationalen motive waren also in seiner edlen anschauungsweise vereinigt. Wenn wir jetzt die gelehrten der heimat und des aus- ländes zu gemeinsamer arbeit zusammenrufen um der wissen- schaftlichen weit forschungsarbeit zu übergeben, deren ziel die aufklärung des alten geistigen besitzes der finnisch-ugrischen Völker auf dem boden der spräche, der Volksdichtung und stoff- lichen kultur ist, so gehen wir von der anschauung aus, die auch Castren eigen war, dass selbst nicht das kleinste Stück- chen menschlicher kulturentwicklung für das menschliche wissen wertlos sei, dass auch die finnisch-ugrische forschung etwas zu bieten hat, was sowohl für die eigentlichen nationalen for- schungszweige der verschiedenen länder,, als auch der allgemein- menschlichen Wissenschaft von bedeutung sein kann. Wir geben uns der hoffnung hin, dass diese anschauungsweise alle die arbeitsgenossen, die ausserhalb des finnisch-ugrischen ethno- Dem andenken M. A. Castren's. graphischen raj^ons stehen, mit den finnisch-ugrischen forschem x'ereinigen wird, welchen diese forschung zugleich eine natio- nale oder wenigstens heimische angelegenheit ist. Matthias Alexander Castren's geniales wesen, sein nie- mals mangelnder eifer, seine liebe, die er alle der Wissenschaft zum opfer brachte — das bild seiner ganzen persönlichkeit sind ein andenken," welches beim beginn einer solchen arbeit zwecks nacheiferung und ermunterung wachzurufen uns wohl angebracht erscheint. Helsingfors den 14 märz 1901. E. N. SetäLÄ. PLAN DER ZEITSCHRIFT. Ganz abgesehen von dem natürlichen eifer, mit dem man in Ungarn und bei uns der finnisch-ugrischen forschung folgt, hat dieser zweig der Wissenschaft allmählich in den \-erschie- denen ländern immer mehr, darunter bedeutende, Vertreter und freunde gefunden. Einzelne gebiete der finnisch-ugrischen Wis- senschaft sind dazu angethan auch den forscher der indo- europäischen sprachen und kultur zu fesseln; wir meinen be- sonders die berührungen zwischen den finnisch-ugrischen und den indoeuropäischen Völkern ; ist doch bekannt, dass die finno- ugrier indoeuropäisches sprachgut in älterer form beu-ahrt ha- ben, als es die schriftlichen quellen darbieten, und ähnliches hat man zum teil auch auf dem gebiet der Volkskunde aufzei- gen wollen. Ist auf der einen seite die methode der Sprach- forschung auf indoeuropäischem boden bis zu einer ausser- ordentlich hohen stufe der entwicklung vorgedrungen, so könnte es andrerseits vielleicht dem indoeuropäischen forscher besonders wünschenswert sein diese methode auch auf anderen Sprach- gebieten nach möglichkeit angewandt und kontrolliert zu sehen, hier auf finnisch-ugrischem, wo in dieser richtung schon ge- arbeitet worden ist. Die Kalevala-forschung ist geeignet licht über die entstehungsgeschichte des grossen griechischen epos zu verbreiten, und die überaus reichhaltigen finnischen und estnischen folkloristischen Sammlungen bieten material für wich- Plan der Zeitschrift. tige aufschlüsse auch in allgemeinmethodischer hinsieht, ganz abgesehen davon, dass sie inhaltlicherseits interessante Ver- gleichspunkte liefern und berührungen zwischen den volkslitte- raturen der indoeuropäer und denen anderer stamme aufweisen können. Die archäologische erforschung der heutigen und • vormaligen finnisch-ugrischen gebiete vermag die Urgeschichte auch der indoeuropäer und anderer Völkerstämme zu beleuchten. Die finnisch-ugrische ethnographie — denken wir bloss z. b. an die eigenartige Ornamentik dieser Völker — kann der allgemei- nen ethnographie beachtungswerte probleme darbieten. Stoff von vielseitigem interesse ist also vorhanden, einen eigentlichen Sammelplatz für diese Interessen aber hat man \'er- misst. Der finnisch-ugrischen forschung zugehörende gegen- stände werden an x'erschiedenen stellen behandelt, ausser in Ungarn und bei uns, auch in Russland, Skandinavien und im übrigen Europa, ja sogar in Amerika, wenn nicht über anderes, so ist über das Kalevala und die läppen in den verschiedensten Publikationen geschrieben worden. Alles aber ist, abgesehen \'on den Veröffentlichungen einiger wissenschaftlicher gesell- schaften, hier und dort verstreut, oft in Zeitschriften, ja sogar in tagesblättern oder russischen gouvernementszeitungen. Diese Veröffentlichungen sind natürlich an wissenschaftlichem wert sehr ungleich, aber oftmals können ja auch an durchaus be- scheidener stelle wertvolle materialien erscheinen. Wenn nun dazu noch kommt, dass der grösste teil von diesen Veröffent- lichungen in sprachen geschrieben ist, die nicht einmal alle diejenigen beherrschen, die finnisch-ugrische Studien ex professo treiben, geschweige alle europäischen gelehrten, so ist klar, dass der ausbeutung dieses materials zu wissenschaftlichen zwecken grosse Schwierigkeiten im wege stehen. Das wirk- samste mittel, um diese Schwierigkeiten zu überwinden, wäre ohne zweifei ein organ, welches v-ersuchte in den allgemein bekannten sprachen Europas den fachleuten wie den \'olks- und Plan der Zeitschrift. Sprachwissenschaftlern überhaupt ein gesammtbild von dem jetzigen stand und den aufgaben der finnisch-ugrischen Wissen- schaft sowie vom Verhältnis derselben zu anderer forschungs- arbeit auf dem gebiete der sprach- und Volkskunde zu geben. Der gedanke, ein solches organ ins leben zu rufen, ist nicht neu. Schon im herbst 1892 tauchte, in erster linie durch Brugmann's und Streitberg's Indogermanische Forschungen an- geregt, ein diesbezüglicher plan unter den hiesigen jüngeren Sprachforschern auf,' wenngleich gründe verschiedener art, die hier nicht der ort ist eingehender auseinanderzusetsen, bewirk- ten, dass die Verwirklichung desselben immer weiter hinaus- geschoben wurde. Das grosse Interesse, das alle die gelehrten, mit denen wir uns mündlich oder schriftlich über die ange- legenheit beraten konnten, schon damals, wie auch jetzt von neuem, an den tag gelegt haben, ist ein zeugnis dafür, dass der mangel eines organs der erwähnten art sich sehr fühlbar macht. Dies bezeugt weiterhin der umstand, dass ein ähnlicher gedanke auch anderenorts lautgeworden ist. Wir meinen den Vorschlag bezüglich des zustandebringens eines „Anzeigers für tinnisch-ugrische sprachen und Volkskunde, anthropologie, Urge- schichte, archäologie u. dgl. (zentralorgan für ugrologie)", den dr. Anton Hermann auf dem orientalistenkongress in Rom, herbst 1899, machte — ein Vorschlag, der jedoch unausgeführt geblieben ist. In Ungarn ist allerdings statt dessen im \-origen jähr die Zeitschrift „Keleti szemle — Revue Orientale" gegründet worden, aber diese ist auf „uralaltaische Studien" überhaupt abge- sehen und scheint sich vorläufig besonders zu einem organ für turkologie herausgebildet zu haben, sodass sie also nicht dem entspricht, was wir beabsichtigt haben. Auch das „Journal de la Societe Finno-ougrienne", von dem schon der 19:te band ^ Die vorbereitende korrespondenz war bereits eingeleitet worden, und aus diesem anlass gelangte auch eine mitteilung über das vorhaben in Nj'elvtudomänyi Közlemenyek XXUI 13. Plan der Zeitschrift. erschienen ist, hat artikel von anderem als finnisch-ugrischem gebiet enthalten, zudem ist in demselben als Jahrbuch der finnisch-ugrischen gesellschaft den inneren angelegenheiten der gesellschaft: den Jahres- und Sitzungsberichten, den reiseberich- ten der Stipendiaten u. a. ein weiter räum gegeben. Dazu kommt, dass. beide organe artikel auch in anderen als den grossen . europäischen kultursprachen enthalten. Ausschliesslich in unga- rischer spräche erscheint wiederum „Nyelvtudomänyi Közleme- nyek" (bis jetzt 30 bände); hinsichtlich ihres programms ist diese Zeitschrift ausserdem jetzt allgemeinlinguistisch, wennschon die finnisch-ugrischen gegenstände die erste stelle einnehmen. Unter diesen umständen ist also nach unserer meinung dem mangel an einem Sammelplatz nur durch die gründung eines neuen organs abzuhelfen, und diese haben die unterzeich- neten ins werk zu setzen sich erkühnt in der Überzeugung, dass es an wissenschaftlichem ertrag nicht fehlen wird, und zugleich in der hoffnung, dass die regierung und die wissen- schaftlichen gesellschaften unsres landes wie auch gönner der Wissenschaft dem unternehmen die notwendige materielle Unter- stützung nicht versagen werden. ^ Die Finnisch-ugrischen forschungen haben einen doppelten zweck: auf der einen seite in selbständigen Original- artikeln die einzelnen fragen der finn-isch-ugrischen sprach- und Volkskunde zu behandeln, und auf der anderen seite durch Übersetzung, referat sowie in einem besonderen Anzeiger durch kritik und bibliographie ein gesammtbild von dem gegen- wärtigen stand der finnisch-ugrischen sprach- und Volkskunde, ihren problemen und ergebnissen zu bieten. Als spräche der artikel wird in erster linie das deutsche verwandt, doch sind auch alle auf den Orientalistenkongressen anerkannten sprachen ^ Es sei erwähnt, dass ein ungenannter gönner im vorigen jalir der Finnisch-ugrischen gesellschaft 6,172 Fmk 80 p. als fond schenkte, von dem die zinsen für eine solche Zeitschrift verwandt werden sollen. lO Plan der Zeitschrift. (auch französisch, englisch, italienisch und lateinisch) gestattet. Als Originalartikel sollen in der regel nur solche aufzätze auf- genommen werden, die einen wissenschaftlichen fortschritt hin- sichtlich ihrer ergebnisse oder ihrer methode enthalten, oder auch solche, die vorher nicht behandelte epochen der geschichte der forschung darstellen; zugleich ist jedoch beabsichtigt klei- neren aufsätzen räum zu gewähren, die beobachtungen, etymo- logische und andere beitrage enthalten, und wegen ihres gerin- gen umfangs nicht als selbständige werke erscheinen können. In erster linie ist unsere Zeitschrift für aufsätze gedacht, die erforschen, wie die formen entstanden sind oder auf welchem wege man zu ihnen zu gelangen hat, also für die geschichte und methodik. Dagegen sind alle reinen materialsammlun- gen jeglicher art ausgeschlossen, da für deren Veröffentli- chung anderen orts genügend gelegenheit geboten ist. Wir wollen keiner besondern schule oder richtung dienen, sondern sind bereit jeden artikel anzunehmen, der ernste me- thodische grundsätze und ern.stes, unvoreingenommes streben nach dem wissenschaftlichen Verständnis des zu behandelnden gegenständes verrät. Auch versagen wir nicht artikeln den räum, die vom Standpunkt der redaktion abweichen, noch wollen wir wissenschaftliche diskussion verhindern, hoffen viel- mehr dazu ermuntern zu können, aber einer rein persönlichen polemik werden wir in unserer Zeitschrift keinen platz gewähren. Unter den fragen, deren behandlung wir besonders in unserer Zeitschrift erhoffen, wollen wir hervorheben: 1. Finnisch-ugrische Sprachgeschichte, sowohl allgemeine wie einzelsprachliche. 2. Phonetik und transskription der tinnisch-ugrischen sprachen. 3. Fragen nach den gegenseitigen beziehungen der fin- nisch-ugrischen sprachen unter einander. 4. Fragen nach den beziehungen der finnisch-ugrischen Plan der Zeitschrift. 1 1 sprachen zu den sog. ural-altaischen sprachen sowie den berüh- rungen mit diesen. Wir stellen uns in dieser hinsieht auf den unvoreingenommenen Standpunkt, dass wir die Urverwandt- schaft für noch nicht wissenschaftlich bewiesen betrachten. Aufsätze, welche türkische, samojedische, mongolische oder mandschu-tungusische sprachen oder Völker ohne rücksicht auf die finnisch-ugrischen behandeln, können wir im einklang mit dem plan der Zeitschrift nicht aufnehmen. 5. Fragen nach den beziehungen und berührungen der finnisch-ugrischen sprachen mit den indoeuropäischen (älteste beziehungen, arische, baltische, germanische und slavische be- ziehungen). Auf diesem gebiet existieren bereits ausgezeichnete werke — erwähnt zu werden brauchen bloss Vilh. Thomsen's geniale und umfassende forschungen, die von jüngeren forschem fortgesetzt worden sind. Diesen äusserst interessanten forschun- gen gedenken wir besondere beachtung zu schenken und nach möglichkeit neue beitrage zu veröffentlichen suchen. 6. Allgemeinsprachwissenschaftliche (sprachphilosophische und phonetische) fragen durch beispiele und belege aus den finnisch-ugrischen sprachen beleuchtet oder durch diese angeregt. 7. Urgeschichte und alte kultur der finnisch-ugrischen Völker auf grund der linguistik als hilfswissenschaft. Dieses gebiet der forschung ist auf finnisch-ugrischem boden sehr alt, denn schon im XVIII. Jahrhundert hat der gründer der finnischen Philologie Henrik Gabriel Porthan mit sprachlichen mittein ein bild von der alten kultur der finnen zu schaffen versucht. Später hat bei uns Aug. Ahlqvist denselben gedanken aufge- nommen und zu verwirklichen versucht. Da die etymologische forschung immer weitere fortschritte macht, ist die auffassung von diesen gegenständen fortwährend dem wandel unterworfen und in der entwicklung begriffen. 8. Religion und mythologie der finnisch-ugrischen Völker von sowohl sprachlicher als folkloristischer seite beleuchtet. I 2 Plan der Zeitschrift. 9. Erforschung der finnisch-ugrischen v^olksdichtung : der epischen, lyrischen und magischen lieder nebst ihren melr)dien, der märchen und sagen, der Sprichwörter, rätsei u. dgl. Fra- gen nach dem Ursprung und der urform, nach der geographi- schen Verbreitung und historischen entwicklung, nach den gegen- seitigen beziehungen der volkspoesie der finnisch-ugrischen Völker sammt den diesbezüglichen berührungen mit den indo- europäischen und anderen Völkern. Die grösste aufmerksamkeit wollen wir richten auf die entstehung und allmähliche Ver- schmelzung der bestandtteile des Kalevala-epos. 10. Erkenntnis der gebrauche und sitten der finnisch- ugrischen Völker durch vergleichende forschung. 1 1 . Allgemeine methodik der Volkskunde auf grund von beispielen und belegen von finnisch-ugrischer seite, mit beson- derer beachtung der methode Julius Krohn's. 12. Die stoffliche ethnographie der finnisch-ugrischen Völ- ker mit dem bestreben die typologische entwicklung und den Ursprung der formen zu erklären. 13. Die archäologische forschung über die ehemaligen Wohnsitze, Wanderungen und ursprüngliche kultur der finnisch- ugrischen Völker wie auch über die berührungen^ derselben mit den kulturen anderer Völker, 14. Die anthropologische erforschung der finnisch-ugri- schen Völker in ihrer beziehung zur ethnographie und archäologie. 15. Geschichte der finnisch-ugrischen forschung. 16. Pläne und programme für neue forschungsarbeiten auf finnisch-ugrischem gebiet. Da es auf finnisch-ugrischem forschungsgebiete fast \'oll- ständig an wissenschaftlicher kritik gefehlt hat, versuchen wir besondere aufmerksamkeit dem zuzuwenden, dass alle selbstän- dig erschienenen werke von wissenschaftlichem wert — soweit wie möglich — in dem Anzeiger beurteilt werden, sowohl hin- sichtlich ihrer ergebnisse wie besonders hinsichtlich der me- Plan der Zeitschrift. 13 thode, die in unserem fach oft durchaus mangelhaft gewe- sen ist. Eine ebenso wichtige, wenn nicht noch wichtigere stelle ist in dieser Zeitschrift für die bibliographie in aussieht genom- men, welche besonders einen überblick über die litteratur der finnisch-ugrischen sprach- und Volkskunde zu geben hätte. Man hat schon früher in den ersten bänden des „Journal de la So- ciete Finno-ougrienne" den anfang gemacht finnisch-ugrische bibliographien zustandezubringen, welche jedoch später ganz und gar aufgehört haben. In der bekannten „Orientalischen Bibliographie" L. Scherman's werden allerdings die meisten wichtigeren erscheinungen auch auf dem finnisch-ugrischen ge- biete aufgezählt, um von den kleineren bibliographischen arti- keln in den ungarischen Zeitschriften „Nyelvtudomänyi Közle- menyek" und ,, Magyar Nyelvör" nicht zu reden. Aber kein versuch ist noch gemacht worden durch zusammenwirken meh- rerer fachleute dabei eine relative Vollständigkeit zu erreichen und zugleich auch den Inhalt der verschiedenen erscheinungen zu berichten. — Wir glauben am besten den bedürfnissen der leser in der weise nachzukommen, dass wir immer die jährliche bibliographie zusammenfassen um sie nicht zu sehr zu zersplit- tern. Dieselbe soll so eingerichtet werden, dass sie kurze Inhalts- angaben der in der zeitschriftenlitteratur erschienenen aufsätze ent- hält, nicht aber berichte über für sich erschienene werke, die nach möglichkeit in der kritischen abteilung behandelt werden sollen. Nähere mitteilungen über die in der bibliographie zu befolgenden Prinzipien werden an den anfang der bibliographischen abteilung des Anzeigers zu stehen kommen. Ausserdem soll der Anzeiger kleinere mitteilungen, nachrichten von den Universitätsstudien auf finnisch-ugrischem gebiet, von vortragen, die in Versammlungen wissenschaftlicher vereine gehalten worden, und wichtigeren \"or- schlägen in denselben, forschungsreisen und expeditionen, per- sonalnotizen u. s. w. enthaken. 14 Plan der Zeitschrift. Die Zeitschrift ersciieint vorläufig in zwangloser folge ; der Anzeiger folgt besonders paginiert mit den heften. Drei hefte, mit Anzeiger zusammen 20 — 24 bogen, bilden einen band, dessen preis 10 Fmk (= 10 Frcs := 8 Rm) ist. In der redaktionsarbeit unterstützen uns beständig mag. phil. Alfr. Hackman, der die archäologische seite vertritt, und dozent dr. phil. Yrjö Wichmann, sowie dr. phil. Gustav Schmidt, welcher besonders über dem deutschsprachlichen gewand der Zeitschrift wachen \\'ird, und der uns auch als Übersetzer gute dienste geleistet hat. In Ungarn hat prof. J. Szinnyei der re- daktion mit ausserordentlicher liehenswürdigkeit in allen Ungarn betreffenden angelegenheiten beigestanden. Die übrigen mitarbeiter werden wir am Schlüsse des ersten bandes aufführen; an alle fachgenossen haben wir uns noch nicht wenden w'ollen, bevor wir in diesem probeheft mit eini- ger Vollständigkeit unser programm haben entwickeln können. Dieses programm übergeben \\ir hiermit der beurteilung und bitten zugleich um bemerkungen und \\ inke über dasselbe, die wir nach möglichkeit aufnehmen wollen. Wir können die Schwierigkeit der aufgäbe und die Un- möglichkeit, unser unternehmen ohne geistige Unterstützung von den verschiedenen Seiten durchzuführen, vollauf bemessen. Die freundschaft, mit welcher die redaktion bei der besorgung dieses probehefts unterstützt worden ist, und für die wir unse- ren aufrichtigsten dank aussprechen, giebt uns den anlass zu dem sicheren vertrauen, dass es an dieser Unterstützung auch in der zukunft nicht fehlen wird, und somit wollen wir auch nicht daran zweifeln, dass die erforderliche materielle Unter- stützung erzielt wird. E. N. Setälä, Kaarle Krohn. verantwortlicher redakteur der -Finnisch-ugrischen Forschungen . über transskription der finnisch-ugrischen sprachen. Historik und vorschlage. Wenn jetzt ein neues organ für finnisch-ugrische forschun- gen in die w^elt tritt, ein organ, das nach möglichkeit darnach strebt ein zentralorgan auf diesem gebiet zu sein, so gehört zu den ersten gegenständen, welche in diskussion zu nehmen sind, die frage nach der aufstellung eines gemeinsamen transskrip- tionssystems für die wissenschaftliche fixierung der finnisch- ugrischen sprachen. Dass ein solches System zustande kom- men m()chte, über das sich nicht nur alle forscher nach mög- lichkeit einigen könnten, sondern das auch genügend lebens- kräftig wäre um für künftige zwecke weiter entwickelt zu wer- den, in diesem wünsche dürften wohl alle übereinstimmen, doch liegt die befürchtung nahe, dass die Übereinstimmung aufhört, sobald zur frage geschritten wird, wie nun der beklagenswerte Wirrwarr zu beseiügen und eine einigung zu erzielen sei. Bezüglich des letzteren ziels wäre natürlich allererstens zu wünschen, dass man sich so weit wie möglich auf bisher an- gewandte bewährte transskriptionsweisen stützte. Ein geachte- ter fachgenosse ^ ist sogar bis zur aufstellung des grundsatzes gegangen : der erforscher eines lebenden dialekts solle im allge- meinen der transskriptionsweise seines Vorgängers folgen, wenn sich nämlich diese befriedigend genau erweise; nur in der be- zeichnung solcher laute, die in den von diesem erforschten dialekten nicht anzutreffen sind, habe der nachfolger freie hand. Derselbe gelehrte ist im allgemeinen der meinung, die Verant- wortung für die grosse buntscheckigkeit, in die man in der transskription geraten ist, treffe uns finnen, die wir nicht genug bei alten Schreibweisen geblieben seien. 1 M. SziLASi, XyK XXVI 494, bei besprechung der »Wotja- kischen sprachproben» von Yrjö Wichmaxn. i6 E. N. Setälä. Es ist nicht zu leugnen, dass es in einer solchen ange- legenheit wie der transskription die pflicht des einzelnen for- schers ist etwas von seinen wünschen zu opfern, trotzdem aber kann ich mich nicht unbedingt dem grundsatz anschlies- sen, dass der frühere gebrauch allein zu entscheiden habe. Nach meiner ansieht hat eine entscheidende bedeutung auch der obenangedeutete gesichtspunkt, dass man nicht nur ein gemeinsames, sondern zugleich ein solches transskriptionssystem zu schaffen suchen müsse, welches gemäss seiner eigenen Prinzipien weiter entwickelt werden könnte, um neu auftauchen- den bedürfnissen gerecht zu werden. Um uns darüber klar werden zu können, in welchem masse die bisher angewandten transskriptionssj'steme die zu- letzt gestellte forderung erfüllen, dürfte es angebracht sein einen blick auf die verschiedenen transskriptionsweisen zu werfen, die bis dahin zur bezeichnung der finnisch-ugrischen sprachen ver- wandt worden sind, ehe wir uns dem Vortrag der eigentlichen vorschlage zuwenden. Historik. In den ältesten versuchen den lautbestand der finnisch- ugrischen sprachen darzustellen hat man sich im allgemeinen mit den hilfsmitteln begnügt, die das gewöhnliche lateinische, oder wenn man russische buchstaben verwandte, dieses noch reichere russische aiphabet bot, obschon man merkte, dass diese alphabete als solche zur bezeichnung der laute jener sprachen doch nicht ausreichten noch sich mit ihren lautwerten deckten. Ich lasse natürlich hier die geschichte der für den praktischen bedarf in den \-erschiedenen finnisch-ugrischen sprachen ge- bildeten Orthographien bei seite und berühre nur die schreib- \veisen, die in wissenschaftlicher absieht angewandt worden sind. Weiter glaube ich die Schreibweisen der ältesten forscher wie Sajxovics, Porthax, Gyarmathi aus dem spiele lassen zu dürfen, da sie überhaupt keine präzise bezeichnung der \-er- schiedenen laute beabsichtigt haben. über transskription der finnisch-ugrischen sprachen. 17 In der hauptsache auf dem Standpunkt dieser alten for- scher verharrte noch der tinne Andreas Jomaxx Sjögren in seinen ältesten Schriften. Auch er verwandte zur bezeichnung der syrjänischen ^ oder auch der wotischen ^ laute bloss das lateinische aiphabet; er gebraucht digraphen zur bezeichnung eines lautes (z. b. seh :^russ. m, ss = s, ch = x^) und einen buchstaben zur bezeichnung zweier neben einander stehender konsonantischer laute (z := f-\- s, russ. u); ein und derselbe buchstabe kann verschiedene laute bezeichnen, z. b. s = stimm- loses und stimmhaftes s (s und z). Erwähnt sei noch, dass er russ. 1.1 durch // wiedergab. Wo er davon spricht, dass A. Flerov in seiner 1813 in russischer spräche veröffentlichten syrjänischen grammatik zur bezeichnung syrjänischer laute das um die zeichen j und ö vermehrte russische aiphabet verwandt hatte, meint Sjögren, dass man „\-on rechtswegen" noch weiter gehen ..und nach dem Beispiele orientalischer Sprachen auch noch für ds (ds), dsli idow), dseh {diu) und dtsch (du) besondere neue Buchstaben einfijhren müsste, zumal da sich Wfirter damit anfangen, sie auch als ganz einfache Laute ausgesprochen wer- den, die Sprache obendrein, gleich der finnischen, mehrere Konsonanten neben einander nicht liebt", hat dies jedoch nicht verwirklicht. Der mann, der durch Verwendung von hilfsbuchstaben und nebenzeichen den ersten grund zu einer transskription auf dem finnisch-ugrischen Sprachgebiet gelegt hat, ist der däne Rasmus Rask in seinem ausgezeichneten werke „Raesonneret lappisk Sproglsere" (1832) nebst berichtigungen und nachtragen, bei welch letzteren er gelegenheit hatte beobachtungen über die ausspräche an einem geborenen läppen zu machen. Rask komplettierte das lateinische aiphabet durch folgende konso- 1 Ueber den grammatischen Bau der Sürjänischen Sprache mit Rücksicht auf die Finnische. Mem. de l'Acad. Imp. des Sciences ä St. Petersbourg, VI Ser. T. I 149 (183OJ. '•^ Über die finnische Bevölkerung des St. Petersburgischen Gouvernements u. s. \v. Mem. de l'Acad. Imp. des Sc. VI Ser. T. II 150 fif (1833) = Gesammelte Schritten I 563 ft'. ■* Der kürze wegen anticipier eich bei den erklärungen das später vorzuschlagende transkriptionssystem. E. N. Setälä. sonantenzeichen: d = d (^ d' in Leem's grammatik \on 1748); t =z ^ (= t' bei Leem) ; ^ = y (= g' bei Leem) ; g für den „gutturalnasal", für den er jedoch schon in den nachtragen T] einsetzt (wobei er sagt, dass der laut auf diese weise richti- ger bezeichnet sei, da er zu den „fliessenden buchstaben", nicht in erster reihe zu den ,.gaumenbuchstaben" gehöre); 3 = „hartes ds, ital. z, maltesisch und altdeutsch 3". Weiter war z (bei Leem s) zur bezeichnung des stimmhaften s und c für fs zu gebrauchen. Er erinnerte daran, dass im lappischen noch Zischlaute („hvis- lelyde") existierten, die man im slavischen und lettischen und anderen sprachen mit s, z, c, g ^ wiedergebe, hat aber in die- sem werke ihre anwendung noch nicht empfohlen; da es in den meisten druckereien Schwierigkeiten verursachen und zu- gleich weit mehr von der Schreibweise seiner Vorgänger ab- weichen würde, wage er sie nicht einzuführen, er schrieb da- für sh, zh, ch, 5h; ch wird jedoch auch für x gebraucht, welches allerdings — „entsprechend d, t — k mit strich darüber geschrieben werden müsste". — Rask's vokalzeichen (Rettelser og tillseg s. 259) waren: a, ä, a („drei offene grundlaute''), ä (umlaut des a, „neigt ein wenig nach aj hin, bleibt jedoch stets eine art a-laut", z. b. in sädne 'wort'), a („unter- scheidet sich mehr von reinem a", z. b. jakke "jähr"), a („dunkles a, nach ä hinneigend"), £e (umlaut des x: ^edne 'mutter': illat. sednaj, e („nähert sich etwas mehr e'". z. b. 6ni 'er hatte' ^ anam, 'ich habe'), ä (umlaut des vorherg.), e umlaut des e (näher nach i hin), o, ö (zweiter komponent des diftongs uö). Durch das zeichen wird ' der Vorschlag in diphthon- gen angedeutet: ä, 'ä, ö, 'ö, e (;=?«, oä, vo, uö, iß), von isl. e ausgehend; „wenn e so lang wird, dass Leem iee oder jee schreibt", schlägt Rask die Schreibweise h vor, „welches das böhmische zeichen für denselben laut ist" (z. b. mtl;kke "schwert" 0: miekke); und dieses zeichen hat das 0 mitgebracht (z. b. chöpam 'ich haue" o: cuopam). — Die vokallänge war „in Übereinstimmung mit dem ungarischen, böhmischen und vie- len anderen sprachen" durch den akut zu bezeichnen (ä u. s. w.). ^ Die form des hakens über dem buchstaben ist eine etwas ab- weichende ('ähnlich); diese typen besitzt unsere druckerei jedoch nicht. über transskription der finnisch-ugrischen sprachen. l9 Ich habe Rask's transskription so ausführlich vorgeführt einmal, weil sie den ersten versuch darstellt und zugleich zeigt, auf welchem wege man zu den neuen zeichen gelangt war, dann aber, weil viele von den bezeichnungen sich bis auf unsere tage erhalten haben, zum teil in der allgemeinen Orthographie des schriftlappischen, zum teil in wissenschaftlichen transskrip- tionsweisen. Wir sehen, dass Rask seine hilfsbuchstaben vor- züglich durch entlehnung aus anderen alphabeten erhielt; solche sind: altdeutsch j und 3, slav.-balt. (s), z, (z), c, (c), ö; griech. £, ; r{ (das letztere jedoch eher direkt aus n geformt); dän., schvved., bezw. deutsch ä, ^e, ä, ö; dem isl. ö wurde d nachgebildet; als isländisch bezeichnet er auch e; endlich sind zu den lehn- zeichen noch zu rechnen ä und ä. Weiter nötige buchstaben erhielt man analog durch Verwendung der nebenzeichen, welche in diesen lehnbuchstaben auftreten, wie (3), ö, t, se, *', e; ebenso ä, 5 nach dem isl. e. Die quantitätsbezeichnung war, wie er- wähnt, auch nach dem beispiel des ungarischen und czechischen u. a. gegeben'. Dagegen vermied Rask den gebrauch neuer zeichen und nebenzeichen. Von Rask's zeichen sind in das norw'egisch-lappische allge- meine aiphabet aufgenommen d, t, e, 3, t] und dazu sogar die zeichen, die Rask noch nicht anzuwenden „gewagt" hatte; s, e, 3; nach dem muster von d und t ist ferner g gebildet worden. Diese neuerungen führte nämlich N. V. Stockfleth praktisch ein, welcher 1835 „ein blatt mit lappischen buchstaben und einige lappische lesestücke (antiquaj in Kristiania drucken Hess'' 2, und der sie auch in seine lappische grammatik (1840) aufnahm. Stockfleth, der den oben erwähnten geborenen läp- pen für Rask nach Kopenhagen gebracht und sich daselbst mit diesem läppen und in fortwährendem verkehr mit Rask fünf ^ Diese Schreibweise wollte Rask auch für das finnische ein- geführt \\nssen; besonders forderte er den lexikographen Gustav Renvall auf, sich ihrer zu bedienen, wie man aus Renvall's briefen an Rask schliessen kann, veröffentlicht in Suomi II i 223 ff., siehe besonders s. 226, 228, 233. '^ S. QviGSTAD und WiKLUXD, Bibliographie der lappischen litteratur 82 N. 15; Stockfleth. Dagbog over mine Missionsreiser i Finmarken 108. E. N. Setälä. monate aufgehalten hatte, setzte diesen \-erkehr schriftlich weiter fort; wie aus diesem briefwechseP hervorgeht, hat er sich mit Rask über alle fragen der lappischen Orthographie beraten, und demnach ist Rask als der eigentliche Urheber der gan- zen neuerung in der Orthographie des norw. -lappischen an- zusehen. — In wissenschaftlichen finnisch-ugrischen werken hat man von Rask's zeichen (mit teilweisen kleinen formverände- rungen) zum teil fest, zum teil hier und da von neuem s, z, z, c, c, 5, % V[, d, t, in das lappische betreffenden werken sogar noch ä, e in anwendung gebracht. Von den folgenden werken enthalten H. C. v. d. G.\be- LENTz' „Versuch einer mordwinischen Grammatik" (1839) und „Grundzüge der syrjänischen Grammatik" (1841) keine fort- schritte in der transskription, sondern eher das gegenteil (er- wähnt sei jedoch y = russ. bi); er schrieb z. b. ch =■ /, seh = s, sJi = z, f^ = russ. u, fscli = russ. i, dsh = dz. Eines besseren transskriptionss3'Stems als Gabelentz bediente sich, in der hauptsache an Rask anschliessend, M. A. Castren. Seine erste dissertation „De affinitate declinationum in lingua Fennica, Esthonica et Lapponica" (1839) kann allerdings hier nicht eigent- lich in betracht gezogen werden, da er wegen mangels an t^'pen auf eine einfachere transskription angewiesen war (erwähnt sei, dass er isl. 8 und {) = Rask's d und t, und fraktura g für spi- rantisches g gebraucht). In seinen das syrjänische und tschere- missische betreffenden werken („De nominum declinatione in lingua Syrjaena", 1844, „Elementa grammatices Syrjaenae". 1844, und „Elementa grammatices Tscheremissae", 1845) hat er sich Rask's Schreibweisen angeschlossen, soweit es die typographi- schen Verhältnisse möglich machten (z, z\ s\ c, c'; jedoch nicht 3 und g, sondern dz, dz', wie auch ds, ds' de'); für i] steht bloss n, ng (z. b. Icänyez' "aestas'), vermutlich, weil die type fehlte, ebenso wird von intervokalischen tscher. b, d, g ge- sagt, dass sie „ut aspiratce [d. h. Spiranten] enuntiantur", ohne dass sie besonders bezeichnet wären. Als neues zeichen tritt ^ Stockfleth's briefe an Rask (aus den jähren 1825 — 32) werden in der Universitätsbibliothek in Kopenhagen aufbewahrt, wo der unterzeichnete sie sich hat kopieren lassen. über transskription der finnisch-ugrischen sprachen. 21 an die stelle des in der S3'rjänischen grammatik verwandten ch in der tscheremissischen grammatik x (= russ. x). In Castren's 1845 erschienener schrift „Vom Einfluss des Accents in der lappischen Sprache", ist im allgemeinen die gleiche Schreibweise beobachtet; jedoch sind hier z = Rask's 3, / = 5, und d\ f, g' z=z (t, t, g, vermutlich aus typographischen rücksichten; als neues zeichen begegnet ii =■ t). F. J. Wiedemann's erste v\'erke auf linnisch-ugrischem ge- biete („Versuch einer Grammatik der tscheremissischen Sprache", 1847, „Versuch einer Grammatik der syrjänischen Sprache", 1847) stehen, was die transskription anbelangt, ungefähr auf demselben Standpunkt wie die v. d. GABELENTz'schen (z. b. ch, seh, sh, tsch, dsh, schtsch). Ebenso ist es in der hauptsache in seiner „Grammatik der wotjakischen Sprache" (1851), in der eigentüm- licherweise als transskriptionsmaterial fraktur benutzt ist; als zeichen, die nicht in den letztgenannten werken Wiedemann's auftreten, erscheinen hier n und 0. — So wenig gutes man auch von Wiedemann's transskription in diesen werken sagen kann, so zeigt sich in ihnen doch eine wichtige Verbesserung: die mouillierung, die vorher bloss durch ein dem konsonanten nachgesetztes j angedeutet war, erhielt das zeichen ' (z. b. tscher. shol'a). Sjögren, der Rask und Castren folgend begonnen hatte eine bessere transskriptionsweise zu beobachten, ver- wandte statt dessen in seinen estnischen und livischen sprach- proben (in seiner schrift „Zur Ethnographie Livlands", 1849 1) als zeichen der mouillierung den gravis ' über dem buchstaben. Inzwischen war ein versuch in einer anderen richtung gemacht worden : die finnisch-ugrischen sprachen mit russischen und aus russischen geformten buchstaben zu transskribieren. Mit russischen und altrussischen buchstaben hatte man schon früher finnisch-ugrische sprachen geschrieben, teils in besonde- ren grammatikalischen versuchen, teils in den Übersetzungen der evangelien und anderer religiöser bücher. Der bereits er- ' Melanges russes I 160 (s. bes. 173 — 174) zrz Bulletin hist.-phil. T. VII, nr. i — 5. Von seinen zeichen seien erwähnt z, s", z', c wie bei R4SK und Castren, e = geschlossenes franz. e, cC :=: breites ä, für rj findet sich ein besonderes zeichen, wel- ches )i ähnelt. Das zeichen für vokallänge war '. 22 E. N. Setälä. wähnte A^erfasser einer syrjänischen grammatik Flerov («I'.iepoB'b, iSupaHCKaa rpaMMaxHKa, 1813) hatte das russische aiphabet um einige hiifsbuchstaben vermehrt: ö, j, und 4 (wie h, aber „sehr hart und durch die zahne"), wobei Sjögren die oben mitgeteilte bemerkung machte (in seiner schrift „lieber den grammatischen Bau der Sürj. Sprache" '), dass noch mehrere buchstabenzeichen nötig seien. Sjögren verwirklichte diesen plan in seiner „Ossetischen Sprachlehre" (1844), wo ein ganzes aus dem russischen aiphabet hergestelltes transskriptionssystem erscheint. Dieses System ist infolge besonderer umstände, wor- über gleich mehr, in der hauptsache in Castren's „Versuch einer ostjakischen Sprachlehre" (erste autlage 1849, I:er teil seiner „Nordischen Reisen und Forschungen") gebraucht. Zu den vokalen des russischen alphabets kamen hier hinzu y und ö so- wie zu den konsonantenzeichen j nebst den Verbindungen von j; -f- 3 (=: 3) und ji, ^ m (== 5), der laut tj wurde durch Um- formung von H bezeichnet. Das aus t und einem für h er- fundenen zeichen geformte bild, das Sjögren, soviel aus seiner beschreibung (Oss. Sprachl. 16) hervorgeht, zur bezeichnung der aspirata verwandte, war hier zur wiedergäbe der eigentüm- lichen ostjakischen lateralexplosiva (= t -f stimmloses l; od. nur stimmloses 1?), und das analog aus jx geformte neue zeichen zur wiedergäbe des entsprechenden stimmhaften lautkomplexes gebraucht. Die mouillierung der konsonanten wurde durch einen gravis über den konsonantenzeichen angedeutet, z. b. T, k u. s. w. ; die länge der vokale wurde durch einen über den vokal gesetzten strich bezeichnet, z. b. ä, e u. s. w. — Dieser hiifsbuchstaben (j, ö, der Verbindungen von ä + 3 und ;i, -|- m) bedienen sich auch P. Savvaitov 2 und N. Rogov 3 in ihren das syrjänische betreffenden werken; haben sie doch nach demselben prinzip noch neue buchstaben gebildet: \-er- bindungen v'on ä mit ^, und t mit n (Savvaitov), sowie 'i mit ' Sieh oben s. 17. ■^ ]"paMMaTiiKa aupaiiCKaio iiai.iKa, 1850; 3bip;iHCK0-i)yccKiii ir pyccKO- E 3bip>incKiii cioBapb, 1850. ■' OnuTt ipa.MMaTiiKii nep.MauKaro iiauKa, 1860: IlepMüHKO-pyccKiii 11 pyccKO-nepMnuKiii cjiOBapb. 1869 über transskription der finnisch-ugrischen sprachen. 23 tu (RoGov). Die erwähnten Verbindungen aus a -f- 3 und ji -\- jk xerwendet auch C. S. Lytkin 1, welcher die mouillierung ebenso wie Sjögren und Castrex bezeichnet, während sie Savvaitov und RoGov bloss mit j wiedergeben. Bleibende bedeutung haben diese versuche mit dem rus- sischen aiphabet für die transskription finnisch-ugrischer sprachen in der Wissenschaft nicht gehabt, denn die Verwendung desselben beschränkt sich auf nur sehr wenige russisch verfasste werke 2. l'brigens ist zu bemerken, dass die Verwendung der russischen transskription \-on Castrex selbst weder beabsichtigt noch ange- ordnet war. Castren hatte nämlich in seinem manuskript das um- geformte lateinische aiphabet gebraucht, welches der setzer für den druck in das obengenannte von Sjögren umsetzen musste, da die enste ausgäbe der ostjakischen Sprachlehre Castren's mit einer solchen eile besorgt wurde, dass man nicht mehr die zuerst in der nach seinem tode erschienenen samojedischen Sprachlehre (1854i angewandten schriftzeichen herbeischaffen konnte ^. Die- ser letzterwähnten transskriptionsweise, die A. Schiefner auch in der zweiten aufläge von Castren's ostjakischer Sprachlehre (1858) durchführte, eigentümlich war besonders die bezeichnung der mouillierung durch virgulierung des buchstabens (nach dem Vorbild des lettischen), wogegen s = s, z =: i, c = c und 3 = 3 waren; für die ostjakischen „lateralexplosivae'' waren besondere ' 3bipflHCKin Kpaii, 1889. - Weske hat es verwandt in seinem werke ^HscjitjioBaHia 0 liapli'iiHX'b 'lepeMiiccKaro asbiKa > (»Untersuchungen über die dialekte des tscheremissischen») (HcBicTin OßiuecTBa Apxeojorin, HcTopiii 11 9THorpa(|)iii VII, 1889) und in >CjiaBHHo-t|)iiHCKiji Ky.ibTypmja OTHoiueniH uo ^laHHUMt asbiKa» (»Slavisch-linnische kulturelle beziehungen auf grund sprachlicher thatsachen», ibid. VIII, 1890); er hat zu den russischen l^uchstaben hinzugefügt jj = est. ö, Ü, y (zwischen u und 01; u, '•' gebraucht auch Troickij in seinem HepeiiuecKO- pycciciii c.iOBapb, 1895, und für tj hat er eine Verbindung aus H und r, welche auch in den schritten der russischen mission auf die empfehlung von Nikolai Il'minskij (siehe ß^-b nepeniicKii iio Bonjiocy (I npiurfeiieuiH pyccKaro ajii|)aBHTa ku iiHOi)o;i,'iecKHMT, acbiKaMb, 1889, s. 1 3 j vorkommt. •' A'orwort von A. Schiefner zu dem »Versuch einer ost- jakischen Sprachlehre», zweite verbesserte aufläge, 1858. 24 E. N. Setälä. zeichen erfunden (i, d), und das zeichen für den „guttural"- nasal war T|. In seiner 1850 erschienenen abhandlung „De affixis personalibus linguarum Altaicarum" hatte Castrex als zeichen der mouillierung den nach vorn deutenden akut ' hinter dem konsonanten gebraucht — soviel ich weiss zum ersten mal auf finnisch-ugrischem gebiet — und diese Schreibweise hat sich, abgesehen von dem bisweilen auftretenden gebrauch des ', der nur durch typographische gründe bedingt ist, und Castren's eigenem \-ersuch virgulierte zeichen zu gebrauchen, dauernd behauptet. Übrigens ist in den in den fünfzigerjahren des 19:ten Jahrhunderts, wohin wir mit dem vorhergehenden gelangt sind, erschienenen werken verhältnismässig wenig bemerkenswertes in der transskription zu finden. Erwähnt sei, dass Löxxrot in sei- ner Schrift „Über den Enarelappischen Dialekt" (1854) den gravis zur darstellung \"on zwischenvokalen vorschlägt (z. b. ii = \okal zwischen a und «, r = ein solcher zwischen c und /, b = ein solcher zwischen o und u; sie sind jedoch nicht in der praxis durchgeführt); ebenso sei erwähnt, dass er ein ül -- russ. h, und e := „ein geschlossenes e, dem ein nebenlaut \on o folgt", hat; die länge der vokale wurde durch doppelschreibung be- zeichnet. Ferner ist zu bemerken, dass man bei Löxxrot und ebenso bei Ahlovist spuren von einer art normalisierungsbe- streben beobachten kann, das heisst: aus theoretischen gründen werden die laute nicht so bezeichnet, wie sie klingen, sondern, wie sie die forscher für ursprünglichei- halten '. * LÖNXROT sa^rt z. b. in »Om det nordtschudiska spräket» s. 32: »Steht das harte / unmittelbar hinter dem vokal der ersten silbe und folgt ihm ein anderer konsonant, so wird es wie r aus- gesprochen, z. b. in: .silclttnc 'brücke'... oldü 'sein'..., welche ungefähr wie sifdane, ovda . . . klingen. Ist der vorhergehende vokal ein a oder e, so geht dieser in 0 und ö über, weshalb die worte valgtus 'weisse' . . . peJd 'acker' . . . sich wie vovgtus . . . pörd . . . an- hören und gewiss auch so geschrieben werden müssten, wollte man nicht auf ihren Ursprung rücksicht nehmen». Für eine anschauungsweise derselben art könnte man auch aus Ahl- QVIST's werken beispiele aufzeigen (z. b. in seiner »Votisk gram- matik» 1856, »Anteckningar i Nord-Tschudiskan», 1859;), und der- selben ist er augenscheinlich einigermassen liis zuletzt treu geblie- über transskription der finnisch-ugrischen sprachen. 25 Ahlqvist's „Mokscha-mordwinische Grammatik" und die \on WiEDEMANN besorgte und herausgegebene ,,Livische Gram- matik" SjöGREx's, beide aus dem jähre 1861, verraten einflüsse \on Lepsius' „Standard aiphabet'" (erste aufl. 1855 ^). Darnach haben sie beide i'i = „guttural" -nasal, ebenso bei Wiedemann a, a, o, o, (.), u, bei Ahlqvist y :=: j, 1 = russ. Li, desgleichen t=:c, d ^ 3, t (ein längeres, „emphatisches" t ?) 2. Auch O. Donner in seinem „Vergleichenden Wörterbuch der finnisch-ugrischen sprachen" (1874 — 88), wie schon früher in seiner abhandlung „Das Personalpronomen in den altaischen sprachen" (1865), hat sich eng an das „Standard aiphabet" (2:te aufl. 1863) angeschlossen. Von Ahlqvist abweichend und ebenso wie die Ungarn (s. gleich unten), gebrauchte er die zeichen c (= f.s), c, 5, x> Y^ ^'^ "^'on sonstigen zeichen seien erwähnt J (= „dsch"), i und d = zeichen der ostj. lateral - explosivae, u = schwed. u, 7 z=z russ. w, Ö = est. ö '^. In Ungarn, wo man früher mit Vorliebe die finnisch-ugri- schen sprachen nach der ungarischen Orthographie transskribiert ben, wie man auch z. b. aus dem Verhältnis zwischen seinem ;> Wogulischen Wörterverzeichnis» (vom Verfasser fertiggestellt, aber erst nach seinem tode 1891 erschienen) und seinen primärauf- zeichnungen schliessen kann. 1 Schon früher haben Ahlovist und Wiedemann das »Stan- dard aiphabet» in ihren kleineren Schriften verwandt (Ahlqvist, Eine kurze Nachricht über das Wogulische, Bull. hist. phil. XVI nr. 1,2 s. 25 ff. = Melanges russes IV 623; Wiedemann, Ueber die livische Sprache und ihr \'erhältniss zu der Ehstnischen, Bull, hist.-phil. t. XVI nr. 13, 14, 15, 16 s. 193 ff., 1859 = Melan- ges russes IV 675). ■^ Ahlqvist behielt die meisten von ihm verwandten zeichen in seinen späteren Veröffentlichungen bei (ausser y rzr j, und i, wofür i eintrat). Von den zeichen, die er anwandte, seien aussei den genannten noch erwähnt li (nach dem »Standard aiphabet») = / (später gebrauchte er statt dessen x), g :=: y, q = wog. postpalatales (aspiriertes ?) k und i = ostj. lateralexplosiva. — In seinen späteren werken (über das mordwinische, syrjänische und wotjakische) schliesst sich Wiedemann nicht so genau dem Standard aiphabet» an, wie in der »Livischen Grammatik» (z. b. ä, ö). •* Von diesen zeichen gehören c, ;f, y, J, / dem »Standard aiphabet» (2:te aufl.) an. 26 E. N. Setälä. hatte ^ begannen P. Hunfalvy und J. Bidenz nach 1860 die Sammlungen des ungarischen reisenden A. Reguly der öffentlichkeit zu übergeben, und auch sonst eine sehr rege thätigkeit auf dem finnisch-ugrischen gebiete zu entwickeln. In der transskription adoptierten diese forscher einen grossen teil dessen, was schon früher vorgeschlagen und auch*gebräuch- lich geworden war, \\'ie die „lateinisch-slavischen" s, z, c, c, 5, 3 — die alten bekannten aus Rask's zeiten. In der bearbei- tung der tscheremissischen aufzeichnungen von Reguly („Reguly cseremisz mondatai" = „Regltly's tscheremissische sprüche", — in der Zeitschrift „Nyelvtudomänyi közlemenj^ek" := „Sprach- wissenschaftliche mitteilungen", welche 1862 zu erscheinen be- gann, III 99, 1864) bezeichnete Budenz die mouillierung noch durch ' (f/, f, i), HuxFAL^"i• aber (in „Vogul fcild es nep" =^ „Land und volk der wogulen", 1864) und in seinen folgenden Veröffentlichungen auch Budenz durch das gebräuchlich ge- wordene kommazeichen. Den „guttural '"-nasal gaben beide for- scher anfangs mit blossem n, ng wieder, nahmen dafür jedoch später das zeichen n auf. Für den laut des russischen u setzte man das zeichen i und analog e für das „tiefe e" (Budenz, „Mordvin közlesek", 1866:= „Mordwinische mitteilungen", NyK V 115). In Budenz' erstem versuch eines vergleichenden Wör- terbuchs („A magyar es finn-ugor nyelvekbeli szoegj^ezesek" (:= „Die wortparallelen in der ungarischen und den finnisch- ugrischen sprachen", NyK VI u. \1I, 1867—69) kommen hierzu noch die vom" „Standard aiphabet" vorgeschlagenen zeichen %, 1 Z. b. Kallay, Finn-mag}'ar nj-elv (1844): fi. szüttie o: silmä idaneben jedoch mord. sodüU 'ich weiss'). So auch Hunfal\'\', A török, magA'ar es finn szök eg}-behasonHtäsa, 1855 (:=^ »Ver- gleichung der türkischen, magyarischen und finnischen Wörter«): mord. szälme o: sälme äuge', und in der Zeitschrift »Magyar nvelveszet» (»Ungarische Sprachwissenschaft») z. b. mord. szädo o: sado 'hundert', s\rj. dasz d: das 'zehn', mord. kämencze pel o: kämentse pel", Ip. accsam o: accam 'mein vater' (in dem auf- satz -A" mordvin nvelvrül» z^: »Über die mordwinische spräche», MNyelveszet II 290 ff., 1856); ebenso wird in dem aufsatze »Osztjäk nyelv» (:=: »Die ostjakische spräche», MNjelveszet IV 142 ff.; s = S, sz := .y, \y = l\ n}- = >5, ty z= f\ cz =1 fs, es 3= ts, f'S ireschrieben. über transskription der finnisch-ugrischen sprachen. 27 y, 6, sowie in ostj. Wörtern ^ und / als zeichen für die sog. ostj. lateralexplosivae t + 1 und d + 1; an die stelle des e tritt das est. ö. In ihrer endlichen form stellt sich Budenz transskription dar in seinem hauptwerke .,Mag3'ar-ugor összehasonh'tö sz()tär" r= ., Vergleichendes magyarisch-ugrisches Wörterbuch", 1873 — 81)^. Bemerkenswerte neucrungen gegen das vorige sind a = labialisiertes a, i = russ. u (früher 1), 0 = est. ö (früher e, 0), / := ostj. t -f- 1 (früher /), / = ostj. d -]- 1 früher /), c = ein syrj. c „mit einem stärkeren \-orschlag", t = spiranti- sches ^ (engl, stimmloses th), .v = ein unbestimmbarer hinterer („tiefer") vokal, ,v ;= ein unbestimmbarer vorderer („hoher") vokal. Sonst ist die frühere transskription beibehalten (z. b. z, 6-, z, c, i; 3, 5; x, ?, ^)- Budenz' transskriptionsweise ist die grundlage für die trans- skription gewesen, die später in Ungarn gebraucht worden ist. Zum teil ist dieselbe auch bei uns in Finland in gebrauch ge- kommen, und zu einem teil haben auch die von den finnischen forscher n x'orgeschlagenen zusätze in Ungarn beachtung gefun- den. x\ufgegeben ist von Budexz' zeichen r, an dessen stelle ^ getreten ist (z. b. Haläsz „Svedlapp nyelv", 1881), während die übrigen zeichen im allgemeinen beibehalten sind. Hinzu- gekommen sind die nach demselben prinzip dem griechischen aiphabet entlehnten ß (in den in Ungarn veröffentlichten sprach- proben von A. Genetz, NyK XV, 1879; auch Halasz gebraucht es wenigstens in seinen früheren, das lappische betreffenden ver- r)ffentlichungen, gegenüber /r --= interlabialis spirans bei Mun- KACsij und (f (Genetz, Tscheremissische Studien, JSFOu VII 1889^. Das \okalzeichen ? brachte das zeichen e mit (Munkacsi, \'otjäk nepkölteszeti hagyomäm'ok" =: „Wotjakische folklore- überlieferungen", 1887j, das dasselbe zu bezeichnen bezweckte, was Budenz mit ft wiedergab. Daneben ist jedoch auch der buch- 1 Als material des transskriptionsalphabets wurde in den älte- ren werken meistenteils die aufrecht stehende antiquaschrift (bis- weilen fraktura, siehe oben) angewandt. Seit den Wörterbüchern von Budenz und Donner wurde die kursivschrift immer allffe- 28 E. N. Setälä. Stabe (9 beibehalten ; Haläsz sagt ^ er bezeichne mit (-> das est nische ö (das est. ö ist ein hinterer vokal mit Zurückziehung der lippen), sagt aber zugleich, es sei ein laut zwischen e und ö, und ein andermal, es sei ein vokal mit „lippenschluss" (ajakzarassaP. Im wotjakischen verwandte es Munkäcsi zur bezeichnung eines lautes, „der sich dadurch von ö unterscheidet, dass bei ihm der lippenschluss nicht so fest ist, und der ungefähr den Übergang von ö zu e bildet" {e = ein sehr geschlossener nach / „hinneigen- der e-laut"). Ausser dem zeichen ■ und .<•, .5 zwischenlaut zwischen .j und 5 (ziemlich dasselbe wie c und o dürften wohl MuxkAcsi's wotj. (5 3 =: f -\- s und (/ = d' -\- z sein); durch ^ unter dem buch- staben bildet HalAsz >■ z= preussisches, uvulares r, / := russ., poln. l\ 0 (bei MunkAcsi im u'ogul.) ist mittellaut zwischen 0 und i( (tat. o) u. s. w. .Alle verschiedenen bildungen können hier natürlich nicht besprochen werden, dafür möchte ich aber noch einige trans- skriptionsversuche in einigermassen abweichenden richtungen erwähnen. Genetz hat in seinen abhandlungen „Lautphysiologische Einführung"' und „Karelische Lautlehre" (1877 die von Brücke in seinem werke „Grundzüge der Ph3'siologie" aufgestellte an- ordnung der buchstaben mit Ziffern ui^ a^ z= tonloser vokal; viele \on diesen typen existieren nicht in unserer druckerei und können nicht nachgebildet werden. Die vokallänge und konsonantenge- mination wurde durch einen unter das zeichen gesetzten strich ausgedrückt z. b. (q, l). Von dem system abweichend gebrauchte WiKLuxD jedoch .s, c, c, 0. o. Der verf. dieser Zeilen hat in seinem werke „Vhteissuo- malainen äännehistoria" (= „Gemeinfinnische lautgeschichte" I, II 1890 — 91) ein paar zeichen aus Lundell's aiphabet, ./, ^, ver- wandt. Demselben prinzip wie Lundell folgend formte ich einige zeichen durch modifikation der lateinischen lettern mit symbolischen beistrichen: « 1= hinteres e ;= g), i hinteres / (= /),?/=: russ. poln. (hinteres) /; j und u bedeuteten halb- vokale, g, d, b, z (antiqua) zeigten stimmlose //. d^ h. z an. Länge und gemination ebenso wie bei Luxdell '^. Unter diesen umständen drohte die transskription der fin- nisch-ugrischen sprachen nach ganz verschiedenen richtungen auseinanderzugehen. Die verschiedenen forscher brauchten jeder seine eigene Umschreibung, auch bildete dazu keine von den transskriptionsweisen ein einheitliches System. Diesen missstand schmerzlich empfindend traten verschiedene jüngere forscher in Helsingfors im herbst 1892 zur beratung über ein befriedi- gendes transkriptionssystem zusammen. Die angelegenheit wurde in mehreren Versammlungen erwägt, in der sich als teilnehmer ausser dem unterzeichneten die herren Joos. J. Mikkola, H. Paasonen und Yrjö Wichmann (von Helsingfors) sowie K. B. WiKLUND (von Upsala), der sich damals in Helsingfors aufhielt, befanden — diese beratungen standen in Verbindung mit der schon damals beabsichtigten finnisch-ugrischen Zeitschrift. In 1 Göteborgs Kongl. Vetenskaps och \'itterhets Samhälles Hand- lingar, Ny tidsföljd, 25 haftet, in Stockholm gedruckt. - Der erste teil der ÄH war eine konkurrenzarbeit, die zu einem bestimmten termin erscheinen musste, weshalb das sj'Stem in mancher beziehung halbfertig blieb. über transskription der finnisch-ugrischen sprachen. 31 denselben wurden die leitenden allgemeinen grundsätze und das billigenswerte in den bisherigen transskriptionsweisen, sowie die formung notwendiger neuer zeichen diskutiert. Im äuge be- halten wurden auch anderenorts verwandte transskriptionssys- teme, besonders dasjenige F. Techmer's in der „Internationalen Zeitschrift für allgemeine Sprachwissenschaft". So einigte man sich über eine transskriptionsweise, die dann in der hauptsache in den folgenden arbeiten befolgt wurde: Paasonen, „Mordvini- sche lautlehre" jedoch auch mit einigen wichtigeren abwei- chungen), K. B. Wiklund, „Die südlappischen forschungen des herrn dr. Ignacz Haläsz" (JSFOu XI 2) und Yrjö Wichmann, „Wotjakische sprachproben" (JSFOu XI 1), alle 1893 erschie- nen, auch ist dieselbe darnach in der hauptsache von jüngeren forschern in ihren Publikationen in dem Journal und den Memoiren der Finnisch-ugrischen gesellschaft angewandt wor- den. — Als 1899 die grossangelegte Sammlung des Wortschatzes der finnischen Volkssprache in gang gesetzt wurde, wurde das- selbe transskriptionssystem denen zum gebrauch empfohlen, die die Worte mit feinerer bezeichnung wiedergeben wollten; des- halb schrieb herr E. A. Ekman für die wortsammler einen leit- faden des in redestehenden Systems, der noch nicht gedruckt ist, sondern bloss autographiert an die wortsammler abge- geben wird. Es ist meine absieht im folgenden die hauptgrundzüge dieses Systems den fachgenossen zu sachverständiger beurtei- lung zu unterbreiten. In der hauptsache stelle ich dieselben so dar, wie man sich darüber in den erwähnten beratungen ge- einigt hat. Ich will jedoch bemerken, dass ich bei der ausarbei- tung des Vorschlages keine gelegenheit gehabt habe über ein- zelheiten mit denjenigen zu beraten, die an der abfassung der ursprünglichen vorschlage beteiligt gewesen sind; ebenso bin ich auch für die form, in der die motivierung des Systems hier erscheint, allein verantwortlich. Die vorschlage treten nicht mit dem anspruch auf end- gültigheit auf. Im gegenteil erhoffe ich viel gutes von den bemerkungen, die wir von den fachgenossen werden entgegen- nehmen dürfen. Auf grund der eingelaufenen bemerkungen werden wir — soweit wir sie grundsätzlich billigen können — 32 E. N. Setälä. geneigt sein sowohl in einzelheiten des Systems wie im System selbst änderungen zu vollziehen. II. Vorschläge. Die feinere transskription (lautschrift). 1. Allgemeine grundsätze. 1. Die lautschrift soll in einer praktischen weise wissenschaftlichen zwecken dienen. Sie soll also die gesprochene spräche so genau wie möglich bezeichnen, so zwar, dass der grad der genauigkeit mit dem über- einstimmt, w^as der zweck in dem gegebenen fall fordert. Im namen der wissenschaftlichen \ollständigkeit könnte man verlangen, dass so viel wie möglich zu bezeichnen wäre, d. h. dass alle einzelnen phonetischen momente beachtet wür- den; vom Standpunkt der praxis hinwieder ist zu hotfen, dass nur so wenig bezeichnet würde, wie ohne Schädigung der klarheit möglich ist, d. h. däss alles, was unwesentlich oder in dem betreffenden fall selbstverständlich oder nicht in frage kommend ist, unbezeichnet gelassen würde. Es ist an und für sich klar, dass die bezeichnung aller einzelnen phonetischen momente in einer schrift, die lesbar sein soll, praktisch unmöglich ist. Im allgemeinen ist man ja gezwungen sich in der hauptsache mit der bezeichnung der einzellaute zu begnügen, und wie man auch den einzellaut definieren wolle, auf alle fälle ist er eine ziemlich willkürliche abstraktion, unter der man eine ganze gruppe von lauten \'er- steht, deren akustische Wirkung einigermassen gleich ist, und deren ph3^siologische bildung in derselben artikulationszone vor sich geht. Aus der theoretisch unbegrenzten anzahi der laute werden gewisse lautt^'pen ausgewählt, die als gegensätze ver- wandt werden, und die wir als einzellaute auffassen und be- zeichnen. Auch von solchen momenten wie der stärke, stimm- höhe und Sprechdauer wird bei der bestimmung der einzellaute völlig abstrahiert, und was die bezeichnung dieser momente betrifft, so hat man sich in diesem punkte nur mit der angäbe ihres relativen grades zu begnügen. über transskription der finnisch-ugrischen sprachen. 33 Wenn also die forderungen der wissenschaftlichen genauig- keit mit den forderungen der prgixis in einklang gebracht werden sollen, so sehen wir, dass das prinzip der gegensätzlichen Ver- wendung eine bestimmende bedeutung hat. Aber dieses prin- zip enthält schon die möglichkeit, dass man das transskriptions- system für die verschiedenen fälle in verschiedener weise an- wenden kann. Es ist ja die zahl der phonetischen gegensätze in jeder einzelnen Sprachgemeinschaft verhältnismässig begrenzt, für jede einzelne spräche kann man sich also in dieser weise mit einer begrenzteren zahl von zeichen begnügen. Wenn z. b. im finnischen mediopalatales l regelmässig stets in Verbindung mit hinteren und präpalatales Ic (k) immer in x'erbindung mit vor- deren vokalen erscheint, so kann man sagen, dass Je und k im finnischen nicht als gegensätze zu einander verwandt werden, sondern dass man sie sehr wohl mit einem zeichen bezeichnen kann. Wenn hingegen in irgendwelchen lappischen dialekten Z; auch vor hinteren und im gegensatz dazu h auch vor vorderen vokalen erscheinen kann, so sind sie in diesem fall von einander zu unterscheiden. Ja, ich möchte so weit gehen zu erklären, dass, falls z. b. in irgendeiner Sprachgemeinschaft f, d, s, etc. immer postdental, in einer andern aber immer alveolar sind, man beide in jeder der beiden Sprachgemeinschaften mit ein- fachem i. d, s bezeichnen dürfe, wenn nur zuvor ihr lautwert klargestellt ist. — Nach demselben prinzip kann man z. b. den exspiratorischen accent der finnischen spräche unbezeichnet las- sen, da sein sitz fest ist, und ihn z. b. im wotjakischen nur dann bezeichnen, wenn der stärkste nachdruck nicht auf der letzten silbe ruht. Ich glaube daher, dass dieses prinzip, das auch im fol- genden immer im äuge zu behalten ist, vernünftig angewandt, zu einem teil der grossen Vielfältigkeit und der daraus entsprin- genden Schwerlesbarkeit entgegenwirken könnte, welche die Schattenseiten der neuzeitlichen genauen transskriptionen sind. 2. Die phonetische transskription hat die einzel- laute zu bezeichnen und, so oft es nötig wird, auch das relative mass der stärke, stimmhöhe und sprech- dauer. Die lautübergänge werden nur dann bezeich- net, .jwenn sie wieder auf kürzestem wege, noch mit 34 E. N. Setälä. geringstem kraftaufwand, noch in normaler zeit bewirkt werden" ^ , Bezüglich des begriffs „laut" ist das obige zu beachten; unter dem althergebrachten namen „laut" verstehen wir hier auch die lautlosen momente, die in gewissen fällen mit den hörbaren lauten gleichwertig sind, d. h. das, was einige pho- netiker „Sprachelemente" haben nennen wollen (also: „die Sta- tionen der lautung", Techmer a. a. o.). 3. Für jeden laut in einer gegebenen Sprachge- meinschaft ein bestimmter, und nur dieser eine buch- stabe. Diese grundregel einer jeden phonetischen Schreibweise braucht wohl nicht weiter motiviert zu werden, aus ihr aber sind auch die Konsequenzen zu ziehen. Darnach sollen also nicht zwei laute mit einem buchstaben wiedergegeben werden, daher z. b. die zeichen c= t-\-s, c =^ f -{- S oder t -\- s, 5 = d -\- z oder d -(- x zu verwerfen sind. Ebenso darf durch zwei gleichwertig nebeneinander gestellte buchstaben („digraphen") nicht ein laut bezeichnet werden (z. b. nicht gh := j' u. ä). 4. Jedes zeichen (buchstabe, nebenzeichen) soll nur für einen bestimmten zweck verwandt werden. Darnach kann man also nicht gutheissen, dass z. b. das zeichen " in den einen fällen zur andeutung der labialisie- rung (z. b. ä, a), in anderen aber ganz entgegengesetzt für laute, die unter Zurückziehung der lippen (und auch der zunge) gebildet werden, verwandt wird (?, e). Vgl. andere beispiele oben. 5. Als hauptmaterial des transskriptionsalphabets. dienen die kleinen buchstaben der lateinischen kursiv- schrift. Da diese bei weitem nicht ausreichen, ent- lehnt man buchstaben aus anderen alphabeten oder Schriftarten, oder bildet neue durch umkehrung oder beschneidung der lateinischen lettern, oder verwendet nebenzeichen, die womöglich in symbolischem Zu- sammenhang mit dem stehen, was sie bezeichnen, und (nach grundsatz 4) immer gleichwertig sein sollen. ^ Techmer, Internationale Zeitschritt I 172. über transskription der finnisch-ugrischen sprachen. 35 Dabei hat man niög'lichst systematisch zu verfahren, zugleich aber weder von dem hergebrachten unnötig abzuweichen noch die rücksicht auf die druckerei ausser acht zu lassen. Dass das lateinische aiphabet als das meist bekannte der transskription zu gründe zu legen ist, bedarf keiner weiteren motivierung; ebenso ist es auch allgemein geworden die kursiv- schrift zu gebrauchen, die sich passend von der gewöhnlichen aufrechtstehenden schrift abhebt. Wie aber weitere nötige zeichen zu formen sind, darüber sind die ansichten weit auseinander- gegangen. Die hauptmeinungsverschiedenheit hat die frage be- troffen, ob die neuen zeichen hauptsächlich durch diakritische zeichen zu formen sind, oder ob zu ihrer formung (symbolische) beistriche zu verwenden sind, die an die grenzstriche des buch- stabens selbst anschliessen. Zu gunsten der letzteren art, die am vollständigsten in J. A. Lundell's „Svenska landsmälsalfa- betet" durchgeführt ist, kann geltend gemacht werden: 1) dass dadurch die einheit des schriftcharakters besser gewahrt wird; 2) dass, da man für die mit diakritischen zeichen versehenen buchstaben, wenigstens wenn sie mehr gebraucht werden, neue typen giessen lassen muss, man ebenso leicht ganz neue zei- chen anfertigen lassen kann, welche den vorteil haben, dass die verschiedenen teile der type nicht während des drucks abbrechen, wie es häufig bei den mit diakritischen zeichen versehenen typen geschieht. Auf der andern seite könnte man aber gegen dieses system hervorheben: 1) dass die zeichen durch die modifizierenden linien leicht zu verschnörkelt \\'erden (z. b. die zeichen a, .7, a, d, g des Landsmälsalfabet's), wogegen die diakritischen zeichen nicht im selben masse das aussehen der grundt\'pe verdunkeln; 2) dass man gezwungen ist für die kleinste modifikation eine neue schrifttype giessen zu lassen, wogegen man mit diakritischen zeichen versehene buchstaben meistenteils durch „bauen" (durch unter- und überlegen) for- men kann; dieses mittel kann besonders anwendung finden, wenn ein zeichen sehr selten (zur erklärung oder als citat) nötig würde. Die letzterwähnten gründe würden — ungeachtet des schönen Systems des Landsmälsalfabet's — doch unbedingt der Verwendung diakritischer zeichen den Vorzug zuerteilen. 36 E. N. Setälä. Da jedoch auch die anschaffung oder das „bauen" der mit diakritischen nebenzeichen versehenen tj^pen der buchdrucl^. 4. Durch umkehrung hergestellte buchstaben. 1) Durch umkehrung von ni bildet man mit rücksicht auf die äussere form des in der weise hergestellten buchstaben lu = schwed. oder norw. u in hus. über transskription der finnisch-ugrischen sprachen. 39 2) Durch umkehrung der vokalzeichen stellt man zei- chen für „indifferente" oder in einer oder anderer hinsieht un- vollkommene vokale her. So bedeuten z. b. die zeichen i 9 )) d i die unvollkommen artikulierten Varianten der vokale, welche mit den zeichen i e a e i bezeichnet werden (über e und i siehe unten 7. 7), s. 40). 3) Durch umkehrung \-on c erhält man :> = kollektivzeichen für jeglichen stimmlosen vokal. 5. Durch beschneidung hergesteUte buchstaben. Durch beschneidung werden folgende buchstaben ge- formt : n ^= ein -offener o-laut. ^> z=z ein offener ö-laut. Statt eines beschnittenen e wird das der form nach ähn- liche € verwendet (siehe oben 3. 2) b), s. 37). 6. Apostrophen- und aspirationszeichen. bezeichnet den starken laryngalen klusil (explosiva) im süd- estnischen (z. b. fule 'komm') und einen ebensolchen schwächeren laut im finnischen (z. b. anxa oUa 'lass sein'). Dasselbe zeichen oder lieber ein gewöhnliches apostrophen- zeichen (') wird zur bezeichnung des sog. stosstons (:= laryngaler schluss immitten des stimmtons) verwandt, z. b. liv. )}ia 'nieder' (eig. )iia'°'), sowie auch zur bezeich- nung des festen ein- bezw. absatzes, wenn es vonnöten ist diesen zu bezeichnen. bezeichnet den gehauchten ein- bezw. absatz, kann aber auch als kollektivbezeichnung des stimmlosen lautübergangs zwi- schen konsonanten gebraucht werden, z. b. IpLul. otkült 'auswendig' (= ol'^kUlt, vgl. 9. 1), s. 43). — Die aspirierten klusilen werden Ic f p bezeichnet. 7. Nebenzeichen zur herstellung neuer buchstaben. Nebenzeichen werden teils unterhalb, teils oberhalb der buchstaben, wo aber die zusammengesetzten typen nicht vor- handen sind oder durch unter- resp. überlegen nicht her- 40 E. N. Setälä. gestellt werden können, teils unten rechts, teils oben rechts von den lettern verwandt. Die nebenzeichen sind folgende: 1) --^-- bezeichnet, das der betr. laut während der Inspiration erzeugt wird z. b. /I«l'ja'. 2) --- bezeichnet Schnalzlaute (die mit einsaugen der luft in die mundhöhle gebildet werden), z. b. ^j^. 3) --.- bezeichnet, dass der betreffende laut naso-oral („nasa- liert") ist, z. b. n, /, (fi. isä haftii "der hut des vaters'). 4) -V- bedeutet, dass die artikulationsstelle relativ mehr nach hinten in der betreffenden zone liegt, z. b. k, l, q u. s. w. (fi. Tt^Jta 'gelb'). --S-- bedeutet, dass die artikulationssteile relativ mehr nach vorn in der betreffenden zone liegt, z. b. k, s, ^, (fi. h^Itä 'von wem'). 5) -V- der artikulafionsgrad ist offener (die zunge, bezw. die Unterlippe etwas mehr nach unten) als gewöhnlich, z. b. u. Statt dessen kann in gewissen fällen der bequem- lichkeit halber die offenschneidung (siehe oben 5. s. 39) gebraucht werden, z. b. <'> = o, f> r= ö. -;- der artikulationsgrad ist geschlossener (die zunge, bezw. die Unterlippe mehr nach oben) als gewöhnlich, z. b. i, ü\ durch h {'/) könnte der finn. silbenauslautende h mit stärkerem mundgeräusch (mit etwas gehobenem zungen- rücken ausgesprochen) wiedergegeben werden, wenn man diese nuance besonders bezeichnen will. Statt die- ses nebenzeichens kann in gewissen fällen der bequem- lichkeit halber auch — '-- über den vokalzeichen verwendet werden, z. b. t» := g, e — e. 6) ..-'-- über, bezw. oben rechts von den lettern bezeichnet die „palatalisierung" oder „mouillierung" der konsonanten, z. b. //, r, s, p, V, (/', /', f. 7) — „- bezeichnet die Zurückziehung der zunge nebst Zurück- ziehung der lippen, z. b. a, e {=^ est. ö), / (= ein laut, zu dem russ. u nahe steht ohne jedoch diphthongisch der sein). ----- bezeichnet die höchste kakuminalstelle, z. b. /, d, S, S. über transskription der finnisch-ugrischen sprachen. 41 8. Übersicht der einzellaute, a. Die konsonant en (inundengeschlusslaute). T., Schnalz- Nasen- laute l i i -KCl i i ^ ^' ?s- .g ■S5 Sä" 05 ö?" CO ^^ ■"^ ■-J * >< ■^ ■jr. ^ Vi ta es" 1^ 1 -Jlv i JJ 's .1 ^ 1 1 c ü .2 tn 0 'S - 0 i s a i N O- CO 0 Oh Ol u ca 's 3 V tu a> Ol ^ J Q 0. C > ca J ) 42 E. N. Setälä. b. Die vokale (niundöffnungslaute). (Vgl. Techmer, Internationale Zeitschrift IV ii6}. Die zunge zurückgezogen vorwärts 1 2 :! 4 4 3 2 1 / i i i i e e i § e e ^ s £ a ■ ä ä (f) ß) (V) a a > (^) (l) ä äo n o n n > 0 0 ö ö q ii 1 I m ü ü TT- cc o Bemerkung. Die ziffern bezeichnen die relative grosse der arti- kulationsöffnung: i = Techmer's apertura minima, 2 = a. minor, 3 = a. major, 4 a. maxima. Über do siehe 9. 2), s. 43. Dazu kommen: i) l d t) 9 l unvollkommen gebildete vokale. 2) A Ä / u. s. w. stimmlose vokale. 3) (l e i '^- s. w. naso-orale vokale. 4) Kollektivzeichen: i) 3 für jeden stimmhaften vokal; 2)9 für jeden stimmhaften hinteren vokal; 3) i' für jeden stimmhaften vor- deren vokal; 4) 0 für jeden stimmlosen vokal. über transskription der finnisch-ugrischen sprachen. 43 9. Die kleinen buchstaben über und unter der zeile. 1) Mit kleinen buchstaben über der zeile werden die schwa- oder svarabhakti-vokale und übergangslaute so- wie überhaupt die überkurzen laute bezeichnet, z. b. fi. sil'mä oder sihnä 'äuge', alion 'ich habe die absieht', mord. ma^fa 'mit', laU'f 'fische', fi. (südwestl.) fänn^ 'hierher'. 2) Mit kleinen buchstaben unter der zeile wird die nebenartikulation, \\'elche zugleich mit der hauptartikulation stattfindet, bezeichnet; z. b. /(„, ]t(, hi u. s. w. = h mit resonanzraum von a, e, i u. s. w. tf, ku u. s. w. = t, bezw. h mit gleichzeitiger e-, bezw. t<-arfikulation verbunden. So auch: äo ■= labialisiertes // {ä mit lippenrundung; äo'. ä = ä [= Uo]: rt), z. b. weps. fäoU!^ 'voll'. So = .s mit lippenrundung. 10. Zeichen für die bezeichnung der Silbenfunktion, bezw. Silbenscheide. 1) ---^- unter dem konsonantenzeichen (dem zeichen für „mund- engeschlusslaut") bedeutet, dass der konsonant („der mundengeschlusslaut") in sonantischer funktion vor- kommt, z. b. liv. fca'^7 'hals". --„'-- unter dem vokalzeichen bedeutet, dass der vokal („der mundüffnungslaut") in konsonantischer funktion vor- kommt, z. b. fi. aiJca 'zeit', iaU-a 'fuss'. ^.(- bezeichnet die silbenscheide, z. b. wot. iiic(fsässä 'aus dem walde'. Bemerkung. Ein konsonant zwischen zwei sonanten wird zur folgenden silbe (fi. poUin = pojan 'des knaben') ge- zogen und von mehreren konsonanten der letzte (fi. siuipsidcJca 'Schnecke'); die geminata wird immer auf zwei silben verteilt (Ip. Itoppmörüt o: Jcojiipmörtit 'sich bücken'). Nur die aus- nahmen werden bezeichnet (fi. hiHfcm = 'kiiuiuin 'lange', wot. me( tsässä). u. Sprechtaktbildung, bezw. worttrennung. Auf grund praktischer rücksichten werden die verschiede- nen Wörter getrennt geschrieben. Will man jedoch die nahe 44 E. N. Setälä. lautliche Zusammengehörigkeit der Wörter bezeichnen, so ver- wendet man dafür das zeichen — zwischen den buchstaben- gruppen, die den Wörtern entsprechen. Die grenze des Sprechtakts wird durch und die der takt- gruppe durch bezeichnet. Z. b. fi. el—ole j aiat ' nlnlcun—oli \ ennen 'die Zeiten sind nicht mehr, wie sie früher waren'. 12. Die dauer (Quantität). Die zeichen für die quantität werden oberhalb der zeile und oberhalb, bezw. oben rechts von den lettern gestellt. Diese zeichen sind folgende: -"-- kurz (gew. unbezeichnet). --- halblang. --"- lang. — -- überlang. Beim gebrauch dieser zeichen ist das prinzip der gegen- sätzlichen ver\\'endung besonders zu beachten. So darf man z. b. im finnischen die quantität des silbenauslautenden kon- sonanten unbezeichnet lassen, u'eil derselbe immer halblang ist (z. b. fi. ih)ia statt ir))ia); wenn dagegen der silbenauslautende konsonant im finnischen ausnahmsweise kurz ist, muss hier die kürze, welche überhaupt unbezeichnet bleibt, bezeichnet wer- den, z. b. fi. dial. part. 'kannri 'die henne'. Im estnischen, wo der silbenauslautende konsonant sowohl kurz als halblang (bezw. lang) sein kann, ist, wie gewöhnlich, die kürze unbezeichnet zu lassen, die länge aber zu bezeichnen, z. b. iT)n 'luft', part. iVma, gen. ilma. — Beispiele für länge und überlänge haben wir z. b. im est. snnia "erhalten': sämä-päev. Die überkurzen laute werden mit kleinen buchstaben über der zeile bezeichnet, siehe oben 9. 1), s. 43. Die doppelschreibung bedeutet nie einen quantitäts- grad, sondern zeigt an, dass der betreffende laut zu zwei ver- schiedenen Silben gehört, z. b. fi. vr/ati, gen. von rälca 'wage', fi. Unna 'bürg', est. liii 'stadt', gen. Unna, part. Unna, estS. liila 'dorf, part. küll((\ illat. JcäPlä. über transskription der finnisch-ugrischen sprachen. 45 13. Die stärke (der exspiratorische accent). Die nebenzeichen für die relative stärke werden hinter den buchstaben, welcher den sonanten der silbe angiebt (rechts in der zeile), gestellt: - • -- stark (.,hauptaccent"), z. b. fi. m'na 'wort'. --■--■ mittelstark („nebenaccent"), z. b. fi. scrnonur.fon 'unaus- sprechlich'. Schwäche („unbetontheit") bleibt unbezeichnet. Die relative stärke der Sprechtakte kann durch kleine Ziffern über der zeile bezeichnet werden, wobei die kleinere zahl den stärkeren takt andeutet, z. b. fi. ^ei—nihiulla ^ ifseUänihjn |3 oJer—raha \\^ srdiTcTca muüle anta 'ich habe selbst kein geld, noch weniger den anderen zu geben'. 14. Die stimmhöhe (der musikaUsche accent). 1) Weil die höhere stimme gewöhnlich mit der grösseren stärke verbunden ist, bedarf sie in der regel keiner besonderen bezeichnung. Die fallende oder steigende richtung kann durch schiefe striche oberhalb der zeile bezeichnet werden: "^-^ fallend, z. b. fi. Jc'rto^ 'danke'. ^^ steigend, z. b. f. Irito's 'danke'. Wo eine genauere bezeichnung nötig ist, kann man be- sondere mittel gebrauchen (z. b. solche, die Techmer in der Internationalen Ztschr. I 181 beschreibt, sodass man das Inter- vall von der unbezeichnet bleibenden mittleren stimmhöhe durch die arabischen, resp. römischen zahlen bezeichnet), von deren darstellung ich hier absehe, weil die bedürfnisse in den ver- schiedenen sprachen verschieden sein können. 2) Der musikalische satzaccent wird bezeichnet durch vor- gesetzte ( für hohe Stimmlage; I für niedere Stimmlage. 46 E. N. Setälä. , Die mittlere Stimmlage bleibt unbezeichnet. y oder / bezeichnet allgemeine Steigerung der stimmhöhe. \ oder \ bezeichnet allmähliches sinken der stimmhühe. Dies sind nun die grundzüge unseres Vorschlages. Ich habe mehr beabsichtigt die allgemeine richtung und die grund- sätze des S3^stems als die einzelheiten, welche sich für die verschiedenen spräche in etwas verschiedener weise gestalten, darzustellen. Ich sehe hier auch von einer detaillierten exem- plifikation des Systems ab, w^eil die beste exemplifikation in ein- zeldarstellungen der phonetik und transskription der verschie- denen finnisch-ugrischen sprachen gegeben wird. Von solchen einzeldarstellungen ist schon ein aufsatz „Zur ausspräche des norwegisch-lappischen" von Koxrad Nielsex (dozent der fin- nischen und lappischen spräche in Kristiania) eingegangen, und ich hoffe, dass wir in der zukunft solchen über das laut- sy.stem verschiedener finnisch-ugrischer sprachen (z. b. des mordwinischen, wotjakischen, ostjakischen, hoffentlich auch des finnischen und ungarischen) entgegensehen können. Die gröbere transskription (bezw. citatschrift). Viel feinere unterschiede als oben vorgeschlagen worden, Hessen sich natürlich machen, aber für manchen sind wohl schon die hier vorgeschlagenen allzu fein. Ein ganz einfaches sj'stem, welches demungeachtet den mannichfaltigen bedürfnissen der erforschung lebendiger mundarten entsprechen könnte, ist ja überhaupt nicht möglich, aber es muss zugestanden v.'erden, dass man in vielen fällen mit einer viel einfacheren transskription auskommen kann. Besonders wäre es ganz \-erdrie.sslich, ja über transskription der finnisch-ugrischen sprachen. 47 sogar unthunlich, die formen der litteratursprachen mit ihren hergebrachten und ausgeglichenen Orthographien, wie auch die von den älteren forschern überlieferten mit einer gröberen trans- skription aufgezeichneten formen in die feinere bezeichnungsvveise umsetzen zu wollen. Man kann also nicht umhin solche formen in hauptsächlicher Übereinstimmung mit den quellen selbst zu geben, aber zugleich ist es nötig solche gröber und abweichend bezeichnete formen auch sichtbar \'on der feineren transskription zu unterscheiden. Weil wir die kursivschrift der feineren trans- skription allein haben vorbehalten wollen, haben wir für die gröbere transskription eine halbfette (stehende) schrift (corpus egyptienne), welche in der druckerei zu unserer Verfügung stand, gewählt. Diese schrift ist vielleicht ein bischen zu schwarz, was buntscheckigkeit hervorrufen könnte, aber diesmal konnte der Sache nicht anders entsprochen werden; wenn die geehr- ten fachgenossen sich entschieden gegen den gebrauch dieser Schriftart aussprechen, werden wir massregeln treffen um eine etwas magrere schrift anzuschaffen. Jedenfalls aber bin ich der ansieht, dass man die verschiedenen transskriptionsarten nicht in ein und derselben weise, nur mit kursivschrift, be- zeichnen sollte; in einer Zeitschrift, die hauptsächlich mit den altüberlieferten Schriftsprachen operiert (wie z. b. die Indoger- manischen Forschungen), kann dieses angehen, nicht aber hier, wo die meisten belege aus den lebendigen mundarten herbei- geschafft werden müssen. Die gröbere transskription wird also in folgenden fällen verwandt. 1. Zur bezeichnung der finnischen, estnischen, lappi- schen und ungarischen Schriftsprache und der betr. dia- lektformen, die in hauptsächlicher Übereinstimmung mit den Orthographien der Schriftsprachen aufgezeichnet worden sind. Im finnischen ist zu merken: y = ü; j = /; n vor k ^ ?/, ng ^ iy>/; doppelschreibung der vokale aa 00 u. s. w. bedeutet die länge: =: ä ö u. s. w. Im estnischen ö = (?; g d b =: stimmlose mediae (0 T) I)); k t p sind eigentlich geminaten, von welchen ein sehr kurzer teil zur ersteren silbe gehört; doppelschreibung der vo- kale wie im finnischen. Abweichend schreiben wir jedoch v 48 E. N. Setälä. (statt w) und bezeichnen, womöglich, auch die mouillierung nach dem WiEDEMAXx'schen muster, z. b. tuul' 'wind', önn 'glück'; auch z wird je nach den quellen geschrieben. Im lappischen : ae = ä oder eä, c = ts, c = t!§, d = ö, 5 ^ ds, ns, 5 = d'S, v5, g =: y, 1] = 11^ h =^ h,t =^ ^. Dazu kommen noch einige zeichen, die in wissenschaftlichen \\'erken der grös- seren genauigkeit wegen (teils schon von Frhs, teils von Qvig- stad) gebraucht worden sind: a = das „dunkle a" (ein ö-arti- ger laut ?), e = e, „ein et^'mologisches e, das in gewissen dia- lekten i ausgesprochen wird'', ö ^ etz (JSFOu VII 142—7). Das teuer kommt wie ein trockner baumstamm brennend her- angewälzt; wenn es jemals in den Ut-(Patam-, Besert-)fluss drin- gen, denselben fluss verkohlen, zu asche verwandeln, verschlingen und aussaufen kann ; dann erst im selben augenblick möge die brandwunde sich meiner bemächtigen. Wie die butter (der honig, der morgennebel, am morgen der reif) schmilzt, so möge die brand- wunde in einem augenf>lick fortschmelzen (6). 56 Kaarle Krohn. Auf dem S'pfel eines hohen berges ist eine goldene (silberne etc.) truhe, in der goldenen truhe ein goldener becher, in dem goldenen becher ein seidener knäul; wenn die schlänge in einem augenblick da hineindringen, beissen, fassen, es auffressen und aus- saufen kann, dann erst möge sie mich beissen können (8). In dem ersteren Spruche linden wir die „wenn "-form von der ..wie" -form begleitet, in dem letzteren aber geht derselben eine neue formel voraus, die in den russischen beschwörungen sehr beliebt ist, und die wir ,, wo'' -form nennen können. Alle drei formein zusammen kommen in einem mordwi- nischen, von H. Paasonen (JSFOu XII 13, n. 11) veröffent- lichten Zauberspruche vor. Ein grosser, grosser, grosser hügel, auf dem gipfel des hü- gels ein apfelbaum, um die erde herum strecken sich seine wur- zeln, am wipfel sind seine äste, an den spitzen der äste seine blätter, zwischen den blättern seine äpfel. Wenn die kerne der äpfel gezählt werden, wenn seine wurzeln in der erde gezählt werden, dann hafte die Verfluchung, dann kehre sie mit geräusch zurück! Ein grosses, grosses, grosses feld, auf dem grossen felde ist eine quelle, wie silber quillt ihr wasser hervor, wie gold fliesst das oberste ihres wassers, über die erde hin wirft sie ihren sand und grund. Wenn diese auf eine stelle gesammelt und gezählt und an ihren platz gebracht werden, dann u. s. w. Noch manche andere formein können wir in den mord- winischen Zaubersprüchen finden, wie folgende auch von russen angewandte (z. b. Maikov n. 142): Nicht ich bin es, der bläst, Gott bläst i JSFOu XII 6). Da aber das mordwinische material zum grössten teil noch unveröffentlicht ist, muss auf eine eingehende analysierung des- selben vorläufig verzichtet werden. Statt dessen können wir einige interessante beobachtungen inbetreff der finnisch-tatarischen tschuwassen machen. In V. Magnickij's Sammlung alten tschuwassischen aberglaubens (Maxcpia.ibi kx oöiflCHeHiio ciapoii MyRauicKoii Btpw^lSSl) finden wir beschwörungen, welche mit den wotjakischen fa.st wörtlich übereinstimmen, z. b. Wenn die sonne sich zurückwenden kann, dann mögest tlu dich vom platze bewegen (s. 153). Wie die sonne errötend aufsteht, so möge ich schTm in N. X.'s. äugen aussehen (s. 154). Wo und wann entstanden die tinnischen zauberlieder? 57 Ausser der .,wenn"- und „wie "-form rtnden wir noch die .,wo"- und sogar die ,,niciit-ich"-form in einer und derselben be- schwörung angewandt, welche im anhange des Wörterbuches von N. I. ZoLOTNicKij (KopiiCBOii HyBauicKO-pyccKlH cjioBapb 1875 178—180) abgedruckt ist. Dass die tschuwassischen Zaubersprüche aus derselben quelle wie die der erwähnten finnisch-ugrischen Völker geschöpft sind, beweisen nicht nur etliche christliche elemente, sondern vor allem das häufige vorkommen des meeres, welches den tschuwassen ebenso wenig wie den wotjaken bekannt ist. Dass dieses auch keine tatarische reminiscenz vom Schwarzen meere ist, sieht man deutlich aus folgendem spruch: Wie auf dem meere das eis kalt ist, möge dieser mensch kalt werden (Magnickij 155). Es muss notwendig ein einfluss aus dem norden von den Wohnsitzen der tschuwassen angenommen werden. Als resultat bleibt, dass die Zaubersprüche der wotjaken, tscheremissen, mordwinen und tschuwassen von den grossrussen in christlicher und zwar sehr später zeit entlehnt sind und so- mit nur einen negativen beweis für die existenz einer magi- schen poesie in der finnisch-ugrischen ui'zeit liefern können. 11. Finnisch-mordwinische zeit. In seinem aufsatze über die poesie der ostfinnischen Völ- ker warnt jedoch H. Paasonex (Valv. 1897 139) vor allzu voreiligen Schlüssen, bevor das folkloristische material dieser Völker vollständig und genau gesammelt worden ist. Gern möge zugegeben werden, dass gerade bei den mordwinen, unter welchen er in der letzten zeit grossartige Sammlungen hat ver- anstalten lassen, die grösste möglichkeit ist, neues beweismate- rial zu entdecken. Wir können noch die frage aufu'erfen, ob der Ursprung der finnischen zauberlieder nicht aus der finnisch- mordwinischen zeit herzuleiten sei. Paasoxex zeigt 1) dass das versma.ss der mordwinen mit dem der finnen übereinsfimmt und eine gemeinsame poesie voraussetzt, und 2) dass in diesem versmasse nicht nur episch- 58 Kaarle Krohn. lyrische lieder, sondern zuweilen auch magische gedichtet wor- den sind. Doch giebt er zu, dass diese letzteren hinsichtlich ihres Inhalts mit den finnischen nichts gemeinsames haben. Ausserdem muss bemerkt werden, dass die von ihm angeführ- ten beispiele ausschliesslich gebete, und keine beschwörungen sind. Das in dem erwähnten aufsatze vorkommende gebet zum waldgotte um gute fruchte im walde zu finden schliesst mit dem versprechen eines opfers. Ein anderes in seiner reise- beschreibung (JFSOu XVIII 4, 7) als liebeszauber bezeich- netes lied hat eine christlich -gefärbte einleitung, welche auch in den russischen liebesspri.ichen vorkommt (z. b. Maikov, n. 16, 24). Die gleichheit des versmasses bekräftigt wohl die möglich- keit einer früheren gemeinsamen poesie, beweist aber nicht, dass die uns erhaltenen lieder der finnen und mordwinen aus dieser dichtung stammen. Es müsste wenigstens an einem ein- zigen liede der gemeinsame Ursprung sicher festgestellt oder wahrscheinlich gemacht werden, um die annähme einer so speciellen gattung wie die der zauberlieder in der finnisch- mordwinischen zeit zu rechtfertigen. Es sind auch einige pa- rallelen aufgefunden worden, von welchen die merkwürdigste ein lied vom hopfen ist. Schon A. Ahlovist (Suomi 1857 10) hatte dieses lied bei den mordwinen aufgezeichnet und bemerkt, dass es einige ähnlichkeit mit dem aus dem Kalevala bekannten liede vom Ursprung des bieres hat. Dasselbe mordwinische lied hat Paasoxex in vollständiger form aufgeschrieben, und er findet beim vergleiche, dieses sei fast eine Variante des finnischen, wie es in Kanteletar (I n. 110) vorliegt. A. R. NieiMi (Vir. ISQ'-^ 60) macht noch darauf aufmerksam, dass sich das finnische gegenstück in der von Lönnrot herausgegebenen Sammlung von Zauberliedern (Suomen kansan muinaisia loitsurunoja 298» findet, sodass hier m()glicherweise ein auch für die magische poesie bindernder beweis geliefert werden könnte. Eine spe- cielle unter-suchung ist also im vorliegenden falle wohl nötig. Bei den mordwinen fängt das lied mit der geburt und dem wachsen des hopfens an; diesen trägt der wind den weg Wo und wann entstanden die finnischen zauberlieder? 59 entlang auf ein feld, wo ein reicher Erzja hier braut. Dann wird gesungen (JSFOu IX 77): Wohlan, getreide, machen wir friede, Wohlan, getreide, schliessen wir ein bündnis ! ^ — »Ich bin das getreide, bin sehr kräftig, Bin sehr kräftig, hänge mich an das herz..> — Ich bin der hopfen, bin sehr gallig, Bin sehr gallig, hänge mich an den köpf. Die nicht-streitenden bringen wir zum streiten, Die nicht-hadernden bringen wir zum hadern. Die nicht-singenden bringen wir zum singen, Die nicht-tanzenden bringen wir zum tanzen. Im estnischen volksliede ist das thema sehr beliebt und in reichlich über hundert aufzeichnungen aus allen gegenden Estlands und Livlands vorhanden. Eine dem angeführten teile des mordwinischen liedes genau entsprechende form kann ich jedoch nur in drei exemplarep aufweisen. Eines stammt aus dem Pernauschen kreis am Ri^aer meerbusen und lautet: Humal uikasi orunna, Kesu keeruti mäele, Vesi lauli laineella: xKuna me kolmi kokku saame, Siis me tükim tünderisse, Vajom vaadide vahele, V'ötam meele meeste päästa, Poole meele poiste päästa, Natukese naiste päästa, Tüki meelt tüdruku päästa. Hopfen jodelte im thale, Gerste drillte auf dem hügel, Sang das wasser auf den wellen : »Wenn wir drei zusammen kom- men, Drängen wir uns in die tonne, Sinken in die fässer, stehlend Den verstand vom haupt der männer, Halbverstand vom haupt der knaben, Etwas auch vom haupt der frauen. Und ein stück vom haupt der mädchen.» iHurt. II 24 738, aufgez. von J. Einer in Saarde oder Häädemeeste. 1 In dem zweiten exemplare aus dem Dörptschen steht der schluss dem mordwinischen noch näher: 6o Kaarle Krohn. Aame mibe mürrama, Männer treiben wir zum lärmen, Naise tantsma tanuta, Frau'n zum tanzen ohne haube, Latse palla pörmanduUa. Nackt die kinder auf der diele. (Hurt, II 30 651, aufgez. von T. Grünfeldt in Ronuu.i Ein drittes exemplar derselben art, aus Wierland an der grenze von Ingermanland, hat M. Weske in seiner ausgäbe estnischer Volkslieder (Eesti rahvalaulud I n. 47 1 veröffentlicht. Das auftreten dieser liedform sowohl im Südwesten als Südosten wie noch im nordosten des estnischen Sprachgebietes beweist, dass es allgemein bekannt gewesen sein muss. Als eine Variante desselben kann noch eine aufzeichnung gerechnet werden, in welcher die Schilderung des effekts fehlt und nur auf die frage .,wann" geantwortet wird. Umal uigasi oruna, • Hopfen jodelte im thale, Vesi See lauli lätteenna, Sang das wasser in der quelle, Kesu keerudi mäele : Gerste drillte auf dem hügel : Kunas me kolmi kokku saame, »Wann ist unsere Versammlung, Kolmi kokku kukkumaie, Um zu dreien hell zu tönen, Nellä ütte laulamaie? Um zu vieren schön zu singen? Sellel suurel jöulu pühal, An dem grossen Weihnachtsabend, Siis me kolmi kokku saame, Dann ist unsere Versammlung, Kolmi kokku kukkumaie, Um zu dreien hell zu tönen, Nellä ütte laulamaie.) Um zu vieren schön zu singen. )> (Hurt III 5 S53, aufgez. von ]. Kuusik i8 Tule tänna, noori mees sa, Rief der hopfen in der weide, Schrie der zapfen im gebüsche : »Komm hierher, du jünger bur- sche. 62 Kaarle Krohn. Vii mind kotiga koduje. Pane parre ääre peale. Sealt mina veeren veerikusse, Poen öUe poolikusse. \'ötan meeled meeste peasta, Pooled meeled poiste peasta, Mehed siis mütsata müravad, Naised tanuta tantsivad, Poisid poolisaabasteta. ;» Bringe mich im sack nach hause, Lege auf den rand der latten. \'on dort kriech' ich in die tonne. Schlüpf ich in des bieres kufe, Stehle den verstand von männem, Halbverstand vom haupt der knaben, Männer tanzen ohne mutze, Frauen tanzen ohne haube, Knaben ohne halbe stiefeln.:» (Eisens samml. 8022, von P. Kivisild von der insel Mohn.) Statt als monolog kann dasselbe aber auch in einfach er- zählender form vorgetragen werden (z. b. Xeus n. 101 J und 98 E). Von den übrigen Variationen des estnischen liedes möge noch auf eine hingewiesen werden, wo statt des hopfens sein gefährte, die gerste, der hafer erklärt, wie sie (die gerste) zum malz gemacht, u. a. auf den latten getrocknet und mit dem hopfen in dieselbe kufe gedrängt wird, wonach sie alle um den verstand und zum tanzen bringt (H. II 20 91 aus dem Pernauschen). Es unterliegt also keinem zweifei, dass sowohl der hopfen als die gerste ursprünglich zum estnischen liede von der Wir- kung des bieres gehören. Diese annähme wird noch durch seine finnischen Varianten bestätigt. In Mittel-Ingermanland, in der gegend von Oranienbaum, ist das lied in folgender form erhalten (Porkka I n. 162). Hummala tapusta huusi, Odra pelloin pientaresta: Konsa me j'htehen yhymmän, Siit me miehen juovutamman. Ja miehen ilolla piämän. > Rief der hopfen von der hecke, Und die gerste von dem feldrain: »Wenn wir mal zusammenkom- men. Machen wir den mann betrunken, Halten ihn in lust und freude.» Diesem geht ein anderes lied vom brauen des bieres voran. In einer Variante (Porkka I n. 163) ist es sogar zwischen die Zeilen dieses kurzen Stückes eingefügt, sodass von dem ge- brauten biere gesungen wird: Wo und wann entstanden die finnischen zauberlieder? 63 Siit hään naiset toruttelloo, Macht dann, dass die frauen zan- ken, .Miehet tappeloitteloo ; Macht, dass auch die männer streiten ; oder auch in einem dritten defekten, aber sichtbar ähnlichen oxemplare (Europaeus III 3 n. 75): HuUut tappeloitteleepi, Macht, dass die verrückten streiten, X'iisahat toruttele[epi]. Macht, dass auch die klugen zanken. In Xord-Ingermanland tritt zu dem hopfen und der gerste, wie auch im estnischen, noch dass wasser hinzu. Humala taposta huusi, Rief der hopfen aus der hecke, Otra pellon rintehestä, Gerste von dem offnen felde, \'esi kaivosta syvästä : Wasser von dem tiefen brunnen : Kons me yhteen yhymme? »Wann ist unsere Versammlung? loulun pitkinä pyhinä. In den langen weihnachtsfesten, Pääpyhinä pääsiäissä.» An dem grössten feste, ostern.» iSaxbäck n. 215; vgl. Reinholm XI n. 346.) Wie in einer estnischen \'ariante, ist hier nur von der zeit des bierbrauens die rede. Doch ist auch von der Wirkung des biertrinkens eine spur in einem anderen nordingerman- ländischen exemplare sichtbar, in welcher die allerdings aus einem anderen liede entlehnte Fortsetzung lautet: Sitt' on leikki lyötäneen, Dann ist zeit ein spiel zu »schla- gen», Tanssu tallajeltaneen. Und auch einen tanz zu »treten». (Saxbäck n. 266 b; vgl. Neovius, Paraske's Varianten zum Kale- vala r. 20.) Noch in Russisch-Karelien ist das lied vom hopfen und von seiner Wirkung angetroffen worden. Huutipa humala maasta. Rief der hopfen aus der erde, Otra pellon pient[arelta], Gerste von dem rain des feldes. 64 Kaarle Krohn. Vesi kaivosta syvästä: Wasser aus dem tiefen brunnen; »Konsa me koolle saam[me], »Wenn wir mal zusammenkom- men, Ystävät vihollisiksi./ Freunde machen wir zu feinden. (Lönnrot A II 9 n. 57 aus Uhtue.) Diesem stück geht ein lied vom branntwein voran. Aber auch mit dem bierbrauen verbunden, wie in Mittel-Ingerman- land, und zwar im liede von Lemminkäinens fahrt zum gast- mahle ist die frage dieser drei ingredienzien des bieres, obwohl ohne jegliche antwort, anzutreffen, z. b. Humala huhusi puusta, Rief der hopfen von dem bäume, Vesi Juort[anin] joesta, Aus dem Jordanfluss das wasser, Otrat pellon pientaresta : Und die gerste von dem feldrain : >- Konsa me kooUa saamme, y.Wann ist unsere Versammlung, Millon yhteen yh3-mmä?>' Die vereinung mit einander?; I Lönnrot A II 5 n. 49 aus Lonkka im A'uokkiniemi-kirch- spiel; gedruckt in SuomI III 16: A. R. Niemi, \'anhan Kalevalan epilliset ainekset 162 — 3). Dass dieses lied in Russisch-Karelien nicht heimisch ist, be • weist schon der umstand, dass das wort humala nur in der bedeutung rausch gebraucht wird. Sowohl die kultur des hop- fens als das bierbrauen ist den Sängern dieser nördlichsten Va- rianten unseres liedes unbekannt. Es ist mehr als wahrschein- lich, dass auch dieses den weg so vieler anderer lieder aus Est- land durch Ingermanland und Finnisch-Karelien gewandert ist. und dass also nur das estnische original mit der mordwinischen parallele zu vergleichen ist. Es ist aber zweifelhaft, ob diese einmal direkt miteinander in Verbindung gebracht \\'erden können. Dasselbe thema scheint nämlich auch bei den litauern und letten beliebt zu sein, wie schon Julius Krohx in seiner finnischen litteraturgeschichte (I 332-3) gezeigt hat. Das gerstkorn sagte Der hopfen sagte Im scheunfach liegend : Auf dem gerüste : »Ich bin das körn doch, »Ich bin verschlagen Mein ist die stärke.» Und frisch und munter. ;' Wo und wann entstanden die finnischen zauberlieder? 65 Die hefe sagte, Im fasse gährend: »Nichts seid ilir beide, Wenn ich euch fehle.» Der roggen sagte Im Speicher liegend: »So schweiget doch nur. Was wollt ihr reden? Wenn wir zusammen Die kanne füllen. Wir mögen reden Wie's jedem zukommt, Das reich sich prahlet. Und stark sich waget, Dass jung sich herzet, Und alt sich wälzet.» (G. H. F. Nesselmann. Littauische Volkslieder n. 321.) Ei du loser hopfen, Ei du grüner Schleicher, Als du allein warst, Gab es keinen hader; Seit du dich verbunden Mit der reinen gerste. Du böser hopfen. Machst du streit und hader. (Nesselmann n. 234.) Hinterm berge sät' ich gerste, Dass der hopfen es nicht merke; Aber pfiffig ist der hopfen. Steigt auf einen bäum und lauert. — Ach, du hopfen, struwelköpfger. Was verübtest du am männlein? Männlein stolpert auf dem wege Hin und her die mutze schwen- kend. (K. Ulimann, Lettische Volkslieder n. 228 u. 229.) Es muss somit die möglichkeit, dass dieses lied von den litauern oder letten entlehnt sei, in betracht gezogen werden. Zu den esten und finnen kann es entweder in älterer zeit von den litauern übergegangen oder in späterer zeit von den letten eingewandert sein. Die mordwinen können es aber bloss in älterer zeit von den litauern erhalten haben. Es wäre also denk- bar, dass es aus finnisch-mordwinischer zeit stammt, als ge- meinsames lehngut aus dem litauischen. Doch ist noch eine dritte erklärung der Übereinstimmung nicht nur möglich, sondern sehr wahrscheinlich. Ein bedeu- tender teil der mordwinischen lieder ist sichtbar russischen Ur- sprungs, und das könnte auch hier der fall sein, da die russen von dem hopfen lieder besitzen, wie er in einem monologe mit seiner Wirkung prahlt (A. I. Sobolevskij, BeünKopyccKia napoi- HUfl ntCHH I n. 501 — 3), obgleich ich keine vollständig bewei- sende parallele, in der der dialog mit der gerste vorkäme, zur 66 Kaarle Krohn. hand habe. Unser lied könnte also ein slavisch-litauisches sein — nicht notwendig in der bedeutung gemeinsamen urbestandes, sondern ebenso gut durch entlehnung entstandenen besitzes — und einerseits von den russen zu den mordwinen und anderer- seits, wie erwähnt, von den letten zu den esten und von den esten zu den finnen gewandert sein, allerdings in ziemlich später zeit, wo sie alle schon ihre jetzigen Wohnsitze einge- nommen hatten. Die entstehung dieses liedes in der finnisch-mordwinischen zeit ist also mehr als zweifelhaft. Aber wäre die annähme auch sicher, so würde sie doch keinen anhaltspunkt für die entstehung der zauberlieder liefern. Denn das lied vom hopfen ist weder bei den mordwinen noch bei den esten oder finnen ein zauberlied. Bei den esten kommen wohl ein paar Zeilen dieses liedes in einem quasi-zauberliede vor, welches bei der Säuerung des dünnbieres gesungen wird. Taari laul. Dünnbierlied. Mede taar hapnema, Unser dünnbier werde sauer, Küla poisid kaklema, Nachbarsknaben mögen zanken. Kis juub, sii joonus jäägu, Wer trinkt, bleibe so betrunken, Kis maitseb, sii maha kukub, Wer sckmeckt, falle auf die erde, Küla poisid upakille. Nachbarsknaben mögen purzeln, Mehed mütsata mürama, Männer lärmen ohne mutze, Naesed tanuta tantsima. Frauen tanzen ohne haube. (Hurt III 14 329, von J. Täht aus Viljandi, kreis Fellin. Vgl. H. III 8 220, von J. Oja aus Nöo, kreis Dorpat.) In Ingermanland und Russisch-Karelien hat sich unser lied, wie schon bemerkt, mit dem liede vom bierbrauen vereinigt, welches wiederum mit sowohl epischen gesängen und lyrischen fest- liedern als noch mit zauberliedern verbunden auftritt. Das ist aber auch alles, was das lied vom gespräche und der Wirkung des hopfens mit zauberliedern zu thun hat. Doch findet sich im finnischen noch ein anderes lied vom Ursprünge des hopfens, obleich nur in einem einzigen exem- plare aus dem vorigen Jahrhundert erhalten, als zauberlied mit denen vom bierbrauen und vom Ursprünge des eisens ver- bunden. Wo und wann entstanden die finnischen zauberlieder? 67 Humalan Syndy. Der Ursprung des Hopfens. Humalainen hupeloinen, Kleiner hopfen, possenreisser, Kyinä mahan kylfvettihin, Wie nattern gesäet in die erde, \'iholaisa viskoittihin Und als nessel hingeworfen Osman pellon pengerehen, An den rain von Osmas felde, Karjalan nijtj-n kanten, Auf die wiese des Kareliens. Tolta nousi nora vöinä, Schoss empor mit schnür als gürtel, Kasvoi koysi kainalossa. Wuchs mit strick vom arm um- schlossen, Kusisa kufvatteleksen, Trug zur schau sich längs den flehten, Xäreisä näyteleksen. Zeigte sich auf jungen flehten. (Suomi III 14 55. K. Fr. Bergs samml., herausg. von A. R. Niemi, n. 15 aus Nilsiä in Nord-Savolax.) Dieses lied hat Niemi verglichen mit dem anfange des erwähnten mordwinischen liedes. Der hopfen wird geschildert als geboren auf jener seite der Sura, Wolga an einem feuchten orte in dem riede, in dem weidengebüsch. Als er heranwuchs, umschlang er die \\'eide: „busenketten sind seine äste, marken von erz seine blättchen, kleine klappern seine knösplein". Die ähnlichkeit beider lieder ist jedoch allzu allgemein, um zur annähme eines gemeinsamen Ursprunges berechtigen zu können. Die speciellen züge sind derart verschieden, dass sie sehr gut ganz unabhängig von einander haben entstehen können. Mit dem liede vom hopfen zerfällt vorläufig die hoffnung gemeinsame zauberlieder aus der finnisch-mordwinischen zeit aufzuweisen. Um von der zukunft neue beweise hoffen zu können, müssen wir erst im klaren darüber sein, ob es uns möglich wird, die existenz der finnischen zauberlieder in der nächst folgenden, urfinnischen periode irgendwie wahrschein- lich zu machen. III. Urfinnische zeit. Der mangel an zauberliedern bei den liven und woten bedeutet an und für sich nicht viel, da ihr liederschatz über- haupt ein geringer ist. Man hat immer den ausweg eine ältere, 68 Kaarle Krohn. verlorene poesie vorauszusetzen, obgleich anderseits in einer nüchternen forschung dieser ausweg nicht ohne begründung benutzt werden darf. Etwas mehr beweist schon die thatsache, dass bei den wepsen, deren dichtung ebenso spärlich ist, statt zauberlieder eine anzahl prosaischer Zaubersprüche aufgezeichnet worden sind. Aus der kleinen Sammlung von Ahlovist (Anteckningar i Nord-Tschudiskan 64 — 66) möge folgendes beispiel angeführt werden. Ich stand auf in der Segnung (blaslovas), wusch mich in der Segnung, begab mich, rührte mich auf das offene feld, auf die grüne wiese; auf dem offenen felde, auf der grünen wiese ein goldenes meer, in dem goldenen meere ein goldener stein, auf dem goldenen steine ein goldener hahn; wie der stein sich legte ins meer für allewige zeit, so möge dieses übel sich legen für allewige zeit! Dass dies eine russische Zauberformel ist, bedarf keiner weiteren erklärung. Es wird nicht nur von der „\n'o"- und „wie"-form, sondern auch von der einleitung sowie vom Inhalt genügend bewiesen (offenes feld — meer — stein). Es könnte wohl auch hier der einwand erhoben werden, die nordtschuden hätten ihre ursprünglichen zauberlieder ver- gessen und später die der russen erlernt. Wir haben aber noch die esten, bei denen \-on vergessen nicht die rede sein kann, da sie einen liederreichtum von über 50000 Varianten besitzen. Dass unter diesen eine verschwin- dend kleine anzahl von zauberliedern zu finden ist, kann nicht mehr als zufall gerechnet werden, da fast jedes Örtchen im estnischen Sprachgebiete durch J. Hurt's unermüdliche Sammler durchstöbert worden ist. Dazu kommt, dass der grösste und beste teil der estnischen zauberlieder von den finnen entlehnt ist. Dies zu beweisen fordert aber ein besonderes und aus- führliches kapitel, welches zum nächsten hefte aufgeschoben werden muss. Zuvor aber ist noch eine frage zu beantworten. Wäre es nicht möglich wie in der Sprachwissenschaft durch die lehn- wörter, so auch in der volkspoesie durch bewiesene entlehnun- gen eine sichere Zeitbestimmung zu erhalten? Es ist jedoch in der Volkskunde ungemein schwieriger als in der Sprachwissen- schaft kriterien für das respektive alter der entlehnungen zu Wo und wann entstanden die finnischen zauberlieder? 69 linden, wo ein einfluss zu verschiedenen Zeiten angenommen werden kann. Die finnischien zauberlieder sind sicher von den germanischen Zaubersprüchen beeinflusst worden, dass es aber in der zeit der gotischen Wörterentlehnungen geschehen sei, ist unmöglich zu beweisen, da wir über keine gotischen zauber- lieder verfügen, und da mit so vielfachem späteren germanischen einfluss auf die finnen gerechnet werden muss. Höchstens kann ein negatives resultat erzielt werden, wenn durch andere thatsachen \varhscheinlich gemacht wird, dass die germanischen zauberlieder selber nicht so alt sind. Bloss der litauische einfluss ist derart, dass ein positiv^er beweis für die urfinnische zeit erreicht werden könnte. Hätten die finnen mit den litauern oder letten gem.einsame zauberlie- der, die in neuerer zeit nicht durch Estland gewandert w^ären, so müsste die entlehnung geschehen sein, vordem die finnen ihre jetzigen Wohnsitze erreicht hatten. NiEMi hat zwischen den finnischen und lettischen zauber- liedern mehrere interessante parallelen aufgezeigt, von welchen er besonderes eine als beweisbar direkte entlehnung hervorhebt. Es ist die formel „wolle — mund", welche in der finnischen Schlangenbeschwörung gebräuchlich ist und im folgenden letti- schen Zauberspruche vorkommt: Die ehrliche, gnädige frau schläft am wegrande auf dem sande (im sumpfe auf einem erdhügel, im walde unter der wurzel); der mund ist voll mit wolle. (J. Alknis, Materialien zur lettischen volks- medicin n. 128, in R. Roberts Historischen Studien IV.) Dass sie auch bei den esten angetroffen ist (Kreutzwald und Neus, Myth. u. mag. Lieder der Ehsten n. 13), ist in die- sem falle kein hindernis für die annähme einer direkten bezie- hung in älteren zeit. Denn die von Kreutzwald angeführten drei ersten Varianten (A, B, C) sind auch die einzigen, in wel- chen sie vorkommt; in neuerer zeit ist kein weiterer beleg ge- funden worden. Von diesen aber ist die dritte (C) wahrscheinlich nur eine Umarbeitung der zweiten (B) — die lieder der er- wähnten Sammlung sind gewiss nicht alle in der aufgezeich- neten form abgedruckt — und die erste (A) ist eine erweiterung von Neus, EV n. 18, mit hülfe anderer handschriften, die ich nicht gefunden, hergestellt. Es ist also nur ein zuverlässiger beleg aus Jerwen (B) vorhanden, vielleicht ein zweiter (A) aus 70 Kaarle Krohn. dem Nord-Dörptschen. — der zweifelhafte dritte (C) ist angeb- lich aus Wierland — also jedenfalls aus gegenden unweit der grenze von Ingermanland. Zum beweis, dass diese Schlangenbeschwörungen finnischen Ursprungs sind, will ich hier, nur eine beobachtung von O. Kallas anführen. In der ersten Variante (A) ist die erste zeile: mida karva Leena- kene 'welcher färbe bist du, Lene', bloss eine miss verstandene form der finnischen zeile : mikä karva lienetkänä 'welcher färbe auch magst du sein', wie auch eine spätere aufzeichnung aus Wierland (Hurt II 34 289): midas karva leenekene, bezeugt. Mehr zu^eifel erregt jedoch die richtige bemerkung von NiEMi, dass ein ähnliches bild auch in einem nordtschudischen Zauberspruche vorkommt (Ahlqvist 65 — 6). Ich stand auf in der Segnung — — auf dem offenen felde, auf der grünen wiese eine schwarze schlänge, graue schlänge, bunte Schlange, braune schlänge und aller schlangen älteste, im munde wolle, im köpfe wolle — — Dieses bild kann also auch von den russen entlehnt sein und zwar in später zeit, da die russischen Zaubersprüche über- haupt zweifellos christlichen Inhalts sind. XiEMi (s. 57) weist jedoch auf noch eine möglichkeit hin die beziehungen der litauischen und finnischen beschwörungen zu erklären. „Wenigstens teilweise haben die beiden ganz ge- wiss eine gemeinsame quelle: die germanische beschwörung''. Aber sobald mit der letzten annähme als einer möglichen, ja sogar als einer wahrscheinlichen, gerechnet werden muss, steht auch jener beweis für eine direkte beziehung zwischen den finnen und letten auf unsicherem gründe. Besitzen wir denn überhaupt einen festen boden für der- artige vergleiche? Wenn man die ziemlich vollständige Samm- lung lettischer Zaubersprüche von J. Alksnis durchliest, fängt man unwillkürlich an daran zu zweifeln. Überall und reichlich vertreten sind in diesen die christlichen elemente: Gott selbst, Gottes Sohn, Heiliger Geist, Jungfrau Maria, Johannes, Petrus, Zacharias, Abraham, Jordan, kirche, kreuz, pastor, taufvater u. a. Auch die namen von Städten: Riga, Windau, Libau, Mitau, nebst dem vorkommen von pistolen (n. 277), zeugen von christlicher zeit. Wo und wann entstanden die finnischen zauberlieder? 7 1 Welches sind aber die heidnischen elemente in den letti- schen Zaubersprüchen? Böse geister haben im Volksglauben auch, ja gerade in der christlichen zeit eine grosse rolle gespielt; in frage kann nur gestellt werden, in welchem grade das böse prinzip schon in heidnischer zeit bekannt gewesen ist. Der donnergott Pehrkons hat sicher noch in der christlichen Vor- stellung des lettischen Volkes fortgelebt, er existiert ja sogar noch bei den finnen als bezeichnung des bösen : perkele. Er tritt in der Sammlung von Alksnis fünfmal (36, 164, 256, 288, 332) als vertreiber der bösen geister auf; die idee, dass dem bösen geist vor dem donner besonders bangt, ist überall in den sagen der christlichen Völker verbreitet. In drei von diesen fällen (164, 256, 332), sowie noch in zwei andern (75, 154) finden wir die christliche drei- oder neun- (auch 3 X 9-)zahl. In einem Zauberspruche (330) reitet der heilige Gott auf dem rosse des Pehrkons, woraus die Verschmelzung dieses We- sens mit dem christlichen glauben am besten erhellt. Sein vorkommen ist mit dem erscheinen des liimar in den wotja- kischen zauberliedern gleichzustellen. — Neben der Jungfrau Maria, kommen noch zwei andere weibliche wesen vor: Mahfa und Laima 'göttin des glucks'. „Soweit man nach den vorhandenen Quellen urtheilen kann", erklärt Alksxis (s. 177), „ist zwischen Laima und Mahi'a (deminut. Alahrina) kein be- stimmter Unterschied. Der Name Mahfa = Maria möge unter dem Einfluss des katholischen Glaubens in späterer Zeit an die Stelle der Laima getreten sein, denn die Besprechungsformeln lassen es ohne Weiteres erkennen, dass die lettische Gottheit Laima in ihrem Handeln auffallend nahe kommt der segnenden Mutter Christi; es lassen sich wenigstens für Mahfa keine be- sonderen Functionen auffinden, welche nicht auch der Laima zugesprochen würden. " Die „liebe" Mahfa, die „heilige frau", welche mit ihrer rechten band ein heiliges kreuz schlägt (208), ist ohne zweifei identisch mit der lieben und heiligen Mutter Gottes. Aber es ist möglich, dass auch Laima, die „liebe" (92), die „mutter" (142; vgl. 280 mütterchen L. mit dem goldenen besen, mit welcher in n. 123 Mahfina dreimal um die kirche läuft) in diesen Zau- bersprüchen nur eine Substitution derselben ist. In der magi- schen poesie der finnen treffen wir ähnliche poetische umschrei- 72 Kaarle Krohn. bungen der Jungfrau Maria in Ilmatar 'Luftmaid', Synnytär 'Geburtsmaid' und Luonnotar 'Naturmaid'. Bis in die letzten zelten hat wohl als axiom gegolten, dass christliche namen in der volkspoesie Stellvertreter früherer heidnischer namen sind. Diese vom Verhältnisse zwischen dem klassischen heidentume und dem christlichen Volksglauben ererbte anschauung kann aber in betreff der nordischen Völker nicht mehr ohne weiteres gutgeheissen werden. Das einzig richtige prinzip bei der beurteilung des heidnischen oder christ- lichen Ursprungs einer Volksüberlieferung kann folgendes sein. Wenn in allen exemplaren derselben ausschliesslich und sicher heidnische elemente vorzufinden sind, so muss ein heidnischer Ursprung angenommen werden, bis das entgegengesetzte be- wiesen worden ist. Kommen aber in allen vorhandenen auf- zeichnungen bloss und deutlich christliche elemente vor, so soll ebenfalls ein christlicher Ursprung angenommen und die beweis- führung der widersprechenden meinung abgefordert werden. Jedoch in den interessantesten fällen, wenn so\vohl heidnische als christliche namen in verschiedenen Varianten einer und der- selben Überlieferung oder sogar in einer und derselben Variante gemischt auftreten, kann ohne prüfung der beweise beiderseits überhaupt keine annähme gelten. An und für sich ist die substituierung eines heidnischen namens an die stelle eines christlichen gewiss nicht schwerer denkbar als die umgekehrte. Vorausgesetzt wird im ersteren falle, dass ein aus der heidnischen zeit ererbter name, teilweise mit applizierter bedeutung, in dem christlichen Volksglauben erhalten sei; im letzteren falle, dass ausser dem namen eine an diesen geknüpfte sage fortgelebt habe. Auf diese frage, eine der wichtigsten in der mythologie moderner Völker, werde ich gelegentlich zurückkommen. Dies- mal gilt es fest zu stellen, dass sich keine anhaltspunkte für die annähme urfinnischer zauberlieder finden, und zu diesem zweck müssen, wie gesagt, die estnischen zauberlieder im fol- genden kapitel näher untersucht werden. (Fortsetzung folgt.) Kaarle Krohn. über den Ursprung des personalsuffixes -n im ungarischen. 73 Über den Ursprung- des personalsuffixes -n im ungarischen. Die ungarischen v^erba scheiden sich ihrer subjektiven konjugation nach in zwei gruppen, deren eine in der 3. person sing, -ik als personalsuffix hat, in der anderen aber giebt es in der 3. person sing, im allgemeinen kein personalsuffix, ausser im imperativ, in welchem die 3. person sing, immer durch -n gekennzeichnet ist (z. b. varjon 'soll warten', kerjen 'soll bitten'), und im praesens des verbums 'sein': vagyon "er ist'. Ausser diesen kommt das personalsuffix -n nur in wenigen beispielen, im praesens und praeteritum gewisser verba vor; namentlich in folgenden: leszen Geszen) 'er wird', teszen (teszen) 'er thut, er macht', veszen (veszen) 'er nimmt', viszen 'er trägt', hiszen 'er glaubt' megyen (dial.: megyen, menen, menyen, mengyen) 'er geht' | jön 'er kommt' j nincsen 'er ist nicht', sincsen 'er ist auch nicht' ^ metszen 'er schneidet', vonszon 'er zieht, schleppt'; eszen (eszen) 'er isst', iszon 'er trinkt', fekszen 'er liegt', aloszon 'er schläft' (in der älteren litteratur) hin, hin 'er ruft', szin, szin 'er saugt', rin, ren, rin 'er weint', sen-ren 'er weint immerfort', Ion 'er schies.st', fön 'er kocht' (intrans.), szön 'er webt', ben 'er brüllt, heult', nyön 'er wetzt ab, trägt ab; er rauft aus (hanf)', nyün 'er wächst', fun 'er bläst' (hie und da in der Volkssprache) |; tön 'er that, er machte', Ion 'er wurde', von 'er nahm' | ten, len, ven id.: ön 'er ass', hün 'er glaubte' (in der älteren litteratur). Aber auch in diesen ist das suffix -n keineswegs beständig; anstatt eszen (eszen), iszon, fekszen, aloszon kommen die formen mit dem suffix -ik (eszik, iszik, fekszik, aloszik od. aluszik, alszik) schon in den ältesten Schriftdenkmälern bei weitem häu- figer vor, und seit geraumer zeit werden diese (mit ausnähme 1 Auffallend ist in nincsen und sincsen das offene e f= ä), während sonst vor dem suffix -n immer geschlossenes e (e) (und dem entsprechend in Wörtern mit hinteren vokalen o) steht. 74 J- SZINNYEI. des gemeinspr. suffixlosen meg-esz 'er isst auf, z. b. alles, dich, euch' und dem dial. vorkommenden eszen) ausschliesslich gebraucht; die übrigen kommen alle auch ohne jegliches per- sonalsuffix vor, z. b. lesz, tesz, vesz, megy, jö, nincs; leve u. s. \v., und zwar sind die suffixlosen praesensformen keines- wegs nur ausnahmsweise gebrauchte, sondern ganz gewöhn- liche formen, die in der jetzigen spräche beinahe alle entschie- den häufiger vorkommen, als die mit -n. ^ In den übrigen finnisch-ugrischen sprachen finden wir, dass die 3. person sing, (übereinstimmend mit dem ungarischen) im allgemeinen nur im imperativ immer mit einem perso- nalsuffix bezeichnet, sonst aber (mit wenigen ausnahmen) suffixlos ist. Z. b. IpN. lokka- 'lesen": praes. (1. loga-m, 2. loga-k), 3. lokka; praet. (1. lokki-m, 2. lokki-k), 3. logai; po- tent. (1. logaca-m, 2. logaca-k), 3. logaca; — imperat. 3. lokku-s (personalsuffix : -s); IpS. vieso- "leben': praes. (1. vieso-b, 2. vieso-h), 3. vieso; praet. (1. viesoi-b, 2. viesoi-h), 3. viesoi: potent. (1. viesoea-b, 2. viesoea-h), 3. viesoc; optat. od. kondit. (mit einem hülfszeitwort) 1. viesoli-m, 2. viesoli-h), 3. viesoli; — (eee- 'lieben') imperat. 3. ece-s, eco-s (personalsuffix: -s) finn. (suomi) mene- 'gehen': praes. (1. mene-n, 2. mene-t), 3. menee ■{■= praesensstamm ; Setälä, TuM 4); praet. (1. meni-n, 2. meni-t), 3. meni; potent. (1. menne-n, 2. mennet), 3. mennee {= potentialstamm, vgl. praesens); kondit. (1. me- nisi-n, 2. menisi-t), 3. menisi; — imperat. (optat.) 3. menkään, menköön << * })ie}]M-hen, * metjTcö-hen (personalsuffix: * -heu s n v> ^ < E. 1 w CD p 2 C/3 D O rv, . CD 3 ^ O ^ ö r- O ng ■* p . ? ?" « 5 N ö p CD ' . 1- CO CD p: - CA ■j. CO CO ^ CD 1 o ;^_ o , o P 1 0 ^ g: o 1 ■ 0 O ^ -j (in den der ob- jektiven konjuga- tion angehörenden Suffixen: -ja, -juk, -jätok, -jak u. s. w.) 1 Das dem eigentlichen personalsuffix vorangehende -n war ursprünglich ein die pluralität des besessenen ausdrückendes suffix (vgl. H. Paasonen, Mordvinische lautlehre 123 und Setälä's aufsatz im Virittäjä IV 1900 121). über den Ursprung des personalsuffixes -n im ungarischen. 79 Das Suffix -n ist aus der pronominalform *j8n enstanden. Diese, als personalsuffix angewandt, war — wie aus meinen obigen erörterungen hervorgeht — ursprünglich nur dem im- perativ eigen. Der moduscharakter des Imperativs im ungari- schen war ursprünglich (und möglicherweise teils auch noch in historischer zeit) das dem finn. -ka, -kä entsprechende -x, -x'> aus dem sich das heutige -j entwickelt hat. Die heutigen for- men varjon, kerjen (s. oben) sind also aus ^var/s-jän (später nach dem gesetze der vokalharmonie: *varx8-J8n), ""ker^'s-jän enstan- den. Als Übergang von diesen zu den heutigen dienten die formen : *vär;{8n, ^kerx'sn (vgl. sirhon, syrhon 'soll weinen' in einer handschrift aus der zweiten hälfte des XVI. und in einer aus der ersten hälfte des XVI. Jahrhunderts). Da nun andere Im- perativformen mit den personalsuffixen -k, -mok, -mök, -tok, -tek, -m, -d u. s. w. *vär/8k *kerx'8|k *varx8niok ^ker/smök *varj(8tok ^ker^stek ^var^sm *ker/'8m *värx8|d. ^ker/s d u. s. w. gelautet haben, wurde in den formen ^var/sn, *ker/8n das -n als personalendung aufgefasst. Ebenso ist aus der pluralform des pron.: *J8n8k (mit dem pluralzeichen -kj das heutige suffix -nak, -nek entstanden. Wie gesagt, kommt ausser der 3. person des Imperativs nur das verbum vagyon 'er ist' nie ohne -n vor. Man könnte zwar annehmen, dass dieses verbum einst auch eine suffixlose form gehabt habe, welche später durch die andere gänzlich verdrängt \vorden sei ; doch giebt es gründe, die uns bewegen, die beständigkeit des -n in dem fraglichen verbum anders zu erklären. Die 3. person sing, im praes. des verbums 'sein' er- weist sich nämlich in manchen finnisch-ugrischen sprachen als urspr. nomen verbale; so z. b, finn. on 'er ist' ■< * om, vgl. weps. estnS. om. liv. um'; plur. : weps. oma, omad, wot. omao, estn. ommad, ommat (in der älteren literatur), omnid, liv. mnä't (Setälä, TuAl 169, ÄH 406), mit demselben -ma suffix, mit welchem z. b. kuolema 'tod' gebildet ist | wotj. van, tjail 80 J. SZINXYEI. 'er ist' (eigentlich: 'das sein, das dasein, existenz; seiend, exis- tierend', MuNKÄcsi, Votjäk szötär 645), dessen vollständigere Stammform vanm- << *valm- ist (vgl. sin, Sin 'äuge' << sinni-, siihn- "^ finn. silmä, mord. selmä u. s. \v.), mit demselben bil- dungssuffix, mit welchem z. b. budem 'wuchs, erwachsen" ge- bildet ist. Nun giebt es im ungarischen ein der obigen ver- balform ganz gleichlautendes Substantiv: vagyon mit der be- deutung: 'vermögen' (urspr. 'seiend, existierend'), welches aus dem verbum 'sein' gebildet ist; das bildungssuffix -n stammt aus früherem -m (neben vagyon ist dial. auch vagyom gebrauch- lieh) und ist offenbar der Vertreter desselben suffixes, mit welchem finn. on, oin, wotj. van, vcuim- gebildet ist. Nach dem obigen können wir mit grosser Wahrscheinlichkeit annehmen, dass vagyon 'er ist" mit vagyon 'vermögen' (urspr. 'seiend, existie- rend') identisch ist, also urspr. ein nomen verbale war; und mit dieser annähme ist die beständigkeit seines -n (welches also anderen Ursprungs ist, als das -n der 3. person) hinlänglich erklärt. ^ Wenn diese annähme stichhaltig ist, so ist es sehr wahr- scheinlich, dass das ungemein häufig gebrauchte und mit der 1 Vom anfange des XML Jahrhunderts an erscheint in der litteratur neben vagyon auch die kürzere form van, durch welche die andere mit der zeit grösstenteils verdrängt worden ist. Was das Verhältnis beider formen zu einander betrifft, so sind verschiedene auffassungen möglich. Namentlich kann man annehmen, dass die kürzere form aus der längeren durch schwund des inlautenden konsonanten und kontraktion der vokale entstanden ist, also: va- gyon ^ vaon (dial.) ^ *van ^ van [vgl. vagyok 'ich bin' ^ vaok (dial.) ^ vak (dial.)]. — Auch das ist möglich, dass sie aus verschiedenen stammen gebildet sind, nämlich vagyon aus dem frequentativstamm vagy- <^ *valgy- (<^ *vald- ' — ■ mord. ulende- 'sein', wogK. ^ölent- id.) hingegen van aus dem einfachen val- stamm, also van <^ *valn- <; *valm- ^^ wotj. van, vanm- <^ *vahn-. (Bemerkenswert ist, dass auch van in der bedeutung: 'vermögen, hab und gut' vorkommt, aber nur mundartlich.) — Drittens hat man auch angenommen, van sei aus der pluralform vannak (<^ vagynak) 'sie sind' durch anlehnung an die 3. person plur. und sing, anderer verba, also gemäss folgender gleichung entstanden: jarnak 'sie gehen': jar 'er geht' :zi: vannak 'sie sind': van "er ist'. Zur geschichte des urlapp:n ä und u in unbetonter silbe. 8i zeit natürlicherweise als N'erbalform aufgefasste vagyon viel dazu beigetragen hat, dass das -n des imperativs in das praesens und praeteritum mancher verba eingedrungen ist. Budapest. J. SZIXNYEI. Zur geschichte des urlappischen a und tt in unbetonter silbe. Ein jeder, der sich wenn auch nur ein wenig mit der lappischen spräche beschäftigt hat, ist sehr oft in der läge ge- wesen einen merkwürdigen Wechsel a '^ e oder o ^-^ u in der zweiten silbe der Wörter zu beobachten. Die nominalen e- Stämme haben im illativ sing, ein a statt des e der meisten übrigen singularkasus und die i^-stämme ein u statt o: N. F. guöUe 'fisch', gen. guöle, ess. guöllen, aber illat. guöllai; airro "rüder', gen. airo, illat. airrui. Die dreisilbigen stamme auf -es im nom. sing, haben in den übrigen formen ein -as-: N. F. males 'mahlzeit', gen. mallas, nom. plur. maUasak, illat. plur. mallasidi. Die diminutivableitungen haben ein a. bezw. ein u vor ihrem s, tS (= e): N. F. guolas, nom. plur. guolacak 'kleiner fisch"; airus, nom. plur. airucak "kleines rüder'. Die viersilbi- gen frequentativverba zeigen auch ein a statt des e ihrer drei- silbigen grundverba: N. F. doarredet 'verfolgen,' aber frequ. doarradaUat. U. s. w. Den eigentlichen grund dieses wech- seis und die raison d'etre des a, u, bezw. des e, o fällt es aber schwer zu erklären. Eine genauere, systematische vergleichung der lappischen Wörter mit e -^ a mit den entsprechenden finnischen Wörtern, giebt uns jedoch den Schlüssel zu der lösung dieses rätseis. I. Beginnen wir mit solchen dreisilbigen nominalstämmen, die im lappischen ein unveränderliches e haben, das im fin- nischen einem a (ä) entspricht, z. b.: N. F. Ibmel "Gott' = 6 82 K. B. WiKLUND. f. Jumala; dawer 'schätz, reichtümer' = f. tavara. Welcher von diesen vokalen der ursprünglichere ist, kann keinem zweifei unterliegen. Das ursprünglichere muss a sein, das z. b. in tavara unmittelbar aus dem a des slavischen TOBapi» aufgenommen ist. Auch im lappischen hat man eine grosse menge beispiele für aus nordischem a hervorgegangenes e: N. F". bardne 'söhn, knabe' ■< urnord. *t)arna, altnord. barn 'kind' ; lairre 'lehm' ■< urn. *laira, an. leir id. etc. Es \\-ird wohl auch ohne weiteres von allen forschern angenommen, dass dem Wechsel a -^ e ein lappi- scher Vorgang zu gründe liegt, d. h. ein auf gewissen bedin- gungen beruhender, lappischer Übergang a > e. Dieser Über- gang muss \\"eiter urlappisch sein, da er in allen lappischen dialekten in ganz derselben weise auftritt; die ausnahmen von dieser allgemeinen regel sind so geringfügig, dass sie hier ausser acht gelassen werden können. Dem obengenannten norwegisch- lappischen bardne entspricht z. b. in Ter '^pä.rne, Kildin '^jjärn (mit weggefallenem e, das jedoch . vor seinem Schwund das ,• her\'Orgerufen hat), Enare bardne, parne, pärne, Lule par^ne, Arjeplog ^pardne, Sorsele, Hatijelddalen harnie. Stensele piarnie u. a. formen, Vilhelmina, Frostviken Barnes. Offerdal ßar^nes, Undersäker Bar^nee, Härjedalen oär^nee. Im illativ sing, aber endigt ein solches wort im russischlappischen auf -a. norw.- lapp. -ai, Lule und Arjeplog auf -üi, in den südlicheren dia- lekten im allgemeinen auf -an. Wie aus diesem beispiel her- vorgeht, sind e und a in einigen dialekten kurz, in anderen lang. Bei näherer Untersuchung wird man ohne zweifei finden, dass die länge in allen dialekten der jetzigen kurzen quantität dieser vokale vorausgegangen ist, und dass diese e und a also schon in urlappischer zeit lang waren. Dass ich schon in diesem artikel von einem urlappischen langen a spreche, ohne dass ich zur zeit vollgiltige beweise für die länge des- selben vorlegen kann, kommt zunächst daher, dass ich ein mittel brauche um dieses a von demjenigen vokal unterscheiden zu können, der in unbetonter silbe einem finnischen /, e oder n entspricht und in urlappischer zeit gewiss kurz gewesen ist: dulwat 'schwellen (von einem flusse)' = f. tulvia; gullat "hö- ren' = f. k'uiüe-; sokka 'geschlecht' = f. suku, etc. Bei der vergleichung der obengenannten u'örter mit un- veränderlichem e mit den entsprechenden finnischen sowie auch Zur geschichte des urlapp. a und u in unbetonter silbe. 83 sonst haben wir in diesem artikel neben den norwegischlappi- schen Wörtern oder auch statt derselben diejenigen formen zu nennen, welche die betreffenden wcirter in solchen dialekten haben, wo keine kürzung des unbetonten ä und e stattgefunden hat. Da indessen, wenigstens soweit meine aufzeichnungen bezeugen können, alle die bisher näher untersuchten, hieher- gehörigen dialekte in diesem punkte fast völlig übereinstimmen, kann ich mich damit begnügen nur die Lulelappische form der wr)rter mitzuteilen. Aus dieser geht dann hervor, ob die nor- wegischlappische form ein ursprüngliches e, ü hat, oder ob ihr e aus / hervorgegangen ist, und ihr a wie „dunkles a" ausge- sprochen wird, d. h. auf ein urlappisches kurzes a zurückgeht. 1 ) Von den Wörtern mit unveränderlichem e = finn. a, ä in der zweiten silbe seien zuerst die Wörter auf Lule -el, gen. -ela, N. F. -el erwähnt; ^ wir linden hier : ju^pmel, gen. juppmela, X. F. ibmel, gen. ibmela ■gr)tt' ■-= f. jumala; Mpmel, gen. kap''mela. N. F. gabmel, gen. -ela "seltsam' =: f. kamala; Lule kärjel, gen. -ela, N. F. garjel, gen. -ela "russe", vgl. f. Kar- jala; Mvvel, gen. -ela, N. F. gawvel, gen. -ela 'listig' = f. kavala. Diese w^örter haben also alle unveränderliche stamm- konsonanten, was beweist, dass der nom. sing, noch zu der zeit, als die ,.konsonantenschwächung" durchgeführt wurde, vokalischen auslaut hatte, \\'odurch die zweite silbe offen blieb. Dieser jetzt verschwundene end vokal muss einst ein a gewesen sein wie in den entsprechenden finnischen Wörtern. 2) Analog sind die Wörter auf Lule -en, gen. -ena. N. F. -en = f. -ana: brpen-pelle 'kousine', orpenao nom. plur. 'ge- schwister' = f. orpana; rejpen, gen. reoplna, N. F. rseppen, gen. rseppena 'rauchloch' = f. reppänä. Erwähnt sei auch das wort miutem, gen. muofema, N. F. muttem 'irgendein' ::= f. muutama. 3) Analog sind \\'eiter auch die Wörter auf Lule -er, gen. -era, N. F. -er = f. -ara: käJ^er, gen. Mo^era, N. F. gager, gen. gakkera 'renntiermist' = f. kakara; ladplr, gen. Mopera, N. F. gäpper, gen. gäppera 'mutze' = f. kypärä; TcuÖDper, 1 Wenn nicht anders gesag;t wird, sind die Wörter Lulelap- pisch; die norwegischlappischen Wörter (N. F.) werden, wenn mög- lich, nach Qvigstad's > Beiträgen.) citiert. 84 K. B. WiKLUND. gen. l:i(öd'2^era "klaue (der renntiere, kühe und ziegen)", X. F. guöber, gen. guöppera :=: f. kopara; muöSker, gen. imiöokera, N. F. muoger, gen. muokkera kleine mücke' = f. mäkärä; lookker, gen. -era. X. F. lohkkir, gen. lohkkarä 'hobel" := f. lukkara oder altnord. lokarr; fävver, gen. -era, X. F. daver, gen. dawvera "schätz, wäre' = f. tavara; veD't'Ser, gen. veo'tSera, X. F. vsecer, gen. vaeccera "hammer" =-- f. vasara. Die sch\\a- che stufe im nomin. sing, in X. F. ist wohl hier analogisch. 4) Auch ein paar Wörter auf Lule -et. gen. -eta, X. F. -ed =: f. -nta gehören hierher: eenief, gen. esmtta, X. F. semed, gen, semeda 'hausfrau" = f. emäntä; iset, gen. iseta, X. F. ised, gen. iseda 'hausherr' = f. isäntä. Der Stammkonsonant ist hier immer schwach, weil die zweite silbe geschlossen ge- wesen ist: t <^ d e vor dem auch mit ui anfangenden komparativsuffixe zusam- men: syvä, syveijipi; paha, pahempi. Das n des translativ- suffixes geht nämlich auf ein früheres m zurück, welches in den südlichsten lappischen dialekten noch bewahrt ist: Härje- dalen ßuärämit 'besser werden', räigamit neben -änit 'ein loch bekommen', Offerdal nYiJ^emdit 'durchlöchern', bmsmdit 'verkürzen', stiMÖrsmdit 'vergrössern', miöUnidit 'erniedrigen'; vgl. auch BuDENz, XyK XVIII 305 ff. Jedenfalls hat man in den finnischen kausativ-translativverben in der dritten silbe a, für welches im lappischen ein t auftritt, ganz wie in den bisher behandelten gruppen 1 — 8. 86 K. B. WiKLUND. 10) Ein e in der zweiten silbe tindet man auch in den zahlreichen kausativableitungen auf Lule -edtit, N. F. -etet =: f. -atta-, z. b.: esleofif. N. F. seletet 'ernähren' ^ f. elättää; kuöf- teotif. N. F. guoddetet 'tragen lassen, auf Saumtieren transpor- tieren' := f. kannattaa; tesf edtit. N. F. diedetet 'kundgeben' = f. tiedättää. In den hier behandelten gruppen 1 — 10 mit un- veränderlichem e in der zweiten silbe von dreisilbi- gen Stämmen finden wir also im finnischen überall ein a (ä) in der dritten silbe. Es wird demnächst von Interesse sein zu untersuchen, welchen vokal man in der dritten silbe von solchen finnischen Wörtern findet, die im lappischen in der zweiten silbe ein unveränderliches ä haben. 11) Die nomina agentis auf Lule -är, gen. -ürcu N. F. -ar, gen. -ara entsprechen völlig den finnischen nomina agentis auf -ari, gen. -arin, deren suffix offenbar aus den nordischen sprachen stammt. ^ Auch in den nordischen sprachen hat es ursprünglich unmittelbar nach dem /• einen palatalen vokal ge- habt. Als beispiele können genannt werden: tuöppviür, gen. tuöppmära, N. F. duobmar, gen. duobmara richter' <^ f. tuo- mari oder direkt <^ altnord. domari; piutär, gen. pmtära. N. F. bivdar, gen. bivddar 'Jäger, fischer' = f. *p3r7täri, x'ielleicht erst auf lappischem boden aus pm^tet, N. F. bivddet 'jagen, fischen' gebildet. 12) Die viersilbigen ableitungen auf Lule -älat'S, gen. -tdad'd'ki, N. F. -alas, gen. -alaga entsprechen finnischen Wörtern auf -allinen, wo also in der dritten silbe immer ein i steht, z. b.: lospälafS, N. F. lobalas 'erlaubt' = f. luvallinen; pithälatS 'scherzhaft' := f. pilkalliaen; räfälat'S oder räfelatS, N. F. rafhalas 'friedlich' = f. rauhallinen; (SalmälafS 'scharfsichtig' = f. silmällinen ; värälat'S, N. F. varalas 'gefährlich" = f. vaa- rallinen; virJcälat^, N. F. virgalas "der ein amt hat' = f. vi- rallinen; vuöimälafS, N. F. vuoimalas kräftig" = f. voimalli- nen. Neben diesen Wörtern auf -älat'S giebt es auch einige auf -elafS, die im finnischen nach der soeben aufgestellten regel in der dritten silbe nicht ein i, sondern ein a haben sollten. In ^ Vgl. jedoch FoRSMAN, Suomi III lo 2oN und Saxen, Sven- ska Landsmälen XI 3 88. Zur geschieh te des urlapp. a und u in unbetonter silbe. 87 ^ der that findet man auch hier ein finnisches a (ä) in einigen \\()rtern : X. F. laddelas 'finländer' =^ f. lantalainen ; N. F. suobmelas 'finnisch" :=: f. suonialainen (die formen suobma- las, suomalas bei Qvigstad haben ihr a wohl durch späteren finnischen einfluss erhalten): hieher gehört wohl auch sapme- laf'ß, X. F. sabmelas "lappisch", das mit den finnischen volks- namen hämäläinen, venäläinen, saksalainen u. s. \v. gleichzu- stellen ist. In anderen Wörtern wechselt das U mit c. z. b.: vmvälaf'S und raivelafS, X. F. vaivalas "mühsam' =: f. vaival- loinen mit 0 << a: od'd'.^elafS neben ot't'Sülaf'S, X. F. oa5alas "fleischlich"; räfelafS und räfälafS, vgl. oben; al^melatS, aber X. F. almalas "himmlisch" = f. ilmaUinen ; äof'f.^elafS, aber X. F. acalas 'väterlich' = f. isällinen. Zwei verschiedene en- dungen sind also hier zusammengemischt worden; es ist aber interessant zu sehen, wie der Stammkonsonant vor -ülafS = f. -aUinen noch im allgemeinen schwach, ist, während er vor -elaCi =: f. -alainen in der starken form auftritt. 13) Die translatix^en verba auf -nit haben immer ein ü \or der endung; die entsprechenden finnischen verba zeigen ein -ene-, von dessen e in der zweiten silbe \\'ir oben mom. 9 ge- sprochen haben; für das lappische kommt hier nur in betracht, dass die betreffenden finnischen Wörter in der dritten silbe ein e haben, z. b.: ciUänif, X. F. ällanet 'höher werden' = f. ylenen; iarvänif, X. F. dawanet "weiter auf die see hinaus- kommen' = f. syvenen; vuöUänit. X. F. vuöllanet 'niedriger \\'erden' = f. alenen. 14) Von vielen dreisilbigen verben auf Lule -efif oder -eotif, X\ F. -edet oder -etet werden viersilbige verbalsubstan- tiva gebildet, die im nom. sing, in Lule auf -is oder -us en- digen, in X. F. auf -us. Der stamm hat in einigen von den Luledialekten, wo der nom. sing, -is vorkommt, ein i vor dem s. in anderen ein «, das sich vielleicht aus dem i entwickelt hat. Die entsprechenden finnischen Wörter gehen auf -us, gen. -uksen aus. Xach dem finnischen zu schliessen wäre also im lappi- schen das u das ursprüngliche ; es lässt sich aber denken, dass neben diesem 11 in alter zeit auch ein i vorgekommen ist. Jedenfalls haben alle diese Wörter in der zweiten silbe immer (1, nicht e. Beispiele sind: äjäofis, gen. -isä oder -asU 'ge- danke' := f. ajatus; ar^vätis, X. F. ar'vadus 'mutmassung' = 88 K. B. WiKLUND. f. axvaus <^ * arvadus (vgl. är^vetit ^ i. arvaan); alüotus, gen. -usü, N. F. selatus 'lebensunterhalt' = f. elätys (aber esleotit == f. elättää) ; .^iunätus, N. F. sivdnadus 'segen' = f. siunaus (aber siiinetit := f. siunaan); västätus, N. F. vastadus ant- wort' =: f. vastaus (aber västetit = f. vastaan). 15) \'iersilbige nomina auf Lule -üsatL gen. -üsad'd'ki. X. F". -asas, -asaga = finn. -a(h)inen (Qvigstad, Beiträge, s. 152), z. b.: äi^Jcäsat'S, N. F. ai'gasas 'einer gewissen zeit gehörig' ■= f. aikainen; sad'd'äsat'S, N. F. sagjasas 'Stellvertreter' ^^. sijamen. 16) Die viersilbigen frequentativverba auf -cdlat =■■ tinn. -ele- haben in der zweiten silbe immer ein ä (= tinn. «, ä) vor dem in der nächsten silbe stehenden ä (= tinn. e), im ge- gensatz zu ihren grundverben, die in der zweiten silbe ein e aufweisen, z. b.: är^väfallat 'erraten, denken' = f. arvaella <^ *arvadella (aber ärh'etit := f. arvaan); l-02)p)mrt(dlat, frequ. von koppmertit, N. F. gobmardallat, gobmerdet 'sich bücken' (ö <^ ä nach o) = f. kumarrella von kumartaa; veisätallat, frequ. von veisetit "singen' = f. veisaella, veisata. Hierher gehören auch die verba imitandi auf -staUat = finn. -stele-, z. b. : harrästalJaf, X. F. haerrastallat 'sich wie ein herr be- tragen' = f. herrastella laixJcästallat 'faulenzen'. Auch z. b. vattästcdlaf, X. F. addastallat, frequ. von vattestit. X. F. ad- destet 'ein wenig, einmal geben" = f. *annahtelen. Die gruppen 11 — 16 mit unveränderlichem U in der zweiten silbe zeigen also im finnischen ein e. i oder u in der dritten silbe. Wenn wir den faden, den uns diese wortgruppen in die band gegeben haben, weiter verfolgen, finden wir uns sehr oft in der läge, dass wir für die betreffenden lappischen Wörter l< ü nach ö), X. F. bodnjaset 'ge- 94 K. B. WiKLUND. dreht werden', von potti'wt. bodnjat 'drehen" ; f'Salctüsif 'von einem fallenden bäume getötet werden" von fSaJcfat 'ein tier dadurch töten, dass man einen bäum über es fällt'; jäiräsit. X. F. jawaset 'von schnee überdeckt werden (von einem wege)", neben jävestit, N. F. javestet (mit kausativsuffix) 'mit schnee überdecken'. 31) Von vielen verben werden adjektive auf Mala -äh, Lule -iL N. f. -el gebildet, welche bezeichnen, dass eine per- son oder sache die handlung des verbs ausführt, z. b.: Mala muijjlild. Lule miiixJel. gen. imdyjela, N. F. mviittel, gen. muittela "\\-elcher ein gutes gedächtnis hat" \'on Lule muiyjet. X. ¥. nmittet 'sich erinnern' ; Mala pcßtah. Lule pcistel. gen. pcisfela. X. F. bästel, gen. bästela 'scharf, schneidend", von Lule pcistet. X. F. bästet 'scharf sein, schneiden'. Diese Wör- ter können nicht ohne weiteres mit den finnischen adjektiven auf -elias verglichen werden: mnistelias, pisteliäs etc., da diese offenbar aus frequentativen verben auf -ele- gebildet sind und also lappischen formen mit kurzem a (^ finn. e) in der zwei- ten Silbe entsprechen würden. Formell entsprechen sie völlig den oben mom. 1 behandelten Wörtern aut -el: man wird daher geneigt anzunehmen, dass sie in der dritten silbe einst 'ein a gehabt haben. Wie sich diese Wörter zu den viersilbigen adjektiven auf Lule -elis. X. F. -elas, -alas verhalten, ist schwieriger einzu- sehen: mädttelis (präd. form) 'möglich' von ]naDttet 'können'; teottelw^ N. F. diettelas, diettalas 'natürlich, selbstverständlich' von teeotet 'wissen' ; ihr -.5 steht vielleicht mit dem finnischen -s in pisteliäs u. s. w. in Verbindung. Xoch verwickelter ist die Sache bei den adjektiven auf Lule -tdis, X. F. -alas, z. b. : MsMlis, X. F. gaskalas bissig", von Mskef, gasket 'beissen'; ßciVoTcälis, N. F. bselkkalas "zänkisch" von pel^dket, bselkket 'zanken'. Ihr langes ä zeigt, dass auch hier die finnische frequentativendung -ele- nicht herbeigezogen werden kann, an- dererseits muss in der dritten silbe ein palataler vokal gestan- den haben. 32) Hierher gehören endlich auch die bekannten adverbia auf Lule -elin, -elis, -eli, -elf, -el(a), X. F. -elest, -eli, -eld, -el: pad'd'elin, N. F. bägjelest etc. 'über', von pad'de-. X. F. bagje- 'oben befindlich'; vuöllelin, X. F. vuöUelest etc. 'unter', von Zur geschichte des urlapp. a und u in unbetonter silbe. 95 vuölle-, X. F. vuöUe- "unten befindlich", u. s. w. Ihr überall beibehaltenes t in der zweiten silbe deutet auf ein ehemaliges a in der dritten silbe; ihr suffix ist demnach völlig identisch mit dem finnischen lokalsuffixe -la in Pohjola, Seppälä u. s. w. und sie gehciren also formell mit den oben im mom. 1 behan- delten Wörtern zusammen. Von den dreisilbigen stammen sind jetzt nur noch die Stämme mit veränderlichem (7, c ühng, d. h. die stamme mit e in der zweiten silbe im nomin. sing, (und der kürzeren form des essivs sing.) und mit ä in den übrigen kasus. Die weitaus meisten von diesen Wörtern endigen im nomin. sing, auf 33) Lule -es, gen. -üsa (oder -ä), N. F. -gs, gen. -asa (oder -a), z. b.: feeres, gen. tarräsa, N. F. dgeres, gen. dserrasa 'zwischenlage in nähten' =: f. tere; hünes, gen. hufnäsa, ess. hunen, hafnäsm, N. F. hanSs, gen. hadnasa 'geizig' = f. ahne; Hatfjelddalen fales, acc. fälab, Arjeplog fülis, gen. fallci(sa), Lule sväles, gen. svälläsa, N. F. fäles, gen. fälla, Enare välis, gen. valla, Ter. ^väles, gen. vällazi 'walfisch' < urnord. *hwa- laz, altnord. hvalr idem; Offerdal Gar^ves, nom. plur. Gar^väs, L'ndersäker, Frostviken, Vilhelmina oärves, nom. plur. Gärväs, Mala Mr^ves, nom. plur. larväs, Lule Tcärves, plur. Mr^väsao, X. F. garves, nom. plur. gar'va(sa)k 'fertig' <^ urnord. *3ar- waz (?), altnord. gorr idem. Der \\'echsel zwischen e und a ist allen dialekten gemeinsam, muss also urlappisch sein. Das a ist in den casus obliqui unverändert geblieben, weil die nächste silbe ursprünglich einen palatalen vokal enthalten hat, dem im finnischen ein e entspricht: X. F. oapes, gen. oappasa 'be- kannt' = f. opas, oppaan- <; *oppasen: X. F. ruoives, gen. ruoi'va 'hanf = f. roivas, roivaan <^ * roivasen : u. s. w. Der Übergang « >> e im nomin. sing, kann hier nicht auf einem Wechsel in der qualität der folgenden silbe beruhen, in welchem falle man auch im finnischen einen nominativ * oppase, * roivasa erwarten würde. Die eingetretene „konsonantenschwächung" {=z sch\\'ache stufe) zeigt, dass diese Wörter im nomin. sing, konsonantischen auslaut hatten; man muss also anneh- men, dass es ausser dem oben behandelten falle .,« >> e vor urspr. rt" auch einen fall „a >> e in der letzten silbe eines Wortes" gegeben hat; weiter unten werden wir in der that fin- 96 K. B. WiKLUND. den, dass derselbe Übergang auch im absoluten auslaut statt- gefunden hat (kuölle „tisch" = f. kala). In den meisten lappischen dialekten ist der konsonantische auslaut im nomin. sing, der hier behandelten Wörter bei- behalten worden. Die jämtländischen dialekte machen jedoch insofern eine ausnähme von dieser regel, als in ihnen nur die adjektive auf konsonanten endigen, die Substantive aber auf -sd, -se, z. b. : Undersäker ourves 'fertig' ; Bösres 'alt' ; oäints 'zahm'; aber nnwtjdSd 'flicken', Lule tüöTctjas; Gämass 'die haut auf den beinen eines tieres", Lule Jcämas: Gapthd 'womit man etwas überdeckt", Lule TcopfSos. Diese adjektive auf -.s- sind in der that die einzigen dreisilbigen stamme, die hier im nomin. sing, auf konsonanten endigen ; alle übrigen endigen auf -d, -t (-rd, -na», -Ad, -so etc.). Es m.uss also etwas zweifelhaft erschei- nen, ob diese substantiva auf -sd oder im allgemeinen alle diese Wörter wirklich in urlappischer zeit im nomin. sing, vokalischen auslaut gehabt haben, wie ich es in meinem „Entwurf einer urlappischen lautlehre" s. 121 vermutet habe. Man könnte ja vielleicht annehmen, dass in den Substantiven auf -sd. -se der vokalische auslaut sekundär und an alogisch ist, d. h. aus sol- chen dreisilbigen stammen aufgenommen, wo das -d, -s auf einen früheren vokal a = finn. a (nicht e) zurückgeht und die ungeschwächten Stammkonsonanten sowie das e der zweiten Silbe im Lulelappischen auf einen in alter zeit sicher vorhanden gewesenen vokalischen auslaut im nomin. sing, deuten (wie in jippmds 'gott' = Lule juppmel, f. jumala; reo'pens 'rauchloch' =: Lule reojjen, f. reppänä; veef'Sars 'hammer" ^ Lule vejfSei; f. vasara; u. s. w.). Eine solche analogische Umbildung des nominativs wäre auch sehr natürlich, da diese beiden klassen von dreisilbigen stammen sonst auf ganz dieselbe weise dekli- niert werden. Die adjektive würden dann durch einfluss der attributiven form auf -s ihr nominativ-.s- erhalten haben. Dass diese erklärung der jämtländischen nominative auf -sj in der that richtig ist, scheint aus den Verhältnissen in dem im letzten sommer von mir untersuchten dialekte in Mala bestätigt zu werden. \'on den dreisilbigen stammen endigen hier (mit we- nigen ausnahmen) alle nomina auf -.s- im nomin. sing, auf kon- sonanten, während die übrigen, die zwischen der zweiten und dritten silbe ein cL g. Je, l, m. n, f'S u. s. w. haben, im allge- Zur geschieh te des urlapp. ü und ti in unbetonter silbe. 97 meinen auf vokal ausgehen; die nomina auf -/• mit vorange- hendem e, d, ü endigen auf Isonsonanten, diejenigen auf -üre. -(()■£ auf votcal. Auch in Mala dürften wohl einige von diesen vokalisch auslautenden nominativen analogisch sein; dies muss z. b. mit vielen von den nominativen auf -gd der fall sein, wie t'SäUdgd neben tSäldO 'schrift' = Lule tSäla, gen. tSüllaka, wo also die erste form offenbar analogisch ist. Diese Wörter entspre- chen im finnischen Wörtern auf -e', gen. -een <^ -eh, gen. -cgen. wo der konsonantische auslaut des nominativs also in finnisch- lappische zeit hinaufreicht. Andererseits müssen einige von den Wörtern auf -;■ den endvokal verloren haben, wie z. b. Tcuöopty. norn. plur. IcuödXJur 'klaue' = Lule IcuöSper^ TcnöoperaQ, f. ko- para, wo das urlappische nach dem oben gesagten im nomin. ein auslautendes a gehabt hat. Die nomina auf -,S' müssen wohl also, trotz ihres jämtlän- dischen -so. konsonantischen auslaut gehabt haben, was auch mit dem finnischen opas u. s. w. mit auslautendem s und „kon- sonantenschwächung" übereinstimmt. Die meinung Thomsen's, BFB 107 ff, dass diese finnischen Wörter konsonantenstämrne gewesen seien, wird also durch das lappische insofern bestätigt, als sie im nomin. sing, in finnisch-lappischer zeit konsonan- tischen auslaut gehabt haben. Die kürzere form des essivs sing, zeigt vielleicht auch im lappischen einen konsonantischen Stammauslaut: f. opas-na (neben oppaana analogisch nach op- paalla u. s. w.) und Lule hünm (neben analogischem Jiatnüsin) 'geizig', Lule und Arjeplog sväinan (neben Lule sväi^nasin) von sväinas 'knecht' (Halasz, Sved-lapp nyelv VI xxi), wo hünm, sväinan wohl auf ein -sna zurückgeht, dessen sn in diesen gegenden wie gewöhnlich in n übergegangen ist, und dessen a vor sich ein e, nicht ä verlangt; die vorhandene schwache stufe zeigt auch, dass die zweite silbe ursprüng- lich geschlossen gewesen ist (an analogie vom nomin. sing, ist wohl kaum zu denken). Ob dasselbe auch im parti- tiv sing, der fall gewesen ist, wie im finnischen opasta etc., i.st schwieriger zu entscheiden; \\"enigstens haben die russisch- lappischen dialekte, in denen der part. sing, noch in gebrauch ist, einen vokal vor dem suffixe: ''^mttared von '^iiiUfaj- 'Zöllner'; pröroHcö oder ^j^röroJcc.tteö von prdvo'k 'prophet' (NyK XMI 7 98 K. B. WiKLUND. 7). Man könnte jedoch vielleicht an solche formen denken wie N. F. olgold, Lule -otTcidt 'auswendig'; N. F. goabbeld, Lule hopiMt '\'on welcher seite', etc.; wie wir aber oben mom. 32 gezeigt haben, erwartet man in diesen ableitungen in der dritten silbe eher ein ursprüngliches a als ein e. Die finnischen partitive von dreisilbigen stammen auf -la würden demgemäss nicht auf -lata ausgehen, sondern auf *-lta. Auch wenn diese dreisilbigen stamme auf nom. sing, -s in urlappischer zeit in gewissen formen konsonantischen stamm- auslaut gehabt haben, müssen deshalb nicht alle dreisilbigen Stämme auf -c diese eigentümlichkeit aufgewiesen haben. Oben im mom. 29 haben wir schon darauf hingewiesen, dass die Ordnungszahlen noch in finnischer zeit einen endvokal im no- min, sing, gehabt haben. Auch in anderen fällen ist gewiss ein endvokal, wenigstens in urlappischer zeit, vorhanden ge- wesen, wo wir im finnischen dreisilbige e-stämme finden. So vor allem in den diminutiv^en und adjektiven auf -t'L Mala -t'Se^ -fh (oben 27 und 28). Das auch im nomin. sing, vor dieser en- dung gebliebene fi deutet auf einen palatalen vokal in der dritten silbe. Die Schicksale des entsprechenden finnischen vokals sind unbekannt, da der nominafiv hier auf das etwas dunkle -nen, nicht auf -s oder -si endigt. Wenn man diese Wörter mit den Ordnungszahlen zusammenstellt, könnte man geneigt werden anzunehmen, dass eigentlich nur die dreisilbigen stamme mit langen konsonanten zwischen der zweiten und dritten silbe den endvokal bewahrt haben, offenbar weil die zweite silbe in solchen Wörtern einen nebenton erhalten haben muss, der gewissermassen die dritte silbe mit der zweiten silbe in zweisilbigen Wörtern gleichwerfig gemacht hat. Dieselbe er- klärung gilt auch für die oben im mom. 26 erwähnten nomina auf Mala -rnuK Lule -rm. wo die in allen kasus vorhandene schwache stufe auf ursprünglich langes n deutet. Bei den meisten übriger dreisilbigen nomina auf Mala -d dürfte das -c> einem finnischen -a entsprechen. Von den wenigen Wörtern auf Lule -eu (<< -em), gen. -cmia und -er. gen. -rtro können wir hier absehen, da man im allgemeinen keine völlig entsprechenden finnischen Wörter auf- weisen kann. Etymologisches aus den permischen sprachen. 99 In den drei- und viersilbigen Wörtern haben wir also überall, wo wir überhaupt die Verhältnisse untersuchen konn- ten, die regel bestätigt gefunden, dass vor einem aus palatalem vokal entwickelten u in der zweiten silbe ein a steht und vor früherem a (und e, a) ein e; dieses e tritt auch auf, wenn kein \-okal folgt; vor u sind die Verhältnisse etwas unklar. Bevor wir zu der geschichte des unbetonten u in zwei- silbigen Wörtern übergehen, wollen wir zunächst einen blick auf die Schicksale des unbetonten fi in der zweiten silbe von drei- silbigen Wörtern werfen. Unter denselben Verhältnissen wie bei dem Wechsel a '^ e und grösstenteils in denselben fällen werden wir dort einen Wechsel ü '^' ü finden. (Forts.) Upsala im februar 1901. K. B. WiKLUXD. Etymolog-isches aus den permischen sprachen. 1. Wotj. urves, urhefL Bei besprechung der von Vikar aufgestellten gleichung: finn. arpa 'Wahrsagungswerkzeug' (bei Renvall 'virga scrutatoris superstitiosa 1. divina ad res incognitas detegendas') : ' magy. orvos 'arzt', urus (szeklerdial.) 'zauberer' fragt Setälä: .,ist ur- sicher 'eichhorn' im wotj. ur-ves 'frühlingsfest bei den sarapuli- schen wotjaken'?", augenscheinlich die bedeutung 'eichhorn' in zweifei ziehend und auf die möglichkeit aufmerksam machend, dass wotj. ..ur-ves" in irgend einer beziehung zu den genann- ten Wörtern arpa und orvos stehen könnte (siehe JSFOu XVII 4, 50 — 5). Den anlass zu dieser frage empfing Setälä daher, dass MuNKÄcsi in seinem wotjakischen Wörterbuch (109) dieses wort für ein kompositum hält, das eigentlich „eichhorn- opfer" (*ur 'eichhorn' + f^'ßs 'opfer') bedeutet („a szo jelentese ügy lätszik: 'evet äldozat'; v. ö. zürj. iir evet."). Die bedeutung 1 Vgl. auch est. arp "loos, zaubermittel', arbutama 'hexen, zaubern'. loo Yrjö Wichmann. 'frühlingsfest etc." hat Muxkäcsi, u'ie er mitteilt, von seinem sara- pulischen Sprachlehrer erhalten. Weniger aufmerksamkeit hat MuNKÄcsi sichtlich den nachrichten zugewandt, die Buch (Die Wotjäken 602, 603, 618) von den formen und bedeutungen dieses Wortes giebt, obgleich er allerdings darauf verweist. Nach Buch ist ,,urbeti oder urves" ein „schlimmer waldgeist niede- ren Schlags, der den menschen gern schadet" (603). Einen grund für die annähme, dass urvei „waldgeist" wäre, bringt Buch nicht vor. An anderer stelle (618 — 9), wo von den ceremonien erzählt wird, unter denen die wotjäken zu einer bestimmten zeit des Jahres die saitan ^ vertreiben, citiert Buch die folgenden gebetworte, die beim opfern gesprochen \\-erden: .,.osts inmars, hll'li t'Serli en Jcifsfl, urhef'Ml en sof!",^ d. h. „oh, osts inmar (gott des himmels), gieb uns nicht den krank- heiten und seuchen, gieb uns nicht dem urhet'^ preis!" Die Wörter TcU' und i'Scr bedeuten nicht bloss krankheit überhaupt, sondern auch den geist der krankheit. Da aus Buch's be- richt deutlich hervorgeht, dass der z\\'eck des opfers und der damit verbundenen ceremonien die Vertreibung der krank- heiten und krankheitsgeister ist, so darf man wohl annehmen, dass auch mit dem worte urhet'S etwas schädliches, vielleicht gerade vor allem ein krankheit verursachender geist, gemeint ist. Buch sagt selber in anderem Zusammenhang (602), die wotjäken hätten ihm urhefS als saitan, d. h. böser geist er- klärt. — Es begegnen aber auch sonst in der litteratur nach- richten vom ürhetS. Nach Verescagix ist 2i. II 112 — 8. Etymologisches aus den permischen sprachen. lOi henennung der ceremonie ist verschieden in den einzelnen gegenden, und in einzelnen punkten können auch abweichun- gen erscheinen. Die hauptzüge jedoch sind auf dem ganzen wotjakischen gebiete gleich: 1) eine opferhandlung (gewöhnl. in einem walde oder bei einem einsamen bäume ausserhalb des dorfes; die nötigen opferspeisen werden in jedem haus gesam- melt); 2) die Vertreibung der geister [die teilnehmer an der Opferhandlung kehren mit stocken, ruten, fackeln u. a. waffen ausgerüstet, ins dorf zurück, gehen unter gelärm in jedes haus, an dessen \\ ände ^ sie schlagen, peitschen die kleider der be- wohner und sogar die bewohner selbst, um auf diese weise die geister der krankheit zu x'ertreiben, wornach die \\-affen ausserhalb des dorfes (im winter) in eine tiefe grübe oder (im sommer) in einen fluss geworfen werden]. Aus dem gesagten dürfte hervorgehen, dass das eichhorn keine rolle in den urves- ceremonien spielt; irrig scheint auch Buch's annähme zu sein, nrves sei „waldgeist". Offenbar meinen die wotjaken heut- zutage mit dem worte tirves, urbet'S teils ein krankheit verursachendes geisteswesen,^ teils die opferceremo- nien, unt.er denen dieses geisteswesen vertrieben wird. Was die form des Wortes betrifft, so ist gar kein grund \'or banden es als kompositum aufzufassen. Der vokal der zweiten silbe der von Muxkacsi gegebenen form ..ur-VfiS" ist anzuzwei- feln ; sowohl in der von Buch als auch in der \-on Verescagin gegebenen form (beide ebenfalls sarapulisch) steht e, nicht e (o). In ISLEXTjEv's hand.schriftlichem Wörterbuch trifft man auch die form urves an (die bedeutung ist hier nicht angegeben). Würde das auftreten des e (o) daraus zu erklären sein, dass dem Wörterbuchverfasser ^irves als .,frühlingsfest" (vgl. wotj. ve§ 'opfer, opferhandlung, opferfest') erklärt worden ist; oder ist ,,ur-ves" eine wirkliche Volksetymologie, nicht bloss eine „ge- lehrte Volksetymologie"? ^ Nach Verescagin wird in einem dorf beim schlagen ge- rufen: „urves vuiz! urves vuiz!'' d. h. ,,der urves ist gekommen!" '^ Krankheit schicken den menschen nach der annähme der wotjaken auch die verstorbenen. An manchen orten wird dieSver- treibung der krankheitsgeister in der ostergegend ins werk'gesetzt, wo die verstorbenen angcebhch aus dem totenreich hervorkommen. I02 Yrjö Wichmann. Um nun zu unserem ausgangspunkt zurückzukehren, so können wir auf grund des gesagten die müglichkeit der Zu- sammenstellung von urves, nrhetS mit tinn. arpa, magy. orvos, urus wenigstens der form nach zugestehen. Hinsichtlich der form schliesst sich das wotjakische wort am nächsten an die ungarischen an. Gegen die Zusammenstellung kann jedoch u. a. die bemerkung gemacht werden, dass die bedeutungen des wot- jakischen worts, wenigstens die heutigen, für die Zusammen- stellung keine genügende stütze bieten. Was das finn. arpa betrifft, so scheint besonders beachtung gewidmet werden zu müssen den bedeutungen: 'schlagruthe um verborgene dinge zu entdecken', arpa: 'budkafle' ('botschaftsstock', Juslenius), arpa-kapula 'bacillum emissorium 1. tessera' (Renvall), 'bud- kafle' (Lönnrot), arpa-mies 'der herumträger des botschafts- stockes' (Lönnrot). 1 Das arpa entsprechende kola-lappische "^vlii-pe hat nach Genetz die bedeutung: „Loos. (Jetzt bestehen die Loose aus V2 — 1 Zoll langen Ruthenstückchen; früher wurde beim Loosen ein ausgeschnittener Maser (iKiJike) an einem vom Dache herabhangenden Faden befestigt und in Bewegung ge- setzt)." 2 Es sei noch darauf aufmerksam gemacht, dass läpp. vuorbbe nach Frhs auch: 'manubrium, pertica, contus' bedeu- tet. ^ Ich erwähnte eben, dass die benennung der urves-cevQ- monie bei den wotjaken in den verschiedenen gegenden ver- schieden sei. Nach Verescagin wird dieselbe handlung in einer gegend mit dem namen /'.^oZ'JH-ar = 'hammer' („moüotok'l'') be- zeichnet, weil die vertreiber der krankheitsgeister einen „kleinen aus holz hergestellten hammer'" als waffe gebrauchen. Gavri- ^ Vgl. auch Krohn, Suomen suvun pakanallinen jumalan- palvelus, 135, wo ausdrücklich bemerkt wird, dass in Kuusanio ein »aus espenholz geschnitzter klöppel (kalikka)» als wahr- sagungswerkzeug benutzt wird. '^ Vgl. auch Krohx 1. c. 3 Ist das ersamordw. iirabei = 'stock'? Siehe Wiedemaxx Wörterb. : airabei nalksems Stöcke werfen, spielen. — iirabei nalkseme Stockspiel (wo man einen zugespitzten Stock so in den weichen Boden zu werfen sucht, dass er aufrecht stehen bleibt und zugleich den von dem Gegner geworfenen umstösst).» Und ist das wort urspr. mordwinisch oder lehnwort? Auf das letztere deutet das intervokalische h. Etymologisches aus den permischen sprachen. 103 Lov nennt ähnliche im gouvernement Kasan abgehaltene cere- monien unter dem namen put'§i suJckon = 'das schlagen mit den weidenzweigen' („öiiiie Bepöofi"). Man könnte darnach für möglich halten, dass sich auch hinter den benennungen urve.^, urhet'ä ein ursprünglicher analoger sinn verbirgt. Wäre es zu kühn anzunehmen, dass urves, urbet'S ein „nomen possessoris" = urv-es, urh-ef'S „hammer, stock oder rute habend, d.h. mit Zauberwerkzeug versehen, zauberer" ist? vgl. wotj. gone?, sjTJ. geneS, genes 'haar habend, haarig' (gon, gen 'haar'); bezüglich des Schlusskonsonantismus vgl. z. b. syrj. biires "glückselig" neben huret'S 'angemessen, bescheiden" aus hur "gut; gute". ^ Ebenso vielleicht magy. orvos, urus = orvo-s, uru-s. - [Wotj. -syrj. -es, -es z= magy. -s {= s), vgl. Budenz, Az ugor nyeh'ek összehas. alakt. 256 — 7.] Hierbei ist noch zu beachten, dass die tschuwassen ein ähnliches fest der Vertreibung böser geister feiern,^ welches vifmeee oder virem, auch suren (vgl. tscher. surem) heisst {BiiptMe»ie, Biip3Mi), cLypeHL: Magxickij, Maiepia^bi kt. oö-l- flCHCHiio ciapoö 'jyBamcKOfi Etpu, 126 — 33). * Möglich ist, dass vifmeee in irgend einem Zusammenhang mit wotj. urhetS, iirvei steht (vgl. in lautlicher hinsieht z. b. tschuw. vit- '^ tat. üt-, tschuw. vil- '^^ tat. ül-, etc. ; die grössten Schwierigkeiten bereitet das Verhältnis wotj. rJj, rv --^ tschuw. fm). — Auf der anderen seite könnte tschuw. vifmeee, virem eine ableitung von dem verbum vif- "durch worte bezaubern' (iiaroBapiiBOTL, ZoLOTNicKij) sein, sodass vifem :== 'das bezaubern" wäre. ZoLOTxiCKij meint, das letzterwähnte verbum sei derselben 1 Siehe auch Wiedemaxx, Syrj. Gramm. § 37. 2 MuXKACSi's annähme (Ethnographia VIII 23 t, mag}', orvos sei slavischen Ursprungs [vgl. russ. BoporL 'feind; zauberer' (nicht: Zauber!)], ist aus lautlichen gründen kaum zu Ijilligen. Vgl. ASBOTH, Archiv für slav. Phil. XXII 479 f. 3 Wie auch die christlichen tataren (s. Magxickij 133), die tscheremissen ( surem, s. Jakovlev, Pe.inriosHHe oupfl;i,H Mepejinci. 31 — 49j und auch die mordwinen (s. Wiedemaxx, Grammatik der ersa-mordwinischen Sprache, 2). * Magxickij setzt die würter virem, vifmeee in beziehung zu türk.-tat. er-, ur-, vur- 'schlagen'. In diesem falle wäre jedoch im tschuwassischen als vokal der ersten silbe o oder u zu ervvarten, vgl. A^marix, MaTepia.iH ä-i« nsc.i. »ivBauicK. «auna 79, 7 — 9. I04 Yrjö Wichmann. ..Wurzel'" wie türk.-tat. ür- (kaz.-tat. er-) "blasen; bellen", dessen tschuw. pendant jedoch ver-, und nicht vif- (BnpD ist, wie ZoLOTNicKij angiebt. ^ Ist also Zol. .,Biipt "durch worte be- zaubern'" wirklich = ver-, so hätte es nichts mit Magx. vifmece zu thun. vorausgesetzt nämlich, dass diese letztge- nannte form hinsichtlich des vokalismus richtig ist. Leider ist mit den jetzigen hilfsmitteln sch^/er über die etymologie von tschuw. vifmeee, virem klarheit zu erzielen, welche et3-mologie möglicherweise nicht nur hinter die fragli- chen finnisch-ugrischen Wörter licht bringen könnte, sondern auch hinter deren Verhältnis zu den türk. -tatarischen, die wie Setälä in dem oben erwähnten artikel treffend bemerkt hat, ,,sowohl dem laute als der bedeutung nach an die finnisch- lappischen und magyarischen erinnern" (vgl. schor. orba, sag. orby, tel. alt. orbü "der Schlägel,"'^ mit dem der schaman .seine trommel schlägt', und auf der anderen seite arba (in vielen dialekten) "hexen, behexen, bezaubern, wahrsagen, besprechen (krankheiten)', kirg. arbau 'listige antwort', barab. 'hexerei', dschag. arba}', arbak "lüge, betrug, list, besprechung, hexerei', arba^ei, ost-turkest. arbakci, barab. arbaudzy 'hexenmeister, Zauberer', tel. alt. lebed. arban "murmeln, murren, unwillig sein', s. Setälä 1. c.l. 2. "Wotj. Kuzon. Kasan wird in den Chroniken zum ersten male unter den Städten erw^ähnt, die im besitz der mongolen oder tataren wa- ren, als diese eben die herrschaft des mächtigen Bolgar ver- nichtet hatten (1236). Zu dieser zeit lag die Stadt (das ..alte Kasan") etwa 45 km nordöstlich von dem heutigen, ., neuen" Kasan, auf dem rechten ufer des Kasanka-flusses. Sicher weiss man nicht, ob die Stadt bereits vor der eroberung existierte, oder ob sie die tataren erst als Stützpunkt für ihre eroberungen ge- gründet haben. Die letztere annähme scheinen die nachrichten zu bekräftigen, nach denen Batu-khan, mit dem beinamen Sain, 1 Siehe Asmarix 1. c. 78. 2 Von mir spaziiert. Et3'mologisches aus den permischen sprachen. 105 seine späher ausschickte um einen solchen platz zu suchen, von dem aus man die absichten und bevvegungen der fürsten von Rjäsan, Madimir und Moskau im äuge haben könnte; einen passenden platz fand man auf dem rechten ufer der Kasanka, und hier legte Batu das kriegslager an, dem der name Sain- jurt gegeben wurde. ^ Bemerkenswert ist, dass dieser von dem eroberer dem platze gegebene name sich nicht im gebrauch erhalten hat, dass vielmehr die Stadt schon unter der tataren- herrschaft allgemein Kazan genannt wurde. — Einige forscher halten es jedoch für möglich, dass die bolgaren diese Stadt oder diesen Lagerplatz schon vor der eroberung des landes durch die tataren gegründet hatten, um die ihnen tributpflichti- gen Völker (wotjaken, tscheremissen u. a.) besser regieren zu können.- Trifft dies zu, so ist es auch wahrscheinlich, dass die tatarische benennung Kazan den alten bolgarischen namen re- präsentiert oder ihm entspricht, sodass er sich auch leicht, trotz des neuen namens Sain-jurt, im gebrauch erhalten konnte, und zwar sogar bis zu dem grade, dass der letztere gänzlich bei Seite geschoben wurde. Die frage nach der nationalität der bolgaren d. h. des Volkes, das das bolgarenreich beherrschte, ist nicht mit voller Sicherheit entschieden worden. Manche gelehrte, wie z. b. Il'minskij, Kunik, Radloff halten es für sicher, dass die bolgaren ein stamm türkischen Ursprungs seien, und dass wahrscheinlich das heutige tschuwassische die fortsetzung der spräche sei, die die bolgaren gesprochen haben. Ist diese hypo- these richtig, und ist Kasan von den bolgaren gegründet, so würde also auch der heutige tschuwassische name der Stadt: Xozan, Xiizan, der lautlich dem tat. Kazan entspricht, den alten bolgarischen namen Kasans repräsentieren. Beachten wir nun einerseits, dass das bolgarenvolk seiner zeit das mächtigste von den Wolgavölkern gewesen ist und als solches ^auch die finnischen stamme der nachbarschaft (die per- mischen Völker, tscheremissen, mordwinen) in einer art abhän- gigkeitsverhältnis gehalten hat, und anderseits, dass im tschere- missischen, mordwinischen, wotjakischen und sogar auch im syrjänischen spuren sehr beträchtlichen tschuwassischen ein- ^ Vgl. O. de Lebedeff, Abrege de l'histoire de Kazan 9—12. 2 Vgl. Lebedeff 1. c. io6 Yrjö Wichmann. tlusses anzutreffen sind, so erscheint die erwähnte h3^pothese von dem x'erhältnis des heutigen tschuwassischen und der spräche der alten bolgaren sehr natürlich. Was die wotjaken betrifft, so scheinen sie sofort nach der tatarischen eroberung unter starken tatarischen einfluss geraten zu sein, wofür u. a. die zahlreichen tatarischen entlehnungen, besonders in den süd- lichen dialekten, ein deutlicher beweis sind. Mit den tschu- wassen haben sie darnach nicht in direkter berührung gestan- den, da diese schon sehr lange in ihren jetzigen, fern von den wotjaken gelegenen Wohnsitzen gewohnt haben. Unter den Wörtern, die die wotjaken aus dem tschuwassischen entlehnt haben, befindet sich auch der name für die Stadt Kasan, wotj. Kuzon, welches die regelrechte entsprechung der tschuw. for- men Xozan, Xnzan darstellt [vgl. z. b. wotjG. kulmi 'braut- geld' i Ml), und auch jetzt würden wir im wotjakischen * Kazan erwarten. Einen weiteren einwand könnte man machen: das „alte Kasan'' wurde in einem von hügeln umgebenen k e s s e 1 artigen thale angelegt, weshalb die tataren der Stadt den namen Kazan (tat. kazan =: "kessel") gaben; da jedoch der kessel auf tschuwassisch xoran, xuran, der name der Stadt dagegen Xozan, Xuzan heisst, so würde dies zeigen, dass die tschuwassische benennung den- noch von den tataren entlehnt ist. Ausser dem erwähnten lautlichen grund, könnte man hiergegen N'orbringen, dass man nicht mit Sicherheit die Identität der tatar. \\-örter Kazan 'Kasan" und kazan 'kessel' beweisen kann; das tat. kazan hat nämlich in den türksprachen noch viele andre bedeutungen, wie aus Radloff's Wörterbuch hervorgeht, und u. a. erscheint es auch als Personenname (Kazan-khan). Wenn wir nun aber daran festhalten wollen, dass die gründer Kasans der Stadt ihren na- men wegen der kesseiförmigen örtlichkeit gegeben haben, was natürlich sehr wchl möglich ist, so sprechen die verschie- denen tschuwassischen namen für Kasan und kessel nicht un- bedingt dagegen; es ist ja möglich, dass das tschuw. Xozan, Xuzan entweder einen älteren lautlichen stand bewahrt hat, wie öfters die Ortsnamen, oder dass es eine alte wechselform des tschuw. xoran, xuran darstellt. Inlautendem und besonders aus- lautendem z (s) in anderen türksprachen entspricht nämlich oft tschuw. r, z. b. tschuw. Ahlqv. vurum 'lang', tat. uzun, jak. usun; tschuw. ZoL. sürü, Ahlqv. sür, sür, sürä, sire ring', tat. jözök, osm. jüzük, dschag. aderb, üzük; tschuw. Radl. cur, Ahlqv. sorä "frühling", tat. jaz, alt. jas, jak. sas; tschuw. Radl. sur, Ahlov. sor 'sumpf, tat. saz, alt. sas, etc. Auf der anderen seite ist jedoch zu beachten, dass dem tschuw. z in anderen türksprachen oft auch z (s) entspricht, und ebenso tschuwassischem r : r, z. b. tschuw. Zgl. ozat, Ahlqv. ozad-, uzad- "den weg weisen", tat. alt. uzat; tschuw. Zol. syzar "marder", tat. sosar, alt. kir. suzar; tschuw. Ahlqv. tinis, tenis, Radl. tiriiz "meer", tat. diTjez, alt. teriis; tschuw. Zol. soras 'sich \ersöhnen', tat. järäs, alt. jaras; io8 Yrjö Wichmann. tschuw. ZoL. sorym "rücken", tat. kir. jauryn, alt. jaryn, jak. saryn; tschuw. Zol., Ahlov. xir 'feld', tat. kyr, alt. kyra. Dazu kommt noch, dass z (s) und r auch in anderen türksprachen nicht nur in verschiedenen sprachen sondern auch in denselben dia- lekten wechseln können, z. b. kir. Radl. .^atqyr 'hinlegen", tat. jatquz; in den Wolga-dialekten Radl. ütkär und ütkäz "hin- durchbringen' ; Radl. kas. kyz, kir. köz, alt. kös 'äuge", aber tat. kür, alt. kir. jak. kör "sehen" (ebenso tschuw. Ahlqv. kos, kus äuge', aber kar, kur "sehen"). Nach Radloff sind überall in türkischen dialekten dergleichen ., Übergänge", obschon wohl nur in vereinzelten fällen, zu konstatieren. In hinblick hierauf ist der ..Übergang" des z in r schwerlich als eine eigentümlichkeit gewisser besonderer türkdialekte aufzufassen, vielmehr scheint der Wech- sel z (s) ---■ r eher als der rest eines alten stellungsphonetischen wechseis betrachtet werden zu müssen.^ Man kann es also nicht als eine Unmöglichkeit ansehen, dass die tschuw. Xozan, Xiizan und xoran, xuran wechselformen eines und desselben "kessel" bedeutenden Wortes sind, von denen sich die erstere als Ortsname bewahrt hat. In diesem falle wäre es durchaus natür- lich, dass die neuen ankömmlinge, die tataren, die Stadt mit dem entsprechenden worte ihrer eigenen spräche zu nennen angefangen hatten (bedeutungslehen).'- Da es also schwer ist zu einer anderen Schlussfolgerung zu kommen als der, dass die wotjaken den namen der Stadt Kasan vor der tatarischen eroberung von den tschuwassen ent- lehnt haben, und da es wahrscheinlich ist, dass die Stadt ihren namen von dem \-olke erhalten hatte, welches das bolgaren- reich innehatte, so würde sich die folgerung ergeben, dass dieses Volk eine spräche, deren fortsetzung das heutige tschuwassische ist, oder einen solchen türkdialekt gesprochen hat, der wenig- stens in bestimmten fällen denselben lautbestand zeigte wie das tschuwassische. ^ Nach Radloff's ansieht ist s (z) der ursprüngliche und r der später daraus hervorgegangene laut. Phonetik § 286. - Oder könnte man vielleicht tat. Eazan für eigentl. lehn- wort halten? Über tschuw. lehnwörter im tatarischen, die es doch wohl giebt, habe ich in der mir zugängHchen litteratur keine dar- stellung gefunden. Etjmologisches aus den permischen sprachen. 109 3. Syrj. nchög, nehög. \'on den das buchwesen und die schreibkunst betreffenden Wörtern der syrjänischen spräche sind mehrere, wie leicht vor- auszusetzen, zunächst aus dem russischen entlehnt; so z. b. kniga, iiiga (■< russ. Kniira) "buch", gumaga (<< russ. öyMara) "papier, Schrift", gramöia ( ) von iranischer seite ins arabische gekommen sein mag. Etymologisches aus den permischen sprachen. 1 1 1 die finno-ugrier lehnträger gewesen sind (das tatarische, tschu- wassische). Ahlqvist hat, wo er von den kulturwörtern des wogulischen und ostjakischen spricht (Über die Kulturwörter der obisch-ugrischen Sprachen: JSFOu VIII), auch \\'og. nepäk etc., ostj. nepäk etc. behandelt, und sieht ihr original im syrj. iichöff, welches er für „eine verstümmelte form von russ. 6y- jiara" hält. Ahlqvist's letztgenannte annähme erweist sich jedoch als unbegründet, wenn man in betracht zieht, dass die russischen entlehnungen im syrjänischen im allgemeinen keine besonders „verstümmelte" form darbieten, und dass ganz dasselbe russ. öyjiara, wie oben erwähnt wurde, in der syrjänischen form gumaga auftritt. Hingegen halte ich meinerseits die ansieht Ahl- qvist's für sehr wohl wahrscheinlich, dass die fraglichen wog.- ostj. Wörter aus dem syrjänischen {nebög etc.) entlehnt sind, vgl. bezüglich der auslaute z. b. ostj. istek 'schwefel' <; syrj. iztög (Savv.), I. IzHeg. P. "^isteg (Gexetz) "schwefel"; ostj. (süs-)kurek, wog. küärex huhn' <^ syrj. hurög (Savv.), I. Icureg, P. ^Jcu/eg (Gen.) "huhn', etc. (vgl. Ahlqvist 1. c). Was schliesslich das syrjänische wort selbst betrifft, so ist dies augenscheinlich eine alte iranische entlehnung: vgl. phlv. nipek schrift'. Mit rücksicht darauf, dass sich im ostjakischen und wogulischen, wie auch in anderen finnisch-ugrischen sprachen, alte iranische entlehnungen finden, wäre es natürlich an sich nicht notwendig in den ostj. -wogulischen Wörtern (nepäk, nepäk etc.) entlehnungen aus dem syrjänischen sehen zu w^ollen, wenn sie nicht hinsichtlich ihrer form eine solche annähme sehr wahr- scheinlich machten. — Syrj. nehög ist seinerseits angethan die art der kulturellen berührungen zu beleuchten, die in fernem altertum zwischen den östlichen finno-ugriern und den iraniern bestanden haben. Helsingfors im februar 1901. Yrjö Wichmann. JOOS. J. MiKKOLA. Das Verhältnis des slavisehen wortes ki^njiga zum ungarischen könyv 'buch' und dem mord- winischen kon'ov "papier'. Es ist mit beliebten etymologien wie mit populären per- sonen: sie mögen noch so fehlerhaft sein, sie bleiben dennoch immer im ansehen. Das ungarische könyv ist schon mehrere male aus dem slavisehen k-Lnjiga hergeleitet worden. Weil nun das auslautende v des ungarischen wortes nicht recht mit der endsilbe -ga des slaxischen wortes übereinstimmt, so hat Miklo- sicH in seinem Etymologischen Wörterbuch eine slavische Ur- form *k'Lningva angesetzt. Eine solche urforni lässt sich aber, wie O. ÄsBöTH Archiv für slav. Phil. XXII 478 f. richtig be- merkt, nicht einmal durch das niedersörbische knigvy stützen, denn dieses ist eine junge speciell niedersorbische neubildung. Dagegen billigt Äsböth eine erklärung, die für das ung. könyv in der ungarischen Zeitschrift Ethnographia VIII 22 f. von B. MuNKÄcsi gegeben worden ist. Xach Munkäcsi ist könyv aus dem russischen ins ungarische durch die Vermitt- lung einer „ugrisch-türkischen", d. h. „einer bulgarisch-tschu- wassischen'' spräche gekommen. Diese Vermutung motiviert MuNKACSi in folgender weise. Dem ung. könyv entspricht im mordwinischen konov "papier', und da ein solches wort im mordwinischen vorkommt, so ist es aus einer jetzt ausgestorbe- nen spräche an der Wolga entlehnt. Diese spräche aber ge- hört unzweifelhaft der „ugrisch-türkischen" oder „bulgarisch- tschuwassischen" gruppe an, weil zwei andere dem könyv sich nahe anschliessende kulturwörter im ungarischen, nämlich betii buchstabe' und ir "schreiben" eben aus dieser erwähnten türksprache entlehnt sind. In dieser türkischen spräche soll nach MuNKACsi „der lautwandel \-on g zu v, u sehr bekannt" I sein, was wieder durch ung. orvos "arzt", welches aus dem russischen vorogt entlehnt sei, bestätigt werde. Gegenüber der letztangeführten Zusammenstellung hat ÄsBüTH a. a. o. seinen berechtigten zweifei ausgeprochen ; das wort orvos ist ia seitdem in ein anderes licht gestellt worden Slav. klnjiga, ung. könyv. mord. konov. 113 (s. Vikar Nyr XX\'II 174, Setälä, Smirnow's Untersuchungen JSFOu XVII 4 50 fussn.). Dadurch fällt auch die hauptstütze für die annähme, das g des slavischen Wortes kinjiga sei bei der entlehnung ins tschuwassische durch v ersetzt \\'orden. Wei- ter sprechen für Muxkäcsi's theorie auch nicht die wirklich existierenden tschuwassischen formen hiege und Jcdnel:e 'buch', die ich dem handschriftlichen nachlass Aug. Ahlqvist's und der tschuwassischen grammatik von Asmarix entnehme. Die ungarischen betü und ir, deren türkischen Ursprung ich nicht bezweifeln w'ill, sind jedenfalls nicht aus dem tschuwassischen entlehnt, denn das tschuwassische kennt kein b im anlaut (Rad- LOFF Phonetik § 189) und 'schreiben" heisst tschuwassisch sür. ^ MuxKACSi hat aber ganz recht darin, dass ung. könyv 'buch' mit mord. konov 'papier' eng zusammenhänge. Die- ses mordwinische wort kann wieder ebenso \\-enig aus dem slavischen, wie aus dem türkischen erklärt werden. Anderer- seits kann kaum behauptet werden, dass ung. könyv, mord. konov und slav. ktnjiga am ende gar keinen Zusammenhang mit einander haben, wenn auch eine entlehnung des ungarisch- mordwinischen Wortes aus dem slavischen in abrede gestellt werden muss. Wie ist nun dieses Verhältnis zu erklären? In seinem aufsatz „Ueber einen 'gutturalen' nasal im urfinnischen" (Festskrift til \llhelm Thomsen ss. 230 — 245) hat Setälä nach- gewiesen, dass ein ursprünglicher gutturalnasal in einigen fin- nisch-ugrischen sprachen, so auch im mordwinischen und unga- rischen, als V und j auftritt. Dieser Übergang ist aus dem mordwinischen selbst noch aufzuweisen. Einige beispiele mit erhaltenem nasal konnte schon Setälä in seinem erwähnten aufsatz aus der mordwinischen litteratur anführen. Jetzt hat H. Paasoxex in Alatyr, gouv. Simbirsk, den dialekt, woher die formen mit erhaltenem nasal augenscheinlich stammen, aufgesucht und studiert (JSFOu XVII 3 9). Ung. könyv und mord. konov gehen also etwa auf *l-fiitüij zurück. Eine solche form kann ^ Die betr. türkischen Wörter sind — und zwar in einer unse- ren gegenständ interessierenden form — auch ins mongolische entlehnt worden: chir- 'schreiben', blfik 'schritt, buch, buchstabe', nach gefälliger mitteilung von mag. phil. G. J. Ramstedt; das letztere wort ist sogar ins mandschu sfedrunaren. 114 JOOS. J. MiKKOLA. natürlich nicht aus dem russ. kniga entlehnt sein. Es giebt aber auch slavische formen mit nasalvokal. Das polnische hat ksi^ga aus *kniega, woraus litauisch kninga, und ebenso kennt das cze- chische neben kniha, kniha, gen. pl. kneh, dessen e auf e zu- rückgeht. Auch das i der altbulgarischen form k^njiga, russ. kniga u. s. \v. kann aus in entstanden sein, weil die gestossen betonten Verbindungen ia, un im slavischen i, y ergeben haben (s. verf. in Bezzenberger's Beiträgen XXII 246 ff. und F. Lorentz Ar- chiv für slav. Phil. X\'I1I 86 ff.), und für die urform dieses Wortes ist, wie serb. knj^ga zeigt, gestossene betonung anzu- setzen. Weil im serbischen e und i nicht wie z. b. im russi- schen den vorangehenden konsonanten mouillieren, das betref- fende wort aber im serbischen knjiga, nicht kniga, heisst, so geht die mouillierung in diesem worte schon auf das urslavi- sche zurück. Als urslavische grundformen sind also *k'i>nj^ga und ^ktnjiga (aus vorslav. *kxnjinga) anzusetzen. Dass diese urslavischen formen irgend einen Zusammen- hang mit der ungarisch-mordwinischen urform *Tc'ün^'r] haben, liegt auf der band. Eine entlehnung aus dem slavischen ist um so unwahrscheinlicher, weil nicht einmal im mordwinischen alte entlehnungen aus dem slavischen, genauer: russischen, v'or- kommen, und eine annähme der entlehnung in diesem fall würde sprachliche berührungen mit dem slavischen beinahe schon in ur-finnischugrischer zeit voraussetzen. Freilich hat A. L. PoGODix, ein junger russischer forscher, der mit wachem blick auch mit den in finnischer spräche erschienenen arbeiten der finnisch-ugrischen forschung in der wissenschaftlichen zeit- schriften-litteratur Russlands folgt, in einer anzeige in den II3- BtcTifl Oi/t-fejieHia pyccKaro HstiKa n cjioBecH. Ana;!. HayKt, V 1, 352 behauptet, dass sogar eine entlehnung aus vor- slavischer zeit im finnischen nachzuweisen sei, nämlich finn. hauki hecht aus vorslav. *skjauka. Vorausgesetzt aber, dass *skjaTika die vorslavische form für russ. scuka, poln. szczvika u. s. w. wäre, so würden wir im finnischen etwa *kau(k)ka und nicht hauki erwarten. Ebenso unwahrscheinlich wie entlehnungen aus dem sla- vischen. bezw. urrussischen in der zeit des Zusammenlebens der mordwinen und ungaren, sind auch entlehnungen ins slavische aus der zeit der finnisch-ugrischen Sprachgemeinschaft. Es Ein altes slavisches lehnwort im finnischen. 1 1 5 müssen also sowohl mord.-ung. *k'H)Yiiij als auch urslav. *kTiDjiga, ^kinj^ga bezw. vorslav. *kT>njinga, ^ktnjc^ga beide aus einer gemeinsamen quelle entlehnt sein. In welcher spräche diese quelle zu suchen ist, kann noch nicht ermittelt werden. Be- kanntlich hat schon der altmeister der slavischen philologie DoBROwsKY in seinen Institutiones unser wort mit chin. king zusammengestellt. Auch diese einsilbige form passt nicht zur Urform, wenn sie nicht auf eine zweisilbige der mord. -unga- rischen form entsprechende ältere form zurückgeführt w^erden kann. Für die Urgeschichte sowohl des finnisch-ugrischen als des slavischen Stammes wäre die ermittlung der Urquelle für dieses interessante kulturwort von grösster \\-ichtigkeit. Ilelsingfors. JOOS. J. MiKKOLA. Ein altes slavisches lehnwort im finnischen. Finn. ativo bedeutet nach Renvall 'domus soceri', in pl. 'convivium familiäre annuum' und nach Lönnrot 'besuch im haus der Schwiegereltern', käydä ativoissa 'Schwiegereltern oder eigene eitern besuchen, seitdem man sich vom eiternhaus ge- trennt hat, auch überhaupt nahe verwandte besuchen', pl. ativot 'jährliches familienfest bei Schwiegereltern und anderen näheren verwandten'. Das wort kommt im gebiet des östlichen dialektes vor. Dem ausdruck käydä ativoissa entspricht in Tavastland orpanoida oder käydä orpanoissa 'nahe verwandte besuchen'. Hier bedeutet also pl. orpanat 'die verwandten', wie auch LÖNNROT angiebt; nach Renvall bedeute aber orpanat 'con- sanguinei remotiores'. Im sing, hat orpana gewöhnlich die bedeu- tung 'vetter, geschwisterkind' und in der volkspoesie ist es ein kosewort für mädchen und wird in parallelversen als synon^'m für neito "Jungfrau' gebraucht. Da nun käydä ativoissa sich zu ativo ganz wie käydä orpanoissa zu orpana verhält, so können die von Renvall und Lönnrot für sing, ativo angege- benen bedeutungen 'domus soceri', 'besuch im haus der Schwie- gereltern' nicht genau sein: sie sind ohne weiteres aus den Il6 JOOS. J. MiKKOLa. lokalkasus geleitet worden. Eher lässt sich a priori vermuten, dass ativo ebenso \\'ie orpana irgend einen grad von Ver- wandtschaft angiebt. Und so verhält es sich in der that. Aus dem karelischen wird von Genetz ad'ivo "ein verwandter als gast' angeführt, während Lönnrot Lex. die nebenform atimo ,gast im haus der Schwiegereltern' hat. Was für ein "gast' damit gemeint ist, geht aus der volkspoesie hervor. In Kanteletar I, 143 entspricht dem worte ativoihm im parallel- verse olj amiin und dem oljareisut im paralleherse ativoreisut. Nach Worterklärungen zur Kanteletar sagt man menee olja- miin von einer jungen frau, die auf besuch ins eiternhaus geht, und oljareisu ist 'die fahrt der jungen frau ins eiternhaus'. Und nach einer gütigen mitteilung des herrn dr. Niemi ist der ausdruck mennä ativoihin in Karelen ein terminus für den besuch der jungen frau im eiternhaus nach der hochzeit. Da- mit steht auch fest, dass ursprünglich ativo die in ein anderes haus verheiratete junge frau in ihrem Verhältnis zum eiternhaus bedeutet. Übrigens scheint ativo mit dem auslautenden o aus den pluralen lokalkasus gebildet zu sein; als ältere singular- form ist vielmehr *ativa anzunehmen. Die form atimo ist in anlehnung an die vielen worte auf -mo entstanden. Ausser dem finnischen scheint keine andere finnisch- ugrische spräche das wort zu kennen. Es macht auch den eindruck, als wäre es entlehnt. Und in der that kennt das slavische ein dem ativo lautlich und semasiologisch entsprechen- des wort, das nur merkwürdigerweise sich im serbischen erhalten hat. Ich meine serb. odiva (aus urslav. *odivä), welches von VuK folgendermassen erklärt \\'ird: 'udata je djevojka odiva kuci i kucanima odakle se udala', d. h. 'das mädchen ist 'odiva' für das haus und die hausgenossen, von welchen aus es (anderswo- hin) verheiratet \\'orden ist.' Also auch hier: die junge frau in ihrem Verhältnis zum eiternhaus. Eine et3'mologische erklä- rung von diesem serbischen Wortes habe ich nicht gesehen. Die herleitung von odici „weggehen" ist abzuweisen. Eher steht es im ablautsverhältnis zu deva „mädchen" ; zum anlaut o- vgl. Worte wie altbulg. omlatt : mlat-L, poln. om/ot: m/ot u. a. Durch das Vorhandensein eines dem serb. odiva lautlich und semasiologisch so nahe stehenden worte im finnischen wird die ehemalige existenz dieses Wortes auch in irgend einer Finn. und estn. ko^njunktionen nordischen Ursprungs. 117 nordslavischen spräche wahrscheinlich, und für das finnische wird zu den schon bekannten ein interessantes slavisches lehn- wort von hohem alter nachgewiesen. Helsingfors. JOGS. J. MiKKOLA. Finnisclie und estnische konjunktionen nordischen Ursprungs. 1. Fi. eli etc. Fi. eli (d: eli, eli), elli (stellenweise in Süd-Tavastland), elikkä, elikä (Metsämaa, Südwest-Finland, „wenig gebräuchlich" ^), ellikkä (Pälkäne, Tavastland), eUikä (Kylmäkoski, westl. Süd-Tavastland, selten 2) disjunktive konj.: 'oder', lat. 'vel, sive, seu, auf; adv.: 'sonst, andernfalls', lat. 'quod nisi fit', 'quod nisi ita est (sit)', 'ceteroquin' | est. elik = „fi. eli, elikkä, gleichbedeutend mit ehk ['oder'], aber jetzt wohl kaum mehr gebräuchlich" ^. (Russ.-karel. eU 'oder', wel- ches nur in den nördlichen teilen, an der finnischen grenze, und auch da selten, vorkommt, ist sichtlich ein aus Finland eingewandertes lehnwort *). Man hat schon früher an westliche herkunft des wortes gedacht. Gexetz hat die finnische konjunktion als aus dem schwedischen entlehnt bezeichnet ^, ohne jedoch das Verhältnis der finnischen formen zu einander oder zu gewissen schwedi- schen genauer zu erklären. Auch H. Vendell, welcher die in die äugen fallende Übereinstimmung in lauten und bedeutung des finn. eli mit der in dem schwedischen dialekt von Peders- öre-Purmo in Österbotten auftretenden konj. +«?* bemerkt, hat ^ A. J. Hammaren, handschriftl. wörtei Sammlung im archiv der Finn. Litt.-Gesellsch. 2 Mündliche mitteilung des herm A. J. Kannis 10. 3 WiEDEMAXN, Gramm, der ehstn. Sprache 574; vgl. WlEDE- MANN-HURT, Wörterbuch 95. * Genetz, Tutk. V.-Karjalan kielestä 74, vgl. s. VI. ^ Genetz, Suomen partikkelimuodot 126, 175. 1 1 8 E. A. Ekman.* sich dahin ausgesprochen, „das finnische wort [eli] sei auf jeden fall schwedischen Ursprungs" ^ Als älter hat das wort QviGSTAD angesetzt, welcher beziehentlich mit anor\\'. ella oder finn. eli die folgende gruppe disjunktivkonjunktionen aus den schwedischlappischen dialekten zusammenstellt 2; Schwed.-lp. jalla, jsella, jselli, elli; Lule-lp. jalä, jale, jale ^, (selten) jaelä; Arjepl. jalä, Um. jelle, Sors. jalla, jsella, Hatfjd. jall(ä), jall, (Jmt.) jill 'oder'. Von diesen beziehentlichen Zusammenstellungen hat Wik- LUND 3 nur die letztere (mit eli) gebilligt, da das in einigen von den lappischen formen erscheinende kurze / und der lange vokal der zweiten silbe dabei befriedigend erklärt sind, was bei der Zusammenstellung mit der anord. partikel nicht der fall ist. Voraussetzung ist jedoch, dass finn. eli << *elik. Und dies erweisen die er\\'ähnten finnischen doppelformen auch als that- sache (eli': elik-kä =i tai': taik-ka :=: vai': vaik-ka). Wenn also finn. eli, die Lule-lp. und Arjeploug-formen sowie Frostviken jü'(bei WiKLUND = „Jmt. jill" bei Qvigstad?) lautliche entspre- chungen sind, so sind wohl die lappischen doppelformen, in de- nen l geminiert auftritt und der auslautende vokal kurz ist, und die auch mit hilfe des anorw. oder aschwed. zu erklären schwer fällt, mit der auf vokal auslautenden Varietät des wortes eü oder elli zusammenzustellen. Eine solche Variante hat, wenig- stens stellenweise, auch schon \-or der entwicklung -Tc > -' > 0 existiert, durch welche in gewissen finnischen dialekten der Vertreter des auslautenden Tc entweder ganz oder aus ge- wissen satzphonetischen Stellungen verdrängt worden ist, denn sonst wäre das auftreten der formen elikä und ellikä in den dialekten, wo das auslautende Tc noch nicht spurlos geschwun- den ist, nicht zu erklären ■*. — Dagegen sind Inari-lp. eli ^ Vendell, Bidr. tili kännedom om Finlands natur och folk LVI 68. ^ Qvigstad, Nord. Lehnwörter im Lappischen 20 1. 3 Für die formen jede, jale (Wiklund, Lule-lapp. Wörter- buch 22) hat Wiklund später jale (Entwurf einer urlapp. laut- lehre I 238). * Vgl. Suomi III 14, Kannisto, Äänneop. tutkimus (^ Väh. kirj. XXVII) 20. — In dem Vokabular von Metsämaa schreibt Hamm AREN z. b. eine', eläke', este'. Finn. und estn. konjunktionen nordischen Ursprungs. 119 'oder' und russ.-lp. eli, elike ^ sichtlich späte entlehnungen aus dem finnischen (wie mag es sich mit schwed.-lp. elli verhalten? 2 Vgl. fi. elli). Dies wohl als sicher anzusehende Verhältnis, dass das wort ins schwed.-lp. aus dem finnischen gekommen ist, hat es WiKLUND unannehmbar gemacht dasselbe als entlehnung aus dem nordischen aufzufassen, da das wort erst ins finnische gekommen sei, nachdem sich infolge des i-umlauts das urnordi- sche a >> 86, und ins läpp, demnach so spät, dass sich anlauten- des j „kaum mehr entwickelt hätte" ^. Welches auch die geschichte dieses lautes im lappischen sein mag, das j ist gewiss nicht älter als der urlappische laut- \\'andel i >> a, der zur späteren entwiclclungsstufe des urlappi- schen gerechnet wird '^. Anderseits scheint die finnische wort- gruppe auf nordischem boden eine passende erklärung zu fin- den. — Wenn den anorw.-isl. doppelformen: ella 'andernfalls, sonst', 'oder' ^ ellar id., im aschwed. sella 'oder', 'sonst', 'ande- rerweise' '^' aellar id. entsprechen, so ist anzunehmen, dass den anorw.-isl. elliga [= ella] ^ eUigar id. auch im aschwed. *selligh8e '-- sellighar (in dem älteren west-gothländischen ge- setz :=: 'übrigens"; entsprechen, besonders wo dabei im goti- schen die lautlichen entsprechungen folgendermassen erschei- nen: aljaleikö ^ aljaleikos 'anders' ^. Aschwed. *8elliglia und anorw.-isl. elliga setzen eine späturnord. partikel *8elliga 'andern- falls, sonst' ('oder'?) voraus, als dessen schwachbetontes pendant *seliga anzunehmen ist ^. Dem letzterwähnten entspricht lautge- setzlich das von Vendell in dem heutigen dialekt von Peders- öre-Purmo beobachtete +ßZ* (? entspricht nicht dem Jl, vgl. uliig -- ruh, villig — +17/^, fälla subst. "^/k/?^, fallit \-. '^ rfah u. s. w.; -i ^^ aisl. und aschwed. adv.-endung -iga und adj.-endung -igr > -ig ^;. Die doppelformen *8elliga -^ *3eliga 1 Friis, Lex. Läpp. 166. 2 Urlapp. lautl. I 238. ^ L. c. 42. * Tamm, Etym. svensk ordbok 122, sub vv. eller, eljest. ^ XOREEX, Altschwed. Gramm. § 303. ^ Bidrag tili kännedom om Finhs nat. o. folk LH 332. Vendell's Zusammenstellung: ^eli '^ aschwed. ella kann hoch- I20 E. A. Ekman. od. *eliga, mögen sie aschwed. oder späturnord. (s. u.) sein, haben im finnischen ihre lautlichen entsprechungen : ellikä -^-^ elikä. Nachdem diese, wohl ältesten formen sich an folgende ihrer bedeutung nach nahestehende gruppe angeschlossen hat- ten: tai' od. *taik: taikka = tahi' od. *tahik: tahikka = vai' od. *vaik: vaikka, entstanden auf der einen seite ellikkä und elikkä, auf der anderen (taikka: *tai: tai' = eMkkä: x^ : x-) elli' und eli', elli und eli. — Die ursprünglichen bedeutungen sind augenscheinlich dieselben gewesen wie die der entsprechen- den skandinavischen Wörter: 'sonst, oder', wovon die erste natürlich die ältere ist. Da die form *aelliga schon zu beginn des achten Jahr- hunderts hat existieren können ', hat sie bereits zu dieser zeit oder zu beginn der vikingerzeit auch ins finnische kommen können. Für eine noch frühere entlehnung kann man sie nicht ansehen, wie auch zum teil schon ihre Verbreitung an- deutet 2, wenn auch finnischerseits für eine viel spätere, z. b. I frühaltschwedische, so weit es die lappischen formen zulassen. Ins lappische kann das wort, das man nur im schwed. -lappi- schen angetroffen hat, kaum vor der auflösung der urlappischen gemeinschaft aus dem finnischen gekommen sein, die, wie man annimmt, im VIII. Jahrhundert noch nicht vollzogen war ^. — Est. elik ist wahrscheinlich direkt entlehnt. — Direkte entleh- nung aus dem schwedischen ins lappische — z. b. Lulelp. stens hinsichtlich seiner bedeutung stich halten, denn aschw. un- betontes a wird zu i nur in den deponensverben des dialekts, an eine analogie nach diesen ist aber bei der partikel kaum zu denken, da dort a nicht im auslaut steht (-as ^ ^-IS), und eher Schwund des -a zu erwarten wäre, vgl. aschw. illa • — ' "t";/, aisl. meira ■ — - +»i?^?r, aisl. heima ■■^ ^haim (1- c., 320 f.). 1 NOREEN, Altisl. Gramm. 2 § 130, i, 4; § 66, i; Paul's Grundr. ^ I 446. 2 In den westlichen dialekten ist das wort gewöhnlicher, und es finden sich von ihm mehr Varietäten, u. a. solche, die für die ältesten zu halten sind ; in den östlichen dialekten ist eli wenig- stens stellenweise minder gewöhnlich (in Parikkala, nach den auf- zeichnungen des herrn Väinö Pajari) oder selten (gegend von St. Michel, Paasonen, Väh. kirj. VII 22; in Ilomantsi ist das ältere elikkä jedoch gewöhnlicher als eli, J. Meriläinex). 3 WiKLUND, Urlapp. lautl. I 19. Finn. und etsn. konjunktionen nordischen Ursprungs. I2l jala << schwed. *elig (<< *eliga vgl. Dalekarliens, Vermlands und West-Gothlands elliga in Rietz, Lexicon 117, sub ella) — erscheint nicht möglich, denn g wäre vermutlich anders vertreten, vgl. Lulelp. liirval- --^ schwed. Ivirfvig, maküke '^ mäktig, srdn^e ^^ aschwed. salogher (s. auch Wikluxd, Lule- lapp. laut- und formenlehre 138). 2. Est. enge. EstS. enge (d : etjoe) 'sondern', ei ütJsindä . . . enge kä 'nicht nur . . . sondern auch'. Es scheint ein kompositum zu sein: en- (o: etj-) ist ent- weder das späturnord. en oder das aschw. sen oder en (tonlos ^} 'aber", welches aisl.-norw. en 'und, aber', bisweilen 'wenn', adän. sen od. en(d) 'aber' entspricht, und v^on dessen heutigen gegenstücken der bedeutung nach Pedersöre-Purmo '^an 'aber, sondern' angeführt werden kann; — -ge (alias -ke) = -gi (-ki) der Reval-est. Schriftsprache, w'elches „einen nachdruck auf das wort legt, welchem es angehängt ist" ^. 3. Fi. entä, estS. ent. Fi. entä, entäs 'aber, wenn aber?' (gewöhnlich am anfang eines fragesatzes) ; e. sitten 'aber denn! was denn, wenn auch'; südwestfi. Mnoäs, hchiDäst'^, auch änfäs [? mims] 'wenn aber', 'aber denn' | estS. ent (end) 'aber' („vor dem Sub- jekt stehend" *). Die südwestfi. formen kehren, wenn die gew^öhnlichen enklitischen endungen -s, -st abgetrennt werden, auch zur form entä zurück (an- •< en- wie dortiges ämänD bserae, ganga > gangse, kopa ^ kopse ''. Hiermit kann verglichen werden die anorw.-isl. konj. enda, in ostnorw. dialekten vom XIV Jahrhundert an augenscheinlich *endae ', schriftlich auch ende. Diese partikel leitet nämlich u. a. „einen satz ein, in dem etwas hervorgehoben wird, was darauf einfluss hat, in welcher ausdehnung der Inhalt des vor- 1 TOIVONEN, Suomi III 2, 6. 2 Genetz, Suomen partikkelimuodot 126. 3 NOREEN, Altisl. u. altnorw. Gramm. § 117, 2. * Dalin, Ordbok öfver Svenska Spräket II 737. 5 ScHLYTER (Glossarium 771) erwähnt die form Jia neben |)0. Wenn jene dieselbe grundform wie J)o repräsentierte, so wäre sie tonlos. ^ NOREEN, Altschwed. Gramm. §§ 135, 141. "^ NOREEN, Altisl. u. altnorw. Gramm. § 123. Finn. und estn. konjunktionen nordischen Ursprungs. 123 ausgegangenen etwas bedeutet, gültigkeit hat" : 'und doch, nichts- destoweniger', und „dient zum ausdruck des Übergangs von der aussage zur aufforderung, von der erzählung zum citat", oder es steht „zu beginn der worte, die jemandem in den mund gelegt werden, und knüpft alsdann die angeführten worte an andere, die nicht citiert sind, oder an etwas, was jener nicht gesagt, sondern bloss gedacht hat" ^. Eine andere erklärung könnte vielleicht noch in frage kommen, nämlich: anord. en, aschwed. sen, en 'aber' '^ -j- satz- schwachtoniges kurzes Jja (>< urnord. Jiä") = neuschwed. da 'dann', 'denn' •*. Die Zusammensetzung wäre natürlich mit einem fragezeichen und als der „vokalharmonie" oder „vokalbalance" teilhaftig geworden zu denken. Beide möglichkeiten würden voraussetzen, dass die ost- nordische synkopierung des unbetonten vokals (worüber unten) in den dialekten, aus welchen die entlehnung erfolgte, später stattgefunden habe als die erwähnten vokalwechselerscheinun- gen. Ganz unmöglich wäre dies wohl nicht, da die synkopie- rung beispielsweise in Finland erst um 1550 in der Ortho- graphie der Ortsnamen zu bemerken ist, und da sich z. b. syn- kopiertes a in unseren schwedischen dialekten zunächst in e ^ verwandelt zu haben scheint (e > Kadhrin, ingel)an ^ maen, huru ^ hur, nach den ostnordischen synkopierungsgesetzen, deren regelmässige Wir- kung in den denkmälern schon um 1300 zu verspüren ist^; -nd unterlag schon der um die mitte des XIV. Jahrhunderts be- ginnenden assimilation von nd zu nn 2, und nn wurde ver- kürzt, wenn es vor einer haupttonigen silbe stand. Somit steht kaum zu erwarten, dass man dieses, hauptsächlich der lebhaften Umgangssprache angehörige wort z. b. in den alten schwedischen denkmälern finden wird, die' ja vorzugsweise ge- setzes- und amtsprache enthalten. — Falls die hier beschriebene entwicklung in der Wirklichkeit ihre entsprechung gehabt hat, so dürfte das ä im worte entä in diesem falle von der palatali- sierung des unbetonten auslautenden a abhängig zu machen sein, deren ergebnis die in den denkmälern des XIV. Jahrhun- derts auftretende „vokalharmonie" und „-balance" a : se gewe- sen ist. Welche erklärung am wahrscheinlichsten ist, kann ich mit den mir zu geböte stehenden lexikalischen hilfsmitteln nicht entscheiden. Auch aus dem finnischen kann man hinsichtlich des alters der entlehnung keinen schluss ziehen, da ja die süd- westfi. formen äntäs, h(mDils{t) mit bewahrtem ä in der zwei- ten Silbe sowohl älter als jünger als die durchführung der südwestfinnischen synkopierung (vgl. laev, loim, vaikk, mutt, suutar, läppist, in Halikko * mit den gewöhnl. laiva, loimi, vaikka, mutta, suutari, lepistö) sein können. Würde es sich einmal meiner annähme zuwider zeigen, dass der Übergang en- > an- nicht auf dem südwestfinnischen boden stattgefun- den hat, so wäre wohl dortiges äntä. Jiänm- für eine spätere entlehnung aus dem mittelschwedischen, das sonstige fi. entä und est. ^ennä (? *entci) dagegen für eine ältere aus dem runen- schwedischen oder späturnordischen anzusehen. 1 Id., Paul's Grundriss - I 482; Altschwed. Gramm. § 156, l b). 2 NOREEX, Paul's Grundriss 2 I 486; Altschwed. Gramm. § 292, 2. •' Id., Altschwed. Gramm. § 303. * Vgl. TOIVOXEN, Suomi III 2. 10. 126 Siegmund Simonyi. Nachdem das obige schon druckfertig war, erfahre ich durch meinen vater, dass in meinem heimatlichen dialekt (kirchspiel Längelmäki in Tavastland) neben entäs auch eine andere form intäs, welcher ich selbst mich nur unsicher erin- nern konnte, wirklich, obwohl selten gebraucht wird. Noch vor 40 Jahren soll diese form etwas gewöhnlicher als jetzt, aber auch damals schon selten, gewesen sein. Die bedeutung des intäs ist mit der des ^ntüs identisch, und einen Über- gang von urfinn. e in ähnlicher Stellung zu i kann man in dem dialekt nicht konstatieren —^ man sagt z. b. l^ntä, l§ntäs (z= lentäisi), incntävä, s^ntän. Wenn daher ^nfä(s) für ein lehnwort anzusehen ist, so kann man hier eine noch ältere entlehnung — aus dem urnordischen — annehmen. Das in- wäre nach dieser erklärung die urnord. relativpartikel in 'aber'^ im altwestnord. en (Xoreen, Paul's Grundriss- I 504), und im übrigen wäre die konj. intä- mit einen urnord. ^in-öse, einer vorauszusetzenden Zwischenstufe (mit kurzem se im auslaut) zwischen einem urnord. in-cJäe und einem altwestnord. ende (siehe oben) zusammenzustellen. Helsingfors. E. A. Ekmax. Mongolisclies im ungarisciien. Der etymologe wird immer wieder von den so vielseitig interessanten erscheinungen angezogen, die \-on längst verges- senen Sprachenberührungen und kulturellen Wechselwirkungen Zeugnis ablegen. Besonders anziehend und zu weiteren nach- forschungen anspornend ist es, wenn wir deutliche spuren einsti- ger beeinflussung in sprachen entdecken, die sich seit Jahrhun- derten oder Jahrtausenden nicht berührt haben können. Dies ist der fall mit dem ungarischen und mongolischen. ^ ^ Ähnlich ist es mir hie und da mit der ahnung von finnisch- türkischen Übereinstimmungen ergangen; meines wissens hat keiner sich damit eingehend beschäftigt. Vgl. fi. unhotta(a) und türk. unut(mak) 'v^ergessen' ; fi. arpaa- larvata) 'weissagen, losen' u. Mongolisches im ungarischen. 127 Ungarisch-mongolische Übereinstimmungen sind längst ent- deckt worden, es stellte sich aber in den meisten fällen heraus, dass es nicht unmittelbare entlehnungen waren, sondern aus tür- kischen sprachen entlehnte Wörter, deren vorbild zu dem betr. mong. wort in irgendwelcher beziehung steht. In neuerer zeit fanden sich aber einzelne fälle, in denen entlehnung aus- dem mongolischen kaum mehr bezweifelt werden kann. So machte Budenz auf die Übereinstimmung der ung. tiernamen hiüz 'luchs', hölgy 'hermelin', zerge 'gemse', tulok 'juvencus' und der Wörter hurok 'schlinge' und harang 'glocke' mit den betr. mong. und mandschu-ausdrücken aufmerksam (NyK XX 148 — 15.^; bei einzelnen, wie göreny 148 und hagyma 473, ist die. direkte entlehnung unsicher). Besonders interessant sind aber einige unserer mongoli- schen lehnwörter, die begriffe einer höhern kultur bezeichnen. Solche sind: ildomos klug = mong. ilgom 'scharfsinnig, einsichtsvoll,, aufmerksam' (schon bei Balint 1877 verglichen, in seinem Pär- huzam a magyar es mongol nyelv teren), mandschu ildamu 'gescheit, geschickt, gewandt, flink, geistreich, witzig; anmutig, hübsch, stattlich' (auch im türkischen, jedoch bloss in der bed. 'schnell, eilend': tschag. ildam, alt.-tat. yltam; vgl. Budenz a. a. 0. 147). erdem verdienst = mong. erdem 'habilete, adresse, talent; qualite, merite; vertu'(ebenfalls bei Balint), mandschu erdemu 'tugend, fähigkeit, gute, verdienst' (auch türkisch: uig. ertem 'verdienst, vorteil, nutzen, tugend'). ige 'wort' = mong. (und uig.) üge 'wort, rede'. Diese gleichungen, die durch eingehendere beobachtungen sicherlich stark vermehrt werden können ^ machen nun auch die hier folgende er klär ung höchst wahrscheinlich. türk. arbaj-, arba- etc., 'weissagen, träume deuten' (sehr interessant ist die vergleichung des li. wortes mit ung. orvos 'arzt' bei Vikar, Nyr XXVIII 174; über das Verhältnis des fi. und türk. wortes siehe Setälä, Smirnow's Untersuchungen, JSFOu XVII 4 50 fussn.), fi. karmu, russ. u. türk. kurum id. (auch ung. korom). ^ Ich erwähne hier beiläufig einige entsprechungen, deren Stichhaltigkeit noch zu prüfen ist: ung. öböl 'schoss', 'sinus' ;= mong. 128 O. Donner. Es handelt sich um das ung. wort erkölcs 'sitte' (erkülcs, erkecs) 'moral, tugend, anstand', dem das mong. erkü 'distinc- tion, respect, veneration, egard, reverence, preference' auffallend ähnlich ist. Der unterschied in lautform und bedeutung wird ausgeglichen durch einen mongolischen ausdruck, dem ich in einer anzeige von Willy Bang begegnete. ^ In einer der Orkhon- inschriften findet sich nämlich die Verbindung erkü-ükcü, deren zweites glied nach Bang's unzweifelhafter deutung eine ablei- tung von ükkü 'donner, presenter, rendre, offrir' ist, so dass sich die bedeutung 'verehrung-darbringung, ehrenbezeugung' (syn. ung. tisztessegadas, tisztesseg-tetel) ergiebt, \'on der ein einziger schritt zur bedeutung des ung. erkölcs 'anstand, sitt- samkeit' hinüberführt. Es ist also möglich, dass erkölcs die Verstümmlung einer ständigen Verknüpfung erkil-ükcil ist. Es wäre aber auch möglich, dass es im mong. eine ableitung von erkil (mit dem denom. verbalsuffix -le und dem deverb. nomi- nalsuffix -si) gegeben hat: *erki(l)lesi mit der bedeutung: 'eh- rung', 'honoratio'. Da ^vären wir zwar von der bedeutung des ung. Wortes um einen schritt entfernter, seiner lautform aber einen schritt näher. Budapest. SiEGMUXD SiMONYL Die uralaltaisclien sprachen. Während seiner vieljährigen gefangenschaft in Russland und Sibirien verschaffte sich der schwedische offizier Philipp JOHAN V. Strahlenberg nähere kenntnis von den zahlreichen Völkern des östlichen und nördlichen teiles von Europa und ober, über id. : ung. kökörü 'bläulich' (hapax leg.) = mong. küke- bür id.; ung. sajin 'lebhaft, mutwillig, keck' (meist, wie es scheint, von mädchen) = mong. sajn 'schön, gut', ?ung. valaki 'aliquis', valami 'aliquid' ^^^ mong. aliken, alijayun id. (alin 'welcher', all — ali 'ent- weder . . oder', ?vgl. fi. eli etc.). ^ Wiener Zeitschr. für die Kunde des Morgenlandes Bd. X. über G. HuTH, Die Inschriften von Tsaghan-Baisin (Leipzig, Brock- haus, 1894). Die uralaltaischen sprachen. 129 Asien. Auf grund seiner persönlichen berührung mit denselben und seiner kenntnisse in ihren sprachen kam er zu der Überzeu- gung, dass sie alle einer gemeinschaftlichen Völker familie ange- hören müssten. In seiner umfassenden arbeit: Das Nord- und Östliche Theil von Europa und Asia, Stockholm 1730, nannte er diese bisher wenig bekannten Völkerschaften die Tatarischen Völker und teilte sie in folgende sechs gruppen ein: 1. Uiguren = die finnisch-ugrischen Völker; dazu noch die Barabai auf der ebene zwischen Ob und Jenissei. Er zählte sie alle zu den hunnen, obwohl sie nicht tata- ren seien. — 2. Turko-tataren. — 3. Samojeden. — 4. Mongolen und Mandschu. — 5. Tungusen. — 6. Stämme zwischen dem Schwarzen und Kaspischen meere. Nach Strahlexberg's epochemachendem werke suchten dann Sprachforscher und geschichtschreiber durch vertieftes Stu- dium der sprachen der genannten Völker die Zusammengehörig- keit derselben näher zu bestimmen. Besonders war man darauf bedacht lexikalisches material zu sammeln, welches einer primi- tiven entwicklungsstufe entspräche und demnach das gegen- seitige Verhältnis der betreffenden sprachen veranschaulichen könnte. Durch J. Sajnovics (Demonstratio 1770) und Sam. Gyar- MATHi (Affinitas 1799) wurde Strahlexberg's wohlbegründete be- hauptung betreffs der finnisch-ugrischen („uigurischen") gruppe ein für allemal erwiesen. Zur beurteilung der Verwandtschaft zwischen den übrigen glieder der sog. tatarischen Völker- gemeinschaft war jedoch das zusammengetragene material noch so wenig hinreichend, dass die gewagtesten hypothesen unter den fachmännern noch lange glaubwürdig erscheinen konnten. So vereinigte der ausgezeichnete dänische gelehrte R. Rask in einer 1819 geschriebenen aber erst später veröffentlichten ab- handlung nicht nur die von Strahlenberg als tatarisch be- zeichneten sondern auch eine menge anderer Völkerschaften unter dem gemeinschaftlichen namen „skytischer sprach- stamm", dessen glieder sich ununterbrochen von Grönland über den ganzen nördlichen teil von Amerika, Asien und Europa ausdehnen, und zu welchem als überbleibsei in Europa noch die kaukasischen sprachen und das baskische, sowie in Süd- indien die malabarische sprachenklasse (telugu, tamil, kana- 9 130 O. Donner. resisch, malaiisch) gehöre. Die Verwandtschaft zeige sich sowohl im sprachlichen bau als im ursprünglichen wortvorrat. Die anschauung von einer so weit ausgedehnten Verwandt- schaft beruhte wesentlich auf einem vergleich der formalen struktur dieser sprachen, einer struktur, die man hauptsächlich nach den tiefsinnigen sprachlichen Untersuchungen Wilhelm VON HuMBOLDT's im gegensatze zu der flexion der indogermani- schen sprachen als agglutinierend bezeichnete. Derselbe for- male gesichtspunkt war es auch, welcher Max Ml'ller zu dem versuche vermochte die entwicklungsgeschichte der nordasiati- schen und der dravidischen sprachen als eine gemeinschaftliche darzustellen, indem er sie alle unter dem unbestimmten namen des turanischen sprachstamms vereinigte (On the Classi- fication of the Turanian languages, 1854). Ohne wesentlich neue beweise vorzubringen wurde die von Rask und Max Mül- ler behauptete Verwandtschaft der dravidischen sprachen mit den übrigen \'on mehreren bedeutenden forschern wie Lassen, Lepsius und Caldwell, dem Verfasser einer ausführlichen ver- gleichenden grammatik der dravidischen sprachen (1875), an- erkannt, während sie andere, wie Weigle, Pott und Fr. Müller, entschieden bestritten. Caldwell behauptete sogar (Compar. gramm. s. 55): alle die eigentümlichkeiten der grammatischen struktur, in denen sich die dravidischen sprachen vom sans- krit unterscheiden, stimmten mit denen der skythischen spra- chen überein. Heute dürfte wohl der turanismus im sinne einer wirklichen Verwandtschaft von den Sprachforschern nur mehr als eine geniale hypothese betrachtet werden. Die forschung muss es entschieden ablehnen, sprachen nur auf grund eines ähnlichen allgemeinen typus und einiger formaler demente mit einander zu verknüpfen, ehe durch eine eingehende Unter- suchung der sprachlichen entwicklung die ältesten züge der- selben sicher gestellt sind, und dieserweise eine gesetzmässige Übereinstimmung im lautmateriale nachgewiesen werden kann. Bisher aber sind mehr berührungspunkte in der formalen bil- dungsvveise, bei den pronomina, im wortvorrat zwischen den indogermanischen und den uralaltaischen sprachen nachgewiesen worden, als zwischen diesen und den dravidischen, und den- noch haben es nur wenige gewagt an eine mögliche Urverwandt- schaft jener sprachen zu glauben, viel weniger sie mit Sicher- heit zu behaupten. Die uralaltaischen sprachen. 131 Halten wir uns an den asiatischen norden, so finden wir auch hier die meinungen streitig bezüglich der ausdehnung des uralaltaischen. Klaproth und Siebold (1832) sprachen sich dahin aus, dass das japanische zu den übrigen altaischen spra- chen gehöre. Dieselbe ansieht vertraten auch Ewald, Boller (1857). W. Schott (1858), de Rosny (1856, 1861, 1873) und besonders der gründliche kenner des japanischen J. Hoff- mann (1857). Die Übereinstimmung des grammatischen baues, sowie eine gewisse ähnlichkeit verschiedener funktionselemente wurde als hinreichender beweis für die Verwandtschaft hervorge- hoben, eine Verwandtschaft, die sich teilweise auch im wortvor- rate zeige. De Rosny wollte den vergleich auch auf das chine- sische ausdehnen, wie Abel Remusat es früher (1820) auf das tibetische und Siebold auf das koreanische und Aino gethan hatten. Die Zusammengehörigkeit ist dann von Heinr. Winkler (1884 u. ff.) in mehreren Schriften aus phonetischen, flexivi- schen und lexikalischen gründen verfochten worden; in letztge- nannter hinsieht behauptet er sogar, dass der wortbestand der uralaltaischen sprachen und des japanischen wesentlich derselbe sei (Die spräche der zweit, columne etc. s. 4). Ihm schliesst sich J. Grunzel an in einem kurzen entwurf einer vergleichen- den grammatik der altaischen sprachen (1895), wo er in dem beigegebenen Wörterbuch unter beinahe 140 nummern zahl- reiche japanische wortstämme mit solchen aus den mongoli- schen, tungusischen und türkischen sprachen vergleicht. In der vorliegenden kleinen skizze kann hierauf nicht näher eingegangen werden. Die möglichkeit einer entfernteren Ver- wandtschaft kann wohl nicht abgewiesen werden, erwiesen aber ist sie in keiner weise. .Schon G. v. d. Gabelentz hat her- vorgehoben, wie leicht man bei sprachgeschichtlichen Unter- suchungen von irrlichtern auf falsche wege geführt wird. Es könne daher bei lautlich so abgeschliffenen sprachen wie der chinesischen und japanischen an keine unmittelbare wort- vergleichungen gedacht werden, ehe die Wörter in ihren uns bekannten zuständen auf ihre älteren lautformen zurückgeführt worden sind (Sprachwissenschaft s. 286). Was die gramma- tischen Übereinstimmungen betrifft, so können weder eine ge- wisse ähnlichkeit des grammatischen baues noch die der be stimmten Wortfolge als hinlängliche beweise für die verwandt- 132 O. Donner. Schaft angeführt werden, weil dieselbe stufe der sprachentwick- lung und eine ähnliche Wortfolge vielfach auch anderswo wahr- genommen wird. So v^erlockend es auch erscheinen mag mit De Rosny einen sprachstamm Finno-Japonais gutzuheissen, welche benennung die entferntesten glieder desselben im osten und Westen andeuten würde, in ähnlichem sinne wie der name indogermanischer sprachstamm, so sind die bedingungen für die annähme dieses namens keineswegs vorhanden. Auch die anklänge an eine vokalharmonie als prägnanteste eigen- tümlichkeit sämmtlicher altaischen sprachen, welche m.an im japanischen gefunden zu haben glaubt, scheinen mir zu dürftig um mit ihrer hilfe die Verwandtschaft annehmbar zu machen. Weit mehr aufsehen erregte die schon von Westergaard, H. Ra\\t.inson, E. No.rris und anderen ausgesprochene und seit 1857 von J. Opfert lebhaft verteidigte ansieht, dass die erfinder der keilschrift, nahe verwandt mit den vorarischen bewohnern Mediens, zu den turanischen oder skythischen Völ- kern zu zählen seien. Später drückte er sich noch bestimmter aus in der aussage, dass die charakteristischen züge der ältes- ten keilschriftgattung, d, h. der nur dialektisch verschiedenen medischen, susischen und akkadischen sprachen, deutliche Ver- wandtschaft mit der ugrofinnischen gruppe des altaischen sprach- stammes bekundeten. Oppert's anschauungen fanden in Fr. Le- normant einen glänzenden Verteidiger. In zwei umfassenden arbeiten: „La magie chez les Chaldeens", 1874, und „La langue primitive de la Chaldee et les idiomes Touraniens", 1875, und anderen Schriften suchte er nicht nur formelle Überein- stimmungen in der grammatik sowie eine durchgehende ähn- lichkeit in den religiösen anschauungen nachzuweisen, sondern er glaubte auch im wortvorrate eine bedeutende anzahl \\'örter gefunden zu haben, in denen der lautbestand nach bestimmten gesetzen demselben in den verglichenen Wörtern der tinnisch- ugrischen sprachen entspräche. Er setzte dann die ältesten keilschriftsprachen als mittelglieder zwischen den ugrofinnischen und den turko-tatarischen sprachen an. Auch der vorsichtige deutsche keilschriftforscher Eberh. Schrader sprach sich, obwohl mit bestimmter modifikation, in dieser richtung aus, dass nämlich der agglutinierende Charakter des akkadischen, sowie eine gewisse Verwandtschaft im wort- Die uralaltaischen sprachen. 133 Vorrat einen türkisch-tatarischen oder uralaltaischen Ursprung am wahrscheinlichsten mache. Derjenige, welcher nach Opfert und Lenormant die Ver- wandtschaftsverhältnisse des sumero-akkadischen am ausführlich- sten zu verteidigen versucht hat, ist unstreitig Fr. Hommel (Zeitschrift für Keilschriftforschung I. 1884). In seiner mus- terung verschiedener lautlicher und formaler Verhältnisse sucht er u. a. darzulegen, dass in den genannten sprachen spuren einer, wenn auch spärlichen vokalharmonie vorkommen; dass sich ähnliche lautübergänge wie im türkischen zeigen; dass die pronominalelemente, besonders die Urformen der personalprono- mina, übereinstimmen ; dass die ausdrücke für die Zahlwörter 2, 3, 4, 5 und 10 „unzweifelhaft" identisch seien; dass verschie- dene postpositionen des akkadischen mehreren kasusaffixen und adverbialformen des turkotatarischen entsprechen. Diese durchgehenden Übereinstimmungen, meint er, können nicht zu- fällig sein, sie müssen zu dem schluss führen, dass das sumero- akkadische dem turkotatarischen zweige der uralaltaischen Sprachfamilie als ältestes Stadium ihrer entwicklung zuzu- zählen sei. In einem anhange zu P. Haupt's Vortrag über die akka- dische spräche auf dem orientalistenkongress zu Berlin 1883 hatte ich geiegenheit mich über die bis dahin vorgebrachten beweise einer Verwandtschaft des sumero-akkadischen mit den uralaltaischen sprachen auszusprechen. Der leise anfang einer vokalharmonie sowie die formalen ähnlichkeiten waren meiner ansieht nach so wenig durchgreifend, dass man dieselben er- scheinungen auch in afrikanischen sprachen vertreten sehen konnte. Das akkadische könne daher mit keiner der jetzigen uralaltaischen sprachen in nähere Verbindung gebracht werden, um so weniger lägen hinreichende beweise für eine Urverwandt- schaft aus einem sprachzustande vor, \'on dessen wesen und formaler struktur wir keine ahnung haben können. Voraus- gesetzt auch, dass alle von Hommel in der erwähnten ab- handlung vorgebrachten keilschriftformen richtig gelesen seien, könnten sie meines erachtens doch nicht die verwandtschafts- frage entscheiden. Was besonders die verglichenen Zahlwörter betrifft, stimmen gewiss einige formen mit den entsprechenden türkischen überein. Da es aber im akkadischen von einander 134 O. DoxxER. lautlich ganz abweichende wechselformen für dieselben giebt, ist das ursprüngliche oder gewöhnliche zahlwort unsicher; un- bekannt ist auch, inwieweit hier lehnwörter \-orliegen. Dass solche zuweilen in ausgedehntem grade gebraucht werden, zeigt das Brahui, welches zu den drei einheimischen asi 1, irä 2, mus 3 alle sieben folgenden aus den sansl^ritsprachen entlehnt hat, während sich die anderen dravidasprachen selbständiger ausdrücke bedienen. Die frage nach einer Verwandtschaft des akkadischen mit dem altaischen muss ich daher wie vor zwan- zig Jahren \-erneinend beantworten. Zu demselben resultate ist auf ganz anderem wege H. Winkler gelangt. Schon 1884 deutete er in seiner arbeit „Ural- altaische Völker und sprachen" s. 168 darauf hin, dass das medische ebensowenig wie das sumerische, \\"elches er wegen sehr erheblicher morphologischer Verschiedenheiten nicht zu dem- selben sprachstamm rechnet, keine uralaltaische spräche genannt werden könne. In einer besonderen schrift: „Die spräche der zweiten columne der dreisprachigen Inschriften und das altai- sche", Breslau (jähr ?, ? 1896), hat er dann die eigentüm- lichkeiten der susischen (medischen) spräche ausführlich unter vergleich mit den altaischen sprachen behandelt. Er hebt darin hervor, dass das susische attribut des Substantivs, gleichviel ob es genetiv, possessiv, adjektiv, demonstrativ oder zahh\'ort ist, seine Stellung hinter dem Substantiv hat; dass im altaischen mit noch grösserer strenge jede art attribut dem Substantiv voran- geht (s. 37). Das susische verb sei, seiner inneren beschaffen- heit und auch seiner äusseren form nach, lebendig ausgepräg- ter prädikativer ausdruck, nicht possessiver, in schroffem gegensatz zu dem gewöhnlichen, normalen, reinen altaischen Verbalausdruck (s. 50). Ganz abgesehen von seinem unaltai- schen, durchaus prädikati\'subjektiven Charakter, steht es durch seine fast absolute Unfähigkeit der Stammmodifikation geradezu in schroffem gegensatz zum altaischen und den ört- lich verwandten t3'pen (s. 56). Es kann hier auf einzelheiten nicht eingegangen werden, ohne aber, in allen punkten damit übereinzustimmen muss doch zugestanden werden, dass es Winkler gelungen ist den grossen unterschied im ganzen bau der spräche, welcher das susische von den altaischen sprachen Die uralaltaischen sprachen. 135 scheidet, dermassen darzulegen, dass einer Zusammenstellung im sinne einer Verwandtschaft auch aus diesem gesichtspunkte alle stütze genommen wird. Wenden wir uns jetzt denjenigen sprachen zu, welche man allgemein unter dem namen der uralaltaischen zusammenzufas- sen pflegt, oder den fünf verschiedenen gruppen: das finnisch- ugrische, das samojedische, das turko-tatarische, das mongolische und das tungusische mit seinem zweige, dem mandschuischen, so zeigen sich bei diesen unzweifelhaft mehr merkmale einer Zusammengehörigkeit als zwischen anderen hierher gezogenen sprachen. Abel Remusat hob besonders ihre logische Verwandt- schaft hervor, ein umstand, welcher die ausdehnung des na- mens „langues tatares" auf das tibetische erklärlich macht. Von diesem gesichtspunkt aus wurden sie auch von Steinthal in seiner „Charakteristik der hauptsächlichsten Typen des Sprach- baues" zu einer einheit zusammengefasst. „In Bezug auf das lautliche Material, welches die Begriffe und Verhältnisse bezeich- net", heisst es (Charakter. 1860 s. 177), „weichen sie zum Theil sehr von einander ab; aber das Princip, welches sowohl im Innern die Bedeutung bildet, als auch äusserlich die Laut- gestalt und das Alphabet beherrscht, ist bei Tungusen und Osmanen, bei Mongolen, Samojeden, Finnen und Magyaren wesentlich dasselbe". Steixthal bestimmt dies prinzip nach den in formaler hinsieht am niedrigsten stehenden gliedern, ohne der auffallenden entwicklung anderer genügend rechnung zu tragen. Sie gelten ihm einfach nur für agglutinierend, wes- halb auch in Misteli's neubearbeitung seines werkes (1893) die dravidischen sprachen, welche im allgemeinen eine ähnliche struktur wie die uralaltaischen zeigen, mit diesen, jedoch als selbständiger typus, derselben agglutinierenden sprachklasse untergeordnet sind. Bei der weiteren Untersuchung über das wesen der agglutinierenden sprachen kommt er zu dem schluss, dass in den altaischen sprachen von einem wahren satze so wenig die rede sein könne wie im birmanischen und polyne- 136 O. Donner. sischen, und dass somit der kern und keim aller wahrhaft for- malen gestaltung des sprachlichen ausdrucks fehle, dass heisst: des denkens selber (Charakteristik s. 186). Da die vorliegende Übersicht nicht das ziel verfolgt die entwicklungsstufen des menschlichen Sprachbaus näher zu untersuchen, liegt die frage nach der formalen natur, resp. formlosigkeit der uralaltaischen sprachen ausserhalb unseres rahmens. Nebenbei sei jedoch bemerkt, dass Steinthal's ab- sprechendes urteil jetzt wohl sehr w^enige anhänger mehr fin- den dürfte '. Bei besprechung der Verwandtschaftsverhältnisse jener sprachen war es immerhin von bedeutung, dass Stein- thal sie als besonderen typus unter einander verband, obwohl sie der inneren struktur nach mit anderen in eine kategorie fallen. Früher (Allgem. Liter. Zeitung 1849) hatte er die zur Stammverwandtschaft erforderliche einheit der grammatik ge- läugnet, die \\'urzelverwandtschaft aber zugegeben. Der ins einzelne gehende vergleich der uralaltaischen spra- chen fängt eigentlich mit W. Schott an. vSchon seine erste ar- beit: „Versuch über die tatarischen sprachen" 1836 führt mehrere allgemeine merkmale derselben auf, bespricht zugleich einige Übereinstimmungen in ^vörtern und \\urzeln (darunter prono- men und Zahlwort), und macht sogar auf eine anzahl ähnlich lautender grammatischer endungen aufmerksam. In einer reihe von abhandlungen („Über das altaische oder finnisch-tatarische Sprachengeschlecht", 1849, „Das zahlwort", 1853, „Altajische Studien" I — V, Berlin 1860—1872) hat er dann diese Überein- stimmungen an der band zahlreicher beispiele weiter zu verfol- gen gesucht. Das bestimmt negierende urteil, welches O. Böht- LiNGK schon 1851 über die zwei ersten arbeiten Schott's aus- sprach, trifft aber in gleichem grade auch die folgenden. Er erklärt es für ganz verkehrt, wenn man in einem \'erglei- chenden werke ein wort aus irgend einem gliede einer familie mit einem worte irgend eines gliedes einer anderen familie zusammenstellt, wenn nicht zugleich dargethan \\-ird, dass die mit einander verglichenen Wörter die Urformen jener familien, ^ Vgl. einen Vortrag vom verf. dieses aufsatzes auf dem orientalistenkongress zu Rom 1899, der in den publikationen des kongresses erscheint. Die uralaltaischen sprachen. 137 aus denen alle anderen formen zu erklären seien, darstellen oder diesen wenigstens sehr nahe kommen, wenn man bei lautlich nicht zusammenfallenden Wörtern die abweichung nicht auf bestimmte, für die familie, für das einzelne glied der familie geltende lautgesetze zurückzuführen sucht, sondern in jeder familie, in jedem gliede dieser familie jeden lautwechsel, der irgendwo wahrgenommen worden ist, für möglich hält; \\'enn man sogleich bereit ist wurzeln abzuziehen, ehe man sich von der endung rechenschaft zu geben vermag; wenn man endlich sprachen zur vergleichung heranzieht, die man nur aus dürf- tigen und unzuverlässigen Wörterverzeichnissen kennt fO. Böht- LixGK, „Über die spräche der Jakuten", s. XXXIV). Nur soviel scheine ihm durch Schott's massenhaftes zusammentragen verwandt scheinender Wörter und wurzeln erwiesen zu sein, dass die uralaltaischen sprachen wahrscheinlich in einem näheren \erwandtschaftsverhältnis zu einander als zu anderen sprachen stehen. Seine eigene ansieht über die Verwandt- schaftsverhältnisse derselben fasst er dahin zusammen, dass das eigentümliche lautsystem der uralaltaischen sprachen und zwar nicht nur die vokalharmonie, sondern auch der reich - tum an vokalen, bis dahin so zu sagen das einzige sichere allgemeine merkmal sei, das uns berechtige, alle in rede ste- henden sprachen unter einem kollektivnamen zusammenzu- fassen und dieselben aus einer quelle abzuleiten (s. XXXIII). Die von Böhtlingk formulierten sätze behalten zweifels- ohne bei bestimmung der Verwandtschaft wenig bekannter sprachen für alle zelten ihre gültigkeit. Es folgte auch jetzt eine rege thätigkeit zwecks Sammlung oder veröftentlichung sprachlichen materials aus den verschiedenen gebieten der hier- hergehörigen Völker. Vornehmlich \\'aren es Castren's durch ScHiEFXER 1853 — 1858 veröffentlichten epochemachenden arbei- ten, \\'elche ein ganz neues licht auf das sprachliche dunkel der altaier warfen. Selbst behandelte Castren zunächst einige finnisch-ugrische sprachen (lappisch, syrjänisch, tscheremissisch), dehnte aber dann ausser in den sprachlichen monographien seine Untersuchung in der abhandlung über die personalaffixe (1850) auf das ganze altaische gebiet aus. Durch seine während einer langen reihe von jähren erworbenen gediegenen kenntnisse war er vor allen anderen befugt sich über die Verwandtschaft 138 O. Donner. auszusprechen. Er that es in folgenden Worten: „Nach mei- nen bisher über diese Sprachen angestellten Forschungen zu schliessen, hat man zwischen denselben kein so nahes \"er- wandtschaftsverhältniss zu suchen, wie es zwischen den ver- schiedenen Zweigen des indogermanischen Sprachstammes statt- findet, dass aber zahlreiche sowohl formelle als auch mate- rielle Uebereinstimmungen zwischen ihnen allen insgesammt und insbesondere zwischen den finnischen, samojedischen und türkischen Sprachen stattfinden, ist eine schon früher von mir ausgesprochene Ansicht, die ich noch jetzt festhalten muss. Ob diese Uebereinstimmungen so bedeutend sind, dass sie den Sprachforscher berechtigen die in Rede stehenden Sprachen auf einen und denselben Stamm zurückführen, ist eine Frage deren Beantwortung der Zukunft überlassen bleiben muss" (Kleinere Schriften, \' 151). Er schliesst seine abhandlung mit einem hinv\-eis darauf, dass eine Untersuchung der Sprachver- wandtschaft erst dann zuverlässig und fruchtbringend werden könne, wenn die vergleichende forschung alles, was während einer späteren entwicklungsperiode durch berührung mit fremden Völ- kern aus ihren sprachen entlehnt oder nach ihrem Vorgang ge- bildet \\'orden ist, von dem ursprünglichen Sprachschätze abge- sondert hat. Auch betrachtete er als ergebnis seiner Untersuchung, dass er „durch die Entdeckung der Personalaffixe in den samo- jedischen Sprachen, sowie in der burjatischen und tungusischen die Sprachforschung auf ein bisher unbekanntes Material ge- lenkt" und dadurch bemerkenswerte analogien nachgewiesen habe, welche die annähme einer ge\\issen veru'andtschaft be- gründen könnten. Gleichzeitig mit dem erscheinen der grammaüschen und lexikalischen arbeiten Castren's versuchte A. Boller in einer anzahl einzelabhandlungen die eigenart der uralaltaischen spra- chen näher zu beleuchten. Der grösste teil derselben ist de- skriptiver art, doch werden öfters formelle Übereinstimmungen und lautübergänge angenommen, welche in keiner weise als erwiesen betrachtet werden können, daher auch wenig zur auf- klärung des Verwandtschaftsverhältnisses beitragen. Besonders willkürlich ist die Zusammenstellung zahlreicher Wörter mit annähernd ähnlicher bedeutung, wo keine festen grenzen für die Die uralaltaischen sprachen. 139 laut Vertretung gezogen werden. Trotz aller auf die arbeit ver- wendeten Sorgfalt und mühe sind doch keine neuen beweise für die Zusammengehörigkeit der uralaltaischen sprachen durch Boller's Untersuchungen gewonnen worden. Das wichtigste merkmal einer Zusammengehörigkeit der uralaltaischen sprachen, die sonst in grammatischer und lexi- kalischer beziehung so sehr von einander abweichen, ist nach BöHTLixGK die überraschende Übereinstimmung in den gesetzen der vokalharmonie. Die erscheinung, dass im finnischen die Vokalharmonie streng durchgeführt auftritt, während andere glieder dieses Stammes nur hie und da spärliche spuren davon aufzuweisen haben, schien ihm der ansieht günstig zu sein, dass jene strengen gesetze der vokalharmonie auf einer eigen- tümlichen Organisation der sprachorgane dieser v^ölker beruhen, und dass sie nur mit der zeit, vielleicht durch vielfache berüh- rungen mit Völkern andern Stammes, haben wieder aufgehoben werden können (Jakut. Grammatik s. 107). Seine auffassung fiel wesentlich mit der von Steinthal gegebenen erklärung zusammen, nach welcher die vokalharmonie als vorschreitende assimilation bloss die trägheit der vom geiste nicht beherrschten Organe, aber zugleich geistige Schlaffheit bekunde (Charakte- ristik 180). Diese anschauung eines rein mechanischen Vor- ganges wurde aber schon von Riedl als unzutreffend bezeich- net, indem er auf manche endungen des älteren magyarischen hinwies, u'elche^sich heute der vokalharmonie unterordnen, da sie ihre Selbständigkeit verloren haben, früher aber ihre eigenen vokale besassen, sowie darauf, dass bei der Zusammensetzung eine vokalische assimilation nicht stattfindet. Es liege ihr da- her eine begriffliche funktion zu gründe: das streben dem aus mehreren ursprünglich selbständigen dementen zu einer einheit zusammengefassten worte einen der ihm zu gründe liegenden begriffseinheit entsprechenden organischen bau zu geben und so die Sprache aus ursprünglicher Zusammensetzung zur eigent- lichen flexion zu erheben (Gramm, s. 41). Vor ihm hatte sich auch Aug. Schleicher in derselben richtung geäussert, dass nämlich durch die vokalharmonie die vokale der relationssilben gezwungen werden sich in harmonie mit den vokalen derjeni- gen Silben zu setzen, welche die bedeutung enthalten. Hier- 140 O. DONXER. durch wird auf ein mal sowohl \\'orteinheit als übergewicht der bedeutung über die relationen geschaffen (Die Sprachen Europas, 1850). Spätere forscher stimmen in der hauptsache ziemlich alle mit den letzteren überein. Luciex Adam, der eine be- sondere Schrift über diesen gegenständ veröffentlicht hat (De l'harmonie des voyelles dans les langues Ouralo-Altaiques, 1874), denkt sich den Vorgang in der weise, dass sich die entwick- lung der vokalharmonie erst im laufe der zeit vollzogen habe,, als die ursprünglich monosyllabischen wurzeln durch neben- einandersetzung anderer zu zwei- oder mehrsilbigen wirklichen Wörtern zusammengeschmolzen iTharmonie d. voy. 66, 68), eine auffassung, welche die durch nichts erwiesene annähme der Zusammensetzung eines jeden zweisilbigen Wortes enthält. F. MisTELi sagt geradezu: „Die Vokalharmonie ist kein mecha- nisch-lautlicher, sondern ein grammatischer Vorgang und ein Mittel der Formung, weil sie Worteinheit schaffen soll" (Cha- rakteristik 1893, s. 351). In neuster zeit hebt Grunzel die phj^siologische seite hervor, indem er darauf hinweist, dass die vokalharmonie der stärker hervortretenden anziehungskraft der Zungen-, lippen- und gradattraktion ihre entstehung verdanke; dass wohl alle sprachen die anläge zu einer vokalharmonie in sich tragen, diese anläge aber nur in den uralaltaischen sprachen zu so regelmässiger entfaltung gelangt ist. Weniger klar ist seine äusserung, dass die \-erwertung df r vokalharmonie zur Wortbildung mit zur entwicklung dieser eigentümlichen Spracherscheinung beigetragen habe (Entwurf e. vergl. gram- matik d. alt spr. s.20, 21). Ist nun die vokalharmonie eine den ganzen bau der meis- ten uralaltaischen sprachen noch beherrschende grammatische erscheinung, so gewinnt sie eine noch höhere bedeutung für die sprachliche Zusammengehörigkeit der betreffenden Völker. Als leitendes prinzip gehört sie einer stufe der sprachentwick- lung an, die weit hinter dem aufkommen der verschiedenen formalen elemente liegt, oder wie sich Kellgren ausdrückt, einer zeit, wo „die Sprache nur erst in ihren ersten Herzblät- tern entknospet, die Grammatik noch arm an Formen war" (Grundzüge der finn. Sprache s. 44). Es ist daher erklärlich, dass sich gerade dieses formale dement in ihnen noch mit Die uralaltaischen sprachen. 141 solcher schärfe kund giebt, eben weil es den ältesten entwick- lungszustand dieser sprachen repräsentiert. Die vokalharmonie war als wirksamer gestaltungstrieb in allen vorhanden, auch in allen samojedischen sprachen, wie dies von Castrex aus- drücklich betont wird, und wie die vollständige beibehaltung derselben im kamassinschen noch beweist (Castren, Samojed. gramm. s. 24, 35). Die bedeutendsten Sprachforscher stimmen darin überein, dass die pronominalbildung zu den altertümlichsten bildungen der Sprache gehöre, dass sie deshalb ganz besonders wichtig bei der entscheidung der sprachlichen Verwandtschaft zweier völker- stämme sei. L. Adam betrachtet daher die uralaltaischen spra- chen als eine „unite linguistique" auf grund der vokalharmonie und der Identität -des Personalpronomens (Congres des Orienta- listes, Paris 1873, I 419 ff). Böhtlingk hatte sich früher dahin geäussert, dass die Übereinstimmung der pronomina nichts zur entscheidung der verwandtschaftsfrage beitrage, da eine gewisse Übereinstimmung derselben nicht nur innerhalb der uralaltai- schen, sondern sogar zwischen diesen und den indogermani- schen stattfinde (Sprache der Jakuten s. XXX). Unterzieht man aber die anscheinend identische pronominalbildung der genann- ten Sprachstämme einer näheren prüfung, so treten doch bedeu- tende unterschiede hervor. Friedrich Müller hat zuerst dar- auf aufmerksam gemacht, dass das pronomen der ersten und zweiten person der altaischen und uralischen (o: finn.-ugr.) spra- chen sich nur mit den konsonantischen dementen desselben rede- teiles der indogermanischen sprachen, nämlich m, t, deckt, dass aber die ausgestaltung des pronomens auf den beiden gebieten eine radikale Verschiedenheit zeigt (Das Personalpronomen der altaischen Sprachen, Sitzgsber. der Wiener Akad. b. CXXXIV, 1895). Als gemeinschaftlicher stamm der ersten person fungiere mi, später toi, in den obliquen kasus mina, min; als stamm der zweiten ta, das sich konform mit dem stamme der ersten person zu ti, dieses wieder zu ei, si, si weiter entwickelte, und in den obliquen kasus als cima, sama, sin, sin auftrat. Der plural wurde ursprünglich vom Singular durch vokalvariation, nämlich durch Verwendung des stärkeren vokals e, u, a im plural, gegenüber dem schwächeren vokal i im singular abge- leitet. Später bildeten sich andere formen, welche die älteren 142 O. Donner. teilweise verdrängten. Dass die permischen und ugrischen sprachen, sowie das lappische, mordwinische umgekehrt den star- ken vokal im singular, den sch\\'achen dagegen im plural zeigen, dürfte auf einer Umbildung beruhen. Castrex nimmt als ur- sprüngliche formen der personalpronomina im finnischen 1. min, pl. me, 2. tin, pl. te an, aus welchen sich die übrigen formen entwickelt haben (Klein. Schrift., V 210). Welches der singu- larvokal dieser pronomina ursprünglich gewesen ist, mag bis auf weiteres dahingestellt bleiben (vgl. verf. Gegenseit. Verwandt- schaft 99 ff.), soviel ist jedoch sichere thatsache, dass auf dem ganzen uralaltaischen gebiet der gemeinschaftliche stamm der obliquen kasus ein n-element enthält, und dass der plural durch vokalvariation gebildet wird. Für die verwandtschafts- frage ist diese Identität von durchgreifender bödeutung. Was die formenbildung im allgemeinen betrifft, so ist sie wie bekannt mehr lockerer natur als in den indogermanischen sprachen. Man hat jedoch öfters auf übereinstimmende laut- elemente zur bezeichnung ähnlicher funktionen hingewiesen um dadurch die annähme der Verwandtschaft zu erhärten. So be- handelte B. MunkAcsi in einer längeren Untersuchung (Az altaji nyelvek szämkepzese = die numerusbildung der alt. spr., im Budenz-album 1884) die verschiedenen weisen die mehrzahl zu bezeichnen. Ob sich nun die ausführungen über verschiedene pluralausdrücke der altaischen sprachen im engeren sinne, d. h. der asiatischen, auch stichhaltig erweisen werden, z. b. die erklärung des türk. lar aus ol-ar, wo r <^ z <^ urspr. d sei^ muss der künftigen forschung überlassen werden. Immerhin ist das mongolisch-burjatische pluralsuffix ut, t, d, s, mandschu ta, sa, ri von bedeutung bei der beurteilung der frage. Zahlreiche stammbildungssuffixe, souie mehrere kasusex- ponenten mehr oder weniger ähnlichen aussehens sind ange- führt w'orden um die Verwandtschaft zu beweisen, so in der jüngsten zeit von J. Grunzel (Entwurf e. vergl. grammatik d. alt. spr. 1895). Ehe die hier behandelten sprachen vollständi- ger untersucht worden, und diese bildungen auf ihre ältere laut- formen zurückgeführt sind, können sie aber nur die möglich- keit der Verwandtschaft mehr oder weniger annehmbar machen. Sprachliche lautähnlichkeiten der formen findet man nämlich überall auch in von einander entfernter liegenden sprachen, und Die uralaltaischen sprachen. 143 neben den ähnlichen bildungen sind in den einzelnen gliedern des uralaltaischen sprachstammes zahlreiche formelle Verschie- denheiten vorhanden, über deren Ursprung und relatives alter man sich noch kein sicheres urteil bilden kann. Mit recht hat man die in allen gliedern des uralaltaischen sprachstammes hervortretende abweichende gestaltung des Zahl- worts als beweis einer frühzeitig eingetretenen trennung der- selben hervorgehoben, wenn sie auch einst derselben grund- sprache entstammt sein mögen. Man kann daher weder positiv noch negativ einen bestimmten schluss aus diesem umstände ziehen. Was den wortvorrat betrifft, so sind beträchtliche Zu- sammenstellungen schon öfters gemacht worden; es muss auch zugestanden werden, dass auf diesem wege sicherere resultate erwartet werden können, wenn nur das material erst der nöti- gen Vorprüfung unterzogen worden ist. Bei der grossen be- weglichkeit und dauernden berührung der hierhergehörigen Völker und stamme ist es erklärlich, dass Wörter und ausdrücke massenhaft als lehn gut überall aufgenommen, dass die be- deutungen und formen vielfachen Veränderungen unterworfen wurden. Nur die sorgfältigste prüfung kann über gemeinsames und entlehntes entscheiden, und der vergleich muss der gleichen methode auf strengste folgen. Auch der letzten ziemlich umfang- reichen Zusammenstellung und vergleichung vornehmlich mongo- lischer, tungusischer und türkischer Wörter, welche Grunzel als ein „vergleichendes Wörterbuch" seinem entwurf einer verglei- chenden grammatik beigefügt hat (s. 67 — 90), kann in dieser hin- sieht nur sehr wenig beweiskraft zugeteilt werden. Entlehnte Wörter sind nicht ausgeschieden; ältere und jüngere formen stehen neben einander; gesetze der gegenseitigen lautvertretung sind noch nicht ermittelt worden, sie können sich erst als er- gebnisse einer vollständigeren kenntnis und durchforschung der einzelsprachen ergeben. In mehreren arbeiten ^ hat Heinr. Winkler die uralaltai- schen sprachen einzeln und vergleichend behandek. In der 1 [Korrektumote.] In konzentrierter form stellt Winkler seine ansichten über diesbezügliche fragen dar in einem aufsatz in Keleti szemle 1900 132 ff., 195 ff., welcher mir jedoch vor der aus- arbeitung: dieser skizze nicht zu eesicht gekommen ist. 144 O- Donner. ersten derselben („Uralaltaische Völker und sprachen", Berlin 1884), stellt er eine kurze Übersicht und z. t. Charakterisierung der wesentlichsten allgemein-uralaltaischen eigentümlichkeiten derselben zusammen um einen ungefähren begriff von ihrem wesen zu geben (s. 92 — 100). Ausser den phonetischen, for- malen und anderen Übereinstimmungen, die er andeutet, findet er jedoch die wesentlichsten in der syntax, weshalb er alle dem dativbegriff dienenden und zu diesem in inniger beziehung stehenden elemente ausführlich untersucht. Bei dieser durch- musterung, betont er, ergeben sich die finnischen etc. sprachen deutlich als Weiterentwicklungen auf der im wesentlichen mit den östlichen auffallend gleichen grundlage (s. 100). Da hier die resultate der bisherigen forschung nur in äusserster kürze kritisch besprochen werden, kann auf die einzelheiten nicht näher eingegangen werden. Winkler' s Schriften bekun- den, wie sich F. Misteli ausdrückt, einen jeichtum an Stoff und gedanken, welche genugsam die anstrengung des lesers belohnen. Trotzdem und obwohl er im einzelnen vielfach dazu beigetragen hat, neues licht auf die sprachlichen erscheinungen des uralaltaischen zu ■werfen, kann ich ihm doch nicht darin beistimmen, dass der von ihm bezeichnete typus des uralaltai- schen Sprachbaues die genetische Verwandtschaft ihrer glieder beweise. Die flexionselemente sind nicht im allgemeinen stoff- wörter; wenn sie es aber auch gewesen sein sollten, so sind sie es doch nicht mehr, und die Umbildung bezeichnete dann hier eine ähnliche entwicklung wie auf anderen Sprachgebieten. Ebenso verhält es sich mit dem ursprünglich nominalen Charakter des Verbalausdrucks: in den westlichen gliedern ist dieser ent- schieden schon ein partizipial gedachter verbalstamm mit sub- jektiv gefassten pronominalanhängen wie auf verschiedenen anderen Sprachgebieten. Die ganze „innere sprachform" ist überhaupt eine sich entwickelnde, ein sprachliches bewusstsein, das verschiedene stufen aufzuweisen hat. Meines erachtens kann man daher nicht eine entwicklungsstufe, die psycholo- gisch ist, in fällen wo die spräche ähnlich gestaltet hat, für die beurteilung der Verwandtschaftsverhältnisse als ausschlaggebend in anspruch nehmen. Zu wiederholten malen hat Castren die ansieht \'on einer näheren Verwandtschaft der samojedischen sprachen mit den Die urulaltuischcn üpracht-n. 145 finnischen als mit den übrigen uralaltaischen ausgesprochen. In der that betrachtete er das samojedische als mittelglied zwischen den finnisch-ugrischen und tatarischen sprachen, und seine be- wundernswürdige behandlung der fünf samojedsprachen bietet eine fülle grammatischer erscheinungen, welche diese auffassung unwiderleglich machen. Deklination, pronominalbildung, auch die bildung der dritten peison, der demonstratiwi, intei'i'ogati\a und des enklitischen frageworts, verschiedene modusaflixe, nega- tive konjugation und partikeln zeigen eine überiaschende Überein- stimmung in \-iel höherem grade als mit den übrigen uialaltai- schen sprachen. Ich habe diese Übereinstimmungen ausführ- licher behandelt in einem Vortrag auf dem Orientalistenkongresse zu Florenz im jähre 1878 (Die Samojedischen sprachen, Atti del IV Congresso intern, degli Orientalisti), dabei auch die von Castrex nachgewiesene ursprüngliche vokalharmonie des samo- jedischen erörtert. Ausser diesen phonetischen und formellen berührungspunkten, welche die beiden sprachzw^eige an einander reihen, habe ich aber im samojedischen dieselbe eigentümliche erscheinung nachgewiesen, die ich schon damals als gemein- schaftliches lautprinzip der finnisch-ugrischen sprachen bezeich- nen zu dürfen glaubte (.A.tti II 236. Vgl. Verf. Gegenseit. verw. der finn.-ugr. spr. 31—39) und welche gewöhnlich konso- nantenschwächung genannt wird. Setälä hat diesen in die lautverhältnisse der spräche so fief eingreifenden konsonanten- wechsel in seinen verschiedenen Stadien auf dem ganzen fin- nisch-ugrischen gebiete näher verfolgt und seine natur in treft'- lichster weise beleuchtet (Über quantitätswechsel im finnisch- ugrischen, J.SFOu. XIV 3, 1896). Ein lautgesetz aber, welches so durchgreifende bedeutung für die sprachliche gestaltung hat wie dieses, ist keine zufällige ähnlichkeit. Neben der vokalhar- monie gehört es zu den eigentümlichkeiten, welche der spräche ihre Individualität geben, und darf daher als wichtiges beweis- mittel für die relativ nähere Verwandtschaft des samojedischen mit den finnisch-ugrischen betrachtet werden. Nebenbei kann daran erinnert ^^ erden, dass sich auch in lexikalischer hinsieht ^ ^ Die Verwandtschaft im wortvorrate der finniscli-u,a;rischen und samojedischen sprachen wurde von I. HalÄsz (NyK XXII u. XXIV, 1893 u. 1N94) ausluhrlicher behandelt. 10 146 O. DONNER. eine bedeutende anzahl von Wortübereinstimmungen nacliweisen lassen, worauf Castren sclion zu beginn seiner samojedischen Studien aufmerksam gemacht hat. Die vorliegende skizze kann sich nicht darauf einlassen die riesigen fortschritte der sprachlichen Untersuchung zu ver- folgen, welche während der letzten Jahrzehnte auf dem fin- nisch-ugrischen gebiete gemacht worden sind. Auch die türki- schen sprachen sind durch bedeutende forscher in ihrem laut- bestande und ihren sprachlichen erscheinungen immer klarer dargestellt worden. Mit der schnellen annäherung Mittel- und Ost-Asiens an Europa werden wohl auch die ferneren glieder der uralaltaischen sprachen einer vollständigeren bearbeitung unterzogen werden. Auf dem grund dieser einzelforschungen wird dann der weg gebahnt werden zur sicheren und mit streng- wissenschaftlicher methode durchgeführten beantwortung der frage nach den Verwandtschaftsverhältnissen der uralaltaischen sprachen. Helsiiigfors. O. Donner. ■-S Wo und wann entstanden die finnischen zaaberliedep? IV. Finnisch-estnische parallelen. Im vergleich mit der enormen masse von epischen und lyrischen liedern, die sich bei den esten finden, ist die zahl ihrer beschwörungen überhaupt eine beschränkte, nicht volle ■:] *'/o. Unter mehr als 50,000 nummern giebt es jedenfalls die hübsche summe von einem tausend und einigen hundert be- schwörungsformeln. Doch \\1rd diese anzahl gleich um mehrere hunderte von nummern reduziert durch reichliches vorkommen \on dubletten, tripletten und sogar zehnfachen aufzeichnungen (nicht Varianten) einer und derselben Überlieferung. Ausser einigen entlehnungen aus gedruckten quellen giebt es eine in kopien aus den verschiedensten gegenden erhaltene identische anzahl von beschwörungen, deren identische form nur durch das Vorhandensein älterer unter dem volke kursierender hand- schriften zu erklären ist. Eine noch viel grössere reduktion bewirkt die abrechnung der prosaischen Zaubersprüche, obgleich sich das numerische Verhältnis derselben zu den eigentlichen Zauberliedern wegen halb metrischer und allitterierender zwi- schenformen schwerlich genau bestimmen lässt. Jedenfalls wird der rest wieder bedeutend reduziert, wenn wir nur die estni- schen Zauberlieder in betracht ziehen, die mit den finnischen \er\\andt sind. 148 I^ARLE KrOHN. Um die art der N'erwandtschaft zu bestimmen, ob sie eine Urverwandtschaft sei oder eine aus späterem verkehr der beiden Völker entstandene, müssen die tinnisch-estnischen parallelen einzeln, untersucht werden. Von den gemeinsamen zauberliedern kommen auf estni- schem gebiete nur zwei in einer etwas beträchtlicheren anzahl von x^arianten und auf einem grösseren areale verbreitet \'or: die beschwörungen wider Verrenkung und wider schlanoenbiss. a) Wider Verrenkung. In der beschwörung \\ider Verrenkung liegt die frage nach dem verhäknis des estnischen zauberliedes zum hnnischen am einfachsten, da von einem urbestande nicht die rede sein kann. Sie stammt aus einem germanischen Zauberspruche, welcher einen ganz christlichen Inhalt hat. Zu gründe liegt die biblische erzählung von der fahrt des Heilandes auf der eselin und ihrem füllen nach Jerusalem; wie der fuss des reittieres sich verrenkt habe und wieder geheilt worden sei, wird geschildert als ein gleichnis, welches auf den vorliegenden fall durch Sympathie heilend wirken soll. Am deutlichsten giebt diesen gedanken eine englische auf- zeichnung aus Devonshire kund (Kuhn Zschr. f. vergl. sprachf. XIII 54): As our blessed Lord and Saviour Jesus Christ \\'as riding into Jerusalem, His horse tripped and sprained his leg. Our blessed Lord and Saviour blessed it and said: „Bone to bone and vein to vein, o vein turn to thy rest again!'" M. X. so shall thine in the Name etc. Zwar giebt es eine scheinbar heidnische Variante dieses Zauberspruches, die bekannte Merseburger forme!: P(h)ol ende Uuodan vuorun zi holza, du uuart demo Balderes volon sin vuoz birenkit etc. Doch ist sie eine bloss scheinbar heidnische. Da Balder, wie Bdgge zeigt, als appellativum = Herr zu ver- stehen ist und Pol vh ist übergeschrieben) wohl einfach Paul bedeutet, so brauchen wir nur "Wodan als Substitut für (rott oder Heiland anzunehmen, um den gedanken ganz klar vor uns zu haben: „Paulus und Gott fuhren {=■ ritten) zum walde, da \\-ard dem füllen des Herrn sein fuss verrenkt". Es ist zu Wo und wann entstanden die finnischen zauberlieder? 149 bemerken, dass sich diese formel in einer handschrift des 10. jahrh. mitten unter kirchlichen und frommen sätzen findet, also von einem mönche in rein christlicher zeit aufgeschrieben ist. Dass er den Wodan substituierte um nicht Gottes namen zu missbrauchen, ist sehr erklärlich. Auch die folgenden, teilweise unerklärten namen sind entweder für Substitutionen oder poe- tische ausschmückungen anzusehen, ähnlich wie vielfach in den alten isländischen liedern christliche legenden eine heidni- sche i^ibertünchung erhalten haben. Aber ganz abgesehen von der frage, ob der germanische Zauberspruch christlichen oder heidnischen Ursprungs ist, steht fest und sicher, dass er erst in christlicher zeit zu den finnen und esten gewandert ist. Dem finnischen zauberliede steht am nächsten ein schwe- discher Zauberspruch, nach welchem Jesus und Maria auf einem esel reiten (Bugge Studier I 550.) Jesus hat, wenn er nicht allein fährt — welche ursprünglichere form sich auch in Schwe- den erhalten hat (Porthan Op. sei. IV 193) — im finnischen die Jungfrau Maria bei sich. Der esel wird wohl selten aus- drücklich genannt, wie z. b. in einer Variante aus Süd-Tavast- land (K. F. Andersson n. 28): Jeesus ajaa aasilla, hürikalla hevosella. Regelmässig aber wird die parallelzeile 'auf dem mausfarbigen pferde' ange\\'andt und mit noch weiteren Um- schreibungen fortgesetzt, welche die graue färbe des esels mit der färbe des hechtes oder des schwarzen lachses vergleichen. Gewöhnlich reitet Jesus auf diesem tiere zur kirche, und in einer aufzeichnung wird erklärt, diese formel bezeichne die fahrt des Heilands auf der eselin nach Jerusalem (Tanttu n. 129). Dass das finnische zauberlied wider Verrenkung in West- finland entstanden ist und sich nach Ostfinland verbreitet hat, ist schon anderwärts bewiesen worden (Krohn Valv. 1891 612 — 623). Von den unterwegs erhaltenen neuen zu.sätzen i.st hervorzuheben das motiv der Verrenkung: Pyy pyrähti, maa järähti, Jeesuksen syän särähti 'das haselhuhn fiog auf, die erde erbebte, Jesu herz zitterte'. Die fortsetzung in einer v^a- riante (Brander n. 30 aus Kides in Karelien): Jeesus pyyn pie- neksi kirosi, Jotta läpi sormuksen sopii, zeigt deutlich, dass die obigen Zeilen den poetischen kern einer kleinen prosalegende bilden. Das haselhuhn soll im anfang unserer Zeitrechnung \'on Kaarle Krohn. der grosse eines ochsen gewesen sein, vom Heiland aber, wel- chen es einmal erschreckt hatte, dazu verurteilt worden sein, solange die weit steht, kleiner und immer kleiner zu werden, bis es schliesslich mit ausgebreiteten flügeln durch einen tinger- ring schlüpfen kann. In einer ostfinnischen \-ariante w ird dem zauberliede diese legende ausdrücklich als erklärung beigegeben und noch hin- zugefügt, dass das kleinerwerden des haselhuhns durch den allmählichen schwund seines fleisches geschieht, welches auf die anderen vögel verteilt wird; das weissere fleisch der vögel auf beiden selten des rückgrates soll nach der meinung der alten leute vom haselhuhn stammen. „Dies muss man wissen und auch glauben, sonst hat der Zauberspruch keine kraft" (Hoti- nen n. 2). Durch Ostfinland ist dieses zauberlied mit den lutherischen einwanderern wärend der schwedischen eroberung (um 1600) nach Ingermanland gezogen. Dass es von dort auch über die estnische Sprachgrenze geschritten ist, erhellt schon aus der geographischen Verteilung der 25 estnischen exemplare, welche die erzählung von der fahrt des Heilands zur kirche in metri- scher form enthalten. Wiek o Harrien Jerwen O 2 Wierl. ' 4 Ösel o Pernau Fellin o 7 Dorpat Ulli: estimmt 5. i Werro 0 "W (Wierland) 1 \'aivara (Hurt ser. II bd. 37 pag. 81). — 2 Lüganuse (III i 596). — 3 Lüganiise {l\ 4 49). — 4 Nigula (II 34 287). J (Jerwen I 1 Ambla (III 12 56 ij. — 2 Peetri (iSIML n. 26 B). ND (Xorddörpt.) 1 Laiuse (III 9 205). — 2 Palamuse (UI 15 103). — 3 Kiusi (II 27 102 ). — 4 Kursi (III 21 288). Wo und wann entstanden die finnischen zauberlieder? 15 1 SD (Süddörpt.) 1 Piihja illl 10 69). — 2 Rannu ill 30 544). — 3 Sangaste (II 44 699). NF fNordfellin.) 1 Pilistvere (111 14 649). — 2 Suure-Jaani (II 43 412). — 3 Kolga-Jaani (III 14 753)- SF (Südfellin.) 1 Viljandi (II. 26 193). — 2 Paistu (III 20 365 (. — 3 Tarvastu (I 3 438). — 4 Helme (III 6 153J. X (Unbestimmbarer ort) 1—3 (II 30 127 1=1 III 22 177 rz: II 22 1050). — ■ 4 — 5 (;MML n. 26 A u. D). Kreutzwalds angäbe: aus dem dorfe Kutschina in Pleskau» kann unmöglich richtig sein, öljgleich auch im entsprechenden manuskript (mit den nummern der MML: 15, 13 D, E, 18. 14 A. 26 A, D, 24, 19, 29, 25 B, 22, 21, 20, 23, 31, 33, 34, 32 Ai von ihm angemerkt ist: j-von t'inem Kutschinschen Ehsten». Nach 32 A folgt im manuskript noch 32 B, welches laut MML. in Strand-Wierland von ihm selbst aufgezeichnet worden ist. Sowohl sprach- als liederform jener nummern widerstreiten der annähme des pleskauschen Ursprungs. Zu l:)emerken ist, dass MML n. 3: das lied von der grossen eiche, angeblich auch aus Pleskau stammt, dabei aber eine form auf- weist, die allgemein in Wierland, nie jedoch im pleskauschen vor- kommt. Den finnischen Ursprung dieser estnischen exemplare be- weist aber am deutlichsten ein vergleich der einzelnen Zeilen mit den entsprechenden im finnischen zauberliede. 1. Jeesus kirkkohon ajavi (A) 1. menevi (B). 'Jesus fährt od. begiebt sich zur kirche.' Von den beiden in Flnland gebräuchlichen formen ist in Ingermanland B die vorwiegende. Im estnischen ist dieselbe ausschliesslich anzutreffen, z. b. Jee- sus kirkoje menesse (W 1) und Jeesus kiriku mine (J 1). Anzumerken ist, dass die dem finnischen näher stehende form des Wortes kirche sich in allen wierländischen aufzeichnungen erhalten hat: kirkui, kerkuje, kirku (W 2—4, vgl. noch SD 3: kerkude). In den übrigen hat die genuin estnische, aber me- trisch unpassende form kiriku überhand genommen. 2. Maarian kanssa messuhun; Maaria messuhun menevi I. matavi. 'Mit Maria zur messe; Maria begiebt sich oder reist zur messe.' Diese parallelzeile ist nicht nach Ingermanland gedrungen, wahrscheinlich wegen des wortes messe, welches besonders den griechisch-katholischen sängern, welche nie romisch-katholisch gewesen sind, unverständlich war. Die zeile Kaarle Krohn. fehlt auch im estnischen. In der hauptzeile (1) kommt aber eine vom finnischen unabhängige Substitution: Jesus >> Maria, vor: Mari läks ratsiüa kiriku (NP" 1); vgl. ingermanl. (Porkka III n. 222) Luoja ratsaalla ajaa der Schöpfer fährt zu pferde". 3. Jouluhuomenna varahin; Aamulla anivarahin, sunnun- taiiia hviomenessa ; Suntakaamvma varahin. 'Am weihnachts- morgen früh; früh am sonntagmorgen." Diesen im finnischen sporadisch \orkomm enden Zeilen, von welchen die letzte varia- fion in Südkarelien auf der grenze von Ingermanland ange- troffen worden ist (Europceus J. n. 311), entspricht in dreien estnischen aufzeichnungen: pühapääva hommikul iW 4, ND 2, NF 3). 4. Hevosella hürikolla (A), hürakalla (B), hürevällä (C), hitroisella (Dj "auf einemi mausfarbigen pferde". In Westfin- land ist var. A vorwiegend, in Ingermanland B allgemein. \^ar. C kommt manchmal in Ostfinland \"or und aus D, welche bei den ansiedlern in W'ermland (Schweden) auch in der form hürisellä (Suomi II 11 240) x'orkommt, ist die gewöhnlichste ost- finnische form hirvisellä (hüri >■ hirvi = elentier) entstanden. — Die estnischen aufzeichnungen setzen teilweise var. C und hauptsächlich D voraus. Der ersteren entsprechen: hobosella hüre valla (W 2) und hobusüla hüravilla (W 3); der letzteren zunächst: hobusele idirusele (SD 1), hobosella jeerussella (W 1) und obesida ürusida (ND 3). Anstatt des pferdes im allgemeinen wird aber im estnischen öfter der graue (halli) sub- stituiert, wodurch folgende Variationen entstehen : hürulagi halli- lagi (ND 2), üruselle aUiselle (NF 2), hallisile hürusele iSF 4). Da abei" das adjektiv ürune im estnischen nicht existiert (vgl. schon in W'ierland hüre valla in zwei Wörtern), so ist es leicht erklärlich, dass aus der pluralform ürusilla das wort sild, silla "brücke" herausgeschieden wurde und ex analogia auch aus dem bekannteren worte aUisilla: üru süla alle süla (SD 2), welches letztere die bedeutung unter die brücke erhielt. Noch deutlicher kommt die Vorstellung der brücke in der verdrehten form: ilu süda alu (ailu od. aüo) silda (N 1 — 3) zum Vorschein, wo auch das erste wort mit 1 statt r eine bedeu- tung, und zwar die des schönen, erhalten hat. Die umge- kehrte substituierung des r für 1 im zweiten worte hat noch folgende formen gezeitigt: irussilla arassilla (ND 1 1, eeruselle Wo und wann entstanden die ünnischen zauberliedcr? 153 aaruselle (X 4) und keeruselle viiruselle (NF 1), welche ebenso sinnlos sind wie die zeile: iljuselle aljuselle (J 2). Wir sehen also, wie die verständlichsten und dem finnischen ähnlichsten formen besonders in Wierland zu finden sind und mit der zuneh- menden entfernung unxerständlicher werden. 5, Kalahauvin karvaisella mit dem hechtfarbigen'. Diese auf finnischem boden überall vorkommende zeile ist im estni- schen innerhalb des Wierländischen und Xordörptschen begrenzt : kala awi karvatsella (W 3, 2), kala halli karvasella (W 1) und kalu alli kaarnasilla (ND 1). Eine mischform aus finn. 4 und .") bietet: kala ürikarvaselle (X 4). Für eine reminiscenz dieser zeile kann noch fXF 1): kure karva kimmelille " kranichfarbiger Schimmel' angesehen werden. 6. Lohen (A) 1. Maon (B) mustan muotoisella 'in der form des schwarzen lachses od. schlänge'. Var. A ist die all- gemeine und regelmässige form in Finland und Ingermanland. \'ar. B kommt nur im westlichen Ingermanland vor und auch dort selten (z. b. Länkelä IV. n. 18). Sie ist entstanden durch den einfluss der zauberlieder wider schlangenbiss : mato musta maanalainen, und gegen brandwunden, woselbst der blitz mit einer schwarzen und einer bunten schlänge verglichen wird: iski mustalla maolla, kirjavalla käärmehellä. Im estnischen ent- sprechen der var. A: lohe musta moodusella (W 2) und moo- ruselle (X 4). Öfter ist B vertreten: madu musta moodvitsella (W 3), moa musta mudasella (J 2), m.aa oli m.usta moto- silda (X 1, 3), in welchen nicht nur das unbekannte finnische wort muoto "form' verdreht, sondern auch infolge dessen das bekannte mato >> madu durch maa 'erde' ersetzt ist (J 2 könnte übersetzt werden: schlammfarbe der schwarzen erde). Am öftesten aber tritt das adjektiv musta schwarz^ ohne substanti\' auf: mustuseUe mooduselle (XP" 2), musta silla mutsu silla (SD 2), süsimusta moodusele (SD 1), auch moorussilla (ND 1) oder mudusida (SD 3), und noch murulande mustalagi (XD 2). Eine eigentümliche Verdrehung von finn. 4 und 6 kommt im Fellinschen vor: eleda iilgusega, Moosese mustusega (SF 1). Besonders im Fellinschen, aber auch im Dörptschen, kom- men zu finn. 4 und 6 noch neugebildete zusätze, welche gew<)hnlich die rote färbe des pferdes hervorheben, die zum ursprünglichen gedanken: grauer Esel nicht im mindesten 154 Kaaele Krohn. passt: punaselle pooduselle (NF 2), punasile pullisile (SF 4, auch 3), tuulutas oder tuhkviri tulipunasele (ND 2, SD 1). r^Ianchmal wird nebenbei noch die blaue färbe erwähnt: sini- süe siirusile oder sillesüe (SF 3, 4). Die letzte form, \\'elche den gedanken einer blauen brücke hervorruft, könnte viel- leicht das auftreten der blauen und roten färbe erklären. In ostfinnischen Varianten, wennschon nicht in ingermanländischen, reitet der Heiland auf einer blauen und roten brücke: sivussa sinisen sülan, päässä portahan ptinaisen, als dem pferde das Unglück geschieht. Doch können diese beiden färben einfach durch einfluss zweier unten angeführter Zeilen, in welchen von blauem und rotem zwirn die rede ist, entstanden sein. Jeden- falls erscheint in einer norddörptschen \-ariante deutlich die brücke auf dem steinigen wege zur kirche: kivised kirikvisillad, paadised papitänavad (XD 3), die sicherlich von der sowohl in "W^est- als Ostfinland allgemeinen, aber in Ingermanland auch nicht vorhandenen, zeile: kivisellä kirkkotiellä (im westfinn. auch k. sillalla z. b. Pirilä n. 82) herstammen. 7. Pyy pyrähti, maa järähti 'das haselhuhn flog auf, die erde erbebte". — 8. Tetri metsästä temahti 'das birkhuhn flog auf aus dem walde". Finn. 7 ist, wie oben erklärt, ein ost- tinnischer zusatz. Finn. 8 ist eine im \\'estlichen Ingermanland angehängte parallelzeile. Beide zusammen kommen auch im ersten wierländischen exemplare vor: tedre lendis tee suusta, püü peresti mättasta (W \). Eine Verschmelzung beider ist noch in W'ierland vertreten: püi hinnab, mets puriseb iW" 4). Eine spur von finn. 8 ist vielleicht noch im Dörptschen vor- handen: ttilli vasta mütsa mätsä (SD 3). Der finn. zeile 7 entsprechen: püi pürises, maa mürises (XD 3, 4, vgl. 2), auch puu bäum" pur. (SD 1, SF 3), und tui "taube" lendas (XD 1), noch püss flinte' pöratas od. pikne "donner" pörutas, maa müratas (XF 3, SF 2): obsl piibli ratas, maami ratas (XF 2). 9. Jeesuksen syän särähti (A) 'Jesu herz zitterte': Jee- suksen hepo pelästyi (B) od. heponen kuohtui (C) "Jesu pferd erschrak'. \'ar. A ist die ursprüngliche aus der er\\'ähn- ten legende stammende form. In Südkarelien und Nordinger- manland (B) ist die Wirkung des erschreckens des Heilands natürlicher weise auf das pferd übertragen worden, und somit die \-erschmelzuns; des neuen Zusatzes zustande gebracht; die Wo und wann entstanden die finnischen zauberlieder? 155 westingermanländische form C ist nur eine sprachliche Variation. Der var. B entsprechen alle wierländischen formen : Jeesuse hobo pelästi oder pelasti (W 1, 4), auch elasti (W 3), mit der pa- rallelzeile: pöllii peenarta pelasti 'erschrak vor dem feldrande'. An C erinnert nur ein nordfellinsches exemplar: obo kohkos (NF 3). Sonst ist diese zeile noch in einer norddörptschen aufzeichnung vorhanden: hobu halli ehmatelles (ND 2). 10. Hiveltyi (A), Niveltyi (B), Hiiikahtiii (C) od. Niu- kahtiii (D) hevosen jalka "der fuss des pferdes ward verrenkt'. \'ar. A ist die in West- und Ostfinland aligemeine. \'ar. B und C kommen in Ostfinland manchmal, D öfters vor. Letz- tere ist regelmässig in Ingermanland. Statt niukahtm finden wir zuweilen auch die form niukastui. Dieser entsprechen im estnischen zunächst: nikastas obuse jala (X 4), hobu jalga nikastas (J 1) oder niksatasi (SD 2), niksati (SF 3). 11. Jeesus maahan ratsahilta (A) 1. rattahilta (B) 'Jesus herunter vom pferderücken od. karren'. Auch: Maaria m. r. '('). Var. B ist in Westfinland nur phonetisch: tt < ts, mit rattahilta wurde 'vom pferde' gemeint. Diese haben aber die Ostfinnen, bei denen ts andere Vertretungen hat, missverstan- den als aus rattaat 'karren" gebildet. In Ingermanland ist sow^ohl A, gewöhnlich im singular ratsahalta, als B vertreten. Beide formen kommen auch im estnischen vor. Der ersteren entsprechen: Jeesus maha ratsueli (W 1), auch ratsu alle (\\^ 2) und ratsuselta (NF 2); Jeesus ratsulta mahaje (\V 3) oder rabises (ND 4); J. ratsa alla (ND 1). Der einfluss von B ist festgestellt nicht nur durch die Übersetzung des finnischen Wortes rattahilta mit vankrielta (W 4), sondern auch durch direkte Übertragung (X 4): Jeesus maha rattaaUa (handschr. ratta alla). Sogar var. C ist in Estland bezeugt (J 2): Maarja jäi maale rattaalla (handschr. ratta aUa); vgl. auch: murri maha rutaüda (X 1 — 2) und murdis maha rutusüda (X 3). 12. Lvikemahan, laulamahan "besprechen, besingen". In Ostfinland und Ingermanland gebräuchlicher vorsatz zur näch- sten zeile; hat im estnischen folgende variaüonen: lugema laulma (NF 3, SF 2), lugemaie lausumaie (W 1, 2, 3, ND 2, NF 2), obo jalga lausemaie (X 4) oder katsumaie (W 4). 13. Siionia sovittamahan 'die sehnen anzupassen". Dieser im finnischen allgemeinen zeile entsprechen in dem ersten wier- I :;6 K.\ARLE Krohn. ländischen exemplare: soonije sohitsemaie (W 1) und in einem norddörptschen : sooni kokku sobistama (XD 2). Sonst aber wird das unverständliche wort sovittaa "anpassen" zu soovima oder soovitama "wünschen, empfehlen' verdreht, und infolge dessen auch das bekannte wort suoni — - soon "Sehne' in suu 'Mund oder söna 'Wort' verändert: suust soovimata (X 1 — 3), suuni suunma iXF 3), sönii sonima sönii soovima (.SF 2). Das kr)stlichste missverständnis kommt jedoch in einer der Kreutz- waldschen aufzeichnungen vor (J 2): Sohvia ei soovitamaie (übersetzt: nicht zu wünschen wusste Sofia), handschr. Sohvia ei sovita Maie 'Sofie empfiehlt nicht Maie', welches nicht nur falsch gehört sondern auch falsch geschrieben und gelesen sein muss. Oh ist die bezeichnung von ö; das folgende v ein schreib- oder lesefehler statt n; ia -[- ei vielleicht statt ije; so(o)- vitamaie fälschlich in zwei Wörter geteilt. Somit erhalten wir: soonije soovitamaie, welche form der finnischen am allernäch- sten steht. 14. Lihoja hittelemähän (A); Lihaa, luita hittäm.ähän iB). 15. Jäseniä jatkamahan (A) 1. üittämähän (B). Schon in Westfinland werden die Wörter hha "Fleisch u. luu 'knochen' mit dem allitterierenden worte Hittää zusammenfügen" und ebenso jäsen 'Glied" mit jatkaa 'verlängern' \"erbunden. Die misch form 15 B kommt in Ostfinland vor und ist in Inger- manland die regelmässige. Im estnischen treten finn. 14 und 15 deutlich gesondert auf: tule luide lütemaie, jäsemida jätkamaie (SD 1); liha luida hitemaie, sooni sorima, jäsemid jägama (XF 2); jässotimed jötkama (XD 2). In einer wier- ländischen aufzeichnung iW 3) finden wir am Schlüsse noch die Zeilenfolge: kus on hige higastannd, sinne Uige higastagu, knst on jäse jälgestaniid, sinne jäse jälgestagu, welche den in Ostfinland, wennschon nicht in Ingermanland. allgemein vor- kommenden Zeilen: kust' on Hha Liikahtanna, sühen Uha liika- huta oder lüttyköhön, kust' on jäsen järkähtännä, sühen jäsen järkähytä oder järkähtäköön, vollkommen entspricht, mit der verändei'ung von liha "fieisch" zu lüge "gelenk" als parallelwort zu jäse "glied . 16. Siteli 1. sitelen sinisen langan "er band od. ich binde den blauen zwirn'. — 17. Pujotti 1. puheh pnnaisen langan 'lädelte durch od. besprach den roten zwirn". — 18. Langan Wo und wann entstanden die tinnischen zauberlieder? 157 valkoisen valutti zog heraus den weissen zwirn". Diese dritte zeile ist ein seltener zusatz; zuweilen ist noch von schwarzem zwirn die rede. Recht allgemein sind auch die zw'ei ersten Zeilen erst in Ingermanland. Die erklärung dieser zeilen giebt der abergläubische gebrauch, zwirne mit knoten in verschiede- nen färben um die \"errenkte stelle zu umwinden. Auf estni- schem gebiet kommen dreizeilige formen in Wierland vor: ma sion sinise longa, poetan punase longa, vahelt pistän valge longa ( \V 2) und sidus s. 1., punus p. 1., keerutelle koldusella (W 4); ausserdem in einer Kreutz\\'aldschen aufzeichnung: sini- sega siduda, punasega punuda, kollasega kokko panna (X 5). \'ariationen der zwei ersten zeilen kommen noch in allen nord- dörptschen, einem süddörptschen (SD 2) und zwei südfellinschen iSF 4, 3) exemplaren vor, in der letzten z. b. pnhu nie punatse longa, seo nie sinitse longa. Aus der vergleichung dieser einzelnen zeilen im tinnischen und im estnischen zauberliede erhellt nicht nur, dass das est- nische aus dem finnischen entlehnt ist, sondern zugleich offen- bart sich der weg und die zeit der entlehnung. Die estnische form ist nicht direkt aus Westfinland übers meer herüber- gekommen, sondern stammt aus der ostfinnischen form und hat somit den langen umweg über „die karelische landzunge'" gemacht. Die estnische schliesst sich natürlich zunächst an die ingermanländische form (bes. z. 6, 8) an. Doch hat sie einige Züge der ostfinnischen Überlieferung erhalten, welche im west- lichen Ingermanland vergessen oder verändert worden sind iz. .'3, 9). Besonders ist zu bemerken, dass dieselbe an der entwicklung der westingermanländischen form, in welcher der Heiland zuerst überall nach einem kenner und könner (tietä- jäistä, taitajaista) sucht, bevor er sich selbst zum arzte macht, nicht teilgenommen hat. Das finnische zauberlied muss also \'or dieser entwicklung, wahrscheinlich schon bei seiner an- kunft in Ingermanland, unmittelbar über die estnische grenze weitergewandert sein. Die finnische herkunft des estnischen zauberliedes wird noch bestätigt durch das Vorhandensein einer prosaischen form, welche eine von dem finnischen unabhängige, direkte entleh- nung aus dem germanischen Zauberspruche ist. Gewöhnlich erscheint hier neben Jesus Petrus. In einer aufzeichnung m8 Kaarle Krohn. (WiEDEMAXN Aus dem inn. u. äuss. Leben d. Ehsten 402) fah- ren beide auf dem kirchenwege und ihr esel verstaucht sich den fuss. In einer anderen Variante (Hurt Gross-Quart I'IO aus Paide in Jerwen) wandern sie hoch oben auf dem berge Jerusalems. Zuweilen hat sich in diese prosaische form eine zeile und zwar die genuin finnische vom haselhuhn aus der metrischen verirrt; Jeesus söitis mööda Tabori mäge, Maa mürinal, püü pürinal etc. oder Eesus könd jungridega niägesid müödä, Obu söitis silda müödä, Obu hirnat, jalg niksat, Puu pvirati, maa müräti, Obu jalga niksati etc. (H. II 22 412 aus Hailiste im Pernauschen und I 3 314 aus Tarvastu im F'ellin- schen; vgl. I 7 264 = 111 18 381^=111 23 840). Schliesslich ist zu bemerken, dass auch im estnischen dem Zauberspruche wider Verrenkung zuweilen selbständig die metrische form angepasst ist, z. b. (H. II 20 541 von J. Peter- sen aus Vändra im Fellinschen). Jeesus niinede niduja, Jesus umbinder des bastes, Maarja soonede siduja, Maria verbinder der sehnen, Pauulus paegale paneja. Paulus anpasser an die stelle. b) Wider schlangenbiss. Von dem finnischen zauberliede wider schlangenbiss ist eine ausführliche monographie unter arbeit, weshalb ich mich damit begnüge mit einigen andeutungen meinen Standpunkt zu diesem liede festzustellen. Sowohl die Ursprungsworte als die beschwörung der schlänge haben ihre gegenstücke im est- nischen. Der Ursprung der schlänge aus dem geifer des Judas Ischariot durch den Heiland auf Petrus' bitte ist der im finnischen gewöhnlichste. Gerade dieser kommt auch im estnischen \'or. Vollständiger ist er aber nur in prosaischer form 4 mal auf- gezeichnet: in Wierland (s. unten), Nord-Fellin (H. II 43 411), Harrien (H. II 16 130) und aus der nordöstlichen ecke (X'ändra) des pernauschen kreises (H. II 20 zw. 576—625 märchen n. 7). In den beiden ersteren geht die beschwörung der schlänge der prosaischen erklärung voran. Wo und wann entstanden die finnischen zauberlieder? 159 Die metrische ist nur als bruchstück \-on höchstens sechs Zeilen erhalten, hauptsächlich in W^ierland und sporadisch in der nächsten umgegend: Wierland 1 Vaivara (H. II 37 82). — 2 Johvi dll i 4211. — 3 Haljala (III 12 2361. Jerwen 1 Peetri (MML n. 13 B; vgl. C angeblich aus Wier- land». Nordfellin. 1 Pilistvere (III 7 460). Norddörpt. (?) 1 Kodavere (MML n. 13 A). X (Unbestimmbarer ort) 1 (MML n. 13 D). — 2 — 6 (H. II 22 624 ^17 266 = II 30 zw. 125 — 7 n. 5 = III 22 17 = in 22 176). Die östlichste \\'ierländische Variante (W 1) enthält sechs Zeilen; es sei bemerkt, dass diesen ausser der beschwörung der schlänge noch das besprechen der biene folgt (wie auch W 2). Unmittelbar im selben manuskripte geht diesem zau- berliede das von den finnen entlehnte wider Verrenkung voraus (vgl. auch J 1, X 1). Das zweite wierländische exemplar hat vom Ursprünge der schlänge vier, das dritte nur drei Zeilen. Die angeblich norddörptsche komposition (s. FUF" I 1 69) hat auch nicht mehr als drei hierher gehörende Zeilen (z. 29, 32, 33). Die übrigen bezeichnen mit zweien oder nur einer zeile, dass die schlänge vom bösen geiste stamme. Zu bemerken ist die Vertretung der finnischen zeile: kuola juoksi konnan suusta 'geifer floss aus des bösewichts munde", welche in Wierland wörtlich erhalten: ku ola juoksis konna suusta (\V 3, vrgl. 2) oder richtig übertragen ist: 00 sina kuradi "des icufcls' koola (\V 1), aber weiterhin durch missverständnis des ligürlich angewandten Wortes konna kröte >> bösewicht' ver- dreht worden ist: koolnvid konna kudusta 'aus gestorbener kröte laich" (J 1; vgl. NF 1, ND 1). Die Ursprungsworte der schlänge sind unzweifelhaft christ- lichen inhalts, welcher schon die möglichkeit einer Urgemein- schaft zwischen den finnen und esten unannehmbar macht. Ivine selbständige entlehnung beiderseits aus der germanischen \olkstradition wäre nicht undenkbar, besonders in hinsieht auf die estnische prosaform. Doch ist es kaum denkbar, dass die cNten die legende selbständig und zwar bloss die einleitung der- i6o Kaarle Krohn. selben versifiziert hätten. Ganz unmöglich ist, dass die tinnen diese Zeilen entlehnt und mit der \-ersifizierung fortgesetzt hät- ten. Es bleibt somit als einzige annähme, dass die wahr- scheinlich germanische legende in Finland eine metrische form angenommen hat und durch Ingermanland als bruchstück zu den esten gewandert ist. Was aber die beschwörungsworte der schlänge betrifft, so hat XiEMi (Mr. 1899 61) eine entgegengesetzte ansieht aus- gesprochen, dass nämlich dieselben im estnischen ursprünglicher als im finnischen seien. Da er die erste charakteristische zeile: mato nmsta maan alainen 'schwarze schlänge, unterirdische" für den ausgangspunkt der übrigen hält, muss ich die estni- schen beschwörungen, in welchen diese zeile vorkommt, kurz besprechen. Die „schwarze schlänge" habe ich in 29 aufzeichnungen angetroffen. Wierland 1 \'aivara (H. III i 36). — 2 JOhvi dll i 42 ii. — 3 Lüganuse (Weske, aus Kestla n. 21). — 4 — 5 Xigula (H. II 34 289 und 628). — 6 Haljala (II 38 2121. — 7 Jaagupi ill 10 577>- Jerwen 1 Ambla (III 4 163). — 2 Järva-Jaani dl 13 733). — 3 Paide (II 38 872,). — 4 Peetri (MML n. 13 B; vgl. C. Harrien (Ost) 1 Joelähtme dll 3 38). — 2 Harju-Jaani dl 15 651). Pernauscher kreis 1 — 2 1 Nord-Ost i \'ändra dl 42 119 und III 24 20). Nordfellinseh. 1 — 3 Pilistvere (III 14 649, 21 211 und IV 4 865). — 4 Pöltsama (II 26 1059). — 5 — 6 Kolga-Jaani (III 7 754 u. 755'- Südfellinsch. 1 Tarvastu dl 49 124). Dörptscher kreis 1 (Nord) Kodavere (MML n. 13 Ai. — 2 iSüdi Tartu-Maarja (H. III 9 4801. Werroscher kreis 1 Urvaste dll 9 7451. X (Unbestimmbarer ort) 1 — 2 (Wiedemanx 4051. — 3 — 4 (Niemi II n. 1796 — 7 handschrift mit alter Orthographie; kopien n. 1703 — 4, und 1093 — 4 aus Kärla in Ösel). Wo und wann entstanden die finnischen zauberlieder : i6r i 2 I 4 I 7 , 2 i 6 1 I 1 I I Schon diese Verbreitung der beschwörungsworte mit der des Ursprungs der schlänge verglichen weist auf die möglich- keit hin, dass beide zu gleicher zeit und zusammen von den tinnen zu den esten gewandert sind. Mit einander verbunden kommen sie vier mal, in Wierland (W 2, 3), Jerwen (J 4) und Norddörptschen (D 1) vor. Das zauberlied wider Verren- kung kommt in demselben manuskripte in einem wierländischen (W 4), einem jerwenschen (J 4) und einem nordfellinschen (NF 1) vor. Als beispiel möge eine abschrift aus der leider grössten- teils verlorenen Sammlung von M. Weske, w^elche mir im j. 1883 erlaubt war zu katalogisieren und zu kopieren, vollständig abgedruckt werden (\V 3). Ussi sonad. Madu musta maa-alene, Kirjava kive-alene, Läbi kännäste kävijä, Alle mätäste asuja, Puujuuride pugeja. Luulid puiida purresta, Paju juurda pannesta, Ebäd puuda purrudgi, Paju juurd' et pannudgi; Purid liiojusse i1:)ija. Schlangenworte. Schwarze .schlänge unterm schlämme. Bunte schlänge unterm steine. Die du wanderst durch baum- stämme, Wohnest unter rasenstücken, Schlüpfest zwischen baumes- wurzeln. Dachtest du ins holz zu beissen,. Weidenwurzeln zu verwunden. Du ins holz hast nicht gebissen, Weidenwurzeln nicht verwundet, Hast dem vieh die haut ge- stochen. l62 Kaarle Krohn. Püörä kuldesid nenija, Töidäsä äbenemaie, Pillujasa piilemaie. Vo karva, orasse karva, Sirepiui, sarapuu karva. Kulu karva, kuUa karva, Maa karva, mulla karva, Rohu karva, rooja karva, Paha karva, parra karva, Ilvesse, jänesse karva. Wende deine gold'nen spitzen Ihrer thaten sich zu schämen, Im versteck vor bösen thaten. Nebelfarbne, saatgrasfarbne, Naschbaumfarbne, nussbaum- farbne, Dürrgrasstarbne und goldfarbne. Erdefarbne, humusfarbne, Grasgrünfarbne, unflatfarbne. Auch des bösen, bartes farbne. Und des hichses, hasen farbne. Laulik naiiTe teatas järgmisi rahva arvamisi ussist. Kuri vaim magand kivi pääl, jätnud kuola lilai kivi pääle; sealt saanud uss. Jeesus üehiud Peetrusele : »pistä sörm tämä suhu». Peetrus pistnud sörme ussi suhu ja hüid- nud siis: »ai ai se on kibe!» Jeesus saatnud Peetrusele nöia- naise juure; naine teinud sorme terveks. Ussid vötavad maaviha välja ja konnad veeviha, muidu oleks kihvti rohud ja veed täis ja ini- mesed ja elajad ei vöiks elada. Die Sängerin kannte folgen- den Volksglauben inlietreft" der schlänge. Der böse geist, welcher auf einem steine geschlafen, hat auf demselben geifer zurückgelassen ; aus diesem ist die schlänge ent- standen. Jesus hat zu Petrus gesagt: »stecke dieser deinen finger in den mund». Petrus hat seinen finger in den mund der schlänge gesteckt und sogleich geschrieen : »au weh, es schmerzt!» Jesus hat um Petrus zu helfen ein zauber- weib herbeigeholt; dieses hat den finger gesund gemacht. Die schlangen absorbieren den krankheitsstoff der erde und die kröten den des wassers, sonst wären alle kräuter und gewässer voll von gift, und weder mensch noch vieh könnte leben. Dass diese zeilen einen finnischen klang haben, hört man beim ersten lesen. In der zeile pillujasa piilemaie << finn. pillo- jansa pülemähän sind beide Wörter im estnischen ungebräuch- lich. In seiner finnischen bedeutung wird hier auch das \\-ort liiulid angewandt. Die mit diesem \\-orte anfangende zeilen- reihe (luvdid — ebäd — panid) ist nur in Wierland (W 5 auch luiüid, W 2 statt dessen mötlid) und im Norddörptschen (D 1 Wo und wann entstanden die finnischen zauberlieder? 163 arwid) erhalten, welcher umstand ihren finnischen Ursprung noch bestätigt. Ebenso kommt die epithetenkette a) läbi kän- naste kävija (auch W 1 — 2), b) alle mätaste asuja (W 1 — 2 läbi m. mänija), c) puujuiiride pugeja (W 2 läbi puiessa p.), welche den finnischen Zeilen: läpi kannon kaivelija, läpi mät- tähän menijä, puunjuuren pujottelija entsprechen, ausserhalb Wierlands nur in einer aufzeichnung aus Jerwen (J 1 bloss eine, aus b und c gemischte zeile) läbi mätete pugeja und in einer anderen aus dem Nordfellinschen (NF 6: b und c gemischt, a verändert) allta sammelde ajaja, allta mätaste pugeja, ümmer kannu keerutaja. Das angeführte (vgl. auch FUF I 1 69—70) möge genü- gen um meine ansieht zu erklären, dass auch dieses zauberlied wider schlangenbiss von Finland nach Estland durch Inger- manland gewandert ist, \\'ahrscheinlich zur selben zeit wie das zauberlied wider Verrenkung. c) Zur heilung der brandwunde. Der im finnischen so allgemein gebräuchlichen beschwö- rung des feuers entspricht im estnischen ein einziges vollstän- dig und gut erhaltenes exemplar, welches ausserhalb Estlands im Jamburgschen kreise Ingermanlands aufgezeichnet worden ist. Finnische wortformen wie valgija, kattila und Wortbedeu- tungen wie die von tuima, katsumaie bezeugen allzudeutlich seinen Ursprung, sodass aller zu'eifel ausgeschlossen ist. Tule sanad. Beschwörung des feuers. Kas tunned tule sanuja, Ob du kennst des feuers worte, Taijad rauva tarbeeida? Weisst das nöt'ge wider eisen? Tuli on tuima, raud on valju; Wild ist feuer, hart ist eisen; Tuli ei polda tuttudasa, Feuer brennt nicht den bekann- ten, Raud ei raiu langudasa. Eisen schlägt nicht den ver- wandten, Vesi ei vendada ubuda. Wasser nicht ertränkt den bruder. i64 IvAARLE KrOHN. Tulg^u siis tule isanda, Tulgu siis tule emändä, Tulgu tulda katsumaije, Valgija valatamaije. Sei on kattila käässä, Sei on kulpi kattilassa ; Wirt des feuers möge kommen, Auch die wirtin möge kommen, Um zu sehen nach dem feuer, Um die flamme zu betrachten. Trägt mit händen einen kessel, Hat im kessel einen löftel; Migäs kattila käässä j. n. e. Was für einen kessel tragend u. s. w. 1 . Vesi » » I . Einen wasser » » 2. Salvi /> » 2. » salben » » 3. Medu » » 3. » met » » (H. IV 6 139, von J. Esken. Wird drei mal über der brand- wunde gelesen, mit den i, 2, 3 bezeichneten Variationen.) Im eigentlichen Sprachgebiete des estnischen sind von der beschwörung des feuers bloss zwei metrische Stückchen vorhan- den, beide zu fünf Zeilen. Das eine ist aus Wierland und folgt im manuskripte unmittelbar einem erwähnten zauberliede vom Ursprung der schlänge (W' 3). Tule valu sönad. Valge mees touseb meresta, Valge kattela käässä, Valge kapp oli kattelassa. Ära puudu puna kivisse, Liha luiie liig-etesse. Worte wider brandwunde. W'eisser mann steigt aus dem meere. Tragend einen weissen kessel, Weisses schöpfgeschirr im kessel. Anfasse nicht rot (?) steine. Fleisch knochen, glieder. fH. III 12 237 von V. Klaas aus Haljala. über der brandwunde gelesen.) Wird dreimal Der schluss ist verderbt ; doch erhellt aus ihm soviel, dass das wort puuduma hier nicht in der gewöhnlichen estnischen bedeutung 'mangeln, fehlen' angewandt ist, sondern in der finnischen (neben der anderen gebräuchlichen) von "anfassen'. Die andere aufzeichnung stammt aus dem Xorddörpt- schen. In demselben manuskripte geht das zauberlied wider Verrenkung (ND 2 als n. 1) voran. Wo und wann entstanden die finnischen zauberlieder? 165 Pölenud haavade sönad. Worte gegen brandwunde. Ei ole tule tundemine, Das feuer soll nicht fühlen, Ei ole leini leidemine, Der dampf soll nicht finden, Palava paletamine, Die hitze nicht brennen, Saana leini saatemine. Der dampf der badestube nicht bewirken. Jordani jugi jookse peale! Fluss Jordan fliesse drauf! (H. III 15 106 n. 3, von H. Maasen aus Palamuse.) Diese Zeilen gehören aber iiauptsächlich zu der beschwö- rung des dampfes in der badestube; vgl. im finnisciien: Ei 00 lö3-lyn löytämistä, Der dampf soll nicht finden, Lämpösen läpäsemistä. Die hitze soll nicht durchdringen. Löyly saunan sammaliin — Der dampf ins moos der bade- stube — (Roschier n. 25 aus Eno in Nordkarelien.) Eine metrische beschwörung des dampfes ist auch bei den esten im Jamburgischen kreise Ingermanlands angetroffen wor- den. Finnischen einfluss bezeugen die zeilen: Löülü puile, löülü maile, Dampf auf bäume, felder, Löülü kuumile kivile. Dampf auf heisse steine, Löülü seinä sammaluile! Dampf aufs moos der wand der Stube! (H. IV 6 519 von J. Esken.) Der form sammaluile steht finn. sammaliUe deutlich näher als estn. samblile. d) Zur blutstülung. Das finnische zauberlied zur blutstülung ist oft zusammen- gesetzt aus zwei verschiedenen beschwörungen, den Worten des eisens und des blutes. In dem erwähnten estnischen manu- i66 Kaarle Krohn. Skript aus dem Jamburgschen in Ingermanland folgen den Wor- ten des feuers tule sanad unmittelbar nach einander raua sanad und vere sanad (H. IV 6 141—2; vgl. H. III 3 25 n. 2—3 von demselben absender). Um uns vom finnischen Ursprung dieser lieder zu überzeugen, genügt die anführung einiger Zei- len: oh sina rauda raugiikkane — kes sotgis rauva soosta, kesse kaevis kangurista (finn. kankahasta 'aus der beide" ; die estnische zeile ist ohne sinn 'wer grub aus dem weber") - — maidu maha kaadamasta, punane pudenemasta (finn. kaatu- masta, putoaraasta). Innerhalb der grenzen Estlands ist diese kombination nur in dem östlichsten kirchspiele Wierlands Vaivara gefunden wor- den (H. II 37 80). Ihr folgen in demselben manuskript unmit- telbar die zauberlieder wider verrenkuns; und schlangenbiss. Ei sa ollud sillu suuri, Sillu suuri, sillu peeni, Kui sa maiduUa magasid, Neiu noorilla nisissa, Kao noore kaendelassa. Neidu käis karjassa kesalla, Neidu nukki mättaaije, Tühjast tünnist lüpsatije, Maha maidu pillitije; Säält söi Susi mägije, Rauda kallis kaivelaie. Küll tean terasse sünnid, Kui sinu soossa sotkutije, Vedelassa müllitije. Damals bist nicht gross gewesen, Damals gross, noch klein gewe- sen. Als du in der milch noch schlum- mertst, In der Jungfrau frischem busen, Unterm arm des jungen weibes. lungfrau führte vieh aufs brach- feld, Jungfrau schlief auf einem hüm- pel. Aus der leeren brüst gemolken Milch auf erde ward vergossen, Von dort ass der wolf die hü- gel (!), Teures eisen ward vergraben. Wohl weiss ich des Stahles Ur- sprung, Als ins moor du wardst getre- ten, Durch untl durch vermengt ins feuchte. Seisa kinni kui se seina, Paadu kinni kui se paasi, Seisa kui kivi meressa, Paas on Jordani joessa I Stehe fest so wie die Steilwand, Werde hart so wie der felsen. Stehe wie der stein im meere. Wie der fels im lordanflussel Wo und wann entstanden die finnischen zauberlieder? 167 Seisa ninda kui alumine seina Steh' so wie der unterste wand- palki, balken, ja paadu ninda kui ahju alumine Und werde hart so wie der unter- paasi! ste ofenstein! Mesilane linnukene j. n. e. Honigbiene, kleiner vogel u. s. w. Die finnischen Wörter in diesem liede bedürfen kaum einer erklärung: sillu <^ finn. silloin; maidviILa aus finn. maito 'milch'; nukki <^ nukkui; müllitije <^ myllättihin (estn. müUama od. möl- lama bedeutet 'lärmen, toben'). Die unverständliche zeile: säält söi Susi mägije ist vielleicht zu lesen s. sai süsim. 'von dort kam in den kohlenhügel'. Die „Worte des blutes" sind noch in einem exemplare aus Jühvi, dem nachbarskirchspiele von Vaivara in Wierland, erhal- ten, in einer x'öUig unsinnigen fassung (H. II 1 n. 509). Üüdü, tüüdü tüma kaske, Tüüda türna jooksemasta, -Maha jooksi mahla kaske, Maha mahla langemasta. Die erste zeile ist ein versuch dem unverständlichen fin- nischen satze tyytyi Tyrjän (auch mit n statt j) koski 'der Wasserfall von T\'rjä hörte auf einen im estnischen begreif- lichen gedanken zu geben (turn 'zwergbirke', kask birke'), nach welchem die zweite zeile: 'in die erde floss der birke saft' mit hülfe der dritten und vierten gebildet ist. Diese letz- teren entsprechen wörtlich den finnischen Zeilen in einer inger- manländischen Variante (Alava 1891 n. 498 b): tyty Tyrny juokse- masta, mahla maahan kaatumasta 'Tyrny hörte auf zu fliessen, baumsaft auf die erde zu fallen'. Aus einer anderen ingerman- ländischen Variante (Alava 1891 n. 26v3) erhellt, dass mahla "saft bes. der birke' im finnischen als parallelwort des blutes gebraucht \\ ird : heitä veri vuotam^asta - — — m.ahla maahan kaatumasta. Es unterliegt wohl keinem zweifei, dass auch die zauber- lieder zur blutsfillung aus Finland durch Ingermanland über die grenze Estlands gewandert sind ^. ^ In einer beschwörung der rose aus dem Nordfellinschen (H. II 26 1059) kommt auch die Wendung neidiste nisisse, kau i68 Kaarle Krohn. e) Anrufung der honigbiene. Die vollständig abgedruckte beschwörung des eisens aus X'aivara schliesst mit einer anrufung der honigbiene um eine heilende salbe. Denselben schluss haben auch die zauberlieder wieder Verrenkung (W 1) und vom Ursprünge der schlänge (W 1), die in demselben manuskript unmittelbar folgen. In letzterer x'erbindung bietet die vollständigste form die- ser anrufung eine aufzeichnung aus dem östlich zunächstgele- genen kirchspiele Wierlands, Jöhvvi (W 2). Mesilane linnukene, Lenna pääva, lenna kaksi, Lenna kohe kolmatana, , Uli üheksa mereda, Üle mere kümenesta, Tuo mette keelelana, Keelelana, meelelana, Suula sula vuida. Vuia seesta, vöia päälta, Tee seesta terveesta, Seest tundematast, Päält nägematast. Honigbiene, kleiner vogel, Fliege einen tag, zwei tage, Fliege auch sogleich den dritten. Über meere neun sollst fliegen. Und noch übers meer das zehnte, Bringe honig mit der zunge, Mit der zunge, mit Verständnis, Mit dem munde flüss'ge butter. Salbe drauf und salbe drunter, Mache ganz gesund von innen. Ohne dass man fühlt von innen. Ohne dass man sieht von aussen. Derselbe anhang kommt auch in einem dritten exemplare aus dem Nordfellinschen (H. II 43 411), ausserdem in einei" wierländischen beschwörung der „schwarzen schlänge" (W 4) und einer Schlangenbeschwörung unbestimmbaren ortes (MML n. 13 E angebl. aus dem Pleskauschen; vor. Noch möge eine aufzeichnung aus dem Dörptschen ange- führt werden, in welcher die Verbindung der schlangenbeschwö- rung mit der anrufung der biene durch das bruchstück eines kaindelasse 'in die brüst der jungfraun, untern arm des weibes" wahrscheinlich aus der finnischen beschwörung des eisens zum Vor- schein. Dieses zauberlied, welchem die beschwörung der schlänge vorangeht, ist aus Zeilen aus dem Salme-liede u. a. zusammen- gesetzt. Zweifelhafter ist der Ursprung der Schlussworte noore neitsi nisassa in einem kurzen spruche zur blutstillung aus dem Dörptschen (H. II 51 179). — Vgl. auch Wiedemaxn 401. Wo und wann entstanden die finnischen zauberlieder? 169 liedchens vom mäuschen, wahrscheinlich finnischen Ursprungs, \-ermittelt ist. Nach der frage, warum die schlänge gestochen hat, wird fortgesetzt: Küll so vatso paisunessa. Kost ma vaene mee vöta? Küll so kihu kisust minnu. Kost ma vaene vöi vöta? Minnu sa üle kümnema keriku, Ütessama hüva hobese, Katessama kala mere, Metta tooma tuvveenne, Vöida viima viieenne, Vadunu haavu paranda. Wohl schwillt dein bauch auf. Wovon nehme ich armer den honig? Wohl wird dein laauch bersten. Wovon ich armer die butter? Geh über die zehnte kirche, Über neun gute pferde, Über acht fischreiche meere, Honig bringe mit dir, Butter führe mit dir, Gezupfte (?) wunde zu heilen. (H. II 30 690, von P. Grünfeldt aus Runguj. Schliesslich möge eine halbmetrische Variante aus dem Fellinschen abgedruckt werden, die in einer beschwörung wider Zahnschmerzen vorkommt. Oh ^laarja sa madal vaim, Jeesuse ema veel ilusam, Kelle pea peenikene, Peastab pead pindajast, ^'arsad vaja väänetest. O Maria niedrige frau, Jesu mutter noch schöner, Deren köpf fein, Löst die köpfe aus der klemme. Die füllen von drehung des Schauers. Mesilane, ilma lind, Lennab metsale, Lennab lepiku alused, Lennab üle üttessa maa, mere. Sealt toob metta meelelist, Haavu parandada Ja valu ka ära vötta Ja ka hammid terveks teha. Issa, Pojakene, Püha ristikene! Die biene, vogel der lüfte. Fliegt in den wald, FHegt unten durchs erlengehölz. Fliegt über neun länder, meere, Bringt den lieben honig, Um die wunden zu heilen. Und den schmerz wegzunehmen. Und um die zahne zu heilen. Vater, Sohn, Heiliges kreuz! (H. 1 7 574, von H. Lensin aus Paistu.; Die Wörter pead. pindajasta — vaja väänetest sind erklär- bar durch die finnischen piiat pintehistä — vatsan vääntehistä KA-A.RLE KROHN. 'die mägde \'on der klemme' — 'von bauchschmerzen' ; doch ist schwer zu sagen, ob hier der einfluss des finnischen zauber- liedes bei geburtshülfe anzunehmen sei. Die esten haben einen gesang der Wöchnerin Nurganaese laul (z. b. Xeus EV n. 28), welcher mit demselben finnischen zauberliede verglichen wer- den könnte; da aber das estnische lied kein magisches ist und beide katholischen Charakter tragen ^, so können wir die Unter- suchung dieses Verhältnisses bei seite lassen. Ebenso würde es zu weit führen den beweis für den christlichen Ursprung der anrufung der biene zu liefern. Ich will nur andeuten, dass die von der biene gebrachte salbe ursprünglich von Jesus und Maria geschmeckt und geprüft wird, und dass der schmied llmarinen eine Substitution für jene bei- den ist. Jedenfalls bestäügt schon die Verbreitung des estnischen liedes, hauptsächlich in W^ierland, sowie seine Verbindungen mit den zauberliedern wider Verrenkung, schlangenbiss und Ver- blutung: genau denselben, mit welchen es auch in Ingerman- land verbunden ist, dass es als anhang zu diesen mit ihnen über die grenze Ingermanlands geschritten ist. f) Zum schütz der herde. M. Weske hat im jahrbuche der estnischen litteraturgesell- schaft (Eesti kirjameeste seltsi aastaraamat 1884 — 5 1 — 21) einige estnische zauberlieder zum schütz der herde mit den fin- nischen anrufungen der waldgötter verglichen. Er findet u. a. folgende parallelzeilen : Metsa urgu, metsa argu, Metsän ukko, metsän akka, Metsa kuldane kuningas, Metsän kultainen kuningas, Metsa eldene emanda, Metsän ehtoisa emäntä. Käse kallis neitsikene, Katajatar neiti kaunis, Hoia mu loomakest ilusti. Katsoote karjoani. 1 Im Kalevipoeg II: 501 — 2 sind Ukko und Röugutaja statt Jesus und Maria von Kreutzwald eingesetzt. I I Wo und wann entstanden die finnischen zauberlieder? 171 Kuule metsa alliparda, Metsän ukko halliparta. Keela omad kurjad koerad, Korjaele koiriasi. Pane koerad kaale'eie, Kahlehi penikkojasi. Küüned kütije vajuta. Kultaisihin kytkyihin. Die ähnlichkeit dieser Zeilen erklärt er durch die Urgemein- schaft in finnisch-ugrischer urzeit. Die möglichkeit der Wande- rung aus Finland nach Estland lehnt er wohl nicht ganz ab, meint aber, in dem falle müsse die entlehnung in vorchristlicher zeit stattgefunden haben, da die esten unter der deutschen herr- schaft derart an die schölle gebunden waren, dass sie sich nicht \'om einem gute zum nächsten rühren, geschweige denn reisen nach Finland unternehmen durften. Hierbei übersieht Weske, ausser der nähe Ingermanlands, den umstand, dass die Wanderungen der lieder nicht notwendig von den Veränderungen des Wohnsitzes ihrer sänger abhängig sind, sondern dass dieselben sich auch und hauptsächlich \'on mund zu mund, von nachbar zu nachbar, dorf zu dorf, kirch- spiel zu kirchspiel verbreiten. Die redensart huhu käy 'es geht ein gerücht' passt auf alle geistigen Produktionen des volkes. Wohl kommen in den \'on Weske angeführten beispielen christliche namen vor: püha Juri 'heiliger Georg', sogar mJt dem Vatersnamen Jörgovits, und Peeter püha sulane 'Petrus heiliger knecht'. Ersteren x'ergleicht er mit Jegorij in einem russischen zauberliede und behauptet, der glaube an Juri bei den esten sei von den russen entlehnt. Ähnlicherweise zeigt er, dass in einem deutschen Zauberspruche Sankt Petrus mit seinem himmelsschlüssel dem wolfe die schnautze verstopft, und ist der ansieht, der estnische heilige Peeter, welcher die ,,hunde" fesseln soll, stamme aus dieser quelle ^ Die beiden namen jedoch fasst er als spätere Substitutio- nen für ältere namen der waldgötter auf, die sich noch bei den finnen finden lassen. Eine scheinbar glänzende bestätigung 1 Vgl. in einer neueren aufzeichnung (H. III 15 32 aus Laiuse im Dörptschen): Sina metsa koer — — sinu löuad olgu lukku pandud Peetruse vötmega 'der hund des waldes — deine kinnladen mögen verschlossen sein mit Petri Schlüssel'. 172 Kaarle Krohn. seiner ansieht erhielt er bald darauf, indem ihm von einem Sammler aus dem Pernauschen ein langes (92 Zeilen!) dreiteili- ges zauberlied zugestellt wurde, welches er im folgendem jahr- buche der gesellschaft (EKSA 1886—7 1 — 18) mit kommentar abdruckte. Hier fand er die ersehnten estnischen namen der waldgötter: den metsa taati Tabovane oder metsa Tabo tarka meesi, welcher sich mit dem linnischen Tapio, Tapiolan tarkka ukko deckt, und die metsa Mirmi hüvä emand, auch ineele- hea, welche der finnischen Mieükki oder Mimerkki metsän emäntä genau entspricht. Weske's Vermutung (1884-5 5 — 6), dass die zeile metsa urgti m. argu oder — iilpi — alpi, mit welcher die ■ beschwö- rung gewöhnlich anfängt, ähnlich der finnischen metsän ukko m. akka gelautet habe metsa ukku m. akka oder „da im fin- nischen neben akka auch die form akko (wahrscheinlich aus WiEDEMANN lÄLE 404 druckfchler?) altes weib bedeutet", sogar metsa ukku m. akku, schien auch durch dieses schöne zauber- lied sichergestellt zu sein. Es lautet die erste zeile desselben metsa ukku, metsa akko, und der aufschreiber hat ausdrück- lich versichert, dass die mit namen und wohnort angegebene Sängerin, welche es ihm um 1880 vorgesungen hätte, akko und nicht akku ausgesprochen habe. Auf grund dieser an- gäbe zieht Weske den schluss, dass sich der ursprünglichere vokal o am ende des Wortes entweder in dem dialekte die- ses ortes überhaupt oder auch nur in diesem liede erhalten habe. Dieser selbe umstand hätte aber Weske darauf aufmerk- sam machen müssen, dass er es mit einem falsifikat zu thun hatte. Schon in der zweiten zeile metsa kuldaine kuningas verrät der diphthong ai der zweiten silbe, in welcher er im fin- nischen vorkommt, die quelle dieses machwerkes. Es ist diese nirgends anders zu suchen, als in Weske's eignem aufsatz mit beispielen aus dem estnischen und finnischen, welche letzteren mit oder bloss in estnischer Übersetzung angeführt sind. Man vergleiche nur z. 36 — 43 mit Weske's Übertragung aus der 32:sten rune des Kalevala. Eine zeilenx'erbindung wie z. 34-5: Siidi sidemed ei suuda Körvekoeri kütkendada, Wo und wann entstanden die finnischen zauberlieder? 173 zeigt auch, dass wir es nicht mit einem ächten volksliede zu thun haben. Aber abgesehen \'on diesem machwerl^e, besteht die gleich- heit, wenn auch nicht der namen, so doch der epithete: „greis des \\:aldes, greisin des waldes, des waldes goldener Icönig". Den finnischen Zeilen: metsän iikko, metsän akka, metsän kul- tainen kiiningas, entspricht am vollständigsten ein von Weske (s. 15) angeführtes bruchstück aus Vaivara im östlichsten Wier- land hart an der grenze von Ingermanland : metsa ukku, metsa kiikku, metsa kuldane kuningas. In dem nächstöstlichen kirchspiele Juhvi lautet die erste zeile: m. ikkid, m. akkid; der plural ist nur scheinbar, da die zweite zeile im Singular erhalten ist, ebensowie die folgende bitte, der waldkönig möge die schafe ruhig weiter wandern und die schweine unbehelligt sich vermehren lassen: läse mo lammad laialt käia, läse mo siad sigida (H. 11 37 473). Es ist zu bemerken, dass nicht nur akka, sondern auch ukko in appellativer bedeutung 'greis, gross\'ater' im estnischen ungebräuchlich ist. Statt des letzteren kommt weiterhin in Wierland (Nigula) atti 'vater' vor: m. etti m. atti; dieser 'könig des waldes', dazu noch 'lieber graue hund' genannt, wird angehalten die herde unangetastet zu lassen, indem man ihm droht, es würden ihm sonst die reiss- zähne ausgeschlagen. Es ist ausdrücklich eine beschwörung des Wolfes: hundi sönad (H. II 34 zw. 287—292 n. 8). In einer \ariante aus demselben kirchspiele erhält m. itti m. atti ausser "waldkönig" noch das epitheton: metsa krooni neitsi- kene "die gekrönte (?) Jungfrau des waldes"; mit der bitte an- derwärts das schloss der zahne zu öffnen, „auf unserer weide" aber die kiefer fest geschlossen zu haken (H. II 34 654). Auch westlicher in Jerwen wird deutlich der wolf mit 1) ittu — attu, 2) hulli 'dumm" — halli 'grau' oder 3) illi 'Schmeichelwort der kinder) — halli angerufen und mit den epitheten: des waldes 'goldener könig' (3) oder 'schöner wirf (2), auch "struppiger pelz' (2) oder 'weissköpfiges kalb' (3) be- zeichnet (H. II 38 873 aus Paide; Eisen 9403 Ambla; H. I 1 195 Järva-Jaani). Ebenso ist im süden von Wierland im Dörptschen und Werroschen die bedeutung der anrufung 1) Ulli — halli, 2) esäke — emäke 'väterchen • — ■ mütterchen' oder 3) essä — 174 Kaarle Krohn. emä, 4) illu — allu und 5) ulpi — alpi "albern, sowie der epithete 'goldener könig' (2 3 4), 'junges fräulein' (1 4), schönge- kleidete \\-irtin' (5), 'weissköpfiges kalb' (4), gewöhnlich un- zweifelhaft; es wird der wolf gebeten, die herde in ruhe zu lassen (H. I 2 408 aus Lajuse; III 22 17 Otepää; II 31 zw. 911—9 n. 13 Sangaste; III 11 749 u. 750 Wöobs). Weske (s. 10) kennt noch ein bruchstück aus dem Xord- dörptschen mit der anrufung hulli — halli. Er bestätigt, dass das erste wort "dumm" bedeutet, und giebt zu, dass metsa halli 'der graue des waldes' eine euphemistische bezeichnung des Wolfes ist. Er meint, diese erste zeile sei einem liede vom wolfe entnommen und zwar statt der zeile mit metsa ukku eingesetzt, nachdem die bedeutung des letzteren vergessen wor- den sei. Es sei deutlich eine mischform, wenn man den wolf bittet die herde vor sich selbst zu hüten. Dergleichen anbetungen des wolfes giebt es wirklich sowohl im Dörptschen als besonders im Fellinschen. Weske (s. 5) führt eine beschwörung aus Kolga-Jaani an, welche den anruf : metsa urgu — argu 'scheu" und die epithete 'des waldes gol- dener kernig, gütige \\-irtin, der birke teures fräulein', enthält, mit der bitte: "hüte schön mein \'iehchenl' Dass aber der wolf nicht nur mit der ersten zeile gemeint ist, sondern durchs ganze lied hin, beweisen folgende zwei \"arianten aus dem Fellinschen. In der einen .sind: krümusilm. und paju-Villem gewöhnliche benennungen für den wolf. in der anderen wird dem "beschützer' anderes fleisch zum fressen geboten. Metsa huiku, metsa haiku, Metsa kuldane kuningas, Metsa ärdane emanda, Kriimusilma neitsikene, Paju-Villem poisikene! Pane omad koerad koduje, Armid koerad ahelisse, Kimled kivi päitsetesse. Lass mu kari kaudu käia, Karjakellad kaugelt kuulda. Et ei hunti sinna hulgu. Ruf des waldes, geruch (?) des waldes, Des waldes goldener könig. Des waldes herzige wirtin, Jungfrau mit gesicht voll streifen, Weiden-Wilhelm, junger bursche! Halt' zu hause deine hunde. Graue hunde in den ketten, Schimmelfarb'ge in steinhalftern. Lass' mein vieh vorüber ziehen. Die kuhschellen weithin schallen, Dass der wolf dorthin nicht wan- dert. Wo und wann entstanden die tinnischen zauberlieder? 175 Metsa halli ei hammusta, Kimmel kisu härja kintsii, Paju-\'illem paati lehma. (H. III 21 73 von Ch. Orras aus Viljandi.) Dass der graue dort nicht an- beisst, Schimmel nicht reisst den ochsen- schenkel, Weiden-Wilhelm die braune kuh. Metsa intu, metsa untu, Metsa ärta härrakene, Metsa helde emanda, Metsa kuldne kuningas, Nirki närki neitsikene ! Vota hoida minu utte, Vota kaitse minu karja, Laotada lammasida. Mine sa linna lagedale, Sealt suU üva annetakse, Kena käkki käänetakse: Vana hobu rangikaela, Yaf\c\ härga hangussarve. Zähnefletscher (?), wolf des wal- des, Herzig herrchen du des waldes, Güt'ge wirtin du des waldes, Gold'ner könig du des waldes, Wieselchen, jungfrauchen! Bitte schütze meine schafe, Bitte hüte meine herde, Und verbreite meine schafe. Geh zur ebene unter der Stadt, Dort giebt man dir etwas gutes. Bietet einen hübschen blutkloss. Altes pferd mit hals wie kum- met, Alten ochs mit hörn wie gabel. (H. I 5 551 von P. Pallu ang. aus Viljandi (aus dem gouv. Minsk zugeschickt); dasselbe H. II 19 764 aus dem Pernauschen, vielleicht also beide kopien aus einer handschrift.) Es ist ferner zu bemerken, dass in der beschwörungs- form, in welcher 'des waldes könig' als aktiver beschützer der herde auftritt, öfter noch der heilige Georg erscheint. Z. b. bei Weske (s. 4 aus Kolga-Jaani) : metsa ulpi — alpi albern', — alliparda graubart', — kuldane kuningas, — kardane kasukas 'blecherner pelz', püha Juri poisikene! Vgl. aus dem Dörpt- schen: M. itu — atu, — karvane kastikas — ellä pühä Juri; und : Püha Jürri poisigene, keela oma koerukessed, m. uiku - — aiku, — heldene emmanta, — kuldene kunningas, — nirki neitsigene; (H. II 30 924 aus Röngu; III 21 289 aus Kursi). Es ist nun fraglich, ob sich die epithete 'waldkönig' etc. näher an den heiligen Georg oder an den durch die anrufung bezeichneten wolf anschliessen. Unbedingt muss dem letzte- 176 Kaarle Krohn. ren der Vorzug gegeben werden und zwar aus den folgenden gründen. Alle angeführten epithete passen auf den wolf, viele aber nicht auf einen anthropomorphen waldgott. Es möge noch auf eine Variante hinge\\'iesen werden, welche in einer grossen anzahl von kopien, wahrscheinlich einer und derselben hand- schrift, vertreten ist: metsa sikku — sokku (beide Wörter be- deuten 'bock'), — kuldane kuningas, — halli harvalöuga, 'grauer mit undichter zahnreihe' — peni pikkalöuga "hund mit langen kinnladen', wird gebeten die herde nicht anzurühren (H. I 7 267 = II 22 626 n. 5 = 22 659 = 22 1042 = 27 1014 = III 2 101 = 13 19 = 18 400 = 23 765 = 23 850; vgl. lÄLE 404 mit akku statt sokku). In der mehrzahl der Varianten kommt, wie wir gesehen haben, der wolf allein mit jenen epitheten vor. Der heilige Georg allein mit denselben epitheten, ohne auf den wolf bezüg- liche anfangsworte, tritt bloss in einer anzahl identischer exem- plare auf: als des waldes 'goldener könig' und 'mutter wirtin" wird er gebeten die herde zu hüten; alle werden ausdrücklich als 'des Wolfes worte' bezeichnet H. I 7 269 = II 22 626 n. 6 -^22 1041=30 zw. 125-7 n. 3 = 111 22 175). Eine von Kreutzwald aufgezeichnete beschwörung (MML n. 35 A aus Kodavere im Xorddörptschen) zeigt uns, dass sogar: Püha Juri, pitka saksa "heiliger Georg, hoher herr', welcher ohne weitere benennungen angehalten wird moos zu fressen und die herde nicht anzurühren, den wolf selbst be- zeichnen kann. Es scheint im Volksglauben ein enger Zusam- menhang zwischen dem gefürchteten waldtiere und dem ange- beteten waldgotte zu existieren. Mit den benennungen der finnischen waldgötter können jedenfalls die estnischen epithete des wolfes nicht in direkte Verbindung gebracht werden. Am wenigsten ist eine Zusam- menstellung von Käse kallis neitsikene, der wolf als hinter der birke lauerndes fräulein, und Katajatar neito kaunis, poetische Personifikation des wachholders denkbar. Jedoch werden auch in finnischen zauberliedern dieselben epithete 'waldkönig' etc. auf den baren (seltener auf den wolf) bezogen. Wo und wann entstanden die finnischen zauberliedcr? 177 Metsän hilli, metsän halli, Metsän kultainen kuningas! Älä sorra sonniani — Des Waldes stillsamer (?), grauer, Des Waldes goldener könig! Zerreisse nicht meine ochsen — (»Worte des wolfes». Hannus n. 40 aus Mouhijärvi in West- iinland.) Mettän kukko kultarinta. Des waldes hahn mit goldener brüst, Des waldes goldener könig! Wolle im munde, wolle im köpfe — (Paldani n. 25 b aus Ikaalinen in Westfinland.) Mettän kultanen kuningas! Villa suuna, villa päänä — Metän ukko, metän akka, Metän enty-nen emäntä, Metän kultanen kuningas, Metän hilli halliparta! Kätke kvnnet karvoihisi — Des waldes greis und greisin, Des waldes vormalige wirtin, Des waldes goldener könig, Des waldes stillsamer graubart! Verstecke deine nägel im pelze — (Ahlman n. 18 aus Mäntyharju in Savolax Ostfinland.) Metsän nytty, metsän nätti, Metsän kultainen kuningas ! Anna rauhaa raavahille — Mene mättähen välihin — Des waldes nette bündel, Des waldes goldener könig! Gieb frieden dem vieh — Gehe zwischen mooshüs:eln (Törneroos u. Tallqvist n. 181 aus dem mittl. Ingermanland.) In einer Variante aus Savolax (Ahlman n. 62) wird zwi- schen den bezeichnungen 'des waldes schöne wirtin' und 'gol- dener könig, \\-irt, graubart' ausdrücklich der unterschied ge- macht, dass erstere bei der anrufung eines weiblichen und letztere bei der eines männliches baren gebraucht werden soll. Ebenso wie in estnischen beschwörungen wird auch in finnischen dasselbe ^^■aldtier gebeten "seine hunde' gefesselt zu halten. Mettän ukko, mettän akka, Mettän kultaancn kuningas ! Sido sun koirasi kahleella Des waldes greis und greisin. Des waldes goldener könig! Binde deine hunde mit fesseln k 178 Kaarle Krohn. Talvipäiviin asti. Bis zu den wintertagen. Mene silloin soita m^-öde, Wandere längs der sümpfe, Kun karjani menee mäkiä m. — Wenn meine herde auf den hü- areln — (Möykky n. 81 aus dem südl. Österbotten.j Mettän hiisi halliparta! Waldgeist, graubart! Pane koiras kahlehisin Fessele deine hunde Suviöistä talviöihin — Von Sommernächten zu winter- nächten — Sun ruokas vesi, hunaja — Dein essen sei wasser, honig — (Paldani n. 81 b aus Honkajoki in Westfinland.) Metsän ikki, metsän akki, Des waldes ? ? Metsän hilli halliparta! — Des waldes stillsamer graubart! Anna rauhaa raavahille — Gieb frieden dem vieh — Pane susille suitset päähän. Lege den Wolfen das gebiss an, Karhut rautakahlehisin — Den baren eiserne fesseln — (Törneroos u. Tallqvist n. 180 aus dem mittl. Ingermanland.) Das zuletzt angeführte beispiel mit der bitte: 'das vieh in ruhe zu lassen', hat keine volle beweiskraft. Dieselbe bitte wird in Ingermanland ebenfalls an den heiligen Georg gerichtet: Pvhä jvrki kormelitsal Heiliger Georg, emährer! Anna rauha raavahalle — Gieb frieden dem vieh — (Länkelä IV n. 1 1 aus dem westl. Ingermanland.) Der heilige Georg erscheint aber in den ingermanländi- schen, wie zuweilen in den estnischen beschwörungen auch mit dem wolfe zusammen, z. b. Pyhä Jyrki armollinen. Heiliger, gnädiger Georg, Pyhä Jyrki metsän herra! H. Georg des waldes herr! Katso meiän karjoitamme — Hüte unsere herde — Pie koirille kovoitus, Halte die hunde in zucht, Penikoille suuri pelko. Die hündchen in grosser furcht. Wo und wann entstanden die finnischen zauljerlieder? 179 Metson huntti, metson häntti, Des waldes hund, langschwanz, Metson entinen elokas! Des w. vormaliger bewohner! Käv sie kaarren karjastain — Gehe meinem vieh aus dem wege — (Törneroos u. Tallqvist n. 395 aus dem mittl. Ingermanhtnd.) Es besteht also augenscheinlich eine nahe ver^^•andtschaft zwischen den estnischen und den finnischen beschwörungen zum schütze der herde. Nichts aber zwingt uns notwendig eine Urgemeinschaft anzunehmen. Die ähnlichkeit bezieht sich auf keine heidnischen götternamen, wohl aber auf einen christ- lichen heiligennamen: ingermanl. Jyrki = estn. Jyri. Poetische oder vielmehr euphemistische epithete wie 'goldener könig' etc. geben keinen sicheren anhält für die Zeitbestimmung. Die Ver- breitung der estnischen Varianten gerade im östlichen teil Est- lands und Livlands und zwar so, dass die östlichsten wier- ländischen formen den finnischen am nächsten stehen, bewei- sen alle eher eine entlehnung von den finnen durch die esten. Es würde jedoch über die grenzen dieses aufsatzes führen die schwierige analj'sierung und vergleichung eines liedes ohne epischen kern vorzunehmen. Ich will nur noch auf eine von Weske angeführte beschwörung hinweisen (s. 13 ^ lÄLE 404 nach einem Kreutzw aidschen manuskripte aus Kodavere im Norddörptschen). Die zeile: Pane koerad kaale'eie, welche WiEDEMAXN mit der sinnlosen wendung 'v-ersetze die hunde in den Star' (kaal, kaale = grauer star im äuge) übersetzt, kann Weske mit hülfe des finnischen kahle = kette; im estn. ahelas) und mit hinweis auf die entsprechende finnische zeile richtig erklären. Zwischen den estnischen und finnischen zauberliedern können vielleicht noch einige einzelne parallelen aufgewiesen werden, wie z. b. das wider die wanze, welches in einem ein- zigen exemplare in Wierland gefunden worden ist (vgl. Lönn- ROT Loitsurun. 134). i8o Kaarle Krohn. Luttika lattika lasste ! Wanze, o du kind der wunze ! Süöö seiina, säästa minnda; Friss die wand, mich aber schone. Minu sellga törva sellga, Mein rücken aus teer, Sinu sellga rasva sellga. Dein rücken aus fett. (H. II 9 zw. 586 — 590 n. 39 von W. Klaas aus Haljala.) Zwischen den prosaischen und halbmetrischen Zauber- sprüchen der esten und den zauberliedern der finnen könnten auch manche ähnlichkeiten aufgewiesen werden. Niemi hat auf die bannung der krankheiten in tieren und bäumen als einen gemeinsamen charakterzug aufmerksam gemacht. Doch zeigt er, dass derselbe auch in den germanischen und letti- schen beschwörungen vorkommt und aus diesen wahrschein- lich durch nachahmung entlehnt ist (Vir. 1899 56 — 7). Ebenso ist er hinsichtlich des Zauberspruches wider Seitenstechen, \\'el- cher in prosaischer form sowohl bei den finnen als esten und auch bei den letten — wir können hinzufügen : noch bei den germanen — anzutreffen ist, der ansieht, dass dieser wander- gut sei ^ Die estnischen beschwörungen sind also teilweise prosai- sche Zaubersprüche, welche meistens unabhängig von den fin- nischen hauptsächlich durch entlehnung und nachahmung der germanischen (resp. lettischen) Zaubersprüche entstanden sind und ebenso unabhängig von der poetischen einkleidung der finni- schen oft eine halbmetrische und zuweilen sogar eine vollstän- dig metrische form angenommen haben. Das versmas lag ja den esten und finnen gleich nahe, obgleich die letzteren einen viel grösseren gebrauch in fast jeder art von volkstradition davon gemacht haben. ^ Es ist nicht einmal ausgeschlossen, dass der Zauberspruch wider Seitenstechen von den finnen zu den esten gelangt wäre ; auf estnischem boden habe ich ihn in bloss drei exemplaren ange- troffen, von welchen die erste bei Wiedemann (IÄLE 401) mir unbekannten ortes ist, die zweite (H. Gr. 4:0 211) eine ganz kurze aufzeichnung aus Jerwen, also imweit der finnischen sprachgi'enze und die dritte aus dem Jamburgischen in Ingermanland, mit einer metrischen fortsetzung: Lohe lougade vahele, hauvi hammaste tahaje etc. (Pistu sanad H. IV 6 515 von J. Esken). Fremde namen für körperliche gebrechen. l8l Zum grössten teil sind aber die rein metrischen beschwö- rungen der esten durch Ingermanland gewanderte finnische Zauberlieder, welche wahrscheinlich erst um 1600 die grenze Estlands überschritten haben. F^ür die annähme einer magi- schen poesie in urfinnischer zeit können sie absolut keine an- haltspunkte abgeben. Helsingfors. Kaarle Krohn. Fremde namen für körperliclie gebrechen. Bekanntlich ist fi. sairas 'krank' eine alte entlehnung aus dem germanischen, Thomsen GSI 146. Auch scheint fi. tauti 'krankheit' ebendaher zu stammen, vgl. altisl. dauöi, Thom- sen GSI 152. Es giebt ausserdem aber noch andere namen körperlicher gebrechen, die entweder aus dem germanischen oder noch früher aus dem iranischen entlehnt worden sind. Ich will natürlich keineswegs behaupten, dass diese Fremdwörter von der besonderen gesundheit unserer vorfahren zeugen, son- dern führe sie nur deshalb hier zusammen an, weil ich auf die entlehnungen dieser art zuletzt beim lesen des vortrefflichen Reallexikons der indogermanischen Altertumskunde von O. ScHRADER (artikel krankheit) gekommen bin. In ganz Ta\'astland und Westfinland ist teerenpisama der gewöhnliche name für Sommersprossen. Der zweite teil pisama bedeutet 'hautflecken, bläschen'. Der nominativ des ersten teiles teeri geht wie der gleichlautende vogelname auf tetri zurück. Das Sprachgefühl verbindet auch wahrscheinlich tee- renpisama mit teeri, teiri 'birkhuhn'. "Flecken des birkhuhns' hat aber keinen sinn, wogegen tetri in teeren-, tetrenpisama seine wahre bedeutung aus dem germanischen erhält. Es ist nämlich ein altes germanisches lehnwort: vgl. ags. teter 'flechte', ahd. zitaroh, auch lit. dedervine 'hautausschlag, flechte', eine in den indoeuropäischen sprachen weit verbreitete Wortsippe, s. O. SCHRADER 1. C. l82 JOOS. J. MiKKOLA. Finn. rupi 'schorf, eiterkruste', est. rubi 'pocke, ausschlag" ist gleicherweise germanischen Ursprungs: altisl. hrufa, schwed. rufva 'schorf. Das finn. wort setzt jedoch eine auf i aus- gehende altgerm. form hrulji voraus, die, wenn auch mit ande- rer ablautsstufe, in ahd. hriupi 'scabies' vorliegt. Bei got. J)rutsflll 'aussatz', dessen zweiter teil -All "feil" ist, denkt man an finn. riitto 'pest, wenn nämlich Jruts- und nicht |)rüts- zu lesen ist. Mit rücksicht auf altisl. |)rütiim 'ge- schwollen' und ags. J)rüstfel nimmt freilich Sievers (Beiträge IX 254'i langes ü in dem got. worte an, es könnte hier aber auch eine andere ablautsstufe vorliegen, vgl. altisl. I)rote 'ge- schwulst'. Wie dem auch sei, zeigt wenigstens das altisl. I)rote, dass wir finn. rutto gut aus dem germanischen herleiten dür- fen. Diese deutung des finn. Wortes scheint mir viel natürli- cher, als die landläufige, nach welcher rutto 'pest' mit adj. rutto 'schnell, geschwind' gleich wäre, ursprünglich also rutto- tauti 'morbus mortem subito afferens' (Renvall) bezeichnete. Wenden wir uns von den Scheusalen der beulenpest zu den weniger schrecklichen krankheiten, so begegnen wir wie- der entlehnungen. Aus dem lit. kurtus, *kiirtias (kufcias) stammt est. kuft, veps. kurdis, vot. kurre (stamm kurte-) 'taub', Thom- SEN FBB s. 192. Entlehnt sind wohl auch die finn. formen kuuro, kuurne, russ.-kar. kürneh, olon. kürnis mit derselben bedeutung. Hinsichtlich des suffixes erinnern die drei letzt- genannten an avest. karena-, nur muss das Originalwort, wel- ches die bezüglichen finn. formen abgegeben hat, eine andere ablautsstufe gehabt haben. Iranischer Ursprung bei finn. kutu-ne ist um so wahrscheinlicher, da auch finn. mykkä 'stumm aus diesen sprachen stammt, vgl. skrt. müka 'stumm'. Es wäre ver- lockend auch finn. rampa (schw. stamm ramma-) 'lahm' aus dem iranischen herzuleiten, vgl. skr. srämas. Entlehnung aus dem sla vischen chrom'L ist abzulehnen. Die form mit -mp- kann durch anlehnung an andere Wörter, in welchen mm mit mp wechselt, entstanden sein. Über iranischen Ursprung des finn. köhä 'trockner husten', vgl. skr. käs, siehe Munkacsi, Arja es kaukazusi elemek a finn-magyar nyelvekben s. 417. Helsingfors. Joes. J. MiKKOLA. I Germanische lehnwörter im finnischen und lappischen. 183 Germanische lehnwörter im finnischen und lappischen. 1. Fi. liinia. Fi. liima 'leim' «< urnord. *lhna, w^oraus auch altisl.-norw. lim n. 'binde- mittel, womit man eine sache an eine andere so klebt, dass jene an dieser festhängt, besonders der kalk'; altschw. lim 'leim", 'kalk, mauerkitt'. Estn. lim 'leim' dagegen aus dem niederdeutschen, vgl. mittelnieder- und althochd. lim, und lap. libma lima aus den jüngeren nordischen formen ohne endvokal. 2. Fi. liimake. Fi. liimake "lange birkenrute' (mit dem suffix -ke) <:^ späturnord. *llini ? altschwed. lime (cas. obl. *llma, Uma) 'reis, rute' ; vgl. altisl.-norw. limi m. 'reis- od. ruten- bündel, zusammengebundenes reis [lim n.] um damit zu peitschen oder zu fegen'. Vgl. auch das folg. 3. Fi. Uimo, liimii, lima(koivu), limo. Fi. liimo, liimvi 'junger und dicker birkenwald'; fi. lima- (koivu), limo 'junger laubbaum', bes. junge birke, 'bund grüner zweige" << urnord. * limo '^ * Uma \ vgl. altwestn. lim n. 'das feine, belaubte reis in den zweigen eines baumes" ; lim f. "dünner, schlanker zweig im baumgipfel oder zuäusserst an einem zweige, der das laub des baumes oder astes trägt'; limi m. id.; neunorw. lim m. "ausgeschnittene zweige eines laubbaumes'; lime 'nur als leeme belegt': 'feine zweige von laubbäumen, an welchen die blätter noch nicht oder nur teilweise ausgeschlagen haben'. 184 E. A. TUNKELO. 4. Fi. liimottaa. Fi. liimottaa 'hervorschimmern, in der ferne weisslich erscheinen, glimmern' <] urnord. *glmiün ? >> *glhna, v^gl. neunorw. glima \-. leuchten, (blendend) glänzen', 'glimmern'; altschwed. glima (auch glijma geschrieben) 'glimmern, glänzen', welche mit mittelhochd. glimen 'glänzen', altsächs. glimo 'glänz', alt- hochd. glimo 'glühwurm' zusammengestellt werden '. Eine Zusammenstellung mit urnord. Hwiün, das mit neu- norw. lima 'hell od. lichter werden', 'zu grünen anfangen' zu v^ergleichen wäre, scheint mir viel unsicherer. 5. F\. lima, limo 'schleim'. Fi. lima 'schleim', 'schlämm'; 'pfeilkraut' ; lima, limo 'igel- kolbe (sparganium natans)' ; est. lima "schleim, eiter — — , feuchtigkeit' ; limu, lümo (u -< o, ü •< i) 'schleim', 'schlämm" 342, s. \". schleim, Fi. limma 'Wasserlinse', 'lemna polyrhiza' (bei Lönnrot) gehört wohl auch hierher, wenn der nomin. \-on dem aufzeich- ner richtig aufgefasst und nicht nach dialektischen formen mit mm oder 7nm ^^ m, (z. b. limniä 1. litiiDiä, limmän 1. Unimrni) gebildet geworden ist. Natürlich kann diese analogiebildung auch in dem volksdialekt selbst \-orsichgegangen sein. 6. Fi. levä, liva, liiva. Fi. levä 'schwankender sumpf, 'alga fluitans' (eine art meer- gras); fi. liva 'schleim, Schlüpfrigkeit, maisch', livo "Schlüpfrig- keit"; liiva 'zerquetschte oder gekochte, breiige od. schleimige masse', "meerschlamm", 'eiter' | kar. liiva "schleim" vot. liva 'sand' est. liw 'sand, kies" 1 Tamm, Et\Tn. SV. ordb. 220. Germanische lehnwörter im finnischen und lappischen. 185 << urnord. *sleva, *slwa (■< *sUvö); vgl. altisl.-norw. slefa "schleimartiges sekret aus dem munde abfliessend', neu- norw. sleve, sleva 'geifer, ausfliessender speichel'; neu- schwed. (dial.) slevig 'schlüpfrig'; altisl.-norw. sly n. "schleimartige Wasserpflanzen', neunorw. sli, sly n. 'schleim', "schleimartige gewächse im wasser', 'bodensatz von stein- mehl und metall'; neuschw. dial. sli od. sly 'schleim', 'sum- pfiger boden, bewachsen mit gebüsch und zwergbirke'. 7. Lp. Ulvta, levt, leud. LpK Hlvta, (Notozero) Hevt 'lappisches lied ohne worte', levte (Friis) 'cantus'; Hlvfi-, (Notozero) Hevtje-, präs. sg. 3 "^rivtäja. (Notozero) levtai 'singen' | LpS leud 'fragor, dän, brak' (LiNDAHL-ÖHRLING, FrIIS). Subst. levte, ^evt < späturnord. od. altnord. '^*liud (>- altnorw. Ijöb s. 0.) oder ^*hliifd, woraus altisl.-norw. hljoö u. a. 'laut, der gehört wird', 'ton in der musik', 'gesang'. Vgl. neunorw. Ijod (Ijo, Ijod, lj0 u. s. w.) 'laut, ton; klang, besonders: starker laut', Ijoda (Ijoa, Ijoda u. a.) "lauten, tönen; (starken) laut her- vorbringen"; altschw. liu|) (lyudh u. s. w.) u. a. 'laut, stimme', liudha od. lyj)a 'lauten, schallen". Für IpS -eu- -^ altnorw. -j6-, ^ d in den nord. Wörtern = d unseres Zeichensystems. 2 Vgl. Kluge, Et>'m. Wb. 0 249 s. v. Hed. ^ Noreen, Anorw. u. aisl. gramm.2 § 59. * » » » » » § 1 30. l86 E. A. TUNKELO. -jii hat auch Qvigstad beispiele ^. Die Ip. form setzt \-oraus, dass diese entlehnung nach der gemeinaltnord. synkopierung, aber vor dem wandel von iu > iü geschehen ist. Noreen - hält es für möglich, dass dieser lautwandel im anfang des dreizehnten Jahrhunderts in einigen altnorw. mundarten noch nicht durchgeführt war, weshalb das alter der entlehnung nur mit den Jahreszahlen 900 — 1200 bestimmt werden kann. S. Fi. luotattaa, luote; Ip. Hilde, luotte. Fi. luotattaa "brummen, murren'; luote 'zaubergesang, Weisheitsrunen", pl. luotteet 'zauber- od. kraftworte' ; luottehikas 'magisch, abergläubisch'. LpK Vilite 'Opferung; die heidnische religion der läppen': riht-jmjle 'opferzeit am anfange des jahres"; "^IVüe-mlrr 'holz- bock, auf welchen das feil des geopferten renntiers gezogen wird zur nachbildung eines lebendigen renntiers'; '^r'hfede- 'opfern, die heidnische religion ausüben' IpN luottai 1. luottas od. luottajes 'reich an gesängen oder improvisierten stücken'; luottat, luotam \-. a. 'lapponum more canere, tremulo cantu canere, cantare"; luotte, luode 'cantio'. Die formen '^I^hte und luotte entsprechen lautlich, jene auch mit hinsieht auf ihre bedeutung, urnord. *hlöfa subst. neutr., woraus altisl.-norw. blot neutr. "Opferung, opferfest', 'götzenanbetung überhaupt', 'gegenständ der götzenanbetung oder was dabei gebraucht wird u. s. w.' Die verba luottat, Wite-de- und luota-tta- ( intens! vbil düng aus *lötta- wie z. b. kanna-tta-: kanta-) weisen auf urnord. *blöta ■< *hl(jtön hin, w^oraus altisl.-norw. blota, impf, blötaöe 'opfern', 'anbeten, als gottheit verehren' (auch mit starker flexion, impf, biet "opfern, mit opfer verehren'); vgl. auch got. blötan 'opfern, verehren", us-blöteins 'gebet, bitte'. Die bedeutungen von 'gesang" und "singen', 'brummen' beruhen wohl auf dem alten gebrauche das opfergebet als recitativ — zuweilen mit musikbegleitung — ^ Nord, lehnwörter 46. ~ A. a. § 59, anm. Das »opferholz» bei den läppen. 187 oder singend vorzutragen ^ vielleicht auch darauf, dass beim opfermahl sowohl bei den alten germanen 2 als bei den finno- ugriern gesänge zu ehren der verstorbenen und der götter gesungen wurden ^. Helsingfors. E. A. TUNKELO. Kurze notiz über das „opferholz" bei den Sompio- lappen (aus dem jähre 1670). Aus anlass der Zusammenstellung fi. luote, Ip. luotte < urnord. *hlöta (oben s. 186), welcher Verbindung auch ich mir schon lange bewusst gewesen bin, möchte ich folgende kleine notiz mitteilen, die vielleicht in diesem Zusammenhang den leser interessieren könnte. Der finnische missionar Gabriel Tuderus, der 1669 — 73 sazellan in Inari (Enare) war, und der sehr viel für die bekeh- rung der damals noch heidnischen finnischen läppen gethan, hat in dem bericht über seine missionsthätigkeit - eine beschrei- ^ Krohx, Suomen suvun pakan. jumalanpalvelus 142, 146, 157, 162, 173, 179, 180. 2 MOGK, Pauls Grundr.2 i 1128. 3 Krohn, s. a. a. 142, 165, 179, 180. * Eine gute Handschrift dieses berichtes (»En kort Berättelse, genom hwadh tilfälle Sodankylä, Sombio, Kuola Järfwi, Kitka och Maanselkä Lappars i Kiemi Lappmarck Affgudadyrkan, wijdskep- pelse och sknmptachtige Gudztienst, och hwaruti den bestär, ähr worden uppenbar, och huru de ähre sedermera til Gudh omwändne wordne») befindet sich auf der Universitätsbibliothek zu Upsala, wo ich gelegenheit hatte sie im j. 1888 zu studieren. Der bericht wurde im j. 1773 gedruckt (in dem schriftchen »Twä berättelser om Lapparnes omwändelse»), aber, was die lappischen und finnischen Wörter betrifft, in sehr korrumpierter form. Einige abteilungen der Schrift (auch die beschreibung des opfers) wurden von P. BAxG, Priscorum Sveo-Gothorum ecclesia (1675) 212 — 213 referiert. Siehe das nähere über Tuderus u. Bang bei Setälä, Pari suomalaista poimintoa L'psalan yliopiston kirjastosta 10 — 21. i88 E. X. Setälä. bung des opfers bei den heutzutage (schon seit beinahe einem Jahrhundert) ganz fennisierten Sompiolappen geliefert. In dieser beschreibung, worin zwar mehrere mis\'erständnisse sei- tens des aufzeichners vorkommen, welche aber trotzdem von grossem interesse ist, erzählt Tuderus, dass zu dem opfer aus- ser einem stein, den die läppen zeit nennen (= IpN sieidde ' Opferstätte' , 'götzenbild') auch ein krummes holz, einem bootskiel ähnlich, gehörte. Das holz, welches neben den stein ge- stellt wurde, wurde Hijden wenet 'boot des Hiisi' (von ihm mit „bläkullabät" wiedergegeben) ^ oder mit einem anderen namen luottemurit (von ihm als „tillitelsens träd'' aufgefasst, welches Banxt als „arbor confidentise" übersetzt) genannt. Nach einer beschreibung des gesprächs des läppen mit dem götzen erzählt unser berichterstatter weiter, dass, wenn der götze ein lebendi- ges opfer fordert, ein vsi luottemurit („et nyt tillitelsens trä'', Bänxt: „alia arbor confidentise") aufgerichtet werde. Daran werde das lebendige opfer gebunden und ihm nach einer langen rede die axt in den schädel getrieben. Sowohl das holz als der stein u'erde dann mit dem blute des tieres be- strichen, und nachdem die opfernden das fleisch gekocht haben, schneiden sie dasselbe in kleine Scheiben, welche an gewun- dene reiserzweige gebunden und an dasselbe holz gehängt werden. Man kann nicht umhin in luottemurit die entsprechung des IpK HVitemlrr (*lpX luottemuorra) "opferholz' (siehe oben s. 186) - zu erkennen; die form murit wäre wohl als acc. pl. (im heutigen Ipl nach F. äimä mi(orain) aufzufassen. Die Übersetzung von Tuderus „holz des Vertrauens'" („arbor confi- dentise") ist durch eine falsche Verbindung des Wortes mit Ip. luottet "confidere', fi. luottaa id. zu erklären. — Vsi ^= fi. uusi neu stammt natürlich (wie Hilden vene) von dem finnisch redenden berichterstatter Tuderus' her. 1 Könnte fi. Hiisi vielleicht hier in seinen urspr. bedeutung: ('opferstätte', wahrsch. etj-mologisch = Ip. sieidde) stehen? - Für *luottemuorra existiert kein direktes vorbild im nord., denn das ano. blöttre bedeutet 'opferbaum', 'bäum, der gegen- ständ der anbetung ist'. Das läpp, opferholz ist ja auch sicher älteren Ursprungs. Die S3'rj. bildung auf -ob, -öp. 189 In luottemurit haben wir also ein kleines sprachliciies denkmal aus einem ausgestorbenen dialekte, welches auch in mythologischer hinsieht von einem gewissen Interesse ist ^ Helsingfors. E. N. SetäLÄ. Die syrjänische bildung auf -ob, -öp und der kompa- rativ im finnisch-ugrischen. Das auftreten des suffixes *mp als eigentliches kompara- tivsuffix im finnischen (mp), lappischen (b, bb) und ungarischen (bb) scheint auf den ersten blick darauf hinzudeuten, dass die- ses suffixale dement schon in der finnisch-ugrischen Ursprache den komparativgrad bezeichnet habe (vgl. Budenz „Az ugor nyelvek összehasonlitö alaktana" 280). Andrerseits jedoch weist der umstand, dass das komparativsuffix in diesen sprachen auch an Substantive (vgl. z. b. fi. rannempana 'dem strande näher' V. ranta 'Strand', Ip. oaivab 'hoher' v. oaiwe 'haupt, köpf, ung. emberebb 'mehr mensch" v. ember 'mensch'), ja sogar auch „unorganisch" an adverbiell gebrauchte kasusformen (vgl. z. b. fi. tuonnempi 'der weiter hin sich befindet' v. tuonne 'dahin", ung. odabb 'weiter hin' v. oda 'dahin', idebb 'näher her" v. ide 'hierher') treten kann, darauf hin, dass die ableitun- gen mit *mp ursprünglich keine reinen, adjektivischen kompa- rativformen gewesen sind. Heinrich Winkler, Das uraltaische und seine gruppen 106 — 9 meint, „die form des comparativ dürfte schwerlich formalen Ursprungs, vielmehr wahrscheinlich stoftwort, etwa menge, sehr bedeutend, sein", fügt jedoch hinzu: „gleichwohl muss man, da das magyarische bb genau dem westfinnischen comparati\'element entspricht, dasselbe auch im lappischen das gewöhnliche comparativzeichen darstellt, an- nehmen, dass diese bildung, wenn auch wenig durchgedrungen, ^ Über luottemurit siehe auch Krohn, Suomen suvun paka- nallinen jumalanpalvelus 27 — 28. I90 Yrjö Wichmann. schon im urfinnischen ' wenigstens der anläge nach vorhan- den war*'. Dass diese komparativbildung, wennschon „der an- läge nach vorhanden", in der that „wenig durchgedrungen" war, bezeugt auch die thatsache, dass sie in keiner der übrigen liugr. sprachen als eigentlicher komparativ anzutreffen ist '•^. Material, welches geeignet ist die ursprüngliche natur der ablei- tung auf *mp zu beleuchten bietet auch das syrjänische. Im folgenden werde ich es in kurzen zügen darstellen. WiEDEMANN, Grammatik der s\'rjänischen Sprache i^ 31, er- wähnt einige mit den suffixen -ob, -öp, -ep, -yp abgeleitete nomina aus dem syrjänischen, „welche meist die Bedeutung des Leichten, Raschen haben und wieder den Stamm für abgeleitete \''erba desselben Sinnes geben", z. b. 'kut's'keh "leichter schlag' (htt'sl'mi 'schlagen"), sureh 'schnell, eilig, an- gestrengt' (sur tnunni 'eilen') und einige andere. Dass Wiede- mann's definition der bedeutung der mit dieser endung abgelei- teten nomina jedoch nicht ganz zutreffend ist, ersehen wir aus den folgenden beispielen (die sich übrigens alle auch in dem syrjänischen Wörterbuch Wiedemann's finden): *edeh: edelitini (=^ edeh-t-ini) 'stärker, heftiger werden"; vgl. ed 'hitze, wärme, kraft, anstrengung'. iieh, Izehen 'schnell, plötzlich, unvermutet', izehtini "sich schnell bewegen'; vgl. izjedni 'anregen'. Tcaneh, Tcanehen (instrum.; NB. nicht hinehten) '\-erstohlen'; \-gl. kau 'katze', lan Jean od. Jean hanen 'im stillen, verstohle- ner weise". IcarsJceh: karsTceb puktini 'einen schlag \-ersetzen*: vgl. karskini 'einen schlag geben'. *kizeh: k.zehtini 'aushusten"; vgl. kiz)ii 'husten'. kut'skeh 'leichter schlag'; vgl. kufskini 'schlagen". leskeb 'gänzlich, ganz und gar', leskeMini "auf den köpf schlagen, ohrfeigen'; vgl. lesalni 'behauen'. ^ D. h. urlinniscliugrischen. 2 Die von Budenz erwähnten »spuren eines komparativs mit mp» im tscheremissischen (tumb-al, umb-al 'pars ulterior', temb-al 'pars citerior') und mordwinischen (ombo "alter, ulterior') kann man nicht für eigentliche adjektivische komparative ansehen. Übrigens bildet sowohl das tscheremissische wie das mordwinische seine Steigerungsgrade syntaktisch. Die S3rj. bildung auf -ob, -öp. 191 l'iizeb: luzeben 'in langem zuge'; vgl. luzim-lazim {do^'pQ- lung des nachdrucks wegen) 'in langem zuge', also = l'uze- hen: hiz vidzni 'sich hinstrecken". "^pid^eh: pi(t5ehtini 'auspressen, erpressen, aussaugen, er- drücken'; vgl. pftSJcnri 'drücken, pressen". rczeh 'flink, gewandt', rezehen 'schnell, reissend (\erkauft werden)"; \'gl. rez 'spritzende tropfen', rezni 'spritzen'. '■rizgeh: rizgehtini Wied. {? rizgebtpii) 'lärmen (wie betrunkene)'; vgl. riz 'krach, geprassel', rizgini 'krachen, prasseln". sudzJceh. sufsJieh 'durchgehend, durchscheinend'; adv. "durch, quer durch', sutskeh munni "dahin eilen, sich schnell fortbewegen', sut'sTcehen viziltni 'schnell strömen, herausströ- men" {viziltni 'strömen'); vgl. Siutzhini. sufSJctn^ 'eintauchen; sich schnell fortbewegen, streben, trachten'. iiireh 'Schneesturm, Unwetter', tureh-aika "windbeutel, leichtsinniger mensch', tureh-sera 'aufrührerisch', turehes 'auf- rührerisch. Stürmisch'; vgl. turzini (=z tur-z-ini) 'stöbern (v. Schnee)". fsereh: Uereb munni, t'sereh vidi^ii. t'serebtini 'erschrek- ken, auffahren, sich sehr fürchten' ; vgl. t'serdni (= t'ser-d-ni) 'erschrecken, scheu werden, auffahren'. tkil'eh: t'sul'ehen petni = tsul'edni petni "reichlich heraus- strömen". *Me6; lieht int, ueptini "lärmen"; vgl. ualni (^= u-al-ni) 'dumpf tönen'. '■''Kt'eh, ut'ep: ut'ehttni, ut'ep herni 'schnell davon laufen, entschlüpfen, sich schnell fortschleichen' ; vgl. ufoltni (= uf- olt-ni) 'davon laufen'. vizleb 'strömendes wasser, stromstelle', va-vizleb 'Strom- schnelle, stromstelle', vizlehes 'voll Stromschnellen'; vgl. vizlahu "rieseln, fliessen, rinnen, strömen'. vol'sTceh 'glatt, schlüpfrig", vol'sl-ehtpii 'gleiten, entgleiten'; \'gl. vol'sjalni 'glitschen, ausgleiten'. zireh: zircb loni 'überfallen, anfallen, sich stürzen, losge- hen auf jem.'; vgl. zirni 'drängen, verdrängen'. Beispiele derselben bildung, von denen aber die entspre- chenden einfacheren formen nicht nachzuu'eisen sind, sind folgende : 192 Yrjö Wichmann. hüheh "überhaupt, im ganzen (?)'. hirsJceh 'schnell, eilig', InrsJceh petni, hirslcehÜni 'hinauseilen'. guzeh 'unerwartet, plötzlich', guzeh-gazel) "auseinander'. ileb, il'eh 'häufe, menge", ihhen "haufenweise", ilehen lolcni 'zusammenströmen'. irsheb, irskehen 'plötzlich, über hals und köpf, irsTceba "schnell, hitzig', irsJcebtini 'sich stürzen, laufen aus allen kräften'. itheb, ifkeben 'plötzlich, unerwartet, über hals und köpf, itkebtini 'stürzen, eilen, dringen'. lutkeb "leichter schlag". rizeh: rizeben nuni 'durchgehen mit etwas'. sareh 'deutlich, klar, schnell', sardien ^schnell". suJceb 'stürm, Schneesturm, regenwetter'. terib 'schnell, lebhaft, rasch, eilig, gleich bereit; Schnellig- keit'; terß inort 'flinker, rascher mann'. vuzeb 'unerwartet, plötzlich'. Die beispiele thun dar, dass das syrjänische mit der ableitungsendung -eh nomina, substantiva wie auch adjektiva bildet (die letzteren adverbiell im instrumental oder absolut gebraucht), die gegenüber dem Stammwort einen in gestei- gertem masse auftretenden zustand oder ebensolche eigen- schaft wiedergeben, mit anderen Worten: nomina augmenta- tiva, intensiv a. Die von Wiedemann a. a. o. zugleich mit den s^-rjänischen ableitungen auf eh erwähnten wotjakischen Wörter mit der endung ep (z. b. ulep, instrum. ulepkin 'leben- dig', Icusip 'Zwischenraum', t'Si/'ep 'netz') bergen, wie Wiede- mann selbst schon bemerkt, nicht denselben sinn wie die obigen syrjänischen Wörter in sich und dürften \"on diesen ganz fern- zuhalten sein '. Beachten wir, dass in den permischen sprachen ein nasal vor labialem verschlusslaut ebenso wie im ungarischen ge- schwunden ist [vgl. z. b. syrjS gihalni "schwimmen", s\v]V gihavni 'scharenweise schwimmen (v. fischen), wobei das was- ser sich kräuselt', ung. hab 'welle, schäum", wog. ^iimp id., wotj. ihini 'werfen, schleudern, schiessen', vgl. syrj. ebes "kraft, stärke', fi. ampua 'schiessen'; syrj. sohalni 'zappeln, patschen 1 Auch BuDENZ a. a. o. 189 hält die ableitungen mit s}*rj. eh und wotj. epj für zusammengehörig. Die syrj. bildung auf -ob, -öp. 193 (im morast)', vgl. est. somp 'Verwirrung, konfusion', sega-sompa 'verwirrt, durcheinander', ü. sompelo 'Verwirrung, verfitzung'; wotj. uho 'blumenbeet, ackerbeet', vgl. syrj. ib 'feld', mord. uma (<< *iimha) 'ackerstück, anteil am felde' *], womit also der labiale verschlusslaut der in frage stehenden syrjänischen ablei- tungssilbe urspr. '^riip sehr gut entsprechen kann, so sind wir wohl berechtigt dieses ableitungssuffix der syrjänischen nomina augmentativa, intensiva für die etymologische entsprechung des finnischen, lappischen und ungarischen komparativsuffixes anzu- sehen. Angesichts der bedeutung und verv\-endung der sj'rjäni- schen nomina auf eh ist es schwer mit besfimmtheit zu ent- scheiden, ob solche nomina mit *inp in der fiugr. Ursprache überhaupt in der komparation gebraucht worden sind. Da sie jedoch heutzutage als eigenfiiche komparative in so weit \'on einander entfernten sprachen wie dem finnischen, lappischen und ungarischen erscheinen, ist grund für die annähme vor- handen, dass sie beim syntaktisch gebildeten komparativ so gut wie andere adjektive haben verwandt werden können, ebenso wie im heuügen wotjakischen bei der bildung des komparativs mit der endung gern, ges abgeleitete adjektive gebraucht wer- den können, z. b. wotjMU so tinisTcid {ablsit) Tciizmoges'^ odQV tinisTcid hiSmo 'er ist stärker als du' (die zweite konstruktion ist wenigstens in den südlichen dialekten des wotjakischen die gewöhnlichere). Hiernach halte ich Winkler's obenmitgeteilte annähme, dass die bildung des komparativs mit *mp schon in der fiugr. Ursprache „der anläge nach vorhanden war", für vollkommen gerechtfertigt. Ustsysolsk november 1901. YrjÖ WicHMANN. ' Vgl. Setälä Über quantitätswechsel, JSFOu. XIV 329 anm.-. ^ huSmo 'stark', Tcuzmoges 'etwas stark, etwas stärker'. HELSINGFORS DRUCKEREI DER FINNISCHEN LITTERATUR-GESELLSCHAFT 1901 — 1902. ANZEIGER DER FINNISCH-UGRISCHEN FORSCHUNGEN BAND 1 AUGUST-DEZEMBER 1901 HEFT 3 Zur Kalevalafrage. K. B. WiKLüXD, Om Kalevala, finnarnes nationalepos och forsknin- garna rörande detsamma (Über das nationalepos der finnen, das Kalevala, und die Kalevalaforschungen). Föreningen Heimdals folkskrifter n:r 71. Stockholm, Norstedt & Söner, 1901. 39 s. 8:0. Preis: 25 öre. K. J. Hagfors, Om Elias Lönnrot och Kalevala. Tidskrift för folkskolan 1901 h. 6. I Anton Weis-Ulmenried, Die Ergebnisse der Kalevalaforschung. Die Grenzboten 1901 nr. 43. Kalevala eine mystifikation ! Mit diesem worte begleitet der deutsche referent in den Grenzboten Wiklund's äusserung, dass sich die Kalevaladichtung als ein nationales luftschloss erwiesen habe, und dass die finnischen forscher mit blutendem herzen daran gegangen seien dieses luftschloss niederzureissen. Der wohlmei- nende deutsche beklagt aufrichtig, dass dem finnischen volke »aber- mals bitteres leid» widerfahren sei! Es giebt auch in der Wissenschaft zuweilen noch kleine m}-- thenbildungen. Zu diesen wären auch die »blutenden herzen» {WiKLUND gebraucht den weniger drastischen ausdruck: »svidande») der finnischen forscher zu rechnen. Denn mit lust und liebe, ja mit begeisterung, haben dieselben während der letzten drei Jahr- zehnte gearbeitet im dem bewusstsein, dass der gegenständ ihrer forschung eins der interessantesten der folkloristischen Wissenschaft ist, und dass die Kalevalafrage bei weitem mehr positive als nega- tive arbeit bietet. Der behauptung, dass Lönnrot mit der Kalevaladichtung sein Volk .-.mystifiziert» hätte, widerspricht schon die anerkennung, dass Lönnrot »ein ehrlicher mann war, der mit grösster pietät und Sorg- falt alle seine aufzeichnuno-en ( Wikluxd : auch der anderen) aufbe- l86 Zur Kalevalafrage. wahrt hatte». Weiter wird zugegeben, dass Lönnrot sogar seine eigenen konzepte: die kleineren liederkomplexe (Lemminkäinen, Väinämöinen, Hochzeitsgesänge) sowie den ersten versuch ihrer Vereinigung iRunokokous Väinämöisestä ^ Runensammlung ül^er V., im folg. RV bezeichnet) mit allen nachträglichen vorschlagen der nachweit treu überliefert hat. Unter allen sog. volksepen der weit ist somit das Kalevalaepos das einzige, dessen entstehung fast bis auf jede einzelne zeile nachgewiesen werden kann. Ohne auf die Ossianische frage einzugehen und mit voller anerkennung von Macphersons bedeutung als erwecker der folkloristischen bestrebun- gen, muss gerade der unterschied zwischen Lönnrot und Macpher- son in dieser hinsieht hervorgehoben werden. Der deutsche referent weist noch auf die ansieht hin, dass Lönnrot als ein zweiter Macpherson »ein gut teil der verse selbst geschmiedet» hätte. Wiklund erklärt jedoch, dass die Zusätze Lönnrot's selten von ihm direkt geschaffen v.'urden, sondern aus bruchstücken anderer Volkslieder bestanden. Dies wird auch durch NiEMl's genaue Untersuchung der ältesten, erst neulich gedruckten Kalevalaredaktion vom j. 1833 bestätigt. Von den 5 tausend Zei- len des »Runokokous Väinämöisestä» sind 94 "/o sicher volkstüm- lich, I % setzt möglicherweise eine geringe anzahl verlorener oder nur in Lönnrots gedächtnis erhaltener Volkslieder voraus. 5 % verstreute zeilen sind nicht rein volkstümlich, aber bei weitem nicht alle aus Lönnrots eigener phantasie geflossen; beweisbar sind remi- niscenzen hauptsächlich aus den echten Volksliedern, zuweilen aus den gedichten der neueren bäuerlichen poeten und sogar aus ein- zelnen Zeilen älterer finnischer kunstdichter. Es sei besonders bemerkt, dass Lönnrot keine prosaischen erzählungen fürs Kalevalaepos versifiziert hat, wie noch neulich in einem deutschen Zeitungsartikel behauptet worden ist. Ob es überhaupt einem kunstdichter möglich ist, ein episches ihema im alten finnischen versmass volkstümlich zu behandeln, ist mehr als zweifelhaft. Der obligatorische parallelismus der kurzen zeilen setzt eine ursprünglichkeit der auffassung und einen naturreichtum des sprachlichen ausdrucks voraus, wie sie kein reflektierender poet besitzt. Lönnrots eigene kümmerliche versuche seinen selbständi- gen gedanken im Kalevalaversmass ausdruck zu verleihen, würden ihm jedenfalls diese möglichkeit absprechen, auch wenn wir keine positiven beweise hätten. Zur Kalevalafrage. 187 Aber, meint Wikluxd, wenn man die kolossale masse der finnischen lieder und Varianten in betracht zieht, versteht man leicht, dass man aus ihnen ohne mühe Zeilen für alle denkbaren bedürfnisse erhalten kann, ohne genötigt zu sein etwas aus eige- ner phantasie zu schöpfen. »Man kann nicht sagen, dass Lönnrot das vorgefundene material auf die passendste weise bloss zusam- mengestellt hat. — Der Wahrheit am nächsten kommt man, wenn man sagt, dass Lönnrot das Kalevalaepos mit hilfe einer menge Volkslieder, Avelche sowohl in form als Inhalt wenig stabil waren, verfasst habe.» Wikluxd kennt noch eine dritte auffassung von Lönnrots arbeit. »Lönnrot stellte sich, natürlicherweise im guten glauben, den volkssängern gleich, und verfuhr mit den runen ungefähr in derselben weise wie die volkssänger. » Diese definition fällt aber bei ihm mit der vorigen zusammen, da der Vordersatz lautet: »Ein jeder sänger behandelte die lieder, welche er kannte, mit grosser freiheit). Die von ihm angenommene Instabilität des volksHedes ' rläutert er noch durch folgende sätze, welche als resultate der neueren, wirklich wissenschaftlichen» Kalevalaforschung gelten sol- len: »dasselbe lied wurde von verschiedenen sängern gewöhnlich verschieden vorgetragen — ein sänger kannte gewisse lieder, ein anderer durchaus andere (!) — der eine trug die gesänge, die er kannte, in einer, der andere in ganz anderer Ordnung vor». Diesen Sätzen kann aber niemand, der gelegenheit gehabt liat, sich mit den finnischen und estnischen Volksliedersammlungen zu beschäftigen, zustimmen. Die anzahl der liedervarianten, welche sich bald 100,000 nummern nähert, lässt der annähme von zufälli- gen Übereinstimmungen und abweichungen wenig räum. Es ist nicht die Instabilität, sondern vielmehr die Stabilität einer liedform in einer gewissen gegend, welche hier in die äugen fällt und die iiauptsache ist; die individuellen Variationen der meisten volkssän- ger halten sich in engen grenzen. Eine neue liedform entsteht gewöhnlich bei der Wanderung eines liedes vom einen gesang- i,^ebiete zum andern und setzt natürlich eine grössere freiheit >ei einem höher begabten volkssänger voraus. Aber willkürlich ist sogar diese freiheit nicht, da die liedformen verschiedener gegenden meistens eine entwicklungskette in geographischer Ord- nung bilden. Dieses i.st der anhaltspunkt der finnischen Kalevala- forschunsf. Zur Kalevalafraye. Diesen hat auch Wikluxd an einer anderen stelle richtig dargestellt — ungeachtet des Widerspruchs mit den obigen Sätzen. »Bei eingehender Untersuchung hat man gefunden, dass wenigstens in vielen fällen die primitivsten und am wenigsten entwickelten runen im gebiete der esten anzutreffen sind, dass sich dieselben runen auch wieder in Ingermanland voiiinden, aber ausgestattet mit teilweise neuen zügen; im südlichen Kardien findet man sie in noch mehr veränderter und ausgebildeter form, im nördlichen Kare- lien schliesslich in der form, die den Kalevalarunen zu gründe liegt und die am meisten von den einfachen und primitiven formen des ursprünglichen gesanges abweichen.» Als konkretes lieispiel führt er den ersten gesang von der weltschöpfung an. Die erzählung von der weltschöpfung tritt als Volkslied in folgenden hauptformen auf, welche deutlich eine aus der andern entwickelt sind. 1. Estnisch. Eine schwalbe fliegt umher, findet drei sträu- cher und wählt einen für ihr nest. Sie legt drei eier und beginnt sie auszubrüten. Aus den jungen entstehen sonne, mond und stern. 2. Ingermanland. Schwalbe — drei mooshügelchen auf dem meere (später: ein mooshügelchen, eine insel, ein schiff") — das brüten wird selten erwähnt — drei eier (später: ein ei) — die eier fallen ins meer und zerbrechen — aus dem dotter entsteht die sonne, aus dem eiweiss der mond und aus dem übrigen der Stern (später: die sternej. 3. Finnisch-Ostkarelien. Einleitung: das lied vom Lap- pen, welcher den alten Väinämöinen niederschiesst — eine ente fliegt — Väinämöinen erhebt sein knie wie einen mooshügel aus dem meere — brüten und bewegung des kniees — aus den be- standteilen eines eies entstehen ausser den hiramelslichtern noch der himmel' und die erde. 4. Rus sisch - Kar elien. Dieselbe einleitung. Zusatz: Väi- nämöinen formt den meeresgrund. Mehrere, bis zu 7 — 8 eiern (in Finnisch-Karelien zerfällt das ei in 7 — 8 Stückchen). \'äinämöinen spricht die schöpfungsworte aus (einmal schon in Finnisch-Karelien). Als neue konstante Verbindung mit dem obigen tritt hier das Sampolied auf. An *clem gesange von der weltschöpfung haben also 4 — 5 volkssänger nach einander und abhängig von einander gearbeitet. Der letzte in der reihe dieser volkssänger war Lönnrot, welchen Zur Kalevalafrage. igg das Schicksal glücklicherweise gerade in das nördlichste gesang- gebiet geführt hatte. Wie hat aber Lönnrot dies lied weiter entwickelt? In der i älteren Kalevalaredaktion (im folg. VK bezeichnet) bloss durch eine neue Verbindung: Väinämöinens geburt, welches seltene lied sich schwerlich anderswo einstellen Hess. In der neueren redaktion wohl durch die anwendung einer verdrehten form von Väinämöinen, Vein emoinen 'mutter des wassers', durch die ansetzung einer neuen einleitung aus anderen liedern und trennung der alten volks- tümlichen vom niederschiessen des Väinämöinen (s. Lönnrots moti- vierung Litteraturbl. 1849 16 — 17). Dies sind aber mehr fragen der Zusammensetzung und berühren nur mittelbar den Inhalt des iresanges von der weltschöpfung, welchen die vorhergehenden volks- -änger ein jeder weit mehr verändert haben. Dasselbe Verhältnis zwischen der arbeit Lönnrots und der seiner I Vorgänger kann in fast jeder beliebigen Kalevalarune nachgewiesen werden. Lönnrot war nicht nur »in gutem glauben», sondern in der Wirklichkeit der letzte volkssänger, wie er sich selbst bezeichnete. »Lönnrot unterscheidet sich», erklärt Julius Krohn, »von I seinen Vorgängern hauptsächlich nur dadurch, dass er alle schätze des volksgesanges in unvergleichlich höherem masse kannte als irgend einer von diesen und somit eine viel reichere quelle besass, I aus der er schöpfen konnte. Dazu kommt gewiss noch ein durch litterarische bildung verfeinertes poetisches gefühl bei der wähl der zuthaten. Andrerseits jedoch steht Lönnrot dennoch auch hierin, was die unbewusstheit des Schaffens betrifft, seinen Vorgängern ganz nahe. Selten ist einer von diesen im stände, selbst auch nur ein mittelmässiges reines gedieht zu verfassen, obgleich sie bei der ausbildung des gesanges — — oft einen bewunderungswerten }ioetischen instinkt zeigen.» Dass Lönnrot Interpolationen aus anderen Volksliedern zur .lusschmückung eines gesanges gebrauchte, unterscheidet ihn nicht im geringsten von den volkssängern, welche ein lied gerade mit hilfe anderer weiter entwickeln. Einen beweis für das feine gefühl, welches Lönnrot für die Volksdichtung besass, liefert das überra- schende faktum, welches schon Julius Krohx aufgewiesen hat, dass die volkssänger später manche details in derselben weise aus- i;eführt haben wie Lönnrot, nachweislich ohne beeinflussung durch das gedruckte Kalavalaepo.s. 190 Zur Kalevalafraüe. Wenn man also Lönnrot den Verfasser der Kalevaladich- tung nennen will, so können auch die volkssänger, welche eine neue variantenform erschaffen haben, diesen namen beanspruchen, und Lönnrot wäre jedenfalls nur der letzte Verfasser des epos. Da das attribut der letzte hier die hauptsache bezeichnet, so ist es unnötig zu begründen, inwiefern das wort Verfasser am platze ist. Es sei nur envähnt, dass wir, ganz abgesehen von dem gebrauche dieses ausdrucks für selbständige kunstdichter, auch in der teil- weise volkstümlichen dichtung verschiedene stufen unterscheiden müssen. Wir brauchen nur das Kalevalaepos mit seinen nachfol- gern Kalevipoeg und Hiawatha zu vergleichen, um die notwendig- keit einer näheren bestimmung der begriffe einzusehen. Longfellow war ein grosser dichter, welcher prosaische märchen in verse brachte; Kreutzwald ein mittelmässiger poet, der sowohl märchen als lieder zu seiner komposition benutzte; Lönnrot ein unbeholfener selbständiger versifikator, dem aber Volkslieder nicht nur in genü- gender anzahl, sondern auch in grösstenteils fertigen Verbindungen zu geböte standen. WiKLUND sagt wohl: »Der faden der erzählung ist Lönnrots werk: das volk kannte nur einzelne episoden». Dies ist nicht fak- tisch; die »Ordnung» der gesänge bei den volkssängern weist schon auf Verbindungen der episoden hin, welche gewiss nicht als bloss zufällige, instabile bezeichnet werden können. Bevor ich aber die frage von der Zusammensetzung des Kalevalaepos behandle, muss ich noch den nächst folgenden satz Wikluxd's besprechen: »Gewisse episoden hat Lönnrot ohne besonders grosse Veränderun- gen aufgenommen, andere aber statt dessen bis zur Unkenntlichkeit umgestaltet». Denn nur auf beide sätze bezogen kann man die behauptung Wiklund's verstehen, dass »die haupthandlung in der Kalevaladichtung, der gang ihrer Schilderung, nicht vom volke selbst, sondern von Lönnrot herrührt». Giebt es denn dermassen umgestaltete episoden, dass ihre haupthandlung, der gang ihrer Schilderung von Lönnrot herrührte? La der von NiEMl untersuchten ältesten Kalevalaredaktion hat eine episode, die befreiung der sonne und des mondes (RV XIU), mit hilfe anderer lieder von Lönnrot ihre Verknüpfung erhalten. \'on diesem hat gerade Lönnrot selbst in der vorrede ausdrücklich gesagt, dass er ihn »am wenigsten vollständig aus dem volksmunde erhalten habe und s:ezwun und »Verfasser» gegriffen hat. Hat aber Lönnrot in der wissenschaftlichen Wertschätzung der Kalevaladichtung sein volk mystifiziert? Wir dürfen uns nicht ver- wundern, dass er nicht höher als die folkloristische Wissenschaft seiner zeit stand, indem er nämlich den wert der volkstümlichen Varianten eines liederthemas nicht erkannte. Es waren ja so viele neue themata gefunden, dass ihr Inhalt die ganze aufmerksanikeit auf sich zog, und die kleineren Variationen in der form, Lönnrots eigene beim zusammensetzen entstandene mitgerechnet, in den hintergrund traten. Dies erklärt, dass Lönnrot der Kalevaladich- tung auch einigen wissenschaftlichen wert zuschrieb, jedoch in sehr anspruchsloser weise. »Wenn diese gesänge der finnischen mvtho- logie von einigem nutzen sein können — und ganz ohne solchen werden sie wohl nicht sein — so ist eine meiner hoft'nungen erfüllt; doch habe ich ihrer noch andere: ich möchte hotten, dass sie einigermassen das leben unserer vorfahren beleuchten, sowie die kenntnis der rinnischen spräche und metrik fördern werden ;> (vorrede zu VK XIIL). Zu ihrer zeit ist diese äusserung sogar allzu bescheiden, wenn man bedenkt, wie wenig man vor dem erscheinen des VK material gesammelt hatte. Sie würde noch heutzutage ihre geltung haben — wenn uns Lönnrot nicht die reich- lichere und zuverlässigere quelle der Varianten hinterlassen hätte. Es ist vollkommen richtig, dass man die Kalevaladichtung nicht mehr als wissenschaftlichen kodex für finnische mythologie etc. benutzen kann. Dies ist die forderung der neuesten Wissen- schaft, welche auch für die homerischen epen und die Eddalieder in wenigstens ebenso grossem masse gilt. Bei dem bescheidenen umfange der finnischen forschung macht es jedoch einen etwas komischen eindruck, wenn Wiklund beklagt, dass so viel arbeit auf dergleichen forschungen verwandt worden sei, deren resultate sich jetzt vollkommen wertlos gezeigt hätten, ohne den schwedi- schen leser auf tue unvergleichlich grössere Verschwendung \'on a;enie und "elehrsamkeit in seinem eigenen lande aufmerksam zu Zur Kalevala frage. igj maclien, wie Hagfors mit hinweis auf Olof Rudbeck und Viktor Rydberjj thut. Und wenn man die wucht z. b. der Homer-litte- ratur erwäg;t und Ijedenkt. was vielleicht noch alles über diesen gegenständ geschrieben wird, so sind die Kalevalaforscher wirk- lich beneidenswert mit so wenig mühe davongekommen zu sein, was die feststellung von Lünnrots anteil an dem Kalevalaepos an- langt. Etwas anderes ist, dass es noch viel mühe kosten wird, die successive arbeit der volkssänger an einem jeden liede darzu- legen. Aber auch an die lösung dieser aufgäbe kann die finnische forschung mit ihren massenhaften materialien getrosten mutes schreiten in der hoffnung schliesslich fast jede einzige zeile erklä- ren zu können. Das von Wiklund gewählte beispiel, der Sampomvthus, welcher den Kalevalaforscheni die meiste mühe verursacht hat, be- weist eher, wie wenig der anteil Lönnrots an und für sich die Wis- senschaft irre geleitet hat. Seine zuthat beim Sampomythus : die Schilderung des Schmiedens (aus dem Ursprünge des eisens und dem liede von der goldjungfrau ; das schmieden selbst wird schon im volksliede dem Sampo zugeteilt) hat von den drei dutzend ver- schiedenen erklärungen des Sampo eine einzige veranlasst, und zwar die in novellenform dargestellte (Sampo r= die idee des dich- ters, Avelche erst nach mehreren vergeblichen versuchen verwirk- hcht wird) von JUHANi Aho (Uusi Kuvalehti 1894 2 — 3), ein Jahr- zehnt nachdem dieser punkt von der Wissenschaft bereits erkannt warl Es ist die überreiche und widerspruchsvolle entwicklung die- ses mythus bei den russisch-karelischen volkssängerri, welche den forschern unlösbare Schwierigkeiten verursacht hat. Auch nachdem Julius Krohx den grössten teil der neubildungen festgestellt hatte, konnte man keine befriedigende erklärung des Sampomj-thus finden, obgleich man eine alte prosaische Variante der finnischen ansiedier in Schweden heranzog. Wiklund's darstellung der Sampofrage giebt dem leser eine sehr unvollkommene und verw^orrene Vorstellung. »Aus dem Kale- vala, welches sich hier zunächst auf die russisch-karelischen runen stützt, erhält man die auffassung — — Wenn man aber auf die wirklichen quellen, die gesänge und traditionen, zurückgeht, wie sie nach dem volksmund aufgezeichnet wurden (als ob die rus- sisch-karelischen nicht auch hierher gehörten), so kommt man unter leituu": c^er altertümlichsten runen (d. h. die eine erwähnte prosa- Iq8 Zur Kalevalafrage. Variante) zu dem überraschenden ergebnis, dass Sampo ursprüng- lich einen fliegenden frosch bezeichnete.» — »Die eigenschaft einer mühle hat Sampo aus einem prosaischen märchen erhalten, welche mit dem Sampo nichts zu thun hat >, wird in ül)ereinstimmung mit der neuesten auffassung richtig erklärt; gleich aber darauf altmo- disch fortgesetzt: »dieses inärchen giebt vielleicht die Vorstellung der nordischen Völker von der mühle Grotte wieder» (wennschon es undenkbar ist, dass der m)-thus vom Grotte ein allgemein euro- päisches märchen erzeugt hätte). Dem schwedischen leser einer volksschrift wird es schwer fallen den Widerspruch in diesen Sätzen zu bemerken. Dies ist natürlich an und für sich eine kleinigkeit. Doch wird der eindruck nur allzu einseitig, wenn die neueren Eddaforschungen nicht einmal in den wenigen fällen berührt wer- den, wo die parallelen Eddamythen erwähnt sind; während die wirklichen und vermeintlichen resultate der Kalevalaforschung mit einem geringschätzigen nachdruck und — was schlimmer ist — in inkorrekter weise referiert werden, wie in der folgenden darstel- lung der letzten ansichten über den Sampomythus. Setälä (Vir. I 3) hatte auf grund der erwähnten prosa- variante, in welcher Sammas beim gesange Väinämöinens in die luft fliegt und ihm zwei zehen abgehauen werden, aus denen das salz im meere und das gras auf der erde entsteht, erklärt: Sampo sei ein fliegendes, reichtum erzeugendes oder schätze bewachendes wesen, ähnlich wie der vogel ygvip in der Vorstellung der alten griechen. »Die etymologie des Wortes Sampo ist aber in ein undurchdringliches dunkel gehüllt gewesen.» Gleichzeitig war Waronen zu demselben (Suomen Museo 1896 s. 81 ) Aergleiche mit den wunderbaren vierfüssigen greifen gekommen; zugleich hatte er eine Vermutung Setälä's veröft'entlicht, welche dieser allerdings für noch nicht reif genug zur publikation gehalten hatte, dass Sampo etymologisch mit sammakko 'frosch' zu ver- binden sei. Die sachliche begründung giebt Wiklund sehr unvollkommen in einer anmerkung wieder: »Derlei fliegende untiere, greife, dra- chen spielen ja in den sagen aller Völker eine rolle». Dass die bedeutung »schatzbewahrendes wesen» hier das wesentliche ist, übersieht er und hält sich ausschliesslich an die mögliche etj'mo- logie des Wortes, wobei er zum zweiten und dritten mal wiederholt, dass Sampo ein frosch oder eine kröte sei. »Schliesslich weist die Zttr Kalevalafrage. iga Sprachwissenschaft nach, dass das wort Sampo, wenn es die be- zeichnung eines tieres sein sollte, einen frosch bedeuten muss. Wahrhaft ein grosser abstand zwischen einem fliegenden frosch und der sonne etc. ! » Es würde die Sprachwissenschaft — Sprachkenntnis wäre viel- leicht genügend — jedenfalls eine identifizierung der hergeleite- ten und der ursprünglichen (ety-mologischen) bedeutung eines Wor- tes nicht zulassen. Wenn die bedeutung des Sampo in der rune die eines schatzbewahrenden drachenvogels ist so ist die etN'molo- gische Verbindung des Wortes mit sammakko nur von sekundärer Wichtigkeit. In derselben weise m3'thologisierend könnte man z. b. behaupten, dass in dem zauberliede vom Ursprung der schlänge Judas Ischariot >der böse > (konna) ursprünglich eine kröte gewe- sen sei, wie auch die estnischen sänger das finnische wort miss- verstanden haben (FUF I 159). Die hauptsache jedoch ist, dass tue auf jene prosavariante gegründete annähme schwerlich haltbar sein kann, da die form derselben wahrscheinlich eine verstümmelte ist. Sogar die vorsichtige reservation Wiklund's : »wenn Sampo die bezeichnung eines tieres sein sollte» hilft nicht viel, da in der zoologischen reihe: vogel — drache — kröte — der fisch ver- iressen worden ist! Ich bin hier dem leser die erklärung meiner ansieht inbetrefF les Sampomythus schuldig und will sie in aller kürze liefern. Zugleich aber verweise ich auf eine ausführlichere begründung, die hoffentlich im nächsten jähre erscheinen wird. Von den Varianten des Sampoliedes ist die südlichste in Finland, die in Ilomants Finnisch-Karelien) vertretene, am wenigsten berücksichtigt wor- den, weil sie vom Sampo keine handgreifliche Vorstellung giebt. Ihr Inhalt ist in der kürze folgender i'Kalevalan toisinnot IL r, n. 222, vgl. 223). Nach Verfertigung des bootes setzt Väinämöinen sowohl Ilma- rinen als Joukamoinen an die rüder und ergreift selbst das Steuer. In Pohjola angekommen schläfert er die männer ein. Darauf geht er zum Speicher, ladet sein ganzes schiff voll und lährt von Pohjola wieder ab. Joukaraoinen und Ilma- rinen fordern ihn auf zu singen, nachdem er den guten 'Sampi ikonjekt. nom. aus acc. Sammeni erhalten: das gold hing auf 1er brüst, auf dem köpfe strahlte das silber. Väinä- möinen zaudert anfangs, weil die p f o r t e n von Pohjola Zur Kalevalafratre. noch s i c h 1 1 ) a r sind, die Ij u n t e n d e c k e 1 noch schim- mern. Endlich aber lässt er sich überreden und singt. [Zu- gleich beisst die ameise den kranich in Pohjola, und der letztere stösst einen gellenden schrei aus;] Pohjola erwacht. Die herrin von Pohjola findet ihre her de verschwunden, bemannt ein schiff mit hundert ruderern, tausend müssig sitzen- den, um die raub er zu verfolgen. A'äinämöinen bittet 1 1 m a r i n e n nach r o r n e und J o u k a m o i n e n nach hinten zu spähen; hinten ist die luft unklar. Ilmarinen bit- tet V ä i n ä m ö i n e n um ein stück f e u e r s t e i n und z u n d e r , woraus ein unendlich langes riff gebildet wird. Daran erleidet das Pohjola-fahrzeug Schiffbruch. [Die herrin Pohjolas jedoch verwandelt sich in einen adler, setzt hundert mann auf ihre schwingen, tausend auf ihren sch^^anz] und erreicht bald die fliehenden. VäinämÖinen schlägt ihr mit seinem Steuerruder alle krallen ab mit ausnähme einer einzigen, womit sie das boot Väinämöinens in die höhe hebt. Auf Väinämöinens befehl senkt sich das boot wieder hinunter. (Es folgt eine etwas undeutliche Schilderung des nebeis, in welchem A'. drei nachte zubringt und welchen er dann mit einem peitschenschlage zerteilt. In einem anderen exemplare fällt beim heben des bootes das geraubte »ge- treide» ins meer; nur was unter den ruderbänken blieb, kam ans land.) Das Sampolied ist kein ursprünglich selbständiges lied, son- dern eine in Finnisch-Karelien durch Verbindung mehrerer lieder entstandene neubildung. Die lieder, aus welchen es zusammen- gesetzt ist, sind, ausser einigen in klammem gesetzten kleineren Stückchen: die Schiffahrt A'äinämöinens, Ilmarinens und Joukahai- nens, welche zur finnisch-karelischen form der Kantelerune gehört {mit gewöhnlichem druck bezeichnet); eine Variante des in Inger- manland beliebten gesanges von der befreiung der himmelslichter (spatium); und das in Ostkarelien gesungene lied von Ilmarinens brautwerbung (fetter druck). Die ähnlichkeiten mit dem ersteren liede wird jeder Kalevala- kenner leicht finden. A'on dem zweiten ingermanländischen liede mögen folgende Übereinstimmungen hervorgehoben werden: Gottes einziger Sohn reitet zu pferde aus um die sonne und den mond zu befreien — das dorf von Pohjola wird sichtbar, die pforten von Pohjola schimmern — das Pohjolavolk wird eingeschläfert, zuwei- Zur KalevalafraKa- levalavarianten» herauszugeben fingen seit 1871 (Borenius, Ge- XETZ u. a.) die neuesten liedersammlungen zu wissenschaftlichem zwecke an. Welche bedeutung das Kalevalaepos mittelbar für die ganze finnische forschung gehabt hat, kann fast jeder finnische forscher persönlich bezeugen; ich brauche nur darauf hinzuweisen, dass durch dasselbe Castren's lebensaufgabe ihre richtung erhielt. In der folkloristischen forschung treten von jetzt an die ma- terialien des Kalevalaepos, die aufzeichnungen der Volkslieder, in den Vordergrund. Es werden aber immer die lieder und die lietl- formen, welche mit der Kalevalaredaktion zusammenhängen, mit dem grössten interesse behandelt werden. Und stets wird der erforschung der finnischen runen das den höchsten reiz verleihen, dass sich aus ihnen ein ganzes epos hat bilden können. Zur Kalevalafrage. 203 Es bleibt aber noch eine frage übrig, welche in Finland, wenn luch nicht den Vertretern der neueren forschung, so doch den iusserhalb stehenden einige enttäuschung bereitet hat: haben die materialien des finnischen epos den wissenschaftlichen wert, wel- chen man für sie angenommen hat? Man hatte sich vorgestellt, dass die finnischen lieder i) absolut nationale erzeugnisse, 21 aus urheidnischer zeit und 3) hochmvthologischen inhalts seien. Es ist iliesell:)e sache wie mit der Eddaforschung, in welcher man statt von urgermanischen heidnischen mythen vielfach von i) entlehnten, 2) christlichen 3) legenden und märchen spricht. Die enttäuschung sowohl auf dem einen als dem anderen gebiet beruht teilweise auf einem missverständnis. Besonders der nachweis von entlehnungen, äussert Julius Krohn, »hat auf vielen selten schmerzliche gefühle geweckt, da man so gern in der Kale- vala ein durch und durch eigenartiges produkt des finnischen volksgeistes hat sehen wollen. — — Grossartig wäre freilich der L^edanke, dass das eigene volk imstande gewesen ist, aus der tiefe >eines geistes heraus alles zu schaffen, was alsdann seinen stolz (usmacht. Aber noch erhebender ist doch der anblick des einen grossen kulturstromes. — — Das eine volk nach dem andern empfängt ihn, entwickelt sich unter seinem einflusse und schickt ihn vergrössert und vermehrt zum nachbar». Es sei hinzugefügt, dass ja gerade die entlehnungen eine vergleichende folkloristische Wissenschaft möghch machen; das eigenartige hat zwar ein natio- nales, das entlehnte aber dazu noch ein internationales Interesse. Denn auch ein entlehnter stoft' ist gewöhnlich eigenartig umgestal- tet worden. »In bezug auf die dichtungen, um die es sich hier an erster stelle handelt, ist es nicht der stoff, welcher am wert- vollsten ist, sondern die künstlerische Umformung desselben.» Ausserdem sind die entlehnungen des Kalevalaepos stark übertrieben worden. Schon zu zelten Julius Krohn's hatte man aus seinen vergleichen zwischen den Edda- und Kalevalaliedern den schluss gezogen, dass fast die ganze dichtung von den skan- tlinaviern entlehnt worden sei ! Heutzutage sind durch den fort- schritt der forschung die gesanggebiete, der Eddalieder einerseits und der Kalevalalieder andrerseits, derart begrenzt und getrennt worden, dass eine direkte berührung zwischen ihnen absolut be- stritten werden muss. Die wenigen wirklichen ähnlichkeiten zwi- schen ihnen können nur durch eine dritte gemeinsame quelle 204 Zur Kalevalafrajje. erklärt werden, wie z. b. Sampo — Grotte aus einem allgemein europäischen märchen und der raub der sonne und des mondcs (die Jötunen — das Pohjolavolki aus einer christlichen legende, welche nacliweisbar auch die esten, und zwar unabhängig von den tinnen, aus germanisch-katholischer tradition erhalten haben. Ein wenig üljertreibt sogar Wiklund in der frage nach ent- lehnungen in der estnischen volkspoesie: »Sehr möglich und in gewissen fällen schon erwiesen ist, dass diese motive von ihren nachbarn. den Schweden im westen (und auf Dago und Ösel u. s. w.) und den letten im Süden zu den esten gekommen sind . Dies gründet sich, was die Schweden betrifft, auf ein einziges lied, das auf Ösel entstandene von der Jungfrau, welche erlöst werden soll. Später habe ich wohl ein paar legenden gefunden, in denen skandinavischer einfluss wahrscheinlich ist. Keine von diesen be- handelt aber einen Kalevalastoff. Es sind gerade die neuentdeck- ten estnischen materialien des Kalevalaepos, welche di'^ möglichkeit eines skandinavischen einflusses in vielen von Julius Krohn an- genommenen parallelen völlig widerlegen. Ebenso müssen die von ihm angenommenen litauischen und russischen entlehnungen auf einige wenige fälle beschränkt werden. Dass die karelier in Ingermanland etwas mehr als die hälfte ihrer erzählenden lieder von den esten erhalten haben, ist nicht im gewöhnlichen sinne eine entlehnung, sondern viel mehr ein Über- gang von einem dialekte zum andern. Das Verhältnis zwischen dem entlehnten und zugedichteten materiale bei der Wanderung eines gesanges aus Estland bis nach Russisch-Karelien erhellt ain deutlichsten aus Franssila's aufzählung der Zeilen des liedes von der grossen eiche (s. FUF I Anz. 26). In den 400 zeilen der archangelschen volkssänger sind bloss drei gedanken mit der est- nischen Urform gemeinsam: »die eiche wächst bis zum himmel — es fehlt der abhauer der eiche — die eiche wird abgehauen». Man kann sich den festen kern eines liedes kaum noch kleiner denken: Es ist fast zu bedauern, dass Julius Krohn's annähme vom eintlusse der Eddalieder nicht mehr lialtliar ist. Denn dadurch verlieren die Kalevalalieder eine wichtige Zeitbestimmung. Mit jetzigen mittein können wir mit Sicherheit nur bis 1300 hinauf- steigen. Gastox Paris hat die Überzeugung ausgesprochen, dass die im volksmunde erhaltenen lieder in Europa überhaupt nicht Zur Kalevalafrage. 20 = iilter sind, mit ausnähme einzelner tälle, für welche besondere be- weise jedesmal gefordert werden müssen. \'on diesem streng skeptischen Standpunkte aus müssen wir also warten, 1)is alle fin- nischen gesänge einzeln untersucht sind, und vorläufig mit der inöglichkeit rechnen, dass derselbe poetische frühling, welcher in den letzten Jahrhunderten des mittelalters die spanischen romanzen, die französischen »chansons», die englischen bailaden, die deut- schen Volkslieder, die skandinavischen »kämpeviser» und die russi- schen bylinen hervorbrachte, auch die finnische und estnische runen- poesie zur blute getrieben hat. \'om historischen und noch mehr vom sprachwissenschaft- lichen Standpunkte wäre es natürlich vorteilhaft handschriftliche aufzeichnungen aus so früher zeit wie möglich zu besitzen. Die mündliche Überlieferung und die späte schriftliche fixierung hat aber zum ersatz den praktischen vorteil zu bieten, dass die Kale- valagesänge dem finnischen leser fast unmittelbar verständHch und geniessbar sind. Welche pädagogische bedeutung das Kalevalaepos in den höheren klassen der elementarschulen und in den Volks- hochschulen dadurch erhält, dass es nicht bloss in einer Überset- zung oder vermittelst vieler sprachlicher Vorübungen, sondern im original mit hilfe leichter kommentarien zugänglich ist, wird jedem lehrer der muttersprache und der nationallitteratur ersichtlich sein. Vorderhand müssen wir uns wahrscheinlich auch damit zufrie- den geben, dass die finnischen, wie überhaupt die nordischen, mythen grösstenteils nicht im dunklen heidentum, sondern in der (lämmerung des Christentums entstanden sind. Es verhält sich damit ebenso wie mit den entlehnungen : ein nationaler geist hat (inen fremden stoflf aufgenommen, ein heidnischer sinn eine christ- liche idee empfangen und nach seiner eigenart umgebildet. Verlieren aber die Kalevalalieder bei dieser anschainig an wissenschaftlichem wert? \''om alten historisch-nationalen Stand- punkte gewissermassen, vom modernen folkloristisch-internationa- len : nein, im gegenteil. Wären die finnischen zauberlieder, wie CoMPARETTi behauptet, die ältesten erzeugnisse eines finnischen schamanismus, so wären sie wohl ein nationales wunder; sind sie aber die poetische blute der katholischen magie in ganz Europa, so haben sie ein unvergleichlich höheres internationales Interesse — von :>schamanistischer : finnischer zudichtung ist an ihnen auch in dem falle überirenuij. 2o6 Zur Kalevalafrage. Eher ist es in nationaler hinsieht schade, dass die epischen lieder des Kalevalaepos nicht historisch sind, nicht einmal im scha- manistischen sinne Comparetti's. Aber wie würden die kämpfe der alten finnen in einem entlegenen winkel Europas andere als ihre eigenen nachkommen interessieren? Ist aber das Kalevala ein reines sagenepos, d. h. enthält es auch bloss Stoffe der volksphan- tasie, so sind diese Stoffe für die allgemeine europäische sagen- forschung von nicht geringem wert. Und was ist endlich der historische kern in einem volksgesange? Oft ein trocknes faktum oder ein blosser name, worum ein reines phantasiegewebe sicli gebildet hat. Und da kann es ziemlich einerlei sein, ob Väinä- möinen und Ilmarinen historische personennamen oder alte götter- namen gewesen sind. Jedenfalls sind sie jetzt poetische t\-pen des finnischen volkscharakters. Die ästhetische Wertschätzung der Kalevaladichtung ist weder abhängig von den ansichten über den Ursprung der lieder noch von der frage nach dem ' anteil Lönnrots. Mehr als unnütz ist Wiklund's doppelte Wertschätzung: >Wäre das Kalevalaepos wirk- lich das werk des finnischen volkes gewesen, so hätten wohl die enthusiastischen worte, mit welchen es bei seinem erscheinen auf- genommen wurde, grösstenteils die probe bestanden auch vor einer strengeren kritik; wenn man aber zu der auffassung gekommen ist. dass es eigentlich von einer bestimmten person verfasst ist, welche nicht den breiten schichten des volkes, sondern den gebildeten klassen angehört hat, so müssen auch die forderungen an sein werk ganz bedeutend erhöht werden». Die volkspoesie braucht gewiss keine nachsieht und keine Vorrechte. Sie ist das beste- hende, frische, immer geniessbare, während die kunstdichter, abge- sehen von einzelnen ausnahmen, mit der zeit mehr oder weniger veralten. Ungeachtet dessen, dass das Kalevalaepos als ein volksepos bezeichnet werden muss, wenn dieser ausdruck überhaupt gebraucht wird, hat es seine mängel, denen gegenüber die finnischen forscher nicht blind gewesen sind. Andrerseits bietet es Schönheiten, denen auch WiKLUND von seinem Standpunkte die anerkennung giebt, dass sie »sicherlich ihren rühm l:)ewahren» werden; er hebt beson- ders die Schönheit der Aino- und KuUervorunen hervor, in welchen Lönnrots ästhetische anordnung verhältnismässig bedeutend ist. Die hauptsache jedoch ist, dass die meisten litteraturhistoriker. Zur Kaie valaf rage. 207 welche dem Kalevalaepos ihre anerkennung; gegeben, es als litte- rarisches produkt beurteilt haben, getrennt von der genetischen trage. Hat aber Lönnrot den ästhetischen wert seiner redaktion überschätzt? Er äussert sich in der vorrede zur alten Kalevala- redaktion (VK XLII): »Beiderlei giebt es, solche die unseren alten runen sehr grossen wert beilegen und andere, welche denselben nicht den geringsten geben. Meinerseits möchte ich sie nicht verächtlich behandelt, wennschon auch nicht allzu hoch geschätzt sehen. Mit den griechischen und römischen können sie nicht [in ästhetischer hinsieht] gleichgestellt werden, aber es genügt, wenn aus ihnen erhellt, dass unsere vorfahren auch in geistigen bestrebungen nicht ohne talent gewesen sind — und dies beweisen sie jedenfalls)^. Nicht einmal in dieser hinsieht hat Lönnrot sein volk »mysti- tiziert >. Ich bin gezwungen gewesen Wiklund's broschüre wie eine wissenschaftliche abhandlung mit peinlicher genauigkeit zu rezen- sieren, weil diese sowohl in Finland als im auslande als eine quell- schrift angewandt worden ist, mit hinweis auf seine autorität. l'm ihm nicht unrecht zu thun, will ich gern anerkennen, dass er der Kalevalalitteratur viel genauer und vollständiger gefolgt ist, als die meisten, welche ohne selbständige Studien über diesen gegenständ geschrieben haben. Es ist aber beim jetzigen Stand- punkte der wissensehaft fast unmöglich eine populäre darstellung zu geben, ohne eigene forschung in den manuskriptsammlungen getrieben zu haben. Julius Krohn's und Comparetti's ansichten können leicht jede für sich referiert werden, aber sie zusammen- zufassen und mit den neuesten erst bruchstückweise erschienenen torschungt-n zu vereinigen ist eine unmögliche aufgäbe, da sie ein- ander teilweise voraussetzen, teilweise ausschliessen. Auch sind manche Irrtümer dadurch entschuldigt, dass Wiklund diese Schrift für einen zufälligen Vortrag geschrieben hat; dass derselbe in einem akademischen kreise gehalten ist. erklärt vielleicht den stellenweise etwas übermütigen ton. welcher in einer ernsten volksschrift weni- ger am platze ist. Der finnische referent des Wiklundschen büchleins, seminar- lektor Hagfors, stellt, indem er bloss finnische forscher nennt, die Sache so dar, als enthielte dasselbe die hauptresultate der fin- nischen forschvmg. Da er JULIUS Krohn's Kalevalastutlien in 2o8 ^ur Kaie valaf rage. schwedischer üljersetzung kennt i:>sch()n 1887^^! das finnische ori- ginal von 1883 — 85 scheint ihm unbekannt zu sein), so hätte er sich die mühe geben können mit hilfe derselben Wiklund's bro- schüre zu kontrollieren, bevor er diese den volksschullehrern auf (las wärmste» empfahl. Das hätte man um so mehr erwartet, als er mit hohem wissenschaftlichen pathos das l)eklagt, was . tausende armer Schulkinder» noch heutzutage in Z. Topelius' »Buche von unserem lande» lesen müssen. Wessen hat sich denn Topelius schuldig gemacht? Ja, er hat gesagt, das Kalevalaepos sei eine der merkwürdigsten Volksdichtungen, welche je erschienen und dazu »das finnische volk glücklich gepriesen es zu besitzen . Die benennung »Volksdichtung» ist bereits erklärt worden, das attribut »merkwürdig» ist gewiss nicht allzu pretenziös. Und wäre auch die Kalevaladichtung durch und durch Lönnrots arbeit, so dürfte man doch gewiss das finnische volk glücklich preisen diese gross- artige Schilderung des Volkslebens zu besitzen, mit eben so gutem rechte, wie es z. h. ein glück für das finnische volk ist, dass es Runeberg's gedichte sein eigen nennen darf. Weiter wird aber noch auf eine dritte stelle bei Topelius hingewiesen: »Die ältesten Kalevalarunen sind durch Jahrtausende gegangen». In dieser äus- serung stützt sich Topelius auf die wissenschaftlichen resultate der Kalevalaforschung seiner zeit von Castrex bis Julius Krohn und Weselovskij (die rune von der weltschöpfung). Sogar die hvpo- these des Sampon^ythus von Setälä, an welche sich auch Hag- FORS hält, so weit er sie aus Wiklund's broschüre kennt, würde möglicherweise für Topelius sprechen, wenn sie haltbar wäre: auch CoMPARETTi setzt den anfang der runenpoesie in die zeit vor einem Jahrtausend. Die neueste, konsequent skeptische forschung muss sich wohl damit liegnügen vorläufig nur dem namen Ilmari- nen = votj. Inmar das alter von tausenden jähren zuschreiben zu können. — Wer aber Topelius jenen Vorwurf macht, müsste doch selber der Wissenschaft seiner eigenen zeit in seinem eigenen lande ein wenig folgen. Jemand hat sogar Hagfors' aufsatz für eine wissenschaftliche arbeit angesehen, welche wert wäre zusammen mit der W^ik- lundschen l)roschüre ins ausländ gesandt zu werden. Der deutsche referent in den Grenzboten hat beide erschöpfend benutzt, sogar die angriffe gegen Topelius wiedergebend. Aber obgleich er auf grund dieser zu dem resultate kommt, das Lönnrot mit dt-r Kaie- Zur Kalevalafrage. 209 valatlichtung sein volk »mystifiziert» hätte, nimmt schliesslich doch -ein eigenes unbefangenes urteil überhand: »andrerseits hat er sich durch dieses Werk um seine Stammesgenossen unsterbliche Ver- dienste erworben: denn durch ihn wurde das finnische Volk seiner Xationalität wieder bewusst; durch ihn wurde es zur Pflege der Muttersprache und der altfinnischen Poesie veranlasst, und durch ihn erst erhielt die finnische Poesie ihren berechtigten und bedeut- samen Platz in der Weltlitteratur > . Mehr verlangen wir in dieser hinsieht nicht. Das Ivalevala- rpos ist und bleibt das »monumentum fere perennius» für das fin- nische volk, so lange es lebt, und es bleibt es in der weltlitteratur noch lange, wenn einmal von diesem volke nur mehr der name übrig sein wird. Helsingfors, dezeniber 1901. Kaarle Krohx. P. S. Nachdem obiger aufsatz bereits in die druckerei gelie- fert, lese ich in Stockholms Dagblad ("A abends nr. 12) rinen artikel mit der Überschrift Kalevala. Dieser enthält ein refe- rat des referates in den Grenzboten und benutzt dasselbe als quell- schrift, ohne den ausdrücklichen hinweis auf die Wiklundsche bro- schüre zu beachten. Die sensationerregende wissenschaftliche ge- -chichte hat somit aus Upsala eine rundreise durch Finland und i^eutschland gemacht und wird bei ihrer rückkehr nach Schweden nicht mehr erkannt I Jedenfalls verdient der letzte referent vor den andern dafür anerkennung, dass er allein sich mit einiger kri- tik und reservation geäussert hat. Die meisten dürften wohl, sei es auch bloss dem namen nach, das Kalevala kennen, das nationalepos der finnen. das diese selber so hoch stellen und auch ausländer mit interesse stu- dieren. Man ist sich ja durchaus darüber klar geworden, dass die -ammlungen des berühmten Lönnrot eine menge sagenfragmente aus verschiedenen teilen des landes umfassten, und dass er eine rekonstruktion hatte vornehmen müssen. Keineswegs aber hat man diese rekonstruktion so aufgefasst, wie es Anton ^\'eis-Ulmenried in einem artikel in den Grenzboten thut. — — So weit der deutsche Verfasser. In einem punkte geht er unleugbar in der irre, da nämlich, wo er sagt, Lönnrot habe sein volk ->mvstifiziert». 2 I o Z"!" Kalevalafrage. Man wüsste nicht, dass er jemals hätte verheimhchen wollen, dass er seine aufzeichnungen verarbeitet hat. Auch ist er, wie verf. selbst anerkennt, ehrlich genug gewesen, das von ihm Ije- nutzte material uns so aufzubewahren und zu hinterlassen, wie es ihm in genauen aufzeichnungen vom munde des volkes vorlag. Von ossianischer romantik kann hier nicht die rede sein, und Lönnrot ist kein mystifizierender Macpherson./> Eine andere frage kann ja sein, wie weit die Verarbeitung wissenschattlich haltbar, litterarisch berechtigt oder im ganzen ge- nommen den anforderungen entsprechend ist, die man an eint- behutsame rekonstruktion stellen darf. Da das material noch vor- handen ist, wird man in Finland nicht waffenlos dastehen, wo es gilt angriffe wie den obigen zvu-ückzuschlagen, insofern es sich nämlich nicht in Wirklichkeit so verhalten sollte, dass Lönnrot zu viel aus eigener phantasie geschöpft hat. Hier haben also die fin- nischen gelehrten das wort zu ergreifen.» Ich hoffe, dass der anonyme referent im obigen die antwort finden wird. Nur muss er statt »sagenfragmenten/ mit metrischen volksgesängen, welche nicht in descendenter richtung fragmentarisch geworden, sondern in ascendenter zugewachsen sind, und statt der »rekonstruktion» mit einer entwicklung derselben rechnen. Was die litterarische berechtigung Lönnrots betrifft, brauche ich bloss auf seine eigene erklärung hinzuweisen (Litteraturbl. 1849 16): »Schliesshch, als sich kein einzelner volkssänger mehr mit mir messen konnte, was die masse der von mir gesammelten lieder anbelangt, glaubte ich da.sselbe recht zu besitzen, von dem ich überzeugt war, dass es sich die meisten volkssänger zuerkannten, — — oder um den ausdruck des Volksliedes zu gebrauchen: »ich schuf mich selbst zum zauberer, ich erhob mich selbst zum Sän- ger», d. h. ich betrachtete mich als einen volkssänger ebenso gut, wie jene es waren». K. K. Zakov Ethnologische skizze über die syrjänen. Besprechungen. Zakov. 3THoaornqecKifi o-iepK'b dbqt-.nvb. = Ethnologische skizze über die syrjänen. (rKiißaü Ciapnna, T. XI, 1901, s. 3 — 36.) Zakov hat sich das ziel gestellt eine skizze der entwicklung des syrjänischen volkes zu schreiben, die sich auf ethnographische und sprachliche thatsachen gründet. Zur bequemeren Übersicht über die kulturellen bedingungen der entwicklung der syrjänen, oder wie sich Zakov ausdrückt, »über die faktoren der psychischen entwick- lung des Volkes», stellt er folgendes Schema auf: die beschäftigun- gen des volkes; die natur der örtlichkeit, in der das volk lebt; die ältere kultur des volkes; seine somatischen eigenschaften ; kul- tureller einfluss der nachbarn; gewerbe. Auf diese rubriken ver- teilt Zakov seinen stoft", der doch allzu dürftig ist, als man ihn von einem ethnographen hätte erwarten dürfen, der dem stamme angehört, den er beschreiljt. Augenscheinlich wird es, dass den Ver- fasser nicht allein der wünsch geleitet hat das äussere und innere leben eines finnisch-ugrischen Stammes darzustellen, als auch das bestreben einen versuch einer »sociologischen» Charakteristik des Volkes zu geben. Indessen habe ich weder in dem schema des Verfassers noch in seiner betrachtung klarheit und triftigkeit der gründe gefunden. Um mich dem ersten zuzuwenden, so habe ich einiges bedenken bei dem ausdruck: die alte kultur des volkes. Was soll man hier unter dem worte alt verstehen? Identifiziert Zakov hier das alter mit dem begrifl" der Vergangenheit des volkes im allge- meinen, dann fragt man sich unwillkürlich: ist die Vergangenheit eines volkes nicht eine sehr komplizierte erscheinung, in der sich die einflüsse der bedingungen der gegend, in der das volk wohnt, seiner kulturellen beziehungen und der übrigen :>faktoren der psy- chischen entwicklung» wiederfinden! In diesem fall ist die dispo- sition des themas vom logischen gesichtspunkt wenig gelungen. \'ersteht aber Zakov unter der bezeichnung alt ein ältestes wieder- herzustellendes Stadium des kulturlebens eines volkes, so wird mein bedtnk^-n noch stärker. Eine alte kultur lebt weiter entweder im 212 Zakov Ethnologische skizze über die syrjänen. liewusstsein des volkes oder in seiner äusseren daseinsform, wt-lche — und da kommen wir wieder zu demselben schluss — sich initer dem einfluss jener »faktoren der psychischen entwicklung des Vol- kes» bildet, die der Verfasser an einer anderen stelle seiner abhand- lung erörtert. Der mangel an klarheit zeigt sich in ähnlichem masse in den ausführungen des verf. So verwechselt er z. b. bei der erklärung der herkunft der Zaubersprüche die Ursache mit der folge. Nach seiner ansieht ist die beschwörung bei den syrjänen aus der gewohnheit der syrjänischen Jäger entstanden im walde zur bezeichnung des weges gewisse zeichen anzubringen, die nur dem Jäger verständlich sind, der sie gemacht hat. In dieser weise »entsteht die Vorstellung eines geheimnisses, eines Zauberspruchs in dem sinn, wie ihn die syrjänen auffassen». Allem anschein nach kann kein zweilel dar- über sein, dass dieser Übergang des sinns nur liei dem wirklichen Vorhandensein der Vorstellung von der beschwörung möglich ist. Die mystische Stimmung ist die Ursache, nicht aber die folge der mystischen beziehung der syrjänen zu den zeichen in den bäumen. Indem Zakov von den bedingungen der örtlichkeit spricht, in der die syrjänen leiten, versucht er den einfluss dieser umgel:)ung auf die künstlerische entwicklung des Stammes zu bestimmen. Er meint, ihre künstlerischen anlagen hätten sich in den M-äldern des von l)reiten und tiefen strömen durchquerten russischen nordens nicht entwickeln können. Man braucht sich jedoch nur dir ent- zückten beschreibungen der nördlichen landschaften zu erinnern, die von Castren und unlängst von Karjalaixen ( »0.stjakkeja oppi- massa») gegeben worden sind, oder der waldlandschaften Siskin's und anderer künstler, so wird man an der richtigkeit der behauptung Zakov's gewaltigen anstand nehmen. Um den leser nicht mit einer aufzählung aller betrachtungen des Verfassers zu ermüden, die zweifei hervorrufen, lieschränke ich mich auf nur zwei weitere beispiele. Nach der ansieht Zakov's sind die rassen nur stufen in der entwicklung der mensclihi-it: ulie verschiedenen stamme sind auf verschiedenen stufen der biologischen entwicklung stehen geblieben, und so sind die rassen entstanden). Was in diesem falle der stamm darstellt, bleibt \-ollständi^" unklar. \'on diesem gesichtspunkt aus nennt Zakov die grossrussen und tataren (sind das rassen?) »die mannbaren» und die svrjänen >die jünsjüni^e». Die anscliauun OTniJienia pyccKaro asuKa n ciOßecHOCXH PlMneparopcKoü ana- aeMiii HayKb, t. 64). Braun 's buch giebt mehr, als der titel verspricht: der verf. hatte nicht nur von den goten zu reden, sondern auch von den nachbarn, die sie zu verschiedener zeit hatten ; aus diesem gründe sah er sich vor die notwendigkeit gestellt die alte karte von Mit- teleuropa wiederherzustellen, wobei ihm als hauptquelle Ptolemäus diente. Da er sich mit grossem interesse der germanischen weit zugewandt hatte, wie sie von Ptolemäus, Tacitus und Plinius be- schrieben ist, und den wünsch hegte die geographische läge einer menge von jenen geographen bekannten stammen zu bestimmen, musste Braun unbedingt auch die tinnen berühren. Leider ge- hören die urteile unseres germanisten über die linnen zu dem schwächsten in seinem buche. Er wiederholt mit Barsov (»OnepHii pyccKOT'i iiCTopiiHecKott reorpa({nn» = Entwurf einer russischen histori- schen geographie, 2 aufl.) und Nadezdin (»OnuTb HCTopiiMecKoii reo- rpa(})iH pyccKaro jiipa» =1 Versuch einer historischen geographie der russischen weit, 1837), dass östlich vom Dnjepr die finnische weit beginne, dass die linken nebenflüsse des Dnjepr, mit ausnähme der Desna, finnische namen tragen und dgl. mehr. Alles dies bed-arf der bestätigung. Es ist interessant zu sehen, wie sich diese theo- rie entwickelt hat, die im verlauf von 60 jähren von hand zu hand gegangen ist. Nadezdin, ihr begründer, hatte nicht eigentlich die finnen, sondern die tschuden im äuge, worunter er eine nicht ganz genau bestimmte Völkereinheit verstand; er nannte die linken neben- flüsse des Dnjepr die tschudischen, weil deren benennungen nicht aus dem slavischen zu erklären wai-en. Barsov identifiziert die tschuden mit den finnen, und auf diese weise entstand die durchaus falsche ansieht, an die sich auch Braun hält. Zur bekräftigung führt dieser forscher noch den namen des Nerus, eines nebenfius- ses der Desna, an, der nach seiner meinung die erinnerung an die alte Merja (Nerus aus *Merus) bewahrt hat. Freilich ist dies eine ganz vv-illkürliche annähme. Flussnamen mit ner, nar kennen wir sehr viele, die Nerusse in Preussen, den Wer, nebenfluss der Braun Goto-slavische Ijerührungeii. Warthe u. a. ^, und diese weisen uns eher nach Litauen als in die rinnische weit. Wie ich in meinem buche zu zeigen versucht habe, rinden sich in der geographischen nomenklatur Mittelrusslands ziem- lich viele litauische namen erhalten; zu ihnen wäre meiner meinung nach auch der tluss Nerus zu stellen. In dieser weise hält sich Braux an seine Vorgänger auch in der frage nach den linnen bei Ptolemäus, die er mit Zeuss irrtüm- licherweise statt der plinischen skiren hier erscheinen lässt. Wo dieses merkwürdige versehen herrührt, lässt Braun unerörtert, ja er geht nicht einmal auf die frage ein, die gleichwohl sehr wichtig ist. Eine lösung habe ich in meinem buch s. 15 vorzuschlagen versucht: »auf grund der ältesten weitkarten können wir behaupten, dass sich die römischen geographen die finnen irgendwo ober- halb Daciens gedacht haben, wobei sie die erzählungen der ger- manen von den barbaren im nordosten benutzten. Dieses wird auch durch andre thatsache bestätigt: bei Ptolemäus nehmen, wie schon ZeüSS vermutete und Braun bestätigt, den platz der skiren die finnen ein. Dies könnte sich nicht so verhalten, wenn er (wie auch Tacitus) nicht im norden der Karpathen am . lauf der Weichsel finnen gesehen hätte. Darnach verschwinden die rinnen bis zum VI. Jahrhundert aus der litteratur, eine neue be- kräftigung dessen, dass sie bei Agrippa und dann bei seinen nach- folgern, Tacitus und Ptolemäus, nur durch zufall in das Verzeichnis der Stämme geraten sind;>. Obgleich erst vor kurzem Snellman in seinem buch: > Itä- meren suomalaiset itsenäisyytensä aikana» (1896), das mit einer deutschen Übersicht versehen ist, die entstehung des namens Annus aus *Agnus berührt hat '•^, fährt Braun doch mit KoSKi- NEN, Müllenhof u. a. fort das Thiudosinaunxis bei Jordanes mit den tschuden (in Aunuksenmaaj zu identifizieren. Sehr eng hält sich Braun an Tomasek, indem er sich bemüht die nationalität der nichtskythischen stamme bei Herodot (c/i>dnco7Tn(päyoL — mord- winen, usXäyx^aivoi — tscheremissen, ßovöivot — permjakeni zu liestimmen, und dies ist sehr gut, weil die arbeit W. TomaIndem ich die Ausgaben Munkäcsi's (»Votjäk nepkölteszeti hag\'omänyok» 1887) und Wichmann's vergleiche, will ich bemer- ken, dass der phonetische Unterschied zwischen diesen nicht so gross ist, wie man auf den ersten Anblick glauben möchte. Die Finnländer gebrauchen näinlich in neuerer Zeit Buchstaben, welche von den unserigen ganz abweichen, woraus grosse \'erwirrung ent- stehen kann, zumal bei solchen Sprachen, welche man bloss liest, aber nicht hören kann. Nachdem ich M.'s Sammlung durchstudirt hatte und hierauf die von W. hervornahm, schien mir letztere so fremdartig, dass ich die schon bekannten Wörter nur mit grosser Anstrengung wieder erkannte. Ich befasste mich hernach wochenlang nur mit der Sprache W.'s, und als ich dann wieder zu M. griff, stellte sich wieder das alte Übel ein. Die \'erantwortung dafür trifft die Finnen, besonders in diesem Falle, da M.'s Sammlung der Wichmann'schen vorausging. Warum acceptirte dann nicht W. die Transscription von M.? Vielleicht deshalb, weil die von M. nicht vollständig genau ist? Allein ge- rade W.'s Text überzeugt uns davoTi, dass dies nicht der Fall ist und vielmehr M.'s Transscription ganz zuverlässig ist. Der Unter- schied ist ungefähr folgender (erst folgt M.'s Transscription; nach dem Doppelpunkte die von W.): ä:e: o:ö: e:e: e : i; u:ui: iü : 11. m; e : e; -.—'.• U, dS: c, ,5 ." tk dz; c : f's: ff : f/'z. Diese Laute ^ [Hier stehen im originale die durchquerten c und .S, welche unsere druckerei nicht besitzt.] 2 1 8 Transskription der finn.-ugr. sprachen. stimmen offenbar vollständig mit einander überein und demgemäss hätte man sie auch gleichförmig bezeichnen können, (1 . h . man hätte das bei uns in Gebrauch stehende Zei- chen acceptiren können. Anders steht die Sache bei jenen Lauten, die in M.\s Text oder in seinen Dialekten nicht vorkom- men, diesbezüglich hatte \V. natürlich freie Hand; aber auch da wäre es besser gewesen, wenn man die neuen Zeichen nach dem Muster der vorhandenen geschaffen hätte.» Wie wir irgend einen sprachlichen Laut zu t)ezeichnen haben, das ist eigentlich keine wissenschaftliche Frage, da es zur Darlegung wissenschaftlicher Wahrheiten ganz irrelevant ist, ob wir z. B. den Buchstaben ]) nach unserer Leseart, oder nach russischer Weise »/;> lesen, vmd der Werth unserer wissenschaftlichen Be- trachtungen wird nicht davon bestimmt, ob wir den palatalen Xasal mit /"■/ schreiben, wie es BuDEN'Z that, oder mit )). wie ihn SziN- XVEI emendirte, oder mit rj, wie es jetzt Set.\lä wünscht. Die Hauptsache dabei ist, dass unsere Schreibweise zweckentspre- chend sei und dass sie in möglichst weiten Kreisen Aufnahme finde; dessen erste Bedingung ist aber, wie bei jedem gesellschaft- lichen Übereinkommen, dass man die historischen Prämissen nicht ausser Acht lasse. Was thut aber nun Setälä? Er ignorirt vollständig, dass wir in Ungarn schon seit ungefähr drei Dezennien unsere stabile sprachwissenschaftliche Transscription haben, welche in einer ganzen Reihe literarischer Arbeiten, in unseren sämmtlichen sprachwissenschaftlichen Editionen zur Anwendung gelangt (u. zw. nicht bloss für die finnisch-magyarischen, sondern für sämmtliche ural-altaische Sprachen;, für welche unsere Buchdruckereien einge- richtet sind, und nun wünscht er, dass wir, diese aufgebend, aus blosser Hukligung vor der neuen Autorität, die neueren besonderen Bestimmungen der Finnen acceptiren, den durch ihr Vorgehen ent- standenen Wirrwarr auf unser Gebiet übertragen und dadurch mit unserer bisherigen Vergangenheit in Widerspruch gerathen sollen. Auf diese Weise hält es dann schwer, selbst unter den engeren Fachgenossen zur Übereinstimmung zu gelangen. Davon wollen wir gar nicht sprechen, dass wir uns doch vor den Forschern der übrigen Zweige der ural-altaischen vSprachwissenschaft nicht ver- schliessen können, mit denen wir - — obwohl die \'erwandtschafts- frage in irgend einem grösseren Werke noch immer nicht einge- hend dargelegt wurde — zufolge unseres Gegenstendes in aller- dings engerem Zusammenhange stehen. Allein betrachten wir uns näher jene Zweckmässigkeits-Rücksichten, die die gewünschten Neuerungen noth wendig machen würden. I. Unrichtig ist der bisher zur Bezeichnung des ungarischen >a» Lautes gebrauchte a Buchstabe; dafür müssen wir u schrei- ben, weil die schwedische literarische Schreibweise diesen Laut so bezeichnet. Dieser Grund ist aber noch nicht genug wichtig, um die Zweckmässigkeit der letzteren Bezeichnung anzuerkennen; Äusserung B. Munkäcsi's. 219 (lugegen verweisen wir darauf, dass in neuerer Zeit auch Katanov tlen Buchstaben a zur Bezeichnung^ des in den Wolf>a-tatari sehen Dialekten vorkommenden Lautes acceptirte. 2. Unrichtig ist die Schreibweise der durch Zurückziehung; der Zunge und Lippen gebildeten » Guttural- Vocale» ? und e (z. B. im tatarischen Tcez »Mädchen»), wofür namentlich / und e zu schrei- l)en wäre. Etwa deshalb, weil wir das Ringelchen bei dem Buch- staben a zur Bezeichnung der labialen Aussprache anwendeten? (Jegen die alte Praxis kann das kein entscheidender Grund sein. Ks ist üljrigens auch ein Unterschied in der Anwendung des Rin- gelchens, welches dort oben, hier aber unten ist, demnach mit ilieser Eintheilung eben so gut dem doppelten Zwecke dient, wie zum Beispiel der Punkt in Setälä's Vorschlag, der unten ange- wendet [t, (1) eine cacuminale Aussprache, oben aber (A, 0) eine geschlossenere Aussprache bezeichnet. 3. Zur Bezeichnung der den ungarischen langen 6, 6 Lauten entsprechenden kurzen Vocalen hatte ich früher die Zeichen 0^ ö gebraucht, da aber im Drucken der Punkt unter dem Buchstaben leicht abbrach, so vertauschte ich sie mit den Zeichen 0, ö. Setälä wünscht dagegen die Zeichen 0. Ö. bei dem früheren hingegen ge- stattet er aus »Bequemlichkeits-Rücksichten» auch das punktirte ö Zeichen (dessen entsprechender palataler Laut etwa das dreifach punktirte ö wäre?) Wo wäre nun der wesentliche Unterschied zwischen der alten und neuen Bezeichnungsweise, und warum sol- len wir jene verwerfen? Etwa deshalb, weil Setälä das Neben- zeichen - zur Bezeichnung der naso-oralen Aussprache braucht, (so : rt. ä)'- In diesen Fällen konnte er ja dasselbe Zeichen über dem Buchstaben gebrauchen, so wie wir dieses Zeichen aus bisher ge- brauchten. In Setälä's Buchstabensystem passt der von mir ge- brauchte Buchstabe ^, womit ich den dem ungarischen langen e entsprechenden kurzen Laut schreibe, indem ich den Buchstaben der früheren ungarischen linguistischen Transscription entnehme, welche dies für das gewöhnliche geschlossene e anwendete (nach heutiger ungarischer Bezeichnung: e). 4. Den Übergangslaut zwischen u und ü (z. B. in dem schwedischen Worte hus) bezeichne ich in meinen wotjakischen und wogulischen Aufzeichnungen mit //, womit ich Castren be- folge, der diesen Buchstaben in seiner burjatischen Grammatik und Wörterverzeichnis anwendet. Die Anhänger Setälä's gebrauchen dem gegenüber m (ein umgekehrtes m); dass aber dies logischer als jenes wäre, ist nicht einleuchtend. 5. Den dem ungarischen ö ähnlichen, aber mehr offenen wotjakischen und wogulischen Laut bezeichne ich mit 0; unsere fin- nischen Collegen schreiben in diesem Falle ein halb zugestutztes ö. Zur bezeichnung des offenen e ist ihnen aber der Halbschnitt die- ses Buchstaben schon ungeeignet, dafür schreiben sie also nicht mit grosser Consequenz s, dem bei uns das ä entspricht. 2 20 Transskription der finn.-ugr. sprachen. 6. Das Fehlen des Stimmtones bei einem gewöhnlich stimm- liaften Laute wird von Halasz mit den unten punktirten Buchsta- l)en /•, p, f etc. geschrieben (ich würde sie lieber mit unterpunk- tirten Medien bezeichnen). Nach der finnischen Transscription ist das Zeichen für solche Laute das entsprechende Kapitälchen (G, D, B), w^as aber in der Cursivschrift sehr ungeeignet ist (z. B. im esthnischen tuBa »Zimmer»). 7. Den palatalen Nasal schreibt man in neuerer Zeit allge- mein mit //; Setälä weicht davon ab, nach seiner Meinung wäre jy besser. Dieser Buchstabe hat aber im Griechischen eine ganz andere Aussprache. 8. Das Zeichen für den stimmhaften bilal^ialen Spirant ist bei uns der Buchstabe ir: anstatt dessen braucht Setälä das grie- chische ß, offenbar aus blosser Consequenz, weil wir nämlich auch die Buchstaben ;(, y, i^, d für die betreffenden Spiranten anwenden. Allein das neugriechische ß ist nichts anderes als unser v, während das englische tr vollkommen entspricht. 9. Sehr zweckmässige Zeichen sind unsere c und c (=z ung. c^ und cz), sowie das S und 5 (=. ung. ds und dz), aus denen ich zur Bezeichnung der mit dem cacuminalen t ausgesprochenen wotjakischen Variation das — und — ^ gebildet habe. Die buchstaben c und c gebraucht man auch auf dem Gebiet der indoeuropäischen Sprachen; die finnische Transscription jedoch verwirft auch diese, und zwar ebenfalls aus Consequenz, damit nämlich ein Buchstabe keinen doppelten Consonanten bezeichne. Nach derselben .sind die Bezeichnungen ts, fs, dz, dz die alleinseligmachenden, wo doch die zusammentreffenden Lautgruppen ts, ts nicht immer wie c, c aus- gesprochen werden (wie z. B. nicht in den ungarischen Wörtern ketsey, ve'tseg, ütszel). Und dann, wenn ein Buchstabe einen Dop- pellaut nicht bezeichnen dart\ warum dürfen in den langen Conso- nanten Ick, pp, tt u. s. w. zwei Buchstaben einen Laut bezeichnen und warum gebrauchen wir nicht auch hier derlei Dehnungszeichen wie bei den Vocalen ä, Ö u. s. w.? Darin liegt keine Consequenz; Consequenz ist aber auch gar nicht die Hauptsache. 10. Setälä wünscht, dass wir bei Anführung von Daten, die mit der gewöhnlichen Orthographie literarischer, vorzüglich der ungarischen, finnischen, esthnischen und lappländischen Sprachen geschrieben sind, oder wenn wir aus den Werken früherer Autoren (wie z. B. Reguly, Hunfal\'y, Budenz, Castren, Wiedemaxx, Ahlquist u. s. w.). Daten schöpfen, wir diese als »gröbere Trans- scription ^ von der »feineren Transscription» unterscheiden sollen und zwar durch fettere Lettern. Die Art und Weise, womit diese Unterscheidung durchzuführen wäre, würde den Anblick des Druckes überaus bunt gestalten (wenn wir z. B. neben ungarischen ^ [Im originale stehen hier die durchquerten c und .9, vgl. oben s. 217 fussnote.] Äiisserving B. Munkäcsi's. gemeinsprachlichen Daten Beispiele von Sprachdenkmälern und dia- lektischen Variationen mittheilen, würden ganze Zeilen mit fetter Schritt entstehen) und ohne Grund eventuell solche Daten hervor- heben, welche in der Abhandlung von geringerem Belange sind. Diese Unterscheidung ist auch ganz unnöthig, da wir doch unga- rische oder finnische Wörter nur hie und da transscribiren und wenn wir Daten älterer Schrittsteller anführen, wir doch ohnehin in Klammern die Quelle angeben, aus der wir unsere Daten schöp- fen und wir demnach keine Ursache haben, ein Missverständnis zu befürchten. Ich hofte nicht, dass mein schwaches Wort auf das Vorhaben unserer finnischen Fachgenossen Wirkung ausüben würde, und ob- wohl Setälä seine Arbeit Jedem, der sich mit finnisch-magyarischer Sprach- und Volkskunde befasst, zuschickte und ihn aufforderte, seine Bemerkungen dazu zu machen, nehme ich doch nicht an, dass diese, von welcher Seite sie auch kommen mögen, in irgend einem wesentlichen Punkte etwelche Veränderungen herbeiführen könnten. Wir können dies von den finnischen Gelehrten auch gar nicht verlangen; ist doch die Schreibweise, deren allgemeine An- nahme und Kanonisirung sie wünschen, schon seit last einem Jahr- zehnt in Gebrauch und gelangte bereits in einer ganzen Serie von literarischen Ausgaben zur Geltung. Unsere finnischen Collegen besitzen dazu genug Selbstgefühl und sind viel zu viel von dem Bewusstsein durchdrungen, dass sie vermöge ihres Zusammenhal- tens, ihrer Zahl und sonstiger günstigeren Umstände heutzutage die Führerrolle im Wettkampf der finnisch-magyarischen wissen- schaftlichen Bestrebungen haben, als dass sie geneigt wären, einem ihnen nicht convenirenden äusserlichen Einflüsse nachzugeben, selbst wenn auch ihnen die Einwendungen in dem einen oder anderen Punkte vielleicht begründet erscheinen sollten. Meine Worte sind in erster Reihe an meine ungarischen FachcoUegen, an den Rest der Budenzischen Schule gerichtet, denn das Verbreitungsstreben der finnischen linguistischen Schreibweise interessirt hauptsächlich sie. Ich wiederhole, die Transscription ist eigentlich keine wissen- schaftliche Frage, sondern eine Sache der Convention; die Einfüh- rung einer Menge neuer Zeichen mit Eliminirung gleichwertiger, längst gebrauchter und angewöhnter Buchstaben ist für uns gewiss nicht praktisch. Ohne Rücksichtnahme auf unsere historischen Prä- missen und unsere literarische Thätigkeit wurde die finnische sprach- wissenschaftliche Transscription zu einer Zeit festgestellt, als deren heutige Wortführer auf dem Gebiete der wissenschaftlichen Thätig- keit noch Anfänger waren, bei uns aber die eingebürgerte lingui- stische Schreibweise schon eine ansehnliche Vergangenheit und in BuDENZ einen europäischen Vertreter hatte. Uns kann keine Ver- antAvortung dafür treffen, wenn unsere Wege heute auseinander gehen und es wäre unklug von uns, ich kann sagen, sogar ein Zeichen des Mangels unserer eigenen Selbstschätzung, w^enn wir Transskription der finn.-ut^r. sprachen. bloss um eines zweifelwertigen Übereinkommens willen, ohne der Zweckmässio;keit auch nur mit einem Schritte näher zu kommen, mit unserer Vergangenheit brechen wollten, den Gebrauch unserer bisherigen Editionen dadurch erschweren und auf dieser Weise wir selbst dieselben hinsichtlich ihrer Form veraltet machen würden. Diese unsere ungarische sprachwissenschaftliche Transscription ist das Vermächtnis Budenz's. Meine Meinung in der aufgeworfe- nen Frage ist die: Möge diese Institution des grossen Meisters un- ter seinen Jüngern aufrecht bleiben, schon aus Pietät für ihn und als Zeichen der Zusammengehörigkeit seiner einstigen Schüler. Ich glaube nicht, dass diese Lösung der Entwickelung unserer Sprach- wissenschaft zum Schaden gereichen kihmte. Bernhard Muxkäcsi. 2. Zui' transskriptionsfrage. In seiner anzeige der FUF (Ethnographia XII 373 u. KSz. II 223 f.) verwirft MuNKÄcsi durchwegs die vorschlage Setälä's in Sachen der phonetischen transskription, wobei er sich auch auf eine bemerkung von mir beruft, die ich bei der besprechung von Wich- mann Wotjakische Sprachproben (NvK XXVI 494 1 geäussert habe. Es erscheint hieraus, als wäre ich auf demselben intransigentem Standpunkt mit Munkacsi; was aber bei weitem nicht der fall ist. Ohne auf jenen besonderen fall näher einzugehen, wo es sich doch nicht um eine allgemeine transskription handelte, und ohne mich weiters vor einem etwaigen Vorwurf der Inkonsequenz zu rechtferti- gen, erkläre ich die Verständigung über eine allgemeine transskrip- tionsweise für sehr wünschenswert, und bin im prinzip mit Setälä einverstanden. Nebst den sachlichen gründen hebt Ml'NKÄCSI noch gefühlsmomente, namentlich die pietät gegen unseren unvergesslichen meister Budenz hervor. Aber ich denke, niemand wird und kann es als eine pietätslosigkeit auffassen, wenn wir in rein wissenschaft- lichen Sachen von imserem lehrer abweichen. Darüber lässt sich allerdings überhaupt nicht streiten, ja sogar nach meiner meinung auch darüber nicht, ob die phonetische schritt eine wissenschaft- liche frage sei oder nicht, wäe es Munkacsi zu bezweifeln scheint. Unzweifelhaft ist doch die phonetik die wissenschaftliche grundlage IM. SziLASi. Zur transskriptioiisfrage. 223 aller Sprachwissenschaft, der lautlehre, der etjmologie etc., und ihre ausdriicksweise ist ja alleinii;- die phonetische Schrift: wie sollte also dieselbe keine wissenschaftliche frage sein? Demgemäss ist es also theoretisch begründet ein System der phonetischen transskription zu suchen, und ebenso sehr aus jirakti- schen rücksichten. Nur eine systematisch, nach bestimmten prinzi- pien geordnete schrift lässt sich weiter entwickeln, nämlich in strenger sachgemässer Ordnung, und wir müssen immer vorbereitet sein, dass neue laute entdeckt werden in bekannten oder noch unlieholienen Sprachschätzen, endlich dass mit Verfeinerung der phonetischen Instrumente neue beobachtungen und entdeckungen gemacht werden. Wollen wir also einer unheilbaren Verwirrung, die leider schon jetzt besteht, für alle zukunft vorbeugen, so haben wir eine transskription zu schallen, welche systematisch entwicke- lungslähig ist, eine schrift. worin das zeichen irgendwie mit der beschaflfenheit, der artikulation der lautes zusammenhängt. Dies kann natürlich auch nur mittels wissenschaftlicher forschung erreicht werden. \'on diesen gesichtspunkten aus betrachtet, erachte ich die vor- schlage Setälä's für sehr gelungene. Die zeichen, die er anwen- det, z. 1). • ■ , zeigen wirklich die art der artikulation. Es ist also gar kein grund vorhanden sich ablehnend dazu zu verhal- ten. Die Überlieferung, mit der, wenn sie fehlerhaft und unbrauch- bar ist, einmal doch gebrochen werden muss, kann hiebei nicht als allein massgebend in betracht kommen. Allenfalls aber ist die überlielenmg soweit es angeht in ehren zu halten. Denn erstens sind wir dazu gezwungen, da wir doch kein neues aiphabet machen können oder wollen; andererseits ist es pflicht das würdige zu kon- st-rvieren, mit anderen worten, wir sollen ohne zwingenden grund nichts an dem althergebrachten rütteln und ändern. Dies wird auch von Setälä hervorgehoben, dennoch glaube ich, dass er viele überflüssige neuerungen befürwortet. Ich habe schon oben bemerkt, dass wir an unser altes aipha- bet gebunden sind, hierin aber hauptsächlich an eine, um kurz zu sagen, einheitliche schrift. Wenn möglich, so ist die vielartige bunte schrift zu vermei- den, also es wären nicht zu vermengen im Innern des wortbildes: ai kleine und grosse lettern — b) verschiedener satz, z. b. antiqua mit kursiver — c) verschiedene Schriftarten, wie lateinische, griechi- 2 24 Transskription der finn.-ugr. sprachen. sehe, russische buchstaben — d) zahlen sind zu vermeiden — e) neue buchstaben ebenfalls. So dass zur lautbezeichnung nur die diakritischen zeichen zu verwenden wären, die prinzipiell mit der Überlieferung übereinstim- men und die gestalt der buchstaben nicht erheblich verändern. Aus praktischen bequemlichkeitsgründen wünsche ich dieselben unterhalb der zeile anzuwenden. Das sind die gesichtspunkte, nach denen ich eine transskrip- tion an den beigefügten tabellen, etwas abweichend von Set.\lä, versucht habe, und die ich hier kurz erklären möchte. Vorerst die konsonanten. 1. Setälä schreibt die stimmlosen medien mit kapitalschritt £,/>...; SlE\'ERS h, d . . . ; ich empfehle h, d ■ . . , weil v für die offenere articulation das zeichen ist. Das zeichen - entnehme ich von den vokalen, wo ich statt dessen zur Zurückziehung der zunge das allgemeine • • • anwende; also / = /', wie es auch Wikluxd und Wichmann gebrauchen. 2. Bei Setälä werden einige Spiranten mit griechischen buchstaben geschrieben, welche ich mit lateinischen ersetze; anstatt (f, ß — ' W, ic; anstatt g ^' g, beide auch bis jetzt üblich; nur das j^ habe ich gelassen, weil ähnliches auch in der lateinischen schritt vorkommt. So schreibe ich, und zwar nach alter Überlieferung, t, d, d statt i!A, (5, (?; f- statt .i; gestürztes .i für russisches r; (f) statt ip nach Sievers : >; für uvularisches o. Somit fehlen die kapitale und griechischen buchstaben i;f aus- genommen) in meiner konsonanten-transskription, da ich füglich das iy, welches nur eine kleine abweichung des lateinischen tt ist, nicht zu den griechischen buchstaben rechnen will. In der transskription der vokale sind meine abweichungen geringer. Wie ich schon oben bemerkt habe, schreibe ich i, statt /. Anstatt i — (e nach Wikluxd. Statt m, dessen wert ich nicht kenne, habe ich keinen Vertreter. Zur bezeichnung der engeren artikulation möchte ich • • • behalten, also P =^ e (ausgenommen «), so dass wir für schwedisches u anwenden könnten u = m. Zur Unterscheidung von (back) e bezeichne ich mit einem punkt an der Seite (mixed) f, und schreibe (mixed) 7. Alles übrige in SetäLÄ's vorschlagen linde ich annehm- bar und empfehlenswert, nur möchte ich es nicht für bindend erklä- ren, dass fortlaufender text kursiv gedruckt werde, nicht nur weil M. SziLASi. Zur transskriptiousfrage. 225 (las auch schon vom gewöhnlichen abweichend ist, sondern weil ich es auch für das äuge schädlich halte. Es wäre mir sehr angenehm, wenn ich mit diesen bescheide- nen vorschlagen etwas zu der sehr erwünschten gegenseitigen Ver- ständigung beigetragen hätte. Konsonanten. i oj ! sS i g" sj" CT, S 1 §5 ! je" §• A> 1 ?5^ V) u 1 -T^ 1 V i 1 1 vSeiteii- --^"S ! 1 'S» f V 5> CO* =0 05" •05 5?i 5< ?5C rSS ■JT. X X Sii '«'' ■^^ -*.i 's 'S in 'S c Ö <ü TS U -M (0 0 eß lU 'S a 1 Co 0 s 13 u "3 (U 2 S 'S 4) CO U •i "cö Cd 'S 0 - 13 cd 'S CO 0 U3 's «3 13 0 CS 226 Über d. programm unserer Zeitschrift. Vokale Die z 11 11 g e zu rück yezo " en vorwärts i i i i < i i i < e- < e,i=e) e e > (ß < m a \ ä a(=a) ^ \ a a ■ ■ 1 <} ä ' 0 ö, ö^ 1 1 i 0 oi=o) \ ö ö u u u \ ü ii (=m) // Budapest. M. SZILASI. Bemerkungen über das programm unserer Zeitschrift. Der aufforderung der redaktion folge leistend haben sich einige von den geehrten fachgenossen und interessenten teils in privat- briefen, teils in der zeitschriftenlitteratur über das programm unse- rer Zeitschrift geäussert. Eine auslese solcher äusserungen, welche bemerkungen oder zusätze dazu enthalten, werden wir in diesem und den folgenden heften unserer Zeitschrift veröffentlichen. Gestatten sie mir gütigst einige worte über das programm. Scharf lassen sich ja die grenzen einer solchen Zeitschrift über (las programui unserer Zeitschrift. 227 nicht ziehen : man wird vielfach in andere fächer überstreifen müs- sen, und so ist e«j auch recht. Den grössten vorzug erblicke ich darin, dass methodische bearbeitung als bedingung aufgestellt wird. Meine begründung ist ganz einfach : die grosse konkurrenz der vielen Zeitschriften hat viel »journalistische» elemente in die fachlitteratur gebracht; die 'beitrage» und die »közli» = »mitgeteilt von» sind baummassen, vor welchen man den wald nicht sieht. Die methodische behandlung allein steuert diesem übel. \'on nicht geringerer Wichtigkeit ist die absieht, den Littera- tur-Anzeiger methodisch zu gestalten. Er sollte meines erachtens in subdisciplinen zerfällt bearbeitet werden. Wenn der bearbeitung auch der charakter des bearljeitens aufgedrückt wird, desto besser: das gewicht kann auch negativ festgestellt werden. Budapest 19. 7. 01. Otto Herw.AN. 2. — — Was das programm der Zeitschrift betrifft, so ^•ermis.se ich darin einen hinweis auf Ortsnamen-, bezw. personennamenkunde, welche vielleicht verdient einen besonderen platz in dem programm zu rinden. St. Petersburg iS. 8. 1901. A. POGODIN. — — Wenn tue Finnisch-ugrischen Forschungen, neben selbständigen aufsätzen durch Übersetzungen, referate und biblio- gTaphische nachweise den jeweiligen stand der Wissenschaft be- leuchten wollen, so verdient dies dankbare anerkennung; die absieht indess, jährlich eine bibliographie der zeitschriftenlitteratur mit kur- zen inhaltsangaben zu liefern, legt dieselben bedenken nahe, denen dr. Preuschen in seiner »Zeitschrift für die neutestamentliche Wis- senschaft / kürzlich ausdruck gegeben hat. Die an sich ausserordentlich erklärliche Wertschätzung bibliographischer hülfsquellen hat nämlich dazu geführt, dass die verschiedensten Zeitschriften literaturverzeich- nisse bringen, die nur zu oft in unnützer Wiederholung derselben entsagungsvollen arbeit ganz oder teilweise das gleiche gebiet be- handeln, dabei aber alle miteinander die wünschenswerte Vollstän- digkeit vermissen lassen; diese kann in den heutzutage erreichba- ren grenzen nur von einem zentralorgan erfolgreich angestrebt werden, das die l)il)liographische materialsammlung zum mittelpunkt 2 28 E- ^'- Setälä. Die fiun.-ugr. studieu als iiniversitätsfach. seiner thätis^keit g;emacht hat. Wenn also die herausEcole Pratique des Hautes Etudes» professor der äthiopischen und der turanischen sprachen Joseph H.\levy schon seit 18 jähren wenig- stens eine finnisch-ugrische spräche, die ungarische, in den l^ereich seines Unterrichts gezogen hat. Über seine thätigkeit teilt mir prof. Halev}- in einem privatbriefe i'/g 1901) folgendes mit: »A part mon cours principal de langue ethiopienne. je fais regulierement une fois par semaine une Conference sur la gram- maire comparee des langues touraniennes. J'ai l'intention de la continuer aussi cet hiver; j'espere meme avoir quelques eleves de plus que Tan passe. Comme base d'etude j'explique l'epigraphie turco-runique de la Siberie et l'interpretation prend soin de faire connaitre les formes grammaticales et lexicographiques qui sont propres aux autres idiomes turcs connus. Pour la brauche ouralo- ' Zu merken ist, dass diese besprechung vor ilem erscheinen unserer bibliographie erschienen ist. Bemerk, d. red. Fiun.-uj^r. Vorlesungen und Übungen. 229 rinnoise, l'interet pratique nous conduit ;i enseigner le hongrois d'une maniere serieuse, mais toujours au point de vue scientifique dt- la Philologie comparee, d'abord vis-ä-vis des dialectes propre- inent rinnois, en suite en comparaisoii avec le turc qui se montre vraimt-nt apparentc ä la hranche finnoise. II y a dejä 18 ans qua ces (itudes sont en marche. Avant moi elles n'existaient pas en France. » In dem »Annuaire 1902» für die »Ecole Pratique des Hautes Etudes > berichtet prcf. Halevv über seine thätigkeit während 1900 i tolgendermassen : >Plusieurs Conferences ont ete consacrees ä la grammaire liongroise. Les exercices pratiques etaient regles de maniere que la meme phrase füt exprimee ä la fois en turc et en hongrois. Les eleves appartenant ä l'une ou ä l'autre de ces nationalites ont en la meilleure occasion de se rendre compte du genie de ces idiomes. Les noms de nombre turco-magv'ars ont ete l'objet d'une analyse inauguree pour la premiere fois.» E. N. Setälä. Vorlesungen und übung-en auf dem gebiete der finnisch-ugrischen sprach- und Volkskunde an den Universitäten Europas 190 1/2. Budapest, Ungarn. Gyulai, Pal, ö. o. prof. d. ung. litt. H.-S. 1901 rgeschichte der ungarischen litteratur von 1526 bis 1606 (2. teil), 4 st.; semi- narübungen, 3 st. F.-S. 1902: geschichte der ungarischen littera- tur von 1526 bis 1606 (3. teil), 4 st.; seminarübungen, 3 st. Beöthy, Zsolt, ö. o. prof. d. ästhetik und poetik. H.-S. 1901: überblick über die geschichte der ungarischen litteratur, I St.; erklärung von \^örösmarty's »Ket szomszedvär», 1 st. F.-S. 1902: geschichte der neueren ungarischen litteratur (XIX. Jahrhun- dert), 2 St. SiMONYi, ZsiGMOND, ö. o. prof. d. ung. spräche u. litt. H.-S. 1901 : syntax I. (der einfache satz), 3 st.; germanismen und Übersetzung aus dem deutschen, 2 st. ; philologische gesellschaft (für fortgeschrittenere), 2 st. F.-S. 1902: syntax II. (der zusam- mengesetzte satzj. 3 St.; syntax III. (wortfolge), 2 st.; philolo- 2^0 Finn.-ugr. Vorlesungen und Übungen. gische Gesellschaft (schriftliche arlieiten und abhandlumjen für fort- geschrittenere), 2 St. H.\MPEL, J(')ZSEF, ö. o. prof. d. numismatik u. klass. archäo- logie. F.-S. 1902: pannonische und dacische denkmäler, 2 st. SziNXYEi, JozsEF, ö. o. prof. d. altaischen sprachen. H.-S. 1901: einführung in die finnisch-ugrische Sprachvergleichung, dar- nach: finnisch, 2 st.; ungarische Sprachvergleichung (vergleichende laut- und formenlehrei, 2 st. ; finnisch-ugrische vergleichende lingui- stische Übungen (wogulische lektüre, für fortgeschrittenerei, i st. ; ungarische grammatik, 2 st. F.-S. 1902: finnisch (fortsetzung: Syntax und texterklärungi, 3 st. ; ungarische Sprachvergleichung (fortsetzung), 2 st.; finnisch-ugrische linguistische Übungen (wotja- kisch und syrjänisch), 2 st. M.ARCZALi, Henrik, ö. o. prof. il. mittelalterl. geschichte. H.-S. 1901: geschichte Ungarns von 1301 I)is 1437, 4 st.; die Chro- niken (seminarübungen), I st. F.-S. 1902: geschichte Ungarns von 1437 — 1526, 4 St.; Thurciczv und Bonfini ( seminarübungen 1. i st. Bekefi, REMUr, ü. o. prof. d. ung. kulturgeschichte. H.-S. 1901: quellen für die ungarische kulturgeschichte im XVIII. Jahr- hundert, I St. ; ungarische kulturgeschichte : konstituierung, ent- wicklung und leben der ungarischen gesellschaft, 4 st. F.-S. 1902: quellen für die ung. kulturgesch. u. s. w., i st.; ungarische kul- turgeschichte ; die ungarische gesellschaft in der neuzeit, 4 st. BODXÄR, ZsiGMOXD, privatdozent d. ung. litteratur. H.-S. 1901 ; die ungarische litteratur des XVII. und XVIII. Jahrhunderts, 2 st. ; geschichte der ungarischen litteratur des XIX. Jahrhunderts, unter bezugnahme auf die socialen bestrebungen, 2 st. F.-S. 1902: geschichte der litteratur des XMII. Jahrhunderts, 2 st. : litteratur- geschichte des XIX. Jahrhunderts u. s. w., 2 st. Negyesy, LÄSZL('), privatdozent d. hülfswiss. f. ung. littera- turgesch. H.-S. 1901 u. F.-S. 1902: ungarische stilübungen (für Studenten der philologisch-historischen Sektion), 2 st.; ungarische Stilübungen (für Studenten der mathematisch-naturwissenschaftlichen Sektion), 2 st. CSUDAY, Jexö, privatdozent d. ung. geschichte. F.-S. 1902: Ungarn während der regierung Matthias II. ZOLXAI, GY'UL-A., privatdozent d. ung. spräche. H.-S. 1901 : ungarische lautlehre, 2 st. ; lektüre und Übersetzung der poetischen Katahn-legende, i st. F.-S. 1902: bedeutungslehre, 2 st.; einlei- tung in das Studium der ungarischen Sprachgeschichte. Unsere Sprache zur zeit der Arpaden, i st. HORVÄTH, CYTilLL, privatdozent d. ung. litteratur. Magvari und Päzmäny, 2 st.; Pelbärt Temesväri und die ung. codexlittera- tur (fortsetzung), i st. l"inn.-ugr. Vorlesungen und Übungen. 23 1 AxGVAL, David, privatdozent d. ung. geschichte. H.-S. 1901 : Zrin\-i, das leben des dichters (fortsetzung). Thirring, Gustav, privatdozent f. demographie. H.-S. 1901 : demographie Ungarns, unter berücksichtigung der politisch-geogi"a- phischen Verhältnisse, i st. KoMÄROMV, AxDRÄs, privatdozent d. ung. geschichte. H.-S. 1901: geschichte l'ngarns vom tode Matthias' bis zur niederlage l)ei Mohäcs (1490 — 1526), 2 st. Melich, JÄNOS, privatdozent f. ung. etymologie. H.-S. 1901 : slavische fremdwörter im ungarischen Wortschatz, 2 st. F.-S. 1902: die christliche terminologie der ungarischen spräche, 2 st. Christiania, Norwegen. Nielsen, Konrad, dozent des lappischen und finnischen (^»kvänischen»). H.-S. 1901: finnisch, 3 st.; lappisch, 2 st.; lappi- sche dialektproben, i st. F.-S. 1902: finnisch (fortsetzung und schluss), 2 st. ; daran anschliessend eventuell einen neuen kursus im finnischen, 2 st. ; lappisch (fortsetzung), 3 st. Dorpat (Jurjev), Russland. Hermann, August, lektor der estnischen spräche. H.-S. 1901 : grammatik der estnischen spräche, i st. ; praktische Übungen, lek- türe ausgewählter stücke aus der estnischen litteratur mit etymolo- gischen und syntaktischen erläuterungen, i st. F.-S. 1902: gram- matik der finnischen spräche verbunden mit etymologischen und syntaktischen Übungen, i st. ; fortsetzung der praktischen Übungen nebst lektüre ausgewählter stücke aus der estnischen litteratur, i st. Helsingfors, Finland. Setälä, Emil Nestor, o. professor der finnischen spräche und litteratur (besorgt zeitweilig die professur für finnisch-ugrische Sprachforschung). H.-S. 1901: verbalflexion in den fiugr. sprachen, i St. ; phonetik, 2 st. ; seminarübungen über die prinzipien der Sprachgeschichte, 2 st.; schriftliche arbeiten. F.-S. 1902: verbal- fiexion (forts.), i st.; estnische Sprachgeschichte, 2 st.; seminar- übungen wechselnd über die prinzipien den Sprachgeschichte und über lappische Sprachgeschichte, 2 st.; schriftliche arbeiten. Krohn, Kaarle Leopold, a. o. professor der finnischen und vergleichenden volksdichtungsforschung (besorgt zeitweilig die pro- 232 Fimi.-ugr. Vorlesungen und Übungen. fessur für finnisclie spräche und litteratur). Kalevalaforschungen, 2 st. ; Kanteletarforschungen, 2 st. NiEMl, AUKUSTI Robert, dozent der finnischen htteratur und Volksdichtung. Erklärung ausgewählter stücke aus dem Neuen Kalevala (für pädagogen), i st. Cajander, Paavo Emil, o. lektor der finnischen spräche. Mündliche Übungen im finnischen, schriftliche Übungen, 2 st. Almberg, Anton Fredrik, a. o. lektor der ungarischen sprä- che. Ungarisch für das kandidatenexamen, 2 st. Paasikivi, Juho Kusti, a. o. lektor der finnischen spräche der Jurist, fakultät. Mündliche Übungen im finnischen und schriftliche arbeiten über juristische themen auf finnisch. Kasan, Russland. Anderson, Nikolai, lehrer der finnischen dialekte. Gramma- tik der mordwinischen spräche, 3 st. ; ethnographische Übersicht der ugrofinnischen stamme, 3 st. Klausenburg (Kolozsvar), Ungarn. SzECHY, Karoly, ö. o. prüf, der ung. litteraturgesch. und d. ästhetik. H.-S. 1901 : die litteratur der katholischen reaktion, 4 st.; ästhetische und litteraturhistorische erläuterung von Märton Debre- czeni's »Kiövi csata», 2 st.; geschichte der ungarischen spräche und der ungarisch-ugrischen vergleichenden Sprachwissenschaft, 4 st. F.-S. 1902: die litteratur der katholischen reaktion, zweiter teil, 4 St.; Käroly Kisfaludy's dramen, 2 st. SzÄDECZKY, Lajos, ö. o. prof. d. ung. geschichte. H.-S. 1901: geschichte Ungarns von 1300 bis 1526, 4 st.; quellen un- serer geschichte im XIV — XV. Jahrhundert, 2 st. F.-S. 1902: geschichte Ungarns von 1490 — 1606, 4 st.; geschichtliche quellen des XVI. jahrh., i st.; Übungen auf dem gebiete der Urkunden- forschung, 2 st. Vajda, Gyula, ö. o. prof. d. ung. kulturgeschichte. H.-S. 1901 u. F.-S. 1902: geschichte der materiellen und geistigen kul- tur Ungarns von 171 1 — 1848, 4 st.; kulturgeschichtliche bedeutung der dekaden des Antonio Bonfini, i st. PÖSTA, Bela, ö. o. prof. d. archäologie. F.-S. 1902: prak- tische altertumskunde, 3 st. Herrmann, Antal, privatdozent der ethnographie. H.-S. 1901 : ethnographische ausblicke, i st.; Übungen im ethnographischen I I F'inn.-ugr. Vorlesungen und Übungen. 233 museum, i st. F.-S. 1902: ethnographische ausblicke (fortsetzung), I St. ; über die volkspoesie, i st. Erdelyi, PÄl, privatdozent der neueren ungarischen httera- turgeschichte. F.-S. 1902: biographie Vörösmarty's, 2 st. Paris, Frankreich. (Ecole Pratique des Hautes Etudes. 1 H.XLKVV, Joseph, professeur de langue ethiopienne et des langues touraniennes. 1901 02: grammaire comparee des langues tuuraniennes, 1 h. Prag, Österreich (Böhmen). BrÄBEK, Frakti.sek, lektor der magyarischen spräche und litteratur. W.-S. 1901/2: grammatik der magyarischen spräche, tür anfänger, 2 st. ; altmag\-arische sagen, wie sie in der Volks- dichtung und in moderner bearbeitung (Arany u. a.) erscheinen, I St. S.-S. 1902: grammatik der magyarischen spräche, 2 st.; kurze Übersicht der ganzen magj'arischen litteraturgeschichte. St. Petersburg, Russland.. Kallas, Oskak Philipp, privatdozent der vergleichenden Sprachwissenschaft. F.-S. 1902: praktischer kursus der finnischen spräche, i st. Upsala, Schweden. WiKLUND, Karl Bernhard, dozent der finnisch-ugrischen Sprachwissenschaft. H.-S. 1901: u. F.-S. 1902: lappisch, 2 st.; estnisch, l st. Wien, Österreich. Tomecsek, Georg, akad. lehrer des ungarischen. Zwei kurse in der ungarischen spräche, einen für anfänger (2 st.; den anderen für vorgeschrittene (i st.). 234 Mitteilungen. Mitteilungen. Statistische mitteilung-en über mordwinen, tsche- remissen, wotjaken und syrjänen. Im gonvernement Kasan gab es im jähre 1899 126,394 tscheremi ssen, 25,794 mordwinen und 10,460 wotjaken. — Von den tscheremissen wohnten 63,882 (darunter 3,765 heiden 1 im kreise Carevokoksajsk, 38,857 im kr. Kozmodemjansk, 16,012 im kr. Ceboksark, 5,578 (darunter 304 heiden) im kr. Kasan unil 2,065 (darunter 1,009 heiden) im kr. MamadyS- — Von den mordwinen: 11,030 im kr. ('istopol, 7,823 im kr. Spassk, 6,890 im kr. Tetjusi und 51 im kr. Ka.san (in der Stadt Kasan). — Von den wotjaken: 9,228 (darunter 2,745 heiden) im kr. Mamadys und 1,232 im kr. Kasan '. Im gouvernement Wjatka, in demselben jähre, wotjaken: 397,817, tscheremissen: 150,836 und syrjänen ( »permjaken» ) 13,268. — Von den wotjaken wohnten 163,763 (darunter 7,575 bessermanen) im kr. Glazov, 99,797 (darunter 43 bessermanen) im kr. Sarapul, 70,476 im kr. Malmyz, 56,131 im kr. Jelabuga, 5,924 im kr. Slobodsk, 1,358 im kr. Urzum und in verschiedenen Städten 368. — \'on den tscheremissen wohnten 77,444 im kr. Urzum, 55,681 im kr. Jaransk, 9,684 im kr. Malmyz, 6,087 im kr. Jelabuga, 1,557 im kr. Sarapul und 383 im kr. Kotelnic''. — Von den syrjänen 7,720 im kr. Glazov und 5,548 im kr. Orlov "-. Im govivernement Ufa, in demselben jähre, wotjaken: im kr. Birsk 22,251 ^ und im kr. Menzelinsk 59 (im dorfe Uzungu- lova in der wolost Aktanj'sev^sk) *, im ganzen: 22,310. Tsche- remissen gab es im kr. Birsk 64,843 •* und im kr. Menzelinsk ungef. 500 ■* (ausserdem giebt es tscheremissen auch im kr. Belebeii. ' Oösopb KiiiiaHCKdil ryoepinn ;!ii ISij!» nub. Kazau 1!)00. - IlaMMTHiifl KHna;Ka B^tckuii ryoepHiii n Ku.it^HMpb Ha I!H»1 niri,. Kazan 1900. ' OöopHHK'fc cxaTHCTHqecivHxi, (■Bb.it.HÜi IM .V(|iiiMci;'in ryo. T. V. liHp- cKiü yfeuÄi. Ufa l'JOO. • Ibid. T. VII. Menae.niHCKifi \ t.:i,xi.. Ufa liHM). Tliätigkeit wissenscliaftl. ges. u. instit. Litterarisches. 235 Wenn wir beachten, dass es noch im u^ouv. Perm iingef. 4,000, im o^ouv. Samara unscef. 1,300 wotjaken, und im gouv. Perm unget. 15,000, im gouv. Niznyi Novgorod ungef. 5,460 und im gouv. Kostroma ungef. 3,000 tscheremissen giebt, wäre die gesammtzahl der woljaken wenigstens 435,887 und die der tscheremissen wenigstens 3 6 6,033. Y. W. I Thätig'keit wissenschaftlicher g-esellschaften und institute. Litterarisches. - — Auf die FL'F I Anz. 173 erwähnten preisaufgaben der rngarischen Akademie der Wissenschaften hin, für die die kon- kurrenzzeit am 30. sept. 1901 ablief, sind preisschriften über die türkischen elemente im ungarischen (von B. MunkÄcsi und J. IvÜNOS), über die quellen der ungarischen Codices und über die geschichte Ungarns (Semsey-preis) eingelaufen. Dagegen haben sich um die Semsej'-preise auf eine wissenschaftl. ungarische gramma- tik, geschichte der ungarischen litteratur und archäologie Ungarns keine bewerber eingestellt. — Das Kalevala auf italienisch. Von der italienischen Kalevala-übersetzung prof. P. E. Pavolini's (FUF I Anz. 176) ist die Übersetzung der 41. rune (über den gesang imd das spiel X'äinämöinens) bereits erschienen (II XLI" Runo del Kalevala. Tradotto da P. E. Pavolini. Remo Sandron — editore, Milano-Pa- lermoj. Ein grosser teil der Übersetzung liegt schon im manu- skript fertig vor, obgleich die urprüngliche absieht des Übersetzers, das ganze am 9. april 1902 (der 100. Wiederkehr des geburtstages Lönnrot's) erscheinen zu lassen, sich nicht verwirklichen lassen dürfte. Forschung sreisen. — Dr. H. Paasonen, Stipendiat der Helsinglbrser Universität, hat sich nach seiner rückkehr aus Surgut auf dem mordwinischen gebiet im bezirk Tambov aufgehalten und sich u. a. mit den sog. b 236 ^Mitteilungen. Karatai-morchvinen l^efasst. Hiernach ist er nach Kasan gereist. wo er sich mit der Sichtung und ergänzung seiner auf der langin forschungsreise gesammelten reichen materialien beschäftigt. — Dr. Yrjö Wichm.anx, Stipendiat tler linnischen Universität. befindet sich jetzt auf einer forschungsreise zu den syrjänen. Kr brach im september von Helsingfors auf. In den bibhotheken zu Petersburg und Moskau hatte er das glück für die ältere syrjäni- sche litteratur bedeutsame funde zu machen, mit deren hülfe sich u. a. die liturgie des Hl. Stefans annähernd rekonstruieren lässt. Ferner hat er in ^'qlogda von einem heiligenbild eine alte svrjäni- sche Inschrift kopiert, die der forschung bisher nur in mangelhafter nachbildung zu geböte gestanden hat. Über Vologda. Utsjug, Kotlas und Jarensk ist dr. W. am 19. Oktober 1901 in Utssysolsk ein- getroffen, wo er in reins^TJänischer gegend seinen Studien obliegt. Durch Schüler, die aus der Petschora-gegend gebürtig sind, hat er sich daselbst auch mit dem dialekt dieser gegend vertraut machen können. — Mag. phil. K. F". K.xrj.-M.AINEX, Stipendiat der Helsingfor- ser Universität (mit unterstützimg aus den dispositionsmitteln des kanzlers) und der Finnisch-ugrischen Gesellschaft, ist nach einem längeren aufenthalt in Surgut. während dessen er auch einen ab- stecher nach Alexandrovo am oberen Ob machte, gegen ende des sommers 1901 nach Berezov weitergereist, wo er auch den Kaz\'m- dialekt untersucht hat. Im anfang des Jahres 1902 beabsichtigt er sich nach Obdorsk zu begeben und im trühling mit dem Studium der mundarten zwischen Berezov und .Samarovo zu beginnen. — Mag. phil. Artturi K.wnisto ist als Stipendiat der Hel- singforser Universität (mit Unterstützung aus den dispositionsmitteln des kanzlers) und der Finnisch-ugrischen Gesellschaft zwecks sprach- licher Studien zu den wogulen gereist. Den i. november d. j. kam er in Tobolsk an, wo er etwa drei wochen Studien in dem gouvemementsmuseum trieb. Am 29. nov. traf er in Pel3rm ein, wo er einen monatlang Sprachstudien oblag. Ende dezember 1901 reiste er nach dem kirchdorl Verch-Pelymsk um seiire wogulischen Studien fortzusetzen. Personalien. 237 Personalien. — \'ILH. Thomsen. Professor der \ ergUicluMulen Sprachwis- senschaft (und jetziger rektorj an der Universität Kopenhaj>;en feierte den 25. Januar 1902 die 6o:ste Wiederkehr seines geburtstages. L'nter den glückwunschzuschriften sind an erster stelle zwei adres- sen zu nennen, die eine von der Finnisch-ugrischen Gesellschaft und die andere von der Finnischen Litteraturgesellschaft, deren fhrenmitglied prof. Thomsen ist. Der einband der ersteren war mit natürlicher birkenrinde bekleidet, und beide mit dem tinländi- schen wappen geziert; die beiden adressen haben neben der Würdi- gung der bedeutung Thomsens für die internationale Wissenschaft und für sein Vaterland besonders seine Verdienste auf dem finnisch- ugrischen und finnischen forschungsgebiete hervorgehoben. — Aus- serdem sind telegramme von der Ungarischen Akademie der Wis- senschaften, von den ungarischen Sprachforschern, von finländischen gelehrten u. a. (eins mit 105 unterschritten) eingegangen. — Zum Professor der ungarischen Sprachwissenschaft und vergleichenden ugrischen linguistik an der Universität Kolozsvär (Klausenburg) ist (nach dem neulich verstorbenen I. Halasz) von derselben Universität M. SziLASi, professor am Eötvösinstitut (Insti- tut für künftige g\'mnasiallehrer) in Budapest berufen worden. Um die Professur hatten sich l>e\vorben N. KöNNYE, J. Melich, B. Vi- kar und Gy. Z0LN.A.1. Die schliessliche entscheidung hängt von dem k. ung. kultusminister ab. — Zum privatdozenten der vergleichenden (finnischen) Sprach- wissenschaft an der St. Petersburger Universität ist dr. Oskar Kallas ernannt worden. Am 6. febr. 1902 hielt er seine antrittsvorlesung, in welcher er »die entwickelung der finnischen Schriftsprache» be- handelte. — ■ Zum korrespondierenden mitgliede der Ungarischen Aka- demie der Wissenschaften wurden in der general Versammlung der Akademie im mai 1901 dr. L. Katoxa und zu ausw^ärtigen mit- gliedern derselben Akademie die prof. Fr. Hirth und H. OsTHOFF gewählt. — Zu auswärtigen mitgliedern der Finnisch-ugrischen Gesell- schaft wurden in der jahres.sitzung am 2. dez. 1901 präsident der 2:ten abteilung der St. Petersburger akademie, prof. A. \'eselovsky, vicepräsident der Kais. Russischen Geographischen Gesellschaft P. Semkxov und prof. ]. Baudouix de Courtexay gewählt. — Als bewerber um die vakante professur für finnisch-ugri- sche Sprachforschung an der Helsingforser Universität haben sich gemeldet H. Paasonen und Yrjö Wichmaxx. 238 Autoren Verzeichnis. Autorenverzeichnis zu der bibliographie für das jähr 1900. Aborigen-Vyc egodskij. Ust- . sysolsk. VI 3. Abränvi K. Räkoczv-lied u. -marsrh. VIII 219. Acsädy I. Die kolonisation in unsr. geschichte. VIII '296. Ailio J. Die geschichte d. Weih- nachtsbaumes. U 112. — Ein brouzezeitl. hügelgrab im kirch- spiel Pernio. II 1.05. — Zur Vor- geschichte d. getreidearten. II 152. Alenius C. F. IX 8. Anderson X. Zur etj^mol. d. kantele. kankles. II 14. — Zur etvmol. d. benennungen Biar- mija, Periii, permjaki u. Z3'rjane. VI 1. Apponyi S. Ausländ, druck- schriften, die sich auf Ungarn , beziehen. VIII s. Asböth 0. Bürü. VIII 51. — Das seklerwort csinälmäny. VIII 54. — Die anfange d. ung.-slav. ethnisclien berührung VllI 71. VIII 69. VIII 7(1. — Lencse — szerencse. VIII 46. — Ort u. zeit d. aufnähme d. slav. Wör- ter ins ung. VIII 69. VIII 7(i. — Szavaty, zavagy, zuvat. V'III 42. — AVie ist zuodus zu lesen? VIII 43. Zivatar u. zaj. VIII 45. Aspelin J. ü. Der handelsplatz Koroinen in Räntamäki. II 159. — Die briider Hijo, Oulas u. Limas. II 78. — AA ahrsagungen Kihovauhkonen's. II 81. A t o V i c h F. Die johannisgebräu- che in d. Zobor-gegend. VIII 256. B a I a s s a J. Deutsch-uug. u. ung.- deutsch. schulwöiterbuch. I. VlIT 156. — Die deutschen lehnwör- ter d. ung. spr. VIII 75. — Die ung. benennungen d. sprech- fehler. VIII 1 68. — Kleine ung. Sprachlehre. VIII 148.^ — Komö- dien über d. neologismus. VIII 186. — Phon, iustrumente füi' d. unterr. d. taubstummen. I. KX». B a 1 ä s V D. Weihnachtsglück- wünsche. VIII 213 b. Ballö I. Daten zur geschichte d. sekler. VIII 107. — Verzeich- nis d. alten hausar/neien d. bauern. VIII 246. Balogli P. Die völkerrassen in Unoarn. VIII 285. — Ung. Sprach- lehre. VIII 149. Bär dos E. Beitr. zur bedeu- tungslehre d. neologismus. VIII 1'34 B a r d o s s y ü . Über d. verwandt- sch. d. sprachen. I 93. B a r t h a J. Ung. Sprachlehre. VIU 150. Batky Zs. Die spielpuppe. 1 138."— Käte Tamäs, säni>erin aus Bänffv-Hunyad. VIir281. — Verbreit. d. sicheln. T 139. 1 140. Beiän}"! T. Von d. benemiun- gen d. teile d. leiterwagens. VIIl 89. Bellaagh A. Th. Kempis. De imitatione Christi. VIII 108. Bellosics B. Alter aberglaube. VIII 244. B e n e d e k A. Beiträge zu d. ung. bestandteilen d. slovak. spr. VIII 76. Benedek E. Die allerschönsten märchen. VIII 227. — Riesen u. zwerge. VIII 229. — Sagen d mongoleneinfalles u. and. mär- chen. VIII 230. — Schnurrige märchen. VIII 226. — Vergan- genheit u. gegenwart d. tmg. Autorenverzeichnis. 239 Volkes. YIII 187. — Zauber- uiärchen. VlII 228. Benkö I. Aus d. archiv d. famil. S/odoray. VlII 111. B e ö t h 3' Zz. Die ung. litt, zur zeit d. Mohäcser schlacht. VIII 167. — Gesohirlite d. un<>-. litter. Vm löö. Eerendts A. Altere estn. druk- ke. II s. Ber;!4-roth 0. Von einer reise in ßuss.-Karelien. II 126. Bern er E. Jahresber. d. Ge- schichtswissenschaft. I 17. Bezzenh erger A. Urspr., be- deut. und verbieit. d. volksna- mens ..("«udden". II 41. Bihari K. Prakt. phon für d. Unterricht d. taubstummen. I 99. B i 1 1 s o n Cii. J. The popul. Poe- trv of the Finns. II 67. Binder J. Parallelen zu Aranv. VIII 1S2. B i r k ä s G . Beitr. zu d. volks- poesie jenseits d. Donau. VIII 211 a. B l o m s t e d t Y. Karelische ge- bäude u. ornanientsmotive. II 123. Hödiss J. Die lehre d. aktio- nen in tlieorie u. prax. I 104. B o d n ä r Zs. Das Schicksal d. völkerras.sen. I 107. H o e r M. Ethnogr. skizze v. Szi- lägysäg. VIII 191. — Über d. Völkerschaften v. Szilägysäg. VIII 19(1. Bognär T. Beitr. zur geschichte d. Wanderung v. märchen. VIII 221 1. Bogdj a vi enskij S. K. Aus- grabungen in d. gou\'. Livland u. Kurland. II 165. B o 1 d t \l . Ortsbeschreibungen in Finland. II 150. Borsos I. Daten zur geschichte d. ung. metrischen dichtung. VIII 181». B ö 1 ö n i T. Popul. -wissenschaft- liche vortrage. VlII 266. Brancic B. Magyar, grammatik. VIII 155. Ijrun .V. W. Das hörn dapp.j. IX 25. B u c h li (1 1 1 z A. Funde aus d. bronzezeit. II 161. — Über grä- ber im Kokenhusenschen kirch- s[>iele. 11 166. Budenz J. Finn. Sprachlehre. II 32. Caunelin K Gebr. d. partic. I. pass. im finn. II 28. C a r 1 b 1 o m J. Eine estn. übers. Horaz'scher Oden. II 64. C e r n a v s k i j X. Die orenburg. eparchie. V 5. C h a r u z i n N. Xamenszeichen bei d. Mordwinen im XVI. u. XVII. jh. ly 3. C s a 1 1 a n Y G- Über d. avar. grab- funde. Vin 304. Cserna J. Die csängös u. ihre Sitten. VIII 196. Csikös I. Der aberglaube in d. palästen. VIII 249. C s o m a J. Der brautschatz d. Dora Gechey 1548. VIII 98. — Nachlass v. Steph. Panka 1596. VIII 106. — Regestr., factum super res mobiles Martini Gett- se3 . VIII 99. C z i m m ermann J . Sprachneue- rer u. Sprachbildner. VIII 128. — D. Szobö V. Barczafalu. VIII 129. Cziraky Gy. Über d. alt. denk- mäler aus Bogojeva. VIII .302. C z i r b u s z G . Avassäg. land u. Volk. VIII 192. Dalotti Ö. Charakterisierung d. Volkes uns. Alfölds. VIII 189. D a r n a 3' S z e n t ni ä r t o n i K. Die Urzeit Ungarns. VIII .301. Deäk I. Sagenkreis d. Vägge- gend. VIII 224. D e n e s M. Laut- u. formenlehre d. Winkler-codex. VIII 10. Deniker J. Les dernieres fouil- les dans le gouv. de St. Peters- bourg. II 168. — Les races et les peuples de la terre. 1 106. Deri Gy. Über ung. tanze. VIII 260. D e z s i L. Die pflichten d. rek- tors d. Bethlenkollegs zu Nagy- Enyed. VIII 124. — Die ung. Übersetzung d. regulae d. heil. Augustin von Gregor Coelius (Bänffy). VIII 97. — Megy bele mint Lödanba a menkü. VlII 234. — Reversal v. S. Szerencsi. VIII 121. — Zur biogr. d. ge- schichtschreibers J. Nadänyi. VIII 12(1. 240 Autoren Verzeichnis. Dobrzycki S. Über d. masurie- rimg im polnischen. I 88. Dokus Gy. Grabfunde aus d. Arpaden-zeit im Zempliuer ko- mit. VIII .309. Domonkos I. Blasiusa;änger. VIII 214. Donner A. Notices sur la Fin- lande. II 130. Donner O. Eröffnungsrede in d. jahresversamlung d. Finn.-ugr. Gesellschaft I 27. I 28. I 31. I 32. Du das Gy. Über d. erdarbeiten in Vaskut.Parabutv u. Karavu- kova-Räcz-Militics. '\'1II 30.^. Einer H. Estn. Sprachlehre f ilr elem. schulen. II 54. Eisen M. J. Die entstehimg d. Domberges u. d. Oberen-sees. II 96. - Hiiud. II 42. — Men- schen im winde. II 109. — Tonn. II 106. Ekman E A. Erinnerungen an d. woteu? II 149. — Über d. namen d. Kupittaa-quelle II 18. Elekes I. Volkslieder der sek- 1er. VIII 212. Erdelyi P. Alter abergiaube u. (juacksalberei. VIII 243. — Die komödie v. B. Balassa. A^lII 177. — Geschichte d. ung litter. VIII 166. Etelväri A. Von unsn. Orts- namen. VIII 3b. Faludi F. Winterabende. VIII 126. Finn W. Ein lappl. gfitzenbild. III b. Franssila K. A. Die grosse eiche. II 72. — Einige motive des Kalevala. II 71. — Über d. alter unsr. Volkslieder. II 73. F r e c s k a y J. Wörterbuch d. handwerke. 18—23. VIII 161. — Zxim sprachgeschichtl. wörter- buche. VIII 82.^ F r e d e r i k s e n X. C. Die natio- nalitäten Österreich-Ungarns. VIII 289. F r e 3^ t agh - L o r i n g h o v e n L. Referat über altheidn. opfer- steine auf Oesel. II 170. Fuchs K. Das haus in d. ung. Sprache. VIII 31. — Magyar, grabpfähle. VIII 278. Füredi M. ini VIll 204. ung. vi; Gaal M. Die gesetze d. ung. rechtschreibiing. VIII 142. — Sagen v. hunufu u. ungaru. VIII 185. Gabna^' Hathalmi F. Die spiel- puppe. I 137. — Die wieue. I 136. Galgöczy J. Nachlese zur Ur- geschichte. I 153. Genetz A. Das verbum ..jäädä'. II 13. G e o r g i e V s k i j M. D. Das fischen mit d. netz im sommer u. im winter im gouv. Olonetz. 11 121. f ; i e s s w e i n 8. Wie sprachen unsere vorfahren? 1 92. Gleye A. Die ethnol. Stellung il. lykier. I 8(^ — Über d. urspr. d. grusinischen Volkes. I 79. (^lu'ikov I. N. Die cerdynischen wogulen. VII 5. Goldzilier I. Max Müller. 158. Goll .1. Ung. nationalleier 200 alte ung. Volkslieder in männer- c^uartett \Ul 238. Gombocz Z. Beitr. zu d. türk. elementen d. ung. spr. VIII 39. — Bölcs. VIII 63 — Die expe- rim.-phou. u. d. Sprachunter- richt. I 98. — Worterklärungen. II. VIII .38. G o r o d c e V V. A. Archäoloi;'. un- tersuch, im thale d. Oka im j. 97. I 157. Gönczi F. „Danai"s aus Göcsej. VllI 210. — Hoclizeitslieder aus Göcsej. VIII 215. Granit A. W. Xotfeuer. II 118. Grotenfelt G Xotices sur la Finlande. II 1-30. G r o t e n f e 1 1 K. Finn. Ortsnamen Alands. 11 23. Grotenfelt O. Aus d. neueren Kalevalaforschung. II 70. V. Gutzeit W. Die Eiis d. ara- bischen Schriftsteller. II 14(i. György E. Über d. Moldau- csängös. VIII 195. Hacker K. Die wortableituug u. -zusammensetz, bei Faludi. VIII 16. Hackman A. Aus unsn. [)rivat- sammlungen. II 157. — Die neuesten funde aus unsr. bron- Aiitoreiiverzeichnis. !4I zezt'it. II 154. — Vorü,esfhic-lit- liche altertiimer in Finland. LI 151. Ilaliis/ I. Gesfliiclit«' '1. img. etvniol. I 23. Hampel J. AtcIiH VI 11 MH). — Xf'ue Vaterland, t'unde avis d. zeit d. avaienheiTSohat't. VIII 11 annikain eu O. Die nationa- litiitenverhältnisse in Österreich- Tn-arn VIII 290. H a n 11 .s 7. I. Die vögel in d. volks- sa-en. VIII 222. Haralyi Fejer I. VoIksaber,ü,lau- be. VIII 247. Havvasso witz O. Katalo]i>e. I 19. 1 20. Hausmann R. Eine ausgrabiing auf d. Kabelli-mäggi in Pulla- päh. II 171. — Einige bemer- kungen über d. ausstellung zum XI. archäol. kongress in Kiew. II 162. — „Marienland". II 40. — Über d. verschiedenen typen tl. livl. gräber. II 163. — Zur bestimmuug eines eisernen ge- räts d. altertümer-samnilung. II 164. llavas A. Glossen zum Komor- ner liederbur-h. VIII 181. Havas I. Bujnyik. VIII 53. Häyhä J. Schilderungen d. al- ten gebrauche d. ostfinn. II 111. Heg vi Ö. Zwei testamente v. P. Gyulai. VIII 105. Heikel A. O. Die funde auf d. hügel Korkeapyörtäneenmäki. II 156. — Ethnogr. litt. I l30. — Praktische ergänzungsbl. zu d. werke ^Trachten u. muster d. mordwinen". IV 4. — Über d. liaarschmuck d. finn. Völker. I 129. Heikel H. J. Ein fundplatz aus d. .Steinzeit. II 153. — Vorge- schichtliche altertiimer in Fin- land. II 151. , Hellebrant A. Bibliogr. 111. Ethnogr. bibliogr. I 12. — Keper- toriiim. VIII 7. Herman 0. Das ung. haus. VIII 262. VIII 264. — Dritte asiat. reise d. o-r. E. Zichy. I 120. I 121. — ^Nachtrag z. rezension über d. reise d gr. E. Zichy. I 124. — Schlusswort zur rezen- sion über d. reise d. gr. E. Zichy. I 125. — Über d. urbescliäfti- gungen. VIII 261. — Zur pole- mik über il. ung. haus. VHl 267. Hermann K. A. Das sumeri- sche. I 83. — Ein wörtchen zur erklarung. II 51. — -gi u. -ki oder -gi allein? 11 45. 11 49. — Konversationslexikon für esten. II 5. — über estn. Ortsnamen. II 39. — über wortwui'zel u. -stamm. I 94. H e r r m a n n A. Das gewei-be u. d. ethnogr. I 134. — Die sekler bailade v. Kömi'ves Kelemennt'-. VIII 207. Hickmann A. L. Spracheu-at- las. VIII 288.. Hilden A. Über d. disti-ib. d. finn. bibelauflage d. j. 1642. II 58. Hirn Y. The origins of art. I llo. Hitter M. jun. „Die armen bur- schen" id. räuber) in d. volks- poesie. VIII 200. Hoff mann Fr. üng.-deutsch u. deutsch-ung. Taschenwörter- buch. II. VIII 157. Hollösy K. Die d. laute ö. ö. e vertretenden vokale in unsn. heut, dialekten. VIII 13. Horger A. Brassö U.Kronstadt. VIII 68. — Ein csängöung. Volksmärchen in versen aus Hetfalu. VIII 208. — Szällok kendnek. VIII 85. Hultin T. Xotices sur la Fin- lande. 11 130. Hurt .1. Berichte über d. sam- meln estn. folklore u. über dia- lektforschung. II 87. II 8s. II 89. — Estn. himmelskunde. II 98. H 99. — über d. sammeln estn. folklore. II 85. — Über estn. Schreibweise u. schriftspr. II 44. II 48. - Vom Verwalter d. „alten Schatzes". II 86. 'Huszar Gy. Poesie d. friedho- fes. VIII 203. Huszka J. Nochmals d. sekler- haus. VIII 270. H V o s I e f Fr. Bekannt macliung (lapp.). IX 18. nie SSV J. Daten über B. Ba- lassa.^VlII 178. I m e t s J. Einige worte über d. Unterricht in d. rechtschreibung. VIII 145. ^4^ Autoreil Verzeichnis. 1 m r e S. Über d. volkspoesie u. d. Volkslied. I 112. •lacobi J. Die richtige aussprä- che d. magyar. VIII 141. •lahnsson N. Zwei volkssagen die einwauderuno- d. schwetlen nach d. inseln Pargas u. Hout- skär betreffend. II 144. Jak ab F. Die regeln d. iing. grammatik. VIII 152. Jakovlev E. K. Ethnogr. über- sieht d. alteingess. bevölkerung d. Jenissei. I 133. 4 a k u b o V K. I. Über d. Ursprung d. namens Rns. II 14.Ö. Jancnk N. A. Ethnogr. rund- schau. I 8. Jankö J. Antwort an O. Her- man auf seine rezension. I 122. I 123. — Das nng. haus. VIII 263. — Der XI. russ. archäolog. kongress zu Kiew. I l.öö. 1 156. — Die ethnogr. in Finland. II 114. — Herkunft d. magvar. fi- scherei. I 119. — Intelligenzbl. d. ethnogr. abt. d. Ung. National- museums. I 109. — Magvar. tv- pen. VIII 284. — .Schamanis- miis. I 113.- — Zur polemik über d. ung. haus. VIII 267. J e go r o V I. Die heilige geschich- te (ostj.). IX 31. Jeuö S. Der dialekt d. Er-gegend. VIII 12. — Die reja's in uns. volkspoesie VIII 217. — Die ung. gaunerspr. u. ihr Wörter- buch. "VIII 93. — Diod: Gyogy, zug: szeg. VIII 36. Joannovics Gy. Akt, ami, aminö u. a. VIII 14. — Die Schreibung d. Zusammensetzungen. VIII 144. — Verneinung, zweifei, verbot u. a. VIII 22. Jösa A. Denkmäler aus d. zeit d. landnahme. VIII 310. Joutsen 0. A. Bautypen aus" d. nördl. teile d. mittl. Finlands. II 122 Jung J. Eine relig. sage. II 97. — Über estn. Volkstrachten. II 128 Jürgens E. Beitrag zum Tön- niscultus d. esten. II 1'^. Xagv .1. Die Volksgebräuche in Hegvhät. VIII 25.3. — Über bauart in Hegvhät. Vi II 268. — Zui- ethnogr. v. Hegvhät. VIII 277. Nagvsz ige tili siehe Szily K. X e c s e V 1. Die hemdspange. VIII 2S(i. egyesy L. Ung. Sprachlehre. VI 11 153. — Von d. benenn, d. teile d. leiterwagens. VIII 89. Xemedi D. Von d. benenn, d. teile d. leiterwagens. \'II1 89. Nenies M. Geschichte d. ung. trachten. \'I11 279. X e in p s Ö. Der mädchenmarkt /.u (iajna. VIII 257. Xeovius E. R. Notices sur la Finlande. II 130. Nervander E. Mittelalterliche sai;e v. weihe, welches d. teu- fel half. II y4. N e V V L. Bemerk, über d. tnig. haiidelsspr. VIII 140. Xiemi A. R. Das Helkafest in Ritvala II 75. Noreen A. Phon. erkl. d. alt- nord. Vokalharmonie. I 90. X ordenstreng R. Zur frage nach unsni. finländ. -schwedisch. II 24. N o r d q V i s t O. Erinnerungen v. einer reise in Finn.-Lappland 99. III 8. — Notices sur la Fin- lande. II 1.30. X ö r r e n b e r g C. Was bedeutet Xord? I 89. Xosilov K. Eine schule unter d. ostjaken. VII 17. Xvers K. Die geograph. termi- nol. VIII 162. Ojansuu H. Dial. Wörter in il. schriftspr. II 10. — M. A. Ca- strens ansichten über il. sprach- richtigkeit. II 27. - Parahultai- nen. II 16. - Sprachl. bildiuigen auf fremdem gründe. II 11. — Gelehrte volksetvmoloa.ien. II 22. 01a sz J. Die poesie d. elentls. VIII 202. Olsson P. Jämtland u. Härje- dalen in d. heidenzeit. III 16. Otterbech J. Sami usteb. IX 1 6. Osz J. Feiertagsverse. VIII 213a. Paasouen H. Bericht über d. resultate d. sammlungsreisen d. mordw. Stipendiaten. IV 2. — Eeisebericht aus d. lande d. mordwinen. W 1. P a c h m a n n 8. W. Sammlung d. jurid. Volksgebräuche. I US. P a I a n d e r E. W. Finn.-russ. Wörterbuch. II 38. Palmen K. E. Xotices sur la Finlande. II 130. P an die S. Wörterbuch für Sol- daten. VIII 1.58. P a t k a n o V S. . Die Irtysch-ostj . u. ihre volkspoesie. VII 9. — Irtysch-ostj. wörterverz. VII 8. — Über das volk d. sabiren. I 159. L 160. Paul er Gy. Das erste auftre- ten d. nng. nation. VIII 295. — Die baschkir.-ung. Verwandt- schaft. I 162. — Die quellen d. ung. landnahme. VIII 293. — Geschichte d. ung. nation bis auf d. heil. Stephan. VIII 292. - Offener brief. I 164. Peltouen V. Der Stilist. I 103. Penttilä V. Karelische gebäude u. Ornamentsmotive. II 124. P e t e r d i L. Gebräuche bei Ver- lobung u. hochzeit. VIII 251. Pethö Gy. Hopkän van penze. VIII 66. ■ Petz G. Giebt es ein gramm. Subjekt u. präd. l 96. Philipp, herz. v. Koburg-Gotha. Volkssitten im Garamthai. VIII 258. Pogodin A. Über d. sprachen, kultur d. indogerra. I 82. — Zur frage nach d. thrakiern. I 78. Pongracz S. Turanische volks- u. Sprachstudien. I 85. 246 Autoren Verzeichnis. Popiui A. Fiiilanil iin XIX. jh. II 131. i'opov 1. D'w heil, geschichte. IX 31. J'ögelmanu H. Über d. estn. poet. litt. ., II. II 90. Püld H. Über d. ostseetinn. während ihrer Selbständigkeit. II 14(1. Prikkel ]\1. Zum sprachge- schichtl. worterbuche. VIII s2. Pröhle V. Melak, sumäk. VI!! 6.Ö. V. Q van tan ¥j. Die nanien Fin- lands. II 141. (^)vigstad J. Bekanntinacliung (läpp, übers.). IX 21. — Ge- brauche nie berauschende Ge- tränke (läpp, übers.). IX 23. — Luthers kl. katech. (lapp.i. IX 24. li. e c h n i t z J . Ursprung d. s}irich- wörter. VIII 233. Rechuitzer I. Zur ethnogr. v. Hajdü-Szovät. VIII 276. Jleiman W. Das 19 jh. im leben d. estn. Volkes. II 65. — Der alte glaube d. esten. II l(i2. — Ein Stückchen alten estn. giau- beus. II 107. — J. Jung. I 65. I 66. — Kalewipoeg. II 91. — „Bistikogudus" od. „kristlik ki- rik?" II 53. — Über O. W. Ma- sing. I 68. Renyi I. Kombinierte wiirter. VIII 20. Ilethv L. Geschichte 0. VII 13. j S — Von meiner ostj. reise. VII 12. [ Öismanov Iv. Urspr. d. proto- bulgaren. I 165. Skrusits M. Über d. ehemal. S lett. färbekunst. II 129. [ Smirnov I. N. Das leben d. östl. tinn. im altertum. I 152. Die uralalt. weit in d. russ. litt. I 1.5. I 16. S n e 1 1 m a n A. H. Ljungo Tho- mas. II 57. S o i k k e 1 i K. Die ersten für uns. volk gedr. bist, berichte. II 59. — Die geistl. melodien d. finn. I Volkes II IUI. S o 1 o V j e V E. Verbrechen u. : strafe nach d. auf f. d. bauern- S Schaft an d. Wolga. V 4. Sozin V. Vom leben d. wotja- ken. VI 10. Spectator. Die schwed. spr. u. nationalität in Finland. II 1.36. S p i f e r ^I. Wörterbuch für Sol- daten. VIII 158. Stenberg A. Die fremdvölker Xordwestsibiriens. VII 1. S t r a c k H. Das blut im glauben : S u. aberglauben d. menschheit. ' I 115. S Sucksdorf V. Karelische ge- ! bände u. omamentsmotive. II 123. V ä b y Fr. Instructio pro Culi - nae Magistro (v. Steph. Csäkyi. VIII 117. V a r t e n g r t- n T. H. G esetze im betreff, d. renntierweiderechts ilapp. übers.). IX 4. weet H. The bist, of language. I 81. ynnerberg C. Xotices sur la Finlande. II 130. zabö J. Zum sprachgeschichtl. Wörterbuche. VIII 82. zakäts P. Handbibliothek d. ethnogr. abt. d. Ung. National- nius. I 18. zarvas G. Xjr XXIX. VIII 1. zarvas Gäbor-ne. Über (!. Szarvas. I 61. zendrev I. Das ung. haus. VIII 265.", zilädy A. Litteraturhist. mit- teilungen. VIII 2. zilägyi S. Die quellen d. ung. landnahme. VIII 293. zilasi M. Tscher. Wörterbuch. V 1. — Ungewöhnl. ableitungen u. beugungen. VIII 17. — Wort- erklärungen. I. VIII 37. zily K. Bericht d. thätigkeit d. ÜAW. I 38. I 39. I 40. - Die benennungen d. teile il. bauernleiterwagens. VIII 88. — Die Wörter ocsö nyulai bei Fa- ludi. VIII 81. - Elkövetkezik. VIII 33. — Önkente 11. önszinte. VIII 83. — Preisaufg. d. Ung. Akad. d. Wissenschaften. I 50. — ßandbemerk. zur geschichte d. neologismus. VIII 131. Zum sprachgeschichtl. wörtcr- buche. VIII 82. zinuyei J. (jun.i Bericht über d. ergebnis d. konkurrenz in d. fiugr. Sprachwissenschaft. I .54. — Finn. Sprachlehre. II 32. - Häm. VIII ,30. — NYK XXX. I 4. — Ung. dialektlexikon. VIII 87. — Ung. Schulgrammatik auf syntaktischer grundlage. VIII 146. — JJrspy. d. endung vel VIII 9. — Urs suff. -n. I 70. zi nny e i J. (sen.) in Ungarn. VIII 6. z i n t e G . Das VIII 271. — Das VIII 269. d. persona 1- l'eriod. litt. hühnergitter. seklerhaus. 248 Autoreuverzeichnis. Takäts S. Hajdu. VIII 32. Tallgren J. M. Sage v. d. rie- seii. II 79. T a n d b e r g G. Sanii ustcV). IX ' *^- T a r k i a i n e 11 V. Ubur d. aure- de\\()i-ter unsr. i^emeiiispi'. II 29. T ein es Vary R. Vülks,i;ebi-ilu- rhe u. aberglauben in d. ge- burt.shilf'e u. d. pflege d. ueu- geboruen in Ungarn. VIII 250. Thaly K. Die Munkäcser inven- tare u.liofhaltungsscliriften. VIII 122. Thomsen V. Die liveii. 11 (36. Thurzö F. Der dialekt d. po- lowzen in d. gegend von Neu- tra. VIII 95. Tikkanen J. J. Kinn. Ornamen- tik I. 1 128 Tolnai V. Alte pflanzennanien. VIII 79. — G. Kalmär's neolo- gi.stische bestrebungen. VIII l30. — Magvarisierendes Wörterbuch. Vlll .60. - Meläk. VIII 6-1. - Seilerrad. VIII 282. Töth E. Korresp v. J. Kemenj' u. Anna Lonj^ai. VIII 1 1 8. Töth T. Wörterbuch für Solda- ten. ViII 158. Tör()k I. Alte ])flanzennamen. VIII 79. Trencseii}^ K. Ejtözik. Vlll 9]. — Ursprung d. Sprichwörter. VIII 238. Ursiu N. Bekanutmachuug (finn. übers.). IX 2l. V.äczy J. F. Kazinczvs biief- wechsel. VIII ]33. Vägö A. Beitr. zur ethnogr. von Nagy-Bakönak. VIII 273. Wallin G. Spec. nov. test. läpp. IX 6. Wall in V. Ein d. Djeknische geschlecht betreff, dokum. u. „Elinas tod". II 76. Varga I. Lautlehre d. dialekts d. umgeg. V. Weppendorf. VIII 11. Varga K. Kongruenz im nume- rus bei J. Arany. VIII 23. Varga L. Ostergebräuche. Vlll 254. V a r j 11 E. Die Batthyänv-biblloth. in Karlsburo-. V-VlI.'VIII 96. Varpa c h o vs k i j N. Der tiscli- fang an d. Petschora. \'I 4. V ä s ä r li e 1 y i (j . Über zwei denk- malsreste in d. Ofener .n'eg'end VIII 307. Weis A. Die kulturverliältnisse Lapi)niarkeiis. III 15. V. A'elics A. Über d. ni-((uelle allei- sprachen. I 84. Werner JM. Die ansiedlung il. deutschen in Siebenbürgen. Vlll 297. Westling G. 0. F. Mittlieil. ül)ci- d. ki rohen verfass. in Est- land. II 139. — Über d. kirchl. cultus in Estland. II 62. — Von d. relig. u. sittl. zuständen in Estland. Jl llO. W^eszely Ö. Method. ung. Sprach- lehre auf svntakt. grundlage. VIII J51. ■ Veto I. Die ung gaunerspr. u. ihr Wörterbuch. Vlll 93. W i c h m a n n Y. Jahi-esbericht d. FUG 98. I 25. 1 26. — Jahres- ber. d. FUG 99. I 29. I .SO. Vikar B. Beitr. zur volkspoesie. VIII 237. — r. Szöllösi u. d. fuchs. VIII 225. W i k I u n d K. B. Das wort auhto II 15. — Erwiderung. II 69. - J. Toriiifei bericht über d. Lapp- marke. III 3. — Sind unsere läpp. Ortsnamen richtig.' 111 '. — Sprachproben. I 72. — Über d. art u. weise d. begrüssung bei d. läppen. III 7. Winkler H. Die nralalt. spr. } '1- Winkler It. Über kirchen u. capellen Ehstlands in geschichte u. sage. II 95. Virchow E. Über d. ältesten bewohner d. nördl. Europa. 11 160. Voronov A. G. Jurid. gebrau- che d. westsibir. ostj. u. d. sa- luojed. VII 14. Wundt \V. Völkerj>svchologie. 1 91. Vutkovich S. Gut ungarisch. VIII 1.37. Y r j ü - K o s k i n e n E. S. naire fiun.-franc. II 37 Diction- Zaborowski. Les slaves dt races et leurs orisines. 1 166. Rezensionenverzeichnis. 249 Zieh}' E. Notes de voyages en Siberic. I 4S. Z 1 i n s z k V A. Quellen v. Ara- nvs balladen. YlII ]83.— Rhe- torik. I IUI. Z o 1 n a i G y. Das Königsberger fragment'in d. ung. sprachhist. \yörterbuche. VIII 78. — Juss. Ejj. VIII 15. — Karancsi betük. VIII 67. — Lengyel. VIll 47. — Szemely. MII »4. ~ Zum sprachgeschii'htl. wörterbuche. VIII 82. Rezensionenverzeichnis für das jähr 1900. Dieses Verzeichnis umfasst nur die rezensionen, die im jähre 1900 erschienen sind; die Jahreszahl (1900) ist bei den betr. Zeit- schriften nicht angesetzt. Die Ziffern in eckigen klammern verweisen auf die nummern der »Bibliographie für das jähr 1900» (Anz. 71 — 172). Beim sammeln der notizen für das rezensionenverzeichnis haben mich in erster linie mag. phil. Alfr. Hackman (archäologie, ethnographie) und dr. YrjÖ Wichmann (bes. russische erscheinun- gen) unterstützt; einige beitrage verdankt das Verzeichnis den her- ren dr. O. Kallas und dr. GusT. Schmidt. Absolute Vollständigkeit hat nicht erzielt werden können. E. N. S. I Abereromby J. The pre- and proto-historic Finns: Th. Volkov, L' Anthropologie X 460 — 463. Appelgren Hj. Barbariska efterbildningar af orientaliska mynt. :=: Barbarische nachbildungen orientalischer münzen (FM 1898): J. Mestorf, Arch. f. Anthr. XXVI 154. Appelgren Hj. De runda djurspännena i Finland. =z Die run- den tierspangen in Finland (FM 1897): J. Mestorf, Arch. f. Anthr. XXVr24i. Appelgren Hj. En brandgraf ä Yliskylä (Öfverby) k3'rkogärd i Bjemo. =:= Ein brandgrab auf dem kirchhof zu Yliskylä, propstei Bjerno im Äbo län (FM 1897): J. Mestorf, Arch. f. Anthr. XXVI 245. Appelgren Hj. Stenäldersfynd. =z: Steinzeitliche funde (FM 1898): A. Hackman, Centralbl. f. Anthr., Ethnol. u. Urgesch. V 180. 250 Rezensionenverzeichnis. Appelgren Hj. Svenskamcs inflyttning i Finland. := Die ein- wanderung der Schweden nach Finland (FM 1897): J. Mestorf, Arch. f. Anthr. XXVI 241 — 243. Appelgren Hj. S3^npunkter i museifrägan. m Gesichtspunkte be- treffend den museumbau [in Helsingfors] (Helsingfors 190OJ: J. Mestorf, Arch. f. Anthr. XXVII 151 — 152. Aspeün J. R. Historiantakaisia muistoja K3-rönjoen suistamolta. := VorgeschichtHche altertümer aus dem gebiete am unteren laufe des Kyröflusses (SM 1899): A. Hackman, Centralbl. f. Anthr., Ethnol. u. Urgesch. V 181. Atlas de Finlande: H. R. Mill, Geogr. Journal X\' 145 — 149. — Oscar Montelius, Nordisk Tidskrift 80 — 84. — J. E. Ros- berg, Geogr. Föreningens Tidskr. XII 85 — 88. — Supan, Pe- term. Mitteil. XLVI, II, Beil. Atovich Ferencz. ^= Johannis-gebräuche in der gegend des Zobor- berges fkom. Nyitra) [VIII 256]: S. Bätky, Centralbl. f. Anthr., Ethnol. u. Urgesch. V 289. Balassa Jözsef. A magj-ar nyelv. = Die ungar. spräche: J. Kont, Revue Critique d'hist. et de Htt. XLIX 311 — 312. Balassa Jözsef. Kis magyar nyelvtan. Elsö resz [\'III 148]: A. Kardos, EPhilK XXR^ 566—569. Ballagi Geza. A Magyar nemzet törtenete IX. :rr: Geschichte des ung. Volkes IX.: J. Kont, Revue Critique d'hist. et de litt. XLIX 30—33- Balogh Peter. Magj-ar nyelvtan közepiskoläk I. osztälya szämära. = Ungarische Sprachlehre für die I. klasse von mittelschulen : Albert Kardos, EPhilK XXIV 750-753. — M. Maurer, Magy. Kritika nr. 23. — Friedr. Riedl, Hivatalos Közlöny nr. 16. Balogh Peter. Mag^'ar nvelvtan. Közepiskoläk II. osztälya szämära [VIII 149]: Albert Kardos, EPhilK XXIV 1900 823—826. Bartalos Julius. := Altertümer aus der zeit der landnahme (der ma- gy aren) in der gegend von Erlau (ArchE XIX 1899 353 — 360;: F. Milleker, Centralbl. f. Anthr., Ethnol. u. Urgesch. V 178. Bartha Jözsef. A mag}'ar nemzeti irodalom törtenete. ir^ Ge- schichte der ungarischen nationallitteratur: K. Sebestven, EPhilK XXIV 569-575- Belejev J. D. = Wie bildete sich der grossrussische volksstamm, und welcher stamm kann für den Vertreter des grossrussischen volksstammes gelten? (Hsb. Hmd. 06m. JIioßiiTejieii EcxecTBOSHaHia II 32 — 43. Moskau 1865): L. Stieda, Arch. f. Anthr. XXVI 771 — 772. Rezensionen Verzeichnis. 251 Nach Belejev ist der grossrussische stamm eine mischung der in Mitteh'ussland ansässigen finnen, der eingewanderten slavischen stamme und der skandinavischen kolonisten. de Bertha A. Mag\'ars eti Roumains devant rhistoire (Paris 1899): B. A., Revue Grit, d'hist. et litt. L (34 a. II) 287 — 288. — J. Kont, Revue Grit, d'hist. et de litt. XLIX (34 a. I) 309 — 310. Bihari K. Gyakorlati hangtan [I 99]: J. Balassa, Nyr XXIX 260 — 263. Bogdanov A. zz= Materialien zur anthropologie der kurganperiode im gouvernement Moskau (IIsb. Hmd. Oöm,. ÄioöaTe^eü EcTecTBOsnaHia IV I. Hef. Moskau 1867;: L. Stieda, Arch. f. Anthr. XXVI 773. Urbevölkerung der Moskauer gegend ein (nichtfinnischer) lang- köpfiger stamm; dann folgten die finnen: als dritter stamm kam der sla- vische, der die finnen verdrängte und slavisierte. Charuzin N. N. zzr Zur Frage nach den zwei tv'pen unter den läp- pen (H3B. IlMn. Oön^. JlHJÖHTeJieit EcTecTBosHaHiii LXVIII 132 — 140): L. Stieda, Arch. f. Anthr. XXM 837 — 838. CsaUany G. = Eine begräbnisstätte aus der völkerwanderungszeit in Szentes (kom. Gsongräd) (ArchE XIX 414 — 419): F. Mille- ker, Gentralbl. f. Anthr., Ethnol. u. Urgesch. V 179 — 180. CsaUany G. Az öskor. ;:= Die urzeit (Szentes 1899): ab., ArchE XX 91 — 92. Csuday E. Die Geschichte der Ungarn: J. Loserth, Zeitschr. f. öst. Gymn. L 909 — 914. Darnay (Szentmärtoni) K. Mag}-arorszäg öskora [VIII 301]: sz., ArchE XX 91. — N — s, Ethn." XI 168 — 171. Deniker J. Les races de FEurope. I. (Paris 1899): E. Schmidt, GIoIdus LXXVII 217 — 220. Deniker J. The races of man (London 1900): P. Ehrenreich, Globus LXXVII 311. Dezsi Lajos. Mags-ar irö es könyvn3'omtatö a XVII. szäzadban. z= Ung. Schriftsteller u. buchdrucker aus d. XML jh. (Budapest 1899): E. Csiiszär, EPhilK XXIV 37—42. Eesti Üliöplaste Seltsi Album IV. :^ Album des Vereins Estn. Studenten. IV. (Jurjev 1899): A. J. Linda XII 73. Valv. XX 71. — U. K[arttunen]. Vir. IV 28 — 29. Ekman E. A. Suomen kielen keräilysanasto I. :=r. Sammelwörter- buch der finn. spräche (Helsingfors 1899): H. A. Ojansuu, Valv. XX 282-284. Eliseev A. V. siehe Jelissejew A. W. Gabnay (Hathalmi) Ferenz. A bölcsö [I 136]: Zs. Bätky, Ethn. XI 141 — 142. 2 c 2 Rezensionen Verzeichnis. Hacker Kälmän. A szökepzes es szoösszetetel Faludinäl [^^II i6|: Zs. Simonyi, Nyr XXIX 322. Hackman A. Die bronzezeit in Finland (SMVAik. XVII 18971: J. Mestorf, Arch. f. Anthr. XXVI 243 — 244. Hackman A. Ett märkligt bronsäldersf\nd. ;^ Ein wichtiger bronze- zeitlicher fund (FM 1899): A. Hackman, Centralbl. f. Anthr., Ethnol. u. Urgesch. V 181. — J. Mestorf, Arch. f. Anthr. XXVII 154—155- Hackman A. Ett nytt bronsaldersfynd fran Egentliga Finland. r= Ein neuer bronzezeitlicher fund aus der landschaft Eigentliches Finland (FM 1899): A. Hackman, Centralbl. f. Anthr., Eth- nol. u. Urgesch. V 182. — J. Mestorf, Arch. f. Anthr. XXVII 155- Hackman A. Om likbränning i bätar under den yngre järnäldern i Finland. :=: Über leichenverbrennung im boot während der jüngeren eisenzeit in Finland (FM 1897): J. Mestorf, Arch. 1. Anthr. XXM 244. Hackman A. TrouvaiUes prehistoriques (Atlas de Finlande. Feuille n:o 31. Texte. 1899): A. Hackman, Centralbl. f. Anthr., Eth- nol. u. Urgesch. V 182 — 185. — J. Mestorf, Arch. f. Anthr. XXVII 152-153. Hackman A. u. Heikel Heikki J. \'orgeschichtliche Altertümer aus Finland [H 151]: A. O. H[eikel], FM VII 68—69. Hahnsson J. A.. Kallio A. H., Paasonen H., Cannelin K. Ruot- salais-suomalainen sanakirja. :=: Schwed.-tinn. Wörterbuch: A. \'. Forsman, Xh. 1\ 126 — 134. — K. F[orsman], Valv. XX 451-453- Hampel J. = Neuere vaterländische funde aus der zeit der ava- renherrschaft [VTII 165]: J. Milleker, Centralbl. f. Anthr., Ethn. u. Urgesch. V 364 — 365. Heikel A. O. De sibiriska Jenissej-inskrifterna. r=r Die sibirischen Jenissei-inschriften (FM 1898): J. Mestorf, Arch. f. Anthr. XXVn 154- Heikel A. O. Mordvalaisten pukuja ja kuoseja. = Trachten und muster der Mordwinen (Helsingfors 1899): A. Hackman, Cen- tralbl. f. Anthr., Ethnol. u. Urgesch. V 218 — 219. — St. Pe- tersburger Zeitung i90oV2> märz, nr. 69. Heikel H. J. Ett graflf^^nd frän bronsäldem. z= Ein grabfund aus der bronzezeit (FM 1898): J. Mestorf, Arch. f. Anthr. XXVII 154- Heikel H. J. Päiväniemen, Säijoen ja Kirmukarmun polttokalmis- tot. =z. Die Brandgräber von Päiväniemi, Säijoki und Kirmukarmu [in Satakunta] (Analecta archsologica fennica R'. Helsingfors Rezensionenverzeichnis. 253 1899): A. Hackman, Centralbl. f. Anthr., Ethnol. u. Urgesch. V 1900 182. — M. Hoernes, Mittheil, der Anthr. Gesellsch. in Wien XXX 24. Herman Otto. Die Forschungsreisen des Grafen Eugen Zichy in Asien [I 120]: F. Birkner, Globus LXXVIII 262—263. Hermaiin, K. A. Eesti üleüldine teaduseraamat [II 5]: H. P., Linda 1900, nr. 36 — 7, 40 — 2. Der rez. wendet seine aufmerksamkeit besonders dem artikel .,Aesti'' zu. Herrmann Antal. Az ipar es neprajz [I 134]: Ethn. XI 283. HeiTraann Antal. Iparos es nemzet. =r Der gewerbtreibende und das Volk (Märamaros-Sziget 1900;: Ethn. XI 467 — 468. Horger Antal. Brassö es Kronstadt [MII 68]: J. Melich, Nyr XXIX 509-513. Horvath Cyrill. A regi magj'ar irodalom törtenete. =: Geschichte der alten ungar. litteratur (Budapest 1899): P. Erdelyi, EPhilK XXIV 311 — 320. — J. Kont, Revue Grit, d'hist. et de litt. XLIX (34 a. I) 311-312. Horvath A., Kardos C. et Endrödi A. Histoire de litterature hongroise, adaptee par J. Kont: Z., Revue Grit, d'hist. et de litt. L (34 a. II) 80. Hurt J. Eesti astronomia [II 98]: W. R[eiman], Postimees 1900 nr. 250. Infantev P. P. lIjTemecTBie Kb .t1;chumi> ;iK);iaMi>. :=: Reise zu den waldleuten: V. P-n., BsTCKaa rasexa 1900V9, nr. 36, 4 — 5. Eeise des verf. des rez. buches zu den Kondawogailen. — Leben, sitten und gebrauche der besuchten Völker. Ivanovskij X. P. ^ Über menschenopfer (Arbeiten der Anthro- pologischen Gesellschaft der K. St. Petersburger Militär-mediz. Akademie. I. lief 2): L. Stieda, Arch. f. Anthr. XXVI 186. Die arbeit knüpft an einen im j. 1892 geschehenen angeblich ri- tuellen mord bei den wotjaken an. Jacobi Julius. Kurze Anleitung zur richtigen Aussprache des Ma- gyarischen [VIII 141]: J. Balassa, Nyr XXIX 369 — 370. Jakovlev E. K. 9THorpa(|)U4ecKiH oßsopt Hnopo.inecKaro Hace-ieniH ;io.ihhbi H);KHaro Eimceji etc. [I 133]: V. Gh., Etn. Obozr. XLVI 152 — 154- Jakuskin E. I. OßbiMHoe npauo pyccKHXb HHopo,iueB'b. Marepia-iu jjih oiiö.iiorpactiin oßbiqnaro npasa (Hienia ht> IImu. 06m. Hot. n .^ZpeBH. Pocc, KH. 190-a). = Das eigenrecht der russ. fremdvölker. Mate- rialien zu einer bibliographie des eigenrechts: A. Maksimov, Etn. Obozr. XLVI 145. "Wird als eine sehr wertvolle arbeit bezeichnet. CtisepHtiii Kpaü 190073, nr. 61, s. 3. k 2 54 Rezensionenverzeichnis. Jankö J. A mag^^^ar haläszat eredete. Herkunft der magj^arischen Fischerei [I 119]: F. Birkner, Globus LXXVIII 257 — 263,344. — B. M[unkäcsi], KSz. I 147. — G. Nagy, Ethn. XI 241 — 249 [z= Bibl. I 126]. H. Schuchardt, Mittheil, der Anthr. Gesellsch. in Wien XXX 158—167. Trotz vieler bemerkuugen anerkennend. — Vgl. Bibl. I 120 — 127. Jelissejew A. W. ^ Anthropologische bemerkungen über die iin- nen (IIsb. Hmd. Oöm. JltoßiiTe-ieii EcTecTBOsHania XLIX 424 — 469. Moskau 1890): L. Stieda, Arch. f. Anthr. XXVI 803 — 807. Jenö S. u. Veto I. A mag3-ar tolvajnvelv es szötära [VIII 93]: EPhilK. XXIV 856— 857. " Joutsen O. A. Rakennustyyppejä Keski-Suomen pohjaisosasta [II 122]: K. Rhamm, Globus LXXVIII 158. Jung J. Muinasaja teadus Eestlaste maalt. I. irr Archäologie esten- landes: M. Boehm, Sitzungsber. d. Gel. Estn. Ges. 1899 106. „Enthält in guten illustrationen eine Übersicht über die verschie- denen typen der einheimischen gräberfunde sowie einen abriss der entwickelung der archäologischen forschung u. s. w." „Der 2. band des verdienstlichen werkes ist bereits früher erschienen." Jung J. Üleüldine muinasaja kirjeldus. ^ Allgemeine archäo- logie: A. J., Linda XII loi — 102. II. abt. der arbeit: über die urzeit des finn. Stammes u. des estn. Volkes. III. abt. : über die periode der entwicklung der kultur des estenlandes. Kalevipoeg, übertr. v. F. Löwe, herausgg. v. W. Reiman [II 91]: Eesti Postimees nr. 29. — — Im — , Revaler Beobachter nr. 104. — R. K., Postimees nr. 116. — A. C. Winter, Globus LXXVIII 148. Kallas Oskar, Achtzig Märchen der Ljutziner Esten. Kaheksa- kümmend Lutsi maarahva muinasjuttu [II 94]: V. Bugiel, Re- vue des traditions populaires XV nr. 11. Mit der anordnung der niärchen ist rezensent, „tout en reconnais- sant l'utilite de cette publication", nicht zufrieden, spricht aber seine nä- heren wünsche betreffs derselben nicht ans. A. J., Linda XII 380—381. L. Katona, Ethn. XI 377 — 379. — L. Katona, KSz. I 331 — 333- Rez. empfiehlt diese „vorzüglich eingeführten, tadellos belegten und durch dankenswerte deutsche auszüge (teilweise vollständige Über- setzungen) auch weiteren kreisen zugänglich gemachten märchen". F. Ke, St. Petersburger Zeitung Vis- april, nr. 96. Rezensent schreibt (historisch) Ludzen (nicht Ljutzin); stellt den aus Bielenstem"s „Grenzen des lett. volksstammes" herübergenommenen historischen lapsus, Ljutzin sei 1660 an Polen gekommen, zurecht (die betr. gegend sei schon 1561 polnisch geworden). Spricht von den for- schungen O. Kallas" mit erosser anerkennung. Rezensionen Verzeichnis. 255 p., Liter. Centralbl. 161 2. Rez. empfiehlt die sammhing als ., wichtiges hilfsmittel für die Volks- kunde — — auch für Stilforschungen". H. Prants, »Nelipühi Album» 28. Es vnrä avxf die vex'wandtschaft der Ijvitz. märcheu mit denen der alten heimat aufmerksam gemacht. St. Petersburger Zeitung 'V24. märz, nr. 71. Keleti Szemle. Revue Orientale [I 5]: S. Bätky, Centralbl. f. Anthr., Ethn. u. Urgesch. V 289 — 290. — A. Chachanov, Etn. Obozr. XLVI 140— 141. — Q., NyK XXX 231—232. Kempis T. Krisztus követeseröl, ford. Päzmäny P. [VIII 108]: M. Teveli (xMaurerJ, EPhilK XXIV 748—750. Kis Bälint. Az Arpädok kirähä vere a Magv'arorszäg csalädai- ban. :^= Le sang des Arpades dans les familles magyares (Buda- pest 1895): Ch. Ujfalvy, L' Anthropologie XI 626 — 627. Konstantinov-Scipunov N. P. = Zur kraniologie der alten bevöl- kerung des gouv. Kostroma (HaBtcria TImh. 06m. JIroÖHTejieö Ecie- CTBoaiiaHia XC 526 — 554. Moskau 1897): L. Stieda, Arch. f. Anthr. XXVI 889. Kondratovic O. V. =: Zur ethnographie der Ostjaken (Arbeiten der Anthropologischen Gesellschaft d. K. St. Petersburger Mili- tär-Mediz. Akademie II 328 — 351): L. Stieda, Arch. f. Anthr. XXVI 206—211. Keane A. H. Man past and present (Cambridge 1899): G. Bu- schan, Centralbl. f. Anthr., Ethn. u. Urgesch. V 86 — 87. K. teilt die menschheit in 4 primäx'gruppen ein: die äthiopier, die mongolen, die amerikaner, die kaukasier. mit Untergruppen. Die fin- nen-ugricr werden als 12. vmtergrnppe dem nördlichen zweig der mongo- lischen gruppe zugeteilt. Krausz Fr. Allgemeine Methodik der A'olkskunde (1891 — 97): B. Munkäcsi, Ethn. X 1:1899) 397 — 403, XI 38 — 42, 88—93. Krohn Julius. Suomalaisen kirjallisuuden vaiheet. = Geschichte der finn. Htteratur (Helsingfors 1897): [E. D. Butler], Athe- na;um V2, nr. 3771 145—146. Kurz, aber sehr anerkennend. Kuznecov A. A. /Khjhihr, o;ie:K;ia 11 niima ]\IiiHycnHCKHXT> 11 Ahiihckhxi. iiHopo;iueB'i>. = Wohnstätten, trachten und nahrung der einge- borenen von Minusinsk und Acinsk (Krasnojarsk 1898) [vgl. I 130]: Axel O. Heikel, JSFOu. XVII,.5 1-8. Liv-, Est- und Kurländisches Urkundenbuch. Begründet v. F. G. V. Bunge, fortges. v. H. Hildebrand u. Ph. Schwartz. X Bd. — Dasselbe, fortges. v. H. Hildebrand, Ph. Schwartz u. L. Arbusow. 2. Abt. I. Bd. — Sachregister zum Liv-, Est- und Kurländischen Urkundenbuch Bd. VII -IX, bearb. v. 256 Rezensionenverzeichnis. B. Holländer: D. Schäfer, Deutsche Litteratiirzeitung XXI 3051—3054. Lumtzer V. u. Melich J. Deutsche Ortsnamen und Lehnwörter des magj'arischen Sprachschatzes [YUl 72]: Richard Andree, Globus LXXVIII 17—18. J. Balassa, Nyr XXIX 412 — 420, 462 — 468. Rez. bezweifelt u. a. eine ganze reihe zusainmenstellungen. Luppov P. Hapo;iHoe oopasoiianie cpe;ui botakob-i. co BpeMenii nepBuxb iiSBicTÜi 0 HHXi. ;io 1840-XT. ro;iOKi,. zz=: Volksbildung bei den wotja- ken seit den ersten nachrichten über sie bis in die i840:er jähre: A. Maksimov, Etn. Obozr. XLVI 146. Luppov P. XpncTiaHCTBO y hothkobii co BpeMenu nepBi,ixT> iicTopuMeiKuxb ii3Bf.cTin 0 Hiix'i ;io XIX p-fena. i^ Das Christentum bei den wotja- ken seit den ersten nachrichten über sie bis zum XIX. jh.: I. Syrnev, Ziv. Star. X 277 — 283. Melich Jänos. Melyik nyelvjäräsböl valök a magyar nyelv regi nemet jövevenyszavai? [VlII 73]: J. Balassa, Nyr XXIX 412 — 420, 462 — 468. Vgl. Lumtzer V. u. Melich .T. Doutsehe ortsnamen n. lohnwür- ter etc. Melich J. :=: Das haus in der magyarischen spräche [VIII 31]: V. Semaver, Centralbl. f. Anthr., Ethnol. u. Urgesch. V 290. Munkacsi B. zzz Daten zu den heidnischen traditionen der ma- gyarischen totengebräuche [VIII 239]: S. Bätky, Centrall)!. f. Anthr., Ethnol. u. Urgesch. V 290 — 291. Müller F. Max. Beiträge zu einer wissenschaftlichen Anthologie. Aus dem Engl, übers, von Dr. Heinr. Lüders (Leipzig 1898 — 99): L. Katona, Etn. XI 18 — 26. [== Bibl. I 114]. Müller W. Th. = Über ein kürzlich herausgegebenes werk: Kurze beschreibung des Volkes der ostjaken, verfasst von Gregori No- vickij, im j. 171 5, herausgegeben von L. Maikov 1884 (Pl3B. IImh. 06ut. JlfoöHTeJieii EcTecTBoaiianiH XLIX 523 — 526. Moskau 1890): L. Stieda, Arch. f. Anthr. XXVI 809 — 810. Nazarov P. S. := Eine bemerkung über die kurgane im kreise Orsk, gouv. Orenburg (Hsn. TTmo. 06ih. tlH)ÖHTejieii EcTecTBOsnaHifl LXVIII 87 — 92. Moskau 1890): L. Stieda, Arch. f. Anthr. XXVI S31-832. Nemes Mihäly u. Nagy Geza. A magyar viseletek törtenete [VIII 279]: d.. Budapesti Szemle CIV 463 — 465. — L. Eber, Ethn. XI 425 — 427. E. Varjü, ArchE. XX 410 — 431. Eine eingehende, in vielen punkten ablehnende kritik. Nefedov F. D. = Über die Steinzeit im gebiet der Vetluja (Pri- vetlus) des gouv. Kostroma (II3B. Ihm. OCnn. JlKiöiiTCieii EcrecTBO- Rezensioiienverzeichnis. aiianiii XLIX 493 — 500. Moskau 18901: L. Sticda, Arch. f. Anthr. XXVI 80S. Niederle L. O kolebce näroda slovanskeho (Otisk ze Slpvanskeho Prehleda. II rocn.) = Über die wiege des slavenvolkes : A. Po- godin, H3FJ. Otji. pyccK. H3. 11 cioB. Hmn. Ak. Haj'Kj. IV 1458 — 1537- Nikolsky B. =s Edmographisch-anthropologische skizze der östlichen tscheremissen (Arbeiten der Anthropologischen Gesellschaft der K. St. Petersburger Militär-mediz. Akademie II 3 — ^io8j: L. Stieda, Arch. f. Anthr. XXVI 187—190. Nosilov K. D. = Eine anthropologische skizze der wogulen (Il^u. Ibin. O61U. JlwöHTeJieii EciecTBOSHaHia XLIX 528 — 538. Moskau 1890): L. Stieda, Arch. f. Anthr. XXVI 810 — 811. Nosilov K. D. ;= Historische denkmäler des volksstammes der manssen (wogulenj (IIsb. Ihin. Oßui,. JlRionTeJieit EcTecTBOsnaHia XLIX 559 — 568. Moskau 1890): L. Stieda, Arch. f. Anthr. XXVI 811 — 813. Paasonen H. Itäsuomalaisten kansain runoudesta. = Über die poesie der ostfinn. Völker: A. Pogodin, Hsb. Ot;(. pyccK. aa. n c.iOB. Hmd. Ak. HayKt V,i 357 — 363. Ein ausführliches russ. referat nebst bemerkungen. Patkanov S. Die Irtysch-Ostjaken. I. [vgl. VII 9]: A. C. Winter, Glol)us LXXVII 132 — 133. Petsch Robert. Neue Beiträge zur Kenntnis des Volksrätsels (Ber- lin 1899): L. Katona, Ethn. XI 463 — 467. Pipping Hugo. Zur Phonetik der finnischen spräche (MSFOu. XI\' 1899): K. B. Wiklund, Deutsche Litteraturzeitung. 1187 — 1189. Pokrovskij E. A. = Die physische erziehung der kinder bei ver- schiedenen Völkern, insbesondere bei den Völkern des russischen reiches (IIsb. Hmo. Oöm. Jlio6iiTe.neii EcTecTBOSHania XL^^. Moskau 1884): L. Stieda, Arch. f. Anthr. XXVI 774 — 787. Pokrovskij V. J. ^ Einige historisch-statistische bemerkungen über die korelen im gouv. Twer (II3B. Hsin. Oöiu. JIioöidTejieü EcTecTBOSHaHia LXVIII 106 — 112, 153 — 159. Moskau 1890): L. Stieda, Arch. f. Anthr. XXVI 836 — 837. de Polignac Melchior. Notes sur la litterature hongroise (Paris 1900): J. Kont, Revue Critique d'hist. et de litt. L (34 a. II) 402— 464. „ il a doune . . . un livre oü les idees generales sont assez agreablement presentees, le caractere eminemment patriotique et national de la litterature hongroise bien mis en rolief. mais oü les noms ma- gyars . . . sont horriblement estropies et oü les bevues ne se comptent plus." 2:;8 Rezensionenverzeichnis. Raitio K. u. Niemi Herrn. Äidinkielen opetusoppi. ^ Lehre des Unterrichts in der muttersprache (1899): Ralf Saxen. Kasva- tusopill. Yhdistyksen Aikakauskirja XXXVII 342 — 343. Regi Magyar Könyvtär XV., XVI. =: Alte ung. bibliothek XV., XVI.: J. K[ont], Revue Grit, d'hist. et de litt. XIX (34 a. I) 277 278. Reich Emil. Hungarian Literature. An historical and critical sur- vey. With an authentic map of Hungar\- (London 18981: D., Irod. Közl. X 119 — 120. Reizner Jänos. Szeged törtenete. :zr: Geschichte von Szegedin : L. Koväts, Ethn. XI 281—282. Eez. macht besonders auf den teil des buches aufmerksam, wo die dokumente der hexenprozesse abgedruckt sind. //.. ArchE XX 173. Rell Lajos. Latin szök a magyar nepnj-elvben. =z Lateinische Wörter in der ungar. Volkssprache (Kolozsvär 1898): E. Kal- mar, Nyr XXIX 23 — 24. Eez. verzeichnet u. a. einige beitrage zu den lat. be-standteilen der Ungar. Volkssprache. Retzius Gustaf. Crania suecica antiqua (Stockholm 18991: O. Almgren, Centralbl. f. Anthr., Ethnol. u. Urgesch. V 211 — 212. „Ob die geringen brachykephalen demente der vorgeschichtlichen bevölkerung Schwedens, wie man behauptet hat, von tui'anisch-finnischem bezw. lappischem Ursprung waren, lässt sich aus dem vorhandenen man- gelhaften materiale nicht entscheiden." Sander T. Eesti kirjanduse ajalugu. I. Rahwaluule. =: Geschichte der estn. litteratur. I. Volkslied (1899): ise, Linda 73. — W. R[eiman], Postimees nr. 14. — V. [Karttunen], Vir. IV i 13 — i 14. Sayous Edouard. Histoire generale des Hongrois. 2:eme edition: Z-, Revue Grit, d'hist. et de litt. L (34 a. II) 79. Schmidt G. R. s= Untersuchung von gräbem im gebiete des gouv. St. Petersburg, im Kreise Gdow (Hsb. Hmo. 06m. JlK)6iiTe.ieii Ecie- CTBOSHanifl XLIX 610 — 622. Moskau 1890): L. Stieda, Arch. f. Anthr. XXVI 816. Schuchardt Hugo. Romanische Etymologieen. IL (Aus den Sit- zungberichten der Wiener Akademie, Philos.-hist. Gl. B. GXLI. III. Wien 1899) [vgl. VIII 56]: J. Melich, XyK XXX 125 — 126. Schvindt Th. Xaturfolkens föreställningar om .sjukdomarna. s= Die Vorstellungen von krankheitsursachen bei den natur\'ölkern (EM 1898): J. Mestorf, Arch. f. Anthr. XXVU 153—154. Sebestyen Gyula. Az avar-szekely kapcsolat emlekei. = Denk- mäler der Verbindung zwischen den avaren und seklem (1899J: J. K[ont], Revue Grit, d'hist. de Htt. XLIX (34 a. I) 277. Rezensionenverzeichnis. 259 Semayer V. = Das haus in der magyarischen spräche [VIII 31]: V. Semayer, Centralbl. f. Anthr., Ethnol. u. Urgesch. V 290. Setälä E. N. Suomen kielioppi alkeisopetusta varten [II 36] : K., Kansakoulun Lehti XVIU 520. Setälä E. N. Suomen kielioppi. Aänne- ja sanaoppi. =z Finni- sche grammatik. Laut- u. wortlehre (Helsingfors 1898): J. Szinnyei, NyK XXX 347 — 348. Setälä E. N. Äidinkielen oppikirja kansakouluja varten [II 33] : Kansakoulun Lehti XVIII 244. Setälä E. N. Äidinkielen oppikirja kansakouluja varten [vgl. U 34]: S. G. M[ikander], Kasvatusopill. Yhdistyksen Aikakauskirja XXXVIII 340—342. Sirvilauad. Eesti rahva tähtraamat 1901 aasta jaoks [II 65]: U. [Karttunen], Vir. IV 113 — 114. Smirnov I. N. BocroHHbie ct^nnHii. = Die ostfinnen (1889 — 1891): E. N. Setälä, JSFOu XVII [=z Bibl. I 151]. Sograf X. J. z= Anthropologische Untersuchungen der männlichen grossrussischen bevölkerung der gouvernements Wladimir, Jaro- slaw und Kostroma (EIsb. Hmd. Oöiu;. JIioÖHTejeü EcrecTBOSHaHia LXXVI. Moskau 1892): L. Stieda, Arch. f. Anthr. XXVI 860—868. Sograf behandelt u. a. den einfluss, den die roischung mit den fin- nischen Stämmen in anthropologischer beziehung auf die grossrussen ausgeübt hat. Strack Hermann L. Das Blut im Glauben und Aberglauben der Menschheit [I 115]: Etn. Obozr. XLVI 143 — 145. Der verf. weiss nicht — hebt der rez. hervor — , dass der Multaner prozess, wobei wotjaken des menschenopferns beschuldigt wurden, mit der freisprechimg der wotjaken endigte; ausserdem referiert er die einzel- heiten des prozesses nicht vollkommen richtig; er sagt, dass die wotj. so vollkommen von der gesetzmässigkeit ihres handelns überzeugt waren, dass sie den mord nicht einmal verheimlichen wollten; seiner ansieht nach sind die menschenopfer bei den wotjaken eine konstatierte thatsache. S. Krausz, Ethn. XI 232 — 233. Szanto Jözsef. Babona a gj'ögyitäs teren. :=i Aberglaube auf dem gebiete des heilens (Budapest 1900): L. K[atona], Ethn. XI 379- Teinesväi*y Rudolf. Volksbräuche und Aberglauben in der Ge- burtshilfe und der Pflege des Neugeborenen in Ungarn fV'III 250]: Max Bartels, Weinholds Zeitschr. des Vereins für Volks- kunde X 239 — 240. — Max Bartels, Zeitschr. f. Ethnol. XXXII 178. — (e.), Ethn. XI 142. — A. Haas, Centralbl. f. Anthr., Ethnol. u. Urgesch. V 216 — 217. — O. v. Hovorka, Mitteil, der Anthr. Gesellsch. in Wien XXX 97. 26o Rezensionenverzeichnis. Thesleflf A. Finlands zigenare. :;= Finlands zigeuner (Finsk Tid- skrift 1899): A. Hackman, Centralbl. f. Anthr.. Ethnol. u. Urgesch. V 217 — 218. Tipray Jänos. Nemet-magj-ar iskolai szötär. — — Teljesen ätdol- gozta Schuber Mätyäs. =r Deutsch-ungarisches Schulwörter- buch. Vollständig umgearbeitet von M. Schuber: I. Szemäk, EPhilK XXR^ 227—231. Tolnai Vilmos. Magj^aritö Szötär [VIII 160]: E. Kiss, Kath. Szemle 90 — 93. — I. Pap, Tanäreg}-. Közlöny 274 — 278. — L. Sassi Nagj-, Kereskedelmi Szakoktatäs, dez. — Gy. Zolnai, Ethn. XI 427—428. Vali Dezsö. Elöitelek, nepszokäsok es babonäk a szüleszet kört- ben Szabadkän. = ^'orurteile, Volksgebräuche und abergläubi- sche gebrauche zur zeit der geburt zu Szabadka (Budapest 1899): — g~, Ethn. XI 468. Varga Damjän. Kodexeink Märia-siralmai. =z Die Mariä-klagelie- der in unseren Codices (Budapest 1899): c, Irod. Közl. X 121 — 123. Waronen ^I. Vainajainpalvelus muinaisilla suomalaisilla. m Die totenverehrung bei den alten linnen (Helsingfors 1898): A. Hackman, Centralbl. f. Anthr.. Ethnol. u. Urgesch. V s. 217. Wibling Carl. Om kustfynd frän stenäldern i Blekinge. =r Über funde aus der Steinzeit an der küste von Blekinge (Ymer 1899): O. Almgren, Centralbl. f. Anthr., Ethnol. u. Urgesch. V 295 — 296. E,ef. verhält sich skeptisch gegenüber der ansieht des verf., dass die steinzeitliche kultur des nordens von einem mongolischen volke her- stamme. Vologdin P. A. := Der Tschuden-Gorodischtsche »Ropitscha> (im gouv. Perm). (II3B. IImd. Oöui JlKißiiTe.ien EcTecTBOSHaeiH XLIX 11 — 13. Moskau 1886): L. Stieda, Arch. f. Anthr. XXVI 787. Xenopol A. D. Magx-ars et Roumains devant l'histoire. Reponse ä M. A. de Bertha (Paris 1900): B. A., Revue Grit, d'hist. et de litt. L (34 a. II) 288. — J. Kont, ibid. 465. Zograf X. J. siehe Sograf X. J. Die redaktion des bandes abgeschlossen am 12. febr. 1902 ANZEIGER DER FINNISCH-UGRISCHEN FORSCHUNGEN HERAUSGEGEBEN VON E. N. SETÄLÄ UND KAARLE KROHN ERSTER BAND 1901 w HELSINGFORS LEIPZIG RED. DER ZEITSCHRIFT OTTO H ARR ASSOWITZ HELSINGFORS DRUCKEREI DER FINNISCHEN LITTERATUR-GESELLSCHAFT 1902. Hl Inhalt des Anzeigers. Besprechungen. Braun Th. A. PasHCKaHiji bi. oö.iacxH roTO-ciaBaHCKiix-f. ^^''*^ OTHomeHÜi. I. = Untersuchungen im gebiet der goto-slavischen berührungen. I, . A. Pogodin 214 — 216 Franssila K. A. Kansanrunouden tutkimuksia. I. Iso tammi. := Folkloristische Untersuchungen. I. Die grosse eiche Kaarle Krohn 26 — 35 Hagfors K. J. Om Elias Lönnrot och Kalevala. Kaarle Krohn 207 — 208 Janko J. A magyar haläzsat eredete. — Herkunft der magyarischen fischerei. . . . U. T. Sirelius l — 26 SetäLÄ E. N. I. N. Smirnow's Untersuchungen über die ostfinnen Yrjö Wich mann 35 — 40 Weis-Ulmenried Anton. Die Ergebnisse der Kale- valaforschung Kaarle Krohn 208 — 209 Wiklund K. B. Om Kalevala, finnarnes nationalepos och forskningarna rörande detsamma. z=: Über das nationalepos der finnen, das Kalevala, und die Kalevalaforschungen. . . Kaarle Krohn 1S5 — 207 Zakov. 3THO.iorHHecKin OHepKi. StipaHi). r= Ethnologische skizze über die syrjänen. . . . A. Pogodin 211 — 213 Bibliographie der finnisch-ugrischen sprach- und Volkskunde für das jähr 1900 68— 172 Einleitung 68 — 71 I. Allgemeines 71 — 96 II. Ostseefinnen. (Finnen. Karelier. Wepsen. Woten. Esten. Liven) 96 — 121 III. Lappen 121 — 123 IV. Mordwinen 124 V. Tscheremissen 124 — 125 VI. Permische Völker 125 — 127 VII. Ob-ugrische Völker 127 — 130 VIII. Ungarn 130 — 167 IX. Schriften in den finnisch-ugrischen sprachen (mit ausnähme des finn., est., ungar.) . 167 — 172 I Autorenverzeichnis zu der bibliographie für das jähr ^*^'"* 1900 238 — 249 Rezensionenverzeichnis für das jähr 1900 249 — 260 Krohn Kaarle. Zur Kalevalafrage 185 — 210 SetäLÄ E. N. Die finnisch-ugrischen Studien als uni- versitätsfach 40 — 64 — » — Nachtrag zu dem artikel »Die finnisch-ugri- schen Studien als Universitätsfach» 228 — 229 Anhang zum obigen aufsatz. Vorlesungen und Übun- gen auf dem gebiete der finnisch-ugrischen sprach- und Volkskunde an den Universitäten Europas 1 900/1 901 64 — 67 Dieselben 1901/1902 229 — 233 Äusserungen über die transskription der finnisch-ugri- schen sprachen 216 — 226 1. Äusserung B. MunkÄCSi's 217 — 222 2. M. SziLASI. Zur transskriptionsfrage . . 222 — 226 Bemerkungen über das programm unserer Zeitschrift von Otto Herman, A. Pogodin und Münchener Allg. Zeitung 226 — 228 Mi tteilungen. Thätigkeit wissenschaftlicher gesellschaften und insti- tute. Litterarisches 173 — 176, 235 Forschungsreisen 177 — 179, 235 — 236 Über die benennungen der finnisch-ugrischen Völker und sprachen und die abkürzungen derselben v. E. N. S 179— 181 Statistische mitteilungen über mordwinen, tscheremis- sen, wotjaken und syrjänen v. Y. W 234 — 235 f Ignäcz Haläsz v. E. N. Setälä 181 — 183 Personalien 183 — 184, 237 ANZEIGER DER FINNISCH-UGRISCHEN FORSCHUNGEN BAND 1 MÄRZ— JULI 1901 HEFT 1—2 Besprechungen. ZiCHY Jenö Gröf harmadik äzsiai utazäsa. I. kötet. Elsö es mäso- dik feie. A magj-ar haläszat eredete. Irta Jankö JÄnos. Zichy Jexö gröf elöleges beszämolöjäval. — Dritte asiatische For- schungsreise des Grafen EuGEX Zichy. Bd. I. Erste u. zweite Hälfte. Herkunft der mag\-arischen Fischerei von Dr. Johann Jankö, mit einem vorläufigen Berichte des Grafen Eugen Zichy. Budapest und Leipzig 1900, V. Hornyänszky u. Karl W. Hierse- mann. 4:0. 635 s. 565 abbildungen. »Eine Nation, die leben will, bedarf der Ideale und die mäch- tigsten unter diesen sind vielleicht diejenigen, welche sich von den geheiligten Erinnerungen vergangener Zeiten nähren», sagt graf Zichy in dem vorläufigen bericht, der an den anfang des hier zu besprechenden Werkes gesetzt ist. Von diesem gedanken be- geistert hat graf Zichy, wie schon der titel des Werkes verrät, grosse opfer gebracht um über die in das dunkel der vorzeit ge- hüllte Vergangenheit des magyarischen Volkes klarheit zu schaf- fen. In dem eben zu ende gegangenen Jahrzehnt hat er nämlich, von wissenschaftsmännern seines landes unterstützt, ganze drei wis- senschaftliche expeditionen ins werk gesetzt. Die beiden ersten hatten sich das ziel gesteckt die spuren aufzuhellen, die die mags'aren nach annähme der forschung vor ihrer auswanderung in ihr jetziges Vater- land im Kaukasus zurückgelassen. Die ergebnisse der forschungs- reisen erschienen im jähre 1897 in dem werke: »Comte Eugene de Zichy. Voyages au Caucase et en Asie Centrale. La migration de la race hongroise etc.» und haben meistenteils rühmenden bei- fall geemtet. Die dritte expedition, die in den jähren 1897- — -98 ausgeführt wurde, beabsichtigte teils in den finnischen und russischen museen zu arbeiten, die material für die erforschvmg der Vergangenheit der mag;y-aren bieten konnten, teils direkte forschungen auf den gebieten zu veranstalten, wo nach der Vermutung der vergleichen- Jankö Herkunft der magyarischen Fischerei. tlen Sprachforschung die vorfahren der jetzigen magyaren gewohnt haben, sowie bei den Völkern, die, wie die Sprachwissenschaft nach- gewiesen, mit den magj'aren stammverwandt sind. An dieser ex- pedition nahmen teil ausser graf ZiCHY selbst, der die Oberleitung hatte: als archäolog doktor, jetziger professor, Bela PöSTA, als ethnograph doktor Johann Jankö und als Sprachforscher doktor Josef Papay. Später schloss sich den reisenden noch der natur- forscher herr Ernst Csiki an. Die vergleichende Studie über lischerei aus herrn Jankö's fe- der, die den ersten band von den publikationen der dritten expe- dition bildet, ist aus der anregung einer im ausländ vielleicht relativ wenig bekannten, nichts destoweniger aber vorzüglichen arbeit ent- standen, die Otto Herman im jähre 1887 über die ungarische volkstümliche fischerei unter dem titel: >'A magyar haläszat könyve» (»das buch von der ungarischen fischerei)^; veröffentlicht hat. Dieses werk, welches 860 Seiten stark ist und üljer dreihundert Zeichnun- gen enthält, beabsichtigte in erster linie die aufklärung der formen und benennungen der ungarischen volkstümlichen fischerei, ver- suchte jedoch auch, soweit es das material gestattete, die histo- rischen und vorhistorischen elemente der ungarischen fischerei fest- zustellen. In zwei besonderen kapiteln gesammelt veröffentlichte Otto Herman hier auch die nachrichten, die zur zeit des erschei- nens seines werkes über die alte und vorhistorische fischerei überhaupt bekannt waren. Wir setzen die hauptergebnisse, die in dem werke zu finden sind, wie sie Herman selber darstellt, hierher: 1 >'l. Die Ungarn konnten nur aus einer fischreichen Gegend auf ihr jetziges Gebiet gekommen sein. 2. Die Fischerei war jedenfalls eine Urbeschäftigung der Ungarn. 3. Viele Geräthe der ungarischen volksthümlichen Fischerei entsprechen den praehistorischen Formen, sind also praehistorisch und ethnisch höchst werthvoll. 4. Gewisse Analogien deuten auf den Nordosten hin, und wäre die Kenntniss der russischen volksthümlichen Fischerei höchst Wünschenwert. > Aus der in Hekman's werk gegebenen ungarischen terminologic der fischerei versuchte dann Bernhard Munkäcsi durch sprachver- ' Die Forschungsreisen des Grafen Eugen Zichy in Asien. Re- censiert von Otto Herman, s. 13. Janko Herkunft der niagyanschen Fischerei. gleichende anatyse die ugrischen bestandteile zu finden und zu be- stimmen, von welchen Völkern die lehnwörter hergekommen sind. Das werk erschien 1893 unter dem titel »A magyar nepies haläszat miinyelve» (»Terminologie der ungarischen volkstümlichen fischerei»), und die ergebnisse waren im allgemeinen dieselben wie die, zu denen Herman gelangt war. In Herman's und MuNKÄcSl's werken waren also die vorar- l)eiten für die erforschung der ungarischen fischerei geschaffen, und als graf Zichy im herbst 1896 herm Jankö zur teilnähme an sei- ner expedition aufforderte, da war dieser nicht einen augenblick im zweifei darüber, welches der boden für die ethnographische forschung sein würde, auf dem er durch diese reise zu den alten Wohnsitzen der magyaren und ihren Stammesvölkern die besten ergeb- nisse erreichen könnte. Herman und Munkacsi hatten deutlich auf die richtung hingewiesen, aus der das Vergleichsmaterial für die er- forschung der ungarischen fischerei zu holen war, welches die ge- schichte der fischerei aufhellen würde. Jankö beschloss dieses mate- rial zu sammeln und darnach die arbeit seiner Vorgänger fortzusetzen. Im sommer 189? reiste er nach Helsingfors, wo das finnische staat- liche ethnographische museum sein hauptziel war. Daselbst arbeitete er emsig während dreier monate. Er begab sich alsdann nach Petersburg und betrieb, nachdem er den endlichen plan für seine reise festgesetzt, seine Studien in den meisten russischen museen und unternahm schliesslich im sommer 1898 eine dreimonatliche reise zu dem nächsten Stammesvolk der magv'aren, den ostjaken. Überall richtete herr Jankö sein augenmerk hauptsächlich auf die finnisch-ugrische ethnographie und besonders wieder auf die fischerei und die mythologie, wobei er Zeichnungen von allen charakteris- tischen gegenständen anfertigte und litteratur sammelte. Das erste sichtbare ergebnis dieser inhaltsreichen reise ist die Studie: »Herkunft der magyarischen Fischerei». Indem Jankö von kleinen abweichungen abgesehen demselben System wie Otto Herman in seinem werke »A magyar haläszat könj've» folgt, ver- sucht er, hauptsächlich auf die typologische methode gestützt, an der hand jedes einzelnen fanggerätes festzustellen, was in der heu- tigen ungarischen volkstümlichen fischerei ursprünglich, was entlehnt, imd von wo es entlehnt ist. Nachdem hiermit die analyse abge- schlossen, stellt der Verfasser am Schlüsse seines Werkes die ge- schichte der ungarischen fischerei dar und zeigt dabei, welche fang- I A Jankö Herkunft der niaj^varischen Fischerei. Werkzeuge bei den vorfahren der magyaren in der finnisch-ugrischen, welche in der ugrischen zeit in geljrauch gewesen, welche von anderen, sowie von wem und woher sie entlehnt worden sind. Daneben bezeich- net er auch den weg, auf dem die vorfahren der magyaren in ihr jetziges land gelangt sind und zeigt, wie sie, die bekanntschaft ver- schiedener Völker machend und einwirkungen und Unterweisung von ihnen annehmend, vom Ural allmählich die Wolga hinab und dann über den Don, Dnjeper und Dnjester in ihr jetziges Vaterland ausgewandert sind. Die meisten von Otto Herman's annahmen wer- den nach der ansieht des Verfassers umgestürzt. Die wichtigste von ihnen ist die, dass Herman den fischfang für einen uralten erwerbs- zweig der magj'aren hielt (s. oben punkt 2 ). In ein paar wichti- gen beziehungen schliesst sich der Verfasser jedoch, wenn auch zum teil auf anderen umständen fussend, den ergebnissen der Her- MANschen forschung an, so denen, die im ersten und vierten punkt der obengegebenen hauptergebnisse anzutreffen sind. Zum schluss versucht Jankö, auf die namen dreier fische gestützt, das gebiet zu bestimmen, auf dem sich die gemeinsame heimat der ugrischen Völker befunden hat, und kommt zu dem schluss, dieselbe müsse zwischen dem Ural und der Wolga mit dem mittleren laufe des Uralflusses als süd- und dem 55:ten breitengrade als nordgrenze gelegen haben. Wir gehen nun daran das werk näher zu betrachten und müs- sen sogleich bemerken, dass wir es für einen mangel halten, dass der Verfasser in keiner weise das System begründet hat, welches er in seinem werke befolgt. Uns scheint es z.b., als ob die arten der fische- rei, bei denen der fischer als der aktive d. h. angreifende teil er- scheint (beim fischen mit gabel, schlaghaken oder beim pfeilen) in einem auf die entwicklungslehre gegründetem System vor den ande- ren darzustellen gewesen wären. — Seme methode trägt der Ver- fasser kurz mit folgenden Worten vor: »Ich lege das Werk Herman's zu Grunde und nehme sodann die durch ihn aufgezählten ungarischen Fischereigeräthe der Reihe nach vor ; dieser Basis füge ich die russischen, wenn nöthig, die westlichen Daten bei, um so dann, wenn sich eine Überein- stimmung constatieren lässt, auf die Verwandschaft zu schliessen. Als Kriterium der Verwandtschaft benütze ich die sprachlichen Daten, wie ja diese letzteren Daten auch in vielen derartigen Fällen entscheidende Bedeutung besitzen, wenn die Objecte selber — z. B. l^ei den türkischen Völkern — nicht zur Genüge sprechen.» Jankö Herkunft der inagyarischeu Fischerei. Wie man aus dieser festlegung der methode sieht, ist in dem werke den sprachHchen Zeugnissen ein merkhcher räum gegeben. Und das ist ja auch natürlich bei einer ethnographischen forschung, die sich so eng an die Sprachwissenschaft anschhesst. Jedoch hat der Verfasser die Sprachwissenschaft in einigen fällen in einer weise als hilfsmittel gebraucht, die seinem werke nicht zum verdienst ge* reicht. Es muss zugestanden werden, dass zwei worte verwandter sprachen, die die Sprachwissenschaft hat zusammenstellen können, und die ein und denselben der typologischen vergleichung unterworfenen gegenständ bezeichnen, eine bedeutende beweiskraft besitzen, aber ebenso sicher ist auch, dass der beiderseitige mangel eines Wortes nicht annähernd immer das fehlen des gegenständes selbst beweist, noch die entlehnung eines Wortes die entlehnung des begriifes. ' Daher kann auch die letztere in Verbindung mit anderen thatsachen derselben natur die aufnähme des lehens nur wahrscheinlich machen, tür die aufstellung einer absoluten behauptung aber ist sie unzureichend, wenn auch die tj^pologische beweisführung, die typen zweier verwandter Völker zusammenstellt, aus dem einen oder anderen gründe unzu- länglich oder unsicher bleibt. Es ist ja nämlich immer die mög- lichkeit vorhanden, dass eine zwischenform dem forscher unbekannt geblieben ist. Erst wenn die entlehnung auf typologischem gründe glücklich nachgewiesen, und klargestellt ist, dass man respektive formen mit formen verwandter Völker nicht in typologische Ver- bindung setzen darf, kann man der sprachlichen entlehnung die be- deutung eines Zeugnisses, aber auch nur eines nebenzeugnisses ein- räumen. Es ist dies aber schon an sich wichtig, da es einen schluss "betreffs der entlehnung bekräftigen kann ; denn es könnte ja eine form, die ein volk mit einem nichtstammverwandten gemein hat, die aber in dieser form den verwandten Völkern fehlt, dennoch ursprünglich sein. Derart ist meiner ansieht nach die bedeutung der lehnwörter in der typologischen ethnographie, jedoch nur in dem falle, dass sich die objekte, die behandelt werden, bei den stamm- verwandten Völkern, wenn auch in abweichenden formen, finden. Einfacher ist die Sache, wenn bezügliche objekte bei stammverwand- ten Völkern nicht existieren. Alsdann können nämlich die lehn- ' Vgl. über den relativen wert der negativen und positiven sprach- lichen thatsachen vSet.\l.\, I. N. Smirnow's Untersuchungen etc., JSFOu XVII 4 7. Jankö Herkunft der magyarischen Fischerei. Wörter stärkere beweiskraft haben. Dass Jankö die bedeutung; der lehnwörtcr nicht immer von diesem g;esichtspunkt aus erfasst hat, wollen wir mit einem beispiel beleuchten. Nachdem er alle ihm l)ekannten formen des fischzauns in tjpologische gruppen geteilt, bemerkte er, dass mit flügelleitwänden versehene, gehöfte fisch- zäune nur auf ungarischem und süd- russischem gebiete begegnen, auf dem ersteren nur eine, der sog. Neusiedler- see-fischzaun (fig. i, Jankö fig. 4) und auf dem letzteren zwei formen, beide am Dnjeper (fig. 2 — 3, Jankö 14 — iS). Auf grund dieses faktums, das an sich zu gar keiner Schlussfolgerung bezüg- lich der entlehnung in der einen oder anderen richtung führen konnte, beson- ders wo die in frage stehende ungarische und die betreffenden russischen fischzaunformen sich bedeutend von einander unterschei- den, schliesst Jankö gleichwohl unbedenklich, die magv'aren hätten nach dem muster der russischen fischzäune die anwendung der gehöften Fig. I. (Jankö Fig. 4). Fig. 2 (Jankö Fig. 14) Fig. 3 (Jankö Fig. 15). flügelleitwändigen fischzäune erlernt, da solche formen den ostjaken und finnen fehlen. Über die Schwierigkeit in der form, die er trotz- dem bemerkt hat, sucht er dadurch hinwegzukommen, dass er er- klärt, die ungarischen seen erforderten eine kompliziertere konstruk- tion, und der mag}'arische fischzaun habe sich aus diesem gründe Jankö Herkunft der magyarischen Fischerei. zu ^össerer Vollkommenheit entwickelt als die russischen analoga. Um seiner Schlussfolgerung absolute gültigkeit zu verleihen, bringt er als nebenzeugnis herbei, einige teile des Neusiedlersee-fisch- zaunes hätten namen slavischen Ursprungs. Er sagt: »Dass die Magj^aren mit der neuen Fischzaunform auch die Namen der neuen, folglich durch sie bisher nicht benann- ten Theile übernahmen, beweist der slavische Ursprung der Benen- nungen der accessorischen Theile: kotrocza (Höfiein), pelöcze ( Vorhof ), lesza (Leitwand).» Es bleiben jedoch zwei sehr wichtige umstände von Jankö unberücksichtigt: i) dass zwischen dem Neusiedlersee- und den Dnjeper-fisch- zäunen eine sehr grosse form Verschiedenheit besteht (das zeugnis betretfs der Veränderungen, die durch die geographischen Verhält- nisse bedingt sein sollen, bedeutet nichts, denn in Ungarn sind nicht im mindesten alle seefischzäune kompliziert); 2) dass die magyaren, welche — und das giebt der verfasset auch selber zu — den fischzaun seit uralten zeiten gekannt haben, sehr leicht die gehöfte form erfinden konnten, die nur eine natür- liche entwicklung aus der ujigehöften war. Schliesslich halben auch die lehnwörter in diesem falle nach dem oben erwähnten prinzip keine beweisende bedeutung. So wenig die benennung kürtö nach der meinung des Verfassers beweist, dass die magj-aren die herstellung der fischkammer (hofiose fischzäune hält der Verfasser für finnisch-ugrische formen) von den türken erlernten, sowenig können die erwähnten lehnwörter sla- visches lehen beweisen. Dass Jankö's annähme der entlehnung un- begründet und nicht einmal glaublich ist, beweist auch der um- stand, dass rezensent gegen herrn Jaxkö's Versicherung weiss, dass es auf ostjakischem gebiete gehöfte flügelleitwändige fischzäune giebt, und zwar in einer gegend, wo sie in keinem falle als aus russischem einfluss hervorgegangen angesehen werden können. Be- zeichnend ist übrigens, wie der Verfasser selbst mit seiner an- nähme des prinzips des Neusiedlersee-fischzauns als slavisches le- hen in Schwierigkeiten gerät. Er ist nämlich in seinem werke zu dem schluss gekommen, dass die slaven den fischzaun von finnischen Völkern entlehnt haben. Die sache verhält sich wesentlich folgen- dermassen. Bei der Untersuchung über die Verbreitung des fisch- zauns macht der Verfasser die beobachtung, dass er auf dem alten grund und boden der ""rossrussen ijanz fehle. Die slavische be- Jankö Herkunft der magyarischen Fischerei. nennung des Jischzauns (kottj, koth, KOieub, Kyreub) stellt er, auf MuNKÄCSl's Vermutungen gestützt, zu ostj. kot, knl, yjat 'zeit, haus', mordw. kut, tscher. kudo, rinn, koti u. s. w. und kommt aus dieser vergleichung zu dem schluss, dass der stamm des tisch- zaunnamens kot, und daher auch der lischzaun selbst, tinnisch- ugrischen Ursprungs seien. Unter diesen umständen wurde es dem Verfasser schwer ohne weiteres die herleitung des Neusiedlersee- fischzauns aus formen des Dnjeper-fischzaunes zu erklären. Aus dieser Schwierigkeit herauszugelangen erklärte er, die vorfahren der magyaren seien schon lange vor ihrer ankunft im thale des Dnje- per mit den slaven bekannt geworden und zwar auch mit dem stamm, aus dem die heutigen kleinrussen hervorgegangen sind (bei diesen findet sich nämlich der fischzaun), und dieser habe von jenen die anwendung des fischzaunes gelernt. In den händen der slaven hatte sich dann — erklärt der Verfasser — der fischzaun der mag^-aren mit schnellen schritten entwickelt, bis er vor der ankunft der magyaren am Dnjeper die formen erlangt hatte, die jetzt daselbst existieren, und die die magj'aren dann entlehnten. Es dürfte nicht zu leugnen sein, dass die ganze beweisart durch und durch schwach und seltsam ist — sowohl soweit sie den Ursprung des Neusiedlersee-fischzauns betrifft, wie auch darin, dass der fischzaun der slaven finnisch-ugrisches lehen wäre. Bezüglich des letzteren besonders ist schon die behauptung, die » stamm »- form kot des russischen, fischzaun bedeutenden wortes sei fin- nisch-ugrischen Ursprungs, sehr zweifelliaft aus dem gründe, weil die entsprechenden finnisch-ugrischen Wörter in keiner der stamm- verwandten sprachen fischzaun bedeuten foder glaubt der verlasser, das finn. katiska sei finnisch-ugrischen Ursprungs? es ist jedoch klar altruss. lehnwort, ursprünglicher katitsa < asl. kot(>ci>^; aucli indoeuropäischerseits scheint nichts zur annähme der entlehnung zu zwingen"''). Wenn der Verfasser meint (s. 133): »Der Umstand, dass den * Siehe Setäl.X, Archiv für slav. Phil. XVIII 259; eine müiuUiche erkläning Setälä's findet sich zitiert bei Saxex, Finska länord i öst- svenska dialekter 141, siehe auch Virittäjä 1900 73. - Der Verfasser sagt selbst u. a. : »dass das Haus bedeutende finnisch-ugrische Wort kat, kot, kut, von den Finno-Ugriern noch vor ihrer Ablösung von den Iraniem übernommen wurde und ursprünglich eine in die Erde gegrabene Wohnung bedeutete» . . . Wenn es sich so verhält, was zu beurteilen ausserhalb meiner kompetenz liegt, so darf man wohl fragen, warum in diesem falle nicht russ. kot (wenn wir von Jaiikö Herkunft der inagyarischen Fischerei. 9 sprachlichen Forschungen zufolge die russ. Benennung kot für Fischzaun ugrischen [früher finnisch-ugrischen?] Ursprunges ist, wird wiederum durch jenes Resultat der typologischen Forschungen bekräftigt, dass die in Europa verbreitete Formenreihe des Fisch- zaunes einen Urbesitz der Ugrier bildete, den sowohl Russen, wie auch Türken den Ugriern ablernten», so beweist dieser ausspruch des herrn Verfassers gar nichts, da er ja, wie wir weiter oben gesehen haben, im gegenteil den Neusiedlersee-fischzaun nicht von ugrischen formen herleiten kann ohne die Dnjeper-formen als Zwischenglieder zu setzen. Die behauptung, dass der tischzaun in den alten Wohn- sitzen der grossrussen fehle, erscheint ebenfalls bei näherer betrach- tung durchaus haltlos. Der Verfasser hat ein zu grosses ver- trauen zu den von ihm Itenutzten russischen quellen gehabt, oder richtiger, sich zu sehr dem glauben hingegeben, die fang- geräte, die er nicht in seinen quellen fand, seien wirklich dem russischen lischfang fremd. Schon aus dem umstand, dass der Verfasser in der litteratur keine nachrichten darüber gefunden hat, ob es zwischen Astrachan und Kasan fischzäune giebt oder nicht, obgleich er gelegenheit gehabt hatte, auf diesem gebiet manchmal von ihnen zu hören, hätte ihm ein zweifei über die möglichkeit kom- men müssen, dass dies fanggerät in den alten Wohnsitzen der grossrussen ganz fehlte. In der that existiert auch bei den gross- russen der tischzaun und zwar an der Oka. Hierüber schreibt I. S. POLJAKOV in seinem werke: ^»Ilacji'feaoBaHia no KayeHHOMj' Bt.Ky bi. <).TOHeuKOH ry6epHin, ht. ACJiBHi Okh h na BepxoBbaxi. Bojirn» (»Untersu- chimgen über die Steinzeit im gouvernement Olonetz, im thal der Oka und am oberlauf der Wolga») auf 76 Seiten. Wir wol- len hierzu bemerken, dass POLjAKOV im anschluss an einen tisch- zaunfund aus der frühen Steinzeit auf den jetzigen grossrussischen hschzaun (KOTasbi) zu sprechen kommt. Der fund ist sehr interes- sant, wenn er auch für unseren gegenständ keine bedeutung hat, da schwer zu sagen ist, was für ein volk in jener urzeit an der Oka gewohnt hat. Eine lehre kann man jedoch daraus ziehen, und zwar die, dass man die grösste vorsieht bei einer behauptung zu beobachten hat, wie der, dass eine durchaus ursprüngliche tanggerät- (1er Verschiedenheit der bedeutung abstrahieren) ebensowohl ein ur- sprüngliches, einem iranischen original entsprechendes slavisches wort sein könnte? lO Jaiikö Herkuuft der inag3-arischen Fischerei. art als lehen von einem volksschlag zu einem anderji »gewan- dert sei. Aus dem gesagten dürfte hervorgegangen sein, dass sich der Verfasser nicht immer der nötigen kritik befleissigt hat, wenn er Schlüsse gezogen oder sich über entstehende Schwierigkeiten klar- zuwerden versucht hat. Um diese unsere bffehauptung noch augen- scheinlicher zu machen, stellen wir noch ein charakteristisches bei- spiel hierher. Wir besprechen die stelle, wo der Verfasser, auf drei üsch- namen gestützt, die gegend zu bestimmen sucht, wo die gemein- same heimat der ugrischen Völker gewesen ist. Er leitet seinen beweis aus den folgenden prämissen her: »In der m^agy arischen Fischerei giebt es drei grosse Fische: der Hecht (csuka), der Wels (harcsaj, der Karpfen fpo?ilyJ; diese drei sind so gross, dass sie in wirthschaftlicher Beziehung für den Fischer von der grössten Bedeutung sind; dem Äusseren nach sind sie aber derart von einander verschieden, dass, wenn diese Fische erst mit Namen belegt wurden, diese ohne jede besondere Ursache auf keinen anderen Fisch übergehen konnten, und ging ich bei meinen weiteren Untersuchungen von der Voraussetzung aus, dass, wenn die Benennungen dieser Fische im Magyarischen ugrischen Ursprunges sind, diese Benennungen nur dort entstehen konnten, wo alle drei Fische in den Gewässern vorkamen. Wenn sich dieses Gebiet bestimmen lässt, so können wir auf diesem naturhistorischen Wege die Urheimat der Ugrier, oder wenigstens eines Theiles derselben nachweisen. •■•> Dann beweist der Verfasser, dass zu dem gebiet, wo alle er- wähnten fische zusammen anzutreffen sind, asiatischerseits, Südasien nicht eingerechnet, nur der Aralsee sowie der Syr-Darja und Amu- Darja, in Europa der Dnjeper, Dnjester, Don, die Wolga und der Uralfluss — mit dem 55:ten breitengrad als nordgrenze — gehören. Hierauf fährt er fort: »Nachdem unsere geschichtlichen Daten bewie- sen, dass dj^ Magyaren aus dem Uralgebirge kamen, ist wohl er- laubt, aus dem Verbreitungskreise des Welses und Karpfens einst- weilen das Aral-Becken und dessen Wassergebiet auszuschliessen [!]» So bekommt Jankö als gebiet der gemeinsamen heimat der ugrischen Völker das land zwischen Wolga und Ural — mit dem 55:ten brei- tengrade als nord- und dem mittellauf des Uralflusses als südgrenze. Die lokalbestimmung war unter der annähme gemacht, dass die namen csuka, harcsa und ponty ugrischen Ursprungs, und Jankö Herkunft der niagyarischen Fischerei. die fische der art waren, dass sich ihre benennunj^^en nicht vertau- schen lassen konnten. MUNKÄCSI hatte bewiesen — die gültigkeit des beweises dürf- ten die fachleute nicht mehr für sicher ansehen — dass die beiden letzteren benennungen ihre entsprechungen haben: wog. särt^ nordwog. sort, Unterloswa sort, nordostj. sort, südostj. snrt, surf — südostj. /HTjos. Aber — den namen csuka leitete MuNKÄCSl aus den sla- vischen sprachen her. Dazu aber kam noch eine andere bedenkliche Schwierigkeit — sowohl sarf als .petjaS bedeuten 'hecht', obwohl ihre entsprechungen im mag}-arischen 'weis' und 'karpfen' bedeuten. Die Voraussetzungen haben also nicht stich gehalten. Aus der Schwierigkeit versucht sich der Verfasser auf die folgende seltsame weise zu ziehen. MUXK.Ä.SCI hatte die thatsache gegeben, dass der hecht im magyarischen einen namen slavischen Ursprungs hat, weil nämlich der hecht seinerzeit bei den magyaren (wie noch heute bei den wogulen) ein heiliges tier gewesen ist, dessen eigentlichen namen auszusprechen man sich fürchtete, aus welchem gründe der sla- vische name in der praxis leicht dej herrschende wurde. Auf dieser erklärung MunkaCSi's fussend suchte der Verfasser aus dem Widerspruch herauszukommen, in den er geraten, als er konstatierte, der name des hechts sei slavisch, und die namen harcsa — sorf und ponty — perjas haben verschiedene bedeutung in den verschiedenen sprachen, und erklärte die sache folgendermassen : »Als die Mag\aren aus diesem zwischen Wolga und Ural gelegenen Vaterlande aufbrachen, trafen sie auf ihrer Wanderung bis zur Theiss und der Donau überall nur auf solche Flüsse, in welchen diese drei Fische in grosser Menge vorkamen, sie hatten also keine Ursache weder die Benennungen harcso für Silurus glanis, noch ponty für Cyprinus carpio zu vergessen oder auf andere Fische zu übertragen; nachdem jedoch Esox lucius keinen besonderen Na- men besass [?], übernahmen sie damals, als in den Gegenden des Dnjeper schon die Russen [?] für sie fischten, anstatt der bisher gebräuchlichen attributiven Benennung den russischen [?] Namen csuka. Es ist dies ganz natürlich. Nach der anderen Richtung hin zogen die Wogulen und Ostjaken, nachdem sie im Mittellande zwischen Wolga und Ural von den Mag}'aren abschieden, nach Norden und Nordosten, wobei sie den Ural überstiegen und ihre W^anderfahrten im Irtysch- Obbecken begannen. In diesem Becken war jedoch von den ihnen bekannten drei Hauptfischen bloss einer, der Esox lucius bekannt, der aber heilig war, und als solcher keinen besonderen Namen besass [?], Jankö Herkifiift der mag\-arischen Fischerei. während Silurus glanis und Cyprinus carpio nicht vorhanden waren, und daher die Bezeichnungen derselben sort, l)eziehentlich penas überflüssig wurden. Als dann Esox lucius an seiner religiösen Bedeutung eine Einbusse erlitt, und die Berührung mit anderen Völkern eine Benennung des Fisches mit einem Nennworte not- wendig machte [?], wählten hierzu ganz allgemein sowohl 0.stjaken,_ wie Wogulen das Wort sori, auf einem kleineren Gebiete das Wort pehah, da sich diese schon im Sprachschatze befanden, dieselben im neuen Vaterlande ganz überflüssig waren, und sie sich dessen recht gut erinnerten, dass ig ihrer Urheimat, jenseits des Ural, sowohl sorf^ wie auch pciiah grosse Fische bedeuteten.« Wie man sieht, ist von den ursprünglichen annahmen des Verfassers nichts übrig geblieben. Dagegen aber dehnt sich das beweisfundament, das er von MuNKACSl übernommen, unter seinen händen sehr erheblich in die weite. MuNKÄcsi hatte gesagt: >; Diese tiere [bär, schlänge, wolf, hirsch] sind nämlich in der religiösen Vorstellung des wogulischen volkes jelpin ujil, heilige tiere, deren wahren namen sie aus ehrerbietung oder furcht nicht auf die lippen nehmen.» Statt dessen geht der Verfasser, wie wir oben gesehen haben, von der annähme aus, die heiligen tiere hätten überhaupt keinen eigentlichen namen. Diese behauptung hat er jedoch nicht bewiesen, und schwer dürfte sie auch zu beweisen sein, denn wenn irgendwer, so müssten ja gerade die heiligen tiere ihre namen haben, werden sie auch ihrer heiligkeit wegen nicht in der profanen rede gebraucht. Sind doch auch die alten tinni- schen namen des baren: ohto (tinn.-mord. ^1, kontio ( Ann. -läpp. ■■^) karhu (finn.-est. ) (auch die Annen haben nämlich, wie die ost- jaken und wogulen, dem baren grosse Verehrung erzeigt und früher augenscheinlich auch für heilig gehalten), als eigentliche namen, ungeachtet vieler beinamen (mesikäminen 'honigtatze', simasuu 'metschnautze') erhalten. Hätte da also der eigentliche name des hechts z. b. bei den wogulen in Vergessenheit zu geraten brauchen, weil die heilighaltung desselben bis auf diese tage bei diesem volke bewahrt geblieben ist? Wenn anderseits der vom Verfasser ange- nommene fremde einfluss die namengebung für einen namenlosen fisch nötig gemacht hätte, wäre es dann nicht glaublicher, dass die wogulen und ostjaken angefangen hätten den hecht mit einem lehnwort zu lienennen, wie es die mag^'aren gethan ha1)en? ' Setäl.v, äH 202. - Set.\iJv üuantitätswechsel JSF"Ou XIV 3 10. Jaukö Herkunft der mag3arischen Fischerei. 13 Um zu zeigen, in welches knäuel von Schwierigkeiten sich der Verfasser in dieser sache verwickelt hat, sei noch die art er- wähnt, auf die er aus den türkischen Wörtern loszukommen sucht: kasantat. curtan, kojb. sortan, alt.-tat. corton, jakut. sordon, tschuw. surtan, von denen sich nach MuxKÄCSl's Vermutung die Wörter harcsa — sorf herleiten. Unbequem ist nämlich dabei, dass auch diese türkischen Wörter 'he cht' bedeuten und, wie wir oben sahen, hatte Jankö angenommen, die Wörter harcsa — sort hät- ten ursprünglich weis bedeutet. Es war also zu beweisen, dass das wort bei seiner entlehnung aus einer türkischen spräche durch die ugritr auch in dieser spräche 'weis' bedeutet hat! Und dies geschieht in der weise, dass der Verfasser annimmt, jene türkischen Völker, l)ei denen das wort curtan jetzt hecht bedeutet, wären später vom welsgebiet in solche gegenden ausgewandert, wo es keine weise gab, und die bedeutung des in frage stehenden wortes hätte sich auch in diesem fall in derselben weise wie vorher bei den ost- jaken und wogulen geändert. So waren alle der hypothese wider- streitenden Schwierigkeiten mit hilfe der methode beseitigt, mit der man — scheint es — alles nach wünsch beweisen kann. Dies merkt jedoch der Verfasser nicht, sondern er sagt zu guter letzt: »Demnach kann also die uralische Urheimat der Magyaren, von der aus sie ihren europäischen Wanderzug antraten, mit der Gewissheit naturwis- senschaftlicher Daten derart bestimmt \verden, dass dieselbe zwischen den Flüssen Ural, Wolga, Kama und Bjelaja lag.» Aus dem obigen ist deutlich geworden, wie sich der Verfasser über die Schwierigkeiten klar wird, auf die er bei der erklärung der entlehnungen und der Zusammenstellung von Wörtern von verschie- denem begriff aber formlicher Zusammengehörigkeit triflft. Im fol- genden bringen wir ein beispiel dafür, wie er die Schwierigkeiten überwindet, denen er bei der Zusammenstellung verschiedener tj'pen l)egegnet. Wir nehmen unser beispiel aus dem stück, wo er vom quackholz spricht. Auf die forschungen des russischen gelehrten Faleev ge- stützt, kommt der Verfasser zu dem schluss, dass von dem ihm bekannten quackhölzern das hornförmige die älteste form sein müsse, da sie am meisten seinem zweck entspreche. Für diese annähme hat er noch einen beleg in einigen versen aus Homers Ilias. 1 Weiter bemerkt er, zu der vollkommensten konstruktion > Jankö s. 553. 14 Jankö Herkunft der magyarisclien Fischerei. des quackholzes gehöre auch, dass die angelleine gleich mit dem holz verbunden sei. Von einer solchen quackholzform, die beiden anforderungen genügte, wusste Jankö am Njemen, und diese war ein wirkliches hörn (Jankö fig. 519). — Unter den quackhölzern, die Herman in seinem werke darstellt, waren drei mit holzstiel und vollsohle versehen. Ihren Ursprung konnte herr Jankö leicht ab- leiten, denn er wusste, dass es am Dnjeper ebensolche gab. Jetzt befand sich aber, auch unter den quackhölzem, die Herman auf- zählt, eine an ein hom erinnernde form und zwar aus t-inem blechstreifen hergestellt. Es erhob sich daher die frage, woher diese quackholzform in die bände der mag\^aren gekommen war. Schwer war anzunehmen, dass die magyaren jemals motive vom Njemen hätten bekommen können. Indem sich der Verfasser nun nach einer antwort auf diese schwierige frage umsah, bemerkte er. dass in Herman's werk von einem quackhclz die rede war, dessen vollsohle aus hom war, und jetzt macht er den schluss^ dieses homsohlige quackholz sei natürlich die zwischenform zwischen dem homenen vom Njemen und denen mit vollsohle. Zugleich bemerkte er, dass das voUsohlige quackholz vom Dnjeper hornform hatte [?]. Und um keinen zweifei darüber zu lassen, dass das voUsohlige quackholz vom Dnjeper und das homene vom Njemen zusammen- zustellen seien, bewies der Verfasser noch, dass an beide eine an- gelleine geknüpft gewesen sei, und dass sie daher eine uralte ei- genschaft bewahrt hätten. So war also bequem durch die vollsohli- gen quackhölzer eine brücke zwischen den quackhülzern vom Dnjeper und Njemen gebaut, die beide hornförmig waren, und von denen das letztere aus wirklichem hom war. Somit brauchte man, meinte der Verfasser, nicht anzunehmen, dass die mag\'aren jemals ein- flüsse von den geländen am Njemen aufgenommen haben. Das quackholz vom Dnjeper schien darauf hinzuweisen, dass es auch hier vor alters homene quackhölzer gegeben habe. Gegen das ergebnis des beweises haben wir für upser teil nichts zu sagen. Der Verfasser scheint jedoch auf sehr schwachem fundament zu diesem ziel gelangt zu sein. Betrachten wir die Njemen- und Dnjeper-form näher und vergleichen wir sie mit einan- der, so bemerken wir als einzig gemeinsames die gebogenheit, die Verschiedenheiten sind dagegen wichtigerer art: mit dem quackholz vom Njemen wird in der wxise geschlagen, dass die hornöffnung (also der breitere teil) ins wasser dringt, mit dem vom Dnjeper so. Jankö Hcrkiiuft der magyarischen Fischerei. dass das spitzende (also der schmalere teil), soojar mit der Seiten- fläche, ins wasser kommt; das erste ist aus hörn, das letztere aus holz ; das erstere besteht aus einem stück, während das letztere aus zweien zusammengesetzt ist. Dass man das ungarische horn- sohlige quackholz für die zwischenform jener beiden formen anse- hen könnte, darauf können wir zum wenigsten nicht aus der form lies gegenstands schliessen, und dem umstand allein, dass das (juackholz eine homsohle hat, kann in der t\-pologischen ethnographie kaum ein so grosser wert beigelegt werden, dass man berechtigt wäre dieses quackholz für die über gangsform oder gar für die >klassische übergangsform» zu halten. Aus dem vorausgegangenen dürfte klar geworden sein, dass rs dem Verfasser nicht an phantasie fehlt, die für Wissenschaftler ein so wichtiges hilfsmittel ist — lieber nehmen wir an, dass sich ein ziemliches übermass davon bei ihm herausgestellt hat. Dass er wirklich bisweilen bei seinen typologischen vergleichungen etwas sieht, was anderen schwer wird zu beobachten, dafür ein paar beispiele. In den Zeichnungen 4 — 5 sehen wir ein paar lischzäune, die Jankö in seinem werke mit den nummern 45 und 38 bezeichnet hat. Auf s. 86 sagt er von dem ersteren : »Fig. 45 ist, wie er- sichtlich, bloss eine ein bischen entwickeltere Form der auf Fig. 38 dargestellten, indem sich der Hof bei jener in der Nacken- gegend viel stärker abhebt als bei dieser.» Wir wissen nicht, was wir von dieser scharfsich- tigkeit sagen sollen; zwei mög- lichkeiten bieten sich — entwe- der: der Verfasser sieht, was an- dere leute nicht sehen, oder: er sieht ganz unnötig scharf. Nachdem der Verfasser sein material an fischzäunen in zwei hauptgruppen, in solche mit mittelständiger leitwand und solche mit flügelleitwänden, geordnet, blieben ihm drei formen übrig. Wir stellen sie in den Zeichnungen 6 — 8 dar. Nachdem er dann von allen möglichen selten gezeigt, dass man sie nicht den schon Fig. 4 (Jankö Fig. 451- Fig. 5 (Jankö Fig. 38). i6 Jankö Herkunft der magyarischen Fischerei. fertigen reihen einverleiben könne, kam er schliesslich zu dem schluss, dass sie unter einander eine besondere g;eschlossene gruppe bildeten, in der li";. 6 die grundform der anderen und fiir. 8 die am meisten entwickelte von allen dreien sei. Durch seine ver- gleiche war der Verfasser zu dem schluss gekommen, dass lig. 7 und 8 gehöfte fischzäune seien, und ersah es unter diesen umständen für unum- gänglich, dass auch in der grundform derselben, fig. 6, ein höfchen sein müsse. Durch diese behauptung schien näm- lich die herleitung der beiden letz- teren formen aus der ersten leichter zu- stande zu kommen. Betrachten wir diese fischzaunformen, so können wir zwar — das müssen wir gestehen — in den bei- den ersten bei gutem willen ein höfchen finden, wenn dies ausdrücklich gefordert wird, im letzteren aber ist es dem rezensenten unmöglich eins zu entdecken. - Übrigens fehlt die möglichkeit zu konstatieren, ol) sich die vom Verfasser zusammengestellten formen wirklich aus einander herleiten, da er hier (wie auch in einigen anderen fällen) Fig 6 (Jankö Fig 6S). Fig. 7 (Jankö Fig. 60). Fig. 8 (Jankö Fig. 2). nicht die Verhältnisse angegeben hat, unter denen fig. 6 ins fisch- wasser eingestellt ist. Rezensent hat allerdings auf ostjakischem gebiet analoge formen gefunden, aber hiermit kann man herrn Jankö's Zusammenstellung nicht sicher verteidigen, wohl aber für einiger- massen möglich halten. Näher schiene jedoch die erklärung der fig. 7 (der Parikkala-form) und daher auch der fig. 8 (der unga- rischen form) von der einstellungsart des einkammerigen fischzauns, Jankö Herkunft der magyarischen Fischerei. 17 I wie sie üg. 9 zeiget, zu liegen (siehe Jankö fig. 67). Hierfür giebt es wenigstens einige andeutungen in ostjakischen fischzaunformen, die dem Verfasser unbekannt geblieben sind. Es scheint diese erklä- rung um so natürlicher, als nämlich dadurch, dass auch auf der hinteren seite der kammer ein ein- gang angebracht ist, auch die fische ungehindert in das fanggerät zu bekommen sind, die das rechte ^___^^^^ tkissufer entlang kommen. ^ /^ \ Eine darstellung der biologi- \ y \_y sehen thatsachen, soweit dieselben mit den fanggeräten in Verbindung stehen, ist ganz unvermeidlich in ei- nem werke, das über die zusam- Fig. 9. mengehörigkeit und Verwandtschaft der verschiedenen fanggeräte zu einem ziel gelangen will. Leider müssen wir jedoch bemerken, dass der Verfasser diesem punkt nicht immer hinreichend aufmerksamkeit geschenkt hat. Es kann sogar vorkommen, dass ihm das Verständnis für die biologische seite eines fanggeräts vollständig fehlt. Wir nehmen als beispiel das wehr, das die ostjaken zur ein- legung ihrer babuschenreuse bauen (Jankö fig. 112). Dasselbe wird im frühsommer für die flutzeit hergerichtet, denn nur in star- kem Stromwasser ist die babuschenreuse »fängisch». Wegen der von dem riutwasser mitgeführten gegenstände ■ — äste, blätter u. m. — machen die ostjaken das wehr so undicht, dass selbst der grösste fisch ohne Schwierigkeit hindurchkommt. Nichtsdestoweniger aber be- kommt man durch das wehr reichlich fische. Es liegt dies daran, dass der fisch, der mit dem ström herunterkommt, vor dem im Strome sich biegenden wehrhölzern und dem durch sie hervorge- brachten brausen erschrickt und als durchgang die grösste Öff- nung im wehr, das reusenthor, wählt und ohne es zu bemerken in die schmale babuschenreuse gleitet. Hier ist also der wichtige umstand zu beachten, dass nicht die dichtigkeit des wehres den tisch am durchschlüpfen durch dasselbe hindert, sondern die von den wehrhölzern erzeugte bewegung und ihr brausen. Der Ver- fasser hat die sache jedoch nicht von diesem biologischen gesichts- punkt aus aufgefasst. Dass der fisch in die babuschenreuse gerät, erklärt er nämlich auf die folgende unmögliche weise: »Der Fisch Jankö Herkunft der magyarischen Fischerei. findet die Wehre im Wege, tappt mit der Nase tastend an derselben entlang und gelangt zur Mündung, die ihn in den engen Arm hineinlockt». Um zu zeigen, dass der Verfasser keineswegs den unterschied erfasst hat, der zwischen diesem und anderen wehren besteht, erwähnen wir, dass er (s. 175) als den ostjakischen namen des wehrs der bal)uschenreuse das wort var angiebt, wel- ches ein aus sparren zusammengebundenes dichtes wehr liedt-utet. Dass der Verfasser sich nicht näher auf die biologischen be- dingungen der verschiedenen wehre eingelassen hat, tritt auch darin zu tage, dass er in dieser hinsieht keine einteilung der wehre vor- genommen, und dass er überhaupt dem wehr keine ethnische be- deutung beizumessen vermocht hat. Es kommt auch vor, dass er von den fanggeräten eine fal- sche meinung hat, ohne dass sich diese auf ein missverständnis der biologischen thatsachen gründet. Indem er das ungarische fang- gerät kecze mit dem ostjakischen kolydan vergleicht, legt er bei der aufzählung der Verschiedenheiten das grösste gewicht auf eine eigenschaft, welche am kolydan eigentlich sehr wenig bedeutung hat. Er sagt: »diese Eigenschaft besteht darin, dass der Fischer, wenn er das Anschlagen des Fisches an die Garnwand fühlt, die Fühlleine fallen lässt, wobei das Netz zuklappt und der Fisch in die Falle geräth». Wie der Verfasser das zuklappen des kolydan's ver- standen hat, bleibt in der zitierten stelle ungesagt, vermuten lässt sich jedoch, dass er annimmt, es komme hauptsächlich durch das gewicht eines eisenrings, wodurch die Zugleine des von ihm er- klärten kolvdan's ins boot hineinschlägt; denn das gewicht des netzes selbst ist so gering, dass man nicht hiervon allein das plötz- liche zusammenklappen des netzes abhängig machen kann. Nun verhält sich die sache aber so, dass jener eisenring nicht annäliernd an allen kolydan zu finden ist, dass er vielmehr noch vor einiger zeit sehr selten war und sein musste, und dass man statt dessen im allgemeinen einen hornenen ring gebrauchte. Rezensent hat sogar auch kolydan-ringe gesehen, die aus holz waren, welches bekanntlich im wasser nach oben und nicht dem gründe zustrebt. Die thatsache also, dass der fischer, während der fisch in die falle gerät, die fühlleine aus den bänden fahren lässt, kann unter diesen umständen kein wesentliches gewicht haben und braucht es auch nicht zu haben, denn in dem augenblick, wo der fischer das anstossen des fisches fühlt, hebt er den kolvdan em- Jaukö Herkunft der magyarischen Fischerei. 19 por. Infolge des Wasserdrucks schliesst sich allerdings, das ge- stehen wir ein, auch die öftnung des kolydan's zusammen. Aber dieses zusammenklappen ist nicht die Wirkung des loslassens der fühlleinen, vielmehr erfolgt dieses thatsächlich nur aus dem gründe, weil der hscher die leinen nicht weiter braucht, und sie nicht verhin- tlern sollen, dass sich die netzöffnung schliesse. Den kolydan kann man also füglich nicht zu den fallfischereigeräten rechnen, die nach des Verfassers aussage die hyperboräische fischerei charakterisieren. Die forschungen des Verfassers gründen sich zum grössten teil auf litterarische quellen, zu denen er — wie wir schon oben gelegenheit hatten zu sehen — grosses vertrauen gehabt hat. Es ist dieses vertrauen stellenweise so weit gegangen, dass er nur aus dem umstände, dass die von ihm benutzten quellen von der Verwendung eines objekts in einem bezirk nichts erwähnt haben, geschlossen hat, das betreffende objekt fehle wirklich in dem betreffenden bezirke. Ein derartiges vertrauen zu den negativen Zeug- nissen von quellen könnte man füglich für kritiklosigkeit ansehen, da der Verfasser auf grund derselben geneigt ist solche züge in der ungarischen fischerei für verhältnismässig spät, d. h. entlehnt zu erklären, die ihrer natur nach zu den allerfrühsten eriindungen des menschlichen geistes auf dem gebiet der fischerei gehören. Er- wähnt sei nur ein beispiel. Bei besprechung der Schleusenfischerei macht der Verfasser die beobachtung, dieselbe werde auf russischem gebiet nirgends als in Kaukasien ausgeübt, und zieht daraus den schluss, die mag\'arische Schleusenfischerei müsse also kaukasischen Ursprungs sein: ;>und müssen wir annehmen, dass die Schleusse kaukasischen Ursprunges ist und auf ungarischen Boden durch jene Szekler gelangte, in denen die neuere Geschichtsforschung kauka- sische Kabaren sieht». Hätte der Verfasser diese frage auf seiner ostjakischen reise genauer untersucht, so hätte er wenigstens dieselbe idee, wenn auch nicht dieselbe form dieser fischerei dort gefunden. An das voraufgehende schliesst sich seiner natur nach der folgende fall an. An der band der sprachwissenschaftlichen hülfs- mittel kommt der Verfasser zu der Schlussfolgerung, die sackwate sei türkischen, und die verschiedenen sacklosen waten seien entweder germanischen oder slavischen Ursprungs. Man hätte nun aus der thatsache, dass sich der fang mit der wate als lehen erweist, als natürliche folgerung erwartet, dass auch der netzfang, der nun der analvse zu unterwerfen war, sich als ebensolches lehen erwiese. 20 Jankö Herkunft der magyarischen Fischerei. Aber in dieser annähme wird man getäuscht. Der Verfasser be- weist nämlich, dass das Met-netz ugrischen Ursprungs sei. Zu diesem letzteren haben wir unsererseits nichts zu bemerken. Aber unbegreif- lich ist uns, wie ein volk, das perfekte zwirn- und spinnfertig- keit voraussetzende netze von so feinem material herzustellen ver- steht, netze, die zum fang nicht mehr die handhabung seitens des lischers erfordern und sich auch dadurch als verhältnismässig ent- wickelt verraten, wie ein solches volk nicht die wate hätte kennen sollen, zu deren herstellung es nicht unbedingt perfekter spinnfer- tigkeit bedarf (so steht es bei den nordsamojeden), und mit wel- chem zu fangen, da es die aktive teilnähme des fischers erfordert, zu den ältesten arten der fischerei gehört. Der Verfasser hätte Ur- sache gehabt, genauer auf diese thatsache einzugehen und ein- gehendere Studien unter den ugrischen Völkern zu treiben, bevor er behauptete, diese hätten die idee der wate von fremden Völkern entlehnt. Schreiten wir nun dazu einige worte über die in das werk eingeschlüpften sachlichen fehler zu sagen. Aus seite 593 geht hervor, dass der Verfasser die warjagen für »russen» ^ ansieht, eine annähme, die die Wissenschaft schon seit langer zeit als un- haltbar endgültig aufgegeben hat. Seite 94 behauptet der Verfas- ser, die nachricht Varpachovskij's, in den seen des tobolskischen kreises existieren eckwändige fischzäune, sei unberechtigt mit der begründung, dass er selber keine solchen gesehen habe. Rezensent hat jedoch seinerseits gelegenheit gehabt einen eckwändigen iisch- zaun bei den tobolskischen tataren zu sehen. Nachdem der Ver- fasser bemerkt, dass die ostjaken am Salym-flusse die Öffnung des fischzauns schliessen, bevor sie ihn visitieren, meint er, dieses schliessen der Öffnung sei von osten als lehen zu den ost- jaken gekommen; dies thut er auf grund einer von Sostakovic aus dem gebiet des Narym mitgeteilten Zeichnung, in der sich auf der innenseite der öflfnung eine wand befindet, von der der text nichts zu berichten weiss, in der aber der Verfasser den schliesser der Öffnung sieht. Der Verfasser hätte wissen dürfen, dass das schliessen der fischzaunöfifnung vor dem visitieren eine sitte ist, die auch anderswo, sogar auch in Finland anzutreffen ist, und die ' Siehe Thomsen, Ryska rikets grundläggning l)es. s. 93 f., über die skandinavischen nanien der Stromschnellen des Dnjepers siehe s. 51 f. — Der Ursprung des russischen vStaates iio, 57. Jankö Herkunft der magyarischen Fischerei. 21 ihren Ursprung in dem einfachen grund hat, dass man verhüten will, dass die tische beim visitieren aus der kammer entwischen. Sie kann also in keinem fall von den asiatischen hyperboräern ent- lehnt sein. In den Zeichnungen des Verfassers finden sich eine ganze menge fehler. Es ist dabei verdriesslich zu bemerken, dass sie nicht immer durch zufall hineingekommen, sondern oftmals aus der mangelhaften auflfassung des fangwerkzeugs entstanden sind. So hat der Verfasser zu der ganz richtigen erklärung, die der rus- sische forscher Varpachovskij von dem ostjakischen vaäan giebt, ein bild gesetzt, virelches deutlich zeigt, dass er die benutzung des ge- rätes nicht verstanden hat. Es ist dies ein netzsack, der in der weise aus dem wasser gezogen wird, dass die an den unteren rand der Öff- nung festgebundene stange, die brunnenpeitsche, mit einer hebestange, die mitten in die erstere eingefügt ist, in die höhe gehoben wird. Der Verfasser hat jedoch sowohl in der Zeichnung wie im texte das gerät so dargestellt, dass an dem netz statt einer hebestange, zwei Stangen seien, von denen keine mit der brunnenpeitsche verbunden ist, welche vielmehr vom eis aus als gewicht auf die brunnenpeit- sche hinabgelassen werden, und dass das aufziehen des netzes da- durch bewerkstelligt werde, dass diese Stangen von der brunnen- peitsche am ölfnungsrande fortgezogen würden, worauf die letztere zur Oberfläche aufsteige und die netzöftnung schliesse. Von einem solchen vazan weiss jedoch Varpachovskij, dessen erklärung die Zeichnung beleuchten will, nichts, noch hat rezensent der- gleichen bei den ostjaken gesehen. SoSTAJCOVic giebt allerdings in seinem artikel eine Zeichnung, die an diejenige des herrn Jankö erinnert, aber erstens (wenn SoSTAKOVic's Zeichnung überhaupt zu- verlässlich ist) finden sich hier eine ganze anzahl von teilen, welche in Jankö's Zeichnung nicht existieren, und zweitens hat SOSTAKOVIC nicht von der fischerei der ostjaken, sondern von der fischerei der in dem gebiet des Narym wohnenden samojeden gesprochen. — Von der Zeichnung 505, welche darstellt, wie der hölzerne angelhaken mit einem köder versehen wird, schreibt der Verfasser: »der Stiel ist an beiden Enden spitz, weil derselbe an der Bauchseite des Fisches unter die Haut verborgen wird, ausserdem wird er aber auch durch das Vorfach umschlungen». Sabaneev, nach welchem herr Jankö die Zeichnung giebt, sagt jedoch: »Ein ganzer fisch wird entw'eder nach karelischer weise als köder verwandt, indem Jankö Herkunft der magyarischen Fischerei. ihm der angelhaken in den bauch eingeführt und die schnür um den rücken geschlungen wird, oder der haken wird bloss durch die kiemen in den mund eingeführt, und diese art ist viel einfacher und bequemer, besonders wenn man im ströme fischt». Fig. lo. (Jauk(') Fig. 37.) ^ / ^ \ 6 Fie. II. Des Verfassers text und bild zeigen keine von diesen weisen. Sabaneev's köderungsweise ist jedoch wichtig zu beachten, da sie sehr originell ist, da sie als karelisch vorgeführt wird, und da sie auch bei einem weiteren, den finnen verwandten volke eine analo- gie hat. In Zeichnung 35 bringt der Verfasser ei- nen tischzaun, der, wie er sagt, aus dem Ta- vastland in Finland stammt (tig. 10, J.\XK(') '^^- 37'- Wegen seiner eigentümlichen, mir unbekannten form (es war nämlich daran die kammerwand zugleich der zweite Öffnungspfeiler) stach er mir sofort in die äugen, und um die richtigkeit der fakta zu konstatieren, nahm ich seine quelle (A. E. Sxellman, Muinaisjäännöksiä ja tari- noita Laukaan kihlakunnasta = Altertümer und Volksüberlieferungen aus dem sprengel Laukas) vor und fand das original in einer ganz Fig. 12. (Jankö Fig. 53.) Jankö Herkunft der tnagjarischen Fischerei. :3 anderen form und zwar so, wie es fig. 1 1 zeigt. Hier bildet also die kammerwand nicht zugleich eine zweite Öffnungswand, sondern beide öft'nungspteiler sind teile für sich. Ich habe dies vor allem deshalb erwähnt, weil der Verfasser dieser form in seiner typologi- schen reihe einen ver- gleichsweise wichtigen platz anweist, indem er in ihr die einfachste Fig. 13. form der seitenkammer- fischzäune sieht. — Ebenso ist fig. 53 (bei mir hg. 12) etwas fehler- haft. Nach der quelle muss sie die form der fig. 13 haben. Ich Fig. 14. (Jankö Fig. 73.) stelle auch diese Verbesserung hierher, weil der Verfasser an einer stelle seines Werkes (s. 1 1 8 ) anzunehmen scheint, es existiere in Fig- 15- Finland (wir sprechen hier nicht von der Parikkala-form fig. 7, Jankö fig. 60) der rundkammerfischzaun, der schon aus dem einfachen grund unmöglich ist, weil die fische nicht darin bleiben. — Die 24 Jaiikö Herkunft der magyrischen Fischerei. in fig. 73 (bei mir fig. 14) zu sehende fischzaunform hat auch rezensent bei den ostjaken gesehen, aber aus leicht begreif- lichen gründen in der form der fig. 15. — In fig. 391 stellt der Verfasser den kolydan als spitzauslaufend dar — er ist jedoch stets ffachgründig. — In fig. 146 wird die reuse von Kuhmalahti als mit ihrer flossleine an einen in den grund eingerammten pfahl angebunden dargestellt. Das holz, das herr Jaxkö in dem ethnogra- phischen museum zu Helsingfors abgezeichnet hat, ist jedoch kein pfahl, sondern ein flossholz (dazu noch mit dem zeichen des besit- zers versehen), das an das ende der flossleine angebunden wird, um anzuzeigen, wo die reuse eingelegt ist. Dieselbe wird also an keinem pfahl befestigt. Es finden sich auch derartige fälle, dass die Zeichnungen ganz richtig sind, während ihre heimat falsch angegeben ist. So soll fig. 50 aus Hollola sein, während sie jedoch aus Sahalahti stammt, fig. 51 Sahalahti — Längelmäki, fig. 52 Längelmäki — Hol- lola. Der schlimmste von diesen fehlem ist der, dass die russische kartschaga fig. 126 für eine jakutische reuse erklärt wird. — Fig. 159 fehlt ganz. Druckfehler finden sich nicht erwähnenswert. Doch haben sich dergleichen in einige Ortsnamen eingeschlichen, wo sie schlecht aussehen (»Jäeski» statt »Jääski», »Musikaupunki» statt »Uusikau- punki», »Peiveniemi» statt »Päiväniemi»). In anknüpfung hieran müssen wir auch unsere Verwunderung darüber ausdrücken, dass der Verfasser die aus russischen quellen entnommenen ostjakischen namen nach der russischen Orthographie transskribiert hat, die zur wiedergäbe der ostjakischen laute ganz ungeeignet ist .t-iki =r Ijäk, MUKeBT> := mykev, nvEi-iaroTb-ioxt =r pon-tjagot-jtix; oiixohi, =: ajxon? (statt auxoiii. r= aj-xop u. Das wort sinki (russ = cnatKE), das wie auch die vorhergehenden von Varpachovskij stammt, scheint Jankö für ostjakisch zu halten. Es ist jedoch russisch und lautet auf ostjakisch loroin, türoiii etc. Im voraufgehenden haben wir mit keinem wort von solchen fällen gesprochen, in denen der Verfasser aus dem gründe zu fal- schen Schlussfolgerungen gelangt ist, weil er nicht das ganze aui den betr. gegenständ bezügliche material gekannt hat. Wir wollen auch jetzt nicht darauf eingehen, da in dieser hinsieht gegen das werk eine menge bemerkungen zu machen wären, welche der die- ser rezension zu eebote stehende räum nicht alle zu fassen imstande Jankö Herkunft der magyarischen Fischerei. 25 wärt.'. Wir benutzen nur die o;elegenheit uns darüber zu ver- wundern, dass der Verfasser, der von so vielen selten und so fer- nen ländern sein material mit verhältnismässig; grossem erfolg zu- sammengetragen liat, hie und da in seinem werke wegen mangeln- den materials dann in Verlegenheit gerät, wenn die frage auf einen gegenständ kommt, der seine heimatliche fischerei betrifft (s. 211, 229, 327, 379, 435). Ohne grund scheint sich für den leser der fehler in einem solchen fall auf Otto Herman's schultern zu laden. Hätte der Verfasser nicht grund gehabt sorge dafür zu tragen, dass in dem heimischen material keine lücken blieben? So scheint es wenigstens dem rezensenten. Die ergebnisse, zu denen der Verfasser in seinen vergleichen- den Studien über fischzaun-, netz-, stech-, pfeil- u. a. tischerei gelangt ist, dürften sich auf grund weiteren materials in gewissem masse ändern. Und das ist ja auch nicht zu verwundern, wo man weiss, wie jung und wenig bebaut die ethnographische for- schung überhaupt noch ist, und wie wenig systematisch gesammeltes material für wissenschaftliche forschung auf dem gebiet der erfor- schung der fischerei zu haben gewesen. Im gegenteil muss man sich freuen und waindern über die seltene energie, mit welcher herr Jankö sein material gesammelt und zu einem werke verarbeitet hat, das für lange zelten, wenn auch nicht für immer, eine der ersten quellen sein wird, mit der sich jeder forscher der verglei- chenden ethnologischen lischerei wird vertraut machen müssen. Anerkennung verdient auch die scharfsichtigkeit, mit der der Ver- fasser im allgemeinen seine vergleichungen ausgeführt hat. Nur dadurch hat er auch solche blätter zur geschichte der ungarischen fischerei zeichnen können, die selbst eine heftige feuerprobe aus- halten werden. Stellen wie die Verdienste des Werkes in kurzen zügen dar, so müssen wir zugeben, dass es dem Verfasser gelungen ist, eine reichliche menge von bisher der ethnographischen forschung unbe- kanntem material zu sammeln, und dass er in manchen fällen mit erfolg die entwicklimg der vmgarischen volkstümlichen lischerei erklärt hat. Es ist kein woinder, dass dies werk, welches die historische beleuchtung eines erwerbszweiges "uezweckt hat, der seiner zeit im leben der magyaren einen der allerbemerkenswertesten platze eingenommen, in der heimat grosse aufmerksamkeit erweckt hat. 26 .Franssila Iso tamnii. An das werk anschliessend ist eine o^anze polemische litteratur (s. die biblioojaphische abteilung) entstanden, die leider nur zu oft einen recht leidenschaftlichen Charakter trägt und sogar persönliche Verunglimpfungen nicht verschmäht. Hieran ist jedoch der Verfasser in gewisser weise selber schuld. Die polemik ist nämlich- zum grössten teil daraus entsprungen, dass der Verfasser — dem nicht- ungarischen leser bleibt es rätselhaft, aus welchem gründe — in höchst ablehnender weise die schriftstellerische thätigkeit seines eignen Vorgängers, Otto Herman's, kritisiert hat, dessen mängel er mit um so mehr grund hätte entschuldigen können, als er wusste, wie schwer es ihm selbst gewesen war, zu ergebnissen zu gelangen. Helsinsrt'ors. U. T. SiRELlu.S. K. A. Franssila, Kansanrunouden tutkimuksia I. Iso tammi liit- teineen (Folkloristische forschungen I. Die grosse eiche nebst daran anschliessenden liedern). Suomi III i8. Helsingfors, Finn. Litt. -Ges. 1900. 490 s. 8:0. Preis: 5 Fmk. (Auch als disser- tation -"9 1900 erschienen.) Vorliegende arbeit ist ein erster versuch die lieder des Kale- vala-cyclus monographisch, bis auf jede einzelne zeile analysierend, zu Ijehandeln. Sie hat zum gegenständ das thema von der grossen eiche, welches uns in der zweiten rune der Kalevala entgegentritt. Die aufgäbe ist eine sehr dankbare, da sich dieses thema direkt oder indirekt aufs ganze finnisch-estnische gesanggebiet bezieht. Ursprünglich ist der gesang von der grossen eiche ein von jungen, heiratslustigen mädchen gesungenes episch-h-risches lied. Diesen charakter behält er sowohl auf estnischem als ingerman- ländischem und südkarelischem boden. Erst nördlich vom Ladoga- see entwickelt sich daraus eine episch-magische rune. In der estnischen urform des liedes erzählt die Sängerin, wie sie vergeblich versucht die eiche im namen ihrer nächsten verwand- ten: vater, mutter, bruder und Schwester, zu pflanzen. Erst in ihrem eigenen namen gepflanzt wächst die eiche bis zum himmel, die äste durch die wölken. Jetzt bittet sie ihren bruder die eiche mit der axt zu fällen. Aus dem holz der gefällten eiche werden die verschiedensten gegenstände verfertigt, vor allem aber der sän- srerin eine brautschatzkiste. Franssila Iso tanimi. 27 Die Urform des liedes erscheint an der Westküste des est- nischen Sprachgebietes am besten vertreten. Weiter nach osten kommen Variationen vor, die durch spätere Veränderungen des the- mas entstanden sind. An der nordküste (Harrien, Jenven, Wier- land) wird die eiche von der Sängerin nicht im namen, sondern gewöhnhch auf dem hofe oder (in Wierland) auch unterm fen- ster der vervvandten, und zuletzt nicht ihr selber, sondern ihrem bräutigam zum glück gepflanzt. Doch ist diese ursprüngliche form des liedes nur mit 44 Va- rianten vertreten, während die gesammtanzahl sich auf circa 230 beläuft. Noch öfter, 55 mal, ist dem liede eine andere einleitung angehängt, in welcher die Sängerin schildert, wie beim fegen des meeres oder der Stube aus den spänen eine eiche entsteht oder gefunden wird: im letzteren falle ist manchmal von einer eichel die rede. In anderen 48 Varianten wächst die grosse eiche aus dem abgeworfenen schäume des ausgetrunkenen bieres ; ursprüng- lich gehört aber dieser zug zum liede von der entstehung der esche. Andere einleitungen sind seltener und zufälliger; zahlreicher aber sind die bruchstücke des liedes, in welchen nur das wachsen und fällen der eiche, oder ausschliesslich das letztere vorkommt. Die Verbreitung des liedes und seiner verschiedenen haupt- formen kann folgendermassen geographisch dargestellt werden. Gresammtanzahl. 14 21 29 1 1 49 Lettische Sprachgrenze 37 43 Finnische spracho-renze Peipus- i see 14 Urform. 2 765 I 1 7 9 7 Fege-form. Bier-foi'in. 3 4 6 20 I 5 6 9 I 0 1 3 5 0 j 0 I 7 8 II i 9 4 28 Franssila Iso tammi. Noch ist zu bemerken, dass am ende des liedes öfters, be- sonders an der nordküste, aus der eiche zuletzt dem bruder eine badestube verfertigt wird, die von allen vorübergehenden bewun- dert wird, als wäre sie ein schloss oder eine kirche. Auch in der mitte des liedes kommt im nordöstlichsten gebiete viermal ein ein- schiebsei vor: der bruder wird zum fällen der eiche aus der Stadt geholt, wo er gerade gold- und silberschmuck kauft, angelilich für die Schwester, in Wirklichkeit aber für seine frau. Beide zusätze sind besondere themata, die auch als selbständige lieder vorkommen. Aus Wierland ist das lied der grossen eiche über den Na- rowa-fluss nach West-Ingermanland gewandert und tritt daselbst in folgender form auf. i) Ich gehe zum trinkgelage der götter; 21 mir wird bier gebracht, ich werfe den schäum 3 1 unters fenster des vaters und vor die hofpforte des bruders; 41 es wächst eine grosse eiche empor, 5) welche mit ihren ästen und blättern sonne und mond verdunkelt; 6) ich suche meinen bruder überall, finde ihn in der Stadt in der wohnung schlechter weiber gold- und silber- schmuck kaufend und, 7) hole ihn nach hause, damit er die eiche fälle; 8) aus der eiche werden verschiedene gegenstände verfertigt, 9) aus den Überresten endlich eine l^adestube, die von 'allen be- wundert wird. Das westingermanländische lied ist also eine Verbindung von drei estnischen liedern: a) die grosse eiche, b) der bruder in der Stadt und c) des bruders badestube, welche sich zu zweien (a -f- '^ und a -|- cj schon auf estnischem boden vereinigt haben. Vom erstgenannten ist hier die »bier»-form (2) mit der urform 13) ge- mischt und mit einer scheinbar mythischen einleitung ( i ) versehen worden, welche der einzige zusatz tinnischen Ursprungs ist. Sie stammt nach meiner ansieht aus einem legendenhaften Hede vom gelage des königssohnes, der alle l:»linden und lahmen zu sich ein- lädt. Dagegen kommt das verdunkeln der sonne und des mondes, obwoTil sehr selten, schon im estnischen vor. Dass die estnischen lieder originale des ingermanländischen sind, sieht man am deutlichsten am liede von der l)adestube. Unzweifelhaften estnischen Ortsnamen: Lihula linna (Leali, Keila kiriku (Kegel) und Rakavere (Wesenberg) entsprechen im finni- schen liede, wie schon Julius Krohx nachgewiesen hat, die völlig apokryphischen Ihalmon linna, Kirjamon kirikkö und Rakkavuori. Ebenso zeigt uns der Verfasser, wie aus den est- Franssila Iso tamnii. 29 nischen appellativen venda 'l)ruder' und virved 'sprösslinge, be- nennuno: jung^er mädchen' als nomina propria Vento und Virpo tntstchen, von welchen ersterer nebst (!) den brüdern der Sängerin, zusammen mit Unto sich der badestube bedient. Zu diesen beweisen für die Originalität des estnischen liedes könnten noch einige sprachliche und metrische hinzugefügt werden. Der estnischen zeile: ei olnd tamme raiujaida 'es fand sich kein abhauer der eiche', entspricht wörtlich eine Variante aus dem west- lichsten Ingermanland, in welcher das wort raiuma unübersetzt entlehnt ist: ei olt tammen raijvijaa; sonst aber wird in West- Ingermanland gesungen: ei olt tammen tagrojaa. Ebenso hat sich in Mittel-Ingermanland das wort tagroja ein mal erhalten ; gewöhnlich lautet hier die zeile: ei olt tam^men taittajata. — Die estnischen zeilen : tüvist tegi tünderida 'aus dem stammende machte er tonnen' und latvast lapse kätkisida 'aus dem gipfel kinderwiegen' sind im westlicheren teile von West-Ingermanland ( Xarwusi ) förmlich entsprechend ins finnische übertragen worden : tyvestä teki tynnyriä, latvasta lapsen kätkysiä. Da aber im finnischen das metrum mit einer silbe überlastet wird, so ist schon im ("istlicheren teile von West-Ingermanland (Soikkola) diesem abge- liolfen worden durch eine syntaktische Veränderung: tyven veisti tynnyi'iksi, latvat lapsen kätkysiksi. In Mittel-Ingermanland, zwischen Oranienbaum und Peters- liurg, hat sich unser lied in demselben umfange und fast denselben umrissen erhalten. Nur die einleitung ist eine andere: i) vier Jungfrauen wandern auf dem wege und 2) finden eine eichel, welche sie nach genauer beratung 3) unterm fenster des vaters einpflanzen. Hier scheint eine Vereinigung der estnischen »fege »-form und der Urform vorzuliegen; dieselbe muss also auch in West-Ingerman- land in älterer zeit vorhanden gewesen sein, obwohl sie später durch die »bier;-form ersetzt wurde. Die vierzahl der mädchen stammt aus anderen liedern, in einer Variante erscheint noch die ursprüngliche einzahl (ich = Sängerin). Ein scheinbar mytholo- gischer Zusatz tritt in der Schilderung der badestube zu tage, in- dem in dieser nicht nur UntO und VentO baden, sondern noch Gott mit seiner familie. Dieser zug stammt nach meiner mei- nung aus hochzeits- und festliedern (z. b. Europasus III. 3. n. 199, Porkka III. n. 435), in welchen man bittet die pforte zu öffnen 30 Fraiissila Iso tauimi. damit Gott mit seiner familie (d. h. der hochzeits- oder festzug;) hereinkommen könne. In Nord-Ingermanland, Süd-Karelien und Süd-Savolax tritt dieses lied in stark verkürzter form auf. Vom pflanzen und wachsen der eiche, vom suchen des bruders und von der badestube ist keine spur mehr vorhanden. Als einleitung dient ein anderes hed westfinnischen Ursprungs, wo eine eiche auf den hof gesungen wird, oder noch öfter fängt das lied ohne jede einleitung an mit der er- wähnung des bruders, der so tüchtig ist, dass er die eiche mit der axt, nachdem er diese noch geschliften hat (dieser letztere zug gehört einem anderen Hede zu), fällen kann. Die gerate, welche aus der eiche verfertigt werden, sind nicht mehr abwechselnd und mannigfaltig, sondern stereot\'p die folgenden: schiffe oder schifts- masten, kellen, tonnen, becher und kannen ; im anschluss hieran werden die verschiedenen trinkgefässe aufgezählt, die von leuten verschiedenen geschlechts und alters gebraucht werden. Dass aber die mittelingermanländische form in früherer zeit vollständiger auf der sog. »karelischen landzunge > zwischen dem Finnischen meerbusen und dem Ladogasee aufgetreten sein muss, beweist die ostkarelische form des liedes nördlich und östlich von der Stadt Sortavala. i) Die vier Jungfrauen erscheinen hier wie- der, 2) sie sammeln aber heu, welches von einem alten manne, zuweilen aus Lappland, oder auch vom winde aus Olonetz in brand gesteckt wird; aus der asche wird seife gemacht, mit welcher der köpf des Sonnensohnes gewaschen wird. Diese einleitung kommt weiter nach Süden als selbständiges lied vor; dass der personifizier- ten sonne der köpf gewaschen wird, erklärt sich aus einem sprach- lichen missverständnis. In Ingermanland singt man: Alkoi päivöin päätä pestä d. h. fing an am tage den köpf zu waschen; da aber päivöin nicht nur als instruktiv, sondern auch als genitiv aufgefasst werden kann, so konnte dieses auch gedeutet werden: fing an des tages köpf zu waschen. — 31 \'on jener asche bleibt noch ein rest, welcher weggeworfen wird, und erst aus dieser wächst die grosse eiche, welche sonne nebst mond verdunkelt und die wölken in ihrem laufe hinder. 4) Vergeblich wird nachge- forscht, wer diese eiche zu fällen im stände sei, 5) bis aus dem meere ein mann in metallener rüstung emporsteigt, welcher die eiche niederhaut. 6) Aus dieser werden aber keine gerate direkt verfertigt; es ist ferner nur die rede von den spänen der eiche. Fraiissila Iso taninii. 31 welche schliesslich dem bösen zauberer als material zu seinen pfei- len dienen. Diese ostkarelische form hat sich als zauberlied gegen stich auch nach Nord-Karelien, östlich von der Stadt Joensuu, und endlich nach Russisch-Karelien verbreitet, im einzelnen sich immer reicher entwickelnd. Dass die Verbindung des gesanges von der grossen eiche mit dem Zauberspruch gegen stich eine spätere ist, kann leicht be- wiesen werden. Letzterer kommt auch als selbständiges zauberlied, ohne erwähnung der eiche, besonders auf finnischer seite häufig vor. Auch ersterer gesang von der eiche hat einige mal in fin- nisch Ost-Karelien und ein paar dutzend mal in Russisch-Karelien seinen ursprünglichen episch-lyrischen charakter bewahrt. i) Die 4 Jungfrauen finden ein liebesblatt, einen span der eiche und pflan- zen denselben in »wachsende erde». 2) Die eiche wächst bis zum himmel und hindert die wölken in ihrem laufe. Die fortsetzung geht über in ein anderes lied: eine wölke kommt doch durch, in dieser befinden sich grosse tropfen, in den tropfen seen, in den Seen böte, in den böten unverheiratete männer, welche einen strick verfertigen um einen meerbusen festzubinden u. s. w. Es ist aber augenscheinlich, dass die erste hälfte des liedes dem mittel- ingermanländischen Hede noch näher steht (eichel ^ blatt, spanj als die allgemeinere mit dem zauberliede verbundene form. Die erwähnte allgemeine nördliche form des liedes von der grossen eiche hat Lönnrot in seiner redaktion der Kalevala haupt- sächlich benutzt. Schon in ihrer volkstümlicher fassung scheint sie eine gewisse mythische färbung zu haben. Die eiche erhält epi- theta wie puu Jumalan 'Gottes bäum' und rutimoraita, welches letztere gewöhnlich 'höUenbaum' gedeutet wird (rutimo = läpp. rota-aibmoi. Das heu der jungtrauen wird von einem merkwür- digen meerbewohner Tursas verbrannt. Der ebenfalls aus dem meer emporsteigende niederhauer des baumes hat nicht nur eine wunderbare rüstung, sondern erscheint entweder sagenhaft klein oder fabelhaft gross ; LÖXXROT hat nur diese beiden Variationen des Volksliedes zu einem bilde vereinigt. Auch der alte Wäinämöinen, welchen Lönnrot hier überall eingeführt hat, kommt im volksliede zuweilen als Sucher des niederhauers vor. Auf grund dieser züge hat man versucht den gesang von der grossen eiche von einem naturmythus herzuleiten. Die eiche wäre ^2 Franssila Iso tanimi. ursprüns^lich ein wetterbaum, eine wölke, welche die sonne ver- dunkelt und vom blitze zerspalten wird. Bei näherer betrachtung jener züge verschwindet jedoch jede spur von mythischer färbung. Das epitheton der eiche puu Ju- raalan stammt aus einem christlichen zauberliede gegen schaden, den ein bäum oder holz verursacht hat : puu Jumalan luoma, vesa Jeesuksen vetämä 'von Gott geschaffner bäum, vom Hei- land gezogener sprössling'. Die benennung rutimoraita hat als pendant puu murska 'spröder bäum' und bedeutt-t einfach zer- brechliche palm weide. Die eiche ist im nördlichen gesang- gebiete ein unbekannter bäum und wird daher auch mit der tanne, richte und sogar der birke parallel gestellt. — Die benennung Tursas bedeutet wahrscheinlich: wallross, und ist in dieses lied hineingekommen durch eine zufällige Verwechselung von Tursas Lappalainen <^ Turjan Lappalainen 'der norwegische Lappe'. Der aus dem meer emporsteigende mann in metallener rüstung ge- hört ursprünglich in eine estnische ballade, in welcher die Sängerin freier aus dem meer erhält: mittelalterliche ritter zu pferde in kupferner, silberner und goldener rüstung. Ebenso wie auf jede hochmythologische erklärung unseres liedes, müssen wir verzichten auf die vergleichung mit Yggdrasil in der Edda, schon aus dem gründe, weil dieser bäum eine esche ist. Das erwähnte estnische lied von der esche ist ein kleines lyrisches und enthält den gedanken, dass aus dem trinken der ge- sang ensteht. »Ich trinke und werfe die reifen in das gebüsch; es ensteht eine grosse esche, auf jedem ästchen ein eichhörnchen oder ein sing\-ogel. » — Nur bei den letten und litauern finden sich reelle pendants zu dem estnischen Hede von der grossen eiche: )ich» oder »mein bruder» fällt die eiche und verfertigt daraus ver- schiedene gegenstände u. a. der Schwester eine brautschatzkiste. Ob die esten dieses lied von den letten erhalten haben oder umgekehrt, lässt sich schwerlich bestimmen, bevor die lettischen lieder in einer grösseren anzahl geographisch geordneter Varianten vorhanden sind. Jedenfalls steht fest, dass unser lied ein einfaches mädchenlied ist, ohne irgend welche m^-thologische bedeutung. Die grosse eiche ist z=: eine grosse eiche, die schon an und für sich als hoher, gen himmel strebender, schattiger bäum anlass zu poe- tischen gedanken geben kann. Die frage nach dem Verhältnis des estnisch-finnischen liedes Franssila Iso tanimi. 33 zu ähnlichen liedern anderer Völker lie^^t schon ausserhalb der g^renzen, in denen sich der Verfasser bewegt, er hat diese auch garnicht behandelt. Statt dessen erklärt er das Verhältnis des liedes von der grossen eiche zu einem anderen estnischen liede von der weinenden eiche. Die Sängerin trifft im walde eine eiche, welche sich beklagt, dass alle anderen bäume abgehauen werden, sie aber allein dem wind und regen preisgegeben sei. Die Sänge- rin tröstet sie mit der erklärung, dass sie zu hause fünf brüder habe, die sie schon fällen werden, und beschreibt dann, was alles aus ihr verfertigt werden könne. Die gegenstände, die sie aufzählt, sind dieselben, die in der that aus der grossen eiche verfertigt werden. Der Verfasser meint, dass die fingierten gegenstände eine ursprünglichere form, als die wirklichen, aufweisen ; doch muss ich der entgegengesetzten ansieht sein, weil dieser schluss im liede von der grossen eiche wesentlich, in dem von der weinenden aber entbehrlich ist. Richtig erklärt der Verfasser den gedanken des letzteren: es giebt ein bild von der klage eines mädchens, welches unverheiratet geblieben ist. Dieses lied ist wohl auch in der nähe der lettischen Sprachgrenze entstanden, wie aus folgendem Schema ersichtlich ist. 4 o 3 I o 37 12 5 Lettische sprach- 3 8 srreE ze. In Wierland ist es nur ein mal aufgezeichnet worden, über die finnische Sprachgrenze ist es nie gewandert. Im Südosten hat sich an dasselbe ein anderes lied vom verkauf des honigs angehängt, und infolge dessen klagt die eiche darüber, dass sie nicht zum bienenstock »gereinigt» worden sei. Die erklärung des Verfassers, wie man aus der eiche einen bienenstock macht (s. 97), ist ethno- graphisch unrichtig; es ist auch hier vom fällen und abhauen die rede. Ich habe hiermit versucht die hauptergebnisse, welche sich aus der vorliegenden arbeit ziehen lassen, zusammenzustellen. Sie enthält noch mehrere excursionen über verschiedene lieder, welche auf das von der grossen eiche einfluss gehabt haben, und zuletzt einen 6 34 Franssila Iso tammi. anhang über die Zaubersprüche gegen den stich. Diese alle zu referieren würde zu weit führen. Ungeachtet mehrerer guter beo- bachtungen, sind sie meistens ohne genügende Verarbeitung des materials behandelt. Eine durchgeführte analysierung eines jeden liedes, das nur irgendwie bezug auf die grosse eiche hat, kann natürlich vom Verfasser auch nicht gefordert w^erden. Doch hätte derselbe umstand die Verpflichtung auferlegt, manche behauptungen viel vorsichtiger aufzustellen. Im einzelnen kann das werk nur mit kritik benutzt wer- den. Es kommen nicht nur unabsichtliche sprachliche Verwech- selungen vor, wie z. B. s. 44, 109, 285: pölle 'schürze' — pöllu 'feld', lauda 'tisch' — lauta 'stall', Hnti "koptband' — linnnnknva 'bild eines vogels auf dem helme'. Mit der absieht die Zusammengehörigkeit zweier oft weit entfernter zeilen zu be- weisen, macht der Verfasser vergleiche folgender art. S. 331 Sa- rentola (aus sara ^ 'segge', 'carex', in Ost-Karelien) <^ Saaremaa 'Ösel' (im estnischen). S. 426 lemmen lehti 'liebesblatt' (in Rus- sisch-Karelien) <^ leeme, leegi 'feuchtigkeit, feuer' (im estnischen Hede von der klagenden eiche: leeme ist vielleicht ein Schreib- fehler, eine andere Variante hat lume = schnee). S. 382 cuuta 'wunder' (russisches lehnwort, in Russisch-Karelien) <^ tuutsa "wind- stoss' (in ingermanländischen Schöpfungsliedern). Ganz abgesehen von der Unmöglichkeit dieser ableitungen in sprachlicher hinsieht, können vom folkloristischen Standpunkt aus überhaupt Zusammenstellungen von Zeilen, die auf der ähnlichkeit eines einzigen Wortes beruhen, nicht ohne weiteres gutgeheissen werden; z. b. die Zusammen- stellung s. 153: nosti saunan selkähää 'er hob die badestube auf seinen rücken' und nosti soan sormistaa 'er hob den krieg von seinen fingern' gründet sich auf das blosse gemeinsame verbum nosti. Überhaupt muss an der forderung festgehalten werden, dass wenigstens zwei züge zusammenfallen müssen, um einen vergleich einigermassen sicher zu stellen. Auch eine ganze zeile hat wenig beweiskraft, wenn sie so allgemeinen inhalts ist, wie s. 374: oli aikoa vähänen, welche sich in einer ingermanländischen und auch nur einer russisch-karelischen Variante findet. Allgemeine Schlussfolgerungen auf grund ungenügender prä- missen zu ziehen kann in einer jungen Wissenschaft nicht immer vermieden werden. Wenn aber estnischer einfluss in Russisch- Karelien angenommen werden soll — natürlich unter der Voraussetzung, Franssila Iso tammi. 35 dass die vermittelnden formen unterwegs vergessen worden sind — so dürften sprachliche wortvergleichungen, wie die erAvähnten, nicht in frage kommen. Dergleichen etymologien wie Sampsa (richtiger Sämpsä) <; Santti Pietari (s. 172), Ahti = fi. ahti 'passionspredigt' [<< lat.- schwed. akt] is. 174) und hüsi <^ fatum (s. 456) stehen schon ausserhalb der grenzen einer ernsten wissenschaftlichen abhandlung. Immerhin ist dies erstlingswerk ein Zeugnis für das interesse und den tieiss des Verfassers. Künftige forscher finden nicht nur das lied von der grossen eiche übersichtlich geordnet, sondern auch die beziehungen des hedes zu anderen liedern dargestellt, deren eingehende erforschung dadurch erleichtert wird. Helsingfors. Kaarle Krohn- E. N. Setälä, I. N. Smimow's Untersuchungen über die ostfinnen. Ein gutachten, an die Kaiserl. Akademie der Wissen- schaften zu Petersburg abgegeben von — — . (Journal de la Societe Finno-Ougrienne XVII, 4.) Helsingfors 1900. 52 s. 8:0. Anlässlich dessen, dass prof. Smirnov seine historisch-ethno- graphischen Untersuchungen über die > ostfinnen» (tscheremissen, mordwinen, wotjaken und :>permjaken> d. h. syrjänen im gouver- nement Perm) zum Wettbewerb um die sog. Uvarov'sche prämie angemeldet hatte, bat die Akademie der Wissenschaften zu St. Peters- burg prof. Setälä um ein gutachten über die sprachliche seite dieser werke, welches dieser schon im Vorfrühling 1896 an die Akademie einsandte; erst zwei jähre später wurde es in den Pu- blikationen der Akademie gedruckt und später auch, mit einigen kleineren Zusätzen, in der Zeitschrift der Finnisch-ugrischen Gesell- schaft veröffentlicht. Die kritik richtet sich zunächst auf die methode, die Smirnov bei der benutzung sprachlicher quellen befolgt hat, wornach der Verfasser besondere, für die geschichte der finnisch-ug- rischen Völker wichtige fragen untersucht, die Smirnov in seinen werken zu lösen versucht hatte. In dem ersten, die methode betreffenden teile spricht der Verfasser u. a. von der bedeutung von auf dem boden der > sprachlichen paläontologie» gezogenen positi- 36 Setälä Smirnow's Untersuchungen. ven und negativen Schlüssen, wobei er mit vollem grund die Wichtigkeit der ersteren betont. Im letzteren teile gelangen zur besprechung die älteste kultur der finnisch-ugrischen Völker, ihre ursprünglichen familienverhältnisse, ihre berührungen mit fremden Völkern, ihre älteren Wohnsitze sowie ihr geistesleben, soweit man überhaupt auf grund sprachlicher beweismomente Schlüsse darüber ziehen kann. Der Verfasser hat sich hierl^ei nicht auf die kritik der SMiRNOV'schen Untersuchungen und Schlussfolgerungen beschränkt, sondern er hat auch viel positives vorgebracht, zum teil auf den forschungen anderer, zum grossen teil auf eigenen früheren Unter- suchungen fussend. Hierdurch gestaltet sich Setälä's gutachten zu einem büchlein, welches trotz seiner begrenzten äusseren form einen reichen Inhalt bietet und eine wichtige hilfsquelle für jeden forscher der prähistorie der finnisch-ugrischen Völker darstellt. Ich möchte dieses mit einigen beispielen beleuchten. Das bild, welches Smirnov auf grund der »kulturwörter» von der ur-finnischugrischen und ur-finnischmordwinischen kultur geschaffen, ist in vieler be- ziehung mangelhaft und im allgemeinen schief. Darnach stand u. a. das ur-finnischmordwinische volk noch auf derselben kultur- stufe, wie, nach seiner meinung, das ur-finnischugrische, d. h. es war ein jägervolk, das von haustieren bloss den hund kannte. Ganz anders ist das bild, welches wir allein auf grund der kultur- wörter erhalten, die Setälä — und zwar berücksichtigt er nur die wichtigsten der bis dahin konstatierten — anführt. So treffen wir in allen, oder wenigstens in weiter entfernung von einander ge- sprochenen finnisch-ugrischen sprachen auf gemeinsame Wörter für 'hund', 'schaf, 'remitier', 'bogen', 'pfeil', 'Schneeschuh', 'kupfer', 'hemd', 'kienspanhalter', 'bohrer (pfriem)', 'topf, 'suppe (brühe)', 'haus' ; den ostseefinnischen sprachen und dem mordwinischen ge- meinsam sind die Wörter für 'kuh', 'pferd' (welches möglicherweise schon früher bekannt war), 'kalb', 'schwein', 'buttern', 'weizen' (auch im tscheremissischen), 'getreide, körn' (auch tscherem.; ein anderes wort für denselben begriff ist der finnischen und permischen gruppe gemeinsam), 'stroh', 'schwingen, worfeln' (auch in den perm. spr.), 'mehl mahlen' (auch tscherem.), 'larot', 'wickeln', 'knäuel', 'aufzug, Zettel', 'hammer', 'messer', 'mörser' (auch tscherem.), 'mörserkeule', 'kästen, schale', 'schwelle (thür)', 'schnalle (haisschmuck)' (auch tscherem.), 'boot', 'rüder', 'verkaufen', 'bezahlen', 'preis' ; eine kulturstufe, die älter war als die rinnisch-mordwinische, bezeichnen Setälä Smirnow's Untersuchungen. -jy noch die den ostseefinnischen und permischen sprachen gemein- samen Wörter mit den bedeutungen 'riege', 'dreschflegel', 'grütze (suppe)', 'melken', 'weben', 'spindel', 'nadel', 'bettvorhang', 'schloss' ; seit sehr alter zeit ist dem mordw. und läpp, auch das 'gebiss am zäum' bedeutende wort gemeinsam. Sehr wahrscheinlich ist daher der von SetäLÄ auf grund dieser sprachlichen thatsachen gezogene schluss, dass eine art halb nomadenhaften ackerbaus wenigstens zur zeit des Zusammenlebens der finnisch-mordwinischen gruppe getrieben wurde, vielleicht auch, soviel sich aus den gemeinsamen Wörtern der ost- seefinnischen und permischen sprachen schliessen lässt, schon früher. Indem der Verfasser auf die besprechung der primitiven familienverhältnisse übergeht und die von Smirnov auf sprach- lichem boden gezogenen Schlüsse kritisiert, giebt er meiner mei- nung nach sehr wohl begründete bemerkungen über die art und bedeutung der benennungen von familienmitgliedern bei mehreren finnisch-ugrischen Völkern (mordwinen, tscheremissen, wotjaken und auch Ungarn) und kommt zu der ansieht, dass sich mehrere von denselben, z. b. wotj. (ICJCli., (ipcii, Icencik, ihrer bedeutung nach von blossen anredewörtern zu konventionellen höflichkeitsformeln verallgemeinert haben, und dass dieses System der anredewörter tür- kisch-tatarischen Ursprungs sei. Der Verfasser schreitet nun zur besprechung der kulturellen berührungen zwischen den finnisch-ugrischen und anderen Völkern und stellt in lichtvoller weise die grosse bedeutung der berührun- gen mit den indoeuropäem, indoiraniern und altiraniem für die bestimmung der älteren Wohnsitze der finnisch-ugrischen stamme und die erforschung ihrer ältesten kultur dar. So deuten diese z. b. darauf hin, dass die finnisch-ugrischen Völker, besonders die heute im nordosten wohnenden, seinerzeit mehr südlich gewohnt haben ; dazu weisen gewisse bei den östlichen finnisch-ugrischen Völkern anzutreft'ende, auf eine altiranische spräche deutende lehn- wörter (für metalle, begrift'e aus der Viehzucht, dem ackerbau, dem gesellschaftlichen und staatlichen leben und der religionj auf eine viel ältere kultur hin, als sie z. b. Smirnov annimmt. Bei dem versuch mit hilfe von Ortsnamen die älteren Wohn- sitze der zu erforschenden Völker zu bestimmen, trägt Smirnov auch seine gedanken über die nationalität der )tschuden:> vor, und zwar hält er dieses volk für Klie vorfahren der heutigen bewohner des nordwestens des gouvemements Perm — d. h. im westen für perm- ß8 Setälä Smirnow's Untersuchungen. jaken, im osten für ugrier». Setälä, nach dessen meinung man die Wörter russ. MVJI.b, asl. UJTOyA'Ä {'yi^ac') nicht wohl von den Wörtern russ. qyjKOU, dial. qy^tun, asl. lilTOyjK^fi ('u)J.6rQioc\ 'alienus') trennen kann, meint, dass man mit »IVAb eigentlich nur 'fremde Völker', »ungefähr das, was man jetzt unter dem wortc lIHOpOAUM versteht», bezeichnen wollte, wobei er zum beweis u. a. bemerkt, dass die russen nicht nur die permier und ugrier, son- dern, wie bekannt, auch die esten, woten und wepsen tschuden genannt haben; der Verfasser hält auch »für sehr wahrscheinlich, dass auch ein teil der iranischen stamme 'tschuden' genannt wurden >. In der hauptsache stellt er sich in der frage also auf denselben Stand- punkt wie seinerzeit Schlözer, F. H. Müller und M. A. Castrex i. Zur Stützung seiner kritik und beweisführung bringt der Ver- fasser u. a. eine menge rein sprachliches, etymologisches beweis- material herbei, besonders, wo er die frage nach der älteren kul- tur der finnisch-ugrischen Völker Ijehandelt. Seitdem Ahlovist 1875 seine bekannte Untersuchung über »Die kulturwörter der westfinnischen sprachen» veröft'enthcht hat, ist die finnisch-ugrische forschung mit grossen schritten vorwärtsgegangen und nicht zum wenigsten gerade durch die forschungen des Verfassers des büch- leins, welches wir hier besprechen. Natürlich ist daher, dass jetzt auch in kulturhistorischer beziehung beweiskräftiges material viel reichlicher und zuverlässiger vorliegt, als vor 25 jähren. Setälä hat der forschung einen wertvollen dienst damit geleistet, dass er das wichtigste von diesem material in seinem büchlein sammelte und uns in grossen zügen ein bild von der ehemaligen kultur der finnisch-ugrischen Völker zeichnete, wie es die forschung nach ihrem heutigen stand überhaupt zu bieten vermag. Den wert der darstellung erhöhen noch einige ganz neue Wortzusammenstellungen, die weder andere forscher noch der Verfasser selber (vor 1896) auf- gestellt hatten. Es dürften die folgenden sein: fi. sopa 'hemd'. wog. sup id; [?] 2 h. paras 'der beste' — skr. para-s 'eximius, preecipuus' ; wog. vani 'wald' — skr. vana; fi. lypsää 'melken' syrj. listhli 'auspressen, melken': fi. rokka 'erbsensuppe', sj'rj. rolc. wotj. (IzuTc 'brei' ; est. taba 'schloss, hängeschloss', S5-rj. toman, wotj. turjcjon id.; p]'-^ weps. K-ercmdez 'zuber', syrj. harandis 1 Siehe M. A. Castrex's Reisen und Forsch. V (Kleinere Schriften) 86 — 89. 2 Fragezeichen von Set.\lä. Setälä Sminiow's Untersuchungen. 39 'zuber, kübel' ^; p]^ fi. loimi 'aufzug, zettel', mord. l'hhä id. ■'; mord. ure 'verheiratete frau' zu mord. ura 'diener, sklave', li. orja 'sklave' ; über fi. arpa s. näheres FUF I in meinem artikel über wotj. urves, urhet'S s. 99 — 104. Besondere beachtung; verdient des Ver- fassers hinweis auf einige von indoeuropäischer seite gekommene lehnwörter (vgl. z. b. fi. orpo 'waise', onki 'angelhaken', porsas 1 Wegen des konsonantismus (-nd-) ist das syrjänische wort nach meiner meinung entweder lehnwort oder kompositum : liciran + dis'i, vgl. syrj. Wied. f.hin-d/s, wotj. ttindis, fSindis, t'sind/s 'tingerhut' (syrj. t'Snn, fhlu, wotj. tMui, Uini 'finger'); syrj. auch WiED. fSun-doz: syrj. doz, dbz, duz 'gefäss, schale, korb', wotj. duz 'kleine kufe, hölzernes wassergeschirr'. Es ist nicht unmöglich, dass syrj. -wotj. -dis in beziehung zu dem Worte dos, dllZ steht. Auf alle fälle bleibt syrj. *karan unklar. Oder wäre Saw. Tcarandis vielleicht *karnan-äis zu lesen: syrj. karncui 'Schwengel, handhabe, griff', wotj. Tcarnan 'schulterjoch zum wassertragen', sodass *lcarnan-duz =^ »mit handhabe ver- sehenes wassergefäss» bezeichnete? Merkwürdig ist jedoch die Übereinstimmung des syrjänischen wortes mit dem wepsischen so- wohl hinsichtlich der form wie der bedeutung. Hätte man viel- leicht doch das s)TJänische wort für eine entlehnung aus dem wepsischen anzusehen? (im russischen und den türk. -tatarischen sprachen habe ich kein wort gefunden, das man für das original nehmen könnte). Unmöglich ist es ja nicht, dass die westlichsten syrjänen (JcavCLndiS ist aus dem Udor-dialekt) zu den östlichsten ostseetinnen in Verkehrsbeziehungen gestanden haben (vgl. syrjUd. Sa\^'. lusJca, Wied. I'usTca 'löffel' — fi. lusikka, kar. hiziklca, weps. JiUZlk [syrj. lösTca 'löffel' ist dagegen aus dem russ. .lOUIKa entlehnt] ; syrj. Wied. Ical'jci 'dünnbier, zweiter aufguss auf die maische', kci/'ja- irös 'schwacher kofent' ■ — finn.kalja 'speisebier, dünnbier', est. kalja, kali 'kofent, dünnbier, drittes bier aus den nachbleibseln von der zweiten aufläge von bier' ; schwer ist es, das syrjänische wort nicht für ein lehen von finnischer seite anzusehen. Das russ. KaJbü 'eine suppe aus salzlake mit gurken, beten und fleisch' kann mit rücksicht auf die abweichende bedeutung kaum das original des syrjänischen Wortes sein. Das russische wort ist übrigens, wie mir MiKKOLA mitteilt, ein verhältnismässig junges türkisches lehn- wort: vgl. osm. kalja 'eine speise aus mit butter gekochtem ge- müse z. b. aus kürbis, kohl u. s. w'.). Auf alle fälle scheinen die von Setälä (mit einem fragezeichen) zusammengestellten Wör- ter in irgendeinem Zusammenhang zu stehen. 2 Das Fragezeichen von Setälä. 3 Auch bei Paasonex, Kielellisiä lisiä suomalaisten sivist3-s- liistoriaan (^> Sprachliche beitrage zur kulturgeschichte der finnen»). 40 E. N. Setäiä. 'ferkel', ora 'bohrer, pfriem', mehiläinen 'biene'), in welchen der vokalismus auf eine Originalsprache hindeutet, die die indo- europ. vokale o und e bewahrt hat ; nach der ansieht des Verfas- sers weist dies am ehesten auf einen eintiuss von armenischer oder thrakisch-phrygischer seite. Ich habe den leser mit diesen zeilen besonders auf die positive seite des SETÄLÄ'schen gutachtens aufmerksam machen wollen, welche neben der klaren und treffenden kritik das büch- lein zu einem fesselnden und lehrreichen werkchen gestaltet. Helsingfors. YrjÖ Wichmaxn. Die finnisch-ugrischen Studien als universitätsfach. Die nachrichten über die Vertretung der finnisch-ugrischen Studien an den verschiedenen Universitäten verdanken wir der liebens^vürdigkeit verschiedener Universitätslehrer, -beamten und mitarbeiter; für Ungarn hat prof. J. SziNNYEi die betr. nachrichten herbeigeschaift; für Eussland : prof. Staatsrat N. Anderson (Kasan) und stud. Lui Olesk (Dorpat), wo- neben ich für Dorpat einen aufsatz von K. A. Hermann in der estni- schen Zeitung „Postimees" (1889, nr. 109) benutzt habe; für Österreich: prof. hofrat V. Jagic und durch seine Vermittlung k. u. k. sektionsrat dr. Karl Schrauf (Wien), jirof. Alfr. Ludwig land durch seine Vermitt- lung kanzleidirektor dr. J. Sgherer (die ungeteilte und deutsche Uni- versität zu Prag) und prof. Jos. Züb.\ty (die ungeteilte und böhmische luiiversität zu Prag); für Norwegen: seminarvorstand J. Qvigstad und do- zent KONR. Nielsen; für Schweden: dozent K. B. AViklund; für Devitsch- land: prof. A. Leskien, prof. G. Weigand und dr. Gust. Schmidt; für Dänemark: prof. Vilh. Thomsen; für Italien: Senator D. Comparetti. Allen diesen herren spreche ich meinen herzlichen dank aus. Die lektions- verzeichnisse der Universitäten zu Berlin und Basel habe ich in unserer Universitätsbibliothek durchgesehen. Die notizen sind etwas ungleichmässig, was die genauigkeit anbe- langt, weil die primärnachrichten in dieser hinsieht ungleich gewesen sind; jedoch hat man das einmal gesammelte material veröffentlichen wollen. ■ — Besonders wäre es erwünscht, dass die geschichte des betr. nniversitätsunterrichts in Un"-arn etwas genauer dargestellt würde. Obgleich die finnisch-ugrischen Studien an verhältnismässig wenigen Universitäten getrieben werden, sind sie auch als universitäts- Die iinn.-ue;r. Studien als universitätsfach. 41 fach doch nicht ohne bedeutung. Während an einigen Universitäten nur praktischer Unterricht in einigen bestimmten finnisch-ugrischen spra- chen erteilt wird, giebt es auch solche, wo finnisch-ugrische sprach- und Volkskunde wissenschaftlich und nach vollkommen modemer methode getrieben wird; an einigen Universitäten haben bedeutende Sprachforscher, die dem fache nach nicht die speciell finnisch-ugrischen Studien vertreten, auch über diese gegenstände vorgetragen, und die fruchte solcher Vorlesungen sind oft — abgesehen von dem interesse, welches sie haben erwecken können — auch in der litteratur der Wissenschaft zu gute gekommen. Deshalb haben wir die absieht in dieser Zeitschrift regelmässig auch dem Universitätsunterricht in den finnisch-ugrischen Studien zu folgen und besonders jährlich ein Ver- zeichnis aller diesbezüglichen Universitätsvorlesungen mitzuteilen. Bevor wir aber zur Veröffentlichung eines solchen Verzeichnisses des lehrjahres 1 900/1 schreiten, wollen wir eine Übersicht der art und weise geben, wie die finnisch-ugrischen Studien von früheren zeiten bis auf den heutigen tag an verschiedenen Universitäten vertreten gewesen sind, in der hoftnung, dass eine solche Übersicht für unsere leser von interesse sein werde. In Finland haben wir eben das 50-jährige Jubiläum der errichtung der professur für die finnische spräche gefeiert; jedoch ist die finnische spräche und sogar die finnisch-ugrische Wissenschaft schon viel früher gegenständ des Universitätsunterrichts gewesen. Schon bald nach der gründung (1640) der Universität in Abo (Turku) wurde die finnische spräche und besonders ihre vermutete Ver- wandtschaft mit dem hebräischen und griechischen in dissertationen behandelt. Unter der anregung von Henrik Gabriel Porthan, Professor der »beredtsamkeit;> {d. h. der lateinischen spräche), in der zweiten hälfte des XVIII. Jahrhunderts, erhielten diese disser- tationen, die entweder von Porthan selbst geschrieben waren, oder unter seiner unmittelbaren anleitung ausgeführt wurden, einen wis- senschaftlichen Charakter; in ihnen wurde z. b. finnische poesie, aberglaube der finnen, finnische spräche und finnische kulturge- schichte auf sprachlicher grundlage untersucht. Die lehrthätigkeit Porthan's auf diesem gebiete und die anregung zu finnischen Stu- dien, die von ihm ausging, ist folglich als sehr bedeutend zu bezeichnen, obgleich er an der Universität ein ganz anderes fach repräsentierte. Der erste specielle Vertreter dieses faches 42 E. N. Setälä. ist jedoch Carl Gustav Weman, der 1768 (den 9. januar) zum dozenten der finnischen litteratur ernannt wurde. Er scheint in den jähren 1768 — 71 Vorlesungen über die finnische prosa und dichtung gehalten zu haben. Erst 181 1 wurde nach ihm wieder ein dozent für die finnische litteratur, Gustav Ren- VALL, ernannt; er hat aber nach den lektionsverzeichnissen nur 181 1/2 (sowie teilweise auch 18 14/5) über finnische spräche gelesen. Laut den Universitätsstatuten von 1828 wurde an der finlän- dischen Universität, die zur selben zeit nach Helsingfors übersie- delte, ein lektorat für die finnische spräche errichtet. Der erste lektor war Karl Niklas Keckman (1829 — 38); er hat aber nicht nur praktische Vorlesungen gehalten, sondern er kündigte auch z. b. für 1833/34 an: »grammaticam linguae fennicae . . . in- stituturus simul, qualem poterit, cum linguarum nostrae cogna- tarum grammatica comparationem >/ , welcher kursus wohl der erste über vergleichende finnische Sprachwissenschaft gewesen ist. Sonst hat er z. b. über die von Löxxrot herausgegebene Samm- lung Kantele und das Kalevala (gleich nach dem erscheinen 1835) gelesen. Die nachfolger Keckmax's als lektoren waren: Carl Axel Gottluxd (1839 — 75), ein sehr produktiver Verfasser eigen- tümlicher richtung, JULIUS Krohx (1875 — 85, siehe unten), VOL- MARI PORKKA (1886 — 89), ein begabter, allzufrüh dahingeschiedener forscher, welcher den ingrischen dialekt und die spräche der tsche- remissen untersucht hat, und der talentvolle Shakespeare-Übersetzer und finnische dichter Paavo Cajander (1890 — ). ■ — Als ausseror- dentlicher lektor der finnischen spräche wirkte 1854 — 76 Carl Gustav Borg, der in seinen Vorlesungen erzeugnisse der finnischen litteratur (u. a. besonders die Kanteletar) durchging. — Ausser dem philologischen lektorat existiert seit 1865 eine lehrer- stelle für den praktischen Sprachunterricht in den juristischen fä- chern. Die stelle hiess 1865 — 81 ausserordentliche profes- sur, wurde aber nie oixlinariter besetzt, sondern nur provisorisch von Wilhelm Lavonius (1866 — 69), Jaakko Forsman (1869 — 78), Joel Napoleon Lang (1878 — 80) und Oskar Faven (1880 — 81) vertreten, bis die stelle 1881 auch dem namen nach in ein ausser- ordentliches lektorat verwandelt wurde. Zum a. o. lektor wurde Oskar Faven ernannt (1882, ausgesch. 1901, jetzt ist die stelle vakant, Stellvertreter: cand. jur. JUHO K. Paasikivi). Die finn.-ugr. Studien als Universitätsfach. 43 Wir kehren jedoch zu der wissenschaftlichen Vertretung des finnischen und der mit ihm verwandten sprachen zurück. Im j. 1840 wurde Matthias Alexander Castrex zum dozen- ten der finnischen und altnordischen sprachen ernannt; ob- gleich er den grössten teil seiner dozentenzeit auf wissenschaftli- chen reisen verbrachte, hat er wichtige vorlesungskurse — wohl die ersten über diesbezügliche gegenstände von hoher wissenschaftli- cher bedeutung — gehalten, z. b. über ethnologie, über finnische spräche und über das Kalevala. Die ordentliche professur der finnischen spräche wurde nach einem dekret vom 22. märz 1S50 errichtet, und zum Inhaber derselben wurde Castrex am 14. märz 185 1 ernannt, an welchem tage der damalige kanzler der finländischen Universität, der thron- folger Alexander, später russischer kaiser und grossfürst von Finland Alexander II, ihm eigenhändig die vollmacht übergab. Im j. 1S51 2 hat Castren über finnische (d. h. finnisch-ugrische, sogar uralaltaische) m^-thologie und über das Kalevala gelesen ; den 7. mai 1852 ist er aber schon gestorben. Zu seinem nachfolger wurde Elias LÖNNROT, der bekannte herausgeber des Kalevala, am 21. Oktober 1853 ernannt; laut den Statuten von 1852 hiess er jetzt professor der finnischen spräche und litteratur. Während der neun jähre, die er profes- sor war, hat er in jedem semester über das Kalevala gelesen ; ausserdem behandelten seine vortrage auch »vergleichende gram- matik des finnischen, estnischen und lappischen» (1854/5, 1855/6) und finnische mythologie auf grund der zum grössten teil noch nicht veröffentlichten magischen lieder» ; ausserdem hat er in den meisten Semestern über die praktische anwendung der finnischen spräche auf verschiedene Wissensgebiete gelesen. Nachdem Lönnrot (4. juni 1862) seinen abschied erhalten, wurde die professur während der vakanz von August Ahlovist (seit 1859 dozent der finnischen sprachen) vertreten, der am 9. juli 1863 zum ordentlichen Inhaber des amtes ernannt wurde. Als neues moment in dem Universitätsunterricht ist durch Ahlqvist die regelmässige rücksichtnahme auf die nächsten schwestersprachen des finnischen (est., wot., liv., karel., weps.) hinzugekommen. Sonst las er über das Kalevala, finnische Sprichwörter, finnische metrik (i 860/1 ), vergleichende darstellung der verschiedenen teile der finnischen g-rammatik fbisweilen nebst einer allgemeinen einlei- 44 E. N. Setälä. tung über die natur der spräche und die methode der vergleichen- den Sprachwissenschaft), >darstellung der kulturvvörter der finnischen spräche als quelle der ältesten kulturgeschichte der finnen > (zum ersten mal 1866/7), allgemeine und uralaltaische ethnographie, einmal über wogulisch. Im j. 1884 wurde Ahlqvist zum rektor der Universität ge- wählt und nahm seit dieser zeit am Universitätsunterricht nicht mehr teil (ausgesch. 1888, f den 20 november 1889). Die pro- fessur wurde dann von Julius Krohx (dozent der finnischen spräche und litteratur 1862, lektor der finnischen spräche 1875 — 85, aus- serordentlicher Professor der finnischen spräche und litteratur den 29. Oktober 1885) vertreten. Er, der als dozent zum ersten mal die geschichte der finnischen litteratur (im früh- jahrsems. 1866), zum gegenständ seiner Vorlesungen gemacht, hat als Vertreter der professur wichtige Vorlesungen besonders auf dem gebiete der litteraturgeschichte, folkloristik und ethnographie ge- halten (über die geschichte der finnischen litteratur, das Kalevala, die Kanteletar, den Kalevipoeg, die finnischen zauberlieder, mytho- logie der alten finnen und des finnisch-ugrischen Stammes, die hoch- zeitsgebräuche des finnischen Stammes); dazu kommen noch sprach- liche Vorlesungen (über die mit dem finnischen nächst\-er\vandten .sprachen, über das lappische). Nach seinem tode (ertrunken am 28. aug. 1888) wurde die professur von dem dozenten K.aarle Krohx (siehe unten) bis (incl.) herbstsem. 1891 provisorisch ver- treten. Zum ordentlichen inhaber der professur wurde Arvid Genetz 1891 ernannt, hat dieselbe aber nur zwei semester (1892) innegehabt. In dem letztgenannten jähr erfolgte nämlich (durch die Verordnung vom 17. aug.j die Zweiteilung der professur der finnischen spräche und litteratur, nach welcher sich Gexetz die professur der finnisch-ugrischen Sprachforschung vorbehielt, und zum Professor der finnischen spräche und litteratur Emil N. Setälä ernannt wurde (1893 — ; dozent der finnisch-ugrischen Sprachwissen- schaft 1887; Vorlesungen: geschichte des finnischen, estnischen, wotischen, livischen, karelischen, wepsischen, ungarischen; urfinni- sche lautgeschichte ; vorfinnische, resp. finnisch-ugrische lautge- schichte; vergleichende formen- und bedeutungslehre des finnischen; über fremde demente der finnischen sprachen; über die alte kultur der finnisch-ugrischen Völker; prinzipien der Sprachgeschichte; phonetik; methode der dialektforschung). Die finn.-ugr. Studien als Universitätsfach. 45 Dozenten der finnischen spräche, resp. litteratur sind nach der errichtung der professur gewesen : Henrik Konstan- tin' CORANDER (dozent der finnischen spräche 1860, hat nach dem lektionsverzeichnis 1 860/1 auf grund des epos Kalevipoeg eine eingehende vergleichung des estnischen und finnischen angesteUt), Julius Krohn (dozent der finnischen spräche und Htteratur 1862, siehe oben) und Arvid Genetz (dozent der finnischen spräche und Htteratur okt. 1877, aber schon nov. desselben Jahres zum lektor am normallyceum zu Tavastehus ernannt; er hatte jedoch schon vor seiner ernennung zum dezenten während eines teils des Jahres 1877 die finnische professur während Ahlovist's abwesenheit ver- waltet). Die übrigen finnisch-ugrischen sprachen waren in den titeln der folgenden dezenten angedeutet: AuGUST Ahlqvist (dozent der finnischen sprachen '^^j^ 1859, siehe oben), Oskar A. F. Blom- STEDT (dozent der finnischen und ungarischen spräche * jj^ 1869, hat als der allererste in Helsingfors ungarisch gelesen, •}- ^^j^ 1871), Emil N. Setälä (dozent der finnisch-ugrischen Sprachwissenschaft 1887, siehe oben). Nach der errichtung der professur der finnisch-ugrischen Sprachforschung (1892) wurde, wie schon erwähnt, Arvid Ge- netz der erste Inhaber der professur; seine Vorlesungen haben teils vergleichende finnisch-ugrische Sprachwissenschaft, teils tsche- remissisch, ostjakisch und lappisch behandelt. Auch besitzt die Helsingforser Universität zwei dozenten desselben faches: Heikki Paasonen (ern. 1893, Vorlesungen über mordwinische, ungarische, estnische, wepsische Sprachgeschichte) und Yrjö Wichmann (ern. 1897, Vorlesungen über wotjakische, estnische, wepsische, wotische Sprachgeschichte, phonetik). Für die ungarische spräche hat die Universität einen aus- serordentlichen lektor in Anton F. Almberg, der seit 1881 beinahe in jedem semester einen kursus in der ungarischen sprä- che hält. In diesem Zusammenhang möge erwähnt werden, dass Otto Donner, a. o. professor des sanskrit und der vergleichenden lin- guistik, Vorlesungen über die klassifikation der sprachen (1876 — 79), sowie ül)er die typen des Sprachbaus gehalten hat, in welchen auch die finniscR-ugrischen sprachen besonders berücksichtigt wurden. 46 E. N. Setälä. Die folklor ist ische forschung als fach erhielt zum ersten mal an der Helsingtbrser Universität durch die ernennung Kaarle Krohn's zum dozenten (1888) und später (1898) zum ausseror- dentlichen Professor der finnischen und vergleichenden volks- tli chtungsforschung einen Vertreter. Seine Vorlesungen haben die geschichte der finnischen und estnischen litteratur, das Kalevala, die Kanteletar und die finnische mythologie behandelt. Dasselbe fach ist auch von einem dozenten, AuKUSTi R. NiEWi (dozent der finni- schen litteratur und Volksdichtung, 1899) vertreten; er hat über die Zusammensetzung des Kalevala gelesen (über die Vorlesungen 1900 I siehe unten). Um den Jüngern der finnisch-ugrischen Studien gelegenheit zur selbstthätigkeit in denselben zu verschaffen wurde im j. 1893 von E. N. Setälä das Finnische Seminar gegründet, in dem unter lei- tung von Setälä, teils auch von K. Krohn, Wichmann und Niemi verschiedentliche schriftliche arbeiten ausgeführt und verschie- dentliche gegenstände behandelt worden sind z. b. die geographi- sche Verbreitung der finn. dialekteigentümlichkeiten, die finn. kultur- wörter, lappisch, ungarisch, wotjakisch, älteres estnisch und finnisch, methode der dialektforschung, die eigennamen des Kalevala, die Wanderungen der estnischen volkspoesie auf finnisches gebiet, Zusam- mensetzung des Kalevala u. s. w. Die finnisch-'ugr ische archäologie und Vorgeschichte wurde von JOHAN Reinhold Aspelin, a. o. professor der nordi- schen archäologie 1878 — 85, vertreten; er hat nämlich in mehreren Semestern über die finnisch-ugrischen altertümer (1878/9 — 81/2) und auch über die Wanderungen der finnischen Völker im lichte der archäologie gelesen. — Zum dozenten der finnischen ethnographie wurde Axel O. Heikel 1889 ern«nnt, hat aber in dieser eigen- schaft keine Vorlesungen gehalten. Zugleich mag erwähnt werden, dass KuSTAVl Grotenfelt, dozent der finnischen, russischen und nordischen geschichte, über die ältesten Wohnsitze und Wanderungen der finnisch-ugrischen Völ- ker (1892/3), und Artturi H. Snellman, dozent desselben faches, über die ältere geschichte der Ostseeprovinzen (der liven, kuren und esten, 189^/6) gelesen haben. Ungarn ist das land, welches den ersten festen lehrstuhl für eine finnisch-ugrische spräche aufzuweisen hat. Eine professur für Die finn.-ugr. Studien als universitätsfach. ^y die ungarische spräche und litteratur wurde nämlich schon im jähre 1791 an der Universität zu Pest (Budapest) errichtet. Die inhaber dieses katheders sind folgende männer gewesen : Andreas Valyi (Valyi Andräs) 1791 — 1801. Andreas Dugonics (Dugonics Andräs) als Stellvertreter 1801 — 1802. Nikolaus Revai (Revai Miklös) 1802 — 1807. Franz Czinke (Czinke Ferencz) 1808 — 1830. Stephan Horvat (Horvat Istvan) als stellvertretender profes- sor 1S30— 1837 und als ordentlicher 1837 — 46. Josef Mächik (Mächik Jözsef) 1849 — 1861 (prov.). Franz Toldy (Toldy Ferencz) 1861 — 1875. Unter diesen professoren der ungarischen spräche und litte- ratur sind zwei, die als verdienstvolle forscher aufgetreten sind: der Sprachforscher Nikolaus Revai, welcher schon vor Grimm die historische methode (unter benutzung der Sprachdenkmäler) in der Sprachforschung angewandt hat, und Franz Toldy, der ein bedeu- tender litteraturhistoriker gewesen ist. Finnisch-ugrische Sprachfor- schung wurde von keinem dieser professoren getrieben. Im jähre 1875 wurde die professur der ungarischen spräche und litteratur an der Budapester Universität in zwei professuren geteilt, von denen die eine für die ungarische litteratur, die andere für die ungarische Sprachwissenschaft bestimmt war. Professor der ungarischen litteratur wurde der vorzügliche schriftsteiler und ästhetiker Paul Gyulai (Gyulai Palj 1876 — •. — Privatdozenten für ungarische litteratur : Siegmund Bodnar (BODNAR ZSIGMOND) 1875 und ZSOLT BEÖTHY 1878 83; der letztere hält auch als professor der ästhetik Vorlesungen über die ungarische litteratur. Die professur der ungarischen spräche wurde zuerst proviso- risch von Emil Thewrewk v. Ponor (Ponori Thewrewk Emil) und von JoSEF BuDENZ 1876 — 78 verwaltet. Seitdem wird die pro- fessur von Siegmund Simonyi (Simonyi Zsigmond), einem schüler BuDENz' und forscher auf linnisch-ugrischer grundlage, vertreten (privatdozent 1878, Stellvertreter der professur 1878 — 85, a. o. professor 1885 — 1889, ord. professor 1889). Simonyi hat sowohl in seinen Vorlesungen als in seiner regen litterarischen thätigkeit die verschiedenen Seiten der ungarischen Sprachwissenschaft unter 48 E. N. Setälä. berücksichtigung der modernen analogistischen betrachtungsweise behandelt. Seit 1894 ist die ungarische Sprachwissenschaft auch durch einen privatdozenten, JULIUS ZoLNAl (ZoLNAl Gyula), vertreten. Die finnisch-ugrische Sprachwissenschaft kommt in Ungarn als Universitätsfach erst ziemlich spät vor. Der erste vorlesungs- kursus über diesen gegenständ wurde von dem dozenten der ver- gleichenden Sprachwissenschaft Anselm Mansuet Riedl (Riedl SzENDE, siehe unten) im ersten Semester des lehrjahres 1863/4 gehalten (»vergleichende und erläuternde grammatik des ungarischen und der mit ihm verwandten sprachen», 2 st.). In vorzüglicher weise wurden die finnisch-ugrischen Studien durch Josef Budenz- (geb. ^Ve 1836 in Rasdorf bei Fulda in Hessen) vertreten, der 1868 do- zent und 1872 professor der uralaltaischen Sprachwissenschaft an der Budapester Universität wurde und bis zu seinem tode (^^/^ 1892) sowohl an der Universität als in der litteratur die erste stelle unter den ungarischen Sprachforschern einnahm.- — -\'on Büdenz wurde der erste vorlesungskursus über eine andere finnisch-ugrische spräche als die ungarische gehalten (1868/69 im I. Semester: »erklärung der finnischen grammatik und texte», im II. sem. »lektüre des finn. epos Kalevala»). Später hat er nicht nur über verschiedene finnisch-ugrische sprachen, sondern auch über vergleichende finnisch- ugrische Sprachwissenschaft gelesen; arbeiten wie »Mag\'ar-ugor összehasonlitö szötär» (»Ungarisch-ugrisches vergleichendes Wörter- buch», 1873 — 81) und »Az ugor nyelvek összehasonlitö alaktana» (»Vergleichende formenlehre der ugrischen sprachen», 1884 — 94) sind zum grossen teil in Universitätsvorlesungen vorgetragen wor- den. Budenz war der erste, der die forderung der rekonstruktion der finnisch-ugrischen Ursprache in der Wissenschaft ausgesprochen hat, und auch in seinen Vorlesungen wurde dieses endziel immer im äuge behalten. — Nach einer vakanz, während der SiMONYl die uralaltaische professur vertrat, wurde zu Budenz' nachfolger Josef Szinnyei ernannt (1893 — )> welcher heute mit anwendung der modernen methoden und mit berücksichtigung der neueren ergeb- nisse der Sprachwissenschaft die vergleichenden und einzelsprach- lichen finnisch-ugrischen Studien an der Budapester Universität vertritt. Im j. 1893 war iGNÄCZ HalAsz privatdozent der ungarischen Sprachvergleichung an der Budapester Universität. Die finn.-ugr. Studien als universitätsfach. 49 Die finnische spräche (und litteratur) hat bisweilen an der Budapester Universität einen speciellen Vertreter gehabt: joSEF SziNNYEl 1883 — 86 als dozenten der finnischen spräche und litteratur, und im anfang der 9o:er jähre Johann Steuer (Steuer JANOS) als lektor der finnischen spräche. Die archäologie ist an der Budapester Universität durch jOSEF Hampel (professor der numismatik und klassischen archäo- logie), der sein Interesse auch der speciell ungarischen archäologie zugewendet hat, vertreten, die anthropologie und ethnogra- phie durch professor AURELIUS TÖRÖK (TÖRÖK AuREL). An der zweiten ungarischen Universität in Klausenburg (Kolozsvär) wurde eine professur der ungarischen spräche und litteratur imj. 1872 errichtet. Professoren waren: Ale- xander Ihre (Imre Sandor) 1872—85 (f 1900); Henrik Finaly 1885 — 86 (;prov.) und JoSEF Szinnyei 1886 — 93 (a. 0. prof. 1886, ord. 18881. Der letztgenannte erhielt 1891 die genehmigung fiin- nisch-ugrische Sprachwissenschaft vorzutragen, hatte aber schon früher (seit 1886) Vorlesungen über verschiedene finnisch-ugrische sprachen (finnisch, mordwinisch, wogulisch) gehalten. Im j. 1890 wurde an der Klausenburger Universität die pro- fessur der ungarischen spräche und litteratur geteilt; für unga- rische litteratur wurde eine neue professur errichtet, deren er- ster Inhaber Karl Szechy (Szechy Käroly) ist (1890—). Die alte professur erhielt den titel: ungarische Sprachwissenschaft und vergleichende ugrische linguistik und wurde nach Szin- nyei von IgnÄcz Halasz (1893— 1901, ■]- d. 9. april d. j.) versorgt. Im j. 1893 errichtete man an derselben Universität auch eine professur für uralaltaische Sprachwissenschaft; professor derselben wurde Gabriel BAlint v. Szentkatolna (Szentka- tolnai Balint Gaborj 1893 — (zuerst a. o., 1897 ord.j. Die Klausenburger Universität hat auch einen professor für archäologie (Bela PöSTA 1899 — ) und einen privatdozenten für ethnographie (Anton Herrmann 1898 — ). An der kroatischen Universität Agram wurde 1894 eine pro- fessur für ungarische spräche und litteratur errichtet, ist aber nicht besetzt worden. In Russland hat die Universität Dorpat schon beinahe hundert jähre einen festen lehrstuhl für die estnische spräche ■i 50 E. N. Setälä. gehabt; dieser lehrstuhl ist jedoch nur ein lektorat. Nach der neugründung der Dorpater Universität 1802 wurde das lektorat erst 1804 besetzt, und der erste lektor wurde cand. Friedrich David Lenz (1804, I. sem. — 1809, IL sem.)- Er wird in dem lektions- verzeichnis als »linguarum estonicae et fennicae lector» ge- nannt, und seine Vorlesungen behandeln nach demselben »estoni- cam et fennicam»; wo aber seine thätigkeit näher specifiziert wird, kommen nur estnische Vorlesungen vor. Nach einer vakanz (1810, L) wurde Georg Philipp August vox Roth lektor der estnischen spräche (finnisch wird nicht mehr genannt), welches amt er 1810, IL — 1817, L vertrat; in seinen Vorlesungen behandelte er sowohl Reval- als Dörpt-estnisch (behufs praktischer Spracherlernung). Sein nachfolger war cand. Ludwig Willem Moritz (»assessor consistor. et pastor») 181 7, IL — 1822, IL, und nach ihm war das lektorat während dreier jähre (1823,1. — 1825, IL) unbesetzt, bis cand. Jo- hann Samuel Boubrig in die stelle eingesetzt wurde (1826, I. — 1837, IL). Boubrig hat, wie seine Vorgänger, die sache nur prak- tisch betrieben und gewöhnlich, neben sprachlichen Übungen, Hupel's grammatik vorgetragen; einmal (1826, IL sem.) hat er eine »Übersicht des etymologischen teils der estnischen grammatik mit steter be- rücksichtigung der älteren und neueren Sprachlehren und der ver- schiedenen dialekte für eine allgemeine Schriftsprache» ange- kündigt (zugleich aber alternativ sauf begehren, für freunde des revalischen dialektes, O. W. Masing's Wiiskümmend kaks luggemist uest testamendist wäljawaUitsetud») ; ohne zweifei hatte er es damit auf das zustandebringen einer gemeinsamen Schriftsprache für die Reval- und Dörpt-esten abgesehen, was er aber sonst in dieser richtung gethan hat, ist nicht bekannt. Nach ihm waren lektoren : cand. Dietrich Heinrich Jürgenson 1838, L — 1841, IL (ein geborener este; er war der erste, der über estnische litteraturgeschichte geschrieben hat, Verhandl. d. Gelehrten Estn. Ges. I 2 40 ff., I 3 61 ff.) ; nach einer kür- zeren Vakanz (1842, I.) dr. med. Friedrich Fählmanx, I842, IL — 1850, L, der aufzeichner des bekannten estnischen märchens ;>Koit und Hämarik», welcher auch als estnischer Schriftsteller und Verfas- ser sprachwissenschaftlicher abhandlungen' bekannt ist; und wieder nach einer vakanz von einem jähr (1850, IL — 1851, I.) cand. Carl MiCKWTTZ, 1851,11. — 1874, I. Die Vorlesungen waren fortwährend nur auf den praktischen Sprachunterricht (grammatik mit Übungen) beschränkt; im letzten semester seiner thätigkeit hat ]\Iickwitz Die finn.-ugr. Studien als universitcätsfach. 51 Unterricht über »die ersten gesänj^e des Kalevipoeg (privatissime):> angekündigt. Nach einer vakanz von einem semester wurde das lektorat durch dr. Michael (Mihkel) Weske, 1875, I. — 1886, L, besetzt. Weske hatte in Deutschland Sprachwissenschaft studiert (in Leipzig machte er das doktorexamen) und ist der erste lektor der estnischen spräche, der auch rein wissenschaftliche Vorlesungen gehalten hat. Von den gegenständen seiner Vorlesungen mögen, ausser der estnischen spräche, erwähnt werden : finnische spräche (grammatik und lese- übungen, in vielen semestern), leseübungen in den nächstverwandten sprachen (1884, II. j, lauts^-stem und Orthographie der estnischen spräche (1876, II. — 77, I.), vergleichende grammatik des finnischen, estnischen und livischen (1875, II., 1S78, IL), die stammverwandt- schatt der westfinnischen sprachen unter einander (1884, IL), ger- manische und letto-slavische lehnwörter im estnischen und in an- deren westfinnischen sprachen (1876, IL), Kalevala (1876, L, 1878, L), Kalevipoeg (mehrmals), erläuterung der estnischen Volkslieder, ins- besondere des mythischen inhalts derselben (1882, L, IL), estnische mythologie (1883, II.j und ethnologie der finnisch-ugrischen volks- stämme (1884, L). Während 1885, I. — 1886, I. ist Weske nach dem Vorlesungsverzeichnis »zu wissenschaftlichen zwecken abkom- mandiert», und nach seiner ernennung nach Kasan (febr. 1886) war das lektorat wieder drei und ein halbes jähr unbesetzt (1886, I. — 1889, L), so dass beinahe in fünf jähren kein Unterricht im estnischen erteilt wurde. Der jetzige lektor dr. August Hermann (der ebenfalls in Deutschland sein doktorexamen gemacht hat) unterrichtet seit 1889, IL Ausser der estnischen spräche hat er in vielen semestern die ge- schichte der estnischen litteratur vorgetragen, worüber er eine grös- sere arbeit veröffentlicht hat; dazu: Kalevipoeg; finnische grammatik (und lektüre), oft mit vergleichenden hinweisen auf das estnische, bis- weilen (1S9Ö, I.) sogar auf andere .>ugrische sprachen»; estnisch vergli- chen mit finnisch, lappisch, mordwinisch, tscheremissisch, woguliscli und magyarisch (1890, IL); in einem anderen semester (1893, I.) werden die vergleichungen auch auf das türkische und mandschu erstreckt ; magyarische grammatik mit vergleichenden hinweisen auf die anderen ugrischen sprachen (1891, IL) und insbesondere auf die estnische (1894, I.) ; in einigen semestern hat er Vor- lesungen über so fernstehende sprachen, wie »die mandschu- 52 E. N. Setälä. spräche mit vergleichenden hinweisen auf das tungusische und andere ugro-altaische sprachen» (1890, L, 1892, IL), türkische gram- matik mit vergleichenden hinweisen auf ugro-altaische sprachen (1892, I.) und sogar chinesisch (1890 II.) gehalten. Die zweite russische Universität, welche einen hierhergehö- rigen lehrstuhl besitzt, ist Kasan. Das katheder »der finni- schen dialekte an der Universität Kasan verdankt seine existenz einer Vorstellung Baudouin de Courtenay's vom mai 1883 und wurde 1885 begründet. Am 8. februar 1886 wurde Michael Weske, lektor der estnischen spräche zu Dorpat, zum lehrer (..iipenojaBaTe.ii.- ^) der finnischen dialekte an der Kasaner Universität ernannt, hat aber erst 1888 seine lehrthätigkeit begonnen. Von den Vorlesungen, die er angekündigt hat, mögen erwähnt werden : vergleichende fin- nische grammatik (1888 I., 11.^ 1889 I.); ethnographie der finnischen, bezw. der ostfinnischen stamme (1888 IL, 1889, IL); ältere kultur- geschichte der finnischen stamme auf grund sprachlicher thatsachen (1889 L, IL, 1890 L); praktische beschäftigung mit den finnischen dialekten (1889 11., 1890 L). Er starb am 4. mai (a. st.) 1890. Zu seinem nachfolger wurde am 23. Januar (a. st.) 1S94 Nikolai Anderson ernannt; krankheitshalber begann er seine thätigkeit erst im lehrjahre 1894/95. Die gegenstände der von ihm angekündig- ten Vorlesungen sind gewesen : ethnographische Übersicht der ugro- finnischen stamme (1894 — 1897); vergleichende grammatik der ugro-finnischen sprachen (1894/5); grammatik der estnischen spräche und erklärung ausgewählter texte (1894/5); grammatik der tschere- missischeii spräche und erklärung- ausgewählter texte (1895 6); ver- gleichende gramm. der tscher. spr. (1896/7); suom.i: grammatik und lektüre prosaischer und poetischer texte (l 897/8); Kalevala (1 899/1 900, angekündigt, aber nicht zustande gekommen); über den einfluss der indoeuropäischen sprachen auf die ugro-finnischen (1895/6); über den einfluss der litauischen und slavischen stamme, bezw. der slavischen sprachen auf die ugro-finnischen (1896/7, 1897/8). In einigen Semestern sind die Vorlesungen nicht zu- stande gekommen, teils wegen der krankheit des dezenten, teils aus mangel an zuhörern. Die historisch-philologische takultät in 1 Laut dem gesetze haben „die lehrer der östlichen sprachen im beruf der ausserordentlichen professoren" alle rechte und jiflichten „der ausserordentlichen professoren". Die finn.-.ugr. Studien als iiniversitätsfach. 5^ Kasan ist ja auch sehr klein (20 — 30 Studenten), und die obli- ijatorischen Vorlesungen sind sehr zahlreich (bis 40 in der woche), so dass es kein wunder ist, wenn die Studenten für nichtobligato- rische fächer wenig zeit linden. Schliesslich mag erwähnt werden, dass die Kaiserl. Russische Akademie der Wissenschaften zu St. -Petersburg den platz eines akade- mikers für die wissenschaftliche erforschung der finnisch-ugrischen sprachen besitzt. Dieses fach wurde an der akademie zuerst von .Andreas Johann Sjögren vertreten (1829 — 55) und nach ihm von Ferdinand Johann Wiedemann (1857 — 87). Seit seinem tode (•^*'/j2 1887) ist der platz unbesetzt. In Österreich ist die Wiener Universität die erste, wo wir einen lehr er der ungarischen spräche antreffen. Der erste lehrer dieser spräche Avar Josef Märton. Seine Vorlesung erscheint zum ersten male im lektionskatalog für das Studienjahr ^^3^l7 unter dem titel »ungarische spräche und litteratur» als 4-stündiges kolleg angekündigt. Marton ist hier als »lehrer» be- zeichnet, seine Vorlesung unter den »freyen, theils ordentlichen, theils ausserordentlichen gegenständen» aufgezählt ^. — Marton, der als Verfasser einiger lehr- und Wörterbücher der ungarischen sprä- che l:)ekannt ist, hielt seine Vorlesungen bis zu seinem tode (f 26 juli 184OJ. Ihm folgte, ebenfalls in der eigenschaft als »lehrer» der ungarischen spräche und des geschäftsstiles, dr. phil. Johann Remele 1841 — 1873.2 Er las im laufe dieser zeit über ungarische ^ Herr sektionsrat dr. Schrauf, dem ich die notizen über die Wiener Universität verdanke, fügt hinzu: „Näheres über Josef Marton findet sich T)ei Wl'rzbach, „Das Biographisclie Lexikon f. d. Kaiserthum Oester- reich'' XYII 57; allein, wenn hier gesagt wird, das Marton schon im j. 1806 (!) zum unbesoldeten öffentlichen „ausserordentlichen professor der ungarischen spräche" ernannt wurde, so muss ich daran festhalten, dass er vor dem j. 1836 in den lektionskatalogen nicht vorkommt und dass er auch nach dem j. 1836 nicht professor, sondern lehrer tituliert wird. Ob bei Würzbach die jahi'eszahl statt 1806 vielmehr 1836 lauten muss, oder ob ein anderes versehen vorliegt, kann ich augenblicklich nicht ausmachen". Dieselbe Jahreszahl 1806, wo er „zum ausserordentli- chen professor der ungarischen spräche und litteratur und zum besolde- ten lehrer der ungarischen spräche bei der königl. ungarischen leibgarde wiirde", wird auch in „A Pallas nagy lexikona" XII 379 genannt; wahr- ■^(■heinlich stammt die nachricht aus derselben quelle. * Wlrzbach XV 277 enthält folgendes: „Als dann im .Tahre 1848 liber seinen Antrag eine Lehrkanzel der ungarischen Sprache an der Wie- 54 E. N. Setälä. spräche für anfänger, ungarische syntax, ungarischen geschäftsstil, geschichte der ungarischen litteratur; er hat einige arbeiten haupt- sächlich zu praktischen zwecken veröffentlicht. ^ Nach Remele befand sich 1873 — 1888 kein lehrer der ungari- schen spräche an der Wiener Universität. Erst im j. 1889/90 war Igxaz Haas, doktor der rechte, lektor für ungarische spräche — er hat seine Vorlesungen in zwei abteilungen gehalten, eine für anfänger, die andere für vorgeschrittene — und blieb als solcher bis inclusive 1895/6. Seitdem war wieder kein lektor für ungarisch vorhanden. Erst 1899 wurde Georg Tomecsek lehrer der ungarischen sprä- che : er hält seine Vorlesungen in zwei abteilungen (wie Haas; und ist zugleich professor des ungarischen am k. k. Theresianum (in- temat aristokratischen Charakters, welches auch von söhnen Un- garns besucht wird, — für diese ist ungarisch obligatorisch). Waren alle diese kollegien auf die praktische erlernung des ungarischen gerichtet, so hat man auch sprachwissenschaftliche Vor- lesungen eines ord. professors an der Wiener Universität zu ver- zeichnen. Prof. Anton Boller — auch als wissenschaftlicher Schriftsteller auf diesem gebiet bekannt — las im Wintersemester 1854/5 »über vergleichende grammatik der ünnischen sprachen mit besonderer rücksicht auf das magj'arische» (2 st.) und im win^ tersem. 1855/6 »formenlehre des niag}'arischen in ihrem organischen zusammenhange mit den finnischen sprachen;/, ebenfalls 2 st. — Ob er auch in den kollegien über »fremdwörter hochasiatischen Ursprungs im latein. und griechischen» (wintersem. 1859 6oj und über »fremdwörter aus den turanischen sprachen im griechischen»- auf die finn.-ugr. sprachen rücksicht genommen hat, mag dahinge- stellt bleiben. Endlich sei als kuriosum erAvähnt, dass der lehrer Johann Markovits 1864 — 66 kurse über »ungarische Stenographie» abhielt. An den Universitäten zu Prag sind die rein wissenschaftli- chen finnisch-ugrischen Studien stärker vertreten gewesen, als in Wien. Schon in den fünfziger jähren des vorigen Jahrhunderts ner Hochschule systemisiert wurde, erhielt E. die Professur derselben". Dies scheint jedoch nicht mit den aus offiziellen quellen geholten nach- richten dr. Schrauf's übereinzustijimien. • Auch einen Vortrag : ,.Über die Identität der Magyaren und .Ta- zygen". Die fiun.-utjr. Studien als Universitätsfach. 55 hatte die damals ungeteilte Prager Universität einen »kais. kön. sj'Stemisierten lehrer der ungarischen spräche und des un- garischen geschäftsst5'ls», Anselm Mansuet Riedl. Das lek- torat für die ungarische spräche wurde durch das dekret vom 26. nov. 1853 »systemisiert», und Riedl durch das dekret vom 18. aug. 1854 zu diesem amte ernannt 1. Seine vortrage begannen im Wintersemester 1855/6. In jedem kurse las er magj'arische (er bediente sich mitunter auch des ausdrucks »ungarische») gram- matik (3 st.) und ungarischen (magyarischen) geschäftsstil (2 st.). Aber schon im ersten Semester seiner lehrthätigkeit hat er auch einen rein wissenschaftlichen kursus - angekündigt: »vergleichung des ungarischen mit der tinnischen sprachfamilie» (i st.). Sonst hat er vorgetragen: »vergleichung des magyarischen mit der finni- schen und türkischen sprachfamilie» (sommersem. 1856), »abriss der geschichte der magyarischen spräche» (sommersem. 1858), »anfangsgründe der uralaltaischen grammatik» (sommersem. 1856), »über den uralaltaischen sprachstamm» (wintersem. 1856/7), »grund- züge einer vergleichenden grammatik des uralaltaischen sprach- stammes» (wintersem. 1857/8, sommersem. 1860), »vergleichende lautlehre des uralaltaischen sprachstammes» (wintersem. 1858/9), »über das Verhältnis der uralaltaischen sprachen zu dem indoger- manischen sprachstamme» (wintersem. 1859/60), » mag^^arische mythologie» (wintersem. 1857/8), »geschichte der magj-arischen poesie bis ende des XVIII. jahrh.» (wintersem. 1858/9) bezw. »im XIX. jahrh. (in den sommersemm. 1859 u. 1860), »ge- schichte der mag>-arischen litteratur» (wintersem. 1860/1). Das Win- tersemester 1860 I ist das letzte, in welchem er in Prag gelesen hat; 1861 2 wird sein name noch im personalstande der Universi- tät angeführt, im Vorlesungsverzeichnisse aber finden sich keine Vorlesungen von ihm angesetzt. Er war, wie in den »personal- veränderungen» angegeben ist, als gj-mnasiallehrer nach Pest ver- ' Nach einer biographie Kiedl's in „Pallas nagy lexikoua" (von S. SiMONYi) wurde der lelirstuhl für ungarische spräche in Prag auf den Vorschlag von Schleicher errichtet, und Riedl zu der stelle infolge der empfehlung Grillp.\rzer*s ernannt. " Von seinen wissenschaftlichen tendenzen zeugt vorteilhaft auch seine „Magyarische grammatik" (mit einer allgemeinwissenschaftlicheu einleitung), welche in Wien (Prag) 1858 erschien. 56 E. N. Setälä. setzt worden ^. Wie schon oben erwähnt, hat er als dozent der vergleichenden Sprachwissenschaft den ersten vorlesungskursus über vergleichende finnisch-ugrische Turalaltaische ?) Sprachwissenschaft an der Budapester Universität (1863/4) gehalten; später (;i866) wurde er ord. professor der deutschen spräche und litteratur an derselben Universität (-j- in Budapest d. 17 okt. 1873). Mit Riedl's abgang hörten die vortrage über ungarische spräche an der Prager Universität gänzlich auf. Beinahe zwanzig jähre später sind jedoch einige Vorlesungen, die sich auf das fin- nisch-ugrische Sprachgebiet beziehen, an dieser Universität zu ver- zeichnen. Der rühmlich bekannte professor der vergleichenden Sprachwissenschaft, Alfred Lud\\7G, hat im Wintersemester 1878 9 >_grammatik der finnischen spräche (suomi) mit Interpretation ausge- wählter stücke des finnischen nationalepos Kalevala» ( i st.) gelesen. Auch im sommersemester 1879 hatte er zum gegenstände seiner Vorle- sungen »Interpretation ausgewählter stücke aus dem finn. national- epos Kalevala» und im Wintersemester 1883/4 »grammatik des suomi mit leseübungen >. Der vortragende hat immer die grammatik mit rücksicht auf die anderen finnischen sprachen» gelesen-. Die kollegien waren anfangs sehr besucht (15 zuhörer blieben bis zu dem ende des kollegs); in dem letzten finn. koUeg waren nur drei zuhörer. Als das letztgenannte koUeg prof. Ludwig's abgehalten wurde, war schon die Zweiteilung der Prager Universität in die »k. k. deutsche» und »k. k. böhmische Universität» (mit dem Winterse- mester 1882/3) eingetreten; es war das erste und bisher das letzte koUeg über dieses fach an der geteilten deutschen Universität. An der böhmischen wurde Fr.a.xtisek BrÄbek 1883 zum lektor der ungarischen spräche ernannt und wirkt in dieser eigenschaft bis heute. Nach den lektionskatalogen trägt er vor allem (in jedem semester) die magj'arische Sprachlehre ' Xach der obengenannten biographie von Simonyi ist er „infolge iler ultramontanen bestreb ungen des grafen Leo Thun nach seinem Vater- land zuiiickgekehrt". - Als ein zeugnis von dem Interesse prof. Ludwig's füi* diesen gegen- ständ dient auch sein 1884 erscliienener aufsatz „Über die nominativ- l)ildung -nen im Finnischen (-ne im Ehstnischen) von nominalstämmen auf -se (-si) (Sitzungsber. der Königl. Böhm. Gesellschaft der "Wissenschaften). Die finn.-ugr. Studien als universitätsfach. 57 mit praktischen übiins>;en vor, daneben werden ma,a;var. texte "gelesen (Riedl's Übersetzung; der Königinhofer Handschrift, Arany, proben aus der historischen Htteratur, Madäch, Pulszky, Vörüsmarty), fast in jedem semester kommt ein einstündiges koUeg über ein- zelne kapitel der ungarischen litteraturgeschichte vor (»die zeit des Math. Corvinus), »die magyar. epik», »das drama», »die wissen- schaftliche litteratur», »die juristische Htteratur», »die Sczechenyi- sche blütezeit 1831 — 49», u. dgl.j. Auch sprachwissenschaftliche vortrage hat lektor Brabek, wenngleich mehr referierenden Cha- rakters, abgehalten: »übersieht der bisherigen ergebnisse auf dem gebiete der magyarisch-ugrischen vergleichenden Sprachforschung» (sommersem. 1886), »die slavismen in der magyar. christlichen terminologie (Übersicht der bisherigen forschungen darüber)» (som- mersem. 1887), »über das leben und die Schriften M. Revai's, des gründers der magyar. Sprachwissenschaft», »die ersten anfange der finnisch-ugrischen vergl. Sprachforschung» (wintersem. 1893/4), >P. HunfalvY's Schriften über die uralischen Völker und ihre spra- chen ^ (sommersem. 1898); über seine Vorlesungen 1900/ 1 siehe unten. ' In Norwegen erteilte pastor N. V. Stockfleth seit anfang 1847 durch öffentliche vortrage an der Universität Kristiania Unter- richt im lappischen, ohne jedoch an der Universität angestellt zu sein. Er trug die grammatik der spräche, die geschichte und my- thologie des lappischen volkes vor, während die praktischen Übun- gen in seinem hause abgehalten wurden. Durch königl. resolution vom 24. febr. 1848 wurde ihm eine jährliche Unterstützung be- willigt u. a. mit der Verpflichtung Vorlesungen an der Universität zu Kristiania über die lappische, finnische (»kvänische», wie man in Norwegen sagt) und die verwandten sprachen zu hal- ten. Ob er wirklich Vorlesungen über »die verwandten sprachen» gehalten hat, ist unbekannt, weil seine Vorlesungen in den lektions- verzeichnissen nicht angeführt werden; es ist jedoch kaum anzu- nehmen. Hauptsächlich war seine Wirksamkeit von praktischer art ; weil seit 1849 von den bewerbern um geistliche ämter in gewissen nördlichen kirchspielen ein praktisches examen ^ im lappischen und ' Sie sollten lappische bücher, sowie die bibel und erbauunosschrif- ten im finniscdien, verstehen, die formen! ehre dieser sprardien daidegen 58 E. N. Setälä. finnischen gefordert wurde, war es seine hauptaufgabe, den für die- ses examen erforderlichen Unterricht zu erteilen und das examen selbst abzuhalten. Als Stockfleth 1851 eine längere reise nach Finmarken antreten sollte, wurde cand. theol. J. A. Friis beauftragt provi- sorisch die Stockfleth als dozenten obliegenden amtsgeschäfte zu verwalten und bei der herausgäbe der lappischen bücher, die zum druck besorgt werden sollten, beizustehen. Auch nachdem Stockfleth ende mai 1853 schliesslich aus seiner Stellung als dozent der lappischen und finnischen spräche ausgetreten, verblieb Friis als dozent; aber er war nicht fest angestellt, nur »proviso- risch beauftragt», und seine Vorlesungen werden weder im lektions- verzeichnis angeführt, noch in den Jahresberichten der Universität erwähnt. Es fand in dieser hinsieht eine Veränderung statt, als Friis am 6. juni 1863 zum ausserordentlichen lektor der lappischen und finnischen spräche an der Universität ernannt wurde. Die majorität des »akademischen kollegs» hatte sich für die errichtung des neuen lektorats ausgesprochen, wesentlich mit rücksicht auf die praktische bedeutung dieses Unterrichts und um auf diese weise der langwierigen und verdienstvollen Wirksamkeit von Friis als lehrer des lappischen und herausgeber lappischer Übersetzungen und wissenschaftlicher arbeiten über die spräche, die ethnographischen und andere Verhältnisse der läppen anerkennung zu geben. Ausserdem wurde auch die bedeutung dessen, dass das wissenschaftliche Stu- dium des lappischen und der damit verwandten sprachen an der Universität vertreten sei, hervorgehoben. Die ansieht der majorität wurde von den oberen behörden angenommen, und das lektorat durch die königl. resolution vom 27. September 1862 errichtet. Den 25. juni 1866 wurde Friis zum ausserordentlichen^ und den IG. juli 1874 zum ordentlichen professor der lappischen und finni- schen spräche ernannt; er erhielt seinen abschied am 13. und starb am 16. februar 1896 (geb. 1821). Soviel man weiss, hat Friis in seinen Vorlesungen hauptsächlich nur aul die praktische erlernung und „befriedigend aus dem norwegischen ins lappische und finnische übersetzen können". * Dies bedeutete keine i^rinzipielle Veränderung in der Stellung des betr. fachs an der Universität, denn alle früheren lektorate wurden im genannten jähre in professuren verwandelt. Die tinn.-ugr. Studien als universitätsfach. 59 des lappischen und finnischen rücksicht genommen; die lektions- verzeichnisse besagen ohne jede nähere angäbe nur, dass er lap- pisch und linnisch (gewöhnlich etwas mehr lappisch als finnisch) gelesen habe. Laut der bestimmung des Kirchendepartements wurde dann dem pastor Chr. Kaukin aufgetragen, im ersten semester des j. 1896 Vorlesungen im lappischen zu halten; er hat diese im märz 1896 angefangen. Durch die königl. resolution vom 10. Oktober 1896 wurde er Ijevollmächtigt provisorisch im lappischen und finnischen Vorlesungen zu halten und setzte diese bis zu seinem tode (•^•'/s 1898) fort. Es mag erwähnt werden, dass Kaurin in seinen vor- tragen einen teil des Kalevala (die Kullervogesänge), aber mit nur sprachlichen erklärungen, durchging. Nach seinem tode wurden bis zum herbstsemester 1899 keine Vorlesungen im lappischen und finnischen abgehalten. » Unterdessen war das Schicksal der professur von dem norwe- gischen Storting entschieden worden. Im gegensatz zu dem gut- achten der Universität und des Kirchendepartements ' wurde die pro- ' Ein vom ,.Collegium academicum" ein.oesetztes komitee hatte sich über die sache folgendermassen geäussert: „Hinsichtlich der Vertretung des lappischen und kväni sehen will das komitee die meinung äussern, dass dieselbe in eine dozentur umgewandelt werden könnte, falls dabei lediglich beabsichtigt sei, den künftigen be- amten. die Verwendung dafür haben, die nötigen kenntnisse im lappi- schen und kvänischen zu verschaffen, — obgleich zu befürchten ist, dass selbst unter dieser Voraussetzung ein für das amt qualifizierter mann unter solchen bedingungen dauernd in der Stellung schwer zu halten sein dürfte. Es komint aber hier ein andrer umstand hinzu, der nach der ansieht des komitees schwer ins gewicht fällt. Norwegen beherbergt inner- halb seiner grenzen eine zahlreichere lappische bevölkerung, als die ande- ren Staaten, auf deren gebiet sich läppen finden, es liegt daher uns zu- nächst die Verpflichtung auf, dieses volk gegenüber der civilisierten weit zu repräsentieren, wozu namentlich gehört, dass wir die wissenschaftliche Untersuchung seiner spräche, seiner Volksüberlieferungen und seiner ethno- graphischen Verhältnisse aufirecht erhalten, — Untersuchungen, die mit nicht geringem Interesse in mehreren, zum teil recht fernen ländern be- trieben werden. Dieser Verpflichtung ist nun Norwegen seit längerer zeit nachgekommen, inid kaum würde es angebracht sein sie aufzugeben oder die verhältnismässig unbeträchtlichen opfer, die bisher dafür gebracht worden sind, zu beschränken. Es ist also die meinung des komitees, dass dieser posten als ordentliche professur bewahrt bleiben müsse". — Das 6o E. N. Setälä. fessur 1897 vom Storting aufgehoben, und eine bewilligung von 2,400 krönen zur Verfügung der regierung gestellt für aufrecht- haltung des Unterrichts im lappischen und tinnischen, entweder an der Universität oder am lehrerseminar zu Tromsö. Auf admini- strativem wege wurde — nachdem die universitätsauktoritäten sich darüber geäussert hatten — die gegebene bewilligung zur errich- tung einer dozentur an der Universität angewendet. Durch königl. resolution vom 30. September 1899 wurde cand. theol. Konrad Nielsen, der in Helsingfors die finnische Sprachwissenschaft studiert und bei läppen sprachliche Untersuchun- gen getrieben, zum dozenten des lappischen und finnischen ernannt. Der junge dozent hat ausser dem praktischen Unterricht u. a. auch über das Kalevala (über Ursprung, Inhalt^ ästheti- sche und sprachliche eigenart und versmass desselben nebst Inter- pretation ausgewählter stücke) gelesen. In Schweden ist der erste Universitätslehrer in dem be- treffenden fache der dozent dr. Karl Bernhard Wiklund. Er hat im finnischen und lappischen seit dem frühjahrssemester 1894 un- terrichtet, wo ihm eine Unterstützung von 900 krönen für aufrecht- haltung dieses Unterrichts zuerteilt wurde. Im sommer 1896 wurde er zum dozenten der finnisch-ugrischen Sprachwissen- schaft ernannt und hat seitdem sowohl wissenschaftliche als prak- tische kurse in diesem fach abgehalten. Vom l. januar 1899 ist ihm für diesen zweck von dem schwedischen Reichstag eine Unter- stützung von 2,5oo krönen zuteilgeworden. Dies sind nun die länder und Universitäten, die lehrer in den finnisch-ugrischen lehrgegenständen besitzen oder besessen haben. Aber ausserdem, wie schon in ein paar fällen (in Wien und Prag), sind vorlesimgen über diese gegenstände auch an eini- gen solchen Universitäten Europas gehalten worden, wo sie nie einen speciellen Vertreter gehabt haben. Kirchendepartement hatte eine „bewegliche" professur für dieses fach empfohlen und später auch einen von dem bischof Skaar »-emachten an- trag, den seminarvorstand J. Qvigst.xd als professor dieses fachs anzustel- len, unterstützt. Derselbe antrag über die anstellung Qvigstad's wurde von dem repräsentanten für Finmark, herrn Hagemann, im Storting ge- macht, aber ohne erfolg. Die tinn.-ugr. Studien als Universitätsfach. 6 1 Von diesen ländern ist Deutschland zuerst zu erwähnen. An der Universität zu Berlin wurden nämlich die ersten Vorlesun- gen in diesem fach schon in den vierziger jähren des vorigen Jahr- hunderts gehalten. A. o. professor Peter Feddersen Stuhr (ge- Ijoren in Flensburg 1787, f 185 1) hielt im sommersemester 1846 einen kursus ab über slavische und finnische mythologie und im folgenden jähre »über das Kalevala und die finnische mvthologie>' (»de Kalewalae cantilenis et de mythologia Fennica», sommersem. 1847, 2 st.) und schliesslich in mehreren Semestern über die fin- nische und lappische mythologie (in den sommersemm. 1848, 1849 und 1850) ^ Während einer viel längeren zeit hat aber Wilhelm Schott an der Berliner Universität (a. o. professor seit 1838) auch die finnisch-ugrischen Studien vertreten. Seine ersten Vorlesungen in diesem fach wurden nämlich im Wintersemester 1846/7 (»de Unguis quae dicuntur Fennicae») gehalten, und die letzten sind bei- nahe vierzig jähre später, fürs wintersem. 1882/3, angekündigt. Als gegenstände seiner Vorlesungen werden in den lektionsverzeich- nissen angegeben: das Kalevala (sommersem. 1847, wintersem. 1849/50, sommersem. 1858, wintersem. 1858/9 und wintersem. 1859/60), die sog. finnischen 2 sprachen (wintersem. 1846/7 und sommersem. 1847) und ihr Verhältnis zu den mongolischen, tür- kischen oder auch zu den tungusischen sprachen (sommersem. 1848, wintersem. 1848/9 und sommersem. 1849), die finnische spräche (bisweilen suomi genannt, in sehr vielen Semestern 1848 — 80), einmal mit darstellung ihres Verhältnisses zu den übrigen europäischen und asiatischen sprachen (sommersem. 1857, 3 st.), öfters mit einer vorangehenden Übersicht der verwandten sprachen (in mehreren Semestern 1852 — 1858), die lappische spräche, (»in eorum qui Fennice callent gratiam de lingua Samelassorum», som- mersem. 1850), die finnische und estnische litteratur (1859 — 61), teils mit Übersicht der sog. »finnisch-altaischen sprachen» (som- ^ Über Stl'hr siehe näheres in der Allji;emeinen deutschen Biographie XXXVI 738. — Über die finnische mythologie hat Stuhr auch einen aufsatz veröffentlicht: „Über die Bedeutung der finnischen Götternamen Jumala und Ukko" (Schmidt's Zeitschrift für Geschichte VI 269, 1846). ^ Schott bedient sich gewöhnlich der benennung „Fennicae lin- guao (quae dicuntnr)'", einmal „Tschudicae seil Fennicae"; 1869 — 79 er- scheint der ausdruck „populi stirpis Eennico-ugricae", aber dann kehrt- wieder „Fennica stirps sensu latiorc" zurück. 63 E. N. Setälä. mersem. 1871), die geistesdenkmäler des finnischen Stammes (;>de monumentis ingenü populorum Fennicae [resp. »Fennico-ugricae, >Fennicae latiore sensu»] stirpis:>, in den meisten Semestern 1862 — 83). Es soll hervorgeholten werden, dass Schott's Vorlesungen, soweit man jetzt weiss, ausserhalb Finlands die ersten über finnisch- ugrische Sprachwissenschaft gewesen sind. — Unzweifelhaft hat auch Ferdinand Heinrich Müller (privatdozent, und seit 1845 a. o. Professor an der Berliner Universität) in seinen oft wieder- kehrenden Vorlesungen über die ethnographie und geographie Euro- pas und Asiens die finnisch-ugrischen Völker mitbehandelt, was schon daraus zu schliessen ist, dass er eine arbeit in zwei bänden über »den ugrischen volksstamm» (1837 — 39) veröff'eritlicht und schon um die zeit des erscheinens dieser arbeit die obengenannten ethnographischen Vorlesungen gehalten hat. Er bleibt in den lektions- verzeichnissen der Berliner Universität bis 1886. Auch Her- mann Steinthal (seit 1850 privatdozent und 1863 a. o. professor an der Berliner Universität) hat wohl in seinen Vorlesungen über die typen des Sprachbaues, über allgemeine Sprachwissenschaft, über die vergleichende mythologie nicht umhin können, die finnisch- ugrischen sprachen und Völker mitzuberücksichtigen. An der Leipziger Universität hat der professor der slavi- schen sprachen August Leskien im sommersemester 1871 imd im Wintersemester 187 12 eine Charakteristik der sprachen Europas mit besonderer berücksichtigung auch der finnischen sprachen ge- geben. Später sind daselbst vortrage über die ungarische spräche (grammatik und lektüre) abgehalten worden, teils von Gustav Weigand, a. o. professor der romanischen sprachen (im wintersem. 1896 7 und sommersem. 1897), vmd Asmus Sörensen, a. o. pro- fessor der osteuropäischen sprachen, geschichte und litteratur (winter- sem. 1899 900 und sommersem. 1900). Schliesslich sei noch er- wähnt ein kursus von dem privatdozenten dr. phil. W. Grube über »mongolische grammatik als einführung in das Studium der ural- altaischen sprachen» (sommersem. 1882). Über die übrigen Universitäten Deutschlands hat sich, trotz dr. G. Schmidt's und meiner bemühungen, aus den zugänglichen quel- len nichts in dieser hinsieht finden lassen. In Dänemark wurden die traditionen des grossen däni- schen Sprachforschers Rasmus Rask, der sich auch mit der er- forschuno; der finnisch-ugrischen sprachen beschättigt und auf diese Die finn.-ugr. Studien als universitätsfach. 63 forschung einen bedeutenden einfluss ausgeüljt hat ', von sei- nem ebenso berühmten und genialen landsmann A'ilh. Thomsen aufgenommen. Als dezent (seit 1871, eig. :=: a. o. professor) und ord. professor der vergleichenden Sprachwissenschaft an der Uni- versität Kopenhagen hat er Vorlesungen über unser fach ge- halten. Über das finnische (grammatik, texte, u. a. Kalevala) hat er herbstsem. 1871 — herbstsem. 73, herbstsem. 1887, herl)stsem. 1888, herbstsem. 1890 — herbstsem. 1891, frühjahrsem. — herbst- sem. 1897 gelesen; über das magyarische herbstsem. 1873 — herbst- sem. 1875; über den bau und die geschichte der finnischen spra- chen im frühjahr 1888 und wieder im frühjahr 1892. In diesen Vorlesungen hat er auch einen teil seiner Untersuchungen über die indoeuropäischen lehnwörter in den finnisch-ugrischen sprachen vorgetragen; die ausserordentlich grosse bedeutung dieser Untersu- chungen für die finnische und finnisch-ugrische Sprachwissenschaft ist allzu bekannt um hier näher erörtert werden zu müssen. In der Schweiz hat die Universität zu Basel einen tüchti- gen kenner des finnischen und ungarischen in Franz Misteli, pro- fessor der Sprachwissenschaft, gehabt. Wenn er in seinen Vorle- sungen eine Charakteristik der hauptsächlichsten typen des Sprach- baues (wintersem. 1884/5, sommersem. 1892 — sommersem. 1893, im erstgenannten semester »mit texinterpretationen») oder eine Über- sicht sämtlicher sprachen, bezw. der sprachen Europas (sommersem. 1894, wintersem. 1894/5) gab, hat er natürlich auch die finnisch- ugrischen und »uralaltaischen» sprachen behandelt, wie auch aus seiner neubearbeitung der Steinthal'schen »Charakteristik der haupt- sächlichsten Typen des Sprachbaues» zu ersehen ist. Wie weit er dieselben auch in seinen Vorlesungen über die allgemeine Sprach- wissenschaft (in der allgemeinen einleitung in die Sprachwissen- schaft, darstellung der geschichte und litteratur der Sprachverglei- chung) l^^erücksichtigt hat, mag dahingestellt bleiben. In Italien hat Domenico Comparetti, der bekannte Kale- vala-forscher, der 25 jähre professor der griechischen litteratur zu- erst an der Universität zu Pisa und später an der hochschule zu Florenz (R. Istituto di studi superiori) war, in seinen Vorlesungen über Homer auch öfters die Kalevala-fragre berücksichtigt; auch in Er hat jedoch nie über dieses fach gelesen. 64 E. X. Setälä. Die finn.-ugr. Studien als universitätsfach. der Accademia dei Lincei hat er einen vertrag über das Kalevala gehalten. Betreffs eventueller Vorlesungen über dieses fach in anderen ländern, bezw. Universitäten fehlen uns alle nachrichten. Wie schon aus dieser Übersicht liervorgeht, haben die fin- nisch-ugrischen Studien als universitätsfach in den letzten zeiten an fiele und wissenschaftlichem wert gewonnen; was aber die breite, d. h. die Vertretung an den verschiedenen Universitäten Europas, anbe- langt, ist zu dieser zeit ein rückgang zu konstatieren. Besonders dürfte das erscheinen des Kalevala Universitätsvorlesungen ver- anlasst haben, und kein neueres ereignis auf diesem gebiete hat in demselben masse das Interesse der gelehrten fesseln können. Wir geben uns jedoch der holfnung hin, dass die vertieften Stu- dien auf dem gebiete der finnisch-ugrischen Sprachwissenschaft und Volkskunde die aufmerksamkeit der gelehrten weit von neuem auf dieses gebiet werden hinlenken können. Helsinofors. E. N. Setälä. Anhang zum obigen aufsatz. Vorlesungen und Übungen auf dem gebiete der finnisch-ugrischen sprach- und Volkskunde an den Universitäten Europas 1 900/1. Budapest, Ungarn. GvuLAi, PÄL, ü. o. prof. der ung. litteratur. H.-S. 1900; ein- führung in die ungarische litteraturgeschichte und geschichte der ungarischen litteratur bis 1526, 4 st.; seminarübungen, 3 st. F.-S. 1901: geschichte der ungarischen litteratur bis 1526 und von 1526 bis 1606, 4 St.; seminarübungen 3 st. Beöthy, Zsolt, ö. o. prof. d. ästhetik u. poetik. H.-S. u. F.-S. : überblick über die ungarische litteratur der neuzeit, 2 st. SiMOXYl, ZsiGxAlOND, ö. o. prof. der ung. spräche u. Htt. H.-S. 1900: ungarische Wortbildung, 2 st.; ungarische etymologie, i st.; vergleichung der ungarischen vmd lateinischen svntax, 2 st. ; philo- logische gesellschaft (schriftliche arbeiten, Übungen für fortgeschritte- Finn.-ugr. Vorlesungen und Übungen. 65 nere) 2 st. F.-S. 1901: wortableitung und komposition, 2 st.; dia- lektologische Übungen, l st. ; Übersetzungen ins ungarische, 2 st. ; philologische gesellschaft (schriftliche arbeiten), 2 st. SziNXYEi, JozSEF, ö. o. prof. d. altaischen sprachen. H.-S. 1900: Einführung in die vergleichung der finnisch-ugrischen sprachen, darnach : finnisch, 2 st. ; ungarische Sprachvergleichung I. (lautlehre, Wortbildung), 2 st. ; ungarische Sprachvergleichung II. (abschluss der vorsemestrigen Vorlesungen), i st. ; finnisch-ugrische sprachwis- senschaftliche Übungen, 2 st. F.-S. 1901 : finnische syntax und textinter- pretation, 2 st.; ungarische sprachvergleidung, 2 st.; interpretation und anah-se wogulischer texte, i st. ; interpretation und anal5'se estnischer, wepsischer und wotischer texte, 2 st. BODXÄK, ZsiGMOND, privatdozent d. ung. litteratur. H.-S. u. F.-S. : geschichte der ungarischen litteratur von XVI. bis XVIII. Jahr- hundert. ZoLNAl, Gyla, privatdozent d. ung. spräche. H.-S. 1900: ungarische wortlehre III. : wortsuffigierung, 2 st. ; sprachhistorische Übungen, i st.; F.-S. 190 1 : ungarische syntax, 2 st.; lektüre und interpretation der ältesten ungarischen bibelübersetzung, i st. Christiania, Norwegen. Nielsen, Konrad, dozent des lappischen und finnischen (»kvä- nischen»). Lappisch (fortsetzung), 2 — 3 st.; finnisch für anfänger, 3 st. ; ausgewählte gedichte des Kalevala, i st. ; ausserdem täglich praktischer Unterricht im lappischen und finnischen für interes- santen (z. b. für pfarrer, die ein examen in diesen sprachen able- gen w'oUen). Dorpat (Jurjev), Russland. Hermann, August, lektor der estnischen spräche. H.-S. : Ge- schichte der neueren estnischen litteratur, i st. ; grammatik der est- nischen Sprache, i st. ; lektüre ausgewählter abschnitte aus der est- nischen litteratur in Verbindung mit etymologischen und syntaktischen Übungen, l st. F.-S. 1901: fortsetzung der beiden ersten Vorlesun- gen; lektüre ausgevählter abschnitte aus der estnischen und finni- schen litteratur, i st. Helsingfors, Finland. Genetz, Arvid Oskar Gustav, o. professor der finnisch- ugrischen Sprachforschung. H.-S. 1900: deskriptive und verglei- chende darstellung des tscheremissischen, 4 St., l st. repetitions- koUeg; F.-S. 1901: nicht gelesen. 66 Fiiiu.-ugr. vorlesuugeu und Übungen. Setälä, Emil Nestor, o. professor der finnischen spräche und litteratur. Formen- und bedeutungslehre der finnischen spräche vom finnisch-ugrischen Standpunkte, 2 st. H.-S. 1900: Vorlesungen und Übungen über ältere finnische litteratur, 2 st. F.-S. 1901: über karelisch und olonetzisch, 2 st. Seminarübungen über ältere finni- sche Schriftsprache; anleitung zur abfassung schriftlicher arbeiten. Krohn, Kaarle Leopold, a. o. professor der finnischen und vergleichenden volksdichtungsforschung. H.-S. 1900: Volksdichtung Westfinlands, 4 st. F.-S. 1901: finnische zauberlieder. Snellman, Artturi H., dozent der finnischen, russischen und nordischen geschichte. F.-S. 1901: seminarübungen über die Chro- nik Heinrichs des Letten »Origines Livoniae». WiCHMAXX, Yrjö Jooseppi, dozent der finnisch-ugrischen Sprachwissenschaft. H.-S. 1900: phonetik, darnach: estnisch, 2 st.; F.-S. 1901: wepsisch, 2 st. Niemi, Aukusti R., dozent der finnischen litteratur und Volks- dichtung. H.-S. 1900: lettische volkspoesie mit der finnischen verglichen. F;-S. 1901: seminarübungen über die Zusammensetzung des Kalevala. Cajander, Paavo Emil, lektor der finnischen spräche. Prak- tische Übungen im finnischen; schriftliche Übungen. Almberg, Anton Fredrik, a. o. lektor der ungarischen sprä- che. Ungarisch für das kandidatenexamen, 2 st. Paasikivi, Juho K., stellvertretender a. o. lektor der finni- schen spräche in der Jurist, fakult. Mündliche Übungen im finnishen und schriftliche arbeiten über juristische themen auf finnisch. Kasan, Russland.. Anderson, Nikolai, lehrer der finnischen dialekte. H.-S. u. F.-S. vergleichende grammatik der ugrofinnischen sprachen, 4 st. ; über den einfluss der indoeuropäischen sprachen auf die ugrofinni- schen, 2 st. Klausenburg (Kolozsvar), Ungarn. Szechy, KAroly, ö. o. prof. der ung. litteraturgesch. und d. ästhetik. H.-S. 1900: die verserzählungen des XVI. Jahrhunderts, 4 St.; ästhetische und litteraturgeschichtliche betrachtung von Emerich Madäch's »Az ember tragediäja», 2 st. F.-S. 1901: die verserzäh- lungen des XVL Jahrhunderts, 2:ter teil, 4 st.; ästhetische und litte- raturgeschichtliche betrachtung von Emerich IMadäch's »Az ember tragediäja ) (fortsetzung), 2 st. Fiun.-ugr. Vorlesungen und Übungen. 67 HalAsz, Igxacz, ö. o. prof. d. ung. sprach wissensch. u. ver- gleichenden ugrischen linguistik. H.-S. 1900: System der ungarischen spräche, 4 st. ; finnische grammatik, i st. ; mordwinische gramma- tik, I St.; linguistische Übungen, 2 st.; F.-S. 1901 : System der ungarischen spräche (fortsetzung), 3 st.; finnische lektüre, 2 st.; linguistische Übungen, 2 st. SzADECZKY, LajoS, ö. o. prof. d. ung. geschichte. H.-F. 1900: die zeit der landnahme 4 st. ; quellenstudien aus der zeit der Ar- paden, 2 st. F.-S. 1901: geschichte Ungarns zur zeit der Arpa- den, 4 St. Vajd.a. G\XLA, ö. o. prof. der ungarischen kulturgeschichte. H.-S. 1900: Geschichte der materiellen und geistigen kultur Un- garns 1526 — 1711. PöSTA, Bela, ö. o. prof. der archäologie. H.-S. 1900: die bronzezeit, 2 st. Herrmaxx, Axtal, privatdozent d. ethnographie. H.-S. 1900: überblick über die ethnographie Siebenbürgens (fortsetzung), i st.; Übungen im ethnographischen museum, i st.; F.-S. 1901 : über- blick über die ethnographie Siebenbürgens (fortsetzung), l st. ; eth- nographische Übersicht, l st. Prag, Österreich (Böhmen). Brabek, Fraxtisek, lektor der mag3'arischen spräche und Htteratur. W.-S. 1900 l: wissenschaftliche im Interesse der ugr.- finn. sprachwissenchaft unternommene reisen bis zu der neuesten zeit, I St.; magj'arische Sprachlehre mit praktischen Übungen, 2 St.; S.-S. 1901: magyar. Sprachlehre mit praktischen Übungen, 2 St. ; geschichte des magyar. dramas seit Szigligeti bis auf die neuzeit, i st. Upsala, Schweden. WiKLUXD, Karl Berxhard, dozent der finnisch-ugrischen Sprachwissenschaft. H.-S. 1900: finnisch, 2 st. (4 zuhörer) ; unga- risch, 2 St. (4 Zuhörer); F.-S. 1901 : finnisch, 2 st.; ungarisch, i st. Wien, Österreich. To.mecsek, Georg, lehrer des ungarischen. Zwei kurse in der ungarischen spräche, einen für anfänger, den anderen für vorge- schrittene. 68 Bibliographie. BIBLIOGRAPHIE der finnisch-ugrischen sprach- und Volkskunde für das jähr 1 900. Wie in dem plan dieser Zeitschrift ausgesprochen wurde, ist es unsere absieht die finnisch-ugrische bibliographie zukünftig ein- mal im jähre zu veröffentlichen. Da die nachrichten von verschie- denen Seiten herbeizuholen sind, so kann dieser erste versuch so wenig hinsichtlich seines inhalts wie seines plans mit dem anspruch auf Vollständigkeit und gleichmässigkeit auftreten. Aus Ungarn ist es uns schw'er geworden alle litteratur zu bekommen, ebenso erhält unsere Universitätsbibliothek, in die auch alle in Russland erschei- nende litteratur einlaufen sollte, und deren Sammlungen uns bei der vorliegenden arbeit hochwichtig gewiesen sind, dieses bücher- material so spät und oft unvollständig, dass notgedrungen lücken bleiben mussten. Über einen teil der unten angeführten Schriften standen uns notizen nur in anderer hand (aus bibliographischen Ver- zeichnissen u. dgl.) zur Verfügung, und in solchen fällen war der titel oft nicht genügend um den platz dieser Schriften in der biblio- graphie genau zu bestimmen. Soweit es möglich ist, werden wir bei gelegenheit der bibliographie für 1901 alle lücken, die offen bleiben mussten, auszufüllen versuchen. Was den allgemeinen plan der bibliographie betrifft, so hat man konsequent solche erzeugnisse unberücksichtigt lassen wol- len, w^elche nicht in irgend einer weise zur finnisch-ugrischen sprach- oder Volkskunde in berührung stehen. Daher w'erden wir uns z. b. nur mit solchen Schriften auf allgemein sprachwissen- schaftlichem gebiet zu beschäftigen haben, in denen durch beispiele oder anderweitig auf finnisch-ugrische sprachen bezug genommen ist. Man könnte allerdings sagen, die allgemeine Sprachwissen- schaft könne hier ebenso in frage kommen, w^ie in der bibliogra- phie der Indogermanischen Forschungen; diese rücksichtnahme würde jedoch zu einer zwecklosen Wiederholung anderer bibliogra- phien führen, und ausserdem wäre es für uns schwer auch nur einige Vollständigkeit zu erzielen. Jedoch sollen solche, die allge- meine Sprachwissenschaft berührende publikationen berücksichtigt Einleitung. 69 werden, die in ungarischer, finnischer oder estnischer spräche abge- fasst sind. Nach demselben princip sind keine Schriften vom ge- biet der sog. uralaltaischen sprach- oder Volkskunde aufgenommen, wenn sie das finnisch-ugrische gebiet überhaupt nicht streifen. In den bereich unserer besprechung haben wir vorläufig die auf praktischen Sprachunterricht und Studium abzielenden Veröffentlichungen, auch wenn sie kaum einen eigentlichen wissen- schaftlichen wert besitzen, gezogen, da es wichtig sein kann zu verfolgen, wie der fortschritt der forschung auf diesem gebiet wirkt. Da der drucke in der mehrzahl der finnisch-ugrischen spra- chen sehr wenige und sie zugleich schwer zu beziehen sind, sollen in der bibliographie alle in anderen finnisch-ugrischen sprachen ausser auf finnisch, estnisch (d. h. in der allg. nordestnischen Schriftsprache) und ungarisch erschienenen bücher aufgeführt wer- den. Die lappische bibliographie ist da fortgesetzt, wo J. QviG- STAD und K. B. Wiklund's »Bibliographie der lappischen litte- ratur» (1899) abbricht. Von archäologischen Schriften haben diejenigen berück- sichtigung erfahren, in welchen die archäologie der gebiete behan- delt ist, in denen heute ein finnisch-ugrisches volk wohnt oder in früheren zeiten nach der annähme der forschung gewohnt hat. Funde aus diesen gebieten, welche aus der zeit vor der einwan- derung der betreffenden finnisch-ugrischen Völker stammen, sind im allgemeinen nicht berücksichtigt. Hinsichtlich der geschichte sei bemerkt, dass natürlich die neuere politische geschichte ausgeschlossen ist. Berücksichtigt wird die historische litteratur, welche die Wanderungen der finnisch- ugrischen Völker zu ihren jetzigen Wohnsitzen und ihre volkstüm- liche kultur betrift't. Die litteraturgeschichte — auch die neuere • — mitzubehandeln war unsere ursprüngliche absieht, da ihr gegenständ immerhin sprachlicherseits finnisch-ugrisch ist. Es stellte sich aber bald heraus, dass es uns unmöglich wurde besonders die vielen artikel, die von ästhetischem und rein litterarischem gesichts- punkt die neuere ungarische litteratur behandeln, mitzunehmen. Deshalb haben wir uns in der ungarischen, finnischen und estni- schen litteraturgeschichte in der regel auf die geschichte der älte- ren litteratur, die auch für die Sprachgeschichte von interesse sein kann, beschränkt. Die grenze haben wir für die ungarische litte- raturgeschichte um die zeit der Spracherneuerung (im i8:ten jahrh.j, ^O Bibliographie. für die finnische um das jähr 1809 (jähr der Vereinigung des gross- fürstentums Finland mit dem russischen reiche) und für die estnische um das jähr 1850, zu welcher zeit die neue Schreibweise eingeführt wurde, angesetzt. Über die behandlung der litteratur anderer gebiete dürfte kaum etwas bemerkt zu werden brauchen. Im allgemeinen soll eher das zuviel als das zuwenig die regel sein. Die erfahrung wird voraussichtlich in diesem punkte zu grösserer gleichmässigkeit führen. Kurze inhaltsangaben werden im allgemeinen nicht von be- sonders erschienenen werken gegeben werden, welche nach mög- lichkeit besonders zu rezensieren sind, sondern bloss von zeit- schriftenartikeln und werken, die nur zu einem kleinen teil das finnisch-ugrische gebiet betrefifen, oder die hinsichtlich ihres Inhalts der art sind, dass eine besondere rezension nicht in frage kommen kann. Der Inhalt wird im allgemeinen ganz objektiv dargestellt, ohne dass der Standpunkt des Verfassers der Inhaltsangabe zur betr. frage zum ausdruck kommt. Der unterzeichnete der für den allgemeinen plan und für die Zusammenstellung der bibliographie verantwortlich ist, hat bei dem sammeln bibliographischer notizen und bei der besprechung der erscheinungen von vielen mitarbeitern Unterstützung gehabt. In erster reihe sind zu nennen dr. ZoltÄn Gombocz (Budapest, un- garische erscheinungen), mag. phil. Alfr. Hackman (Helsingfors, archäologie, ethnographie), mag. phil. Martti Nyholm (estnische Zeitungen), seminarvorstand J. Qvigstad (Tromsö, norwegisch-lap- pische erscheinungen), dr. GuST. Schmidt (Helsingfors, russische, ungarische erscheinungen, hülfe beim korrekturlesen), doz. Yrjö Wichm.wn (Helsingfors, bes. russische, aber auch andere erscheinungen, ist auch an der Zusammenstellung und am korrek- turlesen beteiligt gewesen) und doz. K. B. WiKLUXD (schwedisch- lappische erscheinungen). Kleinere beitrage haben gegeben: hon. John Abercromby (Edinburgh), prof. J. Baudouix de Courtexay (St. Petersburg), mr. E. D. Butler (London), mag. phil. A. K.\x- NISTO, (Helsingfors, über den Inhalt des vVirittäjä >), prof. A. Meil- LET (Paris), prof. J. J. Mikkola (Helsingfors). prof. J. SzixxVEl (Budapest) und prof. ViLH. Thomsex (Kopenhagen). Ich benutze schliesslich die gelegenheit um Unterstützung bei der ausarbeitung der bibliographie zu bitten. Besonders ist die I. Allgemeines. i. Zeitschriften und Sammelwerke. 7 1 Zusendung von dissertationen, programmen, gelegenheit- schriften, sonderabzügen und -anschnitten aus Zeitschriften und Zeitungen und von anderen schwer zugänglichen Schrif- ten erwünscht. In fällen, wo eine Sendung von sonderabzügen nicht möglich ist, ist die redaktion für mitteilung des titeis (bezw. des orts und der Seitenzahl) nebst kurzer inhaltsangabe sehr dankbar. E. X. SetäLÄ. I. Allgemeines. 1. Zeitschriften und Sammelwerke. 1. Suomalais-ugrilaisen Seuran aikakauskirja. XVII. — Jour- nal de la Societe Finno-Ougrienne. XVII. Helsinki 1900. 8:0. 72 -f 29 4- 52 -|- 36 s. Fm. 8. 2. Suomalais-ugrilaisen Seuran aikakauskirja. XVIII. — Journal de la Societe Finno-Ougrienne. XVIII. Helsinki 1900. 8:0. 29 -(- 10 -[- 9 -f- 49 s. Fm. 7. 3. Suomi. Kirjoituksia isänmaallisista aineista. Toimittanut Suo- malaisen Kirjallisuuden Seura. Kolmas jakso. 18 osa. = Suomi. Abhandlungen über vaterländische gegenstände. Herausg. von der Finnischen Litteraturgesellschaft. Dritte serie. 18. teil, Hel- singfors, FLG. 1900. 8:0. IX -|- 480 s. Fm. 5. 4. Nyelvtudomänyi Közlemenyek. A Mags^ar Tudomänyos Akademia nyelvtudomänj'i bizottsäg megbizäsäböl szerkeszti Szin- nj'ei Jözsef. = Sprachwissenschaftliche mitteilungen. Im auftrage des sprachwissenschaftlichen ausschusses der Ungar. Akademie der Wissenschaften redigiert von . Budapest, UAW. 1900. 8:0. IV 4- 488 s. Kr. 6. 5. Keleti szemle. Közlemenyek az ural-altaji nep- es nyelv- tudomän}' köreböl. A Magyar Neprajzi Tärsasäg keleti szakosz- tälyänak es a Keleti Kereskedelmi Akademiänak ertesitöje. — Re\Tae Orientale pour les etudes ouralo-altaiques. Journal de la section Orientale de la Societe ethnographique hongroise et de l'Academie Orientale de commerce ä Budapest. Herausg. von Ignäcz Künos und Bemät Munkäcsi. I. Budapest (Leipzig, in komm, bei Otto Harrassowitz). 1900. 8:0. IV -|- 336 -f- 4^ s. Kr. 8. =Rm. 8. 6. Ethnographia. A Magyar Neprajzi Tärsasäg es a Magj'ar Nemzeti Müzeum ertesitöje. =: Ethnographie. Intelligenzblatt der Ungar. Ethnographischen Gesellschaft und des Ungar. Natio- nalmviseums. Herausg. von B. INIunkäcsi und Gv- Sebes- y2 I- Allgeiiieines. tyen. XI. Budapest, Ungar. Ethnoajaph. Gesellsch. 1900. 8:0. 4S0 s. Kr. 10, für abonnenten Kr. 6. Als beilage folgt nr. 109. 7. lIsBtcTifl 06niecTBa Apxeo.iorin. IIcTopin 11 ;-*Tiinr2)ai|iin iipii II.MiiepaTop- cKOMi KaaaHCKOML yennepcnTeTi;. =r ^Mitteilungen der Gesellschaft für Archäologie, Geschichte und Ethnographie an der Kaiserl. Universität zu Kasan. XVI. Kazai'i, Universitätsdruckerei. 1900. 8:0. 321 + 25 -[- 64 -(- 128 4-91+20 s. Rbl. 5. 8. BTHorpatfimecKoe ouosptHie. II:3;iaHie BiHorp. Oxjit.ia IImii. Od- mecTBa .TioönTe.iefi EciecTBosHaHin, AHTpono.iorin n 9THorpaiIiin, cocToümaro npn MocKOBCKOMt j-HnBepcnTeT-fc. Iloji, pejaKuicfi H. A. HH'ivKa. = Ethnographische rundschau. Publikation der ethnogr. abteilung der Kaiserl. Gesellsch. der freunde der naturforschung, anthropo- logie und ethnographie an der Universität zu Moskau. Red. von N. A. Jancuk. Jahrg. 12. XLIV— XLVI. Moskva. 1900. 8:0. 187 + 186 + 171 s. Rbl. 5, fürs ausl. Rbl. 6. 2. Bibliographie. 9. Orientalische Bibliographie. Bearb. u. herausg. von Dr. Lucian Scherman. XIII (für 1899). I hälfte. S. i — 158. Berlin, Reuther & Reichard. 1900. 8:0. Jahrg. Rm. 10. S. 28—38: Ural-altaische Völker. 10. Orientalische Bibliographie. Bearb. u. herausg. von Dr. Lucian Scherman. XIII (für 1899). II hälfte. S. 159 — 345 + Vni s. Berlin, Reuther & Reichard. 1900. 8:0. Jahrg. Rm. 10. S. 186—194: Ural-altaisclie Völker. 11. Hellebrant Arpäd. Könyveszet 1899. z= Bibliographie 1899. NyK XXX, 1900. S. 102 — 116. Bibliographie der sprachwissenschaftlichen arbeiten 1899. 12. Hellebrant Arpäd. Neprajzi könj'veszet 1899-böl. =z Ethno- graphische bibliographie 1899. Ethn. XI, 1900. S. 236 — 239, 283—288, 380-382, 430-431. 13. Katanov N. .InxepaTvpa apxeo.iorin, ncropin n 3THorpa(|tiii k;i Bropuii iio.TOBnHt 1899 ro;ia (no ras^-xaMi, Bt;ioMOCTHMB 11 Ht.KaTopHMi, jKypna.iaMi, no.iyjaeiiHiM'fc OomecTSOMt Apx., IIct. ii Bth.j. =:: Die archäologische, historische und ethnographische litteratur in der zweiten hälfte des Jahres 1899 (nach Zeitungen und einigen Zeitschriften, welche die Gesellschaft der archäol., gesch. u. ethnogr. empfangen hat.) IL^B. üijm. Apx., IIcT. n 3THorp. XVI. 1900. S. 309 — 320. Bibliograpliisclie notizen. 14. Katanoflf N. Klehiere ethnographische Mitteilungen in rus- sischen Blättern und Zeitschriften über ural-altaische A'ölker aus der zweiten Hälfte des jahres 1899. KSz. I, 1900. .S. 147 — 148 u. 240. 2. Bibliographie. 77 Bibliographisches. Die numnieni 1 — i ans ilem finnisch-ugrischen gebiete. 15. Smirnov I. J'pa.iD-a.iTaiiCKÜi Mipi. ni. pyccKufi apxco.iornHecKOH, jicnipiiMccKoil II nTHOrpa(|iiiHt'CKoii .iiiTepaTypl;. = Die uralaltaische weit in der russischen archäologischen, historischen und ethnographi- schen litteratur. KSz. I. 1900. S. 61 — 66. Das „uralaltaische'' gebiet dient als gegenständ ununterbrochener forschungen niehi'erer russischer Wissenschaft!, gesellschaften u. institute, deren Publikationen jeder wissenschaftlichen gesellschaft Europas zur Verfügung stehen. Dagegen ist inizugänglich und geht verloren picht nur für die europäischen, sondern auch für die russischen gelehrten das reiche matevial, welches die provinzblätter und -publikationen liefern, welches jedoch die grösste aufmerksamkeit verdient. — Der verf. über- nimmt die Verpflichtung den russischen teil der KSz. zu leiten und aus- führliche berichte über das neueste in betreff der uralaltaischen weit in • \>-v russ. litteratur zu erstatten. 16. Auszug aus der obigen russischen Mittheilung I. Smirnoff's: ,,Die ural-altaische Welt in der russischen archaeologischen, historischen und ethnographischen Literatur". KSz. I, 1900. S. 79 — 80. Vgl. die vorige nr. 17. Jahresberichte der Geschichtswissenschaft im Auftrage der Historischen Gesellschaft zu Berlin, herausg. von E. Bern er. XXI (fürs Jahr 1898), 1900. Unter den referaten dieser Zeitschrift finden sich auch regelmässig kurze besprechungen von arbeiten auf dem gebiet der finnisch-ugrischen sprach- und Volkskunde. Solche besprechungen suche man vor allem in folgenden teilen: abteilung I, § 1. Urgeschichte, referent dr. A. Goetze (im Bd. XXI hat Goetze jedoch keine referate aus unserem ge- biet): abteilung II, § 41. Liv-, Est- und Kiu-land, referent Oberlehrer C. Mettig, rubriken Archäologie und Ethnographie; abteilung III, § 52 B. Finnland, referenten professor dr. M. G. Schybergson u. mag. phil. A. Hackman: abteilung III, § 52 A. und § 52 B. Kussland, referent prof. W. Ikonnikow: abteilung III, § 57. Ungarn, referent prof. dr. L. Mangold (§ 52 A. n. B. u. § 57 fehlen jedoch im Bd. XXI). 18. Szakats Peter. A M. N. Müzeum neprajzi osztälyänak kezi szakkönvvtära. =1 Die handbibliothek der ethnographischen ab- teilung des Ung. Nationalmuseums. NeprE I, 1900. S. i — 196. Katalog der bibliothek. Antiquarische kataloge. Buchhändlerische ankündigungen. 19. Harrassowitz Otto. Bücherkatalog 252 enthaltend die orienta- lische Bibliothek des Baron Alfred von Krem er in Wien nebst Erwerbungen aus der Bibliothek des verst. Prof. A. So ein in Leipzig u. Anderer. Leipzig, Harrassowitz. 1900. 8:0. 126 s. 20. Harrassowitz Otto. Antiquarischer Katalog 255. Völkerps}'- chologie, enthaltend u. A. den ersten Theil der Bibliothek des Professors Dr. H. Steinthal in Berlin. Mit einem Register. Leipzig, Harrassowitz. 1900. 8;o. 122 s. 74 I- Allgemeines. 2 1. Lederer B. Sprachwissenschaft. Orientalische, classische u. neuere Sprachen u. Litteraturen. Kat. nr. 70. 1900. 8:0. 58 s. 22. Minerva. Luettelo N:o 35. Suomi, kirjallisuushistoriaa ja estetiikkaa, kielitiedettä, aikakauskirjallisuutta. [Auch mit schwed. titel]. ^ Katalog nr. 35. Finland, litteraturgeschichte und ästhe- tik, Sprachwissenschaft, periodische litteratur. Helsinki, Minerva. 1900. 8:0. 20 s. 3. Geschichte der Wissenschaft. 23. Halasz Ignäcz. A magj'ar szöfejtes törtenete a legregibb idöktöl Hunfalvy Päl föUepteig. ^ Geschichte der ungarischen etvmo- logie von den ältesten Zeiten bis zum auftreten P. Hunfahy's. AkE XI, 1900. S. 5 — 19. Der verf. schliesst seine gescliiclitliclie darstellung mit den beiden hemerkungen: 1) dass man das etymologisieren der älteren zeiten nicht durch die brillen unserer zeit sehen solle; 2) dass, wie sicher auch, der grund der jetzigen etymologie sei, das etymologisieren immer einen sub- jektiven Charakter trage, sodass die nachwelt nicht viel anders einen grossen teil unserer etymologien beurteilen werde, als wir diejenigen der alten. 24. Eiss Ernö. A finn-ugor nyelvhasonlitäs törtenetehez. ^=z Zur geschichte der finnisch-ugrischen Sprachvergleichung. NyK XXX, 1900. S. 218 — 239. Kleine beitrage über Dobrowsky und Hell; der astronom Hell hat Sajuovics auf die ung.-lapp. Verwandtschaft aufmei'ksam gemacht. Thätigkeit der gesellschaften. kongresse, Universitäten etc. 25. [Wichmann Yrjö.] Suomalais-ugrilaisen Seuran vuosikertomus v. 1898. z= Jahresbericht der Finnisch-ugrischen Gesellschaft fürs j. 1S98. JSFOu. XVII,5. 1900. S.^18-26. 26. [Wichmann Yrjö.] Rapport annuel de la Societe Finno- Ougrienne. Annee 1898. SFOu. XVII, 5. 1900. S. 27 — 36. Übersetzung der vorigen nr. 27. Donner Otto. Alkajaispuhe Suomalais-ugrilaisen Seuran vuosi- kokouksessa 18 2^,2 98- ^^ Eröffnungsrede in der Jahresversamm- lung der Finnisch-ugrischen Gesellschaft i8 2/j2 98. JSFOu. XVII, 5. 1900. S. 8—12. 28. Donner Otto. Discours prononce par — — ä la seance annuelle [de la Societe Finno-Ougrienne] 18Y1298. JSFOu. XVII,5. 1900. S. 13—17. Übersetzung der vorigen nr, 29. [Wichmann Yrjö.] Suomalais-ugrilaisen Seuran vuosikertomus V. 1899. ^r. Jahresbericht der Finnisch-ugrischen Gesellschaft fürs j. 1899. JSFOu. XVIII,4. 1900. S. "29-38. Geschichte der Wissenschaft. 30. [Wiehmann Yrjö.] Rapport annuel de la Societe Finno-Oug- rienne. Annee 1899. JSFOu. X\'III,4. 1900. S. 39—49. tjhcrsetzung der vorigen nr. 31. Donner Otto. Alkajaispuhe Suomalais-ugrilaisen Seuran vuosi- kokouksessa 18 2/^2 99. = Eröffnungsrede in der jahresver- sammhing der Finnisch-ugrischen Gesellschaft 18 ^^'^^ 99. JSFOu. XVIII,4. 1900. S. 18—23. 32. Donner Otto. Discours prononce par — — ä la seance annuelle [de la Societe Finno-Ougrienne] 182/^.^99. JSFOu. XVni,4. 1900. S. 23 — 28. Übersetzung der vorigen nr. 33. Otteita Suomalais-ugjilaisen Seuran keskustelemuksista v. 1898. — Auszüge aus den Sitzungsberichten der Finnisch-ugrischen Ge- sellschaft im j. 1898, JSFOu. XVII, 5. 1900. 36 s. 34. Otteita Suomalais-ugrilaisen Seuran keskustelemuksista v. 1899. — Auszüge aus den Sitzungsberichten der Finnisch-ugrischen Ge- sellschaft im j. 1899. JSFOu. XVIII, 4. 1900. 49 s. 35. Rothsten F. W. Suomalaisen Kirjallisuuden Seuran vuosiker- tomus Maaliskuun i6:na 1900. = Jahresbericht der Finnischen Litteraturgesellschaft am 16. märz 1900. Uusi Suometar 1900, beilage zu nr. 71. 36. Suomalaisen Kirjallisuuden Seuran vuosikokous 19 ^^'3 00. :=r Jahresversammlung der Finnischen Litteraturge- sellschaft i9i*'/3 00. Helsingfors, FLG. 1900. Kl. 8:0. 38 s. Enthält die Jahresberichte des Sekretärs (= nr. 3.5), des kassierers, des bibliothekars, u. s. w. 37. Sitzungsberichte der Gelehrten Estnischen Gesellschaft 1899. Jurjew (Dorpat), Gel. Estn. Ges. (Leipzig, in komm, bei K. F. Koehler). 1900. Kl. 8:0. IV -]- 188 s. 38. [Szily Kälmän.] Jelentes a M. Tud. Akademia munkässä- gäröl 1899-ben. = Bericht der thätigkeit der Ungar. Akademie der Wissenschaften im j. 1899. AkE XI, 1900. S. 217 — 255. Vgl. nr. 40 imten. 39. Szily Kälmän. Jelentes a M. Tud. akademia munkässägäröl 1899-ben. :=! Bericht der thätigkeit der Ungar. Akademie der Wissenschaften im j. 1899, AkE XI, 1900. S. 291 — 296. Kurze Zusammenfassung der vorigen nr., auf der jahresversamm- h;ng der Ungar. Akademie der Wissenschaften mitgeteilt. 40. Szily C. Rapport sur les travaux de l'Academie Hongroise des Sciences en 1899. Budapest, L'AW. 1900. 8:0. 27 s. Übersetzung der nr. 38. 41. Mag5^ar Neprajzi Tärsasäg 1900 märczius 21-en tartott rendes evi közgy^ülese. := Jahresversammlung der L^ngar. Ethno- graphischen Gesellschaft am 21. märz 1900. Ethn. XI, 1900. S. 174 — 189. y6 I- Allgemeines. Enthält u. a. eine eröifnungsrede von B. Munkäcsi, den jakres- hericht der gesellschaft von Gy. Sebestj-en und den bericlit über die Wirksamkeit des orientalischen fachvereins derselben von I. Künos. 42. niioTOKOjH sact^aHiu X apxeo.iornHecKaro cttsja B't Pnrt. irr Sit- zungsberichte des X. archäologischen kongresses in Riga. Tpy.TbT X. apx. cBt)3;i,a bt> Pnrt 1896. III. 1900. S. 44 — 143. Ein ausführlicher deutscher auszug dieser bereits während des kon- gresses gedruckten protokolle findet sich im Archiv für Anthropologie XXV 154—164, 77—106; vgl. auch die berichtigung ebenda s. 538. 43. Congr^s international d'histoire des religions tenu ä Paris, du 3 au 8 septembre 1900. Proces-verbaux sommaires par M. Jean Reville. Paris 1900. 8:0. 22 s. 44. Congres international des traditions populaires tenu ä Paris du 10 au 12 septembre 1900. Proces-verbaux sommaires par M. Paul Sebillot. Paris 1900. 8:0. 19 s. 45. Malinovskij F. CiiuiipcKaa cxapHiui. =: Sibirisches altertum. Ciiuiip- CKdsi J1»H3HL 1900, nr. 227. S. 2. Erwähnt auch die thätigkeit der sibirischen gesellschaft hinsicht- lich der geschichtlichen erforschung der eingeborenen. 46. HayiHHH ;fficnejnu,iH $nHCKo-yropcKaro OömecxBa. =1 Die wissenschaft- lichen expeditionen der Finnisch-ugrischen Gesellschaft. IIpaBHi. B'bcTHnKi. 1900, nr. 250. AVahrscheinlich unter Zugrundelegung der Jahresberichte der Fin- nisch-ugrischen Gesellschaft für 1898 u. 1899. (JSFOu. XVII u. XVHI.) 47. Suomalaisia tutkijoita Aasiassa. = Finnische forscher in Asien. Päivälehti 1900, nr. 224. Enthält mittcilungen über die forschungsreisen Karjalainen's, Paa- sonens, Eamstedt's, Sirelius' und Aimä's. Der aufsatz war auch in Uusi Suometar (nr. 242) und Hufvudstadsbladet (nr. 228 u. 230) publiciert. 48. Zichy Eugene. Notes de voyages en Siberie. La Revue d'Europe 1900, 3 & 4 livr. 49. A M. Tud. Akademia pälyakerdesei (1893 — 1900). = Die Preisfragen der Ungar. Akademie der Wissenschaften (1893 — 1900). AkE XI, 1900. S. 518-536. Fortsetzung eines früheren Verzeichnisses (1832 — 1892, AkE 111, 1892, s. 557 ff.); unter den Preisfragen sind auch sprachwissenschaftliche uml litteraturhistorische. 50. Szily Kälmän. A M. Tud. Akademia jutalomtetelei. = Preis- aufgaben der Ungar. Akademie der Wissenschaften. AkE XI, 1900. S. 276 — 288. Unter den Preisfragen zu erwähnen: über die türkischen elemente der ung. spräche; geschichte der ung. Orthographie; geschichte der iing. lyrik von den ältesten zeiten bis 18G7 ; Untersuchung über die quellen der ung. Codices bis zur mitte des XVI. Jahrhunderts. 51. Jelentes a nagyjutalomröl es a Marczibän\'i mellekjutalomröl. ^ Bericht über den grossen preis und den Marczibänyi-nebenpreis. AkE XI, 1900. S. 256 — 257. Geschichte der Wissenschaft. 77 Der Ungar. Akademie wird von der sjjrachwissenschaftlichen abtei- liing derselben vorgesclilagen, dass unter den sprachwissenscliaftlichen . ai'beiten 1893 — 99 der grosse preis der Akademie dem prof. J. Szinnyei für seine arbeit „Magyar täjszütär" (Ungarisches dialektlexikou), und der nebenpreis dr. B. Munkäcsi für „A votjäk nyelv szötära" (Wörterbuch der wotjakischen spräche) zuerteilt werde. Der Vorschlag wurde von der Akademie angenommen. 52. Simonyi Zsigmond. Jelentes az akademiai nag\'jutalomr(!)l es a Marczibänyi mellekjutalomröl. = Bericht über den grossen preis der Akademie und den Marczibänyi-nebenpreis. Njt. XXIX, 1900. S. 217 — 220. Ein ausführlicher auszug aus dem gutachten, welches die vorige nr. stark verkürzt wiedergiebt. Verzeichnis der zu prämierenden werke. 53. Jelentes a Lukäcs Krisztina-fele jutalom nyelvtudomänj-i pälyä- zatäröl. nr: Bericht über die sprachwissenschaftliche konkurrenz um den preis von Krisztina Lukäcs. AkE XI, 1900. S. 432 — 440. Ableimende kritiken von gr. G. Kuun, B. Munkäcsi und I. Künos über eine haudschriftl. preisschrift über die türkischen demente im uug. 54. Simonyi Zsigmond u. S2dnnyei Jözsef. Jelentes a finn-ugor nj-elveszetböl kihirdetve volt pälyäzat eredmenyeröl. = Bericht über das ergebnis der angekündigten konkurrenz in der finnisch- ugrischen Sprachwissenschaft. Acta Reg. Scient. Vniversitatis Vng. Anni MDCCCXCIX— MDCCCC. A Budapest! Kirälyi Ma- gyar Tudomäny-egj-etem üjjäalakitäsänak CXX. evfordulöja alkal- mäböl 1900. evi mäjus hö 13-än tartott ünnepe. S. 107 — 109. Budapest, Univ.-druckerei. 1900. 8:0. Bemleilung einer universitäts-preisschrift von B. Falusy, ,.die Zusammenstellung der finnisch-ugrischen lautkombinationen nk, nt, mp und ihrer Vertretungen"; der preis wairde ihm von der Fakultät zuge- teilt (s. 79-80). 55. Suomalais-ugrilaisten kansain kieliä ja kirjallisuutta koskevat luennot ja harjoitukset Europan 5diopistoissa tänä lukuvuonna. :^ Vorlesungen und Übungen in den europ. Universitäten über die sprachen und litteraturen der finn.-ugr. Völker in diesem jähre. Vir. IV, 1900. S. 12 — 14. Für das lelu-jahr 1899—1900. Programmaufsätze. 56. Katona Lajos. Az összehasonlitö irodalomtörtenet feladatai. z= Die aufgaben der vergleichenden litteraturgeschichte. Buda- pest! Szemle CIV, 1900. S. 161 — 175. Der Verfasser fixiert den kreis, innerhalb dessen die aufgaben der vergl. litteraturgeschichte zu suchen sind, und weist auf die grenzgebiete hin, auf denen sich diese Wissenschaft mit anderen diszij^liuen berührt, die sich mit denselben gegenständen befassen. Bei dem vergleich ähn- licher erseheinungen stellt er die folgende gruppierung auf: 1. ver- gleichung der räumlich und zeitlich in Verbindung stehenden erseheinun- gen; 2. räumlich zusammengehörig, zeitlich aber getrennt; 3. gleichzei- I. AUeenieines. tig, aber räumlich duix-h abstände getrennt, und 4. solche, die räumlich und zeitlich von einander getrennt stehen. 57. [Künos I. und Mvinkacsi B.] Törekveseink. — Notre Pro- gramme. KSz. I, 1900. S. I — 12. „La Revue Orientale publiera des e'tudes ethnologiqucs, ethnographl- ques, folkloristiqiies, philologiques. historiques, anthropologiques ot arche'ologi- ques, ainsi que des recueils de materiaux, de nature ä pouvoir eclaircir les origines et les rapports orientaux du caractei'e ethnique liongrois, ou pouvant foiu-nir des faits et donnees scientifiques aux questions qui s'y rattachent. Elle sera donc T.organe special de l'ethnographie des peuples oiu-alo-alta'iques. en j^remier lieu des peuples orientaux (volga-ouralsj de la famille finno-magyare, et ensuite de la race turque. Par rapport ä ces demiers, nous publierons toute communication ayant pour objet les traditions populaires ou anciennes des peviples nommes. Xous nous proposons de publier dans notre revue des etudes qui traiteront, au point de vue ethnographique et historique, les rapports mutuels des branches de la famille oui-alo-altaique, et leurs rappoits avec les races etrangeres, notaniment les races indo-iraniennes, caucasiennes, slaves, et avec les peuples du Thibet. — Dans la partie litteraire. nous nous proposons de faire connaitre ä nos leeteurs les nouvelles publications scientifiques touchant notre pro- gi'amme. — — — Dans les Communications nous publierons des faits divers et des Communications scientifiques relatives ä l'etude des peuples ouralo-altai- ques. — — — — Et pour obtenir la coUaboration de tous les gens compötents, nous souimes prets ä publier dans n'importe cßielle langue repandue de VEurope, toutes les Communications qui nous serons faites." Biographien, nekrologe. 58. Goldziher Igriäcz. Müller Miksa. = Max Müller. XvK XXX, 1900. S. 45S — 468. Eine biogi'aphie und Wertschätzung Max MüUer's. 59. Katona Lajos. Müller Miksa. = Max Müller. Ethn. XI, 1900. s. 389-394- Eine darstellung des schafi"ens M. Müller"s auf dem gebiete der ethnologie. 60. S[etälä] E. X. Max Müller. Uusi Suometar 1900, nr. 277. S. 2-3. Kurze biographie Max Müllers (auch über seine „turanische" hyjjothese). 61. Szarvas Gäbor-ne. Szarvas Gäborröl. Bevezetesül össeg3üjtött munkäihoz irta: özvegA-e. = Über Gabriel Szarvas. Zur einfüh- rung in seine gesammelten werke, geschrieben von seiner wittwe. Uj Ma,g}-ar Szemle 1900. S. 50-81. 62. Miller Vsev. HnKO.iaft HnKo.-raeBim> Xap\^^^H•b. f -5 iiapia 1900 r. =1 X. X. Charuzin. 7 den 25 märz 1900. 3th. Oöoap. XLV, 1900. S. I —14. Xeki'olog nebst (s. 12 — 14) bibliographischem Verzeichnis der ge- druckten arbeiten Charnzin's. Geschichte der Wissenschaft. 79 63. Frans Wilhelm Rothsten -{-, August \''ilhelm Ervasti f. Kyläkir- jaston Kuvalehti, B sarja, XIII, 1900. S. lOi — 102. Xekrologe des Sekretärs der Finnischen Litt.-Ges. F. W. Kothsten (verf. eines lat.-finn. Wörterbuches^, und des mag. phil. A. V. Ervasti, der beschreibungen von seinen reisen zu den kareliern und zu den finnen am Eismeere veröffentlicht hat. 64. Viron veikko. Jaakko Hurt. Pyrkijä XI, 1900. S. 43 — 44. Kurze biographie des estn. folkloresammlers J. Hurt. 65. R[eiman] W. Jaan Jung -{-. Postimees 1900, nr. 136. Kurze biographie und blick auf die litterarische Wirksamkeit des römischen archäologen J. Jung, geb. den 6 nov. 1835, gest. d. 13 juni 1900. 66. R[eiman] W. Jaan Jung. EU Alb. V. 1900. S. i — 14. Biographie des estnischen archäologen J. Jung (mit dem bilduis). 67. Viron Veikko. Jaan Jung, virolainen kirjailija ja muinais- muistojen tutkija. = J. Jung, ein estnischer Schriftsteller und archäolog. P3'rkijä XI, 1900. S. 359 — 361. Nekrolog. 68. Il[einian] W. Kiwid ja killud. MOned arwud ja teated Ottu Willem Masingi eluloost. =: Steine und Splitter. Einige daten und angaben zur biographie O. W. Masing's. Postimees 1900, nr. 89. Der verf. verbessert einige ältere angaben über den estnischen schi-iftsteller und Sprachforscher O. W. Masing. 4. Sprachkunde. Die finnisch-ugrischen (bezw. uralaltaischen) sprachen mit einander verglichen. 69. Simonyi Zsigmond. Hajlitäs a linnugor nj'elvekben. =^ Die flexion in den finnisch-ugrischen sprachen. XVr. XXIX, 1900. S. 241-245. IS'ach einer kurzen, die beugung in den flektierenden und agglu- tinierenden sprachklasseu betreffenden einleituug kommt der verf. aus anlass einer theorie von S e t ä 1 ä „über quautitätswechsel im finnisch- ugrischen" (u. Nachtrag: über den vorfiunischen vokalismus, JSFOvi. XIV), M'elche der verf. i-eferiert und mit eigenen belegen stützen will, &\\i den ablaut im ungarischen und anderen fiugr. sprachen zu spre- chen, der ein wichtiges merkmal der fiexion darstellt. Eine besonders prägnante erscheinung der flexion in den fiugr. sprachen ist die deutlich zunächst im fi. und Ip. auftretende konsonanten Schwächung. Nach. Setälä gehört diese erscheinung bereits der fiugr. Ursprache an. Sowohl die konsonanten als die vokale hatten nach Setälä in der beugung ein und desselben Stammes eine starke und eine schwache stufe, welche sich hauptsächlich in der quantität von einander unterschieden. Starke stufe der vokale ist bewahrt im ung. kez, level, schw. in kezet, levelet; starke st. des konsonanten in fi. pata, schw. st. in padan; vokalischer Wechsel regelmässig im ung., konsonantischer im fi. vi. Ip., qualitativer Wech- sel („ablaut") in ostj. und IpK. formen. Ausgleich der quantitätsunter- schiede durch analogie in allen fiugr. sprachen stark hervortretend, be- 8o I- Allgeraeines. sonders, ausser im fi. und Ip., hinsichtlich des konsonantismus. Spuren der ursi^rüno-lichen Verhältnisse deutlich wahrnehmbar (un ji:!HKaMi>. =:^ Das sumerische und sein Ver- hältnis zu den ugro-altaischen sprachen. TpvAM X apx. ci>t33,a B't Piirt 1896. III. 1900. Sitzungsber. S. 124 — 125. Nach der meinung Hermann's ist das sumerische eine „ugro-altai- sche" spräche. 84. Velics Anton von. Über die Urquelle aller Sprachen. Leip- zig, O. Harrassowitz (gedr. in Budapest). 1900. 8:0. 184 s. Der verf. sieht in dem chinesischen volke „den depositar der sprachlichen erben unserer Stammeseltern" ; die urchinesische spräche sei die mutter aller übrigen sprachen unseres erdkreises; auch tschere- missisch, ostjakisch, ungarisch, finnisch wird nach den theorien des verf:s analysiert. 85. Pongracz Sändor. Turäni nep- es nyelvtanulmänyok. A sze- keh'ekrol. A baszkok n3-elve. A finnek nyelvrokonai Indiäban. Sitänparaszt. Szabartoi-asphaloi. A szemetyes nevmäs a turäni nyelvekben. := Turanische volks- und Sprachstudien. Über die sekler. Die spräche der basken. Die verwandten der finnen in Indien. Der Sitan-paraszt. Sabartoi-asphaloi. Das persönliche fürwort in den turanischen sprachen. Budapest, F. Pfeifer. 1900. 8:0. 96 s. Kr. 3. 86. M[äkinen A]. üusi Suomen sukuinen kansa Indiassa. r= Ein neues stammvolk der finnen in Indien, üusi Suometar 1900, nr. 262, s. 2-3; nr. 263, s. 3. Der verf. will auf grund grammatischer und lexikalischer Über- einstimmungen eine nahe Verwandtschaft der finn. (fiugr.) und der tamil- sprache (der dravidischen sprachen) nachweisen. 87. S[etälä] E. N. üusi suomensukuinen kansako Indiassa? =; Ein neues stammvolk der finnen in Indien? üusi Suometar 1900, nr. 266, s. 3. 84 I- Allgemeines. Antwort auf nr. 86. Der verf. zeigt, dass die vergleichungsmetliode des artikelverfis ganz un-vvissenscliaftlich ist und seine vergleichungen nicht stich halten: es ist hier nicht einmal von einer sog. „psychologi- schen" Verwandtschaft die rede, viel wenisfer von einer materiellen. Erscheinungen auf anderen Sprachgebieten durch herbeiziehung finnisch-ugTischer sprachen erklärt. 88. Dobrzycki Stanis/aw. O tak zwanem mazurowaniu w jf^zj'ku polskim. (Z mapa). = Üeber die sogenannte masurierung in der polnischen spräche. (^Mit einer karte). Rozpra^v^' Wvdzia^u filologicznego Akademii Umiej^tnosci w Krakowie. XXXII. 1900. S. 208 — 235. Auch als sep. Krakau. Akademie der Wis- sensch. Behandelt die den meisten polnischen dialekten eigene nicht- aussprache der slavischen s, z. c. Auf s. 228 — 231 (21 — 24) versucht d. verf. die von J. Baudouin de Courtenay in seinen an der Krakauer Universität gehaltenen Vorlesungen gegebene erklärung durch den ,.fin- iiischen'' einfluss zu verwerten. B. d. C. 89. Nörrenberg Constantin. Was bedeutet Nord? Globus LXX VII, 1900. S. 371 — 374, 386- — 389. Auch sep.: Braunschweig, Vieweg u." Sohn. 1900. 12:0. 24 s. Behandelt auch finnisch-germanische beziehungen. -Die Verände- rungen des (Indo)germanischen im Munde der Finnen waren der Anstoss zu den Änderungen der Sprache der Germanen selbst"; unter solchen änderungen ^\•ird sogar der anfang der germanischen lautverschiebung und der grammatische Wechsel (das Vemersche gesetz) angeführt. 90. Noreen Adolf. Den fomnordiska vokalharmoniens fonetiska förklaring. =z Phonetische erklärung der altnordischen vokal- harmonie. Arkiv för nordisk filologi X\1I, nv följd XIII, 1900. S. 207 — 208. Verf. giebt eine phonetische erklärung der altnordischen vokalhar- monie auf grund der experimentalphonetischen Untersuchungen H. Pip- p i n g" s (Über die Theorie der Vokale, Acta Soc. Sc. Fenn. XX, nr. ] 1 und zur Phonetik der finnischen Sprache. MemSFOu. XIV). Die erklä- rung hat eine anwendung auf die fiugr. sprachen. Allgemeine Sprachwissenschaft (bezw. Sprachunterricht 1 unter beriick- sichtigung der finnisch-ugrischen sprachen. 91. Wundt Wilhelm. Völkerpsychologie. Eine Untersuchung von Sprache, Mythus und Sitte. Erster Band. Die Sprache. I. u. 11. Theil. Leipzig, W. Engelmann. 1900. Gr. 8:0. XV -j- 627 -|- X + 644 s. Rm. 14 -\- 15, geb. 17 -}- 18.! Auch die finnisch-ugrischen, bezw. sog. „uralaltaischen" sprachen werden berücksichtigt (z. b. I 325, 330. 331, 333, 11 11. G9, 91, 275). Die wenigen beispiele aus den fiugr. sprachen sind zum teil wegen der fehlerhaften form ganz unkenntlich, z. b. ung. hyelo (.i: nyelv "spräche" ). fi. oeta "vater" [Vi. 4- Sprachkunde. 92. Giesswein Sändor. Hogyan beszeltek eleink? z= Wie sprachen unsere vorfahren? Kath. Szemle XIV, 1900. S. 803 — 819. Über die entstehung der spräche, bei gelegenheit des Wundf sehen buches „Völkerpsychologie''. 93. Bärdossy Geza. A nyelvrokonsägröl. zir: Über die Verwandt- schaft der sprachen. Rozsnyöi kath. fogj'mn. ert. 1900. S. 3 — 17- Über Sprachverwandtschaft im allgemeinen. 94. Hermann K. A. Söna juurest ja tüvist. =^ Über wortwurzel und -stamm. Jöulu album 1900. S. 29 — 31. Ein versuch den unterschied z-\vischen wixrzel und stamm populär (mit anführuug estnischer beispiele) darzustellen. 95. Simonyi Zsigmond. Alany es ällitmäny. rr: Subjekt und prädikat. Nyr. XXIX, 1900. S. i — 6. „Das grammatische prädikat ist der abschnitt des satzes, wo- durch wir irgendeine handlung oder einen in der weise der handlung gedachten zustand ausdrücken (erklären, wünschen, fragen) und zwar mit bcziehung auf die handelnde person oder sache. — Das gramma- tische Subjekt ist der abschnitt des satzes, womit wir den handelnden oder die in der weise des handelnden gedachte person oder sache be- nennen.'' 96. Petz Gedeon. Van-e nyelvtani alany es ällitmäny? ::= Giebt es ein grammatisches subjekt und prädikat? EPhilK XXIV, 1900. S. 136 — 144. Im gegensatz zur ansieht von Brassai u. Kicska, dass gramm. Subjekt und prädikat als selbständige kategorien nicht existieren, zeigt der Verf., dass solche kategorien neben den betr. logischen und psycho- logischen vorhanden sind. 97. Mathe Gj'örg}'. A mondat elemzese. =^ Die analyse des satzes. Lugos. 1900. 8:0. 94 s. 98. Gombocz Zoltän. A kiserleti fonetika es a nyelvtanitäs. = Die experimentalphonetik und der Sprachunterricht. Magy. Paeda- gögia IX, 1900. S. 180 — 187. Rousselot's und Zünd-Burguet's Instrumente für den Unterricht und zur Verbesserung der ausspräche. Mit 5 abbildungen. 99. Bihari K. Gyakorlati hangtan különös tekintettel a siketne- mäk oktatäsära. :zr: Praktische phonetik mit besonderer berück- sichtigung des Unterrichts der taubstummen. Väc, S. Mayer, auch Singer u. Wolfner. 1900. 8:0. 85 s. Kr. i. 100. Balassa Jözsef. Fonetikai keszülesek a siketnema-oktatäs szol- gälatäban. = Phonetische instrumente im dienste des Unter- richts der taubstummen. Gyögypedagögiai Szemle II, 1900. S. 229 — -231. 10 1. Zlinszky A. Rhetorika. A prözai müfajok mintäi es törvenyei. = Rhetorik. Vorbilder und gesetze der prosawerke. Budapest, Wodianer. 1900. 8:0. II ■{- 272 s. Kr. 3,60. 35 I. Allgemeines. 102. Kiss Erno. Stilistika es poedka felsöbb leänyiskoläk es tanitö- kepzök szämara. ^=. Stilistik und poetik für die höheren töchter- schulen und die lehrerbildungsanstalten. Budapest, Szt.-Istv'.-tärs. 1900. 8:0. 276 s. Kr. 2.80. 103. Peltonen Vihtori. Kynäilijä. Opas kirjoitusten sepittämisessä. — Der Stilist. Wegweiser bei der abfassung schriftlicher arbei- ten. Por\-oo, W. Söderström. 1900. 8:0. 54 s. Fm. 0,65. Allgemeine populäre Stilistik (mit sprachlichen bemerkungen über das finnische). 104. Bodiss Jusztin. Az actiök tana elmeletben es g^^akorlatban. = Die lehre der aktionen in theorie und praxis. Tanäregyes. Közl. XXXIV, 1900. S. 39 — 63. Gegen die aktionenlehre im Unterricht, auch mit berücksichtigung des Unterrichts in der ung. spräche. 105. Körösi Sändor. Retrograd iränyzat. Rückschrittstendenzen. Mag^-ar Paedagögia K, 1900. S. 247—252. Die lehre von den aktionen im unterrichte. Berücksichtigt auch den Unterricht der ung. spräche. 5. Volkskunde. Allgemeines. 106. Deniker J. Les races et les peuples de la terre. Elements d'anthropologie et d'ethnographie. Avec 176 planches et figures, et 2 cartes. Paris, Schleicher Freres. 1900. 8:0. VIT -f- 692 s. Fr. 12.50. Hauptsächlich fitr das gebildete publikum berechnet, bietet aber avich fiü' den fachmann vieles von Interesse: besonders sind die littera- ttu-angaben wertvoll. „Peuples parlaut les idiomes finno-ougriens*" s. 409 — 414, vgl. auch „Index". 107. Bednar Zsigmond. A nepfajok sorsa es mäs kerdesek. z=z Das Schicksal der Völkerrassen und andere fragen. Budapest, Eggenberger. 1900. 8:0. 224 s. Kr. 3. io8. Kuun Geza. Ethnographia — Ethnologia. z=i Ethnographie — Ethnologie. Erdely nepei (Erdely) 1900, nr. i. 109. A Magyar Nemzeti Müzeum neprajzi osztälyänak ertesitöje. Az »Ethnographia» melleklete. = Intelligenzblatt der ethnographischen abteilung des Ungar. Nationalmuseums. Beilage zur Ethnographia. Herausg. von J. Jankö. Budapest, Ung. Nationalmuseum. 1900. 8:0. 196 s. Mit 5 farbigen und 10 schwarzen tafeln und 30 textillustratiouen. Folgt als beilage der m-. 6. 110. Hirn Yrjö. The origins of art. A ps3chological and sociolo- gical inquiry. London, Macmillan and Co. 1900. 8:0. XI -|- 331 s. 10 sh. net. 5- Volkskunde. 87 Bis^veilen werden auch die finnisch-ugrischen Völker berücksichtigt (s. 159, 173. 211; s. 173 : „Ancient poems, whose historical and legendary character is quite incontestable, may often be used as charms in magical ceremonies"'. Volkslittcratur, mythus, sitten u. gebrauche. 111. Leman Nicolai v. Vero;leichende Studien auf dem Gebiete des Volksmärchens. I. Zu den »Lügenmärchen». Separatabdr. aus dem Jahresberichte der St. Annenschule für 1900. St. Peters- burg, buchdr. d. Kais. Ak. 1900. 8:0. 35 s. „Der Verfasser erwartet sehr viel von der Märchen- u. Liederforsehung, wenn da einmal die 'geographisch-historische' Methode der Prof. Jul. u. Kaarle Krohn angewandt wird, fürs erste lässt sich dieselbe aber mit Erfolg nur in Ländern wie Finland anwenden, wo so grossartige Sammlun- aen vorliegen, dass sich Prof. Kaarle Kro h ns fast unglaublicher Wunsch bo- THKOBf,, ^ii^pcMncoBi. H MopjBH. 3= Die weltanschauuHg unserer öst- lichen »fremdvölker», der wotjaken, tscheremissen und mord- winen. JKnBaH Crapnna X, 1900. S. 194 — 212. Enthält nachrichten über die Vorstellungen der genannten völ- ker^ von hinimel, sternen, sonne, mond, wölken, wind, kreislauf des Wassers, donner, regenbogen, meteoren, erde, steinen und metallen, den ersten menschen, nachbarvölkern. tieren. Am ende des aufsatzes ein Ver- zeichnis der berichterstatter und anmerkungen. 118. CöopHiiKi. HapoiHHXf> lopHjnTOCKnxTi oöuqaeBi, (=oaiiHCKn Iljin. PyccK. Peorp. 06m. uo Otj. 3THnrp. XVIII). Tom7> BTopnil. IlajaHi iiojit, pe;iaKiiiefi C. B. n axMa Ha. =:: Sammlung der juridischen Volksgebräuche (Me- moiren der ethnogr. abteilung der Kais. Russ. Geogr. Gesellsch. XVIII). Zweiter band. Herausg. von S. W. Fachmann. St. Pe- tersburg. 1900. IX -\- 429 s. Enthält u. a. (s. 1—50) die aiafsätze: „Juridische gebrauche der westsibirischen ostjaken und der samojeden im gouv. Tomsk" von A. G. Voronov (siehe VII 14), und: (s. 275—300) „Verbrechen und strafe nach der auffassung der bauernschaft an der Wolga •* von E. Solovjev (siehe V 4). Stoffliche ethnographie der finnisch-ugrischen Völker, 119. Janko Jänos. Zich^-^ Jenö gröf harmadik äzsiai utazäsa. I. kötet. Elsö es mäsodik feie. A mag}'ar haläszat eredete. Irta . Zichy Jenö gröf elöleges beszämolöjäval. — Dritte asiatische for- schungsreise des grafen Eugen Zichy. Bd. I. Erste u. zweite Hälfte. Herkunft der magyarischen Fischerei von — — , mit einem vorläufigen Berichte des grafen Eugen Zichy. Buda- pest u. Leipzig, V. Hornj^änszky u. K. W. Hiersemann. 1900. 4:0. 635 s. 120. Herman Otto. Gröf Zichy Jenö harmadik äzsiai utazäsa. :rr Dritte asiatische reise des Grafen Eugen Zichy. Budapesti .szemle CIV, 1900. S. 176 — 193. Besprechung der vorigen nr. (mit einigen abbildungen). 121. Herman Otto. Die Forschungsreisen des Grafen Eugen Zich}^ in Asien. »Dritte Reise». Band I. Budapest, druck der Franklin-Gesellsch. 1900. 8:0. 112 s. 122. Janko Jänos. Välasz Herman Otto ürnak a »Zichy Jenö gröf harmadik äzsiai utazäsa» czimü könyv I. köteteröl irt re- censiöjära. Függelek: dr. Semayer Vilibäld välasza Herman Volkskunde. Otto ürnak ugyanazon mü forditäsära tett megjegyzeseire. Buda- pest, V. Hornjänszky. 1900. 8:0. 44 s. Kr. 0,60. [Deutsche Übersetzung des titeis = d. folgende nr.] 123. Janko Johann. Antwort an Herrn Otto Herman auf seine über Band I des Werkes »Dritte asiatische Expedition des Gra- fen Eugen Zichy» geschriebene Recension. Anhang: Antwort dr. Wilibald Semayer's auf die Bemerkungen Herrn Otto Hermans zur Übersetzung desselben Werkes. Budapest, V. Hornvänszky. 1900. 8:0. 52 s. Kr. I. 124. Herman Otto. Nachtrag zur Recension über »Die Forschungs- reisen des Grafen Eugen Zichy in Asien. Band I. Erste und zweite Hälfte». Budapest, druck der Franklin-Gesellsch. 1900. 8:0. 19 s. 125. Herman Otto. Schlusswort zur Recension über »Die For- schungsreisen des Grafen Eugen Zichy in Asien. Band I. Erste und zweite Hälfte». Budapest, druck der Franklin-Gesellsch. 1900. 8:0. 8 s. 126. Nagy Geza. A magx'ar haläszat eredete. i^: Herkunft der ungarischen fischerei. Ethn. XI, 1900. S. 241—249. Aus anlass der arbeit von J. Jankö (oben nr. 119», deren ergebnisse der verf. zusammeufasst. Verf. betont besonders die Schlussfolgerung .Jankö's, dass der älteste nalu'ungserwerb der finnougrier die jagd und nicht die fischerei gewesen sei; diese schlussfolgei'ung, welche J. nur auf grund der stofflichen ethnographie gezogen, kann auch durch andere ethnographische, archäologische und historische thatsachen, welche der verf. anführt, nachgewiesen werden. 127. A haläszat törteneteböl. z:= Aus der geschichte der fischerei. Vasärn. Ujs. XL VII, 1900, nr. 21. S. 343 344. Giebt nach Zichy- Jankö's werke (nr. 119) beschreibungen des ostj. fischzauns und der ostj. ■vvintersenkreuse und berührt kurz einzelne fi- schereiarten (Ungarn, Krim, Uralfluss). 128. Tikkanen J. J. Finsk Ornamentik I. =: Finnische Orna- mentik I. Finsk Tidskrift XLIX, 1900. S. 318 — 332. Der aufsatz ist aus anlass von arbeiten Th. Schvindt's, Axel O. Heikel" s, Yrjö Blonistedt"s und Victor Sucksdorff's über finn., karel., mord. Ornamente verfasst; der verf. hebt die grosse ähn- lichkeit her^'^or, welche in der Ornamentik der verschiedenen fiugr. Völ- ker herrscht. „Leiten diese muster ihren Ursprung wirklich aus der Ur- zeit her, wo diese stamme noch nachbaren warenV Schon die frage erscheint kühn, die antwort wäre heute eine vermessenheit. " 129. Heikel Axel O. a. Sykerö ynnä muita senlaatuisia hius- laitoksia Suomen sukuisilla kansoilla. b. Lisiä sykeröstä ja sen- laatuisista hiuslaitoksista Suomen sukuisilla kansoilla. = a. Über den »sykerö» und ähnlichen haarschmuck bei den finnischen Völkern, b. Weiteres über den »sykerö» etc. SM VII, 1900. S. 1—8, 62 — 67. 130. Heikel Axel O. Ethnographische litteratur. JSFOu. XVII, 5. 1900. S. I — 8. go I- Allgemeines. Bei besprechung der abhandlung Kuznecov"s /Kn.iHma, ojeaijia ii nnma MiiiiyciiHCKiixi H AMnHCKiix't iiHopojufii'i, (= Wolinstätten, trachten und nahrung der eingeborenen von Minusinsk und Acinsk. Krasnojarsk 1898) stellt der referent auch einige A'ergleiche zwischen den ethnographischen gegenständen (mustern, trachten) der „tataren" und denen der finnougrier (bes. mordwinen) auf. 131. — n. Neprajzi felolvasäsok a. M. N. Müzeumban. :::= Ethno- graphi.sche Vorlesungen im Ung. Nationalmuseum. NeprE I, 1900. S. 28 — 30. Bericht über zwei Vorlesungen von J. Jankö: 1) -'/i 1900 über das ungarische haus: 2) */o 1900 über die Werkzeuge der ung. fischerei asiati- schen Ursprungs. 132. K. A. HpociuBCKifi .MYseil. = Das jaroslavsche museum. CiiuiipcKafl JJiH3Hi>. 1900, nr. 233. S. 2. Nur sehr wenig ethnographisches aus den gebieten der „f'remd- völker". 133. Jakovlev E. K. ^-^THorpailaiMecKÜl ou^iupL iiiiupcaiecKaro Hace.ie- hIh ÄO.iHnH toHiHaro EHiicea h o6T.flCHHTeji>Huft KaTaJiorb ^THorpacJjHie- CKaro oTjitjia Mysen. (OniicaHie ^IimycnHCKaro Mvüea. IV.) — Ethno- graphische Übersicht der alteingesessenen Bevölkerung des südl. Jenissei und Katalog der ethnogr. Abteilung des Museums. (Be- schreibung des Minussinskischen Museums. IV.) Minusinsk. 1900. 8:0. IX + 122 4- 212 4- IX s. In dem minusinskischen museum giebt es auch eine finnische, mord- winische und ostjakische abteilung („Finny , katalog s. 172 — 173, 25 nummern [trachten]; „Mordva" katal. s. 173 — 174, 23 nummern [trachten]; „Ostjaki", katal. s. 190 — 193, 74 nummern [von herrn A. V. Adrianov gesammelt und dem museum geschenkt]). Die finnischen u. mordwini- schen gegenstände sind unter den „in den minusinskischen distrikt aus Ei^ssland eingewanderten" finnen und mordwinen erworben. — Das titel- blatt und das Inhaltsverzeichnis des Werkes auch in deutscher spräche. Allgemeine stoffliche ethnographie mit berücksichtigung der finnisch-ugrischen A'ölker. 134. Herrmann Antal. Az ipar es a neprajz. =. Das gewerbe und die ethnographie. Szekely Nemzet, nr. 64 u. 65. Auch sep. Brassö (Kronstadt), Brassöi Nemz. Szövetseg. 1900. 8:0. 23 s. Kr. 0,20. 135. Russow Fr. Beiträge zur Geschichte der ethnographischen und anthropologischen Sammlungen der Kaiserl. Akademie der Wissenschaften zu St. Petersburg. Zusammengestellt und mit- getheilt von — . (Publications du Musee d'anthropologie et d'ethnographie de l'Academie Imperiale des Sciences de St. Peters- bourg. I.) St. Petersburg 1900. Gr. 8:0. XX -\- 153 s. Rbl. 1,60 z= Rm. 4. 136. Hathalmi Gabnay Ferencz. A bölcsü. =z Die wiege. Ter- meszettudomänyi közl. XXXII, 1900. S. 62 — 86. Auch sep. Mit 39 Zeichnungen. — Nach dem aufsatz von dr. Karutz — im Glo- bus 1899, 15 h., „Ursprung und Formen der "Wiege" — bespricht der verf. 5- Volkskunde. 91 I die formen der wiege bei den naturvölkern, besonders der tragbaren wie- gen: dann stellt er die wiegenfornien Ungarns in typologischer i-eihe dar, haiTptsäohlich auf grund der ethnographischen Sammlungen des Ung. Natioiialmusoums. 137. Hathalmi Gabnay Ferencz. A jätekbaba. :== Die spiel- puppe. Termeszettudomänyi Közl. XXX, 1900. S. 377 — 395- Mit 26 Illustrationen. Nach einer allgemeinen einleitung über die kinderspiele Ijeschreibt der verf. das Spielzeug bei den nicht- oder halbcivilisierten Völkern und schliesslich die puppe in Ungarn. 138. Batky Zsigmond. A jätekbaba. =: Die spielpuppe. NeprE I, 1900. S. 143 — 144. Referat der vorigen nr. 139. Batky Zsigmond. Adatv/k a fogazottelü sarlö elterjedesehez. 3= Daten zur Verbreitung der sicheln mit gezähnelter schneide. NeprE I, 1900. S. 13 — 16. Berichtet über die Verbreitung der gezähnelten sicheln in der gan- zen weit: imter den 10 abbildangen eine finn. (aus Räisälä) und 4 ung. sicheln. — Ein paar zusätze werden von M. Wosinszky und dem verf. selbst in XeprE 54 veröftentlicht. 140. Batky Zsigmond. Meg egj'-ket adat a fogazott elü sarlö elterjedesehez. :=z Noch ein paar daten zur Verbreitung der sicheln mit gezähnelter schneide. NeprE I, 1900. S. 140 — 141. Ergänzung zur vorigen iu\ Statistik, sociale Verhältnisse. 141. Ooaop'b KaaaHCKofi ryöepain 3a 1899 roxfc. ;=: Übersicht über das Kasansche gouvernement für das jähr 1899. Kazai'i, Gouverne- mentsverwaltung. 1900. Fol. IV -|- 92 (4- 138) s. Enthält u. a. eine Statistik der bevölkerung in ethnographischer hinsieht. 142. 11p u.i ose Hie kb OTMexy ryoepacKaro cTaTncTHiccKaro KOMHieia 3a 1899 roxb- Hace.ienie KaaaHCKoft ryöepHin. =^ Beilage zum bericht des statistischen komitees des gouvernements fürs jähr 1899. Be- völkerving des gouvernements Kasan. L'as. ryo. Btaoji. 1900 i** jj, nr. 92. S. I. Tscheremissen: getaufte 118.387. ungetaufte 4,942. Mordwinen : getaufte 25,297. ungetaiTfte — Wotjaken: getaiifte ' 7,684. ungetaufte 2,675. 143. llaMHTiiua KHiiHvKa Bhtckoh ryoepaiii n Ka-ieH^aph aa 1901 roat. = Gedenkbuch des gouv. Wjatka und kalender fürs jähr 1901. Wjatka, Statist, komitee. 1900. 8:0. VI -(- 195 -\- ^11 -\- 211 s. Rbl. 1,25. S. 32 (I): ethnographische bevölkerungsstatistik. S. 221 — 72: fort- setzung eines artikels ethnographischen Inhalts, siehe VI 7. 92 I- Allgemeines. 144. CöopHHKJj cTaTHCTHHecKiixL cBtjtHui HO yi|»nMcicoft rvoepHlH. T. V. EnpcKifi ytsjii.. = Sammlung statistischer nachrichten über das gouv. Ufa. Band V. Kreis Birsk. Ufa, Zemskaja uprava. 1899 -1900. 8:0. 852 -f 455 + III s. Rbl. 3,25. Efithält u. a. (72 — 81) eine Statistik über die bevölkerung in ethno- graphisclier hinsieht. S 455 : „Eine kurze beschreibung der woloste und der bebauten punkte derselben". (Die nationalität jedes dorfes ist angegeben). 145. CöopHnKb CTaTncTHiecKHXh CBtjiHiii 110 yi|in.Mcuofi rynepniii. T. VII. Cboä's 3KonoM. laHHHX^ no ryöepHiii. II. CnncoKt scmc.ilhuxi. B-iaitnifi. MeHiie.iiiHCKin yta^n.. =1 Sammlung statistischer nachrichten über das gouv. Ufa. Band VII. Zusammenstellung ökonomischer data über das gouvernement. II. Verzeichnis der grundbesitze. Kreis Menzelinsk. Ufa, Zemskaja uprava. 1900. 8:0. VIII -[- 117 + Xin s. Rbl. 9,75- Enthält u. a. berichte aber die nationalität und grosse der bevölke- rung in jedem dorfe. 146. CoopHnK'fc cTaxncTHHecKnxt cßtji.'feHi.l no yituiMCKori ryoepiiiii. T. Vll. Cboä'B 3K0H0M. ÄaHHHXt üo ryßepHln. 11. CnncoKi aeMe-itHHxi) B-iiaitHift. y({)HMCKiii yfesA^. :::::= Sammlung etc. [siehe nr. 145]. Kreis Ufa. Ufa, Zemskaja uprava. 1900. 8:0. VIII -j-- 155 -f- XVI s. Rbl. 0,75. Inhalt wie unter nr. 145. 147. CoopHHKi. CTaxHCTinecKHX'i. cBtjtHiii no y(I)UMCKoii ryoepnin. T. YII. Cboä'b 3K0H0M. ÄaHHHX'b no ryoepnin. n. CnncoKt seMe-itnuxi B.iajtHÜi. CTep.raTaMaKCKin y'fe3;ii.. =^ Sammlung etc. [siehe nr. 145]. Kreis Sterlitamak. Ufa, Zemskaja uprava. 1900. 8:0. VIII -\- 125 + XVII s. Rbl. 0,75. Inhalt wie unter nr. 145. 148. lIsc.itjioBaHie no-ija^eniH H-iHa.iBHaro napojnaro oopaauBania bb Bax- CKOW ryoepnin et npoeKTOMt inKo.ibnofi cfexn i.ia BBejienifl Bceoomaro oCyienia. BHnycKX. 1. ^ Untersuchung über den zustand der elementaren Volksbildung im gouv. Wjatka nebst projekt eines volksschulnetzes zur einführung des allgemeinen Unterrichts. Wjatka, Gouvernements-zemstvo. 1900. 8:0. 265 s. S. 85 — 86 enthält nachrichten über die nationalität der schüler. Von den schlüern waren (im j. 1899) 6,13ß (= 9.5 "/o) wotjaken. 91 (= 0,i «/o) bessermanen, 1,676 (= 2,6 7o) tscheremisseu und 199 (== 0,3»/o) syrjänen. 149. Krasev A. HaHa-iLnua naposHua yMn.inma BaxcKon ryoepnin. Kpax- kIh oiepK'B BOsnnKHOBenia h nocxenennaro pasBnxia BTnxt yrn.mni'b 3a BpeM« ex. 1786 no 1898 roÄB. =. Die volkselementarschulen im gouv. "Wjatka. Kurze skizze der entstehung und allmählichen entwicke- lung dieser schulen von 1786 bis 1898. Wjatka, Maiseev. 1900. 8:0. 53 s. (ill.) Enthält u. a« eine abbildung einer wotjakischen schulklasse mit Schülern in wotjakischer nationaltracht (sonst nichts über die nationali- tät der schüler). 5- Volkskunde. 93 150. KrasseflT A. Les ecoles 616mentaires du gouvemement de Wiatka. Aper9u sur la fondation et le developpement de ces ecoles de 1786 ä 1898. Traduit du russe par V. Beerstecher. Wiatka, Impr. Ogorodnikoff & C:ie. 1900. 8:0. 47 s. Übersetzung der voriü:- nr. Urgeschichte und archäologie. 151. Setälä E. N. I. N. Smirnow's Untersuchungen über die ost- finnen. Ein gutachten, an die Kaiserl. Akademie der Wissen- schaften zu Petersburg abgegeben von — . JSFOu. X\T^I,4, 1900. 52 s. Fm. 2,50. 152. Smirnov I. N., u. a. 0 jipeBHOMi. Gurt boctoihhx'b (Iihiihobb no ,ianiiLiMf. :tTnorpa(|)in. = Das leben der östlichen finnen im alter- tuni auf grund ethnographischer data. TpyÄH X apx. ctta^a b-l I'urb 1896. III. 1900. Sitzungsber. S. 119. Smirnov giebt ein kurzes resume der resultate seiner forschinigen auf dem gebiete der ost-finniscliugrischen ethnogi-aphie. Diskussion darüber. 153. Galgoczy Jänos. Ostörtenelmi tarlözäs. = Nachlese zur Urge- schichte. Ethn. XI, 1900. S. 155 — 163, 250 — 257. Verf. macht bemei'kungen gegen einen aufsatz von G. Nagy (A törtenelmi korszak kezdete = Anfang der historischen epoche, Szäza- dok. okt. 1899). Beiläufig wird die sumerische frage, „die die Ungarn .^ehr nahe interessiert", berührt. 154. Montelius Oscar. Die Chronologie der ältesten Bronzezeit in Norddeutschland und Skandinavien. Arch. für Anthrop. XXV, s. 443 — 483 u. XXVI,s. I— 40, 459—511, 905—1012. 1899 — 1900. Auch sep.: Braunschweig, Vieweg u. Sohn. 1900. 4:0. V -|- 239 s. Rm. 20. Im letzten abschnitt, welcher die frage nach dem Ursprung der bronzekultur behandelt, bespricht verf. die bronzezeitlichen Verbindun- gen des ostrussisch-sibirischen gebietes mit Ungarn und der Balkan- halbinsel einerseits und den alten kulturländern Asiens andererseits. Die irrtümlichkeit der älteren ansieht, nach welcher die europäische bronzekultur durch einen einfluss aus Asien über den Kaukasus oder über Russland zu erklären sei, wird in kürze dargelegt. In den fällen, wo es sich um analoge formen in Europa (den Mittelmeerländern, Ungarn, "Westeuropa) und dem osten handelt, nimmt verf. entweder eine ein- wirkung aus den kleinasiatischen ländern oder einen einfluss an, der von Südeuropa nach dem ostrussisch-sibirischen gebiet, nicht aber in umge- kehrter richtung gegangen ist. 155. Janko Joh. Der XI. russische archäologische kongress zu Kiew, (^13. — 31. August 1899). Centralbl. für Anthrop., Ethnol. u. Urgesch. V,i900. S. 249 — 252, 37 1— 379- Verf. erwähnt u. a. einen voi'trag A. J. Cerepin's über seine aus- grabungen im gouv. Rjäsan. Aus den funden folgert C., dass an der Oka vor der einwanderung der slaven (im IX. — X. jalu'h.) ein schwarz- haariges, mittelgrosscs, kleinhändiges und überaus kriegei'isches volk (zahh-eiche waffen) gewohnt habe, dessen kultur sich überall scharf von der slavischen abhebt. 94 I- Allgemeines. 156. Janko Jänos. A XI. orosz archceologiai kongresszus Kiev- ben. 3z: Der XI. russische archäologische kongress zu Kiew. ArchE XX, 1900. S. i — 16, 125 — 146, 241 — 252. Referat der vortrage; besonders beschäftigt sich referent im drit- ten teil seiner darstellung mit fanden ( illustr.), die die ungarische archäo- logie und speciell die zeit der landnahme berühren; es sind dies ca. 40 reitergräber (von Chvojko iintersucht) im gouvernement Kiew, die nach der anficht der russischen forscher aus dem 8. — 10. jahrh. stammen und den magyarischen eroberern, bezw. den Völkern zuzuschreiben sind, aus denen sich damals die magyaren zusammensetzten. Ähnliche funde sind von T J. Knauer im Ackermannschen kreise des Bessarabischen gouv:s gemaclit worden. 157. Gorodcev V. A. Oiiex't oui apxeo.iurnMecKHXb iisc.rfeiuBaHiHXh Bb ;;o.iuH't p. Okii 1897 rosa. =^ Bericht über archäologische Untersuchungen im thale der Oka im j. 1897. 4,pe.BH0CTH. Tpy- ÄH IImh. Mockobck. Apx. OumecTBa. XVII. 1900. S. i — 37. Verf. hat im thale der Oka an verschiedenen stellen, Avelche teils im gouv. Tula, teils im gouv. Rjäsan liegen, einige gorodischtsche (burg- wälle), hügelgräber imd vorgeschichtliche ansiedlungen untersucht. Bei Tedjasevsk (gouv. Tula) wurden in einem gorodischtsche spuren einer ansiedlung entdeckt, welche vom ende der eisenzeit bis in die neoli- thische zeit hinaufreichten. Ein kurgan, ebenfalls bei T.. enthielt ein ungeheures thongefäss (.3, .55 m durchmesser. 1 m höhe), das in einer grübe unter einer decke von balken stand, aber ausser einer kalkstein- platte keine funde barg. — Einige kurgane bei Voroneck (gouv. Tula) zeichneten sich durch holzsärge mit resten von leichenbrand aus; unter den funden befand sich eine eisentrense mit kupferbeschlag. — Auf einem fundplatz aus der Steinzeit bei Voroneck (gouv. Tula) wurden thongefässscherben, feuersteingeräte und knochen von wilden tieren an- getroflen. — Ein gorodischtsche bei der stadt Mcensk enthielt funde aus der eisenzeit, ein anderer ebenda datiert sich aus der geschichtlichen zeit vor dem einfall der mongolen. — Interessante funde stammen von einer durch den fluss ausgewaschenen stelle namens Mogilok bei dem dürfe Alekanovo (gouv E.jäsa,n), nämlich feuersteingeräte, ein hohl- celt aus bronze und eine giissfonn für ebensolche celte. Hier wurde auch ein skelettgrab aus der jüngeren eisenzeit aufgedeckt, dessen Inhalt aus 6 Schläfenringen aus bronze. einem armband aus silber, einem mes- ser und einem thongefäss bestand. Fragen nach den verwandtschaftlichen und anderweitigen beziehungen der finnisch-ugrischen Völker. [Vgl. I 73 -87, SO, 153.] 158. Nagy Geza. Magyar ethnologiai kerdesek. =: Fragen der ungarischen ethnologie. KSz. I, 1900. S. 49 — 60. Der verf. legt kurz seine ansichten über die ethnische Zusam- mensetzung der magyaren dar. Das imgarische volk ist aus iigi'ischen und (leitenden) türkischen elementen entstanden; die letzteren begannen schon im X. jahrh. mit den ersteren (den Ungarn = kabaren od. chazaren des Konstantin Porph^Togennetos) sprachlich zusammenzuschmel- zen. Der verf. zieht, u. a. auf grund der ungarischen dialekte, die folgerung, dass die ungaren eigentlich aus drei arten von elementen: „ava- rischen", „türkischen" und „chazarischen"' zusammengesetzt seien, welche 5- Volkskunde. ge^ sich schon vor der landnalime nahe zusammengeschlossen hatten. Zum schluss meint der verf'., dass sich die finnisch-ugrischen „hauptgruppen" im XVI. — XV. jahrh. vor Chr. gebildet haben, und dass sich die ug- rische gruppe im XIV. — VII. jahrh. vor Chr. in diejenigen der Avogulen, ostjaken und ungaren geteilt hätte. 159. Patkanov S. Über das Volk der Sahiren. KSz. I, 1900. S. 258 — 277. Der verf. zeigt mit belegen aus dem wogulischen, ostjakischen und tatarischen, wie sehr der name fäpar. saber, saper, saper u. s. w. in den verschiedenen gebieten des Tobolskischen gouvernements ver- breitet ist. _Es scheint, da.ss die Sabaren einst den grössten Theil der wüsten Gegenden X.West-Sibiriens, welche gejfenwärtig den Tobolski- schen (mit Ausnahme vielleicht- seines Ostens). Turinschen (Tjumenschen) und Beresowschen Distrikte umfassen, inne gehabt haben." Die hypothese Florinskys von dem slavischen. und die des Verfassers von dem finnisch- ugrischen Ursprünge der sabaren (sabiren) werden angefülirt, und die letztere gegenüber der ersteren aufrechterhalten. 160. Patkanov S. A szabirok nemzetisege. =: Die nationalität der sabiren. Ethn. XI, 1900. S. 337 — 344, 385 — 389. Übersetzung der vorigen m: 161. N. A. AfijamnHCKie iiHopo;i,UH. = Das fremdvolk von Ajdaski. CnönpcKiü BtcTHiiKs 1900 ^^/y, nr. 206. S. 2—3. "Über die bewohner des ulusses Ajdaski (am flusse Culym, 15 werst von Acinsk). Ihre zahl 200 seelen. Sie sind chi'isten und haben das nomadentum aufgegeben. Nach dem Volksglauben finnischen (tschudi- schen) Ursprungs. Über ihre beschäftigung (fischerei, viehsucht), bildung (keine schule, aberglaube). 162. Pauler Gyula. A baskir-magvar rokonsäg. =zr' Die baschki- risch-ungarische Verwandtschaft. Budapesti Szemle. CHI, 1900. s. 337—356. Verf. verölfentlicht hier einen auszug aus seiner arbeit „A magyar nemzet törtenete Szent Istvänig" (siehe unten VIIIj. Er sammelt die daten, die nach seiner ansieht bezeugen, dass die Ungarn und baschkiren ein und dasselbe volk seien; das erste bekannte Vaterland der Ungarn lag in dem lande der jetzigen baschkiren. in den gouvernements Ufa und vielleicht Orenburg; folglich waren die Ungarn nicht nur nachbarn, son- dern sie waren auch selbst baschkiren. Die historischen nachrichten über die alte heimat der ungarn werden zvisammengestellt und erörtert. 163. Melich Jänos. A baskir-mag}-ar rokonsäg. z= Die baschkirisch- ungarische Verwandtschaft. X^r XXIX, 1900. S. 455 — 461. Verf. teilt mit, dass schon vor Gy. Pauler (in seinem werke „A magyar nemzet törtenete Szent Istvänig") forscher die Verwandtschaft der magyaren mit den baschkiren behauptet haben, unter anderem Chvol- son (1869), welcher die bei arab. Schriftstellern vorkommenden namen resp. Völker bäskard etc. und. bad-gard, mad.rgar etc., östliche und westliche baschkiren. zu einander in verwandtschaftliche beziehungen brachte d. h. die magyaren von den baschkiren abstammen Hess. Pauler lässt einen teil der baschkiren — von zwei Stämmen, wie Ch., weiss er nichts — nach Ungarn ausgewandert sein. Das positive ergobnis beider werke ist, dass die beiden Völker einmal bei einander gewohnt haben. Mehr hält verf. durch Pauler's Untersuchungen auf sprachlichem, ethnographischem. folkloristischem grund nicht für nachgewiesen. 96 II- Ostseefiunen. 164. Pauler Gyula. Nyilt level. = Offener brief. Budapest! Szemle. CIV, 1900. S. 469—476. Verf. antwortet in einem an die redaktion gerichteten offenen lirief auf den aufsatz von M e 1 i c li (siehe die vorige nr.) 165. Sismanov Iv. D. KpnTHMeirt. ni)tr.iej't Ha Binpoca ;!a ii])ii]i:ixo;ia Ha npaub-irapiiTt oxt esiiKOBrt r-ieÄnme n eTnMO.iornHi'fe na iimcto „uki- rapnHt". =r Kritische übersieht der frage nach dem Ursprung der protobulgaren vom sprachHchem Standpunkt und die et^-mologie des namens »bulgaren». CoopiinKt 3a Hapo,iHH yMOTBop.. HavKa n KHHHi. II3J1,. MHHHCTepcTB. Ha Hap. Ilporh. XVI - XVII, 1900. S. 505 — 753. Sofia, Staatsdruckerei. 1900. Gr. 8:0. Frcs 10. Giebt eine zuverlässige Übersicht aller früheren und späteren for- schungen über die nationalität der protobulgaren, der gründer des bul- garischen Staates. Der Verfasser verwirft die vage hypothese vom fin- nischen Ursprung dieses eroberervolkes und schliesst sich der ansieht von der türkischen herkunft der bulgaren an. 166. Zaborowski. Les Slaves de races et leurs origines. Bulle- tins et memoires de la Societe d'anthropologie de Paris. V:e serie, t. I, 1900. S. 69—99. Beiläufig kommt der verf. auf die fiugr. stamme (bes. die Fenni bei Tacitus. esten, liven), ihre Wohnsitze und anthropologischen merkmale zusprechen (s. 70, 73, 77, 87, 88, 97,98, 99). S. 77 „(Les Gotlis] . . . ont penetre dans Test, se sont meles aux FinncÄs avant de constituer avec les Slaves le premier noyau de la nation russe". II. Ostseelinnen. Finnen. Karelier. Wepsen. Woten. Esten. Liven. 1. Zeitschriften und Sammelwerke. 1. Virittäjä. Uusi jakso. Kotikielen seuran aikakauskirja. Nel- jäs vuosikerta. 1900. = »Der anreger». Neue folge. Zeit- schrift der gesellschaft für heimische spräche. Vierter Jahrgang. Helsinki, druck der FLG. 1900. Gr. 8:0. 138 s. Fm. 2,80, durch die red. 2,50. 2. Suomen Museo. Suomen" Muinaismuistovhdistj'ksen kuukaus- lehti. VII. = Finnisches Museum. Monatsblatt der Finnischen Altertumsgesellschaft. Helsinki, Centraldruckerei. 1900. Gr. 8:0. 68 s. Fm. 2,50. 3. Finskt Museum. Finska Fornminnesföreningens mänadsblad. VII. = Finnisches Museum. Monatsblatt der Finnischen Alter- tumsgesellschaft. Helsingfors, Centraldruckerei. 1900. Gr. 8:0. 70 s. Fm. 2,50. Die beiden Zeitschriften der Finnischen Altertumsgesellschaft ent- halten Originalaufsätze antiquarischen Inhalts. 4. Verhandlungen der Gelehrten Estnischen Gesellschaft. Zwanzig- ster Band. Jurjew (Dorpat), Gel. Estn. Ges. Leipzig, in komm, bei K. F. Koehler. 1900. 8:0. 405 s. Rm. 4 = Rbl. 2. I I. Zeitschr. vi. sammelw. 2. Bibliographie. 3. Sprachkunde, gy Enthält: 1) Zehn estnische Predigten aus der Mitte .des sieben- ■zehnten Jahrhunderts. Mit einer Einleitung von Pastor Wilhelm Rei- man (- erstes heft, 1899 erschienen); 2) = II 93. 5. Hermann K. A. Eesti üleüldise teaduse raamat ehk encvklo- pädia konversationi-lexikon, see on koige inimlise teadmise hari- dusline sönakiri hulga kujustustega kaunistatud. Asjatundliste kaastööliste abil toimetanud, kokku seadnud ja kirjutanud . irz Buch des gesamten wissens od. encyklopädisches konversa- tionslexikon für esten u. s. w. Heft i — 2. Jurjew-Tartu, K. A. Hermann. 1900. Gr. 8:0. 144 s. Rbl. 4 pro jähr für 12 hefte. Der herausg. will u. a. besonders die est. und finn. Verhältnisse (ebenso wie die russ. und lett.) im äuge behalten. Unter den artikeln sind hervorzuheben: Aesti. Aade, Aasta, Abielu, Adavere. 6. Ainesten keräily. zz= Materialsammlung. Vir. IV, 1900. S. 32. Bericht über die Sammlungen der Finn. Litt,-Ges. (lexikalische, folkloristische, ethnographische materialien) ; eine anzahl sog. deskripti- ver verba aixs der Sammlung von Meriläinen werden angeführt. 2. Bibliographie. 7. Vuosiluettelo Suomen kirjakauppaan v. 1899 ilmestyneistä teoksista. I. Aakkosellinen luettelo. IL Aineenmukainen luet- telo. z=r Jahreskatalog der in Finland im j. 1899 [in finn. Sprache] erschienenen bücher. I. Alphabetisches Verzeichnis. II. Systematisches Verzeichnis. Helsinki, Finl. Verlagsverein. [1900]. 8:0. 64 s. Fm. 0,50. Mit diesem zusammengeheftet: jahreskatal. der in schwed. u. frem- den sprachen erschienenen bücher, 55 s. 8. Berendts A. Aeltere estnische Drucke in der Bibliothek der Syno- dal-Typographie zu Moskau. Sitzungsber. d. Gel. Estn. Ges. 1899. s. 39—40- Nach» einem 1896 erschienenen katalog wird mitgeteilt, dass sich in der bibliothek auch ältere estnische bücher befinden. 9. Uus kirjandus. :^ Neue litteratur. Eesti Fostimees, beil. : Öhtu- sed Köned 1900, nr. 30 — 52. Verzeichnis der estnischen litteratur des jahres 1896. 3. Sprachkunde. F innisch. [Vgl. I 72, VIII c6.J 10. Ojansuu Heikki. Murresanoja kirjakielessä. z=z Dialektische Wörter in der Schriftsprache. Vir. IV, 1900. S. 65 -69. Verfasser bringt eine menge von in die finnische gemeinsprache eingedrimgenen wörtei'n bei, die in lautlicher hinsieht von dena Stand- punkt abweichen, zu dem die gemeinsprache sonst gelaugt ist. 7 I gS II- Ostseefinnen. 11. Ojansuu Heikki. Kielellisiä muodostuksia vieraalla pohjalla. =. Sprachliche bildungen auf fremdem gründe. Vir. IV, 1900. S. 123 — 126. Verfasser zählt beispiele für sog. analogieformen auf fremdem gründe im finnischen auf. die dadurch entstehen, dass der redende ein aus einem fremden dialekt entlehntes wort nach seinem dialekt norma- lisiert, indem er an die stelle eines jeden lautes oder jeder lautgruppe andre .'setzt, die allerdings bisweilen, aber nicht in dem betr. worte, dem fraglichen fremden laut oder der lautgruppe entsprechen. 12. Setälä E. N. Omistusliite -mi vai kirjoitusvirhe? = Possessiv- suffix -mi oder Schreibfehler? Vir. IV, 1900. S. 121 - 123. Verfasser hat in ein paar handschriften des „liedes vom tod des heiligen Henrik" das possessivsuffix der 1. pers. sing, -mi gefunden, das bisher aus dem finnischen nicht hat belegt werden können. Das Verhältnis des -mi zu -ni wird erklärt und zugleich eine übersieht der fi. possessivsuffixe mit tmd ohne coaffixum -n- gegeben. 13. Genetz Arvid. Minkätähden jäädä sana vaatii tulosijoja? zzz Warum heischt das verbum ,jäädä" .bleiben') die zielkasus? Vir. IV, 1900. S. 27—28. Das wort hat anfangs „siirtyä" ('übersiedeln'), „muuttua'" ("sich verändern'), „tulla" ("kommen') bedeutet, welche bedeutungen es noch heute neben ,bleiben' im estnischen und livischen hat, und welche im wogu- lischen, ostjakischen und ungarischen die einzigen des Wortes sind. 14. Anderson N. Bimicioria HasBaniü kantele, kankles n. t. j. ^ Zur etymologie der benennungen kantele, kankles u. s. w. Tpy;iH X apx. cttsja B't PHrt 1896. III. 1900. Sitzuiigsber. s. 122. Anderson behauptet gegen Thomsen, FBB 178 ff., dass fi. kan- tele ein echtfinnisches wort (= Ip. koamtalas "deckel") und mit fi. kan- nus (< *kamtus) = Ip. koamtas, kümdes, gobdes 'zaubertrommel' =^ tscher. komögs 'deckel' zusammenzustellen sei. Lit. kankles wäre da- gegen ein lehnwort. 15. "Wiklund K. B. Auhto sanan synt\-perä. r=i Der Ursprung des -Wortes auhto. Vir. IV, 1900. S. 40 — 43. auhto < * autso = Ip. autso. — In einem „zusatz" (s. 43 — 44) stützt E. A. Ekman die etymologie mit anderem beweismaterial. 16. Ojansuu H. A. Parahultainen. Vir. IV, 1900. S. 74. Abgeleitet von parahulta, ablativ von parahus (> gemeinspr. pa- raus. vgl. parasi. 17. Krohn Kaarle. Sanaselitvksiä Kalevalaan. = Worterklärungen zum Kalevala. Vir. IV, 1900. S. 20 — 26, 62 — 65. Der Verfasser zeigt, dass man über den wirklichen Ursprung uml sinn von gewissen Wörtern des Kalevala oft erst dann zu klarheit gelan- gen kann, wenn man in den Varianten der Volkslieder vorkommende wechselformen und die handschriften der verschiedenen Lönnrot"scheu Ivalevala-bearbeitungen in betracht zieht. So ist das wort kauno ("schön") aus Lünnrot"s band in das neue Kalevala gekommen; XVIII 3ß4 saoin kaunoin (instruktiv) < satakannoin oder satakannin, welchem in der parallelzeile tuhatnyplä ("mit 1000 knöpfen") entspricht; XVIII 399: 3. Sprachkimde. 9g kaunot < kanaset ("täubchen"): XXXI 50 kaunot ('mädchen') < kannot; valas < valaskala ("wallisch") der originale. Turska XV 293 — schwed. torsk; XVI II 108 turskan < tursan (gen. von tursa) der originale; tursa. tursas. turso =- mursu (wahoss). Asu XXXVia (von Lönnrot nii^sver.^tandon) -= vene 'boot'). Muori = ältere ehrwürdige Aveibliche person. Vuoresta on vetosen synty (III 203) deutet auf die erzälilung, wie Moses (in der bibel; mit seinem stab an den felsen schlug und dadurch dem volke Israel wasser verschaffte. iS. E[knian] E. A. Kupittaan nimistä. ■=z Über die namen der Kupittaa-quelle. Vir. IV, 1900. S. 69 — 73. Kupitta(a) < * kupitsa < asl. kouptct. 19. Saxen Ralf. Om namn och namnforskning. z=. Über namen und napienforschung. Finsk Tidskr. XLVIII, 1900. S. 257 — 280. Auch sep. Helsingfors 1900. 8:0. 24 s. Verf. berücksichtigt auch (hau])tsächlich nach A. A". Forsman) die finn. namengebung. Etym. : fi. Kakskerta < nord. Kagsgerdi < Kagh (män- nername) — gerni „eingezäunte-; stück erde" (= Kaxjäla < Kags-gerdi, .'orfnanie. in Hiitisi: 11. Rekottila (doi-f im kirchspiel Paimio). früher (1540) Redekottila. vgl. reidgoterna "die sieg- od. ruhmreichen goten". od. Reidgot (inihinernanie): ti. Tiipilä (bauerngut in Kiikala) < schw. Tibble < alt. Thigbele 1. Thig-bile. 10. Saxen Ralf. Huomioita suomalaisen persoonallisen nimistön alalta. I —II. =1: Beobachtungen auf dem gebiet der finnischen namengebung. Vir. III — IV. 1899 — 1900. 1899,8. i — 5, 1900, loi — 109, 117 — 121. Der verf. weist darauf hin, dass auf dem gebiet der finnischen namengebung viele entlehnungen aus germanischen sprachen zu finden -ind. Zuer-st wird eine menge späterer, ursj^rünglich skandinavischer .itlehnter namen beigebracht, darauf eine grosse anzahl namen, flir iio man der form nach entsprechende vorzugSAveise in dem namen- -ihatz des althochdeutschen finden kann. Schliesslich wird auf die in len ableitungen der namen und den abgeleiteten formen anzutreffenden Vergleichspunkte hingewiesen. Auf diesem gebiet sichere Schlüsse zu zie- hen ist schwer, da die bedeutung der namen gewöhnlich ganz unbekant oder nur problematisch ist, und der forscher sich aus diesem gründe nur der form des wortes zuwenden muss. Die Übereinstimmungen in 'Icr form können oft zufällig sein, erst von einer systematischen for- liirng erhofft der Verfasser gesichtspunkte. mit deren hilfc man zu _rösserer Sicherheit wird gelangen können, als die blosse etymologische Erklärung einzelner namen zu bieten vermag. 2 1. Ki^annisto] A. Kansanjohdannaisia. ^ A'olksetj-mologien. Vir. IV, 1900. S. 137. Finnische volksetA'mologieu (aus der neiisten zeit) mit psycholo- gisch-historischen erklärungen. 2 2. Ojansuu Heikki. Muutamia ,,oppineita kansanjohdannaisia" 3;r Einige ;> gelehrte Volksetymologien«. Vir. IV, 1900. S. 74 — 75. Beispiele der „volksetjanologie" bei einigen Verfassern (heluntai lifingsten" aus helu bei Ericus Erici 1(521). muukalainen. muukolainen fremd', mit dem völkernamen "mongole". varpu islav. urspr.] 'passer" mit varpu ramus' zusammengestellt. loo II- Ostseefinnen. Beziehungen zu indoeurop. sprachen. [Vgl. II 14, 18— 20.] 23. Grotenfelt K. Suomalaiset paikannimet Ahvenanmaalla. = Die finnischen Ortsnamen Alands. Historiallinen Arkisto. X\'I,2, 1900. Sitzungsber. s. 23 — 25. Verf. weist nach, dass es auf der in sei Aland einige finn. Orts- namen giebt, lind schliesst daraus, dass die finnen -n-ährend ihrer aus- breitung auf dem finländischen festlande auch auf Aland einige ansied- lungen gegründet haben. 24. Nordenstreng Rolf. Till trägan om vär finländska svenska. :== Zur frage nach unserem finländischen schwedisch. Finsk Tid- skrift. XLIX, 1900. S. 184 — 200. Behandelt u. a. auch den finn. einfluss auf das schwedische in Finland. Denkmäler der älteren spräche. 25. Suomenkielinen terveyshoidoUinen kirjoitus viime vuosisadalta. z= Eine h3-gienische schrift in finnischer spräche aus dem letzten Jahrhundert. Terveydenhoitolehti XII, 1900. S. 118 — 122. Ein hygienischer aufsatz aus dem kalender füi's jalir 1765, neu- druck. 26. Ruuth J. W. [z=z Verzeichnis der dörfer in den früher unbe- bauten orten der kirchspiele Ruovesi und HämeenkjTö aus d. j. 1590]. Historiallinen Arkisto. XVI,2, 1900. Sitzungsber. s. 35—44- Das Verzeichnis (in schwed. spräche) ist auch wegen der finnischen namensformen bemerkenswert. Geschichte der Wissenschaft. 27. Ojansuu Heikki. M. A. Castrenin oikeakielis^yskannasta. =: M. A. Castren's ansichten über die Sprachrichtigkeit, ^'ir. IV, 1900. S. 59 — 62. Referat des Castren'schen aufsatzes „Anmärkningar rörande nägra Ijud i Finskan". dessen Standpunkt hinsichtlich der Sprachrichtigkeit der „etymologische" oder „graumiatische" ist, wenn er auch teilweise mit bruchstücken des gedankengangs des sog. zweckmässigkeitsprinzips ver- einigt erscheint. Sprachrichtigkeit. 28. Cannelin K. Suomen kielen passivin i:sen partisipin käytäntö. =r Gebrauch des participium I. passivi im finnischen. Vir. IV. 1900. S. 5 — 9. 3- Sprachkuude. joi Die bedeutungen des part. I. pass. im finnischen werden an bei- spielen aus der finn. Volkssprache und der neueren litteratur ( für sprach- richtigkeitszwecke) dargelegt. 29. T[arkiainen] V. Yleiskielemme puhuttelusanoista. zz Über die anredewörter unserer gemeinsprache. Vir. IV, 1900. S. 91 — 95. Über die verschiedenen anredeweisen im finnischen; beurteilung derselben vom Standpunkt der Sprachrichtigkeit; die anredeart mit dem titel und dem prädikat in der 3. person wird abgelehnt und ntu' die anredefoiin mit der 2. person (sinä 'du' im vertraulichen und te = franz. "vous' im höflichen umgang) verteidigt. 30. Oikeakielis3yttä. =: Sprachrichtigkeit. Vir. IV, 1900. S. 14 — 16, 29—30, 45—48, 75—83, 97 — 100, 114— 116, 134—136. Bemerkungen (von verschiedenen Verfassern) über fehlerhafte rede- weisen und Wörter bei verschiedeneu finnischen Schriftstellern („antibar- barus"). 31. K[anmsto] A. Kansanvalistusseuran Kalenterin ristimänimis- töstä sananen. 3= Ein wörtchen über die taufnamen im kalender der Gesellschaft für Volksaufklärung. Vir. IV, 1900. S. 9 — 12. "über die finn. taiifnamen; bemerkungen vom Standpunkt der sprach- richtigkeit aus, mit einigen sprachgeschichtlichen erklärungen Granunatiken und Wörterbücher. 32. Budenz Jözsef. Finn nyelvtan. (Hang- es szötan.) Atdolgozta Szinnj^ei Jözsef. Ötödik, javitott kiadäs. z=z Finnische Sprach- lehre (Laut- und wortlehre.) Bearbeitet von J. Szinn3-ei. Fünfte, verbesserte aufläge. (Finn-ugor kezikönyvek z= Finnisch- ugrische handbücher, redigiert von J. Szinnyei. I.) Budapest, V. Hornyänszky, 1900. 8:0. 69 s. Kr. 2. 33. Setälä E. N. Äidinkielen oppikirja kansakouluja varten. Toinen osa. = Lehrbuch der muttersprache für Volksschulen. Zweiter teil. Helsingfors, Otava. 1900. 8:0. 96 s. Em. 0,50. 34. Setälä E. N. Äidinkielen oppikirja kansakouluja varten. Toinen, tarkastettu painos. := Lehrbuch der muttersprache für Volks- schulen. Zweite, revidierte aufläge. Helsinki, Otava. 1900. 8:0. 141 s. Em. I. 35. Setälä E. N. Äidinkielen oppikirja kansakouluja varten. Ylei- nen osa. Toinen, tarkastettu painos. =^ Lehrbuch der mutter- sprache für Volksschulen. Allgemeiner teil. Zweite, revidierte aufläge. Helsinki, Otava. 1900. 8:0. 48 s. Em. 0,35, geb. 0,50. 36. Setälä E. X. Suomen kielen oppikirja alkeisopetusta varten. = Lehrbuch der finnischen spräche für den elementarunterricht. Helsingfors, Otava. 1900. 8:0. 120 s. Fm. 1,60. In diesen lehrbüchern (nr. 33 --36) will der verf. die resultate und auffassung der heutigen Sprachwissenschaft auf den ersten Sprachunter- richt angewandt wdssen. Überall wird von der lebendigen spräche aus- gegangen, und die kenntnisse werden durch Übungen gesichert. — Defi- nitionen des pradikats iind Subjekts: „Die personalform des verbums I02 II- Ostseefinneu. wird als satzteil prädikat genannt. Die person des prädikats vird als Satzteil Subjekt genannt." 37. Yrjö-Koskinen E. S. Suomalais-ranskalainen sanakirja. — Dictionnaire tinnois-francais. Helsingfors, FLG. 1900. 8:0. XVII -f- 982 s. Fm. 20. 38. Palander E. W. Suomalais-venäläinen sanakirja. — nHCKo- pyccKÜi c.TOBapt. ;=: Finnisch-russisches Wörterbuch. Porvoo, Wer- ner Söderström. 1900. 8;o. 582 s. Fm. 10,50, geb. 12. Estnisch. 39. German [Hermann] K. A. Ool wcTOHCKnxt HaaßaHiaxb jitcTHocieil. = Über estnische Ortsnamen. 1= TpjMH X apx. ciisja Bt Pnri 1896. III. 1900. Sitzungsber. s. 122. U. a. wäre Tartu (Tarbato, Dorpat, ,I,epnTt) eine verklü-zung von ..Taara abuda'" („Taara's hüte") 40. Hausmann R. „Marienland". Sitzungsber. d. Gel. Estn. Ges. 1899. S. 109 — 112. Der Tortragende behauptet, in dem est. werte M arj a ni a [= Maarja- maa] wäre ,,eine. wenn auch vielleicht dunkle Erinnerung an die Zusam- mengehörigkeit von Est-, Liv- und Kurland enthalten'*. 4 1 . Bezzenberger A. Ursprung, Bedeutung und \"erbreitung des Volksnamens ,,Gudden". Sitzungsber. der Altertumsges. Frussia 1896 — 1900. XX, 1900. S. 217 — 242. S. 236 — 237 : Über die mit Koda-. Kodi- beginnenden estnischen Ortsnamen. 42. [Eisen M. J.] Hiiud. Postimehe eralisa 1900. S. 202. Der verf. untersucht die namen der Kalevipoeg-sage : Hiid, Hiigla tark. Hiigla tütar. 43. Kuhlbars F. Awalik palwe teaduse, hariduse ja kirjanduse söpradele. = Offene bitte an die freunde des wissens, der bil- dung und der litteratur. Postimees 1900, nr. 275. Eesti Posti- mees 1900, nr. 52. Aufforderung zum sammeln von Ortsnamen. Der verf. teilt mit. dass er schon seit Jahrzehnten namen sanunle. Die etymologien einiger Ortsnamen werden angegeben. Sprachrichtigkeit. 44. Hurt J. Eesti kirjaviisist ja kirjakeelest. = Über estnische Schreibweise und Schriftsprache. Postimees 1900, nr. 45, 46. Im gegensatz zu dr. Hermann" s ansieht, dass suffixales -gi immer in dieser weise zii sclureiben sei. will Hiu"t der ausspi'ache gemäss nach vokalen, liquiden, nasalen, v ( und j » -gi. nach verschlusslauten und s (so\^-ie h) -ki geschrieben wissen, z. b. kalagi. kavalgi. laevgi. dagegen sinepki. möötki. löugki. puhaski. 3- Sprachkunde. 103 45. Hermann K. A. Kas -gi ja -ki voi -gi üksi? SOnake vas- tuseks ja seletuseks hr. Dr. J. Hurt'ile. = -gi und -ki oder -gi allein? Ein wort zur entgegnung und erklärung an herrn dr. J. Hurt. Postimees 1900, nr. 51 — 54. Verfasser verteidigt gegen Hurt's ansieht die Schreibweise -gi. 46. Leetberg K. -gi ja -ki. Dr. Hurt'i kirja pääle. = -gi und -ki. Auf dr. Hurt's artikel. Postimees 1900, nr. 69. Verf. stellt sich gegenüber den beiden schreibAveisen auf keinen bestimmten Standpunkt ; zu wünschen sei vielleicht, dass man -gi schreibe, man könne jedoch auch die Schreibweise -ki für bestimmte fälle ver- teidigen. 47. — o — . [Riomar T.] Eesti keeletundjatele. = An estnische Sprachkenner. Postimees 1900, nr. 83—84. In der frage -ki oder -gi stellt sich der Verfasser auf Hurt's stand- ]ninkt. Ausführlich werden die den buchstaben b, d, g, p. t, k, s ent- sprechenden laute des estnischen behandelt. Der verf. macht darauf aufmerksam, dass, wenn zwei dieser buchstaben nebeneinander geschrie- Ijen stehen, dieselben immer harte lautierung haben, z. b. kurbdus. arg- dus, kuubgi. siidgi, umbsed, kuldsed, lies: kurptus, arktus. kuupki. siitki, umpsed, kultsed. In der Orthographie ist nach seiner ansieht in diesen fällen nur der letztere laut durch den entsprechenden buchstaben zu be- zeichnen, also z. b. kürbtus. argtus. siidki u. s. f. Schliesslich bemerkt der verf.. dass Hermann's behauptuug, den finn. p, t, k entsprächen est. b. d, g und den finn. pp. tt, kk est. p, t, k, nicht immer stich hält, da im estnischen papa, kaku, tatar, katsuda, katk, kosk, leht ausgespro- chen wird. 48. Hurt J. Eesti kirjawiisist ja kirjakeelest. = Über estnische Schreibweise und Schriftsprache. Postimees 1900, nr. 145 — 148. Verfasser macht darauf aufmerksam, dass -ki f-gi) ein siiffix und kein selbständiges wort sei. Als suffix wird es wie die silben behandelt. Die süben sind zu schreiben, ^vie sie ausgesprochen werden, daher ist in bestimmten fällen -ki, in anderen fällen aber -gi zu schreiben. 49. Hermann K. A. Weel kord seilest, kas -gi ja -ki wöi üksi -gi. = Nochmals darüber, ob -gi und -ki oder nur -gi. Posti- mees 1900, nr. 168 — 172. Verf. sucht ausführlich darzathun. dass die Schreibweise -gi die allein richtige sei. 50. — o — . [Riomar T.] Luhta läinud lootus. zzr Die geschwun- dene hoffnung. Postimees 1900, nr. 252 — 255. Verf. setzt die polemik in der frage -ki oder -gi gegen dr. Her- mann fort. 51. Hermann K. A. Sönake seletuseks. = Ein wörtchen zur erklärung. Postimees 1900, nr. 259. Auf Hiurt's aufforderiTng im Postimees nr. 179 erklärt verf. die ableitungssilben -line und -lik u. m. 52. t^. Lahtine küsimus. r^'Eine offene frage. Postimees 1900, nr. 127. Verf. möchte die estnische spräche von fremdwörtern gereinigt wissen und schlägt im besondern das wort isand für herra vor. Da- neben spricht er vom unterschied zwischen alten und veralteten Wörtern. I04 !!• Ostseefinnen. 53. R[eiman] W. Kas ristikogudus vöi kristlik kirik? = ,,Risti- kogudus" oder „kristlik kirik?« Postimees 1900, nr. 91. Yerf. giebt die etymoloo-ien der wörtpr rist, Kristus, ristitud. kirik xmd kommt zu dem scliluss, dass ristikogudus als bezeiclmung der christl. kirclie (gemeinde) riclitiger sei. als kristlik kirik. Grammatiken nnd praktische lehrbücher. 54. Einer H. Eesti keele opetus algkoolidele. 3= Estnische Sprach- lehre für elementarschulen. Jurj-ew, J. Tönisson. 1900. 8:0. 82 s. Rbl. 0,35. 55. Könelemised öppimiseks Eesti rahwale, kes Saksa keelt ja Saksa rahwale, kes Eesti keelt tahawad öppida. Kaheksas trükk. Saksa- eesti ja eesti-saksakeele sönastikuga. — Unterredungen zur Ue- bung für Esten, welche die deutsche Sprache und für Deutsche, welche die estnische Sprache erlernen wollen. Mit einem deutsch- estnischen und estnisch-deutschen Wöiterbuche. Achte aufläge. Jurjew (Dorpat), H. Laakmann. 1900. 8:0. 240 s. 4. Litteraturgeschichte. F i n n i 8 c h. 56. Setälä E. N. Lounaissuomalaisia kirjailijoita. ^ Südwesttinni- sche Verfasser. Festschrift Räntämäki. 1900. S. 2 — 4. (4:0). Über die älteren finnischen Verfasser, welche im südwestfinnischen dialekt geschrieben haben oder aus dem südwestlichen Finland gebürtig sind. Der aiifsatz ist für eine festschrift der südwcstfinländisclien Stu- denten verfasst. 57- Snellman A. H. Ljungi Tuomaanpoika, Pohjanmaan pappi ja lain suomentaja. := Ljungo Thomfe, pfarrer in Österbotten und gesetzübersetzer. Historiallinen Arkisto XVI, 2. 1900. S. 1 — 24. Biographie des pfarrers Ljungo Thomge, der 1602 das landgesetz und 1609 das stadtgesetz des schwed. königs Christopher ins finnische übersetzte. 58. Hilden A. Om distributionen af 1642 ärs finska bibelupp- laga. ziz Über die distribution der finnischen bibelauflage des Jahres 1642. Historiallinen Arkisto XVI, 1. 1900. S. 63 — 73. Verf. berichtet über die Verteilung des ersten vollständigen finn. bibelwerkes (dessen aufläge 12 00 war). Es mag erwähnt werden, dass exemplare auch einigen 1 a p p i s cli e n gemeinden zugeteilt wurden ; auch Johannes Tornseus, der an einem Manuale im lappischen arbeitete, erhielt ein exemplar. Unter den ausländem erhielten exemplare die Universität zu Leyden, wo früher viele finnen studiert hatten, und der berühmte pädagog Arnos Comenius. 59. Soikkeli, Kaarlo. Ensimmäiset kansaamme varten painetut historialliset tiedonannot. r=i Die ersten für unser volk gedruck- ten historischen berichte. Festschrift Räntämäki 1900. S. 10—13. 4- Litteraturgeschichte. 5. Volkskunde. 105 Behandelt die historischen berichte nnd chroniken, die den kalen- darien in den finn. kirchl. hand- n. g:esano;büchern („Manuale finnonicum" 1646 u. d. folji'.) beigelegt wurden, teils auch selbständig erschienen. 60. Leinberg K. G. Finskspräkig disputationspoesi vid Upsala uni- versitet. 1= Finnischsprachige disputationspoesie an der Univer- sität üpsala. Historiallinen Arkisto, XVI, 1. 1900. S. 74 — 92. VeröfFentlicht fünf finnische gratulationspoeme aus den Upsala- dissertationcu (1717 — 1818), mit biographischen notizen. 61. A. A. Lönnrotin Mehiläinen. ^ Lönnrot's Mehiläinen. Uusi Kuvalehti X, 1900. S. 169 — 171. Darstellung der von Lönnrot in den jähren 1836 — 40 herausgegebe- nen Zeitschrift „Mehiläinen" (= 'biene'). Estnisch. 62. Westling G. O. F. Mitteilungen über den kirchlichen Cultus in Ehstland zur Zeit der schwedischen Herrschaft. Kirchen- geschichtliche Studie von — — . Beiträge zur Kunde Ehst- Liv- und Kurlands V. 1900. S. 270 — 302. Der Verfasser bespricht s. 280—287 die ältere estnische predigten- litteratur und die kirchlichen gesangbücher. 63. Uus Lauluraamat. Kirikus, koolis ja kodus pruukida. =z Neues gesangbuch für den gebrauch in kirche, schule und haus. Jurjew (Tartu). Trükitud K. Mattieseni juures. 1900. XXXII -(- 687 s. In der einleitung eine historik des est. gesangbuches von der ältes- ten zeit an. 64. Carlblom J. Eine estnische Uebersetzung Horaz'scher Oden. Sitzungsber. d. Gel. Estn. Ges. 1899. S. 94 — 107. Heinrich Bochmann's estnische Übersetzungen der 3 ersten öden des Horaz aus dem jähre 1822. 65. Reiman Willem. Üheksasteistkümnes aastasada Eesti rahwa elus. z=r Das neunzehnte Jahrhundert im leben des estnischen Volkes. Sinvilauad. Eesti rahwa tähtraamat 1901 aasta jaoks {^ Runenbretter. Kalender für das estnische volk 1901). S. I — 22. Der verf. wirft u. a. einen blick auf die estnischen schriftsteiler des XIX. Jahrhunderts. 5. Volkskunde. Allgemeines. [Vgl. III 4.] 66. Th[oinsen] Vilh. Liver. ^=. Die liven. Salmonsens störe illustr. Konversationsleksikon for Norden XI. S. 897. Kurze nachrichten über das liv. volk u. seine spräche : biblio- graphie. Io6 II- Ostseefinnen. Yolkslitteratur. Fi Ulli seh. f Vgl. II 112, Ui, 1.59.] 67. Billson Charles J. The populär Poetr\- of the Finns. Populär Studics in M3"tholog\', Romance & Folklore Nr. 5. London, D. Nutt, 1900. Kl. 8:0. 37 s. 6 d. 68. Ar Kalevala ett finskt nationalepos eller icke? ^ Ist das Kale- vala ein finnisches nationalepos oder nicht? Upsala Nya Tid- ning 1900 i2/i2' nr. 1633. Enthält einen Ton Thorsten Eenvall veröftentlichten brief von Kaarle Krohn anlässlich eines populären Vortrags von K. B. "Wikluml über das Kalevala, Avelcher in den schwed. Zeitungen referiert worden war. In dem briefe äussert sich Ki'ohn über den anteil Lönnrots am Kale- vala, über den anteil der esten, Schweden und litauer od. letten an dem- selben, über die Sampo-sage u. s. w. 69. Wiklund K. B. Genmäle. = Erwiderung. Upsala Xya Tid- ning 1900 ^*/i2) nr. 1634. Erwiderung auf die vorige nr. ; der verf. behauptet, dass das zei- tungsreferat über seinen vorti'ag unrichtig und verworren gewesen sei. 70. Grotenfelt O. Ur den nyare Kalevalaforskningen. :z= Aus der neueren Kalevala-forschung. Finsk Tidskrift XLIX, 1900. S. 98 — 102. Referat der neuesten forschungen über die zusammensetziuig des Kalevala. 71. Franssila K. A. ^Nluutamia Kalevalan aiheita. = Einige mo- tive des Kalevala. Kansanopisto IV, 1900. S. 137 — 142. Stellt in populärer form einige motive des Kalevala dar (über den fäller der grossen eiche: über die webende Pohja-jungfi'au, in welcher der verf. eine spinnende parze sieht). 72. Franssila K. A. Kansanrunouden tutkimuksia. I. Iso Tammi liitteineen. =: Folkloristische Untersuchungen. I. Die grosse eiche nebst daran anschliessenden liedern. Suomi III, 18. Helsinki 1900. 8:0. IX -j- 480 s. Em. 5. 73. Franssila K. A. Kansanrunojemme iästä. z^ Über das alter unserer Volkslieder. Vir. IV, 1900. S. 85-91. Bei der altersbestimmung der finnischen lieder, sagt der verf.. sind wichtige Zeugnisse gewisse, überall auf savolasischem gebiet anzu- trelfende zusammengesetzte lieder. Diese lieder, die teils aus westfinni- schen, teils aus estnischen stolFen zusammengesetzt sind, müssen sich vor der einwanderung der savolaxer in ihre verschiedenen Wohnsitze, vor 1550, gebildet haben. • Setzt man^ ca. 150 jalii'e für die Wanderung der lieder von Westestland und den Aboer gegenden nach Finnisch-Karelien an, wo die Verschmelzung stattgefunden hat, und dieselbe zeit für die zusanmienschmelzung der lieder und die Wanderung der zusammenge- setzten lieder nach Südsavolas, so konunt man nach der ansieht des Verfassers auf zeiten zurück, in welchen auf beiden, selten des finnischen meerbusens die christliche lehi'e ihren lauf besann. 5- Volkskunde. 107 74. Krohn Julius. Kantelettaren tutkimuksia. Edellinen vihko. I. Ritvakm Helkavirret. IL Historialliset runot. Toimittanut ja tä3-dentän3-t Kaarle Krohn. z=z Kautel etar-stuclten. Erstes heft. I . Die Helkagesänge von Ritvala. II. Historische runen. Be- sorgt und ergänzt von Kaarle Krohn. Helsinki, FLG. 1900. 8:0. 212 s. Fm. 3,75. 75. Niemi A. R. Ritvalan Helkajuhla. 3= Das Helkafest in Rit- vala. Vir. IV, 1900. S. 17 — 20, 33—37, 49—57- Der aufsatz behandelt ein bis in die letzten Jahrzehnte hinein in Tavastlaud, im dorfe Eitvala des Kirchsi^iels Sääksmäki, unter eigen- artigen ceremonien gefeiertes fest mit abbrennen von feuern. Aus dem alter der bei dem fest gesungenen lieder — mittelalterlichen balladen — weigert sich der Verfasser Schlüsse auf das alter des festes selber zu zie- hen und hält eine späte entstehung des festes, ebenso einen etwaigen kirch- lichen Ursprung für unwahrscheinlich. Die allgemeine Verbreitung des feuerablirennens in "Westfinland, Tavastland und Nyland, ja sogar auch in Ingermanland und Estland deutet auf hohes alter. Verf. findet in den finnischen gebrauchen des abbrennens von feuern, besonders in dem Helkafest von Eitvala und in dem frühlingsfest der baltischen Völker gemeinsame züge, u. a. den, class beide zur erzielung einer guten jahres- ernte gefeiert werden, und schliesst daraus, dass das Helkafest zu einer zeit entstanden sei, wo die finnen in nachbarschaft mit den baltischen Stämmen gelebt haben. 76. Wallin Väinö. Eräs Djeknin sukua koskeva asiakirja ja ,,Eli- nan surma". r=: Ein das Djeknische geschlecht betreffendes dokument und ,, Elinas ^tod". Historiallinen Arkisto XVI, 2. 1900. S. 104 — HO. Verf. veröffentlicht ein dokument aus d. j. 1551, welches die han- delnden personen der finnischen volksballade „Elinas tod" berührt. Nach diesem wäre Klas Djekn (richter 1390 — 1434) das vorbild des ritters, der nach der ballade seine frau verbrannte ; in der ballade A\ird die that sei- nem enkel Klas Kurki zugeschrieben. 77. H. K. Leikkiloruja Lapualta. zi= Spielreime aus Lapua. Vir. IV, 1900. S. 30^31. Einige spielreime, die beim spielen von kindorn recitiert wer- den etc. 78. A[speliii] J. R., Hijo, Oulas ja Limas veljekset. nz: Die brüder Hijo, Oulas und Limas. SM VII, 1900. S. 33 — 36. Einiges über das sagenhafte Hiisi-volk im nördlichen Österbotten und die anlegung der orte li, Oulainen und Liminka durch die (riesen- oder läppen-) brüder Hijo, Oula, Limmi (Limas). In der sage von Limmi anklänge an die von Väinämöinen. 79. Tallgren Jenny Maria. Tarn Matalasta vuoresta ja jättiläisistä. :=: Die sage von den riesen auf dem berge Matalavuori. SM VII, 1900. S. 67-68. Bei einena steinring auf dem berge Matalavuori auf der insel Kaks- Tcerta (provinz Abo) wurde früher den ,.riesen" geopfert. Krieg zwischen den riesen auf der insel Kakskerta und den „nonnen" auf der gegen- überliegenden insel Satava. Steine als Wurfgeschosse verwandt. lo8 II- Ostseefinnen. 80. Kien. Vanunvuoren ja Vasaravuoren haltijat. zrr Die berggeister auf den bergen Vanunvuori und Vasaravuori. SM VII, 1900. S. 32. Der geist (riese) des berges A'anunvuori leiht, um sein pferd zu be- schlagen, von dem geist des Vasaravuori das schmiedewerkzeug. Dieses wird ihm 20 km weit durch die luft zugeworfen. Beide berge in der nähe von Kuopio. 8 1 . A[spelin] J. R. Kihovauhkosen ennustuksia. z=: Wahrsagun- gen Kihovauhkonen's. SM VII, 1900. S. 16. Kihovavihkonen, ein sehn Kalevas, ist in der volkssage besonders als Wahrsager bekannt; einige von seinen Prophezeiungen werden mit- geteilt. 82. Sieber J. Murheen voimasta. = Von der macht der trauer. Valvoja XX, 1900. S. 578 — 585. Schliesst sich einem aufsatz mit gleichem titel von E. Aspelin (Valvoja n, 1882, 191—199. III, 1883, 383-387) an, wo das thema der bekannten Bürger'schen ballade „Lenore" in der volkssage behandelt wurde, mit besonderer berücksichtigung der finnischen Varianten. Verf. weist dazu parallelen — welche oft in einzelnen zügen mit den finnischen Varianten übereinstimmen - — aus dem sagenschatz verschiedener Völker nach ; besonders interessant sind die polnischen Varianten. Die Verbreitung der sage in Finland betreff'end weist der verf. darauf hin, dass abgesehen von den deutschen und Schweden, die nach Finland übergesiedelt sind, auch finnen auf kriegszügen in Deutschland und Polen sich aufgehalten haben; auch hat vielleicht der aufenthalt der polnischen edelleute am hofe des herzogs Johann in Finland spuren hinterlassen. Es sei erwähnt, dass der deutsche gelehrte seinen artikel selbst im finnischen niederge- schrieben hat. 83. Kauppinen M. Kurki- ja Pohto-tarinan toisinto Ruovedellä. = Eine Variante der sage von Kurki und Pohto aus dem kirch- spiel Ruovesi. SM VII, 1900. S. 31 — 32. Zweikampf zwischen dem befehlshaber der Schweden, Kurki, und dem der russen, Varis, auf einer insel im meere. Auf der seite des rus- sen ficht ein dreiköpfiger teufel. Kach drei waffengängen sind die köpfe des teufeis abgehauen, worauf K. den V. zu boden streckt. Damit ist der krieg zwischen den Schweden und russen entschieden. 84. N"[ervander] E. Medeltidssagan om käringen som hjelpte djefvulen. =: Mittelalterliche sage vom weihe, welches dem teufel half. FM VII, 1900. S. 45 46. Unter den mittelalterlichen Wandmalereien in einigen schwedischen und finnischen kirchen findet sich das motiv vom weibe dargestellt, das dem teufel half Uneinigkeit zwischen liebenden anzustiften. Beschrei- bung solcher maiereien (aus dem anfang des XVI. jahrh., in den kirchen von Sjundeä und Inga in Nyland). Est niscli. 55. Gurt [Hurt] J. 0 coupaHin 3ctohckhx-i> HapoiHux'b npejanift. ^ Über das sammeln estnischer folklore. Tpy;iH X apx. ctta^a b-i> PHrt 1896. III. 1900. Sitzungsber. S. 51 — 52. Hurt giebt einen bericht über die von ihm 2:eleitete Sammelarbeit. Volkskunde. 109 >". Hiirt J. Wanawara aidamehelt. = Vom Verwalter des „alten Schatzes" (^ folklorej. Postimees 1900, nr. 133. Der aufsatz behandelt die letzten Veranstaltungen und ergebnisse der estnischen folkloresammlung. 87. Hurt J. Sada kaheskümnes kuues aruanne Eesti wanavara korjamisest ja keelemurrete uurimisest. ::r: 126. bericht über das sammeln estnischer folklore und über dialektforschung. Posti- mees 1900, nr. 233. 88. Hurt J. Sada kaheskümnes seitsmes aruanne Eesti wanavara korjamisest ja keelemurrete uurimisest. 11= 127. bericht über das sammeln estnischer folklore und über dialektforschung. Posti- mees 1900, nr. 238. 89. Hurt J. Sada kaheskümnes kaheksas aruanne Eesti wana- vara korjamisest ja keelemurrete uurimisest. = 128. bericht über das sammeln estnischer folklore und über dialektforschung. Postimees 1900, nr. 273. 90. P[ögelraann] H. Eesti luulekirjandusest I. II. =: Über die estnische poetische litteratur I. IL Postimees 1900, nr. 231, 232. Handelt nach einer allgemeinen einleitung über die verschiedenen arten estnischer volkspoesie (volkslied und seine form, märchen, epos). 91. Kalewipoeg. Aus dem Estnischen übertragen von F. Löwe. Mit einer Einleitung und mit Anmerkungen herausg. von W. R e i- man. Reval, Franz Kluge 1900. 8:0. XXXII -\~ 343 s. Rbl. 2. 92. K[allas] R. Kalewipoja laulu arwud, nimelt arw 7. ^ Die zahlen in der Kalevipoeg-sage, besonders die zahl 7. EU Alb. V. 1900. S. 15 — 18. Verf. spricht über auftreten und bedeutung der zahlen (bes. 7) in der gedruckten Kalevipoeg-sage. 93. Kallas Oskar. Achtzig Märchen der Ljutziner Esten. Gesam- melt von -. Kaheksakümmend Lutsi maarahva muinasjuttu. Kogunud . Verhandl. d. Gel. Estn. Ges. XX, 2. 1900. S. 79 - 405. Jurjew (Dorpat), Gel. Estn. Ges. (Leipzig, in komm, bei K. F. koehler.j 94. Kallas Oskar. Kaheksakümmend Lutsi maarahva muinasjuttu. Äratrükk Opetatud Eesti Seltsi toimetuste 20. andest. = 80 mär- chen der Ljutziner esten. Sonderabdruck aus dem 20. bände der Verhandl. d. Gel. Estn. Ges. Jurjev-Tartu, Schnakenburg. 1900. 8:0. 202 s. Enthält den estnischen teil der vorigen nr. 95. Winkler R. Ueber Kirchen und Capellen Ehstlands in Ge- schichte und Sage. Beiträge zur Kunde Ehst- Liv- und Kurlands V. 1900. S. I - 38. Es werden u, a. an kirchen und kapellen geknüpfte volkssagen und abergläubische gebrauche des volkes mitgeteilt. IIO II- Ostseefinnen. 96. Eisen M. J. Toompää ja Ülemiste jänve sündimine. = Die entstehung des [Revaler] Domberges und des Olieren-sees. Eesti Postimees, beil.: Öhtused Köned. 1900. S. 318 — 319. Verf. teilt alte sagen von der entstehung des Eevaler Domberges und des Oberen-sees mit. 97. Jung J. Eine religiöse Sage. Sitzungsber. d. Gel. Estn. Ges. 1899. S. 144—148. Eine volkssage. 98. Hurt J. Eesti astronomia. Kone Peeterburi Eesti Jaaniko- guduse Xoortemeeste Seltsis 10. Jaanuaril 1899 pidanud — — . = Estnische astronomie. Vortrag geh. im Estnischen Jünglings- verein zu St. Petersburg am 10. januar 1899 von — — . Dor- pat (Jurjew), Buchhandlung des Postimees. [1900.] 8:0. 63 s. Rbl. 0.20. Auch deutsch erschienen, siehe folg. nr. 99. Hurt J. Über estnische Himmelskunde. Vortrag gehalten im estnischen Jünglingsverein zu St. Petersburg am 10. Januar 1S99 von- . St. Petersburg, druck v. Trenke u. Füsnot. 1900. 8:0. 91 s. Rbl. 0,50 TJbei'setzung u. bearbeitung der vorigen nr. Melodien. 100. Suomen kansan sävelmiä. Ensimmäinen jakso. Hengel- lisiä sävelmiä, 4, 5 vihko. ^r: Melodien des finnischen volkes. Erste Serie. Geistliche melodien, 4., 5. heft. Herausg. von Ilmari Krohn. Gedr. in j3-väsk3-lä, FLG. 1900. 8:0. S. 385 — 644. Fm. 3 pro heft. loi. Soikkeli Kaarlo. Suomen kansan hengelliset sävelmät. ;^ Die geistlichen melodien des finnischen volkes. Kansanopisto IV, 1900. S. 4 — 10, 23-27. Bericht über die Sammlungen und Publikationen auf dem betr. ge- biete: darstelluno; der verschiedenen melodienarten. Mythus, abergiaube, sitten u. gebrauche. [Vgl. II 75, 95, 170.] 102. E[eiman] W. Eesti muinasusk. = Der alte glaube der esten. EÜAlb. V. 1900. S. 82 — 97. * Übei'sicht über die estnische und finnische mythologie : die ansichten verschiedener forscher über die estnisch-finnischen götterwesen und den lieidnischen glauben werden angefühx't. 103. Immosen kivi. z= Der stein Immosen kivi. Mr. l\', 1900. s. 58—59- Volkskunde. m Bild und beschreibung (nach K. Killinen) des opfersteins, der sich im Kirchspiel Euskeala in Karelien befindet. 104. Salo W. „Muistajaiset". Rajakarjalasta. = „Die gedächt- nisfeier*'. Aus den grenzgebieten Kareliens. Päivälehti 1900, nr. 257. Eingehender bericht über die totenfeier bei den kareliern. 105. Jürgens Erwin. Ein weiterer beitrag zum Tönniscultus der tston. — Vorwort von Max Buch. JSFOu. XVIII,.!. 1900. 9 s. 106. Eisen M. J. Tonn. Linda 1900. S. 74. Kurze auiForderung z\ir einsendung von nachi'ichten üT)er Tonn 1 zugleich erwähnung früherer arbeiten über den gegenständ. 107. R[einian] W. Tükikene Eesti muinasusust. = Ein Stückchen alten estnischen glaubens. Postimees 1900, nr. 255. Verfasser stellt dar, Avas in der letzten zeit über den „Tünn" der ojHoi'i KapToft. =: Das ende der ursprünglichen russischen herrschaft in den baltischen ländern im XIII. Jahrhundert. St. Petersburg, Akad. d. Wiss. 1900. 8:0. VIII -|- 132 s. Rbl. 1,60. = Rm. 4. 148. Müjukov P. X. ^Ito xaKoe „Mope BnpflHCKoe" H „ropoj,i .leieHeuT." y (CnpaBKa ki. Bonpocy o BpeJieHH n Jitcxt nponcxoiK;i,eHiH öh.ihhh o Cc- .lOBbt By4,nMnpoBnHt.) izr Was ist ,,das \'irjanische meer" und die Stadt »Ledenec»? (Beitrag zur lösung der frage, wann und wo die byline von Solovej Budimirovic entstanden ist). lOoiLieiiHuil 5- Volkskunde. uy CBopHnK'b KU MecTb B. H. Mu.i.iepa, 110,1t ijejiiKuieu H. A. fluHVKa = IIsä. IImii. Ooih. .TiooüT. f]cTecTB03H., Ahti). n 3rH.. X(JVII, (Ti)y,Ti)i Bth. Oiji'Lia, XIV. Moskva. 1900. 4:0. XXII -f- 369 s. Rbl. 3.) S. 314—315. Der rühmlich bekannte russische historiker weist hier nach, dass die namcn ..Mope BHpHHCKoe od. BepaHCKoe'' und die stadt Ledenec (JEe^e- Hen;'i>) der russischen byline aufs Esteuland hinweisen: das erstere ist Viron meri, Wierlands nieer, das letztere ist mit dem alten namen Kevals, Lin- danisa, zusammenzustellen. Auch liD.io.iUKÜi od. Ka,infi.ioBi)iii octijobt. = die insel Kattila. russ. Kotlin, deutsch Ketlingen. 149. E[kmanJ E. A. Vatjalais-muistojako? = Erinnerungen an die woten? Vir. IV, 1900. S. 95 — 97. Verfasser vermutet, dass solche südostestnischen ärgerlichen aus- rufe wie a]i sa vadi.ionö ! und ah sa vadiiazö kihä!, {= etwa: "geh zum kuckuck") in denen vadiAanö lautlieh dem finn. vatjahtmen entspricht, aus den Zeiten stammen könnten, wo die södostesten und woten noch mit ein- ander zu thun hatten. Die bedeutung der ausrufe würde alsdann be- zeugen, dass die letzten berührungen der beiden Völker keine friedlichen gewesen sind, ein schluss, den auch die historischen nachrichten bela'äftigen. 150. Boldt R. Ortbeskrifningen i Finland pä 16- och 1700-talen. :^ Ortsbeschreibungen in Finland während des XVI. und XVII. Jahrhunderts. (Meddelanden af Geogr. Föreningen i Finland V,i.) 1900. 8:0. 64 s. Der verf. giebt ein Verzeichnis der beschreibungen von gauen, Städten und kirchspielen, die während des XVI. u. XVII. jahrh. in Fin- land entstanden sind. Die erste gaubeschreibung erschien im j. 1643. Im anfang waren es die regierung, die Universität u. die geistlichkeit welche zu heimatsbeschi-eibungen aufforderten, später erwarb sich das landmesserkorjDS in dieser hinsieht grosse Verdienste, luid vom j. 1771 au erschienen, dank der eifrigen Wirksamkeit H. Gr. Porthan' s. zahlreiche topographische beschreibungen aus Finland in der zeitung „Abo Tidnin- uar." Auch andere, besonders die professoren Gadd u. Kalni, Avaren au.f diesem gebiete thätig, und schliesslich wiu'den durch die initiative der im j. 1797 gegründeten finnischen Ökonom, gesellschaft ,,Suomen talous- seiu'a'" mehrere gegenden untersucht und beschrieben. — S. 26 — 60: lit- teratiu'verzeichnis. S. 61 — 46 Referat in deutscher u. französ. spräche. Archäologie, [Vgl. II U2, 1«.] 151. Hackman Alfred u. Heikel Heikki J. Vorgeschichtliche Altertümer aus Finland. Photographische Tafeln aus dem Histo- rischen Museum des Staates in Helsingfors. Helsingfors, Hist. Museum^ des Staates 1900. 8:0. 84 s. u. 85 tafeln. 152. A[il]io J. Hiukan viljalajien esihistoriaa. = Zur Vorgeschichte der getreidearten. SM VII, 1900. S. li — 14. Verf. erwähnt die ergebnisse der neuesten forschungen auf diesem uebiete. welche das hohe alter des ackerbaues in Skandinavien bezeiigen. I )ie vorgeschichtlichen funde in Finland haben bisher kaum irgendwelche Aufschlüsse über die anfange des ackerbaues bei inis ergeben. Gewisse irrosse steinhacken, welche in verschiedenen teilen des landes gefunden Il8 II- Ostseefinnen. sind, könnten möglicherweise als höchst primitive Werkzeuge beim feld- bau benutzt worden sein. Resultate der vergl. linguistik auf diesem ge- biete werden kiirz berührt. 153. H[eikel] H. J. Piirtolan kivikauden löj'töpaikka Ilmajoella. z= Ein fundplatz aus der Steinzeit bei dem bauemhofe Piirtola im kirchspiel Ilmajoki [provinz Wasa]. SM VII, 1900. S. 46—48. Die funde bestehen aus scherben von thongefässen mit grubenorna- ment, einem Schleifstein und einigen Steingeräten. 154. Hackman Alfred. De senaste fj'nden frän vär bronsälder. r= Die neuesten funde aus unserer bronzezeit. FM MI, 1 900. S. 52—61. Unter den 5 bronzezeitlichen fanden, welche neuerdings zur kennt- nis des Hist. Museums in Helsingfors gelangt sind, bestehen 2 in gegen- ständen von nichtskandinavischen typen. Verf. hält diese für erzeugnisse einer einheimischen, mit der permisch-sibirischen verwandten Vjronze- kultur, deren spuren bereits in einigen fräheren funden (u. a. gussfor- men) zu tage getreten sind. Die 3 anderen funde enthalten gegenstände skandinavischen Charakters. 155- Ailio Julius. Pronssikautinen hautaraunio Perniössä. 1= Ein bronzezeitliches hügelgrab im kirchspiel Pernio. SM VII, 1900. S. 52—57- In einem steinhügelgrab im kirchspiel Pernio (Bjerno), prov. Abo, fand Verfasser bei einer mit grüsster Sorgfalt vorgenommenen Unter- suchung ein kleines bronzemesser aus der 3. periode (nach Montelius' einteilung). Eine fi-üher dem museum zugesandte lanzenspitze aus feuer- stein soll in demselben grabhügel gefunden worden sein. 156. Heikel Axel O. Korkeap3-örtäneenmäen löytö Uudellakirkolla Turun- ja Porinläänissä. = Die funde auf dem hügel Korkea- P3"örtäneenmäki im kirchspiel Uusikirkko, provinz Abo-Bjömeborg. SM Vn, 1900. S. 22—26. Beim sandholen auf einer niedrigen anhöhe, namens Korkeapyör- täneenmäki. bei dem dorfe Varhela im kirchspiel Uusikirkko sind wieder- holt Waffen und schmuckgegenstände sowohl aiis der älteren als aus der jüngeren eisenzeit gefunden worden. Das interessanteste fundstück ist eine armbrustfibel aus der römischen eisenzeit. 157- H[ackma]n A. Ur vära privatsamlingar. Ett silfverfj-nd frän vikingatiden. = Aus unseren privatsammlungen. Ein silber- fund aus der vikingerzeit. FM VII, 1900. S. 17 — 25. In der nähe von Abo wurde in den 70:er jähren des vorigen jahrb. ein grosserer fund von silbernen Schmuckstücken gemacht, der bis auf einen halsring, eine hufeisenförmige übel und die nadel einer gros- sen ringfibel eingeschmolzen wurde. Die geretteten gegenstände stam- men etwa aus dem X. jahrh. 158. Lagus Wilhelm. Numismatiska anteckningar II. Om mynt funna i finsk jord. z= Numismatische Notizen II. Über münz- funde auf finnischem boden. Bidrag tili kännedom af Finlands natur och folk LX. 1900. S. I — 264. Ein mit einer einleitenden übersieht versehenes vollständiges Ver- zeichnis aller bisher bekanntgewordenen münzfunde in Finland. Römische und ältere bvzantinische münzen sind in sehr geringer anzahl gefunden wor- 5- Volkskunde. 1 1 g den. Recht zahlreich sind daii:eo;en die münzfunde aus der jünjyeren eisenzeit (hauptsächlich deutsche, angelsächsische und kuhsche silbermünzen). Dir fundgebiet deckt sich im allgemeinen mit dem der übrigen vorgeschicht- lichen funde (in Österbotten jedoch nur wenige münzfunde). "Wenn Ver- fasser annimmt, dass die im westlichen Finland gefundenen münzen ausschliesslich durch den handel mit Schweden (Gotland) nach Finland gelangt seien, da zwischen dem westlichen und dem östlichen fundgebiet (Ladogagegend) ein breiter landstrich (Njdand u. westliches Karelien) liege, welcher weder münz-, noch andere gleichzeitige altertiimsfunde geliefert habe, so hat er nur teilweise recht und übersieht die bedeutung, welche der direkte handel zwischen Estland und dem westl. Finland auch zu jener zeit gehabt hat. "Weit seltener und weniger ergiebig sind die funde mit münzen aus dem XII. — XV. jahrh. 159. AspeHn J. R. Koroisten Turku Räntämäellä. uz: Der Han- delsplatz Koroinen in Räntämäki. Festschrift Räntämäki 1900. S. 4—9- Neudruck eines aufsatzes in SM V, 1900, 1 — 12. Verf. berichtet über den alten handelsplatz [Turku = handelsplatz ; stadt Abo], wo die Stadt Abo früher, schon in der heidnischen zeit stand. Eine volksbal- lade (von K. Krohn nach ingermanländischen Varianten zusammenge- stellt), welche mit dem lebeij daselbst in beziehung steht, wird mitgeteilt. 160. Virchow R. 0 j.peBHl3iimiixL aiUTe.iüxi. ciBepHoil Eßponu h, ocooeHHO, .TiibohIii. := Über die ältesten bewohner des nördlichen Europa, besonders Livlands. Tpj7,bi X apx. cttsja Kb Porli 1896. III, Sitzungsber. S. 80 — 81. Xach der meinung Virchow's waren die aborigenen der baltischen länder tinnen. 161. Buchholtz Anton. [Funde aus der bronzezeit]. Sitzungsber. d. Ges. f. Gesch. u. Alterthumsk. der Ostseeprovinzen Russlands 1899. S. 7, 24, 34. A. Buchholtz berichtet über 3 neue funde aus der bronzezeit in den Ostseeprovinzen. Mit den neu hinzugekommenen beträgt die ge- samtzahl solcher funde in den drei baltischen ländern erst 10. 162. Hausmann R. Einige Bemerkungen über die Ausstellung zum XI. archäologischen Kongress in Kiew. Sitzungsber. d. Ges. f. Gesch. u. Alterthumsk. der Ostseeprovinzen Russlands 1899. S. 112 — 116. Verf. macht u. a. auf einzelne analogien zwischen den eisenzeit- lichen altertümern in den Kiewer Sammlungen und baltischen funden aufmerksam. 163. Gausman [Hausmann] R. 0 pa:iHuxi> ranaxt .niBnucKiixb Morn.iL- HiiKojit. ^=1 Über die verschiedenen tj'pen der livländischen gräber. Tpyjbi X apx. cbt:ua Bb Tiirl; 1896. III, 1900. Sitzungsber. S. 81 — 82. Übersicht der vorgeschichtlichen bestattungsweise in den baltischen ländern. 164. Hausmann R. Zur Bestimmung eines eisernen Geräths der Alterthümer-Sammlung. Sitzungsber. d. Gel. Estn. Ges. 1899. S. 77—80. Ein zuweilen iu gräbern der jüngeren eisenzeit in Estland und Livland gefundenes eisernes gerät — ein stift mit durchbohrtem köpf. I20 II- Ostseefinnen. an welchem ein ring hängt — wird von H. als ein beim zusammenflech- ten von tauenden benutztes Werkzeug erklärt. 165. Bogojavlenskij S. K. PacKonKn m. .Iin|uHH;iCKoft 11 K'yp.TaHjcKtii ryCepinHXh .iLtumi, 189B ruja. zir Ausgrabunjjen in den gouv. Liv- land und Kurland im Sommer 1896. Tpy,T.u X apx. cbtrua bs Pnrt 1896. HL 1900. S. 92—116. Vei-f. hat in den kreisen Riga (Livland), Talsen u. AVindau (Kur- land) gräberfelder verschiedener art und ans versclaiedenen zeiten stam- mend aufgedeckt. In Livland waren es flachgräber mit Skeletten aus der jüngeren eisenzeit (bei Fistehlen, Kaipen u. Eömershof). in Kurland teils grabliügel mit leichenbrand, die an die litauischen tumuli der jün- geren eisenzeit erinnerten (Brinken-Pedwalen, kr. Talsen). teils flach- gräber mit leichenbrand angeblich aus der jüngsten heidnischen zeit (Mattkuln im kr. Talsen, Dondaugen im kr. Windau), teils auch skelett- gräber des XV. — XVI. Jahrhunderts (Füssen im kr. Windau. Xogallen u. Stenden im kr. Talsen). Bei Dondangen wurde eine schifförmige stein- setzung untersucht: keinerlei funde. An die beschreibung der flachgrä- ber östlich von Riga schliesst verf. eine erörterimg der ethnographischen Verhältnisse Livlands wälirend der jüngeren eisenzeit. Aus archäologi- schen, folkloristischen und historischen gründen bestreitet er die richtig- keit der ansieht A. Bielensteins, nach welcher die liven zur see von. Kardien aus an die livländische küste gelangt wären iind sich von da aus landeinwärts ausgebreitet hätten. Die einwanderung derselben hätte vielmehr über das jetzige gouv. "Witebsk (das grabfeld von Liidzen — livisch) stattgefunden. Die von den baltischen archäologen für livisch angesehenen gräber im thale der livländischen Aa (Kremon, Segewold, Trei- den etc.) sind nach B. lettengräber. Ihr Inventar unterscheidet sich scharf von dem der flachgi-äberfelder im südöstlichen Livland (Fisteh- len, Kaipen, Ascheraden etc.), welche B. aus guten gründen für livisch erklärt. A. H. Snellmans arbeit „die Ostseefinnen zur zeit ihrer unab- hängigkeif, von welcher ein ausführlicher deutscher auszug existiert, hat verf. nicht l)enntzt. 166. Buchholtz Anton. Ueber Gräber im Kokenhusenschen Kirch- spiele. Sitzungsber. d. Gesellsch. f. Gesch. u. Alterthumsk. der Ostseeprovinzen Russlands 1899. Aufdeckung von skelettgräbern aus der jüngeren eisenzeit: sie werden als lettengräber bezeichnet. Verzeichnis der sonstigen vorge- schichtlichen funde im kirchspiel. . 167. Löwis of Menar K. von. Ein Skelett-Hügelgrab unter Stab- ben in Kurland. Sitzungsber. d. Ges. f. Gesch. u. Alterthumsk. der Ostseeprov. Russlands 1899. S. 443—445. Der grabhügel enthielt das skelett eines kriegers ausgestattet mit Waffen (axt, lanzenspitze, schwert) imd einigem schmiick aiis der jünge- ren eisenzeit. (Ein sporn wird dem XIII. Jahrhundert ziigewiesen). 168. DIeniker] J. Les dernieres fouilles dans le gouvemement de Saint-Petersbourg. L' Anthropologie XI, 1900. S. 644 — 645. Kurze mitteilung über die aufdeckung einiger grabhügel und flachgräber in der gegend von Peterhof durch mitglieder des Russischen Archäologischen Instituts im mai 1900. Der Inhalt zweier isoliert gele- gener grabhügel wird hervorgehoben, weil er sich von dem slavischen f?] Charakter der übrigen grabhügel unterscheidet. Er bestand aus arm- ringcn, Schläfenringen, perlen, schellen, gürtelbeschlägen, äxten. messerri. I III. Lappen. 12 1 sicheln und 2 mimzen des XI. jahrh.: die eine aus Ref^ensburg, die andere wahrscheinlich angelsächsisch. Leider sind keine abbildungeu beigefügt. 169. Kemke Heinrich. Die Bedeutung der ostbaltischen Altertü- mer für die Vorgeschichte der Provinz Ostpreussen. Centralblatt für Anthropologie, Ethnologie u. Urgeschichte VI, 1900. S. 257—262. Verf. zeigt, wie einige durch arabische, angelsächsische und deut- sche münzen datierte funde in den Ostseeprovinzen und Finland für die Chronologie der jüngsten vorgeschichtlichen funde in Ostpieussen ver- wertet werden können. Da in Ostpreussen altertümer gefunden sind von typen, welche in den von finnen, esten und liven beAvohnten gebieten häufig auftreten, fragt der verf., ob dieser umstand nicht darauf deute, das finnische stamme einstmals so weit nach Süden vorgedrungen seien. — Das in Ostpreussen vorkommende provinzialwort palw "beide, ausge- rodete waldfläche' etc. soll mit dem est. palu, fi. palo mit ähnl. bedeu- tung in Zusammenhang stehen. 170. Preytagh-Lormghoven Leon. Referat über altheidnische Opfersteine auf Oesel und den den Hafen bei Kurrefer behandelnden Vortrag des Herrn Baron Bernhard v. ToU-Piddul. Sitzungsber. d. Ges. f. Gesch. u. Alterthumsk. d. Ostseeprov. Russlands 1899. S. 60—61. Der vortragende weist u. a. darauf hin, „dass der Hafen bei Kurre- fer, bei dem, wie der Name anzudeuten scheint, eine Colonie der Kuren bestanden haben mag, wahrsc]*einlich schon in ältester Zeit ein Haupt- hafen der alten Oeseler, ein Ausgangspunkt ihrer häufigen Eaubzüge ge- wesen sei." 171. Hausmann R. Eine Ausgrabung auf dem Kabelli-mäggi in PuUapäh, Gut Linden, Kirchspiel Röthel in der Wiek in Est- land. Sitzungsber. d. Gel. Estn. Ges. 1899. S. 81 — 93. Die ausgrabimgen förderten skelette, teile von Skeletten, schädel, geldstücke aus dem XVII. jahrh. u. a. zutage. Indem der Verfasser die Volkszugehörigkeit der toten erörtert, von denen Überreste gefunden wor- den, kommt er auf die schwedische kolonisation in Estland zu sprechen. — Er kommt zii dem schluss, dass die skelette estnischen Ursprungs seien. III. Lappen. 1. Sprachkunde. [Vgl. I 72, VI 11 16.] 1. WlMund K. B. Äro vara lapska ortsnamn riktiga? 1= Sind unsere lappischen Ortsnamen richtig? Gellivarebladet 1900 ^o/^^ nr. 15. Luleä. 2. Litteraturgeschichte. 2. Leinberg K. G. [=: Notizen über Johannes Jonte TornEeus]. Historiallinen Arkisto XVI, 2. 1900. Sitzungsber. s. 51 — 52. Eine bittschrift von dem pfarrer J. Tornseus (um 1660) um Unter- stützung der königin Hedvig Eleonora fltr seine lappischen arbeiten. Tor- 122 III- Lappen. naeus teilt mit, dass er einen kleinen katechismus ins lappische übersetzt und eine lappische postills- in arbeit habe ; dann ^411 er die geschichte der läppen studieren (das resultat war die schrift, die unter folg. r_r. erwähnt wird). 3. Volkskunde. Allgemeines. Mythus, sitten u. gebrauche. Stoffliche etnographie. 3. Johannis Tornaei Berättelse om Lapmarckerna och Deras Till- ständ. =^ Johannis Torntei bericht über die Lappmarke und ihren zustand. Herausgeber: K. B. Wiklund. Svenska Landsmälen XVII, 3. 1900. Upsala. 64 s. Ein manuskript aus dem jähre 1672 über die läppen in Tome und Kemi Lappmark. 4. Samzelius Hugo. I Nordanland. = In nördlichen ländern. Stock- holm, Fritze. 1900. 8:0. 269 s. Kr. 3, 50. Skizzen aus dem leben im nördlichsten Schweden, Norwegen, Fin- land und Eussland; viele von ihnen enthalten beitrage zur kenntnis der nördlichsten läppen und finnen. 5. Finn W. Ein lappländisches Götzenbild. Zeitschrift für Ethno- logie, Verhandlungen der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte XXXII, 1900. S. 233. Kurzer bericht über einen im see Kastijaur, kirchspiel Sorsele. AYesterbotten, gefundenen lappländischen Sejte, der sich jetzt im „Skan- sen" in Stockholm befindet. 6. Lindholm K. A. V. Om lapparnes mytiska poesi. :=: Über die mythische poesie der läppen. Nordan. Probeheft I, 1900. S. 27 — 30. Stockholm. Nach Fj eil ner; u. a. wird ein bisher ungedrucktes bruchstück von Fjellner's „aufzeichnungen", d. h. selbstverfertigten gedichten mitgeteilt (mit hochidealistischer, schwedischer Übersetzung). 7. Wiklund K. B. Om lapparnes satt att hälsa. = Über die art und weise der begrüssung bei den läppen. Meddelanden frän Nordiska Museet 1898, 1900. S. 39 — 48. Auch sep. 8. N[ordqvist] O. Muistelmia matkalta Suomen Lapista kesällä 1899. z=: Erinnerungen von einer reise in Finnisch-Lappland im sommer 1899. Suomen Kalastuslehti IX, 1900. S. 2 — 5, 19 —23, 33—41, 94—98. Bericht über eine reise in Finnisch-Lappland im j. 1899; die f ische- rei in den Aussen Tenojoki (Tanaelf), Neidenfluss (Näytämäjoki) und Pasviksfluss (Paatsjoki) sowie in Inari Lappmark wird besonders dar- gestellt (6 illustr.). Derselbe aufsatz schwed. in „Fiskeritidskrift för Fin- land-, IX, 1900, s. 2—6, 19—23, 33-41, 95—99. Sociale Verhältnisse, mission etc. 9. Norsk Finne-Mission 1899. Tolvte Aarsberetning meddelt af Be- styrelsen. ^ Norwegische lappenmission 1899. Zwölfter jahres- 3- Volkskunde. 123 bericht, vom vorstand mitgeteilt. Tromsü, J. Kjeldseths Bog- trykkeri. 1900. 8:0. 24 s. S. 10 — 21 die berichte der reiseprediger. lO. Beretning om Rotsundelvs lappiske Barnehjems Virk-somhed i Aaret 1899. (Fjortende Aarsberetning). =z Bericht über die thätig- keit der lappischen kinderheimat in Rotsundelv im jähr 1899 (14. Jahresbericht). Tromso, Tromsopostens Bogtrykkeri. 1900. 8:0. 47 s. S. 2 — 7: Lappenkinder [eine skizze]; s. 8—18: Einiges aus der lappischen kinderweit. 11.:=: Bericht des lappenvogts in Norrbottens län über die Ver- hältnisse der läppen im jähre 1899. Gellivarebladet nr. 9 — 10. 1900 ■'"'1— ^2- Luleä. 12. zz^ Bericht des lappenvogts in Westerbottens län über die Verhältnisse der läppen im jähre 1899. Skellefteä Nya Tidning nr. II — 13, 1900 5/2, S/^, 1^/2. Skellefteä. 13. l'acnpocxpaHeHie xpHcxiaHCTBa cpe^H pyccKHXt Jonapefi. (lIcTopHHecKÜl oiepHT..! :zz: Die Verbreitung des Christentums unter den russischen läppen. (Historische skizze). Apxanr. Enapx. Biji. 1900, nr. 2, 10, 12, 13. 14. M. \'. IIu pyccKoff Jaii.iaHAiiT. II:3't ;i,HeBHiiKa siiiccionepa. =: In Rus- sisch-Lappland. Aus dem tagebuch eines missionars. CiBepHaü lipatt 1900 3/3, nr. 58. S. 3—4. Reiseabenteuer eines russischen missionars in Russisch-Lappland (Kola). 15. Weis Anton. Die kulturverhältnisse Lappmarkens. Globus LXXVIl, 1900. S. 226 — 228. L^nter Zugrundelegung des artikels „Den andliga kulturen i Lapp- marken" von Martin Johansson (Kyrklig tidskrift 1899, s. 498 — 524). Archäologie. 16. Olsson Peter. Jämtland och Härjedalen under hednatiden. zr: Jämtland und Härjedalen in der heidenzeit. Jämtland o. Härje- dalen frän älsta tider tili vära dagar. En minneskrift utgifven af Joh. Lindström (Saxon). Östersund. 1900. 8:0. 39 s. Kr. i. Eine intressante übersieht über die vorgeschichtliche zeit dieser entlegenen schwedischen provinzen. Von den wenigen steinzeitlichen fun- den besteht die grössere hälfte (97 gerate von 177) aus gegenständen von arktischen, mit den finländischen übereinstimmenden typen, wie sie auch sonst in Norrland, im nördlichen Norwegen und hier und da im südlichen Skandinavien vorkommen. Die andre hälfte setzt sich aus Werkzeugen von südskandinavischen typen zusammen. Einige mit einer unauslösch- lichen roten färbe ausgeführte felsenzeichnvmgen (figuren von menschen, baren, elentieren, renntieren o. s. w. ) Averden den vorfahren der läppen oder einem mit ihnen verwandten volke zugeschrieben und mit ähnlichen Zeichnungen in Sibirien verorlichen. 124 I\'. INIordwiuen. V. Tscheremissen. IV. Mordwinen. 1. Allgemeines. 1. Paasonen H. Matkakertomus mordvalaisten maalta. = Reisebe- richt aus dem lande der mordwinen. JSFOu. XVII, 3. 13 s. Enthält 11. a. sprachliche und folkloristische nachrichten. 2. Volkskunde. [Vgl.I 11:, 12S-1B0, la^, 141, 14-.'.] 2. Paasonen H. Kertomus Seuran mordvalaisten stipendiaattien keräysmatkain tuloksista. I — II. = Bericht über die resultate der Sammlungsreisen der von der Gesellschaft ausgesandten mord- winischen Stipendiaten. JSFOu. XVIII, 4. 1900. S. i — 18. Enthält auch proben der mord. volkslitteratur (4 numrncrn), bes. jjebete (von diesen 2 in metrischer form). 3. Charuzdn N. „oHaMena" y Mupj,BH wb XVI n XVII eb. := Namens- zeichen bei den Mordvinen im XVI. und XVII Jahrhundert. lOon- .leilHHii cöopHnKb b-b Mecrt B. 0. Mn.i.Tepa, no;!^ pejaKii,iei1 H. A. ilmyKa. Il3BtcTifl Ihm. OumecTBa .iKioiiTe.ieft p]cTecTB., Auxpon. n. BxHorp. XCVII (TpyjlH 3THorpa(|imecK. OTjit.ia XIV. 1900). S. 62 — 72. Ausser 168 namenszeichen der mordwinen, welche der Verfasser, ein unlängst verstorbener tüchtiger ethnograph, aus alten Urkunden ge- sammelt und kulturhistorisch verwertet hat, bietet der aufsatz auch eine anzahl alter mordwinischer namen. 4. Heikel A. O. Käytännöllisiä lisälehtiä teokseen »Mordvalaisten pukuja ja kuoseja ». — Praktische Ergänzungsblätter zu dem Werke )Trachten und Muster der Mordvinen >. Nr. 31 — 45. Helsinki, Finn.-ugr. Ges. 1900. 4:0. Fm. 0,15 pro blatt. V. Tscheremissen. 1. Sprachkunde. I . Szilasi Möricz. Cseremisz szötär. V — VII. =: Tscheremissisches Wörterbuch. V — VII. NyK XXX, 1900. S. 37 — 73, 172 — 208, 270-346. Enthält die Wörter 0. ö — i (schluss). Der anfang des Wörterbuches, welches auf grund der bisher erschienenen tscheremissischen litteratur und der Wörtersammlung von Genetz ausgearbeitet ist, ist in b. XXIX der Zeitschrift ei-schienen. Die woiterklärungen worden auch deutsch mit- geteilt. — Die ganze arbeit erschien 1901 separat mit deiitschem register. VI. Permische Völker. 125 2. Volkskunde. [Vgl. 1 117, 118, Ul-l-l=i.] 2. Bjabinskij K. Ap,T,nHCKin iipiixoji, Ku3i,.Mo,i,c.MbJiHCKar(j yt;wi. (JIcTopii- HecKiH CB-i.xtüiii. Ksu^ecRin EtponaHiii n oGuHan MepeMiici. HeppMnccKoc Hace.ienie.) := Das kirchspiel Ardinsk im kreise Kozmodemjansk. (Historische nachrichten. Heidnischer glaube und heidn. ge- brauche der tscheremissen. Die tscheremissische bevölkerung.) IIsB. Oum. Apx., IIcT. II ;-)THorp. XVI, 1900. S. 176 - 212. Enthält auch nachrichten über die hochzeitsgebräuche der tschere- missen: aiisserdem einige tscher. lieder in russischer Übersetzung. 3. Moskov V. Tpyöa bi. HapoaHHxt BtpoBaHiaxt. = Das hörn (blas- instrumentj im Volksglauben. iKiiBaa CxapnHa X, 1900. S. 297 — 359. Mit 6 tafeln. U. a. wird das tscheremissische blashorn von holz (im kreise Ur- /nm gouv. "Wjatka 1 '/^ arschinen lang, paltemput; im kreise Carevokok- ^^ai.sk im goxiv. Kasan 2 ä 3 arschinen lang, putso, tafel IV B.) genannt, welches auch bei der Vertreibung der bösen geister angewandt wird (s. 345—346). Forts, folgt. 4. Solovjev E. lIpecTvn.ieHifl n HaKasania iiu iioHaxiaMt KpecraHb IIoBOJacfcfl. := Verbrechen und strafe nach der auft'assung der bauernschaft an der Wolga. CoopHiiKb Hapo;iHHx^ ropiijnMecKHXi. oöHMaeBb II. [siehe I 118]. S. 275 — 300. Berührt auch finnisch-ugrische Völkerschaften, besonders die tsche- remissen. Inhalt: I. (s. 275— 283): AUgem. bemerkimgen. II. (s. 283— 290): Verletzung des besitzerrechts. III. (s. 290—295): Verbrechen gegen die Sittlichkeit. IV. (s. 295— .300j: Hehlerschaft gegenüber flüchtlingen. Land- streicherei. Bettelei. 5. Cernavskij N. OpeHnyprcKafl enapxia bi> nponi.iojit ea h HacTOHmeMi.. Bbiiivi-Kb iitpBuii. (TpyjH OpeHu. y^en. apxnsH. KojniHccin. VII.) = Die orenburgische eparchie, früher und jetzt. Erste lieferung. (Publi- kationen der orenburgischen gelehrten archivkommission. VII. j Orenburg. 1900. 8:0. 346 -|- VI s. Rbl. 2,50. Enthält u. a. eine erörterung über die Ureinwohner der Orenburger eparchie sowie eine darstellung des Verhältnisses der nichtrussen (u. a. (tscheremissen und mordwinen) zu den russen und dem orthodoxen mis- sionswerk. VI. Permisclie Völker. A. Syrjänen. 1. Sprachkunde. I. Anderson N. Oui. &TnMiuorin Ha:3Banift IjiapjiiH, Ilep.vib, iiopMaKii n .obipflHe. := Zur etvmologie der benennungen Biarmija, Perm', permjaki und zyrjane. Tpy;iu X apx. cbtwa bt, Piirt 1896. III. 1900. Sitzungsber s. 125. 126 VI. Permische Völker. A. S3"rjänen. Xach der meinung Anderson's sind niss. IlepMb (älteres IlepeMH), iiepjiHHe finnischen Ursprungs (vgl. finn. perä Vlas hintere'), eig. = „die hinten wohnenden"; ebenso SHpHHimb (älteres CHpHHnHt, cepaHiiHfc, cypa- HHHT>) eig. = „die abgelegen wohnenden, die an der seite gelegenen"', (vgl. finn. syrjä "rand, seite"). Die syrjänen t3HpflHe, nepMHKiii wurden von den russen mit den namen der filiheren (karelischen, d. h. finnischen) bewohner Bjarmaland's benannt. Zur zeit Otliars wohnten die syrjänen im Westen (A^gl. Moskva = Mosk-va < syi-j. ''^mösk + va „kuh-wasser") und gelangten nicht viel früher als die russen zu ihren jetzigen nörd- lichen Wohnsitzen, wo die letzterwähnten noch ugrische flussnamen fan- den. Syrj. komi-mort 'syijäne", komi-voityr 'syrjänen' sei vielleicht nur eine Übersetzung jeuer namen (,vgl. syrj. kom "der hintere winkel im zimmer). 2. Volkskunde. [Vgl. I 143, 148.] 2. [Sestakov lakov]. Kl iicxopin IlepMCKaro Kpaa. IL := Zur geschichte des permischen landes. IL Hsb. Oöni,. Apx., Her. ii Hin. XVI, 1900. S. 81—83. Auszüge aus einem artikel, den der geistliche .Sestakov im j. 1898 in IlepMCK. YyC). Btj.ii.MOcin unter dem titel „HacymHHfl hj'Hvjh nHBeHCKHXb HHopoÄUCB't-nepMHKOB'L Co-iHKaMCKaro v'taj.a. Ilnctiia nsb saoHxaro Kpaa." (^ Die dringenden bedürfnisse der am Inva-flusse im kreise Solikamsk wohnenden permjaken. Briefe aus einem vergessenen lande ) veröffent- lichte. — Die ökonomischen Verhältnisse unter den solikamskischen syrjänen schlecht. Die bevölkerung sehr iingebildet und abergläubisch. 3. Aborigen-'Vycegodskij. ycTtcHco.iLCKL. ^ fst'sj-solsk. B(i.Tnrn3,cKia Lyo. BtsoMOCTii 1900 i*^/.^, nr. 46. S. i. Bericht über eine winterreise von L^stsysolsk nach Cerdyi'i. Be- gegnung mit syrjänen. 4. Varpachovskij N. Phöhhü iipoMbice.Ti) bl cpejueMt Tewnin ptKii IleiopH. C-b 20 pucvHKaMK n Kapxüti. ^ Der tischfang am mittleren lauf der Petschora. Mit 20 abbildungen und einer karte. St. Peters- burg, Minist, des ackerbaus und der Staatsdomänen. 1900. 8:0. 55 s. RbL 0,35. Enthält einen bericht über eine im j. 1897 unternommene reise mit dem zweck aus ökonomischem gesichtspunkt den fischfang an der Pet- schora und die möglichkeiten der eröifnung eines handelswegs von der Kama zru' Petschora zu untersuchen. Die arbeit hat auch als quellsclirift für die ethnographische forschung über den fischfang einige bedeutung. 5. Z. HapoÄHoe oßpasoBaHie bi. ycTb-cHco.ibCKOMX. yt33,t no seiicKnüt san- HHMt. =: Volksbildung im kreise -Ustsysolsk auf grund der kommunalnachrichten. CtBcpHufi Kpafi 1900 ^ '-, nr. 176. S. 2. Betont u. a. die notwendigkeit von vorbereitungsklassen in schulen, wo sich syrjänische kinder befinden. 6. [Bestimmungen über russisch-syrjänische schulen]. BcuorojcKiH T\6. BtjioMOCTn 1900 ^/g, nr. 145. S. i. Enthält unter der rubrik ..MtcTHHH n ropojiCKiH n.3BfecTiH" eine mit- teilung der bilulerschaft von Jarensk. nach der die gehälter füi" die leh- rer der kirchschulen (russisch und syTJänisch) geregelt sein sollen. Leh- rer aus der betr. 2,egend sollen bevorzugt werden. VI. Penn. Völker. B. Wotjaken. VII. Ob-ugrische völker. 127 B. Wotjaken. Volkskunde. [Vgl. I 117, 141-1.50.] 7. Kudrjavcev V. F. CxapnHa, naMflinnKn. npe;iaHia 11 .iereH;iH ripiiKaii- cKaro Kpaa. (O'iepK'BV Tlpojio.iÄeHie. XXVIII — XXXII. =z Das alter- tum, die denkmäler, die traditionen und die legenden des Kama- landes. (Skizze.) Fortsetzung. XXVIII — XXXII. OaiihTHaH nHnaiKa BflTCKOH ryöepnin XXII [siehe I 143]. S. 221 — 272. Der anfaug des artikels kommt in DaMaTHaa KHnaiKa etc. Ha 1899 roji. vor. Kap. XXXII enthält historisches, ethnographisches, mytholo- gisches u. a. über die wotjaken (nichts neues). 8. Pa3HHH pasHOCTH (BipoBania BOTaKOBt). zr: Miszellen. (Aus dem wotjakischen Volksglauben). Bo.iorojrcK. Fyo. Bt^- 1900, nr. 223. 9- Micheev I. IIsi pe-inriosHoft amsnn KasaHCKnxi BOTÄKOBi. = Aus dem religiösen leben der kasanschen wotjaken. IIsBicxia no KasancKOH enapxin. 1900. S. i — 10. Einige nachrichten über kilfsii'i, peri, mudor und mudor hnala : ein wotj. gebet russisch; berichte über einige opfer, bes. über d'iu-kiirbou. 10. Sozin Vas. IIsi snsHn botakobi.. ^ Vom leben der wotjaken. BflTCKaH ra.3eTa. 1900 ^/^, nr. 9. Kurze mitteilung über das leben und treiben der wotjaken von Uvar- vaj (180 werst von Malmyz) von einem augenzeugen. VII. Ob-ugrische Völker. A. Allgemeines. Volkskunde. 1. Stenberg A. IlHopojmH ctBepo-sanajlHoii Cnonpn h pojit BeHrepcKExt n i|inHCKnxt> vieHbixi bi jt.it nxt nayieeia. =: Die fremdvölker Nord- westsibiriens und der anteil der ungarischen und finnischen ge- lehrten an ihrer erforschung. CnonpcKiii .T^CTOK^ 1900 ^/jq, nr. 77. S. I — 2. Tobolsk. Kurze notizen über die reisen von Castren, Ahlqvist, Sirelius, Karjalainen. Reguly, Hunfalvj-, Munkacsi, K. und J. Päpai zu den wogu- len und ostjaken und die ergebnisse dieser reisen. Sociale Verhältnisse. 2. Ilepece.ieHie n cnonpcKie nHopnji,nH. z= Die besiedlung und die sibirischen fremdvölker. CnunpcKaa JKnsHb 1900 20^4, nr. 84. S. I — 2. Vorschläge für die sesshaftmachuug der sibirischen nomadenhaf- ten Völker (auch der ostj., wog.). 128 VII. Ob-ugrische Völker. A. AUgem. B. Woguleu. 3. li'b npejn'uaraejioft peiliopMt vnpaB.ieHia n cyja y nHopajueBT,. = Zu der in aussieht genommenen reform der Verwaltung und gericht- barkeit der fremvölker. CnonpcKaa /Kh3hs 1900 ^'/j nr. 7. S. 3. Verf. betont die Wichtigkeit der durchführung der bei der gouver- nementsverwaltung von Tomsk eingebrachten vorschlage. B. Wogulen. 1. Sprachkunde. [Vgl. VII 5.] 4. Munkäcsi Bernhard. -Baum . als Benennung des Sarges. KSz. I, 1900. S. 160. Wog. jiv 'bäum, sarg'; ostj. xaia-jux 'sarg' (xala 'tot', jux 'baum'j. 2. Volkskunde. 5. Gluskov I. N. MepiuHCKie Burv-iu. yTHorpai|iinecKift oiepKi. rrr Die cerdynischen wogulen. Ethnographische skizze. "^THo^p. Ooosp. XLV. 1900. S. 15 — 78. Inhalt: I. (s. 15 — •22): Zur geographie des kreises Cerdyn (goviv. Perm). Die erwerbszweigo (fischfang ii. jagd) der bevölkerung am fluss Viäera. ^ II. (s. 22 — 25) : Über die älteren Wohnsitze der wogulen im kreise C. und überhaupt im gouv. Perm. III. (s. 25—28): Wogulische geschlechter. Wogiüische beneunungen für andere Völkerschaften. Orts- namen. IV. (s. 28—33): Das Verhältnis der Ijapinskischen ostjaken zu den wogulen. Die Losva-wogulen, zu denen auch die cerdynischen gehören, sind unter allen wogulen die am wenigsten denationalisierten. Das äussere und der Charakter der wogulen. V. (s. 33— 38): Wirtschafts- geräte. Die tättowierung. Handzeichen (mehrere abbild.). Farbennamen. Gesang und musik. Zeitbestimmungen. VI. (s. 88— 41): Die kleidertracht. Vn. (s. 41—42): Die nahruug. Vm. (s. 42—45): Die gebäude. IX. (s. 45 — 49): Die i-enntierzucht. X. (s. 49 — 52): Fischfang und jagd. XI. (s. 52 — 64 1: Wörterverzeichnisse. XII. (s. 64 — 74): Die bekehrung zum Christentum. Die heidnische religiou. Abschluss (s. 74 — 78): Die „tschu- den''. Das Verhältnis der wogulen zu den samojeden. Die älteren Wohn- sitze der samojeden. — (Die kapital von "VI. an unrichtig numeriert.) 6. Munkäcsi Bemät. A vogul nep ösi hitviläga TV — VII. ^ Die alte glaubensweit des wogulischen volkes. ^\K XXX, 1900. S. I — 36, 129 — 171, 241—269, 353-406. Der anfang der abhandlung ist im band XXIX. (129 — 165. 249— 297. 361 — 396) erschienen und enthält hauptsächlich einen bericht der bisherigen forschungen über die wog. mythologie: hier behandelt der verf. „seelenglauben und todtenkultus^, „gotzen und geister". „die haupt- gestalten des wog. mythus''. 7. Munkäcsi Bernhard. Der Kaukasus und Ural als »Gürtel der Erdec KSz. I, 1900. S. 236 — 240. «Die tiirkischen Wörterbücher bemerken gewöhnlich bei dem Worte käf, welches arabisch und türkisch den Kaukasus bezeichnet, dass die- ses Gebirge nach der Volksauffassung die ganze Erde umschliesse'". Eine C. Ostjaken. 129 ähnliche aufiassung haben die vigi'isclien Völker vom Ural-gebirge : nach der wogulischen (auch den ostjaken bekannten) sage ist Ural „der Gürtel des himmlischen Vaters und die schneebedeckten Gipfel sind die silbernen Knüpfe dieses Gürtels. Der Gürtelberg zieht sich um die ganze Erde und dient zu ihrer Befestigung, indem sie sonst, wie zur zeit der Schöpfung sich fortwährend drehen A^-ürde." Der verf. fi-agt: ,,Ist dies in seinen wesentlichen Zügen ein allgemeiner Völkergedanke, welcher Bergketten be- treifend auch anderswo nachweisbar ist: oder können wir darin eine spezifische kaukasisch-uralische Sage erblicken, bei welcher die Über- einstimmung mit den kaukasischen Elementen der norduralischen Spra- chen in Zusammenhang gebracht werden kann?" C. Ostjaken. 1. Sprachkunde. • [Vgl. VII 4.] 8. Patkanov Szerafim. Irtisi-osztjäk szöjegyzek. = Irtysch-ostjaki- sches Wörterverzeichnis. NyK XXX, 1900. S. 407 — 457. Enthält die Wörter a — J. Die Wörter werden mit ungarischen und deutschen erklärungen mitgeteilt; die ersteren stammen von B. Mun- käcsi. « 2. Volkskunde. [Vgl. I 118, 119, 127, 129, 131, 133.J 9. Patkanov S. Die Irtysch-Ostjaken und ihre Volkspoesie. IL Teil. Ostjakische Texte mit deutscher und russischer Übersetzung nebst Erläuterungen. Mit einer phototypischen Tafel, einer Tafel in Farbendruck und einer Karte. St. Petersburg, Ak. d. Wiss. 1900. Gr. 8:0. VIII ■+ XII -|- 025 -j- 302 + 113 s. Rbl. 3,80 := Rm. 9,50. Der erste teil, „Ethnographisch-statistische Übersicht", erschien im j. 1897. 10. Karjalainen K. F. Ostjakkeja oppimassa. Matkakirjeitä. I — III. ^ Studien unter der forschungsreise bei den ostjaken. Reise- briefe. I— III. JSFOu. XVII, I. 1900. 74 s. Enthält nachrichten ethnographisch-folkloristisch-mythologischen In- halts, sowie auch über die socialen Verhältnisse (mit 10 abbildungen, von denen 6 über die opferfeste der ostjaken). — Inhalt: I. Die ost- jaken an der Demjanka. II. An den opferfeuern der ostjaken. III. Bei den Konda-ostjaken. 11. Karjalainen K. F. Ostjakkeja oppimassa. Matkakirjeitä. IV. = Studien unter der forschungsreise bei den ostjaken. Reise- briefe. IV. JSFOu. XVIII, I. 1900. 29 s. Inhalt: IV. Von der Irtysch nach dem Ob. Mit 2 abbildungen. 12. Sirelius U. T. Ostjakkilaiselta matkaltani v. 1898. :::= Von meiner ostjakischen reise im jähre 1898. JSFOu. XVII, 2. 1900. 29 s. Bericht der ethnographischen forschungsreise des verf. bei den ostja- ken an der Vasjugan und Vach; beschreibung der ethnographischen und 130 VII. Ob-ugrische völker. VIII. Ungarn. socialen Verhältnisse derselben in allgemeinen zügen; anch nachrichten über den gottesdienst der ostjaken. 13. Sirelius U. T. Kertomus ostjakkien ja vogulien luo tekemäs- täni kansatieteellisestä tutkimu-smatkasta v. 1899 — 1900. = Be- richt über meine ethnographische forschungsreise zu den ostjaken und woguleh 1899 — 1900. JSFOu. XVIII, 2. 1900. 10 s. Kurzer bericht des allgemeinen ganges der reise. 14. Voronov A. G. lOpHAHHecKie oÖHian OcTflKOBi> 3ana;iHori CnonpH n CaMoluoBt TüMCKOH ryoepniH. :=z Juridische gebrauche der west- sibirischen ostjaken und der samojeden im gouv. Tomsk. Cöop- HHK'fc HapojiHHX'b iopH3,niecKHXi oöuiaeBb IL [siehe I 118]. S. 1—50. Inhalt: I. (s. 427): Geschlecht, familie und erbschaft. II. (s. 27—29): Grundbesitz. III. (s. 29 — 37): Verträge vmd Verpflichtungen. .IV. (s. 37 — 44) : Verbrechen. V. (44 — 50) : Gerichtsverfalu-en. 15. G. J. PuoHHÜ iipoMHce.ii uo ptKaiit 06h n HasH.My. = Der tische- reibetrieb an den Aussen Ob und Nadvm. Cnonpciuia iKntHb 1900 •■^Vs, nr. 67. S. 2. Mitteilungen über die fischerei an den genannten Aussen. Erwähnt wird besonders, dass hier neben den russen auch samojeden und ostjaien fischen. Sociale Verhältnisse. 16. L. S. BKOHCjinHecKoe ncuoKeHie ociaKOBi. ^ Die ökonomische läge der ostjaken. CnonpcKaH '/IinsHt 1900 " n, nr. 244. S. 2. Unter der rubrik XpoimKa Cnonpn. Beklagt die niedrige stufe der ökonomischen läge der ostjaken. 17. Nosilov K. lilKO.ia y ocTAKiiBt. ::= Eine schule unter den ost- jaken. PojHHKT. [ill. zeitschr. für kinder] 1900, nr. 7. S. 87 — 90. X. hat im "winter 1898 die ostjaken von Kondinskoe besucht, imd erzählt, dass eine anzahl ostj. kinder im kloster bei einer nonne Nina Unterricht in ostj. spräche genossen. 18. N. OcTHii,Ka,a niKo.ia. ;=r Eine ostjakische schule. BfliCKiiH Fasexa 1900 '^^'q, nr. 38. S. 4-5. Auszug aus dem artikel Nosilovs (siehe vorig, nr.). VIII. Ungarn. 1. Zeitschriften und Sammelwerke. Magyar Nyelvör. Meginditotta Szarvas Gabor. A Magyar Tudomänyos Akademia nyelvtudomänyi bizottsäga megbizäsäböl szerkeszti es kiadja Si monyi Zsigmond. = Der ungarische sprach- wart. Gegr. von G. Szarvas. Im auftrage des sprachwissen- schaftlichen ausschusses der Ungar. Akademie der Wissenschaften I. Zeitschr. und Sammelwerke. 2. Bibliographie. 131 red. und herausg. von S. Simonyi. XXIX. Budapest, eigentum der UAW. 1900. 8:0. IV -(- 600 s. Kr. 10. Entliält ausser den längeren aufsätzen viele kleinere bei tränke unter den rubriken „nyelvmiiveles" (= spraclibehandlung), „magyaräzatok, hely- reigazitäsok" (= erklärnngen, berichtigungen, luiter dieser rubrik noch: erklärung von redonsarten, dialektworte etc.), „nepnyelvhag5'omänyok'' (= Überlieferungen aus der Volkssprache), „egyveleg" (= vermischtes), „kerdesek es feleletek" (= fragen und antAvorten), „välaszok a szerkesz- töseg kerdeseire" (= antworten auf die fragen der redaktion). Auch die meisten kleineren beitrage werden in unserer bibl. besonders verzeich- net, mit ausnähme derjenigen, die einen rein praktischen zweck haben. 2. Irodalomtörteneti közlemeny ek. Szerkeszti Szilädy Ären. r=: Litteraturhistorische mitteilungen, red. von A. Sziläd}-. X. Budapest, UAW. 1900. 8:0. XVI + 496 s. Kr. 10. 3. Mag3-ar Könyvszemle. A Magyar Nemzeti Müzeum könyv- täränak közlönye. Szerk. Schönherr Gyula. = Ungarische bücherrevue. Organ der bibliothek des Ungarischen Nationalmu- seums. Herausg. von Gy. Schönherr. N. f. VIII. Budapest. Ung. Nat.-Mus. 1900. 8:0. V -|- 484 -{- 54 s. -[- 4 beil. Kr. 6, im buchhandel 8. Yierteljahrsschrift für bibliographie. 2, Bibliographie. 4. Kovats Läszlö. A Magyar bibliographiai irodalom a 1900-ik ev elsö feieben. =: Die bibliographische litteratur in Ungarn in der ersten hälfte d. Jahres 1900. MKsz. VIII, 1900. S. 327—329. Bibliographie der in Ungarn erschienenen bibliographischen lit- teratur. 5. Kovats Läszlö. A magyar bibliographiai irodalom repertoriuma (1900. Julius— szeptember). z^ Repertorium der bibliographischen litteratur in Ungarn jul. — sept. 1900. MKsz. \nil, 1900. S. 419—422. Fortsetzung der nr. 4 6. A hazai hirlapirodalom 1899-ben. =: Periodische litteratur in Ungarn 1899. MKsz. VIII, 1900. Beilage s. i — 54. I. ,.A magyar hiidapirodalom" (= Zeitungslitteratur in ung. spräche), s. 1 — 25, von J. Szinnyei sen. ill. „Folyöiratok" (= Zeitschriften), s. 36 — 53, von L. Kovats. 7. HeUebrant Arpäd. Repertorium. Irod. Közl. X, 1900. S. 124—128, 154—256, 382—383, 494—496. Bibliographie der a^^fsätze in der ungar. period. litteratur, welche die littcratturgeschichte behandeln. 8. Apponyi Sändor. Hungarica. Magyar vonatkozäsü külföldi nyomtatvänyok. Gyüjtötte 6s leirta — — . I. kötet. XV. es XVI. szäzad. = Ausländische druckschriften, die sich auf Ungarn 132 VIII. Ungarn. beziehen. Gesammelt u. beschrieben von — — . I b. XV. u. XVI. jahrh. Budapest, druck der FrankHn-Ges. ißoo. 8:0. V -\- 478 s. 3. Sprachkunde. Grammatik. [Vgl. I 69, 70, 72.] 9. Sz[üinyei] J. A vel rag eredete. = Ursprung der endung vel. XyK XXX, 1900. S. 230. Das Stammwort des uug. -vel ist mit dem fi. väki 'kraft" etc., mord. vi u. s. w. zusammenzustellen: das -1 ist ein suffix für komit.-instr. (eventuell mit dem ablativisclien -1 identisch). 10. Denes Miklös. A Winkler-kodeksz hangtana es alaktana. zrr Laut- und formenlehre des Winkler-codex. Budapest. 1900. 8:0 56 s. 11. Varga Ignäc. A vepvideki n\-elvjaräs hangtana. = Lautlehre des dialekts der umgegend von Weppendorf [komit. Eisen- burg. =r: Vas]. Nyr XXIX, 1900. S. 171 — 178. Lautbildung. Qualitativer Wechsel. Quantitativer Wechsel. 12. Jenö Sändor. Az ermelleki nyelvjäräs. = Der dialekt der Er-gegend. Nj-r XXIX, 1900. S. 209 — 213, 252 — 255, 333 — 336, 476 — 478, 531 — 533- Einleitung, laut- und formenlehre, syntaktisches, Wortschatz, rede- wendungen, gereirrite Sprüche, glückwunsch zum namenstag. familien-, spott-, tiernamen, geographische uamen. 13. HoIIosy Kälmän. Az 6, ö, e hangokat helyettesitö magän- hangzök mai nyelvjäräsainkban. ^= Die die laute 6, ö, e ver- tretenden vokale in unseren heutigen dialekten. Felsölövöi äg. tanint. ertes. 1900. S. 3 — 16. 14. Joannovics Györg}-. Aki, ami, aminö stb. Nyr XXIX, 1900. S. 79-80. tJber die betonung der Wörter: a"ki u. aki* u. s. w. 15. Zolnai Gyula. Juss. Ejj. Nyr XXIX, 1900. S. 81 — 82. Die auslautsverlängerung in juss (lat. iusi, ejj (neben ej) 'nacht" aus rückwirkung von formeii wie jussa (mit dem suffix der 3. persou), ejjel ('in der nacht") zu erklären. 16. Hacker Kälmän. A szökepzes es szöösszetetel Faludinäl. Nyelveszeti ertekezes. z=i Die wortableitung und -Zusammensetzung bei Faludi. Sprachwissenschaftliche Untersuchung. Budapest. [Ohne Jahreszahl, 1900?] 8:0. 93 s. 17- Szilasi Möricz. Különös kepzesek s ragozäsok. = Ungewöhn- liche ableitungen und beugungen. EPhilK. XXIV, 1900. S. 162 — 163. Eine anzahl beispiele (uomina, verba und pleonastische formen) aus der älteren litteratur iind der Volkssprache. 3- Sprachkunde. 133 18. Stmonyi Zsigmond. Elvonäs. =: »Abstraktion». Nyr XXXIX, 1900. S. 481 — 491. Behandelt büdungen, die man „abstraktionsbildungen", bezw. ..sub- traktionsbildungen" nennen kann (z. b. gyök < gyöker); enth. : einleitung; I. abstraktion ans einer zvisammensetzung: II. abstraktion des Stammes aus einer suffigierten form. (Forts, folgt/. 19. Simonyi Zsigmond. Falusi es tärsai. := Das wort falusi u. ä. Nyr XXIX, 1900. S. 422. Früher falus (z. b. in falus-bi'rdi. Ähnlich andre beispiele. S. 519—520 teilt K. Heves beispiele für falusi, falus aus lebenden dialek- ten mit. 20. Renjri Ignäc. Kombinält szavak. z= Kombinierte Wörter. Nyr XXIX, 1900. S. 276. Einige beispiele aus der Volkssprache von Hajdu-Szovät (komit. Hajdu) und Jokai's werken. 2 1 . Kallös Zsigmond. A tagadäs nyelvünkben. =zz Die negation in unserer spräche. Nyr XXIX, 1900. S. 289 — 299, 337 — 346, 395—403, 438—447, 551—556. Auch sep. Die negationspartikeln des ung., sprachgeschichtliches s. 337 ff. („die form der ung. Verneinungswörter" mit ausblicken auch auf andre fiugr. sprachen). Accent in verneinten sätzen. Wortstellung bei nega- tion u. m. 22. Joannovics György. Tagadäs, ketkedes, tiltäs, stb. = Vernei- nung, zweifei, verbot u. a. Nyr XXIX, 1900. S. 404 — 407, 491 - 494. Vorläufig 2 kapitel, in denen über die Verwendung der partikeln nem (pleonastisch), bezw. ne (wirklich negierend) in von einem rei'bum des verneinens oder einem verbum mit verneinendem, zweifelndem etc. sinn abhängigen nebensätzen abgehandelt wird. 23. Varga Käroly. A szäm szerinti egyeztetes Aran}- Jänosnäl. :zr Kongruenz im numerus bei J. Arany. Nyr XXIX, 1900. S. 299—305, 356 — 361, 407—412. Eingehende Untersuchung über die numeruskongruenz in den wer- ken des ung. dichters J. Arany. 24. Molecz Bela. A Magj'ar szörend törteneti fejlödese. A M. T. Akademiätöl Marczibänyi-dijjal jutalmazott pälyamunka. = Die geschichtliche entwicklung der ungarischen Wortfolge. Von der Ung. Ak. der Wiss. mit der Marczibänyi-prämie gekrönte preisschrift. Budapest, verf. 1900. 8:0. 194 s. Kr. 4. 25. Matolcsy Läszlö. A magyar szörend elmeletenek törtenete. = Geschichte der theorie der ungarischen Wortfolge. Kolozsvär, druck V. Gämän. 1900. 8:0. loi s. 26. Kiraly Päl. A magj'ar nevragok csoportjai. = Die gruppen der ung. nominalsuffixe. EPhilK XXIV, 1900. S. iio — 113. Einteilung in subjektsuffixe (besitzkasus -e, persönl. possessivsuf- fixe -em. -ed u. s. w.), ergänzungssuffixe (-nak, -t) und bestimmungs- suffixe (ort, zeit, art und weise, grund). Kurze tabellarische Übersicht. l^A \'III. Ungarn. 27. Molnar Jänos. A -va -ve kepzö termeszete. :^ Die natur der ableitungssilbe -va, -ve. N3T XXIX, 1900. S. 313 — 317. tJber die bedetituug der vmg. deverbalbildung auf -va. -ve. 28. Kardos Albert. Hänyadän is vagj'unk a hatärozökkal? z=: Wie weit sind wir mit den Verhältniswörtern? N5T XXIX, 1900. S. 245 — 252, 306—313. Verf. wendet sich besonders- gegen die neuen gruppierungen der ung. verhältuisbestimmungen in den grammatiken J. S z i n n y e i" s (Iskolai magyar nyelvtan und Rendszeres magyar nyelvtan) und I. Gulyäs' Mödszeres magy. nyelvt. und Rendsz. magy. nyelvt. ) — Eine entgegnung Szinnj'ei"? findet sich s. 330— 331. Hierauf wieder Kardos s. 422 — 423. "Wortkiinde (etymologic). [Vgl. VI 11 0, 91.] 29. Munkacsi Bernät. Men3-et mint a menyasszony jelkepe. =1 Das wiesei als symbol der braut. Ethn. XI, 1900. S. 45 — 47. Verf. macht darauf aufmerksam, dass in ruthenischen hochzeitsge- bräuchen (nach Ethn. VI 432) das wiesei als Sinnbild der braut vor- kommt (der beistand des bräutigams sagt, dass sie nach einem Aviesel ge- kommen . Das ung wort menyet Viesel" hatte Budenz mit ung. meny 'nurus', meny-asszony 'braut" zusammengestellt, darauf hinweisend, dass avich in anderen sprachen ein wort, welches 'braut" bezeichnet, als be- nennung dieses tieres dient (asl. nevestTbka "nova nupta' und "mustela", ngr. vviicpiv'Qa, ital. donnola, span. comadreja) : verf. stellt dazu ung. hölgy "liermelin" (= wog. ■■^öl'H 'hermelin', [vgl. Budenz, NyK XX 1491) und in der alt. spräche 'nupta, amasia, sponsa', in der jetz. spr. "vornehme dame", und fühi't ein citat aus einem wog. heldengesange au, wo über die braut des beiden erzählt wird, dass sie sich in einen marder verwan- delt hätte. 30. Sz[innyei] J. Harn. NyK XXX, 1900. S. 171. Verteidigt mit neuen daten — gegen die ansieht Munkäcsi's — die Zusammenstellung von ung. häm "schale, Oberhaut' mit Ip. guolmas "membrana interior corticis abiegnae et pineae" etc. 31. Semayer Vilibäld, Fuchs Käroly u. Melich Jänos. A häz a magyar nyelvben. = Das haus in der ung. spräche. NeprE I, 1900. S. 59 — 62, 78 — 80. Semayer teilt eine Übersetzung eines aufsatzes mit dem obigen titel von K. Fuchs in Mitteil, der Wiener Ges. für Anthropologie (1899, n. lieft) mit und wendet sich mit einem aufruf an die ungar. sprach- forsclier, indem er sagt, es sei ihre piiicht, die absurdität der in dem betr. aufsatz erscheinenden sprachwissenschaftlerei zu enthüllen. Xach einer kurzen antwort von Fuchs, beurteilt Melich die etymologien von Fuchs, welche sich überhaupt als falsch erweisen. 32. Takäts Sändor. Hajdu. XyK XXX, 1900. S. 348 — 350. Ung. hajdu "haiduck' < hajto "viehtreiber" ("ochsentreiber"). Ein auszug aus diesem aufsatz wird in Vasärnapi Ujsäg XLVII, 1900, 680 unter dem titel ,,A hajdu nev eredete" mitgeteilt. 33. Nagyszigethi [=z Szily] Kälmän. XyK XXX, 1900. S. 457. Bei Kres/.neriis : elkeletkezik (mit 1) = elkövetkezik "abit". i 3- Sprachkunde. 135 34. Simonyi Zsigmond. Hinar : csinar? Nyr XXIX, 1900. S. 270—271. Znsammenstellnn, szeg id. — Der red. bemerkt, dass szeg. szög in den Ortsnamen nicht < zug; zug der alten dokumente szög zu lesen. 37. Szilasi Möricz. Szömagj-aräzatok. I. ^= Worterklärungen. I. NyK XXX. 1900. S. 484—487. Uns. i'rmag spross" ist eine „erläuternde zasammensetzung" : ir- (türk. Ursprungs) = "same, familie" 4- mag "same". — Ung. fer-fi, ferj ist eine zusamraensetzung, wie das tscher. pörgö < pü = ung. fi "filius" + ergä "filiii>. puer": der letzte teil des compositums soll tat. Ursprungs sein. 3S. Gombocz Zoltän. Szömagyaräzatok. II. = Worterklärungen. IL NyK XXX, 1900. S. 487—488. Enthält einige beitrage zu den türk. lehnwörtern im ung. (bakcsö csar, csardak, kar. koslat). 39. Gombocz Zoltän. Adalekok a magyar nyelv török elemeihez. :=r Beiträge zu den türkischen elementen der ungarischen spräche. Nyr XXIX, 1900. S. 53—56. Ung. aszö "thal, niederung" < kirg. asü 'bergpass" etc. : ung. boglya 'acervus. cumulus foeni" < kas. tat. bogol: gyalü, 'hobel". gyalulni hobeln'. < türk. y *jara. — Eine bemerkuug zu boglya Xyr 134 von A. Kar dos; das wort wird hier mit boglyas „struppig" zusammengestellt. 40. Munkacsi Bernhard. Gemeinsames Wort für »Käse» im Os- setischen, Tschuwaschischen und Ungarischen. KSz. I, 1900. s. 336. Mit osset. cyxt 'käse", tschuw. cygyt "käse' ..kann ganz gut ung. sajt 'käse" als lehngut verglichen werden." 41. Melich Jänos. Taban. Nyr XXIX, 1900. S. 423 — 424. Tabän ("innere Stadt, Stadtteil der Soldaten; äussere Stadt') < türk. taban sohle'. Belege zu demselben worte von A. Laukö s. 473, Steph. Tömörkeny s. 519, J. Klein u. S. Komjäthy s. 576. 42. Asböth Oszkär. Szavaty, zavagy, zuvat. Nyr XXIX, 1900. S. 65—72. Bemerkungen zu einem aufsatz von Melich (Nyr XXVII 289 — 295), wo die obengenannten Wörter (deren juristische bedeutung mit der- jenigen des deutschen „anefang", lat „intertiatio" übereinstimmt = be- weisführung der Schuldlosigkeit durch bezeichnung des wirklichen thä- ters) aus dem slav. (= abulg. siv^dt^ czecli.-russ. svod) hei-geleitet wur- den. Verf., der im allgemeinen die beweisführung Melich"s billigt, be- merkt u. a., dass das entsprechende wort in derselben juristischen bedeu- tung auch in polnischen und kroatisch-serbischen quellen vorkommt (nicht nur im czech. u. russ., wie von Melich angegeben wurde). Das anl. z im un -ü in einsilbern dem dialekt von Göcsej (Salader komit.) und (Jrseg (Eisen- burger komit.) eigentümlich. Vergl. hierzu folg. nr. 51. Asböth Oszkär. Bürü. Nyr XXIX, 1900. S. 560 — 566. (regen Melich"s artikel (=; vorig, nr.). Abulg. *br'BvB > ung. *bröv *böröv > heutiges (u. bei Comenius) börü (über *böröu *börö *börä börü) und durch assimilation > bürü. 52. Melich Jänos. Szläv jövevenyszavak. = Slavische fremdwör- ter. Nyr XXIX, 1900. S. 271 — 272. csarna (Oberungarn 1475, 158.3) < ostslovak. carny, fem. earna 'schwarz"; — zerna (Comenius 1643, 167!^) "reh" < czech.-slovak. srna, ung. zer- < czech.-slovak. sr + konson.; — bocko, bocog (MTsz) "storch' < klruss. buska, busok, busko, buzok. 53. Havas Istvän. Bujnyik. Nyr XXIX, 1900. S. 82 — 83. 3- Sprachkunde. i^y Vnfx. (Bakoiiy bujnyik < slovak. zbojnyik. Der herausg. weist zu- gleich auf ung. bajnok < südslav. bojnik liin. 54. Äsböth Oszkär. A szekely csinälmany, = Das seklerwort csinalmany. Nyr XXIX, 1900. S. 6 — 10. Nach dorn verf. ist das seklerwort csinälmany Zauberei" (ableitung von csinäl "machen") eine nachbildung des rum. facäturä "zauberei" und steht in keinem direkten Zusammenhang mit dem kroat.-serb. opciniti "bezaubern'. 55. Munkacsi Bernät. >Huszär;> szavunk eredete. = Der Ursprung unseres Avortes »huszär». Ethn. XI, 1900. S. 47 — 48. Verf. bestreitet die etymologie von Vämbery (huszär < türk. khazar. ?khuzar), welche M. Prikkel verteidigt hatte, führt ein citat aus St rah lenb erg's „Das Nord- u. Ostl. Theil von Europa u. Asia" (s. 195) an und kommt zu dem ergebnis, dass Mikl o sich recht hat, wenn er sagt: „Das wort hängt weder mit dem germ. hansa noch mit chaza- ren z\isammen : es ist griech. •^ovgaÜQi];. türk. kursan, ital. corsare." 56. Schuchardt H. Haläszati mnszök. = Kunstausdrücke der fischerei. Nyr XXIX, 1900. S. 56 — 65, iii - 115. Übersetzung aus einer abhandlung des verf:s: Romanische etymo- logieen II. (Sitzungsberichte der Kais. Akademie d. Wiss., Philos.-hist. Cl. CXLI. III, 1899, 141—158 u. 213— 215~i. Den mittelpunkt der Unter- suchung bildet das nng. wort turbokol "das wasser aufrühren wegen fischerei', welches der verf. mit einem rom. *turbicare, *turbiculare vergleicht. Beiläufig wird avich fi. tarpoa, Ip. duorbbot ('mit der störstange fische ins netz jagen") erwähnt. Alle möglichkeiten werden besprochen. Auch über andere ung. fischereiausdrücke. 57. Siraonyi Zsigmond. A doge a mag}'ar nyelvben. = „Doge" im ungarischen. Nyr XXIX, 1900. S. 49—53. Das ung. düs "reich, üppig' (in der älteren spräche dwz, duz. duzs d: düzs "locuples, opulentus, dives, — patricius, Senator" : auch dwzs 'do- se", dus "consul") < ital. venet. doge (in älterer venet. schrift dux 0: duz). — H. Schuchardt macht s. 134 die bemerkung, dass die lesung dux: duz nicht gutzuheissen sei, das ung. zs (o: z) wäre vielmehr aus dem neueren venet. z, welches ein laut zwischen z und z ist. zu erklären. 58. Siraonyi Zsigmond. Egy közepkori jogi müszö. = Ein mit- telalterliches juristisches kunstwort. EPhilK XXIV, 1900. S. 159 — 161. Formen des XVI. u. XVII. jahrh. forbatlani, forbatol "pensare, com- pensare" etc. nebst ableitiingen < ital. forfatto. 59. Schuchardt H. Filier. Nyr XXIX, 1900. S. 377 — 378. L"ng. filier "heller' nicht < tirol. vierer sondern < ragiis. follarus, foUar, "^foller. 60. Körösi Sändor. Bago es tobak. Nyr XXIX, 1900. S. 556 — 560. Bago < it. tabacco mit Schwund der ersten silbe. für den beispiele aus dem ung. angeführt werden. Verf. giebt folgende resultate: ung. bago -j it. tabacco XVI jahrh. ung. tabäka it. tabacco „ „ „ tabäk, tobäk !< tabacco, od. deutsch toback in d. heutigen ung. gemeinsprache tubak deutsch dial. tuback heut, rumän. tabäk ) XVII. jahrh. ung. tabäk. 138 VIII. Ungarn. 61. Kelevez. Nvr XXIX, 1900. S. 86-87. Über den Ursprung des wortes kelevez 'speer, spiess' (^von Simo- nyi, Munkäcsi, < ? lit. kalavljas). 62. Schuchardt H. Bölcs. Xyr XXIX, 1900. S. 78 — 79. bölcs "weise, klug" < wälsch? Vgl. eine mitteilung von Melich, Xyr XXIX. 1900, s. 38. 63. Gombocz Zoltän. Bölcs. Nyr XXIX, 1900. S. 353 — 356. Schliesst sich an Schuchardt's artikel bölcs < wälsch i = vorig, nr.) an. bölcs < türk *bel-£-ci. Zusammenstellung mit finn. mieli aus lautlichen gründen abgelehnt. 64. Tolnai Vilmos. Melak. Nyr XXIX, 1900. S. 82. meläk ("eine art fleischhackerhund", Ballagi) nach dem grafen Me- lac. dem liekannten verwüster der Pfalz. 65. Pröhle \'ilmos. Meläk, sumäk. Nyr XXIX, 1900. S. 181 — 182. Gegen die vorig, nr: meläk n. sumäk "dumm^ seien slav. Ursprungs (slav. mil 'lieb', sum "lärm", mit der endiing ak). 66. Pethö Gyula. Hopkan van penze. Nyr XXIX, 1900. S. 231 — 2 32. Hopkän (dialektwort aus Pocs-Megyer) < deutsch, ho^b kan» (habe kein's). 67. Zolnai G3'ula. Karancsi betük. N3'r XXIX, 1900. S. 230 Bestätigt eine erklärung von Szinnyei: karancsi betiik 'typi usu attriti' nach dem namen des Debrecziner buchdruckers Karancsi. 68. Horger Antal. Brassö es Kronstadt. r= Brassö und Kron- stadt. Brassöi m. kir. all. föreäliskola 1899 — 1900. evi ertesi- töje {z=z Progr. der kgl. oberrealschule zu Kronstadt). S. 3 — 27. Die Ortsnamen Bi'assö und Kronstadt in der etA^mologischen for- schung und in der volkssage. Beziehungen zu anderen sprachen. [Vgl. VIII 37—66.] 69. Asboth Oszkär. A magyar nyelvbe került szläv szök ätvete- lenek heh^e es kora. z^ Ort und zeit der aufnähme der sla- vischen Wörter ins ungarische. N^-K XXX, 1900. S. 74 — 90, 209 — 230. Verf. wendet sich gegen Munkäcsi's aufsatz „A magyar-szläv ethnikai erintkezes kezdetei" (— Anfänge der tnigarisch-slavischen ethni- schen berührung, Ethn. VIII, 1897, s. 1 — 30), wo behauptet wurde, dass die anfange der slavisch-ungarischen berührung älter seien als die land- nahme, und dass der Schauplatz derselben folglich nicht in Pannonien, sondern in den früheren Wohnorten der ungani zu suchen sei. Verf. zeigt, dass viele ausführungen Munkäcsi"s vom slavistischen gesichts- punkt durchaus nicht gutzuheissen sind, und verharrt bei seiner früheren ansieht, dass die grosse masse der slav. Wörter erst in dem jetzigen vater- lande der Ungarn in ihre spräche gekommen sei. 3- Sprachkunde. 139 70. Asböth Oszkär. A magj-ar n3-elvbe került szläv szök ätvete- lenek _hel}-e es kora. =z Der ort und die zeit der aufnähme der slavischen Wörter ins ungarische. AkE XI, 1900. S. 126 — 131. Anszuii: aus der vorig, nr. 71. Asböth Oskar. Die Anfänge der ungarisch-slavischen ethni- schen Berührung. Arch. für Slav. Phil. XXII, 1900. S. 433 -487. Wesentlich desselben Inhalts -wie nr. 69. 72. Lumtzer Viktor u. Melich Johann. Deutsche Ortsnamen und lehnwürter des ungarischen Sprachschatzes. (Quellen und For- schungen zur Geschichte, Litteratur und Sprache Österreichs und seiner Kronländer. Herausg. von J. Hirn u. J. E. Wacker- neU. VI.) Innsbruck, Wagner'sj Univ. -Buchhandlung. 1900. 8:0. 311- 73. Melich Jänos. Meh'ik nyelvjäräsböl valok a magyar nyelv regi nemet jövevenyszavai? ir= Aus welchem dialekt stammen die alten deutschen lehnwörter des ungarischen? (Ertekez. a nyelv- es szeptud. köreböl XVII, nr. 4. S. 157 — 206.) Budapest. 1900. 8:0. 50 s. Kr. 1,20. 74. Melich Jänos. Melyik nyelvjäräsböl valök a magyar nyelv regi nemet jövevenyszavai? =^ Aus welchem dialekt stammen die alten deutschen lehnwörter des ungarischen? AkE XI, 1900. S. 61—72. Auszug aiis der vorig, nr. Verf. gelangt zu dem endergebnis, dass die deutschen lehnwörter im ungarischen hauptsächlich mittelfränkischen (nordmittelfränkischen) Ursprungs seien. 75. Balassa Jözsef. A magyar nyelv nemet jövevenyszavai. z= Die deutschen lehnwörter der ungarischen spräche. Nyr XXIX, 1900. S. 412 — 420. Kritik der nr. 72 v;. 73. 76. Benedek Antal. Adatok a tot nyelv magyar elemeihez. =z Beiträge zu den ungarischen bestandteilen der slovakischen sprä- che. Xyr XXIX, 1900. S. 331 — 333. Die meisten aus dem komit. Hont. 77. Moldovän Gergely. - — A romän nyelv. zrr Die rumänische spräche. Erdelyi Müzeum XVII, 1900. S. 61 — 70. Über die entstehung der rumänischen spräche. Beiträge zum Wortschätze. [Vgl. VIII 12, '.H, !).■), 108. 1 78. Zolnai Gyula. A Königsbergi Töredek a Nyelvtörteneti Szö- tärban. z=:z Das Königsberger fragment in dem ung. sprachhisto- rischen wörterbucfie. Nyr XXIX, 1900. S. 129 — 131. 140 VIII. Ungarn. Das Königsberger fragment (nng. Sprachdenkmal aus dem XIV. jahrh.) in dem NySz. wenig berücksichtigt. Die belege werden mitgeteilt. 79. Tolnai Vilmos u. Török Istvän. Regi növenynevek. ^ Alte pflanzennamen. Nyr XXIX, 1900. S. 361 — 366. 1. Andreas Beythe's handschiäftl. Verzeichnis (zwischen 1601 u. 1616), mit einer anzahl nng. pflanzennamen (mitget. v. Tolnai l. 2. Franz Päriz Päpai's handschriftl. Verzeichnis (von 1706), „nomenclatura herba- rum, ex latino in hungaricvxm " (mitget. v. Török). Von 1. fehlen die meisten namen im NySz., 2. teilt übei'haupt nur solche mit, welche in dem NySz. nicht vorhanden sind. 80. König G3^örg3-. Egy regi mag)-ar csiziö. (Adalek a Nyelv- törteneti Szotärhoz.) = Eine altungarische cisio. (Beitrag zum sprachgeschichtlichen Wörterbuch.) Nyr XXIX, 1900. S. 256 — 260. Aus dieser im XVII. jahrh. gedruckten, aus dem deutschon ins ung. übersetzten „cisio" („kurze beschreibung der astronomischen Wissenschaft") werden ca. 60 Wörter und ausdrücke mitgeteilt, die im NySz. fehlen. 81. Nagyszigethi [z= Szily] Kälmän. Faludi ocso nyulai. := Die Wörter ocso nyulai bei Faludi. Nyr XXIX, 1900. S. 127 — 128. Verf. weist nach, dass statt des viel umstrittenen Wortes ocso öcsö (= olcso) 'billig" zu lesen ist. 82. A nyelvtörteneti szotärhoz. :^ Zum sprachgeschichtlichen Wörterbuche. Nyr XXIX, 1900. S. 127 — 131, 226 — 227, 366 —369, 572—573- Unter dieser i'ubrik werden verschiedene beitrage zu dem woi't- schatze der älteren litteratur mitgeteilt (von J. Frecskay, L. Katona, Gy. König. B. Molecz, K. Nagyszigethi [= SzilyJ, il. Prikkel, S. Simonyi, J. Szabö, K. Szily, Gy. Zolnai; auch nr. 78 u. 81 kommen unter dieser gemeins. rubr. vor). 83. !N'agys2dgethi [= Szily] Kälmän. A önkente es önszinte. Nyr. XXLX, 1900. S. 36. Belege aiis der älteren spräche 84. Zolnai Gyula. Szemely. Nyr XXIX, 1900. S. 80 — 81. Szemely ("person') in der bedeutung imago, facies" in der älteren litteratur i;nd Volkssprache. 85. Horger Antal. Szallok kendnek. Nyr XXIX, 1900. S. 114— 136. Belege und beitrage zur erklärung der betr. begrüssungsfonnel. 86. Simonyi Zsigmond. Uj szök 1835-ben. ::= Neue Wörter im jähre 1835. Nj-r XXIX, 1900. S. 322. Einige Wörter, die in älteren Wörterbüchern nicht vorkommen. 87. Szinnyei Jözsef. Magyar täjszötär. A M. T. Akademia meg- bizäsäböl szerkesztette — — . Mäsodik kötet. VI. füzet. TÖzeg — vernyakol. = Ungarisches dialektlexikon. Im auftrage der Ung. Akademie der Wissenschaften redigiert von — — . B. II. h. VI. Tözek — vernyäkol. Budapest, V. Hornyänszky. 1900. 4:0. Sp. 802 — 960. Kr. 2 pro heft. 3- Sprachkuude. 141 88. Szily Kälmän. Az paraszt-szeker reszeinek elnevezesei. := Die benennungen der teile des bauernleiterwagens. Nyr XXIX, 1900. S. 184 — 188. Genaue angäbe der einzelnen teile des wagens mit ihren unga- rischen benennungen (nebst deutschen wortcrklärnngen von J. Frecskay). Mit 4 Zeichnungen. Urspr. in „M. Mernök- i'-s Epitesz-Egylet Közlönye" veröffentlicht. 89. A szekerreszek neveiröl. ^iz Von den benennungen der teile des leiterwagens. Nyr XXX, 1900. S. 381 — 382. Beiträge zu dem aufsatz von Szily (siehe vorig, nr.) geliefert von L. Ncgyesy, T. Belänyi und D. Nemedi. 90. Möra Ferenc. Nepies növenj^nevek a Kis-Künsäg flöräjäban. ^ Volkstümliche pflanzennamen in der flora Klein-Kumaniens. Nyr XXIX, 1900. S. 16 — 20. Bas Volk kennt überhaupt nur die pflanzen, von welchen es nutzen oder schaden hat, oder welche irgendeine auffallende eigentümlichkeit zeigen; die übrigen werden unter einigen allgemeinen namen zusammen- gefasst. Verzeichnis der pflanzennamen aus Klein-Kumanien. 91. Trencseny Käroly. Ejtözik. Nyr XXIX, 1900. S. 273 —274. Fehlt im MTSz. (bed.: "nach dem mittag schlummern, sich ausru- hen" 1; auch über den etymolog. Zusammenhang des wertes (mit eh-es 'hungrig" zusammengestellt.). 92. Samu nadrägja. = ,,Die hose Samuels". Nyr XXIX, 1900. S. 83—85. Beiträge zur bedeutung der redensart von verschiedenen seiten, von der zeitung Pesti Hirlap im j. ]897 gesammelt. 93. Jenö S. u. "Veto I. A magyar tolvajnyelv es szötära. zz= Die ungarische gaunersprache und ihr Wörterbuch. Budapest, die verf. 1900. 107 s. Kr. 2. Sprachproben aus den voiksdialekten. [Vgl. VIII 12, 87-92, 139, 204—218, 225, 237, 251, 253—256.] 94. Nepnvelvhagyomänyok. 1=: Überlieferungen aus der Volkssprache. Nyr XXIX, 1900. S. 41 — 48, 90 — 95, 138 — 143, 184 — 192, 240, 279 — 287, 333—336, 381—384, 429—432, 476—480, 531—543, 590-593- Unter dieser rubrik werden in jedem hefte von Xyi' beitrage zur kenutnis der ung. Volkssprache aller landesteile veröffentlicht: volkslitte- ratur jeder art dieder. märchen, erzählungen, Sprichwörter), aberglaube, gebrauche in dialektform mitgeteilt, ausserdem dialoge, redensarten und beitrage zum Wortschätze (dialektwörter. Spottnamen, tiernamen u. dgl.j. Einige von diesen beitragen sind in der Bibl. als versch. nummern aufgenommen (VIII 12, 95). 95. Thvirzo Ferenc. A nyitravideki palöc nj'elvjäräs (vege). zzz Der dialekt der polowzen in der gegend von Neutra (schluss). Nyr XXIX, 1900. S. 279—285. 142 VIII. Ungarn. Familien, spott-, tanf- und Ortsnamen: „hojedäk" (arbeits-. ernte- etc. lieder von dialogischer form zw. burschen iind mädchen, in denen zu anfang gewisser verse der ausruf hojeda! erscheint, lieder. die beim tanz ums johannisfeuer gesungen werden); hochzeitssprüche. Denkmäler der älteren spräche. [Vgl. VIII 78—84, 241— L'4r..] 96. Varjü Elemer. A Gyulafejervüri Batthyäny-könyvtär. V — VIT. := Die Batthyäny-bibliothek in Karlsburg. V — \1I. MKSz. VIII, 1900. s. 17—55, 131 — 169, 328—249, 337—361. Verf. beschreibt die handschriften der bibUothek. Die handschrift, welche s. 35 unter nr. 21 (E-,. TT. 'S".) beschrieben wird (L MANUALE CONTINENS SEEMOXES ET ALIQUOT FORMULAS LITTEEAEUM. Saec. XIV.) enthält 15 kurze zeilen ung. text (Übersetzung einifer aus- drücke der reden), welcher hier (teilweise auch in faksimile^ veröflent- licht wird. „Dieser ung. text ist der zeit nach das zweite bisher be- kannte ung. Sprachdenkmal". 97. Dezsi Lajos. Szent Agoston reguläinak magyar forditäsa Coe- lius (Bänfly-j Gergelytöl. (1537.) Bevezetessel ellätva kiadta -. = Die ungarische Übersetzung der regulae des heiligen Augustin von Gregor Coelius (Bänfif\-). (1537.) Mit einleitung heraiisg. V. — . (Ertekez. a nyelv- es szeptud. körebol. XVII, nr. 6. S. 319 — 369). Budapest 1900.- 8:0. 51 s. Kr. 2. 98. Csorcta Jözsef. Gechey Döra näszhozomänya 1548. = Der brautschatz der Dora Gechey 1548. Veröff. v. — — . TörtT I, 1900. S. 469. 99. Csoma J. Gechey Märton ingösägainak összeiräsa 1551. — Regestrum, factum super res mobiles egregii Martini Gettsey de- functi. Veröff. v. — — . TörtT I, 1900. S. 470 — 471. 100. Komaromy Andreis. A bärö Perenyi csaläd leveltäräböl. = Aus dem archiv der familie des barons Perenyi. Veröff. v. — — . TörtT I, 1900. S. 119— 134. Enthält auch (s. 133) ein ungar. dokum. v. 3. dez. 1560. I o I . YS. Szekelj- Antal tudösitäsa a hadadi csatäröl. iz:r Be- richt v. A. Szekely über die schlacht bei Hadad. Veröff. v. — . TörtT I, 1900. S. 141 — 144. Ein ung. brief von Szekely an F. Pesthy v. 4. märz 1562. 102. Merenyi Lajos. Vegrendeletek. = Testamente. Veröff. v. — — . TörtT I, 1900. S. 310 — 320. Von den veröfientlichten 6 testamenten 5 ung., aus d. j. 1568 — 1600. 103. König Gj'örg}-. Kalendäriombeli regi mag3'ar distichonok. = Alte ung. disticha in den kalendarien. Irod. Közl. X, 1900. S. 403—412. Behandelt die ung. kalendarien aus d. XVI. u. XVII. jahrh. und ver- öfientlicht die in ihnen befindlichen ung. disticha (1581 — 1679): der aufsatz ist von einer nachschrift der red. (412 — 416) begleitet. 3- Sprachkunde. i^^ 104. Kemeny Lajos jun. Kassa väros leveltäräböl. rrr Aus dem archiv der Stadt Kaschau. Veröft". v. — — . TörtT I, 1900. S. 473—480. Von den 10 dokumenten 4 ung., aus d. j. 1575, 1604, 1616 u. 1623. 105. Hegyi Ödön. Gyulay Päl ket vegrendelete. = Zwei testa- mente v. P. Gyulai. Veröff. v. . TörtT I, 1900. S. 145 — 147- Aus d. j. 1592. 106. Csoma J. Panka Istvän hagyateka 1596. = Nachlass von Steph. Panka 1596. Veröff. v. — — . TörtT I, 1900. S. 471 — 473- „Datum in civitate Sarospatak". 107. Ballö Istvän. Adatok a szekelyek törtenetehez. ziz Daten zur geschichte der sekler. Veröff. v. — — . TörtT I, 1900. S. 135 — 140. Ein dokument (s. 138, über das stenerwesen bei den seklern) ist uuii-. (abschrift aus dem XVI. jahrh.). 108. Kempis T. Krisztus követeseröl. Forditotta Päzmän}- Peter. Be- vezetessel, magyaräzatokkal es szötärral szerkesztette Bellaagh Aladär. =^ Th. Kempis. De imitatione Christi. Übers, von Päz- mäny. Mit einer einleitung, erklärungen und ung.-latein. Wörter- buch von A. Bellaagh. (Mag}'ar Könyvtär 151 — 153). Budapest^ Wodianer. [1900.] Kl. 8:0. 275 + XX s. Kr. 0,90. 109. K[oraaromy] A. Bocskay Istvän törtenetehez. z^ Zur ge- schichte v. Stephan Bocskay. Veröff. v. — - — . TörtT I, 1900. S. 160. Ein brief von „Stephanus dei gratia Hungariae, Transylvauiaeque Princeps et Siculorum comes" v. 13. jun. 1605. iio. K[omaromy] A. Leveltäri kutatäsok. z=z Archivforschun- gen. Veröft". V. — — . TörtT I, 1900. S. 600 — 607. 6 vmg. dokumente aus d. j. 1606 — 1612. 111. Benko Imre. A Szodora3--csaläd leveltäräböl = Aus dem archiv der familie Szodoray. Veröff. v. — — . TörtT I, 1900. S. 592 — 600. Briefe ii. a. dokumente aiis d. j. 1606 — 1742. 112. Komaromy Andräs. A szabad hajdukra vonatkozö levelek es okiratok. 1=: Briefe und dokumente, die sich auf freie haiduk- ken beziehen. Veröff. v. — — . TörtT I, 1900. S. 411 — 448. Die dokumente (alle in ung. spr.) sind aus d. j. 1607 — 08. 113. K[omaroniy] A. Teuffenbach Rudolf dunäninneni fökapi- täny jelentesei Balassa Zsigmond elfogatäsäröl. = Die be- richte von R. Teuffenbach über die arretierung von S. Balassa. Veröff. V. — — . TörtT I, 1900. S. 149 — 150. Zwei ung. briefe aus d. j. 1616. 144 VIII. Ungarn. 114. X — Y. A Fejerpataky csaläd leveles lädäjäböl. ■=: Aus der brieflade der familie Fejeq)atak)\ Veröflf. v. — — . TörtT I, 1900. S. 489 — 512. Ung. briefe aus d. j. 11621 — 26, meistens von damen geschr.. auch von kulturhistorischem interesse. 115. Merenyi Lajos. Eszterhäzy Miklös levelei Xyäri Krisztinä- hoz 1624 — 1639. =r Briefe M. Eszterhäzy's an Kristina Xyäri 1624 — 39. Veröft". V. — — . TörtT I, 1900. S. 16 — 60. 116. Kemeny Lajos, jun. Kassa väros leveltäräböl. := Aus dem archiv der Stadt Kaschau. Veröff. v. — — . TörtT I, 1900. S. 155 — 160. Enthält einen ung. brief, welcher „Oxonii Anglorum .30. Mart. 1626 — — Benedictus Pakaj Cassovius" unterzeichnet ist. 117. Svaby Frigj-es. Szepesvär, 1643. april 28. gröf Csäky Istvän utasitäsa konyhamestere reszere. — Instructio pro Culinae Magistro (v. Steph. Csäky). VeröfF. v. . TörtT L 1900. S. 147 — 148. Unterzeichn. „in arce mea Scepuciensi die 28. aprilis 164.3. Co- mes Steph. Csiaki m. p." 118. TÖth Ernö. Kemeny Jänos es Lönyai Anna levelezese. 1656 — 1662. ^ Korrespondenz v. J. Kemeny u. Anna Lönyai 1656 — 1662. Veröfl:'. v. . TörtT I, 1900. S. 161— 218. 119. Merenyi Lajos. Eszterhäzy György püspök vegrendelete 1663. =: Testament des bischofs G. Eszterhäzy 1663. Veröff. V. — — . TörtT L 1900. S. 452 — 457. In ung. spr. 120. Dezsi L. Nadänyi Jänos törtenetirö eletehez. =:r Zur biogra- phie des geschichtsschreibers J. Xadänvi. Veröff. v. . Irod. Közl. X, 1900. S. 66 — 80. Dokumente (zum grössten teil klageschreiben gegen J. Xadanyi) aus d. j. 1673—1693 [1698 Vj. 12 1. D[ezsi] L. Szerencsi Samuel nag}--envedi deäk reversalisa. z=z Reversal von S. Szerencsi. schüler aus Xag^'-Enved (Strass- burg). Veröflf. v. — — . TörtT I, 1900. S. 467 — 468. Geschr. 13. febr. 1674 (ung. . 122. Thaly Kälmän. Munkäcsi leltärak s udvartartäsi iratok. (1680 — 1701.) r= Die Munkäcser inventare und hofhaltungsschriften. Veröflf. v. — — . TörtT I, 1900. S. 321 — 384. Die mehi'zahl der veröffentlichten dokumente, die auch von kultur- historischem interesse sind, ist in ung. spr. geschrieben. 123. Revesz Kälmän. XVII-ik szäzadi häzassägi pörök az abauji ref. eg}häzmeg\-e jegjznkönyvebeR. = Die eheprozesse in dem Protokoll der reformierten kirchengemeinde zu Abauj. TörtT I, 1900. S. 102 — 118. Teilt auszüge aus dem zum teil ung. geschriebenen protokoU (1689—1700) mit. 3- Sprachkunde. 145 124. Dezsi Lajos. A nagj'-enyedi Bethlen-coUegium rektoränak kötelesscgei. z:= Die pflichten des rektors des BethlenkoUegs zu Nagy-Enyed (Strassburg). Veröff. von . TörtT I, 1900. S. 466 — 467. Aus d. j. 1709. 125. Szirmay Tamäs ezredes bucsuztatöja. :=i Sterbegesang auf den obersten Th. Szirmay (Cidaris Szirmaiana). TörtT -I, 1900. s. 513—550. Von 1743. 126. Faludi Ferentz. Teli ejszakäk. ^ Winterabende. Herausg. V. K. Rupp. (Regi Magyar Könyvtär XIX.) Budapest, Franklin- Ges. 1900. 8:0. 182 s. Kr. 1,60. Geschichte der forschung und Sprachbehandlung.- - Neologismus. [Vgl. VIII 25, 86, 186.] 127. Kemeny K. Kolumbän. Geleji Katona Istvän »Grammati- kätskä janak birälatos ismertetese. z=r Kritische besprechung der »kleinen grammatik-> von Stephan Katona von Gelej. Györ. 1900. 8:0. 54 s. 128. Czimmermann Jänos. Nj-elvüjitök es nyelvmüvelök Barcza- falvi Szabö David fellepeseig. =1 Sprachneuerer und sprach- bildner bis zum auftreten D. Szabö's von Barczafalu. 1900. 8:0. 20 s. Kr. I. 129. Czimmerraann Janos. Barczafalvi Szabö David. Tatai alg3-mn. ertes. 1900. Auch sep. 8:0. 24 s. Kr. i. 130. Tolnai Vilmos. Kalmar Györgj- nyelvüjitö törekvesei. =z Georg Kalmar' s neologistische bestrebungen. Nyr XXIX, 1900. S. 165 — 168. Neologismen bei Kalmar, von denen sich ein teil im gebrauch er- halten hat. 131. Szily Kälmän. Szeljegv'zetek a nj'elvüjitas törtenetehez. = Randbemerkungen zur geschichte des neologismus. N}^ XXIX, S. 25 — 31. A^erf. hebt hervor, dass die Zeitschrift Xyr nicht mehr dieselbe [d. h. puristische] aufgäbe dem neologismus gegenüber habe, wie vor ei- nem viertcljahrhundert, sondern mehr die historische Wertschätzung und psychologische erklänuig dieser bestrebung. Der vei"f. bespricht sowohl einige einzelne Wörter, als ableitungssuffixe. 132. Kazinczy Ferencz levelezese. Közzeteszi Väczy Jänos. X. k. 18 12 — 1S13. zrr F. Kazinczj's briefwechsel. Veröff'. v. J. Väczy. Bd. X. Budapest, UAW. 1900. 8:0. XXXI -|- 592 s. Kr. 10. Enthält u. a. daten zur geschichte des neologismus. 146 VIII. Ungarn. 133. Vaczy Jänos. Kazinczy Ferencz levelezese. X. kötet. :^ F. Kazincz\-'s briefwechsel. X. band. AkE XI, 1900. S. 555—571- Bericht über den Inhalt der vorig, nr. ; auch über die neologisti- schen besti-eVjungen Kazinczy's (s. 567 ff.) 134. Bardos Remig. Adatok a nyelvüjitäs jelentestanähoz. ;= Beiträge zur bedeutungslehre des neologismus. Nyr XXIX, 1 900. S. 124 — 127, 168 — 171, 222 — 224, 318 — 321. Verf. stellt aus dem briefwechsel F. Kazinczy"s die wortgruppen zusammen, die für die Sprachgeschichte und bedeutungslehre von inte- resse sind. 135. Madarasz Flöris. Verseghy es a nyelvüjitäs. =^ Verseghy und die Sprachneuerung. Budapesti Szemle CII, 1900. S. 47—68, 195 — 211. 136. Kiss Ernö. Vörösmarty mint nyelvmüvesz. ::^ Vörösmarty als Sprachkünstler. Nyr XXIX. 1900. S. 545 — 551. Nach der hochflut der sprachneuerer ,war es Vörösmarty, der zu- erst in der gestaltuug einer dichterischen spräche eigene wege fand. Die Sprache des Volkes, die spräche der älteren litteratur, die er studierte, waren der born, aus dem er schöpfte. Gegen die neologisten dagegen verhielt er sich im allgemeinen ablehnend. Sprachrichtigkeit. 137. Vutkovich Sändor. Mag^-arosan. = Gut ungarisch. Pozsony, verf. (Budapest, Eggenberger.) 1900. 8:0. 90 s. Kr. 2. 138. Kalmar Elek. A nyelvtisztasägröl. ;=i Über die sprachrein- heit. Nyr XXIX, 1900. S. 385 — 395. Verf. beleuchtet das fremdwörterunwesen in der ungarischen sprä- che und fordert dazu auf in der gebildeten \interhaltung. der zeitungs- und litteratursprache aus den quellen zu schöpfen, die die ungar. spräche darbietet. Deutlich fühlbare fremdwörter sind zu übersetzen. Es wird auf das werk „Magyaritö Szötär" [VIII 160] als ergiebiges hilfsmittel hinge- wiesen. Eingreifen der ministerien erwünscht, wo sich schon gut unga- rische Wörter anstelle unechter ausdrücke eingebürgert haben. 139. Komjathy Sändor. Magj'ar irök mag}arossäga. := Die unga- rische spräche der ungarischen schriftsteiler. Nyr XXIX, 1900. S. 505—508. Volkstümliche Wendungen aus der spräche L. Kälnaj-'s. 140. Nevy L. Eszrevetelek a magv'ar kereskedelmi nyelvröl. = Bemerkungen über die ungarische handelssprache. Kereskedelmi Szakoktatäs, nr. 6. 141. Jacobi Julius. Kurze Anleitung zur richtigen Aussprache des Mag}arischen. Vortrag gehalten in der Lehrerversammlung in Schässburg. Hermanstadt, W. Kraft 1900. 8:0. 20 s. 142. Gaal Mözes. A magyar helyesiräs törvenjxi. Gyakorlati peldäkkal es a helyesiräs rövid szötäräval. =: Die gesetze der ungarischen rechtschreibung. Mit praktischen beispielen und ei- 3. Sprachkunde. i^y nem kurzen orthographischen Wörterbuch. (Tudomänyos zseb- könyvtär 45 :=: Wissenschaftliche taschenbibliothek 45). Pozsony u. Budapest, K. Stampfel. 1900. 8:0. 59 s. Kr. 0,60. 143. Simonyi Zigmond. Kormänj-intezkedesek a helyesiräs dol- gäban. =z StaatHche massregeln in sachen der rechtschreibung. Nyr XXIX, 1900. S. 433—438. Die vom Kyr ausgearbeiteten vorschlage zur regelung der ortho- gi'aphie, die das kultusministerium zur beratung angenommen hat, har- ren der durchfülirung in der praxis. Verf. weist auf die bestrebungen, eine einheitliche rechtschreibung zu erzielen, hin, die in neuerer zeit in Deutschland und Frankreich lautgeworden und teilweise erfüllt wor- den sind. 144. Joannovics Gj'örgy. Összetetelek leiräsa. = Die Schreibung der Zusammensetzungen. Nyr XXIX, 1900. S. 116 — 119. Betrifft die von Steph. C sap o di aufgeworfene frage, wie die länge- ren rmd kürzeren Zusammensetzungen im ungarischen zu schreiben seien, 145. Imets Jänos. Nehäny szö a helyesiräs tänitäsäröl. zrr Einige Worte über den Unterricht in der rechtschreibung. Gyergyö-Szt.- Miklös. 1900. 8:0. 13 s. Kr. 0,20. Grammatiken u. wörterbucher für praktische zwecke. Grammatiken. [Vgl. I 101, 102.] 146. Szinnyei Jözsef. Iskolai magj-ar nj-elvtan mondattani alapon. I. r. 10. kiadäs. — II. r. 6. kiadäs. = Ungarische schulgram- matik auf syntaktischer grundlage. I. teil. 10. aufl. — IL teil 6 aufl. Budapest, V. Hornyänszky. 1900. 8:0. I. 4-j- 112 s. II. 4 + 80 s. Kr. 1,20 4- 1,60. 147. Makläry Pap Miklös. Rendszeres mag\'ar nyelvtan. Közep- iskoläk alsöbb osztälyai szämära. :=: Systematische ungarische Sprachlehre. Für die unteren Massen der mittelschulen. Säros- patak, 1900. 8:0. Kr. 2,60. 148. Balassa Jözsef. Kis mag^'ar nyelvtan. A közepiskoläk I. osztälya szämära. = Kleine ungarische Sprachlehre. Für die I. kl. der mittelschulen. Budapest, Franklin-Ges. 1900. 8:0. 86 s. Kr. 1,20. 149. Balogh Peter. Magyar nyelvtan. Közepiskoläk II. osztälya szämära. = Ungarische Sprachlehre. Für die IL kl. der mittel- schulen. Budapest, Singer u. Wolfner 1900. 8:0. 73 s. Kr. 1,40. Erster teil, für die I. kl. der mittelschulen, 1899 erschienen. 150. Bartha Jözsef. Magyar nyelvtan mondattani alapon. z:z: Un- garische Sprachlehre auf syntaktischer grundlage. Budapest, Szt. Istvän-Tärs. 1900. 8:0. Kr. 1,60. 151. Weszely Ödön. Mödszeres raag^'ar nyelvtan mondattani alapon. III. kiad. r= Methodische ungarische Sprachlehre auf syntakti- scher grundlage. III. aufl. Budapest, Wodianer. 1900. 8:0. 1^8 VIII. Ungarn. 152. Jakab Ferencz. A magj-ar nyelvtan szabälyai röviden össze- foglalva. Különös tekintettel a helyesiräs szabälvaira, a szö- es mondattani elemzes mödjära nezve. Kezirat gvanänt. r= Die regeln der ungarischen grammatik kurz zusammengestellt. Mit besonderer rücksicht auf die regeln der rechtschreibung, auf die art der etj-mologischen und syntaktischen anah'se. Als manuskript gedruckt. Györ, Verf. 1900. 8:0. 24 s. 153. Negyesy Läszlö. Mag^^ar nyelvtan. I r. Közep- es polgäri iskoläk I. oszt. szämära. = Ungarische Sprachlehre. Für die I. kl. der mittel- und bürgerschulen. Budapest, Wodianer 1900. 8:0. 77 s. Kr. 1,30. 154. Klingenberg-Lengyel J. Magyar nyelv- es irälytan a nepis- kola V. es \'l. oszt. szämära. Ötödik kiadäs. :=z Ungarische Sprachlehre und Stilistik für die V. und. VI. klasse der elementar- schulen. 5. aufläge. Budapest, Franklin-Ges. 1900. 8:0. 176 s. Kr. I. 155. Brancic Blagoje. Madjarska gramatika. =z Mag\-arische gram- matik. Xovi Sad. 1900. Wörterbücher und ■Wörterverzeichnisse. 156. Simonyi Zsigmond u. Balassa Jözsef. Nemet es magj-ar iskolai szötär. I. Nemet-mag}"ar resz. — Deutsch-ungarisches und ungarisch-deutsches Schulwörterbuch. I. Deutsch-ungari- scher Theil. Budapest, Franklin-Ges. 1900. 8:0. 451 s. Kr. 3,50. 157. Hoffmann Fr. Magyar-nemet es nemet-mag\ar zsebszötär. n. Magyar-nemet resz. — Ungarisch-deutsches und deutsch- ungarisches Taschenwörterbuch. IL Ungarisch-deutscher Teil. Leipzig, Otto Holze's nachf. 1900. Kl. 8:0. 396 s. Rm. 4.50. 158. Töth Tivadar. Schweitzer Käroly, Pandic Sändor u. Spicer Mör. Katonai szötär. Mag^■ar-horvät resz. = Wörterbuch für Soldaten. Ungarisch-kroatischer teil. Budapest, druck v. Pallas 1900. 8:0. 517 s. Kr. 5,46. 159. A nemet-mag\'ar szötärhoz. =^ Zum deutsch-ungarischen wör- buch. Nyr XXIX, 1900. S. 32—33, I79— 180, 371, 513 — 516. Vorschläge von vei'scliiedenen selten zur Übersetzung einer anzahl deutscher Wörter und redensarten, zum teil (s. 371) auch gegenvorschläge. 160. Tolnai Vilmos. Mag}-aritö szötär. A szüksegtelen idegen szavak elkerülesere. A Mag}-. Tudomänyos Akademia nyelvtudomänyi bizottsägänak megbizäsäböl. i^ Mag)-arisierendes Wörterbuch. Zur Vermeidung überflüssiger fremdwörter. Im auftrage des sprach- wissenschaftlichen ausschusses der Ung. Ak. der Wiss. Budapest, V. Hornyänszky. 1900. Kl. 8:0. 296 s. 161. Frecskay Jänos. Mestersegek szötära. = Wörterbuch der handwerke. Heft. 18 — 23. Budapest, V. Hornyänszky. 1900. 8:0. 24 -|- 15 4- 12 -[- 19 + 17 + 19 s. ä kr. 0,20. 3- Sprachkunde. 4. Litteraturgeschichte. 149 H. 18: Köuyvkötömesterseg = buchbinderhandwerk. 19: Kärpitos- mesterseo: = tapezierergewerbe. 20: Kosärkötömesterseg = korbmacher- gewerbe. 21: Kötelgyärtömosterseg = seilergewerbe. 22: Mäzolö-, lak- kozö- es szobafestomesterseg = weissbinder-, lackierer- und zimmer- malergewerbe. 23: Kefekötömesterseg = büi'stenbindergewerbe. 162. Nyers K. A földrajzi terminologia. = Die geographische terminologie. Orsz. Közepisk. Tanär. Közl. XXXIV, 1900. S. 190 — 195, 217 — 221. 163. Balassa Jözsef. A beszedhibäk mag\-ar elnevezesei. = Die ungarischen benennungen der sprechfehler. Gyögypaedagögiai Szemle X, 1900, nr. 10. 164. Nyomdai müszök jegyzeke. z=i Verzeichnis typographischer kunstwörter. Magv'ar Nj'omdäszat. Wird zunächst sep. erscheinen. 165. A mezötüri ref. fögimnäziumban hasznält nyelvtani müszök jegvzeke. = Verzeichnis der im reformierten obergj'mnasium von Mezötür gebrauchten grammatischen termini technici. Progr. des ref. oberg\-mn. von Mezötür. S. 80 — 86. 4. Litteraturgeschichte. [Vgl. VIII 97, 108, 2-21.] 166. Beöthy Zsolt. A mag\-ar irodalom törtenete. Kepes disz- munka ket kötetben. Szerkesztette — — . II kiadäs. I. A legregibb idöktöl Kisfaludy Käroly fellepteig. IL Kisfaludy Käroly föUeptetöl a kiegyezesig. = Geschichte der ungarischen litteratur. Prachtwerk in zwei bänden. Red. von — — . II. aufl. I. Von den ältesten zeiten bis zum auftreten K. Kis- faludy's. II. Vom auftreten K. Kisfaludy's bis zum ausgleich. Budapest, Athenaeum. 1899 — 1900. 8:0. 852 -|- 683 s. Kr. 40. Ein reich illustriertes prachtwerk, durch zusammenAvirken mehre- rer fachleute zustande gebracht. Der abschnitt „über die urzeit des ung. Volkes" ist von L. Rethy, „der rursprung der ung. spräche" von Simo- nyi, „die denkmäler der heidnischen dichtuug" von P. Erdelyi, „die königs.sagen und die liedersänger" von Gy. Sebestye'-n, „die ältesten Sprachdenkmäler" von Simonyi u. s. w. 167. Beöthy Zsolt. A magy'ar irodalom a mohäcsi csatäban. zu: Die ungarische litteratur zur zeit der Mohäcser schlacht. AkE XI, 1900. S. 318 — 330. Darstellung des Standes der ung. litteratur vor der mohäcser schlacht und die Umwälzung derselben durch dieses erreignis und nach demselben. 168. Kardos Albert. XVI. szäzadi irodalmunk kulturälis jelen- tösege. ^ Die kulturelle bedeutung unserer litteratur des XVI. Jahrhunderts. EPhilK XXIV, 1900. S. 96 — 98. I go VIII. Ungarn. Über die Wirkung von G. Käroli's bibelübersetzung, geistlicher liederpoesie, der „magyar krönika", Phsedrus" fabeln, von Volksbüchern und endlieh Balassa's poesie auf ihre zeit sowie sj^ätere tage und ihre bedeutung für die jetztlebenden. 169. Mihalovics E. A kath. predikäciö törtenete Magyarorszägon. I. Päzmänyig. ■=. Geschichte der katholischen predigt in Un- garn. I. Bis Päzmän3^ Budapest, Szt. Istvän-Tärs. 1900. 8:0. 437 s. Kr. 4. 1 70. Katona Ludvig. Die Legende von Barlaam und Josaphat in der ungarischen htteratur. KSz. I, 1900. S. 76 — 79. Verf. führt kurz die ungarischen bearbeitungen der legende des Barlaam und Josaphat, wie auch die einzelnen fragmente derselben in ungarischer spräche an (die ältesten vom ende des XV. iahrh. u. anf. des XVI. jahrh., gedr. in Nyelvemlektar VI 216—233, II 375-401, XIV 1 — 116; bruchstücke der legende auch in einem erbauungsbvtche von .T. Taxonyi, gedr. 1740-43). 171- Katona Lajos. A remete es az ang3'al. z=z Der eremit und der engel. Ethn. XI, 1900. S. 145 — 154, 199 — 211. Ausgehend von einen seklermärchcn (litter. Ursprungs) giebt verf. eine darstellung von der Vertretung der parabeln, welche das betr. thema behandeln, in der mittelalterlichen Htteratur Europas. Ein nachtrag vom verf. Ethn. 333 — 334, wo ein ung. bruchstück ^derselben parabel aus der älteren ung. Htteratur mitgeteilt wird (aus Ersekujväri codex, gedr. in Xyelvemlekrär X 149). 172. Sebestyen Gyula. Halältalan Detre. ■=. Der »todlose» Diet- rich. EPhilK XXIV, 1900. S. 152 — 159. Behandelt die legende Dietrich's von Bern (Theodorich) in den alten schriftlichen denkmälern Ungarns und überhaupt diejenigen züge derselben, die sich auf Ungarn beziehen. Verf. kommt über den ge- burtsort Dietrichs zu dem schluss, dass er im jetz. Ungarn, am Platten- see geboren sei. Der ausdruck halalthalan detreh in der chronik Thii- röczi's sei nicht halhata[t]lan D. "der unsterbliche Dietrich' sondern halältalan D. 'der todlose D." [d. h. der lange dem tod widerstehen konnte] zu lesen. 173. Melich Jänos. A Festetich-ködex egy ismeretlen mäsolata. :^ Eine unbekannte abschrift des Festetich-codex. NyK XXX, 1900. s. 350—351- Beschreibung einer abschrift (aus der zweiten hälfte des XVI. jahrh.) des Festetich-codex (eines breviers, welches am 1494 angesetzt ydrd); die abschrift ist im besitz eiuer privatperson (des herrn gutsbe- sitzers (t. Väsärhel}^). 174. Katona Lajos. Hrotsuitha Dulcitiusänak regi magvar fordi- täsa. z:^ Eine alte ung. Übersetzung von Hrotsuitha's Dulcitius. Irod. Közl. X, 1900. S. 385 — 402. Nachweis, dass das stück der legende von Agape, C(h)ionia und Irene im Sändor-codex (gedr. in Nyelvemlektar II 227 — 288, anf. des XVI. jahrh.) eine Übersetzung von Hrotsuitha's Dulcitius ist. 175. Katona Lajos. Ket közepkori versezet regi magyar forditäsa. = Alte ung. Übersetzung zweier gedichte aus dem mittelalter. Irod. Közl. X, 1900. S. 103 — iiS. 4. Litteraturgeschichte. 151 Der verf. weist die lat. originale zweier ung. prosagedichte ans der ersten hälfte des XVI. jahrh. (Nyelvemlektär VIII 110 — 117) nach: dialog zwischen dem Leben und dem Tod und ein gedieht mit dem re- frain „vado mori". 176. K[atona] L. Miert böjtölik meg a penteket? ::= Warum fastet man des freitags? Ethn. XI, 1900. S. 334 — 336. Verf. stellt — bis die gemeinsame quelle gefunden werden wird — eine darstellnng der gründe des freitagsfastens in dem ung. Döbrentei- codex (aus d. j. 1508, Nyelvemlektär XII 225) mit einer gleichen in dem katalonischen Recull de eximplis (II 313) zusammen. 177. Erdelyi Päl. Balassa Bälint komediäja. = Die komödie v. B. Balassa. MKSz. MIL 1900. S. i — 16. Der verf. behandelt ein bruchstück (4 bl.) einer alten ung. druck- schrift (wahrscheinlich aus d. j. 1588—89), welches durch kauf in den besitz der bibliothek des Ung. Nationalmuseums geraten ist, und in welchem der verf. ein bisher unbekanntes werk (Credulus es Julia Ko- media) des ung. dichters Balassa erkannt hat. Ein faksimile des bruch- stücks ist beigelegt. 178. Illessy Jänos. Adatok Balassa Bälintröl. = Daten über B. Balassa. Veröff. v. — — . Irod. Közl. X, 1900. S. 194 — 202, 336 — 344, 444—468. Daten zur biographie B. Bälint' s. 179. Kanyaro Ferencz. Akromonosyllabikon a regi magj^ar költe- szetben. rzz Ein akromonosyllabikon in der alten ungarischen dich- tung. EPhilK XXIV, 1900. S. 93 — 96. Verf. hat ein mig. „akromonosyllabikon" (ein gedieht in wel- chem jede zeile auf ein einsilbiges wort endigt) v. J. Thordai (aus d. j. 1627) angetroffen; das gedieht (Übersetzung des CIL psalmes) wird nach einer abschrift v. j. 1679 veröffentlicht. iSo. Borsos Istvän. Adatok a magyar idömertekes verseles törte- netehez. = Daten zur geschichte der ung. metrischen dichtung. Irod. Közl. X, 1900. S. 472 — 473. Es werden in ung. druckschriften aus d. XVII. jahrh. zwei bisher unbekannte verf. ungarischer disticha (in lat. metrum) nachgewiesen: P. "Weszelin v. Kis-Maria (Kis-Mariai We.szelin Päl, 1641) und Steph. Balogh v. Selye (Sel3"ei Balogh Istvän, 1655). 181. Havas Adolf. Glossäk a Komäromi enekeskönyvhöz. ^ Glossen zum Komorner liederbuch. EPhilK XXIV, 1900. S. 199— 209. Verf. behandelt ein gedieht „Atok" (= Fluch) aus dem „Komäromi enekeskönyV (= Komorner liederbuch, v. 1698 — 1701): die frage nach dem verf. des gedichtes und nach dem Verhältnis desselben zu dem ge- dieht „Ibis'' von Ovidius. Das gedieht selbst wird hier emendiert und mit kritischem apparat veröffentlicht. 182. Binder Jenö. Pärhuzamok Aranyhoz. z:= Parallelen zu Aran}'. EPhilK XXIV, 1900. S. 17 — 25. Verf. zeigt, dass man die motive der bailaden Arany"s „A hamis tanii" {— Der falsche zeuge) und „Az ünneprontök" (= Die festfrev- ler) in über ganz Europa sehr verbreiteten volkssagen zu suchen hat. Parallelen aus dem sagenschatz verschiedener Völker (aiich aus der mit- 152 VIII. Ungarn. telalterl. litteratur) werden angeführt Dazu eine bemerknnü: von L. Ka- tona EPhilK XXIY, 1900, 421— 422. 1-83. Zlinszky Aladär. Arany balladaforräsai. =r Quellen von Arany's bailaden. Irod. Közl. X, 1900. S. i — 30, 129 — 157, 257 — 286. Eine eingehende Untersuchung der quellen von Arany's balladeu. Die quellen werden zum teil in der älteren litteratur gefunden (ung. Chroniken, legenden, auch in alten Volksbüchern: so bei der bailade „Az ünneprontök". deren unmittelbare quelle ein Volksbuch ist, wo eine tanzlegende erzählt Avird : siehe vorig, u. folg. nr.). 184. Katona Lajos. Az ünneprontök. = Die festfrevler. Ethn. XI, 1900. S. 297 — 309. Im anschluss an die Untersuchungen über die quelle der Arany"- schen bailade mit dem obigen titel veröffentlicht der verf. ein von ihm im Ung. Xationalmuseum gefundenes ung. Volksbuch aus dem j. 1764, welches mit der nachweisbaren [siehe vorig, nr.] unmittelbaren quelle Arany's bis auf ganz unbedeutende abweichungen identisch ist. Das ung. Volksbuch scheint zunächst auf ein czech. od. slovak. original zu- rückzugehen. Die Urquelle der sage ist die mittelalterl. legende „die tänzer von Kölbigk'^, von welcher auch in einem erbauungsbuch des Jesuiten .1. Taxonyi (1740 — 43) eine Variante im luig. vorkommt (zunächst nach Trithemius' Chronicon Hirsaugiense). 185. Gaal Mözes. Hün es magj'ar mondäk. = Sagen von hunnen und Ungarn. Budapest, Franklin-Ges. 1900. 8:0. 224 s. Kr. 2,50. 186. Balassa Jözsef. Vigjätekok a nvelvüjitäsröl. := Komödien über den neologismus. EPhilK XXIV, 1900. S. 452 — 458, 526—532. Verf. berichtet über komödien, die den sog. neologismus (^„sprach- neueruug") in Ungarn verspotten. 5. Volkskunde. Allgemeines. ' 187. Benedek Elek. A mag3'ar nep multja es jelene. II. kötet. A bölscötöl a sirig. =z Vergangenheit und gegenwart des unga- rischen Volkes. IL band. Von der wiege bis zum grabe. Buda- dapest, Athenaeum. 1900. 4:0. 463 s. Kr. 16. 188. Gyiijtsük a nepkölteszet termekeit. z= Aufruf zum sammeln von erzeugnissen der volkspoesie. Ethn. XI, 1900. S. 31 — 32. Aufruf der red. der „Ethnographia''. volkspoesie sowie daten über Volksgebräuche und Volksglauben zu sammeln. Aiich in Xvr XXIX, 1900, 87—88 veröffentlicht. ' Unter dieser abteilung werden auch einige artikel angeführt, die der red. nur dem titel nach bekannt sind, und deren platz nicht ge- nauer hat bestimmt werden können. Volkskunde. 153 189. Dalotti Ödon. Alföldünk nepenek jellemzese. = Charakteri- sierung des Volkes unseres Alfölds. Pozsonyi f("ireälisk. ertes. 1900. S. 9—22. 190. Boer Miklös. A Sziläg^'säg nepeiröl. = Über die Völker- schaften von Szilägysäg. Hazänk 1900, nr. 78. 191. Boer Miklös. A Szilägysäg etnografiai väzlata. =z Ethno- graphische skizze von Szilägysäg. Magyar AUam 1900, nr. 16. 192. Czirbusz Geza. Az avassäg es nepe. = Avassäg, land und Volk. Földr. Közlem. 1900. S. 225 — 243. (Im komit. Szatmär.) 193. Major Antal. Az aldunai szekelyek neprajza orvosi szempont- böl. z= Die ethnographie der sekler an der unteren Donau vom ärztlichen gesichtspunkte. Hevesmegj'ei Hirl. 1900, nr. 103, 104. 194. Rubinyi Mözes. A moldvai csängökröl. ^ Über die Moldau- csängös. Vasärn. Ujs. XLVII, 1900, nr. 42. S. 690 — 692. Kurze ethnograph. skizze über die csängos in der Moldau (mit 6 illustr. ;. 195- G-yörgy Endre. A moldvai csängökröl. =: Über die Moldau- csängös. Vasärn. Ujs. 1900, nr. 43. S. 706 — 708. Zusätze zu nr. 194. Beobachtungen des verf. auf zwei reisen. Die rumänisierung schreitet immer mehr vorwärts. Nachrichten über die bevölkerung in früherer und neuerer zeit. 196. Cserna Jäczint. A csängök es szokäsaik. =: Die csängös und ihre sitten. Szentes es vid. 1900, nr. 71. 197. Mailand Oszkär. Ethnologiai pärhuzamok. (A mag}'ar es romän nep szöhagyomänyainak köreböl.) ^= Ethnologische paral- lelen. (Aus dem kreise der traditionen des ungarischen und des rumänischen volkes.) Hunyadm. Tört. Tärs. XL evkön^ve. 1900. Volkslitteratur. [Vgl. VIII 1-2. 68. 94. 95, 171. 172. 182—184. 237. 238, 253. 2.55. 256.] 198. Sebestyen Gyula. »Gyäszmagyarok». Adalekok a közepkori enekmondük törtenetehez. ^ Die »g^'äszmagyaren /. Beiträge zur geschichte der liedersänger im mittelalter. Ethn. XI, 1900. S. I — II, 49 — 62, III — 115. Der verf. zeigt, dass der ausdruck „gyäszmagyaren". mit dem man die sieben flüchtlinge aus der Augsburger Schlacht (955) bezeichnet hat, eig. avif einem di-uckfehler beruht; gyoz (worin man gyäsz "trauer", gaz 'A\'ild' hat sehen wollen) ist nämlich an die stelle des gyak < .3: diäk "schü- 1er. Student" in der bed. "umherziehender bettelnder sänger') der Ofener chronik (Croiiica Hungarorum) getreten. Die sieben verstümmelten flücht- linge, die man oft mit den sieben führern der „landnehmenden" magya- ren verwechselt hat, haben nämlich laut den Chroniken nach ihrer rück- kehr in die heimat durch das singen ihr brod verdient: daher der iiame diak der Chroniken, weil man in den litteraten oder umherziehenden pos- senmachem die fortsetzer der heidnischen traditionalen kunst der sieben Ungarn gesehen hat. Die fortsetzer der alten heidnischen sangeskunst wa- 154 VIII. Ungarn. ren andrerseits die königlichen regus der dokumente aus der Arpa- denzeit (= joculatores, combibatores regales. possenreisser am königlichen hofe, o: regös . Die erinnernng an die letztere Verbindung lebt noch in den heutigen volkstümlichen regös-gesängen [regös = "ein am 2:ten weich- nachts- d. h. St. Stephanstage von einem hause zu dem anderen wandern- der und singender bursche'], in welchen es heisst. dass „die diener des heil. Stephan [— die sänger] aus einem schneeigen, kalten lande gekom- men sind, dem einem ist das ohr. dem anderen der fuss erfroren (vgl. die flüchtlinge, denen die obren verstümmelt wurden) Verf. hat solche regös-gesänge besonders gesammelt und ihre zahl auf anderthalb hundert zii bringen gewusst. Die heutigen volkstümlichen regös-gesänge und die damit zusammenhängenden gebrauche sind jedoch slavischerseits stark beeinfli^sst worden, und vieles ist direkt entlehnt. 199. Liptai Käroly. A kiräl}- nepünk dalaiban. = Der könig in den liedern unseres volkes. Hazänk 1900, nr. 4. u. Torontäl 1900, nr. 8. 200. Hitter Miklös jun. ..Szegen}' legenyek» a nepkölteszetben. := >Die armen barschen» (die räuber) in der volkspoesie. Czegled 1900. nr. 52. 201. Lantos. A »viräg-enekek»-röl. z= Über die »blumenlieder». Zalai Közl. 1900, nr. 19. 202. Olasz Jözsef. A nj'omor költeszete. :rr: Die poesie des elends. MagA'. Szemle 1900, nr. 3. 203. Huszar Györg}-. A temetö költeszete. ^ Poesie des fried- hofes. Xag}-körösi Hirl. 1900, nr. 29. 204. 10 1 magyar nepdal, melyeknek nagj'obb reszet Füredi M. enekelte. ^ loi ungarische Volkslieder, deren grösster teil von M. Füredi gesungen worden ist. Budapest u. Leipzig, Rözsavöl- gyi. 1900. 4:0. 96 s. Ivr. 3. 205. Kovats A. Mag\'ar nepdalok. r^ Ungarische Volkslieder. (Mag}-ar Könyvtär 150.) Budapest, Wodianer. 1900. 16:0. 68 s. Kr. 0,30. 206. Balladäk es rokonnemüek. 3= Balladen und verwandtes. Ethn. XI, 1900. s. 32—35- 6 ung. volksballaden aus verschiedenen gegenden. 207. Herrmann Antal. Kömives Kelemenne szekely balladäja. n= Die sekler bailade von K. K. Szekely Nemzet 1900, nr. 85. 208. Horger A. A kicsi kigjö a macska es a fereg. Hetfalusi csängö verses neprnese. 3= Die kleine schlänge, die katze und der Avurm. Ein csängöungarisches Volksmärchen in versen aus Hetfalu. Erdely Nepei II, 1900. S. 18 — 22. 209 a. Szerelmi dalok. = Liebeslieder. Ethn. XI, 1900. S. 35—36. 11 ung. Volkslieder aus verschiedenen gegenden. 209 b. Bordalok. ■= Weinlieder. Ethn. XI, 1900. S. 36 — 38. 10 ung. Volkslieder aus verschiedenen gegenden. 5- Volkskunde. 155 210. Gönczi Ferencz. Göcseji »danajok». = »Danaj»s (^ liederj aus Göcsej. Veröff. v. — — . Ethn. XI, 1900. S. 83—87. 16 Volkslieder aus Göcsej, Salader komit. (Zala). 211 a. Birkas Geza. Adalekok a dunäntüli nepkölteszethez. :=r Beiträge zu der volkspoesie jenseits der Donau. Gesamm. v. — — . Ethn. XI, 1900. S. 366 — 370. 18 Volkslieder aus Veszprenier, Salader (Zala) u. Schümeglier (Somogy) komit. 211 b. Läszlo Imre. Halasi nepdalok. r= Volkslieder aus Halas. Gesamm. v. — — . Ethn. XI, 1900. S. 370 — 372. 9 Volkslieder aus Halas (komit. Pest-Pilis-Solt-Kiskun). 212. Elekes Istvän. Szekely nepdalok. r=r Volkslieder der sekler. Aufgez. V. — — . Ethn. XI, 1900. S. 276 — 277. Zwei Volkslieder (aus Sinfalva, komit. Torda-Aranyos) mit melodien. 213 a. (>sz Jänos. Ünnepi rigmusok. :=r Feiertagsverse. Aufgez. V. — — . Ethn. XI, 1900. S. 273 — 275. Ein ung. weihnachts-, ein pfingst- und ein osternvers aus Kibed, komit. Maros-Torda. Die verse werden von 6 — 12-jälirigen hausierenden kindern gesungen. 213 b. Baläsy Denes. Karäcson3i köszöntök. ^ Weihnachtsglück- wünsche. Aufgez. V. — — . Ethn. XI, 1900. S. 275 — 276. Zwei metrische weihnachtsglückw-ünsche aus den komitt. Udvar- hely u. Häromszek. 214. Domonkos Istvän. Balazs-järö. = Blasiusgänger. Ethn. XI, 1900. S. 461 — 463. "Wiederbelebung des Blasiusgangs (= umzüge am tage des hl. Blasius) zu Dur im komit. Odenbiu-g (Soprou). Mitteilung der verse (dia- log), die bei der ceremonic verwandt werden. 215. Gönczi Ferencz. Göcseji lakodalmi kurjantäsok. :=: Hoch- zeitslieder aus Göcsej. Ethn. XI, 1900. S. 131 — 137. Der verf. veröffentlicht ca. 100 hochzeitslieder aus Göcsej, die ge- wöhnlich aus zwei od. A-ier, seltener drei gereimten zeilen bestehen. 216. Ladanjn. Bela. A rejäk nepköltesünkben. ^= Die reja's in unserer Volksdichtung. Nyr XXIX, 1900. S. 10 — 16. „Ec-ja's" sind klangfiguren der verschiedensten art (refrains, Sequen- zen, wiederholte ausrufe, Jodler, am ende "wie im vers), wie sie in der Volksdichtung, doch auch in der kunstpoesie, beliebt sind. Durch zahl- reiche beispiele aus der ung. volkspoesie beleuchtet. 217. Jenö Sändor. A rejäk nepköltesünkben. zr Die reja's in un- serer volkspoesie. Nyr XXIX, 1900. S. 592 — 593. Eine anzahl reja's: vgl. vorig, nr. 218. Keviczky Ferencz. Eg}' Räköczikori dal. = Ein lied ■ aus der zeit Käkoczi's. Veröft". von . Ethn. XI, 1900. S. 418 — 419. Ein lied mit erwähnving Räkoczi's nebst der melodie aus Szegvär, komit. Csongräd. Igö VIII. Ungarn. 219. Abränyi Kornel. A Räköczy-nöta is indulö. :=: Räköczy- lied und -marsch. Szekesfehervär es videke. 1900, nr. 78. 220. Bognar Teofil. Adatok a mesek vändorläsänak törtenetehez. =1 Beiträge zur geschichte der Wanderung von märchen. EPhilK XXIV, 1900. S. 30 — 32. I. Der verf. giebt zu dem 5:ten märchen (von dem wirt und knecht) der „Sammhing ungarischer volkspoesie"' („A magyar nepköltesi gjrüjtemeny") II. die Varianten in dem märchenschatz anderer europäi- scher Völker an. — II. Es werden 3 märchen (legenden) vom hl. Petrus und seiner wegen ihres geizes und neides in die höUe verdammten mut- ter erwähnt, die verf. in Ödenburger komit. (in Pereszteg 2 und Mihälyi 1) aufgezeichnet hat. Dergleichen sind bisher nicht in der gen. Sammlung enthalten. 22 1. Krausz Samuel. Adalekok a csodaszarvas regej eh ez. = Bei- träge zur sage vom »wunderhirsch». Ethn. XI, 1900. S. 116— 118. Die sage vom „wunderhirsch" kommt bei Kezai und bei den früheren ungar. chronikern vor; der verf. weist auf ähnlichkeiten in der dichtung anderer Völker hin. 222. Hanusz Istvän. Madarak a nepregekben. 1=: Die vögel in den volkssagen. Hazänk 1900, nr. 78. 223. A kezmüvesseg legendäi. = Die legenden der Handwer- kerschaft. Kecskemeti Friss Ujs. 1900, nr 66 — 67. 224. Deak Idus. A Vägvidek mondaköre. := Sagenkreis der Väg- gegend. Nyitrameg\'ei Közl. 1900, nr. 26, 32. (Kom. Odenburg). 225. Vikar Bela. Szöllnsi Päl meg a röka. Mese. z= P. Sznllösi und der fuchs. Märchen. Mitget, v. - — ■ — . Ethn. XI, 1900. S. 419 — 421. Aus Szent-Märton, Schümegher komit. (Somogy). Eine probe aus der märchensammlung von B. Vikar; letztere ist teils stenographisch aufgezeichnet, teils in den phonographeu hineingesprochen worden. 226. Benedek Elek. Bohökäs mesek. = Schnurrige märchen. (Az Athenaeum mesekönyvtära XVI.J Budapest, Athenaeum. 1900. 8:0. 85 s. Kr. I. 227. Benedek Elek. Vilägszep mesek. izr Die allerschönsten mär- chen. (Az Athenaeum mesekön3'vtära XVII.) Budapest, Athenaeum. 1900. 8:0. loi s. Kr. I. 228. Benedek Elek. A tündermesek. =r Zaubermärchen. (Az Athenaeum mesekönyvtära XVIII.) Budapest, Athenaeum. 1900. 8:0. 97 s. Kr. I. 229. Benedek Elek. Oriäsok es törpek. ^ Riesen und zwerge. (Az Athenaeum mesekönyvtära XIX.) Budapest, Athenaeum. 1900. 8:0. 90 s. Kr. I. 230. Benedek Elek. A tatärjäräs mondäi es egyeb mesek. = Sagen des mongoleneinfalles und andere märchen. (Az Athe- Volkskunde. 157 naeum mesekönyvtära XX.) Budapest, Athenaeum. 1900. 8:0. 100 s. Kr. I. Die märchensammlungen v. Benedek (nr. 226 — 2.30 j sind nicht eigentliche Volksmärchen, sondern sind auf j^und der motive der Volks- märchen zusammengesetzt und ahmen sehr gut die tonart des Volks- märchens nach. 231. Margalits Ede. A magyar közmondäsok es szöläsok rostäja \'. z= >Sieb) der ungarischen Sprichwörter und redensarten. V. XyK XXX, 1900. S. 91 — loi. Der anfang der Sammlung ist im b. XXIX abgedruckt. Der bisher erschienene teil enthält eine Sammlung (aus verschiedenen quellen) der- jenigen ungarischen Sprichwörter und redensarten. die mit lateinischen übereinstimmen. 232. Kropf Lajos. Egy-ket regi magj'ar közmondäs. =^ Ein paar altungarische Sprichwörter. Nj-r XXIX, 1900. S. 272. 233. Közmondäsok eredete. 1=: Ursprung der Sprichwörter. Nyr XXIX, 1900. S. 40 — 41. Erklärung einiger ung. Sprichwörter von J. Rechnitz, K. Tren- cseny it. Pesti Hirlap. 234. Dezsi Lajos. Megy bele mint Lödänba a menkü. Nyr XXIX, 1900. S. 274 — 276. I'ber einige redensarten mit historischem hintergrund. 235. Leszner Rudolf. Egeszseg, betegseg mag\-ar közmondäsok- ban. :=r Gesundheit und krankheit in ungarischen Sprichwörtern. Hazänk 1900, nr. 54. 236. Egeszseg, betegseg a magyar közmondäsokban. =r. Ge- sundheit und krankheit in den ungarischen Sprichwörtern. Buda es vid. 1900, nr. 15. Melodien. [Vgl. VIII 212. 218, 219, 2.56.] 237. Vikar Bela. Phonographfal gyüjtött nepköltesi adalekok. zzz Mit hilfe des phonographen gesammelte beitrage zur volkspoesie. Aufgenommen v. — — . Ethn. XI, 1900. S. 121 — 130. Ungar. Volkslieder mit den zugehörigen melodien. Die von Yikär phonographisch aufgenommenen melodien sind von Steph. Kereszty niedergeschrieben. 23S. Goll Jänos. Magj'ar nemzeti lant. 200 regi magj'ar nepdal ferti negyesben. i. 2. füz. 3. kiad. =n Ungarische nationalleier 200 alte ungarische Volkslieder in männerquartett. i. 2. heft. 3. aufläge. Budapest, L. Kökai. 1900. S:o. IV -\- 91, III + . 98 s. Kr. 2 pro heft. 158 VIII. Ungarn. Mythus, aberglaube, sitten u. gebräuc-he. [Vgl. VIII 29, 21.3 a u. b, 214, 215.] 239. Munkäcsi Bernät. Adalekok a mag}-ar halotti szokäsok po- gäny hagyomänyaihoz. z= Beiträge zu den heidnischen traditio- nen der ungarischen totengebräuche. Ethn. XI, 1900. S. 99 — ili. Ergänzung eines früheren aufsatzes desselben autors (Ethn. VII 297 — 323); der verf. führt einige einzelheiten der heutigen ung. totenge- bräuche an, „deren vollkommener entwickelte iind in ihren psychologischen Verbindungen klar ersichtliche analoga bei denjenigen östlichen Völkern vorkommen, die mit den ungarn in älteren historischen epochen in berüh- rung standen, besonders aber bei den mit den ungarn sprachlich ver- wandten Völkern". — Ziisätze zu diesem aufsatz werden Ethn. XI, 1900, s. 190 u. 281 von D. Baloghy und e. p. mitgeteilt. 240. Sebestyen Gyula. A magyar varäzsdob. =r Die ungarische zaubertrommel. Ethn. XI, 1900. S. 433 — 446. Verf. weist in der ungarischen volkspoesie und im hexenglauben einige reminiscenzen an die anwendung der zaubertrommel nach. Verf. hat konstatieren können, dass ein zauberweib in der Stadt Zala-Egerszeg noch vor kvirzem die trommel der stadt als zaubertrommel gebraucht hatte. Sie hatte auf dieselbe kreise gezeichnet, in die kreise bohnen ge- stellt und auf die trommel schlagend die bohnen springen lassen; aus diesen bewegungen hatte sie die zukunft voraussagen können. 241. Katona Lajos. Regi mag\^ar kuruzsläsok es varäzsigek. = Alte ungarische quacksalbereien und Zaubersprüche. Veröff. von — — . Ethn. XI, 1900. S. 118 — 121, 270 — 272. Handschriftl. aus dem j. 1609 (auf den inneren selten der ein- banddecke und auf dem titelblatt einer druckschrift in der bibliothek des Graner komitats). 242. Kovats L. Adatok a XVII. szäzadbeli nephithez. =: Daten zum Volksglauben im XVII. Jahrhundert. Ethn. XI, 1900. S. 280. Atiszüge aus einer handschrift der Budapester Universitätsbiblio- thek, welche ein arzneibuch aus dem anf. des XVII. jahi'h. enthält. In dem exemplar von Beythe's „Fives Könüv'"im Ung. nationalmuseum kommt eine handschriftl. ung. beschwörung aus dem XVII. .jahrh. vor. 243. Erdelyi Päl. Regi babonäk es kuruzsläsok. z:= Alter aber- glaube und quacksalberei. Ethn. XI, 1900. S. 80 — 82. Notizen über aberglauben aus dem „Komäromi enekeskönyv" (=: Komorner liederbuch, in der handschriftensammlung des Ung. nationalmu- seums; die lieder sind zwischen 1617 — 1701 entstanden). 244. Bellosics Bälint. Regi babonäk. ^ Alter aberglaube, Veröflf. von — — . Ethn. XI, 1900. S. 355 — 357. Eine alte handschriftl. aufzeichnung aus Siklös (komit. Baranya), mit unveränderter Orthographie. 245. Kovacs Sändor. A kuruzsoläs es varäzsoläs eszközei a sze- gedi boszorkäny-perekben. ^ Die mittel der quacksalberei und Zauberei in den Szegediner hexenprozessen. Dugonics Tärs. evkönyve 1898/99. 5- Volkskunde. X59 -46. Ballo Istvän. Regi paraszt häziorvossägok jeg^'zeke. :^ Ver- zeichnis der alten hausarzneien der bauem. Veröff. von — — . Ethn. XI, 1900. S. 352 — 357, 411 — 418. Handschriftl. Verzeichnis der hausmittel der baueru, von fran- ziskanern 1740 — 1750 aufgezeichnet, aus der lehrerbibliothek des kath. realgymnasiums zu Csiksomlyö. 247. Haralyi Fejer Ignäc. Nepbabonäk. := Volksaberglaube. Magi,ar Allam 1900, nr. 54 — 55. 248. C — a. Bäcskai babonäk. =z Bäcser aberglaube. Bäcs-Bo- droghm. Tört. Tärs. Evk. 1900. S. 112 — 115. 249. Csikos Istvän. A babona a palotäkban. z=z Der aberglaube in den palästen. Szekely Nemzet 1900, nr. 79. 250. Temesväry Rudolf. Volksbräuche und Aberglauben in der Geburtshilfe und der Pflege des neugebomen in Ungarn. Ethno- graphische Studien von — — . Leipzig, Th. Grieben (L. Fer- nau). 1900. 8:0. VIII -\- 148 s. M. 2,80. Mit 16 abbildungen im text. Inhalt: I. Menstruation: L. Erstes auftreten der menstruation. 2. Hygiene während der menstrua- tion. B. Menorrhagie. Amenorrhoe. Dysmenorrhoe. — II. Sterilität: 4. Ursachen der Sterilität. 5. Behandlung der Sterilität. 6. Hochzeitsge- bräiiche zur erzielung von fruchtbarkeit. 7. Sonstiger aberglaube. — III. Künstliche Sterilität: 8. Anticonceptionelle verfahren. 9. Hoch- zeitsgebräuche zur erreichung von Sterilität. 10. Coitus. 11. Gebräuchei während der geburt und des Wochenbettes behufs Vermeidung neuerlicher Schwängerung. 12. Fruchtabtreibende mittel und verfahren. — IV. Schwangerschaft: 13. Verschiedene gebrauche während der Schwan- gerschaft. 14. Diät der schwangeren. 15. Kleidung. 16. Hygiene der brüste. 17. Vorhersagung des geschlechts. 18. Willküi-liche knabenerzeu- gung. 19. Das versehen der schwangeren. — V. Geburt: 20. .Schutz- göttin der geburt. 21. Vorbereitungen für die geburt. 22. Stellung während des gebärens. 23. Kleidung der gebärenden. 24. Behandlung der geburt. 25. Geburtsanomalien. 26. Behandlung der uachgeburtspe- riode. 27. Nachgeburt und eihäute. — VI. Wochenbett: 28. Wochen- zimmer und Wochenbett. 29. Schutz gegen „böse geister", den „bösen blick"' und das „beschreien". 30. Diätetik des Wochenbettes. 31. Nach- wehen. 32. Hängebauch. 33. Chloasma uterinum. 34. Lochien. 85. Blu- tungen während und nach der geburt. 36. Ischurie und andere wochen- bettstörungen. 37. Das „milchfieber''. 38. Dauer des „Wochenbettes". 39. Erstes bad der Wöchnerin. 40. Der erste ausgang. — "\T!I. Das s äug ege schaff: 41. Entwickelung der brüste. 42. Erstes anlegen des kindes. Colostrum. 43. Stillen durch fremde frauen. 44. Künstliche emährung. 45. Galaktogoga und verschiedene vei-fahren zur förderung der milchsekretion. 46. Dauer des säugens. 47. Pflegekinder. 48. Ent- wöhnung. Mittel und verfahren zur Verringerung der milchsekretion. 49. Mastitis. 50. Wunde brustwarzen. — VIII. Das neugeborene kind. 51. Behandlung der nabelschnur. 52. Baden der kinder. 53. Lagerstätte der kinder. 54. Kleidung der kinder. 55. Circumcision. 56. Kinder- krankheiten. 57. Kinderlaufstühle. — Litteratur (s. 148 — 4). Text des von autor versandten fragebogens (s. 145 — 6). 251. Peterdi Läszlö. Eljegj^zesi es lakodalmi szokäsok. = Ge- bräuche bei Verlobung und hochzeit. Ethn. XI, 1900. S. 399 —403. l6o VIII. l'ngarn. Aus Felsö-Segesd, Schümegher komit. (Somogy); die verschiede- nen sprüc-he und dialoge sind im dialekt mitgeteilt. 252. Koväts L. Adatok a mag\'ar nepszokäsok törtenetehez. =1 Beiträge zur geschichte der ungar. Volksgebräuche. Veröff. von — — . Ethn. XI, 1900. S. 375. Yolk.sgebräuche am Johannistage und advent aus einer handschr. des Ung. Xationalmuseums („A historiäki-a mutato magyar lexikon"). 253. Nagy Jözsef. Hegyhätvideki (vasmeg^•ei) nepszokäsok. =^ Die Volksgebräuche in Heg}-hät (Eisenburger komit.;. Ethn. XI, 1900. s. 309—321, 357—366. 1. Hochzeit (mit liedern und Sprüchen). 2. Taufe. 3. Beerdigung. 4. Kalaka ('Zusammenkunft zur gemeinsamen Verrichtung einer arbeit") und fonö ("Zusammenkunft der frauen und mädchen zu gemeinsamem spinnen") -5. Kirchfest. 6. Die roten eier. 7. Das Scheibenspiel. 8. Das ballspiel. 9. Aberglaube. 10. Herstellung der weidenpfeifen. 11. Eid iind fluchen. 12. Supräläs ("das rutenschlagen") zum „unschuldige-Kindleinfesf-. 13. Luczäläs (= gebrauche am Lucientage). 254. Varga Lajos. Hüsveti dülökerüles, diderges es hajnalozäs. =z Ostergebräuche. Ethn. XI, 1900. S. 268 — 270. Berichtet über volkssitten zu ostern. Aufzeichnungen aus Szent- Gericze. kom. Maros-Torda. 255. Kertesz Jözsef. Mätkälö vasärnap. r:= »Verlobungssonntag» (sonntag nach osterni. Ethn. XI, 1900; S. 422 — 423. Berichtet über einen Volksgebrauch an der grenze der komitate Zala u. Somogy, nach dem die mädchen am sonntag nach ostern unter gesang und beschenkung mit anderen mädchen freundschaft schliessen („komäläs"!. Auch das ,,komaläs'"-lied -wird mitgeteilt. 256. Atovich Ferencz. Zobor-videki szent-iväni szokäsok. =z Die johannisgebräuche in der Zobor-gegend. Ethn. XI, 1900. S. 220 — 226. Enthält auch ung. Volkslieder mit melodien. 257. Netnes Ödön. A gajnai leänyväsär. ^ Der mädchenmarkt (z= brautschauj zu Gajna. Erdely, 1900. nr. 4. 258. Fülöp, coburg-göthai herczeg [Philipp, herz. v. Koburg- Gotha]. Garamvölg}'! nepszokäsok. ^=r A'olkssitten im Garamthai. Budapest! Naplö 1900, nr. 44. 259. Matyas Jözsef. Xehäny megegyezö vonäs a dunäntüli ma- gA-ar es a liptömegyei tot nepszokäsok között. uz: Einige über- einstimmende Züge zwischen den volkssitten der ungarn jenseits der Donau und denjenigen der slovaken im komit. Liptau. Rözsa- heg^'i kath. fogymn. ertes. 1900. S. 3^ — 35. 260. Deri Gyula. Magyar tänczokröl. =^ Über ungarische tanze. Mags'arorszäg 1900, nr. 23 u. Nemz. Szemle, nr. 2. 5- Volkskunde. 1 6 1 Stoffliche ethnographie. [Vgl. I 119-127, 131, 134, 136-140. VlII 31. 38, 89.] 261. Herman Otto. Az ösfoglalkozäsokröl. = Über die urbe- schäftitjungen. \'asärn. Ujs. XLVII, 1900. S. 130 — 131. tlber die ethnographischen Sammlungen von O. Herman (aus dem gebiete der ung. fischerei und des hirtenlebens), die er für die Pari- ser ausstellung zusammenstellte ; Illustrationen der gegenstände mit be- schreibung. 262. Herman Otto. A magj^arsäg häza. := Das ungarische haus. Budapest! Hirlap XX, 1900 ^^J^, nr. 29. Rezension des Vortrages von dr. Jankö (geh. am 28 jan. 1900, "siehe oben I 131); des letzteren ansieht über die herkunft des magyarischen hauses wird abgelehnt. 263. Janko Jänos. A magyarsäg häza, välasz Herman Otto ur- nak. = Das ungarische haus. Antwort an herrn O. Herman. Budapesti Hirlap XX, 1900 '^^/^, nr. 30. S. 3 — 4. Vgl. NeprE I 30. 264. Herman Otto. A mag>-arsäg häza. Utolsö szö. = Das un- garische haus. Letztes wort. Budapesti Hirlap XX, 1900 ^/g, nr. 31. S. 5. In derselben nr. von Budapesti Hirlap (s. 5) auch eine kurze äus- serung über das ung. haus von Gyula Pungur („A magyarsäg häza" = Das ungarische haus). 265. Szendrey Imre. A mag\-ar häz. =z Das ungarische haus. Buda- pesti Hirlap XX, 1900 "/g, nr. 37. S. i — 3. Feuilleton. Gegen Jankö' s Vorlesung. Stellt ein buch über das ung. haus in aussieht. 266. Bölöni Tamäs. Ismeretterjesztö elöadäsok. :=: Populär-wissen- schaftliche vortrage. Egj-etertes XXXIV, 1900 ^'/g, nr. 41. S. 9. Gegen Jankö"s Vorlesung. 267. Herman Otto u. Janko Jänos. A mag\-ar häz vitäjähoz. ^= Zur polemik über das ung. haus. NeprE i, 1900. S. 63 — 64, 80. Meistenteils persönlichen Inhalts. Vgl. nr. 262 — 2G3. 268. Wagy Jözsef. Heg}hät-videk epitkezese. = Über bauart in Hegyhät. NeprE l, 1900. S. 81 — 96. Beschreibung des plans. der bauart und einrichtung der häuser in Hegyhät (Eiseuburger komit. = Vas). 269. Szinte Gabor. A szekely häz. z= Das seklerhaus. NeprE I, 1900. S. lOi — 112. Über den bau und die entwickelung des seklerhauses (mit 4 bilder- tafeln und 10 al)bildungen). 270. Huszka Jözsef. Ujra szekely häz. =i Nochmals das sekler- haus. Neprfi I, 1900. S. 127 — 128. i62 VIII. Ungarn. Einige bemerkungen die methode betreffend gegen Szinte"s aufsatz (= vorig, nr.). Dazu noch Szinte (auch mit dem titel „Ujra szekely häz") XeprE 159. 271. Szinte Gabor. A tyükröpitö. :^ Das hühners;itter. NeprE I, 1900. S. 128. Ein fenstergitter zum schütz gegen hühner und katzen. bei den sek- lern in gebrauch. Mit abbildung. 272. Kovacs Sändor. A magyar ür häza a XVU. szäzadban. r= Haus eines ungarischen herm im XVII. Jahrhundert. Budapesti Hirlap 1900, nr. 80. 273. Vago Aladär. Adatok Nagj'-Bakönak neprajzähoz. ^ Beiträge zur ethnographie von Nagj-Bakönak. NeprE i, 1900. S. 55—56. Nachrichten über die bauarten und die trachten zu Nagy-Bakönak (Salader komit. = Zala). 274. Keler G\-ula. Kecskernet pusztäinak neprajzähoz. :^ Zur ethnographie der puszten bei Kecskernet. XeprE i, 1900. S. 74—77- Von den 50,000 bewohnern der Stadt Kecskemet wohnt ung. die hälfte auf den umliegenden puszten; der verf. besclu-eibt ilu-e häuser, bekleidung, speisen, erwerbszweige. 275. Sajovölgyi G. Peter. Dorogma neprajzähoz. = Zur ethno- graphie von Dorogma. NeprE I, 1900. S. 69 — 74. Nachrichten über das haus, die bekleidung und speisen bei den einwohnern (ung.) von Dorogma (im komitat Borsöd). 276. Rechnitzer Ignäcz. Hajdu-Szovät neprajzähoz. =: Zur ethno- graphie von Hajdü-Szovät. NeprE i, 1900. S. 99 — loi. Über die häuser, bekleidung, speisen und beschäftigungen in Haj- du-Szovät (komit. Hajdu). 277. Nagy Jözsef. Hegyhät videk neprajzähoz. z=r Zur ethno- graphie von Heg}-hät. NeprE i, 1900. S. 120 — 126, 132 — 140. Körperbau, bekleidung und tracht; ackerbau ; verschiedenes. 278. Fuchs Karl. Magj^arische grabpfähle. Mittheil. der. Anthrop. Ges. in Wien. XXX, 1900. S. 149 — 151. Auf den friedhöfen der reformierten Ungarn in Siebenbürgen finden sich öfters anstelle der grabsteine geschnitzte, reich profilierte pfähle. Verf. bildet eine anzahl derselben ab und giebt proben der auf ihnen vorkommenden in verse gesetzten inschriften. 279. Wernes Mihäly u. Nagy Geza. A magyar viseletek törte- nete. zrr Geschichte der ungarischen trachten. Budapest, Fran- klin-Ges. (mit Unterstützung des kultusministeriums). 1900. 4:0. 39 + 71 + 47 + 240. Kr. 180. Der text von Xagy, Zeichnungen it. bilder von Xemes. 280. Necsey Istvän. Az ingesatt (szpinka). uz Die hemdspange. NeprE i, 1900. S. 129 — 132. 5- Volkskunde. 163 Zur typologie der liemdspangen in Ungarn (auch mit herboiziehung von altortumsfundon). Mit 3 illustr. 281. Bätky Zsigmond. Tamäs Kata, a bänffy-hunyadi »nötafa». 3= Käte Tamäs, Sängerin aus Bänffy-Hun3-ad. NeprE i, 1900. S. 26 — 28. „Beiträge zur Wandlung der volkstümlichen moden"; aus anlass des auiftretens einer Sängerin, K. T., in nichtstilgerechter tracht in einem ung. stück. 282. Tolnai A'ilmos. A verecseny. ^ Seilerrad. NeprE i, 1900. S. 53-54- Ein ung. seileiTad aus dem dorfe Varsäd (Tolnauer komit., Külesd). Mit abhildung. 2S}. Lazar Istvän. A börcserzes Nag3'enyeden. =z Lederzubereitung zu Nag}'-Enyed (Strassburg). NeprE l, 1900. S. 56 — 58. Beschreibung der art der gerberei zu Nagy-Enyed, wo diese meister- -ihaft seit alten zeiten blüht. Anthropologie. [Vgl. VIII 277, 285.] 284. Jankö Jänos. Mag^^'ar typusok. Elsö sorozat: A Balaton mellekenU. Összeällitotta — — . (A Magyar Nemzeti Müzeum neprajzi gj'üjtemenyei. IL). — Mag3'arische Typen. Erste Serie: Die Umgebung des Balaton. Zusammengestellt von — . (Ethnogr. Sammlungen des Ung. Nat.-Mus. IL) Budapest, auf kosten des Königl. Ung. ministeriums für kultus und Unterricht herausg. durch die ethnogr. abteilung des Ung. Nat. -Museums. 1900. Gr. 4:0. 9 s. -}- 24 tafeln. Der text in ungarischer u. deutscher spräche. Statistik u. demographie. Sociale Verhältnisse. Verschiedenes. 285. Balogh Päl. A nepfajok Magj-arorszägon. = Die völker- rassen in Ungarn. Ethn. XI, 1900. S. 193 — 199. Probe aus einer längeren ethnischen Studie über die bevölkerung Ungarns in ihrer „rassen-zusammensetzung", „mit anwendung der ethno- gTaphischen ntiethode auf die demographie". 286. Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild. 340 — 350 h. Wien, A. Holder. 4:0. Kr. 0,30 pro heft. 287. Az oszträk-magyar monarchia iräsban es kepben. Magyar- orszäg VII. kötete i — 3. füz. := Die österreichisch-ungarische monarchie in wort und bild. Ungarn VII b., h. l — 3. 1900. Budapest, Kön. Ung. Staatsdruckerei. 1900. 4:0. 288. Hickmann A. L. Sprachen-Atlas. Ein beitrag zur Nationali- täten- und Sprachenfrage in Österr. -Ungarn. 6 Karten nebst einem erläuternden Text. Separat-Ausgabe aus desselben Autors Taschen-Atlas von Österreich-Ungarn 20 — 26. Wien, G. Frey- tag & Berndt. 1900. 17,5 X I9r5 cm. 6 karten -(-4 s. text. Kr. i. 104 YIll. Ungarn. 289. Frederiksen N. C. Nationaliteterne i Österrig-Ungarn. ^= Die nationalitäten Österreich-Ungarns. Nordisk Tidskrift 1900. S. 539-558 u. 589—602. Unter Zugrundelegung der arbeiten: „Les races et les nationalites en Autriche-Hongrie" von Bertrand Auerbach, und "Habsburg. Nägra minnen och studier frän Österrike-Ungarn" (= Habsburg. Einige erin- nerungen und Studien aus Österreich-Ungarn) von Alfred Jensen. 290. Hannikainen O. Itävalta-Unkarin kansallisuusolot. Kansan- valistusseuran toimituksia 115 (27 vuosik. 1901, l vihko). -j=: Die nationalitätenverhältnisse in Österreich-Ungarn. Publikatio- nen der Gesellschaft für Volksaufklärung 115. (27. Jahrgang 1901, heft I.) Helsinki, Ges. für Volksaufklärung, gedr. in Jyväskj-lä. 1900. 8:0. 38 s. 0,50. 291. Rosberg J. E. Magyarer och Kroater. ^r: Magj'aren und kroaten. Ateneum (Helsingforsj III, 1900. S. 356 — 368. Schilderung der ungarischen und kroatischen bevölkerung in Un- garn r;nd Kroatien. Auch einige [oberflächliche] äusserungen über die abstammung der ungarn. Geschichte. 292. Pauler Gyula. A magyar nemzet törtenete Szent Istvänig. ^r: Geschichte der ungarischen nation bis auf den heiligen Ste- phan. Budapest. UAW. 1900. 8:0. 276 s. Kr. 6. 293. Pauler G3-ula es Szüagyi Sändor. A Magyar honfoglaläs kütföi. A honfoglaläs ezredeves emlekere. A mag\\ Tud. Akad. megbizäsäböl szerkesztettek — — . ^ Die quellen der ungari- schen landnahme. Zur tausendjährigen erinnerung an die land- nahme. Im auftrag der ung. Akad. d. W. red. von — — . Budapest, UAW. 1900. 4:0. VIII + 878 s. Kr. 35. 294. A honfoglaläs kütföi. = Die quellen der landnahme. AkE XI, 1900. s. 550—555- Bericht über das Zustandekommen und programm der vorig, nr. 295. Pauler Gj-ula. A magj-ar nemzet elsö szereplese. = Das erste auftreten der ungarischen nation. IJj Magyar Szemle II. 1900. S. 408 — 422. Vgl. nr. 292. 296. Acsady Ignäcz. A telepites törtenelmünkben. = Die kolo- nisation in unserer geschichte. Uj Mag3-ar Szemle III, 1900. s. 329—354- 297. Werner Mör. Az erdel}-! nemetek bevonuläsa es a szebeni prepostsäg a XIV. sz. vegeig. zrz Die ansiedlung der deutschen in Siebenbürgen und die Hermannstädter probstei bis zum ende des XIV. Jahrhunderts. Erdelyi Müzeum XVII, 1900. S. 301 — 312, 397—413- Volkskunde. 165 2gS. Kaxacsonyi Jänos. A magyar nemzetsegek a XIV. szäzad közepeig. I. kötet. I. resz. Föüri e.s nemesi nemzetsegek. = Die ungarischen geschlechter bis zur mitte des XIV. jahrh. I. band. I. teil. Die magnaten- und adeligen geschlechter. Bu- dapest, UAW. 1900. 8:0. 464 s. Kr. 9. 299. Mihalik Jözsef. Törtenelmi emlekeink az 1900. evi pärisi vilägkiällitäs magyar pavillonjäban. = Unsere historischen denk- mäler in dem ung. pavillon der Pariser Weltausstellung 1900. ArchE XX, 1900. S. 375 — 384. Beschreibung der histoi-ischen sammliangen in dem ung. pavillon in der Pariser Weltausstellung 1900. Archäologie. [Vgl. 1 156, VIII 280.J 300. Archajologiai Ertesitö. AM. Tud. Akademia arch. bi- zottsägänak es az Orsz. Regeszeti s Emb. Tärsulatnak közlönye. Szerkeszti Hampel Jözsef. = Archäologisches inteUigenzblatt. Organ des arch. ausschusses der Ungar. Ak. der Wiss. und der Antiquarischen und Anthropologischen Landesgesellschaft. Red. von J. Hampel. N. f. XX. Budapest, UAW. 1900. Gr. 8:0. XXXIX + 440 s. Kr. 12. .Tälarlicli fünf hefte. 301. Szentraartoni Darnay Kälmän. Magj'arorszäg öskora. ::= Die Urzeit Ungarns. (Tudomänyos zsebkönyvtär 37 — 38 sz. = Wiss. taschenbibl. nr. 37 — 38). Pozsony u. Budapest, K. Stampfel 1900. 16:0. 143 s. Kr. 1,20. Mit 7 bildertafeln und 151 textillustrationen. «302. Cziraky Gj'ula. Bogojeva regi emlekeiröl. = Über die alten denkmäler aus Bogojeva. ArchE XX, 1900. S. 257 — 267. Beschreibung der funde aus dem stein-, eisen- und älterem mittelalter in Bogojeva (od. Gombos) im komit. Bäcs-Bodrog. 303. Hampel Jözsef. Ujabb hazai leletek az avar uradalom korä- böl. z=z Neue vaterländische funde aus der zeit der avarenherr- schaft. ArchE XX, 1900. S. 97 — 125. Berichtet über die neueren funde aus der zeit der avarenherrschaft im jetz. Ungarn, die bedeutende beitrage zur kenntnis dieser dunklen zeit geliefert haben (pferdegeschirr, schmuckgegenstände, wafFen). Wich- tig ist, dass man in Fönlak (Temeser komit.) 26 massive bronzestanzen zur herstellung von getriebenen gold- und silberblech-schmuckgegenständen gefunden hat, wodurch auch der zweck einiger früher bei Adony (Tol- nauer komit.) gefundenen gleichartigen ai'tefakte klar geM'orden ist. Diese stanzen bezeugen, dass die avarzeitlichen schmuckgegenstände im lande hergestellt worden sind, was wenigstens teilweise der annähme wieder- spricht, dass die bolgaren' und avaren ihre schätze nur durch raiib zu- 1 66 VIII. Ungarn. sammengebracht hätten. Die avariscli-bolgarischen erzeugnisse ■weichen hinsichtlich der geschmacksrichtung von den germanischen, sarniatischen und slavischen denkmälem ab. "Während die letzterwähnten drei gruppen in der Ornamentik der schmuckgegenstände nur wenige motive zeigen, sodass der kreis, wo sie hingehören, sofort erkennbar ist, ist der orna- mentvorrat der avarisch-bolgarischen gruppe viel mannigfaltiger, wes- halb man auch angenommen, dass die funde aus kriegsbeute bestehen. Die einfachste erklärnng der mannigfaltigkeit ist, dass die avar.-bolgar. schmiede, die den schmuck verfertigten, kein schöpferisches talent besas- sen, sondern von allen seiten der weit, von Indien bis zur Lombardei und von Ägypten bis zu dem nordgermanischen gebiete ihre muster zu- sammentrugen. AVirkliche iTrsprünglichkeit zeigt sich nur in den aller einfachsten geometrischen figuren, in den drei- und viereckigen Vertie- fungen, in den formen des punktes, des kreises und der halbkugel.! 304. Csalläny Gabor. Avar sirleletekröl Szentes hatäräban Donä- ton. =i Über die avarischen grabfunde an der grenze von Szen- tes zu Donät. ArchE XX, 1900. S. 393 — 398. Beschreibt in wort und bild die funde aus fi skelettgräbern der avarenzeit in der nähe der Stadt Szentes. Die abbildungen sind nach den einzelnen gräbern geordnet. 305. Dudas Gyula. A vaskuti, parabutyi es karavukova-räczmili- ticsi földmüvekrol. ^ir Über die erdarbeiten in Vaskut, Parabut}- und Karavukova-Räcz-Militics. ArchE XX, 1900. S. 385 — 386. Berichtet u. a. über seine Untersuchungen der grabhügel und des erdwalls in Vaskut (im komit. Bäcs-Bodrog). Der erdwall wui'de von Römer den sog. heidnischen festungen zugezählt ; verf. meint es sei nicht unwahrscheinlich, dass der ^\■all aus der avarenzeit stamme. 306. Miske Kaiman. Keczöli vasländsäk (Györ VM). =z Lanzen- spitzen aus Keczöl (Raaber komit.). ArchE XX, 1900. S. 96. Lanzenspitzen mit flügeiförmigen seitlichen fortsätzen an der schaft- tüUe — s. g. geflügelte lanzenspitzen — sind nun auch in Ungarn ge- funden worden. P. Rein ecke (Mittheilungen der Anthropol. Ges. in Wien XXIX 35 — 38) hält sie für fränkische arbeit aus der karolingerzeit. 307. Vasarhelyi Geza. Ket regi emlekmaradvänyröl Buda vide- ken. -.=. Über zwei denkmalsreste in der Ofener gegend. ArchE XX, 1900. S. 256 — 257. Berichtet über zwei künstliche hügel in der nähe von Ofen (der eine bei Török-Bälint. höhe 30 m, durchmesser des oberen plateaus 22 m; der andere bei Buda-Eörs, teilweise abgetragen); verf. vermutet, dass der letztere aus der zeit der landnahme stammen könnte. 308. Lehoczky Tivadar. Honfoglaläskori sirröl Beregszäszon. :nr Über ein grab aus der zeit der landnahme zu Beregszäsz. ArchE XX, 1900. S. 398 — 402. Beschreibung (mit 2 tafeln) eines reitergrabes aus Beregszäsz (waf- fen, trensen, Steigbügel, silberne beschlagplatte 1. 309. Dokus Gyula. Arpädkori sirleletek Zemplen värmeg}'eben. ^=. Grabfunde aus der Arpaden-zeit im Zempliner komitat. ArchE XX, 1900. S. 39 — 61. IX. Schriften in den finn.-ugr. sprachen. 167 Verf. beschreibt in wort und bild einige intressante grabfunde aus der Arpaden-zeit (Steigbügel, trensen, Schwerter, messer, armringe, finger- ringe, pfei] spitzen, teuerzeug, geliänge u. s. w.). Besonders interessant ist eine reich ornamentierte silberne beschlagplatte, welche nach der ansieht des verf:s die aussenseite einer feuerzeugtasche gebildet hat. 310. Jösa Andräs. Emlekek a honfoglaläs koräböl. =z Denkmäler aus der zeit der landnahme. Archfi XX. igoo. S. 214 — 241. Berichtet über den inhalt der skelettgräber in Tuzser (komit. Sza- bolcs). In den geöffneten 6 gi'äbern fand man waffen und schmuckge- genstände (u. a. die reste eines köchers mit pfeilspitzen und die beschlag- platte einer säbeltasche). IX. Schriften in den finnisch-ugrischen sprachen. (Mit ausnähme des finn., est., ungar.) A. Karelisch. rocnoÄa Hamero iHcyca XpHCxa CßÄToe EBanrejiie otb loaima, na KopeJiB- CKOMt asHKt. FocnojaHfc Miänt IncycaHi) XpnciaHi iirora eBaHre.iii Insa- HamTa Kapba.iaHi. Kie.ie.i.in. =^ Das heilige evangelium unseres herren Jesu Christi nach Johannes in karelischer spräche. Archangelsk, Miss. Ges. 1900. 8:0. 72 s. B. Südestnisch. (Dörpt-, bezw. Werro-estnisch.) 2. 5lgenba ©roangeliumi 2utf)a-uie fogobuiile SBenncriigin. I. jago. ^\nc\t= loin (Karton), irüfitü §. ^Qafmnnn'i rnamatu jn fiiuitrüfifonn. 1899. :z=i Agenda für evangelisch-lutherische gemeinden in Russland. I teil. Jurjew (Tarto = Dorpat), druck v. H. Laakmann. 1899 (ersch. 1900). 8:0. 185 s. Werro-estnisch, jedoch in einiger Übereinstimmung mit der südest- nischen (Dörpt-estnischen) Schriftsprache. 3. Wm Sajanba Sgiufc i^riätuje älHijtne Ste^tament e^f äBaftic Sepingo 9iaamat ninf .xlO), von welchen s. 1 den titel SPECIMEN NOV. TESTAMENTI LAPPONICI. in antiqua und s. 2 — 4 die kap. 1 — 2,u vom Johannesevangelium in fraktur, zwei- spaltigem druck, enthielt. Ohne druckjahr und druckort. Dieses exem- plar könnte möglicherweise unvollständig sein: in diesem falle wurden wohl ort lind jähr a;;f einem zweiten quartblatte genannt. C. I. Schwedisch-lappisch. 2. Norwegisch-lappisch. 169 [S. 12.] Von diesem katechismus fand ich im sommer 1900 ein bruch- stück bei einem läppen in Mala. Der titel fehlt. Aus der pa^jiniening kann man scliliessen, dass das ganze einst 64 blätter (8 bogen ) in 16u? (8.S X 6,2 ) nmfasst hat, schwedisch links, lappisch rechts. Inhalt : die zehn geböte: itl)nme§ne 2B. 9i. ^1ii)grenen lubne 1858. 3o^Qnne§ •DWrt§elIcn maf§oin 29 s., 16:0 (9 X 6, 8). = Luthers kleiner kate- chismus. Fünfte, von J. Mörtsell revidierte und herausgegebene aufläge von S. 16. Inhalt wie S. 7.5. II- S. 133, 135 und 139 sind auf kosten der lappenwittwe Gunilla Sjuls- dotter (geb. 1811, gest. 1892) aus Betsatjaure (Korpudden), Arvidsjaur, gedruckt. Das geld hierzu bettelte sie bei den herrschaften in Piteä zusammen. 12. S. 195, s. 161, z. 7. V. o. steht 2ä§u§, lies 2äfu§. K. B. Wiklund. 2. Norwegisch-lappisch. 13. [N. 50.] Dxegler for ^emjttelfeu af guruffouen i Vorgänger. [Unterschrift:] j^inmarfcHa ^lmt§manbaemkbe 6te Cctober 1859. 9?Qn= neftab. Asatusak bteccevuovde adnujume birra Levdnjavuonast. [Unterschrift:] Sameaednam Amt gudad beejve October manost 1859. Nannestad. Asetukset Meentymettsen viljellemisestas Porsangerissa elit Lemmiö- vuonossa. [Unterschrift:] Finmarkun Maanherranviralta ödes peeiv^ Loka kuusa 1859. Nannestad. [Tromso. 1860. H. M. Hoegs Enke.] :=r Regeln für die benutzung der fichtenwälder in Porsanger. lyo IX. Schriften in den finn -ugr. sprachen. 1 bl., 44 X 38 (der Text). Kor-wegisch in der ersten, lappisch in der zweiten, finnisch in der dritten spalte. 14. [N. 140.] kommt auch in plakatformat vor, noi-R-egisch links, lappisch rechts. 1 bl.. 33 X 34,5. 15. [N. 170.] Nuorttanaste Kristalas mano bladde. Nuorttanaste prentejaegje ja olgusdoaimatasgje Ife G. F. Lund Sigerfjord, Vesteraalen. z= Der nordstem. Eine christliche monatsschrift, herausgegeben von G. F. Lund. Kr. 1 erschien im august 1898. 1899 erschienen 11, 1900 12 nm. Jede nummer umfasst 8 s.. 21,2 X 15. 16. [N. 176.] SAMI USTEB. Prenteduvvum Tromsapoasta prente- dam-viesost. 1= Der freund der lappländer. Tromsö. Eine christliche monatsschrift. herausgegeben von der missions- gesellschaft ^Xorsk Finnemission " und redigiert von G. Tandberg und J. Otterbech. Nr. 1 erschien im april 1899. 1899 erschienen 9,' 1900 12 nm. .Jede nummer umfasst 8 s., 23,5 X 16,3. 17. [N. 181.] Gulatus. [Unterschrift:] 6. 2. ^üelfcn [!], Telegraf- Direktor. [1869]. 1 bl., 17,2X21,s. Revidierter neudruck von N. 180. 18. [W. 182.] Diettevassi addujubme. [Unterschrift:] Samecednam Amt istas basive September manost 1857. Chr. Kjerschow, kst. ^efjenbtgjorelie. [Unterschrift:] ginmarfen§ ?Imt, ben Ifte (September 18.57. 61)V. ßjericfioiD, t[t. [Tromso. H. M. Hoegs Enke]. = Be- kanntmachung, wie die erlaubnis zum holzfällen in den ficht enwäl- dern der vogtei Waranger zu erhalten ist. 1 z\yeisp. bl., 33x21,7. Lappisch links antiqua, norwegisch rechts fraktvir. Übersetzt von Fr. Hvoslef. 19. [N. 183.] Gulatus Telegraf-Oaive-olbmast. [Unterschrift:] Kristia- niast dam 20-^ bceive Januar manost 1870. C. Nielsen. 5Befjenbti]iüi"elie frn Selegraf^Xireftoren. [Unterschrift:] G^riftionia, 20!^ Januar 1870. 6. ^ticljen. := Warnung die vom Staate aufgeführten telegraphenhütten oder die in denselben befindlichen gegenstände zu beschädigen. 1 zweisp. bl., 35 X 42.5. Lappisch links antiqua, norwegisch rechts fraktur. 20. [N. 184.] (Sunb()ebsfor)frifter for (SyboarangerS öerreb, bifalbte neb fongelic] Siciolution nf 29be Januar 1870. [Unterschrift:] (Sijbüavangcr 3unbf)cb§fommi§fion i 93?cirt§ 1870. 3:ent}ei}§=eiifirjoituffia Sijbimvanger läänille joibin funingn^ 011 fucftunut päätötfen fautta 29|"tä 3:ammifuit§fa 1870. [Unterschrift:] @i)biiQrangtn- tcnüet)§fommi3iiDnt 9JiaaU§fuu§ia 1870. Daervasvuocta-oudastcallagak Sydvaranger albmugi miedetuwum gonagassast 29gad beeive octdajage manost dam jage 1870. [Unterschrift:] S3'dvaranger dasrvasvuo'Iakommissiona niuvca ma- nost dam iage 1870. = Gesundheitsvorschriften für das kirchspiel Südwaranger. 1 dreisp. bl., 56,6X39. C. 2. Norwegisch-lappisch. D. Mordwinisch. 1 7 1 2 1. [N. 185.] 33efjenbtgjorclic. [Unterschrift:] iyiunuufcn« ^^tntman^§= emliebe lObe ^saniuir 1885. {^. ^Kpimiiuv Diedetcebme. [Unterschrift:] Finmarko a>dnamhcerra ammat loi^ad baeive januar manost 1885. C. Rynning. ?JuIiftii§. [Unterschrift:] (vinmnvfun inmi()cvron liiänisiü, 10 p. tcimmi= fuuta 1885. (>. Otqnnimv = Bekanntmachung über die medizinalabgabe bei den fischereien in Finnmarken. 1 dreisp. bl., 23,5X34,5. Übersetzt ins lappische von J. Q vigstad, ins finnische von N. Urs in. 2 2. [N, 186.] Politi-asatusak. GuovddagEeino suokkani. siettujuvvum suokkancoaggamest 24ad november 1894 ja 5ad april 1895 vela nannijuvvum gonagaslas asatusa bokte 3 lad august 1895. 3}ab§ö 2;vt)fferi 1896. = Polizeiverordnungen für das kirchspiel Kouto- kceino. 1 zweisp. bl., 27x21,5. 23. [N. 187.] Ale ane goassege garrem-jukkamusaid ! Udgivet af Norske Kvinders Totalafholds-Selskab 1900. Prenteduvvum Gron- dahl & Son lutte. [Kristiania 1900]. ^= Gebrauche nie berau- schende getränke! 1 bl.. 32x24. Übersetzt von J. Qvigstad nach „Brug aldrig berusende drikke! Udgivet af Norske Kvinders Totalafholds-Selskab 1898", und von dem mässigkeitsverein norwegischer fravien herausgegeben. 24. [N. 188.] Darrogiel ja Samegiel Katekismus 1900. z=: Dr. M. Luthers kleiner katechismus in norwegischer und lappischer Sprache. Unveränderte neue aufläge von N. 142, titel wie N. 142 mit fol- genden änderlangen: [s. 2] gaar für gaa; Femte Oplag für Fjerde Oplag; 1900 für 1894; [s. 8] Vidad j:)r8entedubme für Xjseljad prsentedubme ; 1900 für 1894 Die ausgäbe wurde von J. Qvigstad besorgt und er- schien in Kristiania 1900. 25. [N. 189.] B. A. W. Luren. Tolv lappiske og norske Viser og Sänge. = Das hörn. Zwölf lappische und norwegische lieder und gesänge. Tromsft. J. Kjeldseths Bogtr. 1900. 16:0. 31 s. Enthält drei gesänge in lappischer spräche („Irgge-lavl" — Freier- gesang, „Varjevuodna" u. „Fjeldfinnernes Xationalsang" — IVationalgesang der gebirgslappen, vgl. X. 118). Der Verfasser ist A. "W. Brun (s. BFpL s. 137). J. Qvigstad. D. Mordwinisch. 26. CBHiueuiiaa ucTopifl ßexxaro aaBtra. Ha MOKuiancKOMi) Hapl.'iin M(ip;ion- CKaro aauKa. = Die heilige geschichte des alten bundes. Im mok- schadialekt der mordwinischen spräche. Kazan, Miss. Ges. 1900. Kl. 8:0. 75 s. 172 IX. Schriften in den finn.-ugr. sprachen. Auf dem Umschlag steht 1900, auf dem titelblatt dagegen 1897; die censurerlaubnis ist den 21. se])tember 1894 datiert. E. Wotjakisch. 27. 'Aimie iipeiioioÖHaro Tpinliona B^icKan) 'lyjOTBopua, Ha botckomi «suKt. — CßiiToil Tpn(t)onb [z= Svjatoj Trifon]. zzz Das leben des ehr- würdigen wunderthäters Tryphon von VVjatka, in wotjakischer Sprache. Kazaii, Miss. Ges. 1900. 8:0. 31 s. Rbl. 0,5. Südwotjakisch. 28. 'Älmie cB/fTHxe.iefi xpncTOBuxt TypiK, BapcoHO(l)ia h FepMana Kasan- cKiixB Hyj;oTBopii,eB'i>, Ha botckomb aanKt. ;=: Das leben der hohenpriester Christi Gurius', Barsonophius' und Hermann's, der wunderthäter von Kasan, in wotjakischer spräche. Kazan, Miss. Ges. 1900. 8:0. 24 s. Rbl. 0,5. Südwotjakisch. 29. /KHiie CHMeoHa BepxorypcKaro, na botckom-s a;3HKt. = Das leben Si- meon's von Verchoturje, in wotjakischer spräche. Kazan, Miss. Ges. 1900. 8:0. 8 s. Südwotjakisch. 30. IlaMHTb CejtbMH OXpOKOBT, HHie BO Efitect, na BOTCKOJIt H3HKt. — E({)eci ropo;iHCb CBflTOH CH3LHM imHH.i niec.i3H y.i9M3H [= Efes gorodys svjatoj sizym pinjal pijoslen ulemzy]. = Die sieben knaben von Ephesus, in wotjakischer spräche. Kazan, Miss. Ges. 1900. 8:0. 22 s. Rbl. 0,3. Südwotjakisch. F. Ostjakisch. 31. Jegorov loann u. Popov loann. Emhhfi acTOiica [= Emyng jastopsa]. — CßHmeHHaa iicxopia. = Die heilige geschichte. To- bolsk, Miss. Ges. 1900. 4:0. 153 s. Nordostjakisch und russisch. Schlussbemerkung. Ein Verzeichnis der rezensionen im j. 1900 wird im dritten hefte des Anzeigers erscheinen. Von den estnischen periodischen erscheinungen haben wir dies- mal nur „Postimees", „Eesti Postimees" und „Linda" berücksichtigen können. — Von „Egyetemes Philologiai Közlöny" stand aus versehen nur ein unvollständiges exemplar zu unserer Verfügung. Die lücken werden nach möglichkeit in der bibliographie des jahres 1901 ausgefüllt werden. Nachträglich sei erwähnt, dass auch dr. O. Kallas (hülfe bei der korrektvir), mag. phil. K. F. Karjalainen und red. .J. TOnisso.n beitrage für die bibliographie geliefert haben. Mitteilungen. 173 Mitteilungen. Thätigkeit wissenschaftlicher Gesellschaften und institute. Litterarisches. — Preisaufgaben der Ung. Akademie der Wissenschaf- ten. Die ung. Akademie hat u. a. folgende preisaufgaben angekündigt: Die türkischen elemente im ungarischen, prämie 2000 kr., termin der einsendung 30. sept. 1901. Geschichte der ungarischen Orthographie von den ersten schriftlichen denkmälem bis auf unsere zeit. Prämie 40 dukaten, termin 30. sept. 1902. Geschichte der ungarischen lyrischen dichtung von den ältes- ten spuren bis 1867. Prämie 2000 kr., termin der einsendung 30. sept. 1902. Nachweis der quellen für die Codices in ungarischer sprä- che bis zur mitte des XVI. Jahrhundert. Termin der einsendung 30. sept. 1901. Prämie 2000 kr. Ferner läuft am 30. sept. 1901 die konkurrenzzeit um die von Andor Semsey der Ung. Akademie der Wiss. ausgesetzten preise (von je 20,000 kr. nebst accessit von den zinsen von 3000 kr.) für die abfassung von 10 werken, welche Ungarn und seine kultur behandeln sollen, ab. Unter den preisaufgaben nennen wir folgende: Wissenschaftliche ungarische grammatik, deren gegenständ die lebende spräche und die älteren sprachformen der denkmäler bilden; in einer einleitung soll über die Verwandtschaftsverhältnisse des ungarischen, in grossen zügen über die geschichte der spräche, besonders über die darin zu verspürenden fremden einwirkungen gehandelt werden. Daran soll sich die betrachtung der heutigen litteratursprache anschliessen. Umfang höchstens 120 druckbogen. Geschichte der ungarischen litteratur von den ältesten Zeiten bis 1867, die nach inhalt und form gleicherweise den an- sprüchen der Wissenschaft wie des gebildeten publikums entspre- chen soll. Umfang höchstens loo druckbogen. ly^ Mitteilungen. Archäologie Ungarns auf grund der vorhandenen denkmä- 1er und unter benutzung der gesamten fachlitteratur. Umfang einschliesslich illustrationen höchstens 1 50 druckbogen. Geschichte Ungarns von der landnahme bis zur krönung Franz Josefs I. Umfang 120 — 150 bogen. — Der »Samuel-preis > ist von der Ung. Akademie der Wiss. SiEGMUXD KallöS für seine arbeit A tagadäs nyelvünk- ben (z=: Die Verneinung in unserer spräche, Nyr 1900 und sep., Bibl. VIII 21) zugesprochen worden. — In der zweiten sitzung der I. abteilung der Ung. Aka- demie der "Wiss. (^'2 iQOi) referierte und besprach S. Simoxyi das neue handschriftliche werk Heinrich Wixkler's >Die ma- gyaren und ihre alte kultur» (siehe Akademiai Ertesitö 1901, heft 135, s. 126 — 132). — Von den vortragen in den Versammlungen der Fin- nisch-ugrischen Gesellschaft seien erwähnt: dr. Yrjö Wichmann: »Über den namen der Stadt Kasan» (märz, vgl. FUF I 104); mag. phil. E. A. Ekman: »Finnische etj'mologien» (tinn. Wörter altgerma- nischen Ursprungs, mai). — Von den während des frühlings 1901 in den Versamm- lungen der Pinnischen Alterturasgesellschaft gehaltenen vortragen seien erwähnt dr. Kustavi Grotenfelt: »Über Bischof Henrik in der geschichte und im gedächtnis des Volkes» (märz); dr. Väinö Wal- lin »Über den jahresbegriff und die jährlichen feste bei den finnen» (april); dr. Artturi H. Snellman »Der Selbständigkeitskampf der esten gegen die deutschen ritter» (Jahresversammlung, mai). — Die gesellsch af t für heimische spräche zu Hesing- fors (Kotikielen seura) feierte am 14. märz, der 50:sten Wieder- kehr des tages der ernennung Castren's zum professor an der Uni- versität, das fest ihres 25-jährigen bestehens. Prof. Setälä hielt einen Vortrag über: »Die finnische spräche als Studien- und Unter- richtsfach an der finländischen Universität bis 1851 (der anfang im aprilheft der Zeitschrift »Valvoja» erschienen). — An der Budapester Universität ist eine akademische finnisch-ungarische gesellschaft („Egyetemi Pinn-magyar Thätigkeit wissenschaftl. ges. n. instit. Litterarisches. 175 Tarsasag") ins leben gerufen worden. In der konstituierenden Ver- sammlung, die am -'^ 1900 stattfand, wurde die eröflfnungsrede von prof. J. SzixxYEl gehalten; dazu hielt stud. E. FrüCHTL einen vertrag über die ältesten aufzeichnungen über die finnen, und stud. A. SzEKELY trug die Übersetzung einer novelle JUHAXI Aho's vor. Versammlungen (mit vortragen über finnische m3-thologie, Kalevala u. s. w.) werden alle zwei woche abgehalten. — Anfang februar ist die berühmte Sammlung lappischer gegenstände des feldmessers A. Orstadius für einen kaufpreis von S,ooo kr. an das Nordische Museum Schwedens übergegangen. Diese Sammlung, das produkt jahrelanger sammelarbeit, enthält wertvolle silbergeräte, wie becher, trinkschalen, Schmucksachen, knöpfe u. a., zinnzieraten, Schnitzereien aus renntierhorn, kleider sowie allerhand zur Wirtschaft und zum heidnischen gottesdienst der läppen gehörende gegenstände. Besonders bemerkt zu werden verdient, dass sich in der Sammlung viele solche gegenstände und typen befinden, die vorher nicht bekannt gewesen sind. Hingegen gehören die silbergeräte, die überaus zahlreich sind, nicht der lap- pischen, sondern der schwedischen kultur (z. t. der altschwedischen typenreihe) an, da dieselben nie von den läppen, sondern von den goldschmieden in den küstenstädten Norrlands angefertigt worden sind. Die Sammlung umfasst im ganzen 350 nummern. — Wörterbücher der Pinnischen Litteraturgesellschaft. Nach einem von prof. Setälä 1896 entworfenen plan hat die Fin- nische Litteraturgesellschaft die absieht den Wortschatz der fin- nischen spräche in drei grossen Wörterbüchern darzustellen: in einem wörterbuche i) der Volkssprache, 2) der alten litteraturspra- che und 3) der heutigen litteratursprache. Das erste soll i) alle Wörter der Volkssprache (nicht nur * dia- lektische») enthalten, soweit sie zusammenzubringen sind; 2) die verschiedenen formen der Wörter in den einzelnen dialekten unter rubrikwörtern, die in der form der litteratursprache stehen, mitteilen und ihre Verwendung durch redensarten und beispiele illustrieren ; 3) nach möglichkeit die geographische Verbreitung eines jeden Wortes und einer jeden bedeutung fixieren. Die ma- terialsammlungen haben im sommer 1899 begonnen, nachdem ein besonderes »Wörterverzeichnis für die Sammler» (Keräilysanasto, red. V. E. A. Ekman) erschienen war. Bisher sind ca. 115,000 176 Mitteilungen. Zettel von 58 Sammlern eingelaufen. Die wichtigsten dialekte wer- den von besonders ausgeschickten phonetisch geschulten Stipendia- ten lexikalisch untersucht. In der Sitzung der Gesellschaft am 23. januar d. j. schlug prof. Setälä vor, dass aueh die ausarbeitung des Wörterbuches der heu- tigen litteratursprache, welches geeignet wäre, nach möglichkeit ein vollständiges bild von dem Wortschatz der heutigen finnischen httera- tursprache zu geben, und welches die erklärungen in finnischer spräche böte, in angriff genommen werde. Zum zweck der materialsamm- lung sollten zunächst die wichtigsten werke der besten schriftsteiler der neueren und neusten zeit durchgesehen, die zu gewinnen- den Wörter und redensarten durch unterstreichen bezeichnet und später auf zettel ausgeschrieben werden. Der Vorschlag wurde von der gesellschaft angenommen. Hand in hand mit der ausarbeitung des letztgenannten Werkes soll die herstellung eines umfassenderen finnisch-deutschen Wör- terbuchs gehen, für dessen redigierung unser mitarbeiter dr. G. Schmidt in aussieht genommen ist. — SziNNYEi's Tajszotär (^ Ungarisches dialektwörterbuch) ist mit bd. II. h. VII. abgeschlossen worden (I. 1568 spalten, II. 1026 sp.). Der komplementband (kindersprache, Verzeichnis der mund- artlichen taufnamen, eigennamen der tiere, lockrufe für tiere, wichtige nachtrage und Wortregister zum ganzen werke) wird in einiger zeit folgen. — Das Kalevala auf ungarisch. Bela Vikar, der sich schon seit längerer zeit mit einer neuen metrischen Übersetzung des Kalevala ins ungarische beschäftigt, hat neulich die Übersetzung der runen XI — XV (die runen von Lemminkäinen) in einem kleinen hefte A Kalevaläböl (in der Sammlung Magyar Kön5'vtär) veröffentlicht. Die Übersetzung ist getreu und zugleich mit fei- nem poetischen takt ausgearbeitet. Das Kalevala auf italienisch. P. E. Pavolixi, professor an dem R. Istituto di studi superiori in Florenz, beabsichtigt das Kalevala ins italienische zu übersetzen. Forschungsreisen. lyy Forschungsreisen. — Dr. H. Paasonen hat aus dem fond des kammerherrn H. Rosenberg während dreier jähre von der Helsingforser Universität eines von den grossen reisestipendien (8000 F'mk pro jahrj genossen. Diese zeit über hat er die spräche der mordwinen, tscheremissen und ostjaken sowie der tschuwassen und tataren (der sog. mischä- renj studiert. Zuletzt hat er sich seit anfang august 1900 mit dem ostjakischen beschäftigt und sich zu diesen zweck zuer.st in Demjanskoe, darnach in Surgut aufgehalten (7 monate wurden auf die erforschung des Konda-dialekts, die übrige zeit auf die erfor- schung des Jugan-dialekts verwandt). P:s arbeiten sind vor allem auf die Sammlung des Wortschatzes und folkloristischen materials gerichtet gewesen und haben ihm eine überaus reiche ernte einge- bracht. Bedeutende Sammlungen von folklore hat er in der weise erzielt, dass er schreibkundige mordw. und tschuw. eingeborene angestellt hat, die kleine Stipendien von der Finnisch-ugrischen Gesellschaft bezogen. Ihre aufzeichnungen hat F. zum teil später durchgesehen, zum teil sind sie noch zu revidieren. In diesem sommer gedenkt P. seine forschungen in den östlichen teilen des kreises Surgut, wo ein beträchtlich abweichender dialekt gesprochen wird, fortzusetzen. Das konsistorium der Helsingforser Universität hat ihm soeben das erwähnte Stipendium für den ab- schluss seiner forschungen bei den mordwinen auf ein weiteres jähr zugesprochen. — Als Stipendiat der Finnisch-ugrischen Gesellschaft hat mag. phil. K. F. Karjalainen seit dem sommer 1898 sprachliche Stu- dien bei den südlichen und östlichen ostjaken getrieben. Im ersten jähre studierte er die dialekte von Irt3'sch und Konda; im sommer 1899 untersuchte er die mundart von Vach. In den wintermonaten der jähre 1900 und 1901 hat er sich in der gegend von Surgut aufgehalten, im sommer 1900 das gebiet der vasjuganschen ostjaken bereist. Sein hauptzweck ist gewesen ein vollständiges lexikon dieser von allen finnisch-ugrischen sprachen am meisten vernach- lässigten zustande zu bringen. Daneben hat er aber folkloris- tische, ethnographische und statistische materialien gesammelt. Es ist ihm zum ersten mal geglückt ostjakische Opferhandlungen zu 12 Mitteiluli "-en. photographieren ; auch hat er mit hilfe eines phonographen ostja- kische melodien aufgefangen. — Den Inari-lappischen dialekt hat als Stipendiat der Fin- nisch-ugrischen Gesellschaft mag. phil. Frans Äimä studiert. Ä. reiste anfang juni des vorigen jahres nach Tromsö, wo er von J. Qvigstad, dem bekannten forscher des lappischen, durch rat und that Unterstützung für seine weitere reise empfing. Am 2. august langte er in Inari an. Zwecks Zusammenstellung eines Wörterver- zeichnisses ging er durch das handschriftliche umfangreiche Wörter- buch (Inari-dialekt) des weiland probstes A. Andelin, Wiklund's Ur- lappische lautlehre, sowie Qvigstad's Nordische Lehnwörter. Zugleich beschäftigte er sich mit den lautlichen und grammatischen erschei- nungen des dialekts. Ä. hielt sich sowohl im kirchdorf Inari als auch in verschiedenen lappengehöften sowohl westlich als östlich des Inari-sees auf. Die rückreise erfolgte am 9. februar 1901 nach einer forschungsarbeit von 7 monaten. Als ergebnisse seiner forschung hat A., ausser einem Verzeichnis von etwas über 7,000 Wörtern, sprachproben: ca. 40 Volksmärchen sowie meh- rere lieder, Sprichwörter und aufzeichnungen über aberglaube der läppen mitgebracht. — Dr. A. O. Heikel hat im januar 1901 eine reise nach Estland unternommen und mit geldmitteln aus der Antellschen Stiftung für das finländische ethnographische museum estnische Volkstrachten angekauft; zugleich hat er gegenstände aus dem museum zu Dorpat photographieren und zeichnen lassen sowie eine muster- sammlung (trachten, decken, 80 gürtel mit verschiedenen mustern) erworben. Im Rigaer museum hat er gegenstände der lettischen ethnographie, welche viele Vergleichspunkte mit der finnischen dar- bietet, photographieren und abzeichnen lassen. — Dr. Hj. Appelgren hat von ende märz bis ende mai die russischen museen bereist um vergleichenden archäologischen for- schungen obzuliegen. Sein hauptzweck war, kürzlich in Westfin- land gemachte gräberfunde mit entsprechenden russischen zu ver- gleichen, um die altwestfinnische tracht (unter Zuhilfenahme der neueren ethnograpischen gegenstände aus Westfinland) zu restau- rieren, wie es dr. Th. Schvindt mit der altkarelischen unternom- men hatte. über d. beneun d. finn.-ugr. völk. u. sprach, u. abkürz. ders. lyg — Dr. Th. Schvindt hat im märz eine ethnographische for- schungsreise nach Westfinland und im april und anfang mai eine ebensolche nach Nord-Österbotten unternommen. — Dr. Yrjö Wichmann ist von der finländischen Univer- sität ein reisestipendium (das sog. Alexanderstipendium, 5140 fmk) für die erforschung der syrjänischen spräche zugeteilt worden. Über die benennung'eii der finnisch-ugrischen Völker und sprachen und die abkürzungen derselben. In der benennung der finnisch-ugrischen Völker und sprachen herrscht noch grosse buntscheckigkeit, in die unbedingt Ordnung zu bringen wäre. Ich erlaube mir hier einige punkte zu besprechen. Als name der ganzen Sprachgemeinschaft wurde früher die be- zeichnung »finnisch» gebraucht, BuDENZ wollte später »ugrisch» ein- geführt wissen, andre schreiben »ugrofinnisch», in Ungarn wiederum hat MuNKÄCSl »finnisch-magyarisch» oder »finnisch-ungarisch» in Vorschlag gebracht, eine bezeichnung, die schon früher bisweilen (z. b. von D. E. D. Europ.eus) verwandt worden ist. Am allge- meinsten dürfte jedoch »finnisch-ugrisch» sein, welches auch ich hier empfehlen möchte (abgek. finn.-ugr. oder fiugr.). Das finnische volk und seine nächsten verwandten (die ka- relier, olonetzier, wepsen, woten, esten, liven) hat man oft unter dem gemeinsamen namen »westfinnen», ihre sprachen unter dem na- men »westfinnische sprachen», zusammengefasst. Daneben hat man jedoch auch »die baltischen finnen», »die finnen», bezw. »die fin- nischen sprachen» gesagt. »Westfinnen» ist an sich keinesweg eine besonders treffende bezeichnung, da ihr gegensatz »ostfinnen» ist und zu diesen beispielsweise die ungarn gerechnet werden. Ausser- dem verursacht sie Schwierigkeiten, wenn man gezwungen ist von west- und ostfinnischen dialekten, Varianten etc. zu sprechen, wo man die dialekte, Varianten etc. aus dem westlichen, bezw. östlichen Finland meint. »Balten» bezw. »baltisch» wäre zu billigen, die bezeichnungen sind aber bereits für einen anderen zweck in anspruch genommen. Wir l8o Mitteilungen. schlagen vor: >die ostseefinn en», »die ostseefinnischen spra- chen» (auch der kürze halber »die finnischen sprachen», abgek. osfi.). Dagegen bedeutet »finnisch» (abgek. fi.) nur die finnische spräche im engeren sinne (auch »suomi» genannt). Die übrigen ostseefinnischen sprachen werden folgendermassen bezeichnet: kare- lisch (kar.i, olonetzisch (ol.j, wepsisch (weps., wepsN = nordweps., wepsS :^ südweps. ; die bezeichnung »nordtschudisch» wird nicht verwendet), wotisch (wot.), estnisch (est., estN ^ nordest., estS :=: südest.), livisch (livW = westliv., livO = ostliv., livL :=:= das ausgestorbene livisch in Livlandj. Für die übrigen finnisch-ugrischen Völker und sprachen und deren hauptdialekte ^ werden die folgenden bezeichnungen vorge- schlagen : Lappen, lappisch (Ip.j: norwegisch-lappisch (IpN), schwe- disch-lappisch (IpS), Lule-lappisch (IpL), Inari-lappisch (Ipl), Kola- lappisch (IpK). Mordwinen, mordwinisch (mord.j : Erzja-mordwinisch (mordE), Mokscha-mordwinisch (mordM). Tscheremisse n, tscheremissisch (tscher.): bergtschere- missisch (tscherB), wiesentscheremissisch (tscherW), osttscheremis- sisch (tscher O). Permische Völker: syrjänen und wotjaken; syrjä- nisch (syrj.): petschorischer dialekt (syrjPtsch.), ischemischer dialekt (syrjl), udorischer dialekt (syrjU), vymscher dialekt (syrjVym), vytschegdischer dialekt (syrjV), vytschegdischer dia- lekt an der oberen Vytschegda (syrjOY) und an der unteren Vytschegda (syrjUV), sysolischer dialekt (syrjSj, luzischer dialekt (syrjX), permischer dialekt od. »permjakisch» (syrjP); wotja- kisch (wotj.): glasovscher dialekt (wotjG), bessermanscher dialekt (wotjBess.), sarapulscher dialekt (wotjSj, malmyzscher dialekt (wotjM), jelabugascher dialekt (wotjj), malmyz-urzumscher dia- lekt (wotjMU), kasanscher dialekt (wotjK), ufascher dialekt (wotjU). Ugrische Völker: wogulen, ostjaken und Ungarn (ugr. nicht ^= finn.-ugr. od. Ob-ugr.). Ob-ugrische Völker: wogulen und ostjaken; wogu- lisch (wog.): nordwogulisch (wogNj, südwogulisch (wogS), ' Neue bezeichnungen können natürlich nach bedarf eingeführt werden. j Ignäcz Haläsz. i8l Konda-wogulisch (wogK), dialekt von Mittel-Lozwa (wogML), dialekt an der unteren Lozwa (wogUL), Pelym-wogulish (wogP), Tavda-wogulisch (wogTj ; ostjakisch (ostj.): Irtysch-ostjakisch (ostjl), Surgut-ostjakisch (ostjS), nord-ostjakisch (ostjN). Ungarn und ungarisch (ung.) oder magyaren und ma- gyarisch (magy.)? Unser mitarbeiter prof. S. Simonyi schreibt uns: »Ich bitte die ungarische spräche nicht magyarisch zu schreiben, denn dieses hat einen politischen beigeschmack und entspricht nicht dem wirklichen deutschen Sprachgebrauch. In Ungarn und Österreich sagen die deutschen ungarisch reden, nicht aber magyarisch reden». Ihm stimmt in einer antwort auf unsere anfrage im we- sendichen prof. SziNXYEl bei, der sich mit anderen ungarischen forschern über die bezeichnung beraten hat. Auf grund ihrer auk- torität haben wir die bezeichnung ungaren, ungarisch (ung.) gebraucht, obgleich nicht zu läugnen ist, dass es ein vorteil wäre Ungarn, ungarisch im geographisch-politischen und da- gegen magyaren und magyarisch im ethnographischen sinne zu verwenden. Ich bitte die geehrten fachgenossen sich über diese vorschlage äussern zu wollen. E. N. S. I Ignäcz Haläsz, ord. Professor an der Universität Klausenburg (Kolozsvär) ist nach langem leiden am 9. april 1901 gestorben. Der dahingeschiedene, 1855 geboren, hat an der Universität zu Budapest studiert und zwar als schüler J. Budenz', welcher ihn zu sprachwissenschaftlichen Studien anregte. In den jähren 1877 — 92 wirkte er als lehrer an einer mittelschule (hauptsächlich in Stuhl- weissenburg) und habilitierte sich 1893 als privatdozent der unga- rischen Sprachvergleichung in Budapest. Im j. 1893 wurde er (nach J. Szinnyei) als professor der ungarischen Sprachwissenschaft und der vergleichenden ugrischen linguistik nach Klausenburg berufen. l82 Mitteilungen. Anfangs beschäftigte sich Haläsz (dessen ursprünghcher name Fischer war) auch mit HtteraturgeschichtHchen Untersuchungen, bald jedoch wandte er sich ausschliesshch der Sprachforschung zu und konzentrierte sich speciell auf die spräche der schwedischen läppen, die bis dahin überhaupt noch nicht wissenschaftlich erforscht war. Nach schriftlichen quellen hatte Haläsz schon 1881 eine grammatik des schwedisch-lappischen zusammengestellt, die er zu- sammen mit texten (in NyK XVI) verötfentlichte, wie er auch 1883 nach den texten von Genetz einen umriss der russich- lappischen grammatik ausarbeitete (NyK XVII). Persönhch mit den läppen bekannt zu werden war es Haläsz auf den drei reisen vergönnt, die er (in den sommern 1884, 1886 und 1891) mit Unterstützung der Ungarischen Akademie der Wis- senschaften zu den schwedischen läppen unternahm. Das ergebnis dieser reisen ist sein hauptwerk Svedlapp nyelv (aus 6 teilen bestehend: 1. sprachtexte des Lule- und Pite-lappischen mit Wör- terbuch, IL sprachproben aus Jemtland, III. sprachproben aus Ume- und Tornelappmark, IV. südlappisches Wörterbuch, V. Sammlung von volkspoesie aus Arjeploug in Pite-lappmark und VI. Pite-lappisches Wörterbuch mit einer kurzen grammatik). Hieran schloss sich der aufsatz »Die kleineren Lule-lappischen dialekte» (NyK XXII, 1890 — 92) und eine ausführliche Charakteristik der schwedisch-lappi- schen dialekte (ebenda). Unter seinen übrigen untersuchimgen, die hauptsächlich in IVIags'ar Nyelvör und Nyelvtudomänyi Közlemenyek veröffentlicht worden sind, mögen besonders hervorgehoben werden »Mag}'ar elemek az eszaki szläv nyelvekben» (:=: Ungarische demente in den nordslavischen sprachen, Nyr XVII — XVIII, 1888 — 89) und »Az ugor-szamojed rokonsäg kerdese» (= Die frage nach der ugrisch- samojedischen Verwandtschaft, Nj-K XXIII und XXIV, 1893 und 1894), wo besonders der wortvorrat der fiugr. und sam. sprachen verglichen wurde. Im übrigen interessierte er sich besonders für die derivations- lehre des ungarischen; hierher gehört eine seiner ersten Untersuchungen »Ritkäbb es homälyosabb kepzök» (^:= Seltnere und dunklere ablei- tungssilben, Nyr VII — X, 1878 — 81); auf dasselbe gebiet führt uns sein letzter artikel >Az it kepzö» (--z= Die ableitungssilbe it,-Nyr XXX, 1900, 155 — 161), der einige tage nach seinem tode erschien. Im anfang stand Haläsz' forschung bei den läppen sein man- gel an phonetischer Schulung hindernd im wege, woneben er auch sichtlich allzu früh an die aufzeichnung von sprachproben ging. Personalien. 1 83 Gegen die phonetische genauigkeit seiner Untersuchungen sind da- her auch eine ganze menge bemerkungen gemacht worden (siehe WiKLUND, Die südlappischen forschungen des herrn Dr. Ignacz Haläsz, JSFOu. XI, 2); auf alle fälle aber ist zu bemerken, dass sein be- obachtungsvermögen nach dieser seite hin stetig zunahm, so dass er auf seiner letzten reise schon ein recht tüchtiger beobachter ■geworden war. Hinsichtlich seiner sprachhistorischen methode war Haläsz der schüler Budenz', und in einzelnen aufsätzen im Nyelvör vom jähre 1892 (besonders bei der erklärung des wortes szaz 'hundert', Nyr XXI 243 ff.) zeigte es sich, wie diese methode, ins extreme entwickelt, vollständig auf Irrwege leiten kann. Doch kann man in seinen letzten arbeiten leicht verspüren, dass seine methodischen prinzipien einwirkungen von selten der neueren lin- guistischen richtungen empfangen hatten. Die finnisch-ugrische Sprachwissenschaft ist Haläsz dank schul- dig vor allem für die ersten nachrichten, die er uns von den in so hohem masse interessanten schwedisch-lappischen dialekten gege- ben hat, und die noch nicht durch genauere aufzeichnungen ersetzt worden sind. Ohne zweifei hätte die Wissenschaft, im hinblick auf Haläsz' entwicklungsfähigheit, immer reifere neue fruchte seiner forschungsarbeit erwarten dürfen. Das lebhafte und herzlich liebenswürdige wesen des verstor- benen hatte ihm zahlreiche freunde verschafft, die jetzt mit seiner wittwe und seiner tochter das allzufrühe dahinscheiden des ver- dienstvollen gelehrten betrauern. E. N. Setälä. Personalien. — Arvid Genetz, o. Professor der finnisch-ugrischen Sprach- forschung an der Universität Helsingfors, ist zum Senator (und chef der expedition für kirchliche und schulangelenheiten in F In- land) ernannt worden. Die professur ist vakant, und die bewer- bungszeit läuft mit dem 19. juli ab. — Dr. Johann Melich hat sich als dozent für ungarische etymologie (»magj'ar szöfejtes^>) an der Universität Budapest habilitiert und die bestätigung des ung. kultusministers erhalten. 1 84 Mitteilungen. — Dr. LUDW. Katona, privatdozent der vergleichenden litte- raturgeschichte an der Universität Budapest, ist zum korrespon- dierenden mitglied der ung. Akademie der Wissenschaften ernannt worden. — Die erste lizentiatenprüfung auf dem gebiete der finnischen und vergleichenden volkspoesieforschung (mit Verteidigung eines themas aus diesem gebiete: Die Wiederholungslieder der estnischen Volkspoesie, V -|- 398 s. u. i karte) hat an der Helsingforser Uni- versität cand. phil. O. Kallas (d. 30 mai d. j.) abgelegt. o Bll^i>iwüi S..